Matthias Schwenk

Faires Geschäftsmodell in Sicht? Google, die Zeitungen und Paid Content

Matthias Schwenk | 6 Kommentar(e)

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In den Auseinandersetzungen um Bezahlinhalte in Suchmaschinen ging es zuletzt um alles oder nichts. Jetzt bietet Google einen Kompromiss: Es wird alles indexiert, Leser, die nicht zahlen, können aber nur eine limitierte Zahl von Artikeln aufrufen. Käme dazu noch ein einfaches Bezahlmodell, hätten wir eine faire Perspektive für den Onlinejournalismus.

02.12.2009 | 

Google zeigt sich kompromissbereit: Nachdem es zuletzt noch so ausgesehen hatte, als würde Rupert Murdochs News Corporation exklusiv mit Microsofts Suchmaschine Bing kooperieren und die künftig hinter einer Paywall gestellten Inhalte der beteiligten Zeitungen aus dem Suchindex von Google nehmen, springt Google mit einem neuen Vorschlag in die Bresche.

Der Vorschlag sieht vor, dass zwar weiterhin alles indexiert wird, die als Paid Content markierten Inhalte jedoch nicht mehr unbegrenzt über die Suchmaschine abgerufen werden können (bisher ist das mit den Inhalten des Wall Street Journal der Fall). Stattdessen kann jeder Verleger künftig festlegen, dass für den Leser ein bis fünf Seiten pro Tag frei zur Ansicht sind und danach die Paywall eingeblendet wird (”First Click Free“-Programm).

Zudem bietet Google einen neuen Ansatz auf der Ebene von Google News: Die Crawler greifen dabei Seiten (Artikel) nicht mehr vollständig ab, sondern nur noch deren Beginn. Diese Teile werden sowohl in Google News als auch in den Suchergebnissen angezeigt. Wer die Inhalte vollständig lesen will, kann über die Paywall geführt werden.

Kämen diese Vorschläge zum Tragen, gäbe es zwei Sieger und einen Verlierer. Sieger wären sowohl die Verlage als auch Google. Die Verlage könnten so nämlich ihre Konzepte zum Paid Content umsetzen, während dennoch alle Inhalte weiterhin in Suchmaschinen indexiert blieben und per Suche gefunden werden könnten. Zudem bliebe damit die sehr wichtige Neutralität von Suchmaschinen gewahrt.

Der einzige “Verlierer” wäre hier der Leser, der zwar weiterhin alles finden, aber nicht mehr unbegrenzt kostenlos abrufen könnte. Er müsste sich daran gewöhnen, künftig auch für Online-Artikel Geld zu bezahlen. Gute Inhalte vorausgesetzt, sollte das aber nicht unmöglich sein. Entscheidend für die Akzeptanz dürfte sein, wie die Bezahlmodalitäten umgesetzt werden. Die Leser werden weder Mondpreise akzpetieren (etwa Artikelpreise, die so hoch sind wie ganze Tageszeitungen in gedruckter Form) noch je nach Verlag völlig unterschiedliche Bezahlmodule.

Insgesamt zeichnet sich damit ein interessanter Kompromiss ab, der die Belange von Verlagen als auch die Prinzipien von Suchmaschinen wahrt. Entscheidend dürfte nun sein, wie Rupert Murdoch reagiert: Er hatte sich zuletzt vehement gegen Google ausgesprochen, ohne dabei allerdings widerspruchsfrei zu argumentieren. Ob ihn die flammende Rede von Arianna Huffington, die sie auf einer Journalismus-Konferenz in Washington hielt, überzeugen wird?

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6 Kommentare

  1. JF |  02.12.2009 | 13:51 | permalink  

    Die Frage erhebt sich ob diese Diskussionen und Absichten nicht etwas
    voreilig sind.
    U.a. im Hinblick, als aktuellen Fall, die Berichte in Sachen Dubai.
    Der Blicklog hat dazu eine saubere Rueckschau, im Sinne von flashbacks,
    und weist dazu auf teils aeltere Artikel hin:
    http://www.blicklog.com/2009/12/02/dubai-erinnerungen-an-hochzeiten-und-vergessene-prognosen-der-experten/

    Was logischerweise von Seiten nie ein Thema ist, ist der Wert (bzw. Kosten
    und Folgekosten, der finanzielle Schaden) von Berichten, PR – Aktionen,
    usw..
    Sehr wohl aber spielt eben dieses Kriterium dann fuer manche Menschen
    schon auch eine Rolle und damit auch deren Medienkonsum. Das heisst
    das was dann eben mal aussortiert wird.

  2. Redaktion Carta |  02.12.2009 | 14:57 | permalink  

    @JF: Worauf genau bezieht sich Ihr Kommentar?

  3. JF |  02.12.2009 | 16:56 | permalink  

    Auf die Art und Weise wie die Verlage vorpreschen und
    ihre Forderungen stellen. Dies wohl auch in der Absicht,
    damit gleichzeitig auch jedwede kritische Reflektion und Kritik
    zu neutralisieren. Schuldzuweisungen und Unrechtsbezichtigungen
    koennen da manchmal wirken, von Missliebigem ablenken,
    dabei helfen, die Dinge auf den Kopf zu stellen.
    Ist das ein hinreichender Bezug?

  4. Gk |  03.12.2009 | 10:22 | permalink  

    Ja, da lockert der Marktführer Google die Gratis-Mentalität nun gewaltig. Ich hatte es befürchtet (und hier drüber geschrieben) bei all dem Google-Hype. „First Click Free“ hört sich nett an, ist aber nichts anderes als ein cleveres Bezahlmodell für digitale Printinhalte. Ein Kompliment mal an die Regierung, die eine nationale digitale Bibliothek ins Leben rufen möchte. Google braucht Konkurrenz, damit uns Web-Nutzern nicht die Bedingungen und die Kosten von einem Konzern vorgeschrieben werden.

  5. Gk |  03.12.2009 | 10:31 | permalink  

  6. Update Mindmap Paid Content: Bizarrer Streit um Springers Bezahlstrategie « Blick Log |  07.01.2010 | 01:25 | permalink  

    [...] Carta: Faires Geschäftsmodell in Sicht? Google, die Zeitungen und Paid Content [...]

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