Steffen Rutter

Finanzkrise Griechenland: Wie die europäischen Chefärzte Sarkozy und Merkel systematisch Behandlungsfehler vertuschen!

Steffen Rutter | 21 Kommentar(e)


Die Krise der griechischen Staatsfinanzen ist das Ergebnis einer verfehlten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Staats- und Regierungschefs lenken von den Krisenverursachern ab und verhindern so langfristig tragfähige Problemlösungen.

10.03.2010 | 

Wo liegen die Probleme?

Die Hellenische Republik Griechenland weist gegenwärtig eine offiziell gemeldete Staatsverschuldung von mehr als 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf und zählt damit zu den höchstverschuldeten Staaten der Europäischen Union. Seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 2002 hat sich die Schuldenquote spürbar um etwa 20 Prozent erhöht. In den letzten acht Jahren lagen die Gesamtausgaben des Staates jährlich zwischen drei und fünf Milliarden Euro über den Einnahmen. In diesem Jahr wird sich das strukturelle Defizit noch einmal auf über zehn Prozent des BIP verschärfen. Vieles deutet darauf hin, dass Griechenland ein Solvenzproblem hat.

Zugleich besteht die akute Gefahr eines Liquiditätsproblems. Griechenland scheint darauf angewiesen zu sein, auslaufende Schulden durch Aufnahme neuer Schulden zu bedienen. Das Vertrauen in den Schuldendienst des Landes hat sich in der letzten Zeit jedoch stetig verschlechtert. Je mehr Schuldtitel auf absehbarer Zeit fällig werden, desto höher ist daher der Finanzierungsdruck für die Gebietskörperschaften – mit einhergehenden steigenden Zinsen. Das aktuelle Liquiditätsproblem verstärkt dadurch das langfristige Solvenzproblem.

Wie kam es zu den Problemen?

Durch die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro haben sich die Finanzierungskosten für öffentliche Schuldner in der Eurozone tendenziell angeglichen. Es war ein ausdrückliches Ziel der Währungsunion, Wechselkursrisiken zwischen den beteiligten Staaten auszuschließen, um so Transaktionskosten für die Marktteilnehmer zu senken. Für deutsche Riester-Sparer, die in griechische Staatsanleihen investieren, ist das Risiko einer Abwertung der griechischen Drachme entfallen – ein Risiko, dass nicht mehr mit höheren Zinsen vergütet werden muss. Es steht außer Zweifel, dass auch niedrigere Zinsen einen Anreiz für die Aufnahme zusätzlicher Schulden darstellen. Gleichwohl sollte dieser Effekt sich angleichender Finanzierungskosten nicht überschätzt werden.

Das oben beschriebene Solvenzproblem Griechenlands lässt sich jedoch mittelbar auf die Gemeinschaftswährung zurückführen. Griechenland verzeichnete zwischen den Jahren 2002 und 2008 relativ hohe Inflationsraten zwischen 3,0 Prozent und 4,2 Prozent. Damit lag die Inflationsrate in jedem Jahr seit Einführung des Euros über den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Vor allem in den Jahren 2003 bis 2006 lag der Referenzzinssatz der EZB mit etwa einem Prozent unter der Inflationsrate Griechenlands. Die konjunkturorientierte Niedrigzinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten des Staates künstlich so stark verbilligt, dass es wirtschaftlich rational war, stetig neue Schulden für teils unsinnige Projekte aufzunehmen. Griechenlands Solvenzproblem ist daher kein Ergebnis hemmungsloser Spekulationen, sonder einer verantwortungslosen Zinspolitik der staatlichen EZB. Hier werden Verantwortlichkeiten durch die Staats- und Regierungschefs vertuscht.

Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass sich das abzeichnende Liquiditätsproblem auch auf negative Übertreibungen in den Finanzmärkte zurückzuführen ist. Als Folge asymmetrischer Informationen und Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen greifen die Marktteilnehmer zu teils harschen Maßnahmen. Sie verhalten sich damit wie Ärzte.

