Ulrike Langer | 48 Kommentar(e)
Klaus Kocks hat mit seinem Artikel “Piraten, nein Danke!” in der Frankfurter Rundschau die Messlatte in Sachen Internet-Ignoranz mal wieder ein Stück tiefer gelegt.
16.10.2009 |
Immer wenn man denkt, der Tiefpunkt bekennender Internet-Ignoranz sei schon erreicht gewesen, z.B. hier, gibt es jemanden, der die Messlatte doch noch ein Stück tiefer legt. Diese Ehre gebührt dem Meinungsforscher Klaus Kocks, der gestern in der Frankfurter Rundschau in seiner Kolumne mit dem Titel Piraten, nein danke! das Web bezeichnet als “Universum unnützen Wissens, in dem niemand Geld verdient außer der Porno-Industrie, die uns listenreich mit ihrem Müll versorgt”.
Bar jeder Logik soll die Infomüllhalde zugleich aber auch “unser Leben verändert” haben. Ich weiß nicht, welche Webseiten Kocks vorwiegend ansteuert, vielleicht haben Schmuddelkram und Banalitäten im Netz sein Leben tatsächlich verändert. Meines aber nicht. Ich sehe ein Netz voller neuer Möglichkeiten und einen enormen Wissensschatz, den man anzapfen und bereichern kann. Dieses Netz hat mein Leben verändert und das einer Menge anderer Menschen ebenfalls. Herr Kocks sollte also lieber nicht von sich auf andere schließen.
Natürlich darf auch der obligatorische Keulenhieb auf die Piratenpartei nicht fehlen:
Im Netz, findet diese Google-Generation, gehört allen alles und jeder darf alles nutzen, eine Art elektronischer Ur-Kommunismus. Dass damit alle Schöpfer geistigen Eigentums mittellos werden, sollen wir hinnehmen. Und so klauen die Kids bei allen, die das nicht einsehen.
Es geht dann weiter mit dem Recht auf Privateigentum, dem Gartenzaun als Schutz gegen Adelswillkür und der Freibeuter-Romantik, die geradewegs in den Sozialismus führe. Und über allem steht natürlich wieder einmal die Behauptung, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, hier in die Metapher “Meer des Unrechts” gekleidet.
Auch wenn der Beitrag des Meinungsforschers als Meinungsbeitrag gekennzeichnet ist – gibt es denn keinen Punkt, an dem eine Redaktion sich querstellt und sagt, bis hierher und nicht weiter? Wenn wir diesen Text veröffentlichen, machen wir uns lächerlich? Offenbar nicht. Und deshalb ist heute der Tag, an dem ich aufhöre, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen.
Ulrike Langer hat diesen Text zuerst auf ihrem Blog Medial Digital gepostet. Wir crossposten ihn mit freundlicher Zustimmung der Autorin.


Da haben Sie aber lange gebraucht zum journalistischen Tiefgang der “Holzmedien” in Zeiten der Panik.
Ich war nur ein wenig schneller. Erst seit Anfang des Jahres habe ich mich mit der Blogosphäre, dem Journalismus und seinem Auftrag und der direkt recherchierbaren Aussage in Blogs beschäftigt.
Als Ergebnis kam ich zu dem Schluss, mich primär im Internet zu informieren und die gedruckte Information zur Sekundärliteratur zu erniedrigen.
Beim Vergleich der beiden Informationsströme stellt sich mir immer weiter fortschreitend die Erkenntnis: Internet: 1, Holz: 0!
Gerade bei “digitalen” Themen schreiben gedruckte Medien offenbar aus Prinzip gegen die im Internet verfügbaren Quellen. Ohne stichhaltige Argumente. Sie machen sich damit immer schneller überflüssig.
Wer Information will, wünscht sich eben ein Forum wie es die Kommentar-Funktion schon mal im Ansatz bietet. Dem Pfau von “Qualitäts”-Journalist ist das zuwieder, er sieht sich noch immer als “Sender” für die lesenden “Empfänger”. Freut sich über die Beachtung der Mächtigen, nimmt mit jedem Häppchen ein wenig deren Haltung an – und wundert sich was den Empfängern einfällt seine Werke nicht mehr zu rezipieren oder sich aktiv mit ihnen auseinandersetzen zu wollen.
Vermisse ich deren Meinung nachdem ich mich schon online informiert habe? Bis jetzt nicht, es fällt mir mehr und mehr auf dass eine Beeinflussung stattfinden soll.
