Doris Raßhofer

Wolfgang Blau: “Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß.”

Doris Raßhofer | 39 Kommentar(e)


“Wir müssen die Inhalte an allen Wasserlöchern der digitalen Kultur bereithalten” – Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau im Interview über die “Wild-West-Phase” der Nachrichtenportale, “kollaborativen Journalismus” und mehr Bezahlinhalte auf Zeit Online.

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09.10.2009 | 

Herr Blau, Sie haben schon diverse Auf- und Abs des Internet mitverfolgt. Derzeit scheint dem Rausch wieder einmal ein Kater zu folgen, die Euphorie ist dem Kalkül gewichen. Was ist passiert, dass das World Wide Web bei Wirtschaft und Medien derzeit erneut in Ungnade fällt?

Im Silicon Valley galt der Spruch „Die kurzfristigen Auswirkungen neuer Technologien werden in dem Maße überschätzt, wie ihre langfristigen Auswirkungen unterschätzt werden“. Was bedeutet das?  In den Boomjahren der New Economy wurde noch vom baldigen Ende aller Medien jenseits des World Wide Web geunkt. Dann aber ist die Online-Blase geplatzt und viele Verlage haben sich wieder erleichtert zurückgelehnt und das Netz in geradezu erstaunlicher Weise ignoriert. Jetzt realisieren die Verlage mit Schrecken, dass das Internet nicht nur die Medienlandschaft neu ordnet, sondern sogar das gesamte Wirtschaftsleben, die Art, wie die Menschen ihr Sozialleben organisieren, wie sie sich politisch informieren, wie sie Kultur konsumieren und produzieren. Ein Gezeitenwechsel, der mit der Einführung des Buchdrucks oder der Eisenbahn vergleichbar ist.

Können Sie das konkretisieren?

wblau

Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau: Das Internet wird gerade zu einer Art Betriebssystem für unsere Gesellschaft.

Das Internet verändert alle Branchen, nicht nur die Medienbranche. Schauen Sie sich beispielsweise das Gesundheitswesen an: Was machen Sie heute als erstes, wenn Sie oder eines Ihrer Familienmitglieder mit einer schwerwiegenden Diagnose konfrontiert werden? Sie gehen sofort online und informieren sich über Prognosen und Behandlungsmethoden. Früher konnte ein Arzt noch mit veralteten Fachbüchern im Regal Kompetenz suggerieren,  es galt die fixe Idee, dass ein Arzt alles weiß. Heute kommen Sie zum Arzt und kennen oft schon die drei oder vier wichtigsten Therapie-Methoden für Ihre Krankheit. Von Ihrem Arzt erwarten Sie nun eine moderierende Einordnung der verschiedenen Optionen. Das Internet verwischt die klare Trennung zwischen Experte und Laie, zwischen Produzent und Konsument. Das können Sie beispielsweise auch in der Energiebranche beobachten, im Messewesen, im Bildungssektor oder auch in der militärischen Doktrin des „Network-Centric Warfare“, die ohne das Internet nicht notwendig gewesen wäre.

Welche Auswirkungen haben diese Veränderungen auf die Medien?

Fachwissen und Expertise werden in Zukunft noch wichtiger als heute, verstehen Sie mich also bitte nicht falsch. Auch Journalisten werden in Zukunft benötigt werden. Wir müssen in Zukunft aber unser Set von Fähigkeiten noch erweitern, zum Beispiel um die Fähigkeit, das Fachwissen unserer Leser stärker zu nutzen und anzuerkennen.  Für überregionale Nachrichtenmedien bedeutet dies, dass die bloße Mitteilung einer Nachricht nur noch selten ein Alleinstellungsmerkmal ist. Der Mehrwert besteht primär in der Einordnung, der Analyse des Geschehens. Vor allem Tageszeitungen werden es hier schwer haben, da kompetente Analyse im Vergleich zur umgeschriebenen Agentur-Meldung das teurere Produkt ist und von den Lesern noch mehr Aufmerksamkeit abverlangt. Für Broadcast-Medien kommt hinzu, dass die Zuschauer im Internet gelernt haben, dass Medieninhalte on-demand verfügbar sind. Die Idee, sich noch den starren Programm-Schemata der Radio- und Fernsehsender anzupassen, ist der Internet-Generation kaum noch vermittelbar.

