szmtag
Christoph Kappes

Facebook: Ein Zwischenruf.

 | 50 Kommentar(e)


Die deutsche Politik versucht, hastig und mit den falschen Mitteln öffentlichen Druck auf Facebook aufzubauen. Dabei lautet die eigentliche Frage: Welche grundsätzliche Haltung hat das Facebook-Management zu Privatsphäre und Datenschutz?

11.04.2010 | 

Die Diskussion um die Geschäftsbedingungen von Facebook hat in den letzten Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht: Nachdem Ministerin Aigner einen „offenen Brief“ an Marc Zuckerberg auf Facebook veröffentlicht hat und Verbraucherschutzverbände vor Facebook warnten, findet sich nun auch ein überparteilicher Zusammenschluss von Politikern, die zur Mitgliedschaft in einer Facebook-Privatsphäre-Gruppe auffordern.

Dieses Vorgehen halte ich für falsch und, mehr noch, sogar für schädlich. Warum?

A. Die sachliche Ebene

Zunächst zur Sache selbst:

1. Facebook wird nur hauptsächlich für einen einzigen Punkt kritisiert, nämlich die neuen Datenschutzbestimmungen mit der Weitergabe von Daten an Partner ohne vorherige Zustimmung im Einzelfall. Das ist ein Problem, aber der falsche Fokus, denn es mangelt nicht an Aktivitäten, die man kritisieren könnte:

  • Die Einblendung von Freunden in Werbeanzeigen,
  • den Datenaustausch mit gmx,
  • das systematische Verstecken von Privatsphäre-Optionen (bis hin zur Löschung des eigenen Profils),
  • das Anzeigen der Applikationen von Kontakten,
  • das dauerhafte Verbleiben von Links auf Inhalte, auch nachdem diese auf „privat“ umgestellt wurden (!),
  • das Markierenkönnen von Personen auf Fotos Dritter,
  • mangelhafte Beschwerdemöglichkeiten, wenn andere Nutzer Rechtsverstöße begehen,
  • das systematische Verleiten auf vermeintlich harmlose Applikationen Dritter, die keinen anderen Zweck als Nutzerdatensammlung haben (auf Facebook-Entwickler-Foren findet sich dazu lebhafter Austausch),
  • das systematische Verleiten von Nutzern, via iPhone-Applikation vertrauliche Kontaktdaten auf Facebook hochzuladen,
  • die maschinelle Analyse von Statusmeldungen – in Kombination mit der neuerdings gemeldeten Erweiterung „Facebook Mail“ vermutlich ein ganz großes Thema, das der Diskussion um GMail nicht nachstehen wird.

Diese Liste ist nicht einmal vollständig. Es zeugt nicht von Sachkenntnis, dass die Beteiligten hier nur einen einzigen Aspekt thematisieren. Richtig wäre, einmal „das Ganze“ anzusprechen. Wenn sich in diesem einen Fall die öffentlichen Wogen wieder glätten, wie sie das nach einigen Monaten immer tun, wird es umso schwieriger werden, das „System Facebook“ zu kritisieren und Grenzen zu setzen.

2. Die öffentliche Diskussion vermittelt den Eindruck, Facebook habe bereits gehandelt. Dieser Eindruck ist falsch. Im Gegenteil, Facebook verweist völlig zu Recht darauf , dass man nur neue Bestimmungen zur Diskussion gestellt habe. Wer dies mit der Old Economy vergleicht, wird Facebook hier sogar einen Pluspunkt geben müssen: Welches andere Unternehmen diskutiert mit seinen Kunden vor der Änderung von Geschäftsbedingungen, öffentlich, schriftlich und intensiv?

3. Es geht Facebook nach eigenen Angaben nicht um eine generelle Zustimmung zur Datenweitergabe an Dritte. Im Gegenteil, Facebook schließt das für seine Werbepartner ausdrücklich aus, hier soll anonymisiertes Targeting von Werbemitteln stattfinden. Die Zustimmung betrifft Partner, deren Anwendungen dauerhauft eingebunden werden sollen, was auch in Deutschland nicht unüblich ist. Materiell geht es um drei ausgewählte Partner: Yahoo, AOL Chat, CNN Streams. Alle drei Fälle haben Nutzwert und sind meines Erachtens durchaus nachvollziehbare Weiterentwicklungen des Kernproduktes und vor allem – gemessen am Datenaustausch mit den Entwicklern scheinbar harmloser, viraler Applikationen – sind sie wenig bedenklich, weil es sich um angesehene, etablierte Unternehmen handelt. Damit argumentiere ich inhaltlich, formal ist ein Opt-Out auch aus meiner Sicht ein Foul, sofern und soweit die Klausel auch bisher nicht genannte Partner umfasst.

Fazit: Die richtige Diskussion, aber Thema verfehlt. Das richtige Thema wäre die generelle Haltung des Facebook-Managements zu Privatsphäre und Datenschutz.

B. Die politische Ebene

1. Nach Ansicht des hamburgischen Datenschutzbeauftragten wäre die angestrebte Änderung ein Verstoß gegen §4 Abs. 2 BDSG. Warum wird nicht diskutiert, ob er damit richtig liegt? Stattdessen rauscht drei Tage lang der Blätterwald. Ebenso sagt er, es läge ein Verstoß gegen die Safe-Harbour-Erklärung vor. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Safe Harbour entgegen landläufiger Meinung sehr wohl Mechanismen vorsieht, wie zu verfahren ist, wenn ein U.S.-Unternehmen gegen die Bestimmungen verstößt, denen es sich unterworfen hat. Ich erwarte von Ministern, dass sie sich hierzu äußern, gegebenenfalls den Rechtsweg beschreiten und/oder ihr Vorgehen mit Amtsträgern des Bundes oder der EU abstimmen.

