Redaktion CARTA

Ole von Beusts Äußerungen zu Tagesschau.de sind Medienjournalismus-Ente

Redaktion CARTA | 6 Kommentar(e)


Klarstellung aus der Senatskanzlei: Ole von Beust hat sich nicht zum Drei-Stufen-Test von tagesschau.de geäußert. Es sei nur die App gemeint gewesen. Unterdessen hat “Werben und Verkaufen” die betreffende Meldung ohne Richtigstellung gelöscht.

18.02.2010 | 

Bei den jüngsten medienpolitischen Äußerungen von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) handelt es sich um eine Medienjournalismus-Ente. Das Magazin “Werben & Verkaufen” (WUV) hatte vermeldet,  die Vorlage des NDR-Rundfunkrates zu Tagesschau.de verstoße aus Sicht des Bürgermeisters “nicht gegen den Rundfunkstaatsvertrag”. Diese Darstellung ist unzutreffend und basiert auf einer Kommunikationspanne zwischen Senatssprecherin Kristin Breuer und dem Autor des WUV-Textes.

Kristin Breuer (@kbwhatsnew) erklärte gegenüber Carta: Es sei nicht ihre Absicht gewesen, sich zum Drei-Stufen-Test von Tagesschau.de zu äußern. Sie habe nach ihrem Verständnis mit WUV ausschließlich über die Tagesschau-App und die diesbezügliche Kritik des Verbands der Zeitschriftenverleger (VDZ) gesprochen:

“Bei dem Schreiben an den VDZ ging es ausschließlich um die Debatte um die geplante Tagesschau-App und nicht um das laufende Drei-Stufen-Test-Verfahren zu Tagesschau.de. Keinesfalls habe ich mich auf die Beschlussvorlage bezogen, die uns nämlich gar nicht vorliegt. Grundsätzlich gilt: Alle neuen Angebote der ARD müssen sich im Rahmen des Rundfunkstaatsvertrages bewegen. Neue Angebote müssen dann bewertet werden, wenn sie vorliegen. So lange bestehende Angebote über neue technische Vertriebskanäle verbreitet werden, gibt es nach unserer Ansicht keinen Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag.”

WUV hat den fraglichen Bericht inzwischen kommentarlos von der Seite gelöscht und auch keine Richtigstellung veröffentlicht. Die Nachrichtenagentur ddp übernahm die angeblichen von Beust-Äußerungen ohne weitere Prüfungen. Das Hamburger Abendblatt schrieb gleich einen Kommentar (“Von Beust mischt sich mit seiner Wortmeldung in ein laufendes Verfahren ein.”). Die FDP veröffentlichte eine Pressemitteilung.

Sie alle taten dies offenbar, ohne sich im Büro des Bürgermeisters rückzuversichern, ob seine Äußerungen in dieser komplexen Materie überhaupt richtig wiedergegeben wurden. Gerade einmal zwei kleine Fachmedien haben bislang nach Auskunft der Senatskanzlei nachgefragt, ob denn das alles so stimmen könne.

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6 Kommentare

  1. Daniel Bouhs |  19.02.2010 | 11:51 | permalink  

    Na prima, ich hab’s auch flott von ddp übernommen, zeigt: Traue keiner Agentur ;)
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0219/medien/0007/index.html
    Grummelige Grüße – und Dank für die Aufklärung!
    Daniel

  2. Robin Meyer-Lucht |  19.02.2010 | 12:10 | permalink  

    @ Daniel Bouhs: Nunja, es wäre einfach schön, wenn solche professionellen Pannen nicht passieren. Ich will da jetzt gar nicht einer Seite die Schuld geben. Dass aber WUV den Text einfach kommentarlos löscht, lässt ihre Seite nicht gerade besser aussehen.

    gruss,

    rml

  3. Thomas Nötting |  19.02.2010 | 14:15 | permalink  

    @Robin Meyer-Lucht: Schön, dass Carta sich so viele Gedanken darüber macht, wie W&V in der Sache aussieht. Aber wie wär’s denn mal mit einer Nachfrage bei uns, bevor man vollmundige Kommentare verfasst? Vor allem, wenn es dort genau um dieses Thema geht´.