Elfenbeinturm adé?

Hoffentlich. Wir können nicht mehr so tun, als ob es da draußen keine Menschen gäbe, die auch etwas wissen. Nehmen Sie die Leserschaft von ZEIT ONLINE –  ein beträchtlicher Teil davon arbeitet in Unis und Hochschulen. Nicht selten sind ihre Leserbriefe länger als unsere Artikel und auch genauso interessant. Zusätzlich zu unseren bisherigen Aufgaben werden wir in Zukunft also noch stärker in der Rolle von Moderatoren und Kuratoren agieren müssen. Eine unserer Aufgaben wird sein, das Fachwissen unserer Leser zu bündeln, zu verifizieren, zu moderieren.

Die „Weisheit der Massen“ moderieren, kein leichtes Unterfangen.

Das ist im ersten Moment natürlich eine Überforderung, weil es neu ist. Das war auch schon bei früheren Medienrevolutionen der Fall. In der Frühzeit des Buchdrucks haben sich zum Beispiel viele europäische Bibliotheken geweigert, gedruckte Bücher in ihr Repertoire aufzunehmen. Nur ein handgeschriebenes, in der Regel von Mönchen verifiziertes Buch galt als vertrauenswürdig. Einfach irgendetwas drucken kann ja jeder, so das damalige Argument, das an die heutige Ablehnung des Internet erinnert und ja auch einen gewissen Wahrheitsgehalt hat. Der Buchdruck hat uns beides ermöglicht, ungeahnte neue Möglichkeiten der Desinformation und gedruckten Propaganda einerseits und andererseits die Renaissance und eine Revolution des Wissens.

Vielen Journalisten wäre es aber immer noch lieber, sie hätten die Nachrichtenhoheit.


Diesen ideologischen Widerstand der Medienbranche, das eigene Rollenbild zu überdenken, beobachte ich  mit großer Sorge.
Es gibt noch zu viele Journalisten, die glauben, sie könnten das Netz ignorieren – ganz unabhängig von ihrem Alter. Das Netz ist für den Journalismus eine enorme Chance. Und wer glaubt, Journalisten würden bald nicht mehr gebraucht werden, denkt zu kurz. Erinnern Sie sich an die ersten Apple Computer, die Ende der 80er auf den Markt kamen? Damals wurde der Beruf des Grafikers von manchen bereits für tot erklärt, schließlich konnten viele Mac-User mit etwas Übung nun ihre Firmenlogos und Briefpapiere endlich selbst gestalten. Nur für ein paar Jahre herrschte damals zwischen Grafik-Laien und Grafik-Experten so etwas wie eine gefühlte Waffengleichheit. Dann haben sich viele Grafiker digitale Fähigkeiten angeeignet und das Grafik-Design auf eine neue Qualitätsstufe gehoben, die für Laien nur schwer erreichbar ist. Eine ähnliche Entwicklung werden wir im Journalismus beobachten können.

Welchen Stellenwert wird der User-Generierte Content demnach in Zukunft einnehmen?

Nutzer-generierte Inhalte sind im Netz wichtig, ihre Bedeutung für journalistische Websites ist aber eher punktuell, etwa wenn Leser Zeugen eines Nachrichtenereignisses wurden. Für interessanter halte ich Konzepte des nutzer-genierierten, kollaborativen Journalismus, wie ihn etwa die britische Zeitung „The Guardian“ gerade testet. Nach dem Skandal um die falschen Nebenkostenabrechnungen britischer Abgeordneter hat der Guardian Zehntausende von gescannten Kassenbelegen und Abrechnungen online veröffentlicht und seine Leser gebeten, bei der schnellen Durchsicht der Dokumente mitzuhelfen. Auf diese Weise wurden brisante Einzelheiten entdeckt, die die Redakteure, wenn überhaupt, dann erst sehr viel später gefunden hätten.

Seit dem Relaunch von Zeit Online bilden Sie rechts oben – durchaus prominent – sowohl die beliebtesten als auch die meistkommentierten Artikel Ihrer Website ab. Ist das ein erster Schritt, User generierten Input mit Ihrem eigenen Qualitätsjournalismus auf Augenhöhe zu postieren?