Und genau das erwarte ich von “Qualitäts”-Journalismus eben nicht.
Die Zeit wird zeigen wie es ausgeht. Mein Tipp: Holz: 0.
Klaus Kocks wird altersmilde. In den 90er Jahren kamen mir viele Äußerungen von ihm noch weitaus unsinniger vor.
[...] carta Tags » Autor: Jonas Schaible Datum: Freitag, 16. Oktober 2009 10:01 Trackback: [...]
“Faszinierend”, das selbstgewählte (!) Elexier der Massenmedien ist Tempo. Trotzdem merken sie nicht, dass Print im Tempo mit dem Internet nicht konkurrieren kann.
“Auch wenn der Beitrag des Meinungsforschers als Meinungsbeitrag gekennzeichnet ist – gibt es denn keinen Punkt, an dem eine Redaktion sich querstellt und sagt, bis hierher und nicht weiter? Wenn wir diesen Text veröffentlichen, machen wir uns lächerlich? Offenbar nicht. Und deshalb ist heute der Tag, an dem ich aufhöre, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen”
Das ist mir etwas zu einäugig und pauschal. Was spricht für eine Redaktion dagegen, einen provokanten Beitrag zuzulassen ? Warum fällt es so schwer, mit solch einer Provokation umzugehen, wenn man sie galant (wie oben ja durchaus geschehen) mit Argumenten konterkarieren kann ? Bilde ich es mir nur ein, oder warum schimmert hier mehr als nur ein Hauch von Angepisst sein durch die Zeilen ?
Und zur FR: Eben heute erschien wieder einer dieser Texte, für die es sich nach vor lohnt, die FR ernst zu nehmen:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/2014406_Am-Kiosk-Das-Heft-fuer-Angeber.html
@decalcify
Ich habe nichts gegen provokante Meinungen und Meinungspluralität – die machen ja eine Meinungsseite erst interessant. Doch auch ein provokanter Beitrag muss sich an Fakten abarbeiten. Was Herr Kocks schreibt, ist aber so hanebüchen falsch und verzerrend – das hätte nicht gedruckt werden dürfen. Ich weiß nicht, welche Agenda Herrn Kocks umtreibt, wenn er eine hat, oder ob er das wirklich glaubt, was er da schreibt. Das ist mir auch egal. Aber ich erwarte von einer Zeitung, die sich Qualitätszeitung nennt, genau das: dass sich um Qualität bemüht und Texte herausfiltert, die diesem Standard nicht entsprechen. Und zwar vor allem auf der Meinungsseite. Den Rest der Texte kann ich ja ohnehin zu großen Teilen in identischer Form auch woanders lesen – oft zum Beispiel am gleichen Tag oder sogar am Vortag im Kölner Stadt-Anzeiger. Wenn aber der Anspruch überregionaler Relevanz nicht einmal mehr auf der Meinungsseite erfüllt wird, dann ist das der Punkt, an dem eine Zeitung für mich persönlich irrelevant wird.
Die Argumentation trifft’s. Wobei m.E. Klaus Kocks “vanitas ignorantia” nur Symptom ist. Als die FR vor wenigen Jahren einen ihrer wenigen Trümpfe, nämlich ihre Dokumentationsseite absschaffte, war sie bei mir abgemeldet. Wenn ein Medium weder relative Alleinstellungsmerkmale noch ein überwiegend hohes Niveau aufrechterhält, lohnt es keiner größeren Beachtung.
Soweit ich das überblicke, sind allerdings die große Mehrzahl der MdBs auf einem ähnlich bemerkenswerten Stand der Ignoranz zu verorten. Und deren Unfug können wir nicht aus dem Blickfeld räumen, sondern müssen ihn ggf. bekämpfen.
[...] Der Tag, an dem ich aufhörte, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen — CARTA Erfolg für Piraten und Petition: Internetsperren ausgebremst — CARTA [...]
Mich würde es schon interessieren, wer denn – Im Großen und Ganzen. Es war ja eine Zuspitzung – außer der Pornoindustrie im Netz Geld verdient? Also mit journalistischen Inhalten ist da wohl wenig zu holen, das Internet als weiterer Vertriebsweg ist ebenfalls nicht gemeint. Nichts anderes hat Kocks aber thematisiert. Außerdem ist er regelmäßiger Kolumnist und es wundert mich schon, hier nach der Redaktion zu rufen.