2. Für ein ministerielles Vorgehen ist ein „offener Brief“ an den CEO, geschrieben an einem Ostermontag, eine unangemessene Vorgehensweise. Bevor man zu solchen Mitteln greift, gilt es a) Rechtsverstöße zu prüfen und gegebenenfalls mit den dafür vorgesehenen Mitteln dagegen vorzugehen, b) Hintergrundgespräche zu führen, c) einen Gesetzesentwurf anzustoßen. Dies wäre zielführender als ein öffentlicher Affront, zumal ein wenig Beschäftigung mit Marc Zuckerberg und der Finanzierungssituation von Facebook schon nach kurzem googeln ergibt, dass Mr. Zuckerberg ein 25jähriger Papier-Milliardär ist, der früher E-Mail-Accounts gehackt hat und von seinen Investoren abhängig ist, da sein Unternehmen nicht annähernd den Gewinn erwirtschaftet, den ein Unternehmen mit einer derart hohen Bewertung erwirtschaften muss. Kurz gesagt: Ein dezenter Brief oder Anruf bei den Investoren oder eine Einladung zu einem Tee wäre vermutlich zielführender gewesen. Und dieses Vorgehen wäre auch so, wie bisher Einwirkungen der Politik in Unternehmen funktioniert haben: dezent und ohne Außenwirkung – und gerade deswegen erfolgreich. Man stelle sich einmal zum Vergleich vor, dass der Bundeswirtschaftsminister einen offenen Brief an den neuen Vorstandsvorsitzenden von SAP schreibt, weil das FI-Modul des ERP-Systems die handelsrechtlichen Vorschriften zur Speicherung von Buchhaltungsvorgängen nicht einhält, oder der Bundesumweltminister einen Brief an Porsche schreibt, weil das neue Modell die Umwelt schädigt. Wird das der neue Politik-Stil in Deutschland?

3. Ich sehe es als Bürger sehr kritisch, dass Amtsträger, seien es Minister oder Mitglieder des Bundestags (egal welcher Colour), nicht die Wege beschreiten, die für die Amtsausübung vorgesehen sind. Der Souverän hat diese Amtsträger nicht nur gewählt, sondern auch ermächtigt, mit staatlicher Gewalt (im abstrakten Sinne) zu agieren, seien es „Rechtshinweise“, Bescheide, Gesetze, oder parlamentarische Hearings, Ausschüsse und Enquete-Kommissionen, um politische Probleme zu analysieren und politisch sowie ggf. rechtlich zu lösen. Ein „offener Brief“ gehört nicht zu diesem Repertoire. Und das erst recht nicht, wenn der Minister einerseits vorgeblich als Privatperson und Facebook-Mitglied handelt, dabei aber andererseits mit seiner Amtsbezeichnung unterzeichnet (– und dies zu allem Überfluß auch noch mit unzutreffender Ministeriumsbezeichnung.)

4. In der Aufforderung von Politikern an die Bevölkerung, einer entsprechenden Facebook-Gruppe beizutreten, sehe ich sogar einen Fall dessen, was man im Management „unzulässige Rückdelegation“ nennt. Der Souverän hat durch Wahlen die Ausübung politischer Macht an die gewählten Instanzen delegiert. Wenn diese nun, vielleicht gut gemeint, den Souverän motivieren, seinerseits politischen Druck auszuüben, stellen sie ihre eigene Verantwortlichkeit in Frage. Die Analyse und Lösung einer derartigen Problematik ist Aufgabe der Politik. Ein Scheitern dieses Vorgehens wäre daher auch ein Scheitern der Politik.

Fazit: Auch Beschwerdeweg, Form und Adressat sind falsch. Dabei steht für mich außer Frage, dass öffentlicher Druck auch zum richtigen Ergebnis führen kann; nach meiner Auffassung heiligt aber der Zweck nicht die Mittel.

Crosspost von fructus.

Mehr zu : |

CARTA Kaffeekasse

50 Kommentare

  1. Gk |  12.04.2010 | 07:44 | permalink  

    Da zerbrechen sich Politiker den Kopf über Facebook, sprechen Empfehlungen aus und dann wird kräftig darüber geschrieben. Nun schreibt Herr Kappes mal eben was – was sachlich Fundiertes. Kompliment!

  2. Wolf |  12.04.2010 | 08:36 | permalink  

    “Ich sehe es als Bürger sehr kritisch, dass Amtsträger, seien es Minister oder MdBs (egal welcher Colour), nicht die Wege beschreiten, die für die Amtsausübung vorgesehen sind. ”

    Kann man gar nicht dick genug unterstreichen. Passt alles erschreckend genau in die Politiksimulation dieser Bundesregierung.

  3. Sascha |  12.04.2010 | 09:17 | permalink  

    Guter Artikel. Danke für die Gedanken.
    Vermutlich soll der grüne Kasten mit den Kritikpunkten ein Stilmittel darstellen, in erster Linie ist er aber unfassbar schwer zu lesen und überaus unzugänglich… Vielleicht kann man solche stilistischen Kniffe etwas dezenter einsetzen?

  4. omx00 |  12.04.2010 | 09:27 | permalink  

    Der Artikel von Christoph K. ist gut und fundiert geschrieben. Nichts desto trotz finde ich die streitbare Initiative ok – und das als Jurist weniger aus rechtlichen, sondern aufgrund es selbst Erlebten: Vor einigen Wochen habe ich meinen ersten Account bei Facebook angemeldet … man glaubt nicht, wie schwer es ist, ihn wieder los zu werden. Vieles bei Facebook ist in einer rechtlichen Grauzone, dahern darf sich auch die Initiative und der Aufruf dazu in einer Grauzone befinden.

  5. Christoph Kappes |  12.04.2010 | 09:39 | permalink  

    @omx00: Sie sind mit dieser Meinung nicht allein, im Facebook-Profil von Frau Aigner finden sich massenhaft Bürger, welche die Aufrichtigkeit, Chuzpe, Geradlinigkeit und den Mut loben.
    Ich habe mir dann aber vorgestellt, wie viele Legislaturperioden es dauert, bis Bundespräsidenten zu Flashmobs vor der Nestlé-Zentrale aufrufen und danach diesen Artikel geschrieben.
    Auf “graues” Handeln darf der Staat nicht mit “grauen Mitteln” reagieren. Die handelnden Personen sind dazu nicht legitimiert und die Instanzen verlieren ihre Autorität, weil sie sich auf die gleiche Ebene begeben.

  6. Sascha |  12.04.2010 | 09:43 | permalink  

    Jetzt ist das ganze deutlich besser zu lesen. Danke! ;)

  7. Malte Spitz |  12.04.2010 | 09:53 | permalink  

    Hallo,

    ich möchte nur auf die Forderungen der Gruppe “Facebook Privacy Control -NOW!” hinweisen, die aus mehr als einem Punkt bestehen.

    Unsere Forderungen lauten:

    Keine ungefragte Weitergabe von Profildaten an Dritte! Also Opt-In statt Opt-Out!

    Bei Veränderungen der Privatsphäreneinstellungen durch Facebook dürfen die NutzerInnendaten nicht standardmäßig allen Personen zugänglich sein. Wir wollen vorher gefragt werden, wer unsere persönlichen Daten einsehen kann!