Wir sehen uns nicht nur als Website, die ihre Leser informiert, wir sehen uns auch als eine führende Debatten-Plattform. Es ist uns deshalb wichtig, unseren Lesern schon auf den ersten Blick mitzuteilen, welche unserer Texte gerade am stärksten diskutiert werden. Mit dem Ranking der meistgelesenen Texte haben wir nun etwa ein Jahr lang experimentiert und dabei beobachtet, dass unsere Leser bei großen Nachrichtenlagen natürlich die aktuellen Berichte zu dem jeweiligen Ereignis  am stärksten nachfragen. In den übrigen Zeiten bevorzugen sie aber Analysen, Hintergrundberichte und Reportagen. Zeit Online ist eine Nachrichtensite für Menschen, die nicht mit Nachrichtenlärm behelligt werden wollen, sich aber darauf verlassen möchten – und können -, dass wir alle wirklich wichtigen Nachrichtenereignisse selbstverständlich innerhalb weniger Minuten melden.

Jeder Artikel kann jetzt mit einem Click auf jeder Social Media-Seite veröffentlicht werden.

… um dort diskutiert zu werden, und um gefunden und gelesen zu werden. Die Zeiten, in denen wir Journalisten uns mit unseren großen Medien-Megaphonen hinstellen und erwarten konnten, dass man uns selbstverständlich zuhört oder zu uns auf die Site kommt, sind vorbei. Wir müssen uns  heute vielmehr als eine Sphäre begreifen, die ihre Inhalte an allen Wasserlöchern der digitalen Kultur bereithalten muss. Und in Zukunft wird es auch darum gehen, sämtliche Diskussionsfäden oder „Kommentar-Threads“, in denen unsere Texte diskutiert werden, wieder zusammenzuführen und visuell abzubilden. Leserdebatten überschaubar abzubilden ist eine der nächsten großen Fragestellungen beim Design journalistischer Websites.

Wie beurteilen Sie denn die aktuellen Diskussionen über die Abwanderung der Jugend ins Netz als Ursache für den Auflagenrückgang und den Strukturwandel der Zeitungen?

Die Bereitschaft Jugendlicher, Zeitung zu lesen ist auch schon in den 80er-Jahren, also lange vor dem Siegeszug des Internet deutlich zurückgegangen. Ich halte es auch für irreführend, das Internet nur als Jugendphänomen zu betrachten. Natürlich pflegen Jugendliche einen selbstverständlicheren Umgang mit dem Netz als die älteren Generationen. In absoluten Zahlen sind aber zumindest in Deutschland schon heute mehr Menschen im Alter von 60 Jahren und darüber im Netz unterwegs als Menschen unter 20 Jahren. Das ergab die ARD/ZDF Onlinestudie 2009. Selbst auf Facebook stellen die 35 – bis 49-jährigen die am stärksten wachsende Nutzergruppe.

Die Jugend ist also nicht schuld an der Zeitungsmisere. Im Grund sind es ja auch überhaupt nicht die Leser, sondern der schwindende Anzeigenmarkt.

So einfach ist es vermutlich nicht. Zeitung ist auch nicht gleich Zeitung. Eine Wochenzeitung wie die DIE ZEIT erfreut sich heute steigender Leserzahlen, viele Tageszeitungen hingegen verlieren sowohl Leser, als auch Anzeigenkunden. Eines von vielen strukturellen Problemen speziell der Tageszeitung als Gattung ist, dass sie den Anspruch hat, täglich Inhalte für zu viele verschiedene Zielgruppen beziehungsweise für die ganze Familie anzubieten, und das in Ballungsräumen, die von Single-Haushalten dominiert werden. Etwa die Hälfte aller Haushalte in Berlin, Hamburg und München sind bereits Einpersonen-Haushalte. Die durchschnittliche Tageszeitung läuft in diesem Umfeld Gefahr, keine ihrer vielen Zielgruppen mehr wirklich befriedigen zu können. Neben der schleichenden Leserabwanderung, die viele, aber nicht alle Zeitungen derzeit erleben, ist die Veränderung des Werbemarktes tatsächlich das noch größere Problem.