@f.luebberding
Google ist Großverdiener im Netz, Spiegel Online ist mit werbefinanzierten journalistischen Inhalten profitabel, die Stiftung Warentest mit Paid Content. Diese Beispiele sind doch zur Genüge bekannt – Herr Kocks hat sie geflissentlich ignoriert, weil sie nicht in seine Stoßrichtung passen. Ich kenne keine konkreten Zahlen, aber auch die Abmahnmaschinerie, die sich um echte und vermeintliche Verletzungen Urheber-, Marken- und Handelsrechts im Netz “kümmert”, dürfte ein äußerst lukratives Marktsegment sein.
Und nebenbei: Auch bei einem regelmäßigen Kolumnisten kann eine Redaktion einen Text zurückweisen, wenn er zu schlecht ist.
@ Ulrike Langer: Ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen, wiewohl die von der Redaktion zugelassene Qualität des Beitrages wahrscheinlich eher in seiner provokatorischen Schärfe und weniger der ausgewogenen Faktentiefe lag – (zumindest bilde ich mir das so ein, denn in der FR-Redaktion sitzen ja keine Noobs herum) und eine Glosse lebt nunmal von der -auch einseitigen- Zuspitzung.
Durch diese Brille betrachtet, stieß mir die kocks´sche Pointierung dann nicht so übel auf, zumal die Argumente ja nicht neu sind.
Und trotz der FR-Zugehörigkeit zum DuMont-Imperium – den “Business-Punk”-Diss habe ich auf der KSTA.De-Seite eben nicht gefunden ;-)
@decalcify
Moment – der Kocks-Text ist keine Glosse, der ist vollkommen ironiefrei und will ernstgenommen werden. Und an diesem Maßstab muss er sich auch messen lassen.
Zu Business-Punk: Ja, es gibt Geschichten auch außerhalb der Lokalteile, die bei Dumont nicht von einem Blatt zum nächsten durchgereicht werden. Es werden aber weniger.
Liebe Frau Langer,
Meinung ist nunmal Meinung. Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, dass die Redaktion der FR einen solchen Meinungsbeitrag zensiert, oder den Autor zur Selbstzensur auffordert. Nach dieser Logik hätte auch Lettre International das Interview mit Thilo Sarrazin absetzen müssen. Wenn zukünftig die Redaktionen entscheiden, welche Meinung “richtig begründet” ist oder nicht, dann ist es mit der Meinungsfreiheit vorbei.
Dass Sie die FR nicht mehr ernstnehmen, ist Ihnen natürlich unbenommen.
… Kocks versteigt sich in der Folge fern seiner Kernkompetenzen zu einem historischen Exkurs über das Eigentum, der argumentativ gelungen wäre, wenn’s denn bloß so wäre: …
Doch, es ist gut, dass die FR so einen Text publiziert. Nicht, obwohl er lächerlich ist, sondern weil. Die ganze Diskussion um Internet, “Geistiges Eigentum” (ein reiner Heissluftbegriff) und Piraterie (ein Missverständnis) ist noch lange nicht beendet, und wird durch solche Kasperiaden wie Fall des guten Professor Kocks eher belebt als besänftigt. Weiter so, FR (und natürlich weiter so, Ulrike Langer). Den Rest hab ich schon hier geschrieben: http://11k2.wordpress.com/2009/10/16/piraten-nein-danke-wirklich/
[...] meinen? Bleibt das Fazit: So ziemlich nichts stimmt an Kocks’ wild zusammengerührtem Brouillon. Noch nicht einmal, [...]
@Tim
“Klaus Kocks wird altersmilde. In den 90er Jahren kamen mir viele Äußerungen von ihm noch weitaus unsinniger vor.”
Stimmt. Über Kocks Meinungsäußerungen konnte man schon immer nur den Kopf schütteln oder lauthals lachen. Ich hatte die Frankfurter Rundschau in den 90ern abonniert; unter anderem weil die “Netzwerk”-Seite der FR im Gegensatz zu dem Stuss, den die Süddeutsche und die Zeit zum damals neuen World Wide Web verbreiteten, lesenswert war. Die “Netzwerk”-Seite in der FR ist bereits seit einiger Zeit Geschichte und ich greife lieber zu Wochen- und Monatszeitungen, als in der Tagespresse das Gejammer vom Ende des “Qualitätsjournalismus” und das ideologische Gesabbel vom “geistigen Eigentum” zu verfolgen.