Folgendes Bild illustriert dies: Wird ein Mensch mit offensichtlich hohem Alkoholisierungsgrad aufgefunden, so wird zu dessen eigener Sicherheit ein Brechreiz ausgelöst, um die Gifte im Magen schnell zu entleeren. Nichts anderes lässt sich an den Finanzmärkte beobachten, wobei die sprunghaft steigenden Finanzierungskosten den „Brechreiz“ auslösen sollen.

Wie lassen sich die Probleme lösen?

Die Krise der griechischen Staatsfinanzen kann nur nachhaltig überwunden werden, wenn die Probleme an der Wurzel angegangen werden. Die Krankheitsursache muss im Fokus stehen, nicht die Symptome. Die bisherigen Diskussionen von direkten Finanzhilfen über Bürgschaften bis hin zu strengerer Regulierung verdeutlichen, wie wenig Aufklärungsinteresse die Staats- und Regierungschefs wirklich haben. Die Behandlungsfehler der staatlichen EZB dürfen nicht länger von den Chefärzten in den Mitgliedsstaaten wie Sarkozy und Merkel vertuscht werden. Nur so kann die EZB auf den Pfad der Tugend in Form einer restriktiven Geldpolitik zurückfinden.

Betrunkenen gibt man nicht einfach ein Kopfschmerzmittel und eine kostenlose Taxifahrt zum nächsten Wirtshaus. Deshalb ist ein Europäischer Währungsfonds die falsche Antwort.

Steffen Rutter ist Referent für Finanzmärkte der FDP-Bundestagsfraktion.

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21 Kommentare

  1. mh |  10.03.2010 | 14:51 | permalink  

    “Die konjunkturorientierte Niedrigzinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten des Staates künstlich so stark verbilligt, dass es wirtschaftlich rational war, stetig neue Schulden für teils unsinnige Projekte aufzunehmen.”

    also so einen blödsinn habe ich selten gelesen. es ist niemals wirtschaftlich rational unsinnige projekte zu finanzieren geschweige denn mit schulden zu finanzieren.

    mfg
    mh

  2. Steffen Rutter |  10.03.2010 | 15:18 | permalink  

    Eben doch!

    1. Durch die Inflation sinkt mit jeder Periode der Gegenwert der Schulden. Diese lösen sich quasi automatisch auf – auch wenn diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht null sein werden. Hier liegt ein systemimmanenter Anreiz für stetig neue Schulden.

    2. Für Politiker sind unsinnige Projekte besonders attraktiv. Siehe hierzu meinen Beitrag zur “Abwrackprämie”.

    Fazit: Die Leitzinsen in der Eurozone müssen so hoch sein, dass sie über den nationalen Inflationsraten liegen.

  3. Matthias Schwenk |  10.03.2010 | 15:18 | permalink  

    @mh: Freilich ist die Finanzierung unsinniger Projekte durch Schulden wirtschaftlich alles andere als rational. Aber genau das kommt in der Politik häufig vor, nicht zuletzt in Griechenland, wo der Beamtenapparat auf Pump künstlich aufgebläht wurde. Das amortisiert sich nie und wird deshalb zu recht von Steffen Rutter thematisiert.

  4. Andreas Grieß |  10.03.2010 | 15:42 | permalink  

    Also ich finde dem Text kann man schwer folgen. Schon im ersten Absatz wird mit verschiedensten Maßeinheiten gemessen: Staatsverschuldung zum BIP, Erhöhung in %, dann absolute Zahlen, dann wieder was im Vergleich zum BIP. So what? Das versteht doch kein Mensch. Wo ist z.B. de große Unterschied zu dem Schuldenberg, den Deutschland nun produziert? Hie steht was von dre-fünf Milliarden über den Einnahmen, hieß es nicht neulich in Deutschland was von 80 Milliarden Neuverschuldung?
    Also ich als “Otto-Normalbürger” verstehe da die Verhältnisse gar nicht mehr… Zumindest ist es schwer – auch wegen weiterer fachausdrücke – die zusammenhänge (im Text) zu verstehen.