Ist denn die Situation der Zeitungslandschaft in den USA eins zu eins auf den deutschsprachigen Markt zu übertragen?

Die beiden Märkte sind kaum vergleichbar. In den USA hat man sich in der Regel stärker auf Werbeeinahmen und weniger auf Einzelverkaufserlöse verlassen als in Deutschland. Das wird den amerikanischen Verlegern jetzt zum Verhängnis. Am deutlichsten ist das bei den Magazinen zu beobachten. Ein Jahres-Abo mit 56 Ausgaben des Magazins TIME kostete in den USA vor ein paar Jahren noch 10 Dollar und auch heute gerade mal  20 Dollar oder etwa 14 Euro. Als Leser bezahlen Sie also nicht einmal das Porto für ihre 56 Ausgaben. Nachdem nun aber die Werberlöse stark zurückgehen, können die Einzelverkaufspreise nicht mehr in dem Maße angehoben werden, wie es eigentlich nötig wäre, um die Verluste aus dem Anzeigengeschäft wettzumachen. Auch die Vertriebsstrukturen amerikanischer Zeitungen können nicht mit Deutschland oder Österreich verglichen werden, wo sie an fest jeder größeren Tankstelle ein großes Angebot an Zeitungen vorfinden. In vielen amerikanischen Ballungsräumen kaufen Sie ihre Zeitung immer noch am Automaten, für den Sie erst einmal das passende Kleingeld brauchen. Hinzu kommt, dass die Zeitung in Deutschland im Vergleich zu den Mediengattungen Fernsehen und Radio ein sehr viel höheres Ansehen genießt als in den USA. Auch vor 20 Jahren schon hatte die Zeitung in den USA nicht mehr den Stellenwert, den sie heute noch in Deutschland hat. Ein weiterer Punkt ist die Konkurrenzsituation durch die englische Sprache: der britische Guardian, der Telegraph oder der Economist sind für die überregionalen amerikanischen Zeitungen ernsthafte Konkurrenten, wie auch BBC America der am schnellsten wachsende Nachrichten-Kabelsender der USA ist. Das große amerikanische Interesse an vertrauenswürdigen britischen Print- und Online-Medien ist eine Begleiterscheinung des Irakkriegs, den die amerikanischen Leitmedien zunächst sehr unkritisch präsentiert hatten. Auch die Internetnutzung ist in den USA intensiver als in Deutschland. Und das sind nur einige von vielen weiteren Faktoren, weshalb die amerikanische Zeitungskrise zwar eine deutliche Warnung, aber kein plausibles Szenario für die zukünftige Entwicklung des deutschen oder österreichischen Zeitungsmarktes bietet.

Paid Content für News gilt als uneinbringbar, Online-Werbung boomt nicht, und selbst Facebook & Co machen kaum Umsätze. Warum ist das Web offenbar so schwer zu monetarisieren?

Da sollten wir zwischen dem Web insgesamt und journalistischen Sites differenzieren. Google verdient großartig. Auch E-Commerce läuft gut. Und ich bin mir sicher, dass auch Facebook und die VZ-Gruppe noch sehr viel Geld verdienen werden. Grundsätzlich kann man aber nur etwas monetarisieren, wo ein Mangel besteht. Früher gab es für Wohnungs-Inserate in einem Ort oft nur eine Lokalzeitung, die oft auch noch eine Monopolstellung hatte und deshalb entsprechende Werbepreise verlangen konnte. Im Netz sind die Flächen dagegen fast unbegrenzt. Gleichzeitig wurde oft der Fehler gemacht, den Printwerbekunden die Online-Werbung als Goody obendrauf zu packen. So wurde den Anzeigenkunden früh beigebracht, dass Online-Werbung nichts wert sei. Jetzt ist es entsprechend schwierig, höhere Online-Preise durchzusetzen. Dennoch glaube ich, dass wir bereits eine Ausdifferenzierung der journalistischen Websites beobachten können, die den wenigen wirklichen Qualitäts-Sites ermöglichen wird, höhere Preise aufzurufen. Die Leser lernen gerade, zu unterscheiden, welche  Redaktion sauber zwischen Werbung und Journalismus trennt, wer am saubersten recherchiert, wer integer ist und wer nicht. Nachrichtensites können über die bloße Reichweite nicht gegen die Massenportale dieser Welt konkurrieren. Sie können aber eine besonders anspruchsvolle Leserschaft auf ihren Sites versammeln, die in dieser Dichte rar ist und damit höhere Preise rechtfertigt.

