Matthias Schwenk | 20 Kommentar(e)
Bis zum Jahr 2020 werden wahrscheinlich mehr Menschen mit mobilen Geräten im Netz sein als mit dem PC. Charakter und Erscheinungsbild des Internet werden sich stark verändern. Die Mobilfunkbranche bekommt diesen Wandel heute schon massiv zu spüren. Eine Präsentation.
11.01.2010 |
Das mobile Internet kommt, daran kann es keinen Zweifel mehr geben. Das bringt allerdings Veränderungen mit sich, in erster Linie für den Mobilfunk. Die Branche steht vor einem massiven Wandel. Aber auch wer in Inhalten für das Internet denkt, wird umdenken müssen, denn mobile Geräte werden den PC als primäres Zugangsmedium im Lauf der nächsten 10 Jahre allmählich ablösen.
Die Diskussionen um die Tagesschau-App für das iPhone zeigen ansatzweise, was uns hier bevorsteht. Im Folgenden wird der Wandel vom klassischen Mobilfunk hin zum mobilen Internet nicht als Text, sondern als “Story in Bildern” erzählt. Die Darstellung schließt mit einem Ausblick auf das Jahr 2020, in dem mehr als die Hälfte aller Menschen das Internet nutzen könnten (gegenüber etwa 1,2 Mrd. heute), eben weil das Internet mobil sein wird.


Alles wird mobil. Fragt sich nur: Wollen die Menschen auf den mobilen Endgeräten einfach klassisch Fernsehen? Radio hören? Texte lesen? Bilder angucken? Oder von allem ein bisschen? Wollen Sie neue Hybridformen des multimedialen Storytellings? Wie können die aussehen? Wo sind die zukunftsträchtigen Hybridformen die u.a. auch Tyler Brule befrieden könnten ;-)
“Eine perfekte morgendliche Nachrichtensendung, die Video, Audio und Text-auf-Bildschirm vereint und mich in 15 Minuten auf den neusten Stand bringt, samt angeschlossener slow media-Option. Darauf warte ich nun schon Jahre.”
Wenn das Internet mobil wird, dann wird nicht nur die Nutzung von Angeboten mobil, sondern auch deren Erstellung. Welche (neuen) Möglichkeiten bieten sich auf Produzentseite? Die nächsten Jahre werden spannend.
[...] Den kompletten Beitrag von Matthias Schwenk finden Sie hier [...]
[...] Das Internet wird mobil: Ein Ausblick — CARTA Guter Vortrag von Matthias Schwenk (tags: mobile) [...]
Sehr schöne Präsentation! So schön, dass ich erst noch einmal drüber nachdenken muss….
Leider sind in den Slides einige Unschärfen, die ein in meinen Augen verzerrtes Bild zeichnen. Daher seien mir ein paar Anmerkungen erlaubt:
Folie 9: Das mobile Internet war auch in der Pre-iPhone-Aera durchaus alltagstauglich und wir hatten bereits Endgeräte, wie z.B. das Nokia N95, um nur eines von vielen zu nennen, mit dem man ganz hervorragend im Alltag das mobile Internet nutzen konnte.
Folie 10: Das iPhone ist nach wie vor mit 33.774.000 insgesamt verkauften Stück (Stand: Ende Sept 2009) KEIN Massenprodukt. Von allen verkauften iPhones wurden 43% im Netz von AT&T freigeschaltet. In den USA hat das iPhone einen geschätzen Marktanteil von 17%, liegt damit noch hinter BlackBerry. Weltweit betrachtet ist das iPhone ein Nischenprodukt, mit unter 1% Marktanteil, wenn man alle Mobiltelefone betrachtet.
Folie 49: HTC ist der viertgrößte Smartphone-Hersteller weltweit.
Folie 50: Nokia ist der größte Handy- und Smartphone-Hersteller weltweit. Ein paar Zahlen: 420 Mio. Geräte in 2009 verkauft, davon 75 Mio. Smartphones. Nokia ist größer als die beiden nächstgrößeren Hersteller zusammen und hat in der letzten Dekade mehr als 2,7 Mrd. Geräte verkauft.