    Dass die Inflaktion Schulden auflöst, kann ich so auch nicht sehen. Nur weil geld weniger wert ist, bekomme ich ja nicht zwangsläufig mehr rein als Staat- Schulden müssen dennoch getilgt werden. So steigen z.B. die Löhne nur selten entsprechend der Inflaktionsrate – viele Steuern und auch Ausgabeverhalten der Bürger (damit gekoppelt mwst) hängen aber mit dem Lohn zusammen.
    Außerdem sinkt auch de Wert anderer Dinge im Staat, sowie die “Kosten” für Dinge, z.B. gesundheit…

  5. Gk |  10.03.2010 | 16:02 | permalink  

    “Deshalb ist ein Europäischer Währungsfonds die falsche Antwort.” Ja. Die richtige Antwort könnte sich hier finden:
    http://www.imf.org/external/np/exr/facts/deu/howlendd.htm

    In der aktuellen ‘Wirtschaftsberichterstattung’ wird recht wenig über die Ansätze von Olivier Blanchard geschrieben. Einen gewissen Wandel hätte die Entschuldung der Staaten über den IWF zur Folge…

  6. saviano |  10.03.2010 | 16:05 | permalink  

    Es ist in der Tat unsinnig, die EZB-Zinspolitik für die Schieflage in Griechenland zu beschuldigen. Was hätte die EZB anders machen können/sollen: Wegen Griechenland (ca. 2% der Wirtschaftsleitung in der Eurozone) die Zinsen so hoch anheben, dass die Konjunktur in fast allen anderen und viel größeren Ländern (Deutschland inklusive) massiv abgewürgt wird?

    Die Konstruktion des Euro — das schon — hat mit dem Schuldenproblem etwas zu tun, aber dafür kann die EZB erstmal wenig.

    Griechenland und einige andere südeuropäische Länder haben vielmehr ein Produktivitätsproblem, das sie früher durch Abwertungen der nationalen Währungen auszugleichen pflegten. Nun ist dieser Weg wegen des Euro versperrt und ein Abwertungsprozess tendenziell über Deflation geht.

    Leider ist eine Deflation noch gefährlicher als ein paar Prozentpunkte Mehr an Inflation. Im gesamten Kontext der Eurozone würde dies eher eine noch lockerere Geldpolitik der EZB nahelegen, die die Entschuldung (insb. am Rand der Eurozone) erleichtert.

    (Dass das Geld — von den Regierungen — auch vernünftig investiert werden soll, ist dabei wohl selbstverständlich).

  7. Matthias Schwenk |  10.03.2010 | 16:33 | permalink  

    @Andreas Grieß: Ob das zwei mal von Dir verwendete Wort “Inflaktion” tatsächlich Schulden auflösen kann, bezweifle ich ebenso wie Du. Bei der Inflation dagegen ist völlig klar, dass diese den Schuldnern hilft und den Gläubigern tendenziell eher Sorgen macht.

  8. Andreas Grieß |  10.03.2010 | 16:56 | permalink  

    ich bitte den Fehler zu entschuldigen. Buchstabendreher sind bei mir derzeit auch inflationär, auch aufgrund einer klemmenden Tastatur, aber das betrifft eher das “r”. Von daher war das oben ein “human error”.

    Klar, Inflation hilft ein wenig, Schulden abzubauen. Aber erst keine Schulden abbauen müssen ist doch trotzdem besser.

  9. Tarantoga |  10.03.2010 | 18:17 | permalink  

    Es ist zwar durchaus richtig, dass Inflation den (Alt-)Schuldnern hilft. Aber es bleibt die Frage, woher die Inflation kommt? Solange man nicht zu unsterilisierten Geldmengenausweitungen greift, geschieht jede Ausweitung der Geldmenge als Ausweitung der Schulden. Damit drückt am Ende vielleicht die einzelne Schuld weniger, gleichzeitig ist aber der Gesamtstand an Schulden ganz am Ende der Inflation am höchsten. Es ist also falsch der Inflation eine entschuldende Wirkung nachzusagen.
    Wirklich entschuldend wirken dagegen unsterilisierte Geldmengenausweitungen, bisweilen auch als Quantitative Easing bezeichnet. Inflation kann dabei ein Nebeneffekt sein, muss aber nicht wenn gleichzeitig andere Teile der Wirtschaft entschulden (durch Tilgung oder Pleiten).

