Wolfgang Michal | 33 Kommentar(e)
Die Lage im Internet wird immer prekärer. Trotz der Aufstockung der verlegerischen Einsatzkräfte ist der Kampf gegen „Webkommunisten“ (Mathias Döpfner) und „Webmaoisten“ (Jaron Lanier) im fernen Blogistan kaum zu gewinnen. Der Bundesverband der Zeitungsverleger fordert deshalb ein „Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger“.
26.01.2010 |
Nach acht Jahren des vergeblichen Kampfes setzt sich vielerorts die Einsicht durch, dass die Verlage nicht immer mehr Soldaten Aufbauhelfer aus ihren Redaktionen ins Netz schicken können, um Blogistan zu befrieden und den Einfluss der Webkommunisten zurückzudrängen. Dies würde, so ein Verlagssprecher, den Kostenrahmen sprengen und wäre der Bevölkerung nicht vermittelbar. Umfragen zeigten, dass eine große Mehrheit der Deutschen ein aggressiveres Vorgehen der Verlage im Internet ablehnt. Auch der Ruf nach einer konkreten „Abzugsperspektive“ für den Interneteinsatz wird lauter.
Die Verlage sehen sich deshalb zu einem „Strategiewechsel“ gezwungen. Vor der Berliner Internetkonferenz am kommenden Donnerstag deutete Verlags-Außenminister Christoph Keese erstmals an, dass er sich ein „Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger“ durchaus vorstellen könne. Ein solches Programm solle großzügige finanzielle Anreize mit langfristigen Ausbildungsmaßnahmen verbinden und so den radikalen Taliban Bloggern die Unterstützung in der Netzgemeinde entziehen.
Keese wörtlich: „Es gibt viele Mitläufer der Web-Kommunisten, die nicht aus fanatischer Überzeugung, sondern aus wirtschaftlichen Gründen auf einen falschen Weg geraten sind. Diesen Menschen wollen wir wirtschaftliche und soziale Perspektiven für sich und ihre Familien bieten. Dafür werden wir auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen.“
Über die Dotierung des „Sonderfonds Ausstieg“ ist bislang nichts bekannt. Gut unterrichtete Kreise gehen allerdings davon aus, dass Blogger mit großem Einfluss höhere Ausstiegsprämien erhalten sollen als solche, die lediglich in Kommentarspalten sitzen. Die Verteilung der Prämien werde das „Kommando Spezialkräfte“ unter Leitung von Generalmajor Kai Diekmann übernehmen.
Beobachter glauben, ein Großteil der gemäßigten Blogger werde auf das Verlegerangebot eingehen und das Ausstiegsprogramm in Anspruch nehmen. „Die Lage in Blogistan ist verheerend. Viele Blogger müssen in diesem Winter hungern. Es ist nicht auszuschließen, dass wir 2010 aufgrund des attraktiven Ausstiegsprogramms ein regelrechtes Blogsterben erleben.“
Internet-Experten rechnen allerdings nicht mit einem schnellen Erfolg. Peter Scholl-Latour sagte auf nuschel.info: „Viele Blogger werden nur zum Schein auf das Angebot eingehen. Der Großteil des Geldes wandert sofort wieder in den Blogger-Befreiungstopf.“
Satire. Dieser Text ist kein Crossposting von magda.de





Wenn es auch die BILD App für lau dazu gibt, dann werde ich es mir überlegen.
Aber nur mit Bahncard 25 -> http://hh.18metzger.de/2010/01/25/386-totes-meer-232/
Danke, da muss man nichts mehr hinzufügen. Bahncard 25 hab ich übrigens schon, ich würde dann den Erfrischungsgutschein in Anspruch nehmen.
Gibt es auch psychologische Betreuung und eine neue Identität – möglichst irgendwo am Strand?
Es wird für alles gesorgt, und auf dem Sonnendeck sind viele Liegestühle frei.
Die Verlage müssen endlich öffentlich bekennen, dass dies ein Kriegseinsatz ist, und zwar in einem Krieg, den sie nicht gewinnen können. Da helfen auch keine fadenscheinigen Lockangebote an die Helfershelfer der Drahtzieher im vernetzten Untergrund.
Danke für den Artikel! :)
Ich hoffe mal, die amerikanischen Piloten lassen sich nicht wieder bequatschen, wenn irgendein bombengeiler Oberst behauptet, von der re:publica ginge eine Gefahr aus.
Puh, da kriegt man ja Angst, zwischen den Fronten zerquetscht zu werden…
Interessant, welche Lockmittel hier so greifen würden ;)
Als Blogger – und manchmal kurz vor einem Seitenwechsel – frage ich hier nach gezielten Ausbildungsprogrammen und beruflichen Perspektiven. Wäre es möglich, zum Beispiel, im Onlinebereich der Verlagshäuser halb- oder mehrjährige unbezahlte Praktika zu durchlaufen oder sogar direkt bzw. anschließend eine Bezahlung in attraktiver Prekariatshöhe zu erhalten?
Oder ist es aussichtsreicher, sich den Verlagstruppen als
Terror, ähBlogexperte und Kenner blogistanischer Verhältnisse anzudienen?Antworten erwünscht.
Alles ist möglich in der Welt der Westerwaver. Nur: Warum sollten sich gemäßigte Blogger mit kostenlosen Praktika, Erfrischungsgutscheinen und Bahncard 25 zufrieden geben (siehe Nicole)?