Folie 51: So “fröhlich” war die Expansion Apples nach China zu Beginn nicht. Es lief erst besser, als man das iPhone subventionert abgab. Ein Effekt, der übrigens in allen Ländern beim iPhone auftritt. Dort, wo das iPhone nicht im Rahmen von Mobilfunkverträgen “mitfinanziert” wird, liegt das iPhone wie Blei in den Regalen.
Folie 53: Dass Sprache immer mehr durch Text und insbesondere durch SMS ersetzt wird, ist ein weltweiter Trend. Bereits in 2009 haben schon 13% aller Mobilfunknutzer KEINE Sprachtelefonie mehr genutzt. Google selbst arbeitet mit Hochdruck daran, die Nutzer ins Internet zu holen, der Zugang dorthin soll möglichst einfach sein. Daher auch eigenes OS und jetzt mit dem Nexus One auch “eigenes” Endgerät. Das einzige Ziel, das Google damit verfolgt ist, Werbung zu verkaufen.
Folie 54: Heute gibt es bereits 4,6 Mrd. Mobilfunkverträge, 3,4 Mrd. Telefone und 3,1 Mrd, Unique User. Dem gegenüber weltweit 1,1, Mrd. PC, Laptops und Netbooks zusammen gerechnet. Es wird wohl nicht mehr bis 2020 dauern, bis mehr Menschen von Mobiltelefonen ins Internet gehen, als von pc-ähnlichen Geräten.
Wir hier in Deutschland neigen häufig dazu, Zahlen und Meinungen aus den USA zu übernehmen. Der Telekommunikationsmarkt dort unterscheidet sich nur sehr von unseren westeuropäischen Märkten und noch viel mehr von den Märkten, die zurzeit die höchsten Wachstumsraten aufweisen. Diese Sichtweise, ich will sie einmal “verzerrt” nennen, lässt uns glauben, das iPhone oder App Stores würden in der weltweiten Entwicklung der Mobilfunkmärkte eine übergeordnete Rolle spielen. Das tun beide nicht. Sogar in unseren Märkten nur bedingt. Vieles von dem was bei uns in dieser Hinsicht geschrieben und geredet wird, ist schlicht Hype – nichts anderes.
Um nicht falsch verstanden zu werden. Der Mobilfunk wird in den kommenden Jahren enorm wachsen und bietet allen Teilnehmern allerbeste Chancen und Möglichkeiten. Daher bin ich auch froh, in dieser Branche tätig zu sein. :-)
Stimme @HeikeScholz zu. Trotzdem sehr schöne “übersichtliche”, weil verständliche Präsentation.
das Apple iPhone an allen Ecken und Enden erwähnt wird, zeigt nun einmal unseren gadgetfokussierten Blickwinkel, der allerdings den Zukunftsblick ein wenig vernebeln kann. Aber die Deus-ex-machina-Rolle des iPhones ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Dies lässt sich mit einem ethnographischen Krisenexperiment gut beweisen: Einfach ein beliebiges Nokia-Telefon und ein iPhone bedienen lernen.
Würde sagen, wir befinden uns derzeit in einem Übergang vom entertainment- zum servicegetriebenen Internet. Applikationen sind die frühen Zeugen dieser Phase: kleine Helferchen im Alltag, die uns als digitale Diener und Agenten jedwede Information und internetgestützte Anwendung mit einem Fingertipp auf das Handy bringen (ohne abzustürzen). Hier wird der PC tatsächlich zum PERSONAL Computer und ist nicht nur eine Arbeits- oder Daddelmaschine. Allerdings gibt es in der Zukunftsforschung die Methode der Wild Cards. Das sind unvorhersehbare, sehr unwahrscheinliche Ereignisse, die einen Trend “brechen” können. Also z.B.: Wlan wird zum Asbest des 21. Jahrhunderts. So hoch muss man aber gar nicht pokern. Es reicht schon sich über (Daten-)Sicherheitsfragen bei der mobilen Nutzung des Internets Gedanken zu machen (oder lieber nicht, hängt vom Standpunkt ab ;-).
Meine These: In der nächsten Phase verschwindet das Internet, weil es überall ist – so paradox es klingen mag. Dann kümmern wir uns stärker um die kulturellen Fragen, deren Antworten heute noch im Schlachtgedröhne um neue Technologien und IT-Anwendungen – seien es elektronisches Papier, Apps, selbst denkende Kühlschränke oder Tanzstunden in Second Life – untergehen. Was zum Beispiel ist im Jahre 2020 ein Autor? Gibt es überhaupt noch Fußgängerzonen?