    Der Ausgangstext ist im übrigen ein wunderbares Beispiel für die verlorene Wirtschaftskompetenz in der FDP.

  10. Look |  10.03.2010 | 18:20 | permalink  

    Man man, Muss man sich denn zu Klugscheißer Postings rechtfertigen? ;)

    das Inflation gemeint war, ist doch offensichtlich. Aber hast dich wirklich hervorragend in Szene gesetzt, Herr Deutschlehrer;) beeindruckend!

    Zum Thema: selbstverständlich ‘reduziert’ eine hohe Inflation die Staatsschulden.
    Jedoch zu welchem Preis, und auf den Kosten der zukünftigen Generationen, muss überlegt sein.

  11. mh |  10.03.2010 | 18:35 | permalink  

    @steffen rutter: deine antwort hat absolut nichts mit meiner aussage zu tun. es ist und bleibt so, dass unsinnige projekte einfach nicht wirtschaftlich rational sind.

    daran ändert sich auch nichts, wenn sie immer wieder vorkommen. da hat matthias schwenk durchaus recht und ich will dem auch nicht widersprechen.

    worum es mir hauptsächlich in der kritik ging, war aber auch gar nicht mal diese missratene logik, sondern vielmehr das damit einhergehende denken, dass man es als vollkommen normal anzusehen hat, wenn bei niedrigen zinsen viel mehr unsinn mit geld gemacht wird und sich das auch noch irgendwie rechtfertigen lässt.

    wer so denkt, der legitimiert diesen unsinn und das kann für mich, als bürger aber auch in der ökonomischen analyse, nicht die zielsetzung sein. hier offenbart sich für mich ein denken, das einfach nur abzulehnen ist. wenn das auch noch von politikern so verbreitet wird, umso schärfer.

    zum 1. punkt der darauf erfolgten antwort:

    es ist zwar richtig, dass die staatsschuld durch inflation entwertet wird, doch geht dies zu lasten der generellen kaufkraft. geld wird einfach weniger wert, weil mehr geld da ist. wer sich mit der historie beschäftigt, wird kein beispiel dafür finden, dass dies dauerhaft ohne verwerfungen einherging. eine hohe inflation heißt auch immer, dass der produktive gegenwert abhanden kommt. allein vom geld können wir nicht leben und ohne produktion kein wachstum substanzielles wachstum generieren. genau das braucht es aber, um reichtum zu schaffen und/oder zu erhalten.

    zum 2. punkt der darauf erfolgten antwort:

    streite ich nicht ab. der anreiz ist allerdings auch bei hohen zinsen gegeben, denn politiker bedienen oftmals nicht nur ihre klientel, sondern wollen wahlen gewinnen und das geht am besten durch geschenke. was nicht mit einer restriktiven haushaltspolitk einhergehen kann, zumal nebst den wahlgeschenken auch noch die lobbyisten bedient werden müssen, die unsere parteien dann wiederum finanzieren und den politikern im anschluss an ihr regieren ein paar ordentliche jobs verschaffen.

    das sind aber ganz andere problemfelder, als der leitzins. wobei hier zu berücksichtigen ist, dass der leitzins nicht den zinssatz darstellt, der unsere wirtschaft betrifft. im gegenteil, die zinsen die unternehmen und bürger zahlen sind weit weg vom leitzins. da macht der markt den preis und das ist viel entscheidender als der symbolische akt des leitzinses, der bestenfalls die banken betrifft.

    wenn unmengen chinesisches geld nach amerika fließt und die nachfrage nach us-anleihen anheizt, dann kann der leitzins stehen wo er will, die zinsen für us-anleihen werden einfach niedrig sein. so war es ja dann auch und nicht umsonst steigen die zinsen am langen ende zur zeit mehr als die fallen .. da halfen bisher auch die interventionen der fed nichts.