    Um es noch einmal klar zu sagen: Die “Kommunikationspanne”, von der Frau Breuer spricht, fand auf Seiten der Senatspressestelle statt. Wir haben eine eindeutige Frage gestellt und eine eindeutige Antwort bekommen. Das wir die Meldung gestern vom Netz genommen haben, hat nichts damit zu tun, dass wir eine „Medienjournalismus-Ente“ verschwinden lassen wollten.

    Das kann man inzwischen übrigens auch auf unseren Online-Seiten nachlesen: http://tinyurl.com/ydolrxf

  4. Torsten Landsberg |  19.02.2010 | 14:36 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Robin Meyer-Lucht,

    überrascht haben wir bei ddp vom Dementi der Hamburger Senatskanzlei zur tagesschau.de-Berichterstattung durch die Sprecherin Kristin Breuer gelesen. Neben der angeblichen inhaltlichen Richtigstellung des “W&V”-Artikels führen Sie auch aus, dass wir die dort zitierten Äußerungen “ohne weitere Prüfungen” übernommen haben. Das ist richtig und darin sehen wir auch kein Versäumnis. In besagter “W&V”-Meldung vom Mittwoch war der Sachverhalt nicht beliebig oder mit zweifelhafter Quelle versehen. Das Magazin hat die Senatssprecherin befragt und transparent zitiert. In der Regel reagieren Regierungskanzleien unverzüglich auf Ticker-Meldungen, in denen sie Falschmeldungen bemerken. Da uns aus Hamburg bislang kein Anruf zu unserer Berichterstattung erreicht hat, liegt der Schluss nahe, dass die Ursache des Fehlers in der Hamburger Kanzlei zu suchen ist.

    Die bei Ihnen verwendete Formulierung, es habe sich zwischen der Sprecherin und “W&V” um eine “Kommunikationspanne” gehandelt, ist vielsagend. Carta ist seinerseits offenbar mit Frau Breuer in Kontakt getreten, nicht aber mit “W&V”, denn im Beitrag ist keine Stellungnahme vom Magazin enthalten, stattdessen machen Sie “W&V” den Vorwurf, den Artikel gelöscht und keine Richtigstellung veröffentlicht zu haben. Wer im Glashaus sitzt…?

    Wir haben uns Ihre leise Kritik jedenfalls zu Herzen genommen und von Frau Breuer bestätigen lassen, dass das Dementi seine Richtigkeit hat. Darüber hinaus haben wir mit dem zuständigen “W&V”-Redakteur sowie dem Chefredakteur Jochen Kalka gesprochen, deren Aussagen deutlich gemacht haben, dass ein Anruf von ddp bei Frau Breuer am Mittwoch wahrscheinlich nur eine Bestätigung ihrer Aussagen zur Folge gehabt hätte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Torsten Landsberg
    -Medienredakteur ddp-

  5. Robin Meyer-Lucht |  19.02.2010 | 17:49 | permalink  

    Ich möchte darauf hinweise, dass ich Ente im Sinne von irrtümlicher Falschmeldung verwende
    http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitungsente

    @ Thomas Nöting:

    – Ich hätte Sie kontaktiert. Es war mir jedoch nach Löschung des Textes nicht mehr möglich, sie als Autor zu auzumachen.

    – Eine Richtigstellung in dieser Angelegenheit habe ich intensiv auf der WUV-Seite gesucht und nur die Löschung gefunden. Aus meiner Seite hat sich WUV damit bereits sehr deutlich zu dem Thema verhalten.

    – Im nächsten Mal werde ich in so einem Fall aber trotzdem anrufen.

    @ Torsten Landsberg:

    – Wenn sich ein Regierungschef, von dem man wissen kann, das er für den Abschluss des Tests gar nicht die Rechtsaufsicht hat, derart erstaunlich äußert, könnte es aus Sorgfaltsgründen besser sein, sich das erneut bestätigen zu lassen.

    – Mit der unkommentierten Löschung des Beitrags hat sich WUV bereits sehr deutlich zu dem Thema verhalten. Ich habe jetzt gelernt, dass ich besser trotzdem lieber noch einmal anrufe.

    Gruss,

    RML

  6. Das Elend der Debatte um ARD und ZDF « Stefan Niggemeier |  23.02.2010 | 13:40 | permalink  

    [...] „Pläne des NDR” einzuschreiten. Als aber Wulffs Hamburger Kollege Ole von Beust vorübergehend im Verdacht stand, das Vorgehen des Rundfunkrates gutzuheißen, bekam das „Hamburger Abendblatt” [...]

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