    Transparente und offene Beteiligungsverfahren bei der Diskussion über mögliche Änderungen der Geschäftsbedingungen!

    Gemeinsame Entwicklung von hohen Datenschutz-Standards mit Daten- und VerbraucherschützerInnen und den NutzerInnen, die weltweit in Facebook Gültigkeit haben. Nur NutzerInnen, die sich keine Sorgen über den Missbrauch ihrer Daten machen müssen, sind glückliche NutzerInnen.

    Das Recht am eigenen Bild und eigenem Text muss bei den NutzerInnen bleiben!

    Anwendungen dürfen nur von mir freigegebene Daten erhalten und nicht die meiner Freunde!

    Zudem finde ich es bedenklich wenn politische Arbeit, selbst von gewählten VertreterInnen, nur im Parlament stattfinden soll/darf. Sie darf nicht nur in Facebook stattfinden, sondern muss auch im Parlament stattfinden. Ich denke aber das sich sowas ergänzt und nicht widerspricht und daher beides sinnvolle Instrumente zur Bekanntnmachung der Problemlage, zur Findung und Umsetzung konkreter politischer Handlungen sind. Zudem ist es auch an Facebook ein wichtiges Signal, das hier überparteilich von FachpolitikerInnen ein Umdenken gefordert wird.

  8. omx00 |  12.04.2010 | 09:59 | permalink  

    @CK: Diese Argumentation macht jedem Juristen Ehre! Diese klare Position gilt dann im übertragenen Sinn bestimmt auch für Steuer-CD’s aus der Schweiz oder ;-) ?

  9. Volker Meise |  12.04.2010 | 10:06 | permalink  

    Wie immer eine sachlich fundierte Analyse mit kühlem Kopf, der ich hundertprozentig zustimme.
    Für mich ist die Wahl des offenen Briefes als Eingreifmittel schlichtweg der Unkenntnis des Themengebiets geschuldet. Alle anderen genannten Aktionen (Hintergrundgespräche etc.) verlangen eine intensive Beschäftigung mit Web 2.0 allgemein, der darin inhärenten Datenschutzproblematik im besonderen und mit den sozialen Netzen als Ganzes. Hat man davon keine Ahnung, macht man sich in Fachgesprächen lächerlich.
    Da das dummerweise auf so ziemlich die ganze politische Klasse zutrifft (Ausnahmen bestätigen die Regel), wird halt lieber Handeln inszeniert. Und da ist der offene Brief nur der kleine Bruder der Sperrgesetze…

  10. Christoph Kappes |  12.04.2010 | 10:14 | permalink  

    Herr Spitz,

    wir sind inhaltlich nicht weit voneinander entfernt. Ich störe mich – ausser an der Vollständigkeit der Argumentation – “nur” am Vorgehen.

    Im Fall Facebook gibt es breite Zustimmung zu Ihrer Initiative, die – ich mag es kaum in einem Satz formulieren -, Frau Aigner angestossen hat.

    Jetzt stellen Sie sich aber bitte vor, Sie gingen so bei einem *umstrittenen* Thema vor. Ich nehme etwas harmloses, zB “Rauchverbot in Kneipen”. Dann fordern also Politiker zum Beitritt in Facebook-Gruppen auf. Dann haben wir in 2015 eine 2 Mio Mitglieder umfassende Gruppe pro Rauchverbot und eine mit 5 Mio contra Rauchverbot.

    Sehen Sie die Konsequenzen?
    - Facebook als elementare Plattform der politischen Kommunikation – wollten Sie das?
    - Plebiszitäre Elemente über eine Plattform – parallel zu Volksbegehren, Petitionen etc.
    - Maschinell auswertbare Bürgermeinungen, mit Klarnamen – auswertbar über eine Personensuchmaschine.
    - Wahlforschung findet 2020 in sozialen Netzwerken statt. Wahrscheinlich bei Facebook.

  11. Andreas Bittner |  12.04.2010 | 10:24 | permalink  

    Danke Christoph für den Beitrag. In der konkreten Frage – hat Ministerin Aigner das richtige Stil- bzw. Politikmittel gewählt – bin ich auch zwiegespalten.

    Prinzipiell kann ich Teile deiner Argumentation nicht nachvollziehen. Zum einen ist es doch lobenswert, dass eine politische Vertreterin klare Kante (und öffentliche Aussprache) bevorzugt, statt des üblichen Kamin- und Hinterzimmergekungels. Bin mir fast sicher, dass dieses parallel angestossen wird – und sei es nun von den Investoren daselbst. Zum anderen ist mir nicht klar, warum du das “politische Repertoire” auf die üblichen tradierten formalistischen Formen reduzieren möchtest. Sitzblockaden, Teilnahme an Demos oder Fernsehshows, Tweets, Blogs und Profile in sozialen Netzwerken etc. oder Kommentare bei carta (#7, @Malte) hast du bei deinem “Wahlakt” wahrscheinlich auch nicht im Hinterkopf gehabt.

    Kurzum: Der virtuellen 400-Millionen-Nation Facebook kann man doch nicht nur mit klassischen Debattten, Enquêtes und Gesetzgebungsverfahren begegnen. Wäre ja noch schöner.

  12. omx00 |  12.04.2010 | 10:35 | permalink  

    @Herr Meise: Im Grunde genommen sind aber selbst die vermeintlichen “Experten des Web 2.0″ nicht wirklich wissend – der BVDW mit seinen 10 Thesen hat m.E. unlängst seine Hilflosigkeit bei der Herausforderung gezeigt, Ratschläge mit praktischem Nutzen zu schaffen.

    Zudem machen sich regelmäßig ganze Kompanien von Marketingleitern bei dem Versuch lächerlich, die früher so geliebte “Kontrolle” über die Meinung der Kunden her zu stellen. Wie schrieb letztlich jemand: Es ist wie der Versuch eines mittelalterlichen Königs, mit einer Armee von Rittern eine Heuschreckenplage zu bekämpfen …

    Politikern die Unkenntnis einer derart schwer zu durchdringenden Materie daher kaum vorzuhalten. Umgekehrt finde ich genau deshalb die Intitiative akzeptabel, weil sie den Mut erfordert, sich einer schwer greifbaren Problematik mit fraglichen Methoden zu stellen.