Nicht den Überbringer der Nachricht – hier die FR – köpfen; das sollte man schon abkönnen, so einen Schmuddeltext…
Und ob Klaus Kocks nun – reloaded – in den bereits länger schon gelegten Spuren eines Bernd Graff von der SZ
http://www.sueddeutsche.de/computer/28/426784/text/
wandeln wollte, darüber mag man beinahe philosophieren. Tatsache bleibt, dass auch die FR, dass ebenfalls die vermeintlichen (links)liberalen Medien dem Erosionsprozess des sog. Qualitätsjournalismus unterworfen sind; sich dem manchmal gar investorengesteuert freiwillig unterwerfen.
Ansonsten, wie weiter oben bereits ein Kommentator schrieb, die Mainstreammedien werden für einen Teil der Nutzer – like me – zur Sekundärliteratur, diverse Blogs übernehmen da schon mal einen wesentlichen Teil dieses immer wieder beschworenen “Qualitätsjournalismus”. Der Filter im Kopf sollte beiden gelten, dem Mainstream wie den Blogs. Die einfache Frage, “wem nützt es” was da so abgesondert wird, diese Frage ist der Mittelpunkt. Klar, auch Blogbetreiber wollen sich oft selbst darstellen, Aufmerksamkeit erheischen. Aber deren Intention ist relativ schnell bis gleich klar, wird in der Regel nicht hinter neutralistischem blabla versteckt – und folgt meist keinem (erkennbaren) Geschäftsmodell, primär monetärer Art.
Also, liebe Frau Langer, lassen Sie die FR gewähren; und schreiben sie weiter so!
[...] http://carta.info/16357/der-tag-an-dem-ich-aufhoerte-die-frankfurter-rundschau-ernstzunehmen/ [...]
Der Ruf nach der Zensur, mit dem heißem Atem der Eiferer vorgetragen. Nach einer so holzfreien Welt sehne sich, wer will. Ulli Langer, die allzeit wortreiche, hätte in einem Fall sogar recht: “Eine Satire, die der Zensor versteht, wird zurecht verboten.” (Karl Kraus, wenn ich micht recht erinnere.) Aber der Fall ist ja nicht eingetreten, wie man oben nachlesen kann. PS.: siehe mein Sarrazin-Stück auf “starke-meinungen.de” zu wallungsgesteuerter Kommunikation.
@Klaus Kocks
Schön, dass Sie hier auf die Kritik an Ihrer Kolumne reagieren. Aber wollen Sie oder können Sie die Kritik nicht verstehen? Diese Kritik hat nichts mit Zensur zu tun und alles damit, dass die FR nicht einerseits ihr Qualitätsniveau immer weiter absenken kann, aber andererseits immer noch als überregionale Qualitätszeitung verstanden werden will. Falls Sie mit Ihrer haarsträubend unsinnigen Kolumne nur provozieren wollten, dann ist das voll daneben gegangen. Ich stehe ja mit meiner Meinung nicht alleine. Was sich hier bei Carta und bei mir drüben auf medialdigital.de angesammelt hat, ist ja noch vergleichsweise harmlos: Unter den bisher 74 Kommentatoren in der FR (denen Sie offenbar nicht für nötig halten, zu antworten, oder kommt das noch?), ist nicht eine einzige Zustimmung. Ein Kommentar, der sich über die Kommentatoren mokiert, und 73 Totalverrisse. Mir würde das als Autor zu denken geben.
@ Klaus Kocks: Vielen Dank für die Replik und die Reaktion.
Ulrike Langer des Aufrufs zur Zensur zu bezichtigen – das ist der Zuspitzung zuviel. Würde jeder von einer Redaktion mit der Bitte um Überarbeitung zurücküberwiesene Text eines Kolumnisten unter die Zensur fallen, dann fände ja geradezu minütlich hierzulande Zensur statt.
Der Appell von von Langer weist auf das in der Tat nicht ganz einfache Verhältnis von Redaktion und Kolumnisten hin – für uns bei Carta ist nicht immer einfach, Freiraum für die Autoren und Linie der Publikation abzuwägen.
Dabei geht es aber nicht um Zensur, sondern um Diskurs und gegenseitiges Lernen.
Manchmal bin ich erstaunt, wie wenig in den aktuellen digitalen Kulturkämpfen die Bereitschaft ausgeprägt ist, sich gegenseitig zuzuhören.