Werden sich steigende Online-Werbepreise und sinkende Printerlöse bald gegenseitig ausgleichen können?

Nein, das werden sie nicht.

Dann bleibt eine Finanzierungslücke.

Wenn man nur mit Banner-Werbung innerhalb journalistischer Angebote oder Paid Content punkten will, ja. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck hat aber zum Glück schon frühzeitig Online-Plattformen gegründet, die die Rückgänge aus dem Print-Rubrikengeschäft zumindest abfedern können, etwa die Partnerschaftsvermittlung Parship oder unsere akademische Stellenbörse academics.de. Ich gehe aber davon aus, dass Zeitungshäuser in Zukunft eine größere Zahl verschiedener Einnahmequellen aufbauen müssen als heute. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Glaubwürdigkeit ihrer jeweiligen journalistischen Marke. Deshalb wäre es auch ein großer Fehler, online niedrigere Ansprüche an die journalistische Qualität zu stellen, als in den Printausgaben.

Ist Paid Content bei Ihnen ein Thema?

Die Nachrichtenportale im deutschsprachigen Netz sind immer noch in der Wild-West-Phase, in der es darum geht, Claims zu besetzten und sich das Vertrauen großer Leserschaften zu erarbeiten. Jetzt das Bezahlgitter herunter zu lassen, wäre nicht klug. Im Gegensatz zu den USA haben wir in vielen europäischen Ländern auch öffentlich-rechtliche Nachrichtensites, die ihre Inhalte im Netz per Gesetz ohne weitere Gebühren anbieten müssen. Sie wären einer der größten Nutznießer, wenn qualitative Print-Websites nun gebührenpflichtig würden.  Ich glaube auch, dass wir für Paid Content Inhalte entwickeln müssen, die wir jetzt noch nicht anbieten. Ein Bereich, in dem ZEIT ONLINE aber schon sehr stattliche Beträge erwirtschaftet, ist unser Audio-Abo.

Was planen Sie noch in Sachen Paid Content?

Nahe liegend sind natürlich iPhone-Apps, weil die Bezahlstruktur dahinter schon vorhanden ist. Wir haben da mehrere Projekte in der Pipeline.

Zum Beispiel?

Da muss ich leider schweigen.

Wie finanziert sich denn Ihr Online-Auftritt derzeit? Schreiben Sie schon schwarze Zahlen?

Wir finanzieren uns über Werbung und Transaktionserlöse. Wir haben unsere Redaktion in diesem Jahr ausgebaut und jetzt auch eine von Grund auf neu entwickelte Website an den Start gebracht, die von unseren Usern erfreulicherweise sehr gut angenommen wird. Wir sind also noch in der Investitionsphase und schreiben noch keine schwarzen Zahlen. Wir liegen aber gut im Plan und über unseren Vorjahreserlösen.

Twitter zählt jetzt nicht gerade zu den Qualitätsmedien. Sie führen dennoch zwei Twitter-Accounts, einen unter Wolfgang Blau und einen unter Zeit Online. Wozu?

wblau ist mein privater Account, in dem ich mich meist in englischer Sprache mit journalistischen Themen und Phänomenen befasse und auch den Kontakt mit amerikanischen Kollegen pflege. Unter twitter.com/zeitonline geht es nur um Zeit Online, jetzt zum Beispiel um den Relaunch. 10.700 User haben wir im Twitterfeed, die für uns sehr wertvoll und hilfreich sind. In Echtzeit bekommen wir so eine große Zahl detaillierter Rückmeldungen bei technischen Fehlern, Schlagzeilen, die wir noch besser formulieren könnten oder auch einfach nur Themenvorschläge.  Twitter ist sehr unmittelbar.  Es bildet das menschliche Gesprächsverhalten sehr viel direkter ab als etwa E-Mails.

Wohin könnte sich denn Twitter in seinem Einsatzgebiet weiterentwickeln?