  13. Volker Meise |  12.04.2010 | 10:58 | permalink  

    @omx00: Wenn ich als (Bundes!)Minister von einem Thema keine Ahnung habe, dann lasse ich mich darin schlaumachen. Dazu habe ich meinen Stab. Alleine die Diskussionen hier und anderswo im Netz zeigen, dass es ausreichend Leute gibt, die das Thema vollständig durchdrungen haben und Führungspersönlichkeiten beratend zur Seite stehen können.
    Ich habe an die politische Führung durchaus den Anspruch, ein Thema, welches ich zur zukünftigen Entwicklung des Landes für entscheidend halte (die Web-Nutzung als Ganzes, nicht Facebook im Besonderen), zu verstehen und dieses aktiv zu gestalten. Von jedem CEO wird gefordert, ein Bild von der Zukunft seines Unternehmens zu entwerfen und dieses dann umzusetzen. Vielleicht bin ich zu optimistisch, dass ich darauf warte, dass irgendeine Regierung so etwas noch mal tut. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben.

  14. MG |  12.04.2010 | 13:18 | permalink  

    @ Christoph Kappes,
    es geht aber nun mal nicht um das Rauchverbot sondern um die Geschäftsbedingungen von Facebook. Weshalb Facebook in diesem speziellen Fall vielleicht doch das richtiges Medium ist.

  15. Malte Spitz |  12.04.2010 | 16:25 | permalink  

    Hallo Herr Kappes,

    ich finde ihr Beispiel passt nicht. Weil man das Thema “Datenschutz in Facebook” in Facebook aufgreift, bedeutet das doch nicht die Schlussfolgerungen die sie beschreiben. Es ist eine Aktion mit folgenden Zielen:

    - Hinweis auf das Problem, Informations- und Aufklärungsarbeit
    - Möglichkeiten der Partizipation und des Austausches
    - Zeichen an Facebook das es hier parteiübergreifend eine Stoßrichtung gibt
    - Versuch der Einflussnahme und Sensibilisierung bei Facebook

    Vor allem unter dem Gesichtspunkt das man hier Mitglieder des Sozialen Netzwerks anspricht, um welches es geht. Eine solche Gruppe in StudiVZ oder WKW usw würde weniger Sinn machen.

    Ihr Beispiel hieße ja, man dürfte keine Unterschriften in einer Kneipe gegen/für ein Rauchverbot in Kneipen sammeln.

    Ich finde es ist keine Festlegung auf ein Medium als politischer Ort der Debatte, sondern die Diskussion einer politischen Frage, und das ist es bei Datenschutz in Sozialen Netzwerken, an dem Ort wo sich die NutzerInnen oder sogar Betroffenen aufhalten.

    Gruß Malte Sptiz

  16. Und sonst so: Facebook, Rinderpornographie und BGB-Unfälle : netzpolitik.org |  12.04.2010 | 19:33 | permalink  

    [...] Realitycheck bei Carta: Facebook: Ein Zwischenruf. (Carta) [...]

  17. Christoph Kappes |  12.04.2010 | 20:31 | permalink  

    Zwischenruf zu meinem Zwischenruf:
    Frau Aigner hat heute auf Faceboook (http://de-de.facebook.com/photo.php?pid=30700813&id=1284906786&ref=nf) mitgeteilt, dass Sie (nur) Antwort von Richard Allan bekommen hat, sie werde nun die Unternehmensführung einladen.

    Damit ist nun auch offiziell klar, was passiert ist: Marc Zuckerberg *lässt* antworten.

    Das ist aber besser als das “Sorry, No”, das Steve Jobs heute einem User mailte.

    Zu den Kommentaren nehme ich gebündelt Stellung.

  18. vera |  12.04.2010 | 20:32 | permalink  

    Ich schließe mich @Malte an. @Christoph hat in seiner Wunschlösung zu viele Hinterzimmer.

  19. Jens Best |  12.04.2010 | 21:01 | permalink  

    Der Blick auf Ganze.

    Neben der sachlichen und der politischen Ebene gibt es die kulturelle Ebene, auf der in den letzten zehn Jahren tektonische Verschiebungen im Spannungsfeld zwischen Privatheit und Öffentlichkeit stattgefunden haben, deren Eruptionen wir jetzt spüren.

    Diese sind in keinster Weise ausreichend in der deutschen Bevölkerung realisiert worden. Nicht mal in fachübergreifenden Expertenrunden wird dieser Aspekt zur Genüge beleuchtet.

    Dabei ist unser Verständnis von privatem und öffentlichem Leben im digitalen Zeitalter grundlegend für sämtliche Entscheidungen auf sachlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene.

    Es hat einen Wandel in der Gesellschaft gegeben von geschlossenen Telefonboxen hinzu lautstarken Mobiltelefonaten in Zügen. Dieser muss erstmal reflektiert und in neue Handlungsempfehlungen umgesetzt werden.

    Ich selbst wunderte mich auf Facebook auch, als ich plötzlich NACH der Vertaggung mit meinem Namen über neue Fotos von mir informiert wurde – konnte ich doch so einer gewissen Öffentlichkeit nicht alles ersparen. Aber genau über dieses “Wundern” bzw. das Nichtwundern bei einigen Jugendlichen sollte mehr nachgedacht werden.

    Es gibt trotzdem genügend Fälle, in denen ‘opt-out’ eine absolut unzulässige Entscheidung von seiten des social network Betreibers ist. Es sei nur der Fall genannt, bei dem eine Mutter mit ihrer Tochter vor dem gewalttägigen Mann/Vater fliehen musste, nur um dann durch die unklar kommunizierten Privacy-Änderungen in Dezember ’09 von ihrem größten Alptraum plötzlich wieder “entdeckt” werden zu können.

    EIN solcher Fall reicht aus, um zu erkennen, dass die unfertige, nicht nur auf Algorithmen beruhende Lebensrealität der Menschen niemals online beherrschbar sein wird. Es zeigt, dass die soziale Kompetenz der Menschen auch in der digitalen Ebene der Realität weiter ausgebildet werden muss. (Im obigen Fall der beiden Verfolgten gab es zum Glück zeitnahe Warnungen aus dem Online-Freundeskreis)

    Umso dringender ist ein gesamtgesellschaftlicher Dialog über das Verständnis von Privatheit, über die restriktiven schützenden Mittel der Gesetzgebung, die Chancen eines selbstkontrollierten offenen Social Graph und die Bildung von Kompetenz im Umgang mit einer persönlichen Öffentlichkeit. Es stimmt eben leider nicht mehr, was Funny van Dannen einst sang:

    Während du lachst sind viele andere traurig
    Und wenn du stirbst werden viele einen Orgasmus haben
    Das hört sich schlimm an – ist es aber nicht ganz
    Denn zum Glück gibt es die räumliche Distanz
    http://bit.ly/a0FsdY (lyrics)

    Wir rücken mehr zusammen. Das steigert die Verantwortungspflicht eines jeden Einzelnen. Für mich die größte Herausforderungen, die das Web mit sich gebracht hat. Aigner und andere taktierende Hysteriker werden uns hierbei nicht behilflich sein.