RML
@RML: Yes, Sir. Die beanstandete Kolumne ist zur Zeit die meistkommentierte der Frankfurter Rundschau. Ein netter Erfolg. Und Publizisten führen keine Schmähkritiken gegen ihre Leser. Das, Frau Langer, ist auch ein Unterschied zu Ihrer Blogoshäre: Akklamation ist nicht das Ziel journalistischen Schreibens.
@ Klaus Kocks: Ich übersetze kurz Akklamation = (von lat. acclamatio, Zuruf; aus ad, zu, und clamare, rufen) der zustimmende Beifall in einer Versammlung.
Sie wollen also sagen: Die Blogger sind vor allem auf stimmende Kommentare aus (schreiben deshalb meist positiv über die Piratenpartei), während der journalistische Schreiber da mit einer anderen Haltung daherkommt.
Man könnte auch sagen: Der Blogger hat ein empatisches Verhältnis zu seinen Lesern, nimmt ihre Kritik ernst, ändert dann auch seine Meinung. Der klassische Journalist bulldozt dagegen autistisch vor sich hin.
Ich weiss Ihre ergänzenden Kommentare sehr zu schätzen, vielen Dank.
@Klaus Kocks
Und ich übersetze noch kurz “ein netter Erfolg”: Inzwischen 76 Kommentare bei der FR. Noch immer kein einziger darunter, der Ihnen zustimmt. Ich weiß, Sie sind nicht auf Zustimmung aus. Diese Haltung kann man durchaus vertreten. Dass Sie sich der Kritik der FR-Kommentatoren (größtenteils sachlich, übrigens) nicht stellen, zeigt aber auch, dass Sie Ihre Leser offenbar nicht ernst nehmen.
Davon abgesehen, freue ich mich ebenso wie Robin Meyer-Lucht, dass Sie immerhin hier die Debatte nicht scheuen.
Das ist argumentativ nicht konsequent. Was denn nun? “Die Redaktion soll ihn rausschmeißen!” ODER “Schön, dass wir mal gesprochen haben” ??? Diese diskursive Verschränkung ist ja durchaus typisch. Die Platitüden der Habermas’schen Diskussionskultur im virtuellen Prenzlauer Schwätzermilieu. Selbstgefälligkeit ist es, was die Langersche Blogosphäre treibt. Und die unbedingte Bereitschaft zur Denunziation, wenn sich irgendwo Regungen zeigen, die dem Konsenszwang dieser WG-Kommunikationen entgegenstehen. Da fühle ich mich in der Holz-Welt wohler. Geradezu putzig aber ist die Annahme, dass ein besonderer Mut nötig sei, dazu etwas zu sagen (“sich zu stellen”): wer sind Sie, die Inquisition, das Weltengericht? “Der Tag, an dem ich aufhörte, eine Tageszeitung ernstzunehmen, weil dort ein Kommentar erschien, der mir nicht gefiel…” Haben Sie es auch eine Nummer kleiner?
@Klaus Kocks
Nichts ist inkonsequent. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die FR Ihren grottenschlechten Kommentar hätte ablehnen oder Ihnen zur Bearbeitung hätte zurückgeben sollen. Da er aber nun mal so erschienen ist, sollten Sie wenigstens die Größe haben, sich mit den überwältigend negativen Reaktionen auseinandersetzen. Wenn kein Mut dazu gehört den FR-Kommentatoren zu begegnen, warum tun Sie es dann nicht? Ist das unter Ihrer Würde?
Was treibt Sie wirklich?
Enttarnung: Hier geht es um eine Stellvertreterdebatte. Langer ist Autorin beim Medium Magazin eines österreichischen Verlegers, Kocks ist Kolumnist beim pr magazin eines deutschen Wettbewerbers. Beide Blätter bzw Verlage bekämpfen sich bis auf’s Blut. Also wollte Langer vermutlich den Konkurrenten schlagen, indem sie ihn bei einem dritten Blatt, für das er schreibt, anschwärzt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
@Rolf Schaetzle
Ihre Unterstellung ist falsch. Mir war Klaus Kocks bis zum seinem Kommentar in der FR unbekannt und ich weiß nicht, für wen er sonst noch schreibt. Im übrigen habe ich als freie Journalistin mit Konkurrenzverhältnissen zwischen meinen Auftraggebern und den Wettbewerbern nichts zu tun. Das ist deren Sache, nicht meine.