Es gibt sehr viele Twitter-Tools, um beispielsweise die Entwicklung eines Themas in Beinahe-Echtzeit zu verfolgen. Selbstverständlich müssen Angaben von Twitter-Nutzern genauso verifiziert werden wie jede andere Quelle auch. Einen guten Überblick über journalistische Twitter-Tools finden Sie in dem Blog mashable.com. Einige amerikanische und britische Nachrichtenorganisationen betreiben auch schon Social Media Newsrooms und filtern Twitter und andere Plattformen systematisch nach Begriffen wie „Crash“, „Forest Fire“, „Flu“ und so weiter.

Twitter-Geplapper wird oft wegen seiner unglaublichen Belanglosigkeit gescholten und in die Irrelevanz verbannt. Zurecht?

Das hängt davon ab, wie Sie Relevanz definieren und über welche Filter-Werkzeuge Sie verfügen, um die speziell für Sie relevanten Inhalte zu finden. Zum Teil sind dies technische Filter, zum Teil auch nur kulturell erlernte Verhaltensweisen. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, man würde Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben vor einen Fernseher setzen. Man würde Ihnen den Fernseher nicht erklären, sondern Ihnen lediglich eine Fernbedienung in die Hand drücken. Es würde vermutlich Monate dauern, bis Sie wüssten, wann auf welchem Kanal welche für Sie relevanten Sendungen zu finden sind. Höchstwahrscheinlich würden Sie aber schon vorher entnervt aufgeben und das Fernsehen in seiner Gesamtheit als ein seichtes – also irrelevantes -  Medium empfinden. Es ist dieser Reflex, aus dem heraus viele Journalisten das Netz noch verunglimpfen, der bei der jüngeren Generation der „Digital Natives“ aber auf Unverständnis und Ärger stößt. Denn verglichen mit dem Fernsehen oder selbst einer großen Buchhandlung, bietet das Netzt sehr viel genauere Filter- und Sortiermechanismen an, um persönlich relevante Information zu finden.

Zur  Zeit wird vermehrt der Ruf nach „Erziehung“ des Webs laut. Kinder ohne Grenzen werden zu Tyrannen, heißt es. Teilen Sie diese Ansicht?

Bei diesen Diskussionen unterstelle ich immer ein gerüttelt Maß Scheinheiligkeit. Derart glühende Qualitätsdebatten, wie sie über das Internet geführt werden, würde ich mir auch für andere Mediengattungen wünschen, vor allem das Fernsehen, weil dieses immer noch größeren gesellschaftlichen Einfluss ausübt als das Web. Selbstverständlich müssen wir darüber nachdenken, wie wir den zum Teil grauenerregenden Inhalten, die es im Netz zu finden gibt, entgegenwirken können. Die Art und Weise aber, wie die traditionellen Medien stellenweise immer noch versuchen, das Netz in Bausch und Bogen als niederwertig zu verunglimpfen oder das Netz fälschlicherweise als rechtsfreien Raum kritisieren, ist zu einem beträchtlichen Teil von der Sorge um das eigene Geschäftsmodell angetrieben. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum.

Also keine Gefahr aus dem Netz?

Kinderpornographie und Extremismus im Netz sind reale Gefahren, denen wir unbedingt begegnen müssen. Sie werden meines Erachtens aber auch politisch instrumentalisiert, um das Netz in seiner Gesamtheit abzuwerten oder um fadenscheinige Law-and-Order-Wahlkämpfe zu führen. Die Gefahr dabei ist nun, dass andere wichtige Zukunftsfragen des Internet zu wenig Beachtung finden, vor allem die Zukunft unserer digitalen Bürgerrechte. Ob wir es wollen oder nicht, das Internet wird gerade zu einer Art Betriebssystem unserer Gesellschaft: Wir informieren uns politisch im Netz, wir wickeln unsere Bankgeschäfte und einen beträchtlichen Teil unserer Einkäufe im Netz ab, wir pflegen unsere privaten und beruflichen Kontakte über das Netz und selbst ein Großteil unserer Festnetz-Telefonie wird im Hintergund über das Internet abgewickelt. In Europa beherrschen dabei oft die ehemaligen staatlichen Telekom-Konzerne den Markt für Internetzugänge. Sämtliche gerade beschriebenen Online-Tätigkeiten wandern also durch die Pipeline ein- und desselben Dienstleisters, wobei gerade die Deutsche Telekom bereits im Umgang mit ihren eigenen Mitarbeitern gezeigt hat, dass sie ein fragwürdiges Verhältnis zum Datenschutz hat. Wenn die Menschen erst einmal nicht mehr sicher sind, ob sie sich unbeobachtet unterhalten können, beginnt die Demokratie zu leiden. Es ist deshalb Aufgabe der Medien, das Internet nicht per se zu verunglimpfen, sondern die neuen gesellschaftlichen Realitäten anzuerkennen und sich noch stärker für den Schutz der freien Rede und unserer Privatsphäre im Netz einzusetzen.