    über zinsen irgendwelche lösungen herbei zu führen ist mehr als kurzsicht, es verkennt die realitäten.

    was mich doch sehr betrübt ist, dass ein “Referent für Finanzmärkte” bei der fdp sich auf so einem platten wissensniveau befindet. da wundert es mich jedenfalls nicht mehr, dass die bundesregierung bis heute nicht mal auf die simpelsten aller rezepte kommt … wenn sie denn wirklich die absicht hätte, die spekulationen an den finanzmärkten einzudämmen.

    aber ja, ich vergaß… ihr wollt ja nicht nur eindämmen, ihr wollt so eindämmen, dass der staat dran verdient und entsprechend verhunzt sind nahezu alle konzepte die bisher auf dem tisch liegen.

    mfg
    mh

  12. webmax |  10.03.2010 | 19:25 | permalink  

    @mh: S.Rutter hat vollkommen Recht. Und ein “plattes Weissensniveau” ist für mich nicht erkennbar – wohl aber eine Hang zur Rechthaberei und Pennschieterei bei Ihrer Replik.
    Nur kurz: Selbstverständlich ist es für alle Regierungen, die ja stets unter zinseszinsbedingtem Wchstumzswang stehen (“Arbeitsplätze”!), bei Niedrigzinsen vorteilhaft, t e i l s sogar unsinnige kreditfinazierte Projekte in Angriff zu nehmen.

    Der Karren ist jedoch schon soweit im Dreck, daß es für die Weltwirtschaftskrise und den kommenden Crash keine praktikable Lösung(en) mehr gibt. Das ist auch nichts Neues, so alle 60-70 Jahre geschieht dieses mit allen zinseszinsbehafteten und damit exponentiellen Geldsystemen, es ist einfach systemimmanent. Das Generationengedächtnis reicht aber nur ca. 40 Jahre, weshalb immer wieder ein neues, gleiches System mit anfangs niedrigen Zinsen auf die Beine gestellt wird. (Hätte man bei der Weltleitwährung Dollar nicht dreimal im letzten Jahrhundert brutalst getrickst, wäre es auch ihm längst so ergangen).

    was schreiben Sie hier: Chinesisches Geld fließt schon lange nicht mehr “in Unmengen” nach USA, im Gegenteil haben die Chinesen längst die Abhängigkeit dieser Anlageform erkannt und versuchen seit mehr als drei Jahren, dem durch Industrie- und jetzt Rohstoffaufkäufe in USA und jetzt Afrika zu entgehen.

    Mittler Weile müssen die USA sich unter der Hand schon ihre eigenen Treasuries abkaufen, um die Kurse zu stützen. Das läuft schon länger über Bahama-Hedge- und Investmentfonds – und ist ein Grund, warum die von Merkel und Co. gewünschten internationalen Kontrollen solcher Anlageformen schlicht unterbleiben.

    Und hier bringen nationale Alleingänge ünberhaupt nichts, schon gar nicht die eines abhängigne Vasallenstaates.

  13. Gk |  10.03.2010 | 20:29 | permalink  

    Im Zeitalter der Globalisierung kann die Krise einzelner Staaten nur global diskutiert werden. Als das FED im Mai 2009 die Druckerpressen anschmiss, wurde tendenziell angezeigt, dass die USA ihre Schuldenkrise über eine Inflation ausgleichen werden – und damit auf Kosten der Gläubiger(länder). In den Medien ging das alles etwas unter, wir hatten immerhin Wahlkampf mit Herzzeichenhandsymbol und dem Wort Vertrauen.

    Beim IWF haben die USA den höchsten Stimmanteil ( http://www.imf.org/external/np/sec/memdir/eds.htm ) und mit Europa einen hohen Einfluss.

    Warum soll ein Europäischer Währungsfonds gegründet werden, wenn (1) weiterhin die Euro-Länder an der Wirtschaftsbeziehung zu den USA festhalten und (2) es bereits jetzt Möglichkeiten gibt, Hilfe über den IWF zu erhalten?