  20. Wolf |  12.04.2010 | 21:44 | permalink  

    Warum die Ministerin am 5. April den ‘offenen Brief’ schrieb, hängt meines Wissens mit ihrem, für den 8. April festgelegten Fernsehauftritt in der Talkshow “Maybritt Illner” zusammen.

    Die mir vorliegende Gästeliste und das Thema “Chancen und Gefahren des Internet” war nachweislich bereits am 3. April abschliessend redaktionell festgelegt.
    Frau Aigner wurde demnach nicht wegen ihres offenen Briefes in die Talkshow eingeladen, sondern schrieb den Brief erst zwei Tage nach dieser Einladung.
    Diese interessante Tasache wurde in der Talkshow jedoch nicht thematisiert.

    Spekulativ schliesse ich nicht aus, dass geplant war, möglichst früh, vor der Talkshow- Teilnahme, noch etwas für beide Seiten (Redaktion und Teilnehmerin) Werbewirksames zu veröffentlichen und da bot sich der Ostermontag an, zumal von dem Adressaten so kurzfristig keine Antwort zu erwarten war.

    Kalkül, nach bewährtem Schröder’schen Muster…

  21. Heute im Web gelesen – Folge 6 |  12.04.2010 | 22:45 | permalink  

    [...] Facebook: Ein Zwischenruf. auf carta.info [...]

  22. zweipunktnull » Blog Archive » Gutes Facebook, schlechtes Facebook |  12.04.2010 | 23:18 | permalink  

    [...] Kappes gibt auf Carta ein sehr gründliches und fundiertes Statement dazu ab, wieso der Kern der Kritik nur ganz [...]

  23. Christoph Kappes |  13.04.2010 | 00:06 | permalink  

    Zunächst:

    - Der Artikel wendet sich gegen das Vorgehen von Akteuren der Politik. Ich vermisse Argumente, warum sich die Politik nicht der Mittel bedient, die sie – anders als der normale Nutzer – hat. (Hierzu gehört übrigens auch die erwartete EU-Richtlinie zur Einschränkung von Targeting).
    - Ich sehe mich zudem auch durch die Reaktion von Marc Zuckerberg (#17) eher darin bestätigt, dass eine solche Aktion nicht nur verpufft, sondern dem Ansehen politischer Organe schadet.

    Soweit ich Befürworter richtig verstehe, steht das Argument im Vordergrund, dass die Mobilisierung von Nutzern – parallel zur pol. Ebene – ein sinnvoller Weg ist, Unzufriedenheit zu zeigen.

    Das ist abstrakt gesehen sicher richtig, ohne Nutzer kann Facebook sein Geschäft einstellen.

    Trotzdem, ein paar konkrete Fakten, auch wenn es nicht leicht zu lesen ist:

    - Monatliches Wachstum von Facebook im Januar in Deutschland: über 1 Mio Nutzer, im Februar 550.000, also etwa WACHSTUM 20.000 pro Tag.
    - Aktuelle Zahl der Gruppenmitglieder bei Frau Aigner: knapp 7.000, bei der Abgeordneten-Initiative 30.000. ( Wo mag die Grenze liegen, die Facebook schmerzt?)
    - Deutschland ist nach Anzahl Nutzer nicht unter den Top-Ten Ländern weltweit.
    - Facebook ist mir ca. 850 Mio. USD finanziert, die letzte Kapitalspritze von > 200 Mio USD stammt von einem russischen Milliardär, dessen Fonds DST gerade 300 Mio USD von einer chinesischen Internetfirma erhielt (Meldung von heute, http://techcrunch.com/2010/04/12/chinas-tencent-invests-300-million-into-russian-facebook-and-zynga-backer-dst/). Insgesamt hat DST über Zynga (180 Mio USD) über 400 Mio USD investiert.
    - Facebook ist nach eigenen Angaben seit 9/2009 cash-flow-positiv. Geschätzter Umsatz 2009 600-700 Mio UDS, 2010 >= 1 Mrd. USD.
    - Letzte bekannte Bewertung des Unternehmens: 10,2 Mrd USD (Stand 5/2009)

    Und nun Meinungen:
    - Die Aktionen führen Facebook eher Nutzer zu als dass sie zu Abmeldungen führen
    - Facebook muss von fast Null auf ca 3 Mrd USD Jahresgewinn kommen, um die Profitabilität eines Google zu erreichen. Das wird die Erwartung der Investoren für die nächsten Jahre sein.

    Und hier nun die Gretchenfragen:
    “Wir” sind Marc Zuckerberg. Auf wieviele Nutzer würden wir verzichten, wenn wir unser anspruchsvolles Profitabilitätsziel erreichen wollen?
    “Wir” sind Investor. Was erwarten wir von Marc Zuckerberg?

    Und hier meine Vermutung:
    Selbst wenn Facebook durch derartige Aktionen netto keinen Nutzerzuwachs mehr hätte (also Null statt 500.500 im Monat) würde Mr. Zuckerberg das geplante Geschäftsmodell durchsetzen, zumal er a) es bisher trotz heftiger Kritik auch in den USA hat, er b) grundsätzlich der Ansicht ist, mit Post-Privacy-Thesen den neuen Trend vorzugeben und er c) unter Druck der Investoren steht, die eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals erwarten. (Wer mag, kann ja mal die jährlichen Zinsen ausrechnen oder den notwendigen Wertzuwachs der Beteiligungen.)

    Vorschlag: Wir diskutieren in drei Monaten, ob der Nutzerzuwachs von Facebook entweder gestoppt wurde oder ob die Aktivitäten dazu geführt haben, dass täglich knapp 20.000 Nutzer ihren Facebook-Account gekündigt haben. Nicht zu verwechseln mit dem Beitritt in eine Facebook-Gruppe, das ist eher das Gegenteil.