Wer mal in den USA oder Asien war, wird verstehen, dass in Europa das Thema Smartphone und Mobile Web noch gar nicht begonnen hat. Insofern eine Aussicht auf das Jahr 2011 in Deutschland. Ob dann 3.5G kommt? On verra.
@Heike Scholz: Vielen Dank für die Ergänzungen, als Gegenpol zu meinen sicher etwas Apple-zentrierten Darstellung. Dennoch bleibe ich dabei: Das iPhone ist der Schrittmacher der Entwicklung hin zum mobilen Internet und nicht etwa die Geräte von Nokia.
Dabei geht es nicht immer nur um absolute Zahlen. Apple hat es geschafft, aus dem Stand heraus zu einer Schlüsselfigur im Markt zu werden, die Maßstäbe setzt. Die Größenvergleiche zu Nokia darf man deshalb durchaus relativieren. Aus europäischer Perspektive mutet es bedenklich und bedauerlich zugleich an, dass sich Nokia so hat ausmanövrieren lassen.
@Andreas Haderlein: Dass ich Apple “an allen Ecken und Enden” erwähne liegt auch daran, dass es dazu das beste Bildmaterial auf Flickr gibt. Die Freunde der Marke sind eben Ästheten, das merkt man auch an den Fotografien. ;-)
Sehr gute Präsentation. Allerdings ist mir die Präsentation zu interneteuphorisch.
Es ist wohl wahr, dass dem mobilen Internet eine grossartige Zukunft bevorsteht.
Immer mehr Menschen steigen von einem klassischen Handy auf ein Smartphone um.
Das Internet, welches früher nur in einem Zimmer mit 4 Wänden und Internetanschluss zu konsumieren war, wandert jetzt in die Hosentasche, und neue mobile Apps wie Barcodeleser, GPS Basierte Dienste, Navigation, Empfehlungsdienste für Restaurants und Cafés etc. begleiten uns tagtäglich .
Allerdings ist die gesellschaftliche Betrachtung des Internets mittlerweile eine andere, und die kulturelle Veränderung zwingt auch viele zum Umdenken. Es ist auch sichtbar, dass sich viele Leute bewusst gegen ein Smartphone und ein zuviel an Internet entscheiden, da sie vom Internet nicht dauernd verfolgt werden wollen. Die Tatsache überall auch per E-Mail und soziale Netzwerke erreichbar sein zu können, die Tatsache von überall durch Newsportale und Twitter auf dem Laufenden sein zu können, die Tatsache noch mehr Daten von sich preiszugeben ist für viele auch eine Belastung. Das gilt auch für viele Internetaffine Menschen, egal ob jung oder alt. Durch das Internet überall und zu einem deutlich geringeren Preis, ist es für viele Menschen kein Privileg mehr im Internet mehr zu sein. Im Gegenteil , Menschen die sich dem bewusst entschliessen, und dafür mehr Zeit zum intensiven Bücherlesen haben, zum Nachdenken und bewusst Ihre Entscheidigung ohne Informationen aus dem Internet ziehen, und trotzdem ein glückliches Leben führen können, werden teilweise, auch von mir mehr als respektiert. Ich bewundere sie nicht, jedoch aber ihr Lebensglück, ganz ohne zu starke Internetpenetration.
Auch bin ich Eigentümer mehrerer Internetfähiger Geräte (Notebook, Netbook, Smartphone) und schaffe es oft nicht, mich von Ihnen zu lösen.
Ich finde jede neue Technologie braucht einen kritischen , differenzierten Umgang. Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass die Debatten um das Internet nicht mehr aus einer reinen Informatikerecke kommen, sondern mittlerweile starke kulturpolitische und gesellschaftspolitische Bereiche und Autoren anspricht (siehe Schirrmacher, Chris Andersen, etc.)