    Der IWF empfiehlt seit Februar 2010 eine Inflation von 4%. Wenn es keine einheitliche Lösung zwischen Euro-Ländern und USA im Sinne der Empfehlung des IWF gibt, befürchte ich, dass die USA das machen, was sie im Mai 2009 gemacht haben. Niemandem gefällt eine Entschuldung von Staaten über die Inflation auf Kosten der Gläubiger(staaten) und auf Kosten der Bürger. Es lohnt sich, sich mit den Hintergründen zu befassen, warum eine etwas höhere Inflation sinnvoller erscheint. Dann würde eine tiefere Diskussion angestoßen werden, denn von dem sog. neoliberalen Wirtschaftssystem scheinen sich die Herren vom IWF innerlich verabschiedet zu haben; hier wird es hingegen als Lösung geschätzt (Wachstum über ein, das Wort sagt es, der Inhalt weniger: Wachstumsbeschleunigungsgesetz).

    Auf der anderen Seite ist es nicht verkehrt, einen Euro-Länder-Alleingang nach außen zu kommunizieren, um einer Lösung i.S.d. Europäer mehr Gewicht zu verleihen. Taktisch nicht verkehrt, aber die Lösung sollte über den IWF gefunden werden. Wenn die USA nämlich einen Alleingang unternehmen, dann würden alle „Wachstumsbeschleuniger“ blöd dastehen, aber richtig.

  14. mh |  11.03.2010 | 10:20 | permalink  

    @webmax: dass es für die regierung vorteilhaft ist, habe ich nie bestritten. hier sollte es aber gar wirtschaftlich rational sein. und da besteht ein riesen unterschied auf den es zu bestehen gilt, denn da reden wir über grundsätzliches denken und verständnis. wenn bereits in diesem ansatz fehlgedacht wird, dann brauchen wir über den rest gar nicht mehr reden. wobei gerade in der politik solcherlei gerne verwischt wird, denn es ist die absolut beste ausrede für alles, auch das eigene wirken.

    es ist auch nichts falsches daran, darauf zu bestehen falsche dinge als falsch zu brandmarken, va wenn sie dann obendrein auch nochmals mit neuen abstrusen herleitungen befördert werden.

    das beispiel des chinesischen geldes war .. achja, ein beispiel. das wort “war” deutete durchaus auf dessen vergangenheitsbezogenheit hin. vielleicht weiß ich es nicht besser, sondern kann einfach nur besser lesen?

    ansonsten gibt es mittlerweile genug herleitungen, aus denen man den schluss ziehen könnte, dass die fed selbst mittlerweile einer der größte nstaatsanleihen”zeichner” ist. ich sage herleitungen, weil nichts genaues weiß man nicht.

    eines weiß ich aber, selbst wenn die hedgefonds staatsanleihen kaufen sollten, wäre es in der form erstmal nicht verwerflich. zumal ein hedgefonds im eigentlichen sinne ohnehin etwas vollkommen anderes ist als das, was man heute in ihm sieht. ^^

    aber wir können auch noch über den eurp. iwf-ersatz reden, den wir schon aus rein politischen gründen brauchen. der hier aufgrund einer abstrusen zinstheorie abgelehnt wird, was nun wahrlich daneben ist.

    ohnehin .. wer glaubt, dass ein währungsfonds den anreiz dazu bietet schlecht zu haushalten… der müsste zumindest mal die abschaffung des IWF fordern. im nachgang dann die einlagensicherung.

    zumindest in bezug auf den IWF wird das aber nicht geschehen, denn der IWF ist ein machtinstrument und dem hat europa nichts entgegen zu setzen. die macht im IWF hat die USA. die chinesen brauchen sowas nicht, die sind ihr eigener währungsfonds und helfen fleißig überall da, wo sie ein paar rohstoffe u.ä. abgreifen können.