[...] Breaking News: Verlage fordern „Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger“ [...]
Wie haben Geld, wir haben Drogen, wir brauchen kein Ausstiegsprogramm, wir wollen so leben.
Dann zählen Sie sowieso nicht zu den Gemäßigten…
Erstklassige und hoch notwendige Satire. Was jetzt auch in Deutschland
immer deutlicher von Seiten der Medienmenschen wird, sind halt auch
ihre Flausen und Grillen. Die Medienkrise ist wie eine Offenbarung.
Was zu Tage tritt sind u.a. das “Kaiser von China” bzw. Caesar – Syndrom,
deren totale Weltmacht, Weltgeltung, Geltungsbedarf, …
Ebenso in Luft lösen sich deren viele Versprechungen auf. Die Eigenwerbung
ist ja wirklich sehr vielversprechend gehalten, z. B. die Zeitschriften und
Zeitungswerbung. Da wird ja alles verheissen. Schier unglaublich der
Nutzen und das Vergnügen eines Zeitungsabos etwa.
Gleichzeitig zeigen sie immer deutlicher ihre andere Seite: wenn irgend-
wer was zahlt, auf wen Verlass ist, sein muss (notfalls per Gesetz) dann
sind das die zahlenden Konsumenten. Die materielle Sicherheit, das ist
anscheinend noch nicht so voll durch, wird schon recht forsch unversehens
den Konsumenten aufgebürdet.
Wer immer sich da irgendwie aus Bequemlichkeit materielle Sicherheit
von Seiten der Medien, der Wirken und umfassende Besorgnis, wird
jetzt sehr deutlich eines Besseren belehrt.
Und in diesem Sinne trifft diese Satire schon mal den Nerv.
Ich plädiere für einen Solidaritätsfonds für Presseverlage – damit sie Bloggerland noch lange identitätsstiftend belagern – wo käme sonst das Material für so schöne Satiren her?
Na, dann wird es ja Zeit, dass ich meinen webkommunistischen Blog mal wieder auf Touren bringen. Gut angefüttert mit populären Keywords, Youtube-Videos, ein paar Gadget und einer Prise Verschörungstheorie sollte das Erfolg haben. Ich will ja schließlich auch meine Teil vom Kuchen abhaben!
Apropos “Bogger und ihre Familien”: Blogger haben Familie? Seit wann das?
Yeah! :-D
Eine solche Rubrik hat bislang auf Carta noch gefehlt!
[...] Großteil des Geldes wandert sofort wieder in den Blogger-Befreiungstopf.» Strategiewechsel; via carta. Tags: Netzbewirtschaftung, [...]
[...] – Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) 5 Likes Breaking News: Verlage fordern „Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger“ — CARTA Die Lage im Internet wird immer prekärer. Trotz der Aufstockung der verlegerischen [...]
@Harald: Blogger sind eine Familie. Clan-Strukturen!
Vielleicht sollte Keese einen bundesweiten Kreis der anonymen Blogger ins Leben rufen, die dann untereinander semantischen Käse verarbeiten als Mittel zur Suchtprävention. Was machen aber Leute mit Keese-Allergie?
Es gibt diesen Kreis schon:
http://www.youtube.com/watch?v=LYdBOKWLTLw
63 Abrufe – das Video muss ja ein Kracher sein. Und schon so alt…
Naja, bei Spiegel Online dürften es schon mehr als 63 Abrufe gewesen sein. Die um Matussek versammelten Blogger sind aber erkennbar keine “Webkommunisten” oder gar “Webmaoisten” (obwohl…)…. Es sind möglicherweise Ausbilder, die nach Blogistan entsandt wurden, um “im Feld” zu arbeiten…
[...] zur Nacht noch etwas Schönes: Wolfgang Michal berichtet auf carta.info live von der Front in “Blogistan” und wie die Truppen des Imperiums der Verlage [...]
[...] könnte man meinen, dass das “Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger” zumindest unter den sicherheitspolitisch orientierten Webautoren greift. Der Tod von Michael [...]
[...] Auf der Libero Position steht für mich Carta. Sehr klar und strukturiert ergänzen sie sich in meinen Augen sehr gut mit den Themen von Netzpolitik, wodurch man sich eigentlich immer sehr gut informiert führt. [...]
[...] Carta: “Die Lage im Internet wird immer prekärer. Trotz der Aufstockung der verlegerischen Einsatzkräfte ist der Kampf gegen ‘Webkommunisten’ (Mathias Döpfner) und ‘Webmaoisten’ (Jaron Lanier) im fernen Blogistan kaum zu gewinnen. Der Bundesverband der Zeitungsverleger fordert deshalb ein ‘Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger’. Januar 30, 2010 | abgelegt unter Internet and Computer, Media [...]
[...] Heilung vom Internet: Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger [...]
[...] Breaking News: Verlage fordern „Ausstiegsprogramm für gemäßigte Blogger“ Sehr schöne Satire. [...]
[...] *Achtung! Satire [...]
Ein gemäßigter Blogger hat das Ausstiegsprogramm ja schon angenommen, er darf zwar noch nicht im Feuilleton, aber das wird schon…
Wunderbarer Artikel.
Hab ich in meine Linkempfehlungen aufgenommen:
http://bit.ly/b4Yh91