Heiko Hilker | 16 Kommentar(e)
ARD und ZDF kennzeichnen ihre Berichte mit dem Live-Logo, wenn diese live sind. So glaubt man. Doch dies ist nicht immer der Fall. Dank Eurosport, dass immer mal wieder eher berichtet, erkennt man, was nicht live sein kann.
17.02.2010 |
Eurosport hat es als erster bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 vorgemacht und im Sport das, was live ist, auch als solches gekennzeichnet.
“Live is live: Eurosport hat eine tolle Sache erfunden: Oben rechts auf Ihrem Bildschirm können Sie das Sender-Logo erkennen, unter dem manchmal „Live“ steht, und manchmal nicht. Sie wissen also immer, ob Sie gerade live in Peking dabei sind, oder nicht. Ist das nicht phantastisch? Das kriegen ARD und ZDF bis London 2012 vielleicht auch noch hin. Deshalb wussten Sie gestern früh um 5.50 Uhr, dass Sie auf Eurosport live das Drama um den Hürden-Chinesen Liu Xiang miterleben, während Poschi [Wolf Dieter Poschmann, –d. Red.] im ZDF erst 20 Minuten später so tat, als wäre er live auf dem Sender.”
Nun, mittlerweile hat man bei ARD und ZDF auch das Live-Logo. Doch damals wie heute suggeriert man immer mal wieder, etwas sei live, was nicht mehr live ist. Und dies auch in Fällen, in denen das Live-Logo verwendet wird.
So geschah es beim Rodelweltcup aus Cesana am 30. und 31. Januar. Als man bei Eurosport 2 mit der Übertragung schon fertig war, konnte man sich alles noch einmal “live” (also mit Logo) auf der ARD anschauen. Bei Olympia prangte das Live-Logo bei der ARD beim Eisschnelllauf sowie beim Snowbordcross am Dienstagmorgen in der Ecke – doch es war nicht live. Auf Eurosport – auch mit “live” gekennzeichnet – konnte man die Bilder rund 5 Minuten eher sehen. Und am späten Dienstagabend war das Eishockeyspiel USA gegen Schweiz schon lange beendet, da stand es beim ZDF immer noch 3:0 Das Spiel endete 3:1. Im ZDF-Teletext firmierte die Übertragung als „Olympia live.“
Die ARD bedauerte den Vorfall. Man habe vergessen, die vorbereitete „Signalisation bei den ersten Läufen“ zu ändern, so MDR-Pressesprecher Dirk Thärichen. „Die Einblendung “live” war durch unsere vorhergehenden Planungen komplett vorbereitet.”
Mit der Aufgabe, ein vorprogrammiertes Logo wieder herunterzunehmen, war man offenbar überfordert. Oder hatte da keiner eine Auge drauf? Fehlte der Mitarbeiter, der immer kontrolliert, dass nur als live gekennzeichnet wird, was auch live ist? ARD und ZDF sind immerhin mit 540 Mitarbeitern angereist.


Ach, richtig, es ist ja wieder Olympia. Ein Leben ohne klassische Medien ist möglich und sinnvoll. Dürfen Pharmafirmen denn nun endlich ihre Schützlinge offiziell sponsern?
Ich behaupte einfach mal Poschi tat nicht so! Poschi ist wirklich davon ausgegangen! ;)
Das angesprochene Problem der verzögerten Liveübertragung bei gleichzeitig eingeblendetem Livesymbol ist nicht nur bei Olympia, sondern allgemein im TV ein schönes Diskussionsthema.
Wikipedia schreibt dazu: “There is usually a 75-90 second delay between what is actually being filmed and what is being broadcast; this is to allow time for editing and censoring. However, some events can be delayed by up to 20 minutes such as Barack Obama’s inauguration speech, and live coverage from the Big Brother house in the UK.” (http://en.wikipedia.org/wiki/Live_television)
Bei Sport ist es immer wieder bemerkenswert, wenn es dazu kommt. 20 Minuten wie in Peking sind dann allerdings völlig inakzeptabel, finde ich. 5 Minuten sind ok, gibt es eine interne Vorgabe bei 5 Minuten Delay kein Livessymbol zu verwenden, muss das natürlich weg, das wäre dann ein Fehler.
Interessant, aber wohl kaum umzusetzen, wäre eine genaue Untersuchung der Liveübertragungen von ARD/ZDF und Eurosport. Daraus könnte man sicher ableiten ob es noch Optimierungspotenzial gibt. Sicherlich könnte man dann darüber nachdenken, statt 540 620 Leute zur nächsten Olympiade zu schicken ;)
PS: Ich habe mich diesmal bemüht keine Frage an Herrn Hilker zu stellen, so dass ich mich nicht darüber ärgern muss, wenn der Autor nicht antwortet.