@Klaus Kocks
Mich treibt wie Tausende anderer die Lust, im sozialen Netz meine Meinung zu äußern.
Ein Kommentar-Plugin, welches Textpassagen unterstreicht, die von eigentlichen Debatte ablenken, zum Beispiel persönliche Animositäten, wäre ganz praktisch…
Oh, welch unverzeilicher Fehler! Frau Langner wagt es, einen schlechten Text zu kritisieren, obwohl der von einem Konkurrenten stammt? Was soll das heissen, wenn Herr Schätzle hier das Wort “anschwärzen” benutzt, statt inhaltlich auf die Kritik einzugehen? Kindergarten?
Ich gebe zu bedenken: Neben der virtuellen Welt gibt es häufig noch eine ganz reale, in der man sich die Brötchen verdienen muss, die man kauft. Dabei geht es um konkretes Geld von konkreten Auftraggebern. Und, hier hilft der deutsche Volksmund: “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.” Auch das – so lehrt die Erfahrung – kann Inhalte bestimmen. Ein Kindergarten ist das bestimmt nicht.
Echt jetzt, eine Lohnschreiberin des Medium Magazin Verlages, die sich bei Ihrem Verleger andient? Damit bin ich offline.
“Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.”? Ist das der viel zitierte Qualitätsjournalismus?
@Rolf Schaetzle,
Habe ich mich beim ersten Mal nicht deutlich genug ausgedrückt? Ich weiß nicht, für wen Herr Kocks sonst noch schreibt. Deshalb fällt Ihre Verschwörungstheorie in sich zusammen. Dreist finde ich, dass Sie Ihre Unterstellungen dennoch wiederholen.
@ Klaus Kocks,
Auf diesem Niveau würde ich mich ohnehin nicht weiter mit Ihnen auseinandersetzen.
Ansonsten plädiere ich dafür, zum eigentlichen Thema zurückzukehren. Solche Schattengefechte (zumal ohne Substanz) sind für Dritte einfach nur langweilig.
Unfassbar, wie man sich gleich zweimal hintereinander einer solchen Peinlichkeit preisgeben kann.
@Klaus_Kocks Erst überlagern Sie Ihre Unsicherheit mit purem Stammtischniveau, dann ersticken Sie eine aufflammende Qualitätsdiskussion mit einen Auftraggeber/Auftragnehmer Bypass. Diese Art der Auseinandersetzung bezeugt genau den Kern der Kritik von Frau Langer. Kolumne hin oder her. Das Hauptargument der Print-Industrie gegen das Internet, nämlich die angeblich fehlende Qualität, ist das zentrale Problem Ihres “Beitrags”, Herr Kocks. Sie zeigen sehr plastisch, dass sich die Inhalte über alle Medien hinweg nichts nehmen. Deshalb ist das Web im Vorteil und Sie und Ihre gefühlte Informationshoheit werden unweigerlich in Ihrer medialen Holz-Klasse verbrennen.
Alternativ: Akzeptieren Sie die Kritik wie ein Mann und nehmen Sie die Hand die Sie aus dem Feuer ziehen will.
Seit etwa 10-15 Jahren lese ich in zunehmenden Maße online Informationen, Foren und Blogs. Ich war bis vor 5 Jahren langjähriger Abbonent der Frankfurter Rundschau. Ich habe auch in den 90zigern ein paar mal Artikel für die FR geschrieben, unter anderem im Feuilleton kritische Artikel über Martin Walser und seine Deutschtümelein.
Irgendwann ist es für mich gekippt – ich fand es deutlich interessanter meine Lesezeit im Netz anzusiedeln, z.B. bei Telepolis und nunmehr Carta und anderen Blogs, die ich sehr schätze. Von den grossen Medienhäußern kann ich übgriens derzeit nur bei zeit.de erkennen, dass sie das Netz und die sich verändernden Kommunikationen verstehen – das sah ich allerdings bei spiegel.de auch mal so, bevor sie – wie mir scheint – von den print-Chefs vereinahmt und übernommen wurden. Letztlich hängt doch vieles von einzelnen Personen ab und nicht von einem “Haus” oder einer “Redaktion an sich”. Herr Kocks Äußerungen sind jedenfalls nicht dazu angetan, mein Interesse an der FR oder seinen Schriften zu wecken.