@Jörg Wittkewitz: Tatsächlich gibt es in Sachen 4G noch keine klaren Aussagen deutscher Provider, wann sie diese Technik einführen wollen. Besondere Eile scheint auch nicht nötig, weil von Seiten der Politik dazu keine Aussagen gemacht bzw. Wünsche formuliert werden. In einigen asiatischen Ländern dagegen ist 4G von nationaler Bedeutung und damit Gegenstand der Politik, weil es um die Zukunftsfähigkeit der eigenen Industrie geht. Die Politiker in der Industrienation Deutschland scheinen dagegen dieses wichtige Zukunftsthema gar nicht recht zu kennen…
@Bewusst leben: Ich denke auch, dass das Internet in Deutschland eine kulturkritische bzw. gesellschaftspolitische Debatte braucht. Für eine differenzierte und sachkundige Auseinandersetzung braucht es aber eine fundierte Wissensbasis und genau dazu soll meine Präsentation ein Beitrag sein.
[...] Carta, wo ich diese Präsentation ebenfalls veröffentlicht habe, wurde mir in den Kommentaren [...]
Interessante Aussichten, aber wie sind eigentlich die Auswirkungen und Steigerungen hinsichtlich Elektrosmog beim totalen mobilen Internet? Öh, und erst der Energieverbrauch …?
[...] Siehe hierzu auch die sehr gute Präsentation (Slideshare) von Matthias Schwenk auf Carta: Das Internet wird mobil: Ein Ausblick – [...]
[...] Bis zum Jahr 2020 werden wahrscheinlich mehr Menschen mit mobilen Geräten im Netz sein als mit dem PC. Charakter und Erscheinungsbild des Internet werden sich stark verändern. Die Mobilfunkbranche bekommt diesen Wandel heute schon massiv zu spüren. carta.info [...]
@MatthiasSchwenk
Was Sie erst für 2020 erwarten ist nach Olli-Pekka Kallasvuo (Nokia CEO) bereits eingetreten. Siehe auch Tim Bisley auf Broadband-Finder
Nokia: Majority of world accesses internet through a mobile
http://www.broadband-finder.co.uk/news/broadband/nokia-majority-of-world-accesses-internet-through-a-mobile_19551588.html
@Hugo E. Martin: Danke für den Hinweis. Die Diskrepanz liegt in der Frage der Definition, was denn das “mobile Internet” ist. In meiner Präsentation gehe ich davon aus, dass damit der Zugang zu den üblichen Inhalten im Internet über ein Smartphone (Mobiltelefon) gemeint ist.
Die wohl von Nokia ins Spiel gebrachte Definition geht dagegen wesentlich weiter und umfasst auch Mobiltelefone, die nur auf WAP-Dienste zugreifen können bzw. sogar nur einen E-Mail-Client haben. Mir geht das zu weit.
Übrigens schließt sich auch Tomi Ahonen nicht der Sichtweise von Nokia an und konstatiert, dass heute die Zahl der mobilen Geräte, die das “richtige” Internet nutzen, immer noch kleiner ist als die Zugänge über PC’s bzw. Notebooks und sich diese Relation erst in ein paar Jahren umkehren wird.
Was ist denn das richtige Internet? Das was Gartner heute für 2013 als Breakpoint nennt? 2010? Ich glaube da überhaupt nicht dran! Irgendwann wird alles was auf PC-Internet läuft / geht auch auf Mobile-(Internet) sein, aber ein Vielfaches mehr, wofür der PC sich (überhaupt) nicht eignet … und den sich Milliarden von Menschen nicht leisten können.
eben – Thu 14 Jan 18:24 – twittert Tomi Ahonen
Very bad forecast/reporting Gartner. TOTALLY out of date! “By 2013 mobile ‘could’ pass PC for web” -already does! http://tinyurl.com/yckcphv
Wie dem auch sei, wichtig ist doch, dass die die dabei sein wollen und müssen keine 10 Jahre Zeit haben um sich einzurichten, sondern mächtig Dampf geben müssen.
@Hugo E. Martin: Ich bin da ganz bei Ihnen, mache nur bei den Zahlen folgenden Einwand: Das “richtige” bzw. vollständige Internet über mobile Geräte zu nutzen ist heute noch mit relativ teuren Datentarif-Verträgen verbunden, von denen es derzeit noch definitiv weniger gibt als Festnetzanschlüsse.
[...] via Das Internet wird mobil: Ein Ausblick — CARTA. [...]