  24. Christoph Kappes |  13.04.2010 | 00:46 | permalink  

    PS: Kurzfassung für Internet-Leser ;-)
    - Es ist zwar jeder dritte Internetnutzer weltweit auf Facebook, das Unternehmen spielt aber ertragsmässig nicht in der Liga von Google, Apple, Microsoft, Cisco etc, sondern hat bisher mindestens eine halbe Milliarde USD “verbrannt” und muss dringend Geld verdienen (Innensicht von Facebook!).
    - Mr. Zuckerberg ist zwar CEO, das heisst aber noch lange nicht, dass er frei entscheiden kann (Aktionärsstruktur, Beteiligungsverträge, Cash-Bedarf…)
    - Aus Unternehmenssicht ist das Nachgeben eine Kosten-Nutzen-Entscheidung: wieviel kann ich (mit Partnern) verdienen vs. wieviele Nutzer von 400 Mio verliere ich. (Obwohl ich jährlich 2009 150 Mio Nutzer hinzugewonnen habe.)
    - Das politische Handeln zeigt für das Unternehmen ergebnisseitig nur Wirkung, wenn Account-Löschungen (!) so massenhaft sind, dass sie den Zuwachs an Werbeeinnahmen kompensieren.

  25. dampfbadbiber |  13.04.2010 | 08:23 | permalink  

    Deutschland ist noch Facebook-Entwicklungsland. Aber ein wichtiger Markt. Nur so ist zu erklären, dass das Unternehmen und Zuckerberg auf die Aigner-Initiative so rasch reagiert hat. Die haben einfach Angst, dass sie in einem der potentesten Märkte keinen Fuss in die Tür bekommen. Wenn Deutschland Druck aufbauen will, dann muss das massiv und schnell geschehen. Es gibt Länder, in denen fast 25% der Bevökerung einen Facebook-Account hat. Wenn solche Fakten erst einmal geschaffen sind, dann ist das für Facebook ein Freibrief, die Daten der Nutzer möglichst gewinnbringend zu monetarisieren.

    Möglicherweise ist das Problem national gar nicht zu lösen. Weder mit offenen Briefen von Ministern, nationalen Facebookprotest-Seiten oder nationalen Gesetzen und Klagen. Facebook ist ein multinationaler Konzern. Bei “realen” Konzernen hat es sehr lange gedauert bis Handelsgesetze, Steuergesetze, Verbraucherschutz und anderes interational abgestimmt wurden. Warum soll das bei virtuellen Konzernen anders sein.

  26. Warum ich meinen Facebook Account bald löschen werde |  13.04.2010 | 09:26 | permalink  

    [...] vom 13.04.10: Noch ein guter Artikel zu Facebook. Und: Mein Facebook Account ist mittlerweile Vergangenheit… Teilen & Merken [...]

  27. Till |  13.04.2010 | 10:13 | permalink  

    Zu Punkt 4: Politik ist kein Management, und eine parlamentarische Demokratie kein Allheilmittel, das auf jegliche andere Form symbolischen Protests verzichten muss. Insofern finde ich es ziemlich unsinnig, den Aufruf von PolitikerInnen, einer Facebook-Protest-Gruppe beizutreten, als unzulässig zu kritisieren. Ob das tatsächlich was bringt, ist eine andere Frage – aber letztlich funktioniert gerade in bisher kaum institutionalisierten Politikfeldern wie der Regulation sozialer Netzwerke ein direkter Protest deutlich besser als das Hoffen darauf, dass die gewählten RepräsentantInnen es schon richten werden.

  28. Ulrich Voß |  13.04.2010 | 10:42 | permalink  

    Sehr saubere und umfassende Argumentation. Von Anfang bis Ende

    Nur zu B-2 eine Anmerkung: Politik funktioniert nicht über “Ergebnisse”, sondern über die Illusion, Ergebnisse erzeugt zu haben. Am wichtigsten ist, dass der Bürger die (Schein-)Ergebnisse dem Richtigen zuordnen kann. Daher muss man erst Verbraucherschutzministerin Aigner + Verbraucherzentralen auf der einen und böser Amikonzern Facebook auf der anderen Seite in die Köpfe kriegen. Da ist jedes noch so schwachsinniges Mittel wie ein offener Brief oder eine Gruppe auf Facebook hilfreich. Aigner tut was soll die Illusion sein.

    Im zweiten Schritt kann man sich dann auch inhaltlich um’s Thema kümmern. Wenn man dabei keine Ahnung hat (wie Aigner IMHO) sourct man das Thema nach Brüssel aus. Das ist jetzt mit mehr Häme gesagt, als angemessen ist. Denn eigentlich gehört das Thema auch in die EU. Es ist ja keine rein deutsche Diskussion, in UK kocht das Thema genauso (es kam gestern sogar in den nicht einmal 3 Minuten langen BFBS Nachrichten). Nur sind für Politiker Entscheidungen über Brüssel immer doof. Damit kann man nicht angeben aehm sich profilieren.

  29. Facebook – Zum Teufel mit dem Datenschutz? | Digimedia Network Worldblog |  13.04.2010 | 11:01 | permalink  

    [...] Dieses Vorgehen halte ich für falsch und, mehr noch, sogar für schädlich. Warum? Quelle: http://carta.info/25462/facebook-ein-zwischenruf/ [...]

  30. dampfbadbiber |  13.04.2010 | 11:18 | permalink  

    Naja, ob in UK die Sensibilität für soclhe Themen grösser ist? Immerhin wollen die drei Spitzenkanditaten von Labour, Tories und Liberale Facebook zum Wahlkampf für eine online-Debatte nutzen.

    People can write or film their questions via a Facebook application, which went live on Sunday morning. Other Facebook users can then vote to decide which questions will be answered by Gordon Brown, David Cameron and Nick Clegg

  31. tm78654 |  13.04.2010 | 11:38 | permalink  

    Brüssel und die EU kann nur ein zusätzlicher Weg sein, der beschritten werden muss. Die Interessen der deutschen Bevölkerung sind im Bereich Datenschutz und Privatsspähre grundlegend verschieden zu dennen in anderen EU-Ländern. Wenn man sich erst in ganz Europa einigen muss, um eine Position gegenüber Facebook zu vertreten, bleiben viele Deutsche interessen auf der Strecke.

    Die Folge wäre eine weitere Aushöhlung des Datenschutzes.

    <– Schwarzseher! ;)

    Natürlich kann eine europäische Debatte zu Facebook auch dazu führen, dass sich andere europäische Länder der deutschen Auffassung von Datenschutz annähern, aber die vor kurzem beschlossenen Netzpolitik-Gesetze im Ausland sprechen eine andere Sprache.