Das schlimmste ist eigentlich, dass ARD/ZDF sowiso kaum Sport zeigen. Wie ich grade wieder feststelle, sehe ich nur Rückblicke, Inteviews und Experten.
Man redet grade über Sonnenbrillen und Paris Hilton……
So kann man das ganze auch “Leute Heute” oder ‘Brisant’ nennen.
Ehm… in China fällt ein Reissack um… komplett live!
Beste Übersetzung des Begriffes “live” ins Deutsche: “grad”.
It’s not a bug – it’s a feature!
Das ist lediglich dem Jugendschutz geschuldet. Es könnte sich ja eine Sportlerin entblössen – da bedarf es Zeit das auszufiltern. Seit dem Jackson-Superbowl ist das einfach Pflicht!
Angewandter Jugendschutz, genau wie Sendezeiten im Internet…
@ Thomas Television: Nun, in diesem Fall gesteht man, dass die Live-Kennzeichnung ein Fehler war. „Der Wettbewerb war als Live-Event vorgesehen, ein Mitarbeiter hat auf den falschen Knopf gedrückt. Wir haben das nach wenigen Minuten gemerkt und korrigiert“, heißt es aus der ARD.
Der Aufwand wäre gar nicht so groß, einmal zu dokumentieren, wie die Zeitverzögerung ist. Es wäre doch ein leichtes, wenn ARD und ZDF da einmal jemanden ransetzen würden, der die zeitlichen Verschiebungen dokumentiert. Schließlich lässt man sich ja auch die Zeit vor Landtagswahlen bis hin zur Nennung aller Politiker auswerten. Ich glaube aber, dass man so weit gar nicht gehen muss, dass die Sportreporter schon heute sagen können, in welchem Verhältnis reale zur angeblichen Live-Berichterstattung stehen.
[...] Weiter hier [...]
Ich halte die Live-Berichterstattung generell für unter aller Sau derzeit. Es wird kaum Sport gezeigt, sondern nur Reportagen, Vorberichte, Nachberichte und und und. Einige Sportarten werden fast nicht gezeigt. Zum Beispiel Curling, was ich sehr gerne sehe. Das ist ja das schöne an Olympia, eigentlich. Dass man auch mal Sport zeigt, der sonst nicht so im Fokus steht. Aber hier, vor allem im Winter wird immer nur das gleiche gezeigt: Biathlon, Eislaufen, Rodeln und andere übliche Verdächtige.
Darüber wird dann Stundenlang gequatscht, während nicht nur Sport läuft, sondern sogar mit Deutscher Beteiligung im Snowboard oder eben Curling zum Beispiel.
Am krassesten Gestern Nacht: Die zeigen, zumindest nach meinem Stand laut Ticker – live Curling im neunten End. Es fehlen noch zwei Steine und ein End. Also vielleicht eine Viertelstunde. Aber man schaltet in dieser durchaus spannenden Endphase zurück ins Studio und macht einen Vorbericht zum Eishockey, was man dann zeigt. Was soll das denn bitte?
ja genau.
Curling war auch der Auslöser meines Ärgers.
ich habs aufgenommen, aber auch das hilft nix, wenn man beim Vorspulen nur das Studio usw. sieht
Curling wird auf ARD Festival gezeigt. Am Donnerstag wurde das komplette Match Deutschland – Schweden dort übertragen. Übrigens eine recht schöne Sportart.
[...] eben auch in diesem Jahr kein Wert auf Eishockey gelegt. Dabei hatten die Sender nach den “Live-Pannen” bei der Übertragung der Sommerolympiade in Peking, als Wiederholung mit einem [...]
Curling auf Eins Festival: Nur ohne Ton, einen inkompetenteren Reporter habe ich selten erlebt
Das hatte mich schon während der Olympischen Spiele in Peking auf die Palme gebracht. Da wird lieber ein Vorlauf mit deutscher Beteiligung wiederholt anstatt live zu einer Medallienentscheidung ohne Deutsche zu schalten.
Bei der Leichtathletik-WM war es nicht viel anders. Eine Siegerehrung ohne Medallien für uns? Da senden wir doch lieber ein Interview von heute Vormittag. Und dann immer diese eigens mitgebrachten Kameras, so dass man auch dann noch eine deutsche Speerwerferin beim Bananenessen zeigen kann, während die Weltregie lieber allgemeine Stadionatmosphäre oder einen anderen Wettkampf senden würde.
Dient dieser deutsche Fokus eigentlich zur Rechtfertigung des horrenden Aufwandes vor dem Steuer… äh Gebührenzahler?
Zum Glück gibt es Eurosport, aber die senden nur in 4:3…
schaue sport fast nur noch online und da isses live :)
ZB http://www.stream2watch.com