    es zählt aber nicht nur zum politischen reifeprozess europas, sondern dient auch einfach der absicherung. die schweine haben ihre probs auch ohne währungsfonds bekommen und eurostat ist bisher unsere beste antwort .. das ist zu wenig. über einen währungsfonds kann man reingehen, finanzieren, kontrollieren, mitbestimmen.

    und das muss sich nicht auf europa beschränken.. das ist der punkt.

    mfg
    mh

  15. Max Conzemius |  11.03.2010 | 16:18 | permalink  

    Griechenlands Solvenzprobleme alleine auf die “verantwortungslose Zinspolitik” der EZB zurückzuführen, greift meiner Meinung nach zu kurz. Nicht die europäischen Zentralbanker sind Schuld an der griechischen Tragödie. Es handelt sich vielmehr um ein strukturelles Problem der Wirtschafts- und Währungsunion, das sich daraus ergibt, dass die EZB ihre Zinspolitik auf 16 zum Teil höchst unterschiedliche Volkswirtschaften ausrichten muss. Die Gründe für die Probleme der PIIGS liegen also tiefer, genauer: in den wirtschafts-, fiskal- und sozialpolitische Disparitäten sowie den makroökonomischen Ungleichgewichten innerhalb der Eurozone. Hier muss eine Politik ansetzen, die nicht nur die Symptome behandeln, sondern das Problem an der Wurzel packen will.

    Siehe hierzu auch meinen Blog-Eintrag: http://carta.info/23502/eine-wirtschaftsregierung-fuer-europa-chance-der-griechenland-krise/

  16. Steffen Rutter |  11.03.2010 | 18:45 | permalink  

    @ Max Conzemius: für eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Europäischen Union bedarf es weniger Zentralismus und mehr Systemwettbewerb. Nur so können die nationalen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Strukturen als Ressourcen genutzt und nicht als Hürden instrumentalisiert werden. In genauer Umkehrung Ihres Blog-Kommentars bedarf es weniger Harmonisierung in den Bereichen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

    Zur Diskussion über die Zinspolitik der EZB: die Orientierung der Zinsfestsetzung an der Verbraucherpreisentwicklung scheint mir ungeeignet, um realwirtschaftliche Verwerfungen dauerhaft zu vermeiden; vielmehr bedarf es in der Geldpolitik einer konsequenten Geldmengenorientierung und zusätzlich einer spürbaren Erhöhung der Mindestreserveve für Geschäftsbanken.

  17. Max Conzemius |  12.03.2010 | 08:33 | permalink  

    Für eine Harmonisierung (im Sinne einer Gleichschaltung oder Vergemeinschaftung) habe ich mich an keiner Stelle ausgesprochen. Jedoch halte ich es für problematisch, wenn in einem gemeinsamen Währungsraum eine wirtschaftspolitische Koordinierung systematisch ausgeblendet und zum Tabu erklärt wird. Ein fairer und unverzerrter Wettbewerb (für den ich ausdrücklich eintrete) kann nur dann stattfinden, wenn gesunde Rahmenbedingungen vorliegen.

  18. Tarantoga |  12.03.2010 | 10:13 | permalink  

    @Steffen Rutter: Welchen Sinn soll bitte Wettbewerb in einer Schicksalsgemeinschaft haben? Würden Sie mit Ihrer Ehefrau um einen Job konkurrieren, mit schmutzigen Tricks und allem? Wenn man hinterher sowieso für den Schaden zahlen muss (und dass muss man in der EU auf die eine oder andere Weise entweder als Transfer oder durch den Schaden einer Pleite), dann bringt es rein gar nichts vorher einen auf Wettbewerb zu machen und damit das Problem überhaupt erst entstehen zu lassen.

  19. “Überall Phtalate!” – Provinzkind |  13.03.2010 | 20:18 | permalink  

    [...] Lesen soll ja bilden. [...]

  20. Gk |  01.04.2010 | 20:28 | permalink  

    Auf eigenen Wunsch entfernt, die Redaktion

  21. Gk |  01.04.2010 | 20:31 | permalink  

    Könnte Nr. 20 hier bitte gelöscht werden. Danke.

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