Dieses Interview (hier leicht gekürzt) von Doris Raßhofer erschien zuerst im Trend/Bestseller-Medienspezial 2009 und bei Horizont.at. Wir crossposten es mit freundlicher Zustimmung der Autorin.

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39 Kommentare

  1. ebertus |  09.10.2009 | 15:32 | permalink  

    “Erinnern Sie sich an die ersten Apple Computer, die Ende der 80er auf den Markt kamen?”

    Inhaltlich vielleicht später noch etwas, aber meinen ersten, privaten Apple hatte ich gegen 1980/81 und wer “so”, rund zehn Jahre daneben liegt, der kann sich ja mal irren; hat seinen subtilen Beispiels-Ratschlag vom Recherchieren via Internet dahingehend selbst nicht befolgt. Übrigens, 1981/82 gab’s den Apple dann gar als deutsche Lizenz namens ITT2020; den hatte ich damals recht schnell im Büro auf dem Schreibtisch stehen, konnte so manche mathematisch-technische Anforderung plötzlich viel eleganter lösen. Das war etwas anderes eben, als dieses Cobol und die Mainframes um 1980.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_II

    http://www.mac-history.de/allgemein/2008-05-25/apple-i-und-apple-ii

  2. Robin Meyer-Lucht |  09.10.2009 | 15:39 | permalink  

    Ebertus: Erwischt – das wird ein Tipp- oder Gedankenfehler sein. 5 Euro für Dich in die Schlussredaktionskasse.

  3. Ulrike Langer |  09.10.2009 | 16:11 | permalink  

    Intelligent und einfach nur klasse. Mehr will ich dazu heute gar nicht sagen. Vielleicht noch eines: Mit stoischer Ruhe, allein kraft guter Argumente pariert Wolfgang Blau auch die vereinzelten dummen Fragen (“Twitter kein Qualitätsmedium”), so das man auch daraus noch Gewinn ziehen kann . Das finde ich bewundernswert.

  4. Christian Jung |  09.10.2009 | 16:16 | permalink  

    Ich finde es beeindruckend, dass es auch in der viel gescholtenen Medienbranche Verantwortliche gibt, die auf ihre eigene Art das Internet als Kulturphänomen einordnen können. Da muss man nicht allem zustimmen können, dennoch begeistert die optimistische Sichtweise und das vorbereitet sein. Hut ab, Herr Blau.

  5. zeitonlineversteher |  09.10.2009 | 16:19 | permalink  

    @ Ulrike: Stimmt, die Fragen reißen einen nicht vom Hocker.

    Wie ich aus der Zeit-Redaktion höre, gibt es so einigen Widerstand gegen den Blau-Kurs. Die Print-Redaktion der Zeit scheint langsam eine der online-feindlichsten überhaupt zu sein. Ich denke, man muss das Interview auch vor diesem Hintergrund lesen.

    Ich bin ja mal gespannt, was Zeit Online demnächst hinter die Bezahlschranke stellt. Mein Vorschlag: Die Video-Kolumnen von Jens Jessen.

    Dann schaden sie weniger dem Image von Zeit Online.

  6. Henning G. |  09.10.2009 | 16:29 | permalink  

    “Nur ein handgeschriebenes, in der Regel von Mönchen verifiziertes Buch galt als vertrauenswürdig. Einfach irgendetwas drucken kann ja jeder, so das damalige Argument, das an die heutige Ablehnung des Internet erinnert …”

    Schöne Analogie.

