Julius Endert | 9 Kommentar(e)
Nicht nur der Staat speichert auf Vorrat – vom fehlenden “Delete all my tweets”-Button.
02.03.2010 |
Und alle so: Löschen – und noch während der Anti-VDS-Kämpfer seine Freude über den Erfolg vor Gericht mobil aus Karlsruhe tweetet, speicherte Twitter seinen Aufenthaltsort, Inhalt und alle Empfänger der Nachricht. Auf Vorrat natürlich – denn jede Speicherung geschieht auf Vorrat, weitere Verwertung garantiert. Denn den Button: “Delete all my tweets” gab es ja nicht.
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ähm… der vergleich ist aber schon verdammt schief: ob ich freiwillig ein tweet absetze, oder ob mein telekommunikationsanbieter gesetzlich verpflichtet ist, mein standort bei jeder sms die ich empfange, zu protokollieren und für 6monate zu speichern, ist ein gewaltiger unterschied.
@ tralafiti: okay, der Vergleich ist eine Provokation. Aber fest steht: Twitter betreibt Vorratsdatenspeicherung mit den freiwillig eingestellten Tweets seiner Nutzer. Das muss ja per se nicht schlecht sein. Nur kann man sich fragen: Where is the Löschtaste für alle alten Tweets, please? – schließlich will man ja nicht gleich sein Account löschen…
Finde auch, dass der Vergleich mit beiden Beinen hinkt. Nur weil Google es nun ermöglicht die Protokollierung zu stoppen, darf man das nicht von allen Diensten verlangen.
Wer einen Dienst bewusst nutzt, der ist sich auch bewusst, dass er da Daten hinterlässt. Twitter und andere Dienste haben AGBs, denen man zustimmt und in denen auch (mehr oder weniger) klar formuliert ist, was mit diesen Daten passiert/passieren kann . Die Vorratsdatenspeicherung hatte hingegen keine AGB und die weitere Nutzung der Daten war sehr undurchsichtig.
Schöner LOL-Beitrag.
Hier wurde das Prinzip hinter der Verfassungsklage wohl noch nicht ganz begriffen.
#2 “Where is the Löschtaste für alle alten Tweets, please?”:
http://twitwipe.com funktioniert.
@ Gk: Super wieder etwas gelernt. Wird sicher auch Herrn Endert freuen.
Facebook hätte hier besser gepasst als Twitter ;)
Aber im Grunde ist die Provokation schon nicht ganz aus der Luft gegriffen. Häufig sind es die höchsten Verfechter “informeller Selbstbestimmung” (oder hab ich da was falsch), die gegen den Staat poltern, bei Firmen, deren Dienste sie nutzen jedoch sehr blauäugig sind.
@Julius
Hab’ auch noch einen: http://suicidemachine.org/
In der Tat ist es ein himmelweiter Unterschied, ob ich freiwillig Daten von mir preisgebe – die ich nach Gusto ändern oder falsch angeben kann – oder ob ein Telekommulti oder der Staat sie gegen meinen Willen einfordert. Ich bin ziemlich sicher, daß ein großer Teil der aus Karlsruhe twitternden Menschen sich dessen sehr bewußt war.
Die Provokation von Herrn Endert ist punktgenau. Dies zeigen auch die wundervoll erbost-ablehnenden Kommentare. Die lautesten VDS-Gegner waren auch die freigiebigsten, was persönliche Meinungen/Daten angeht.