    Wie kann zum Beispiel England gegenüber Facebook argumentieren, wenn der Staat selbst zum größten Datensammler geworden ist? Das wäre ein Gespräch unter Konkurenten und nicht zwischen Vertretern der Bevölkerung und Facebook.

  32. Facebook-Kritik in multimedialer Reflektion « Gefahrgut |  13.04.2010 | 13:04 | permalink  

    [...] Nachdem ihm vorab per Twitter der Hut hoch ging,liefert er einen guten Blogeintrag (alternativ bei Charta), in dem er darlegt, warum er die Aktion der Frau Aigner nicht nur für falsch, sondern sogar [...]

  33. trueten.de - Willkommen in unserem Blog! |  13.04.2010 | 13:43 | permalink  

    Was mir heute wichtig erscheint #203…

    Homophob: Erst waren es die 68er, jetzt verbindet Kardinal Tarcisio Bertone Bertone die Probleme mit pädophilen Priestern in der Kirche nicht mit dem Zölibat, sondern mit homosexuellen Neigungen. Trotz neuer Transparenz-Politik bleibt Wegschauen in sex…

  34. Pseudonyme im Internet – Zum Lästern in den Keller gehen? « Die ganze Welt des Wahnsinns |  13.04.2010 | 16:18 | permalink  

    [...] } Nachdem die erste Welle des Entsetzens über die Datenschutzpolitik von Facebook langsam wieder abebbt, macht nun ein neuer Aufreger die [...]

  35. Frage Facebook - Das PortugalForum - das Original |  13.04.2010 | 19:58 | permalink  

    [...] [...]

  36. Karpfenpeter |  13.04.2010 | 20:11 | permalink  

    Hallo Christoph,

    zu Punkt A.
    Bin voll bei Dir.

    zu Punkt B.
    Du magst zwar Recht haben, dass Frau Aigner auch andere Mittel zur Verfügung standen, als diesen offenen Brief zu schreiben. Konstruktiv ist Deine Kritik in Punkt B jedoch nicht. Punkt B trägt der Tatsache, dass Frau Aigner der Sache zu neuer öffentliche Aufmerksamkeit verholfen hat, nicht in einem Satz Rechnung, was, wie ich finde, sehr schade ist. Klar könnte man sagen, Sie würde sich mit der Aktion des offenen Briefes nur in den Vordergrund rücken wollen, jedoch ist die Öffentlichkeit, die Sie hiermit erzeugt hat, höher zu bewerten, als die potenzielle Möglichkeit, sie wollte nur Promo für Ihre Person machen. Im Übrigen ist es bestimmt nicht gänzlich von der Hand zu weisen, dass auch ein gewisses Maß an Promomache in Ihrem handeln mitklingt.

    Fazit: Mit den grösstenteils überflüssigen Äusserungen aus Punkt B lenkst Du leider von den wirklich wichtigen Inhalten aus Punkt A nur unnötig ab.

    Im Kern sollten die Inhalte aus Punkt A stärker in die Köpfe der Menschen getragen werden. Damit meine ich sowohl die Nutzer von sozialen Netzwerken, als auch deren Nicht-Nutzer.

    Gruss, Peter

  37. Christoph Kappes |  13.04.2010 | 21:56 | permalink  

    @Karpfenpeter: Ich werde Sie wohl nicht überzeugen können, wenn Sie den halben Artikel für “übeflüssig” halten.
    Ich bewerte die “Öffentlichkeit”, die Frau Aigner “erzeugt hat” eben nicht höher. Weil dieses Vorgehen das wirkungsloseste Mittel gegenüber allen anderen ist. Weil das Vorgehen von Unkenntnis zeugt und ebendies beim Verhandlungspartner keinen Respekt erzeugt. Weil es eine Lösung mit einem Menschen, der anderenfalls Multi-Milliardär sein kann, nur entweder kooperativ gibt oder mit staatlicher Macht, nicht aber mit dem Hochladen eines JPGs. Weil der Brief maximal drei von zehn Problemen anspricht. Weil diese drei Probleme nicht die grössten sind (Adressdatengenerierung durch 1-Mann-Buden, die Apps entwickeln, sind gefährlicher als eine Partnerschaft mit AOL). Weil man die Probleme des Einsatzes von Internettechnologien als Politiker nicht heute an Google und morgen an Facebook festmachen soll, denn die Probleme sitzen tiefer und werden uns in drei Monaten mit rapleaf und blippy wieder einholen. Weil Facebook in den USA seit letztem Jahr bereits unter Druck ist. Weil Herr Zuckerberg evtl nicht der optimale Ansprechpartner ist. Weil 7.000 User knapp 1,5% des MONATLICHEN Wachstums von Facebook in Deutschland sind. Weil das Vorgehen die frisch bestellte Enqeute desavouiert und die Datenschutzbehörden. Weil keine Koordination mit der EU erkennbar ist, siehe Safe Habour, siehe EU-Richtlinie zum Targeting.
    Der konstruktive Vorschlag in Teil B ist: Die Politik möge erst die Analyse machen und sich dann der politischen Mittel bedienen (Liste der Mittel im Artikel). Nicht erst (irgend)ein Mittel und dann die Analyse. Ich finde das konstruktiv.

  38. Markus |  14.04.2010 | 16:06 | permalink  

    Es wäre sehr zu wünschen dass sich besagte Politiker vorrangig um eigene Datenschutzbaustellen wie z.B. Elena oder IP-Adressen-Speicherung kümmern und eine vernünftige und durchdachte Regelung suchen.

  39. Facebook: Ein Zwischenruf. – Fructus GmbH – Christoph Kappes |  14.04.2010 | 23:26 | permalink  

    [...] 11. April 2010: Der Artikel ist auf CARTA veröffentlicht und hat bisher knapp 3 000 Abrufe und rund 50 Retweets (danke dafür!). Wenn Sie kommentieren [...]

  40. Björn |  15.04.2010 | 11:12 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Kappes.

    Ihren Artikel habe ich gern gelesen. Auch die Kommentare der regen Diskussion habe ich verfolgt.

    Nur eins erschließt sich mir bei dieser gesamten, auch politischen Diskussion nicht: Weshalb versucht das Ministerium um Frau Aigner in etwas einzugreifen, wofür jeder Bundesbürger selbst verantwortlich ist?

    Es geht ja nicht um die Überwachung meines Festnetzanschlusses, was ich sehrwohl als Eingriff in meine Privatsphäre sehe.