@ Klaus Kocks
Oh ist das erbärmlich, Herr Professor, sich derart aus der Debatte zu schleichen:
Zitat
“Echt jetzt, eine Lohnschreiberin des Medium Magazin Verlages, die sich bei Ihrem Verleger andient? Damit bin ich offline.”
Weder das pr magazin noch das mediummagazin sind für die bisherige Diskussion relevant und ich kann auch beim besten Willen nicht entdecken, wie sich Frau Langer mit der Kritik an Ihrem Geschreibsel bei “ihrem” Verleger verdient gemacht haben sollte. Selten so einen Blödsinn gelesen. Das ist wahrhaft Stammtisch-Niveau!
Ups, äußerst muntere Diskussion hier. Ich viel dabei gelernt. Dank an @allehier dafür.
Nur um darauf noch einmal formal hinzuweisen: Persönlich herabsetzende Diskreditierungen der Autoren (im Gegensatz zur inhaltlich-argumentativen Auseinandersetzung) sind bei Carta eigentlich laut Kommentierrichtlinien nicht erwünscht. Das Schmähwort “Lohnschreiber” geht eigentlich gar nicht.
@Robin
2x “eigentlich” = 2x zuviel
@ Ulrike: Stimmt, die “Eigentlichs” gehören da nicht hin. Ich wollte damit ausdrücken, dass es in diesem Fall gerade noch vertretbar ist, die Kommentiere hier so für sich sprechen zu lassen – und nicht zu löschen, was ich in solchen Fällen nicht ausschließen würde.
Die Frankfurter Rundschau nimmt hier in Frankfurt schon lange keiner mehr ernst. Ihre Redaktion ist sowas von unfähig, eine Sache aus mehreren Perspektiven zu beleuchten, dass es jeden halbwegs aufgeklärten Menschen nur graust. Nun ja, die FR ist im Besitz der SPD, entsprechend fällt der Tenor dann auch aus.
@robin ich sehe hier keine kommentare, wo ich eine Löschung schätzen würde. apropos kommentare: ist angedacht, dass kommentare “gethreaded” werden können, so dass leichter erkennbar ist, wer sich auf wen bezieht?
@ Holger: Ich tendenziell auch nicht. Da sollten wir aber auch Ulrike noch mal zu befragen….
Threaden: Hm, nehme ich als Anregung gerne auf – mal sehen, was uns WordPress uns da so bietet. Bin aber eher ein Freund von klaren Linien und einfachen Lösungen. Mal schauen. Danke.
@Robin: Ich habe nichts dagegen, wenn die Diskussion so stehen bleibt. Ich denke, die Äußerungen sprechen für sich.
@Holger und Robin: Threaden hat Vor- und Nachteile. Bei Heise blicke ich durch die Threads jedenfalls nicht durch. Solange nicht Hunderte von Kommentaren zu einem Beitrag eingehen (73 ist bisher der Höchstwert), kann man die Verweise ja auch noch gut in der linearen Darstellung verfolgen. Zumal eigentlich alle Kommentatoren ein @name oder die Kommentarnummer davorsetzen, wenn Sie jemanden persönlich ansprechen.
Die allwissende Müllhalde klaut…
Dass Herr Kocks in der FR sich auf dünnem Eis bewegt, wenn er über Störtebeker schreibt, sei dahingestellt. Er ist ja kein Journalist, sondern Meinungsforscher. Und betätigt sich als Meinungslehrer in dem er versucht seiner Leserschaft etwas übe…
@Ulrike Langer: Herzlichen Dank für die Beharrlichkeit im eben zugefallenen Dialog! Gagschreiber, Großmutter-wg-Pointe-Mörder und Sophisten haben mit der von Ihnen gekonterten Seinungsäußerung eines gemein: dass sie offenkundig leider nicht (und mit jeder Sottise weniger) Erkenntnis und Verständigung im faktengesättigt argumentativen Diskurs wollen, sondern sozialen Erfolg über einen (erhofft virtuos rhetorischen) Blendeffekt erstreben – auch wenn sie am letzten End sich meist nur selber noch gefallen.
Das Thema, hier @FR, bleibt die bedauerliche Krise der Qualität, Identität und Wirtschaftlichkeit weiter Teile des professionellen Journalismus im Antlitz des WWW-Diskurses, dessen Aktualität und Allzeitpräsenz kein Einzelverleger mehr zu überwinden vermag.