    Ob man sich bei Facebook anmeldet, steht jedem frei. Niemand wird dazu gezwungen. Wenn man sich aber dafür entscheidet, sollte man auch die Richtlininen des Anbieters akzeptieren und sich nicht im Nachhinein beschweren.

  41. Christoph Kappes |  15.04.2010 | 12:41 | permalink  

    @Björn:
    Noch spannender finde ich die Frage, welches Ministerium für Datenschutz und Privatsphäre im Internet zuständig ist.

    Auszug aus der Website des BMELV zu seinen Zuständigkeiten:
    “- den gesundheitlichen Verbraucherschutz sowie den Täuschungsschutz im Bereich der Lebensmittel, Futtermittel, kosmetischen Mittel und verbrauchernahen Produkte einschließlich des zugehörigen Kennzeichnungsrechts, Zusammensetzung und Kennzeichnung von Tabakerzeugnissen,
    - Ernährungspolitik, insbesondere die Ernährungsaufklärung,
    - den Schutz der wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher einschließlich Grundsatzfragen der Verbraucherinformation.”

    Da hier von “Verbraucher” und deren “wirtschaftlichen Interessen” die Rede ist, liegt die Zuständigkeit wohl eher beim BMJ, -> Rechtspolitik.

  42. tm78654 |  15.04.2010 | 20:09 | permalink  

    @Björn

    Facebook ist eine Firma die hier in Deutschland ein Produkt anbietet. Mit ihren AGBs verstoßen sie gegen deutsches Recht. Sie erlauben sich in ihren AGBs Freiheiten, die allen deutschen Firmen verboten werden. Eigentlich ist das ganze nicht so schlimm, denn wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sind AGBs die nicht Gesetzeskonform sind einfach ungültig. Das nütz dem Kunden bei Facebook allerdings wenig, wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist.

    Facebook ist hier kein Einzelfall. Auch Google, Apple und viele andere ausländische Unternehmen verstoßen reihenweise gegen unsere Datenschutzgesetze. Bisher wehrt sich nur niemand dagegen…

    Daher muss die Politik eingreifen. In welcher Form und Institution ist mir persönlich egal, so lange sie nicht weiterhin auf einem so niedrigen Niveau statt findet, welches Herr Kappes hier völlig zurecht anprangert.

  43. Markus |  15.04.2010 | 20:43 | permalink  

    @tm78654
    Unsere Datenschutzgesetze sind ein Witz… z.B. die aktuelle Regelung zur Vorratsdatenspeicherung ist weder durchdacht, noch sinnvoll…

  44. tm78654 |  15.04.2010 | 23:16 | permalink  

    Ja, allerdings meiner Meinung nach immer noch deutlich besser als in anderen Ländern wo anscheinend deutlich weniger Verlangen danach besteht.

  45. Björn |  15.04.2010 | 23:53 | permalink  

    @tm78654

    Es steht doch aber jedem Bürger dieses Landes frei, diese Produkte, ob es sich nun um Hardware oder Onlineprodukte handelt, zu benutzen, oder es eben sein zu lassen.

    Niemand zwingt mich dazu, meine Daten im Internet Preis zu geben. Ich kann frei darüber entscheiden. Es zwingt mich auch niemand, Telefone oder Computer von Steve Jobs zu kaufen.

    Nicht entscheiden kann ich dagegen, wenn der Staat mein Telefon- und / oder Surfverhalten inklusive Verbindungsdaten speichert. Das sehe ich dann, genauso wie Sie und das BVerfG ja auch, als tiefen Grundrechtseingriff.

    Ich verstehe also die Aufregung der Ministerin und auch der Medien grundsätzlich nicht. Was ich sehrwohl verstünde, wenn es sich um Angebote an Kinder und Jugendliche handeln würde, welche ja Kraft Gesetz nicht die Entscheidungskompetenz haben, wie ein Erwachsener.

    In diesem Sinne

  46. Christoph Kappes |  16.04.2010 | 00:26 | permalink  

    Hier ganz frische Zahlen. Ich würde das lieber in einer ausführlichen Analyse veröffentlichen, aber im Interesse der Sache jetzt und hier:

    Unique User Facebook aus Deutschland:*

    JAN 7,78 Mio.
    FEB 8,15 Mio.
    MAR 9,39 Mio.

    Das heißt: seit Beginn der Aigner-Kampagne gegen Facebook (1.3. – http://www.sueddeutsche.de/computer/402/504612/text/) ist das Wachstum verDREIfacht.

    Der Zusammenhang zwischen Userwachstum und Kampagen lässt sich methodisch prüfen. Mehr dazu, wenn ich dazu Zeit habe.

    *= Gemessene Anzahl Unique User aus einem repräsentativen Panel, hochgerechnet aus Panel; zzgl Nutzung aus Coporate Accounts. Unique User sind nicht die registrierten User, Laien bitte Vorsicht mit diesen Zahlen!

  47. OWP27: Facebook Blues – Der deutsche OpenWeb-Podcast |  21.04.2010 | 18:50 | permalink  

  48. Christoph Kappes |  22.04.2010 | 19:56 | permalink  

    Nachtrag:
    - Der gestern auf der f8-Konferenz vorgestellte Like-Button auf anderen Websites ermöglicht Facebook das Erkennen von FB-Nutzern besuchter Websites über Cookies auch dann, wenn “Like” nicht geklickt wird
    - Die neuen Nutzungsbedingungen würden die Übertragung der Daten an die Suchmaschine Bing erlauben.
    - Ergebnis: Explizite Personendaten inklusive besuchter Websites landen bei Bing.

    Zur Diskussion:

    http://netzwertig.com/2010/04/21/f8-facebook-uebernimmt-das-netz/

  49. Datenschleuder Facebook an die Kette legen | primus inter pares |  19.05.2010 | 13:56 | permalink  

    [...] ist nicht gerade dafür bekannt, sensibel mit Daten und E-Mail-Adressen umzugehen. Zwar dringt immer nur das nach außen, was ich selbst freigebe. [...]

  50. Markus |  10.01.2012 | 08:49 | permalink  

    Mittlerweile hat Facebook hoffentlich erkannt, dass mit diversen persönlichen Daten zumindest im deutschen Raum sensibel umgegangen werden muss. Leider kommt man mittlerweile in Sachen Internetmarketing sowohl geschäftlich wie privat nicht mehr an Facebook vorbei. Etwas Eigenverantwortung der Nutzer bei der Nutzung der bereitgestellten Dienste ist natürlich immer Voraussetzung um sich gefahrlos im Internet zu bewegen…

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.