    Kann man übrigens noch weiter treiben: Die meisten Bücher, die wir heute kaufen, könnten auch handkopierte Manuskripte sein. Wie viele Romane gibt es schon, die vom Buchdruck gebrauch machen als Medium – und nicht nur als Reproduktion von Schrift, die man auch anders hinbekommen könnte?

    Deshalb sollte man auch skeptisch sein, wenn nun gefordert wird, dass Online-Journalismus unbedingt alle technologischen Möglichkeiten des Internets ausreizen soll.

    henning

  7. der Freitag (derfreitag) 's status on Friday, 09-Oct-09 14:49:27 UTC - Identi.ca |  09.10.2009 | 16:49 | permalink  

  8. Tarantoga |  09.10.2009 | 16:57 | permalink  

    Jetzt verstehe ich immerhin wie Zeit Online es schafft trotz ziemlich mittelmäßigen journalistischen Inhalten so eine gute Seite zu sein.

  9. michaelvs |  09.10.2009 | 17:10 | permalink  

    Einer der Merksätze für mich: Das Internet wird gerade zu einer Art Betriebssystem unserer Gesellschaft. Offenbar will Die Zeit der Leserbindung über das Internet eine bedeutende Rolle einräumen. Darauf darf man gespannt sein.

    michaelvs

  10. Robin Meyer-Lucht |  09.10.2009 | 17:13 | permalink  

    @ Tarantoga: Stimmt wohl – im journalistischen Differenzierungswettbewerb müsste Zeit Online bei aller Online-Emphase ihres Chefs wohl noch eine Schippe drauflegen. Wo ist da zwischen Süddeutsche.de, FAZ.net, Spiegel Online, Welt Online, FR-Aktuell eigentlich der eigenständige Platz von Zeit Online?

    Hin und wieder haben sie sehr gute Stücke. Haben sich auch bein den Rivva-Leitmedien hochgearbeitet. Aber vermutet man den besten Text zum Thema Obama/Nobelpreis jetzt gerade bei Zeit Online? Ich weiss es nicht.

    Und: Was sind das denn für Symbolbilder? Da wäre ja n-tv.de stolz:
    http://www.zeit.de/digital/internet/2009-10/it-sicherheit-bitkom

    @michaelvs: Jip, Nachrichten als “distributed actor network”.

  11. peponi's status on Friday, 09-Oct-09 15:24:41 UTC - Identi.ca |  09.10.2009 | 17:24 | permalink  

  12. Ulrike Langer |  09.10.2009 | 17:56 | permalink  

    @zeitonlineversteher

    Ich überlege seit einiger Zeit, ob ich nicht nach jahrelanger Pause mal wieder Die Zeit abonnieren sollte. (Habe im Laufe des Jahres meine Tageszeitungs-Abos gekündigt – da ist also Budget frei.) Aber wenn das stimmt, was Du sagst, würde ich damit wohl die falsche Fraktion stärken….

  13. Torsten Eckert |  09.10.2009 | 21:10 | permalink  

    Schönes Interview wegen der intelligenten Antworten von Wolfgang Blau.

    Neben dem bereits erwähnten eingängigen Slogan über das Internet als Betriebssystem der Gesellschaft (@wblau woher haben sie denn das?) sind zwei weitere Themen interessant:

    1. die Zeit arbeitet an kostenpflichtigen iPhone-Apps
    2. wie werden in Zukunft die Leser stärker mit eingebunden (“Und in Zukunft wird es auch darum gehen, sämtliche Diskussionsfäden oder „Kommentar-Threads“, in denen unsere Texte diskutiert werden, wieder zusammenzuführen und visuell abzubilden. Leserdebatten überschaubar abzubilden ist eine der nächsten großen Fragestellungen beim Design journalistischer Websites.”)
    Genau, da fehlt es noch an Innovationen.

    Man kann gespannt sein.

  14. Wittkewitz |  10.10.2009 | 02:53 | permalink  

    Ja, das ist wahr. Der erste deutsche Angestellte eines Zeitungsverlags, der die angeregte Diskussion in den Staaten mitverfolgt. Andere können das wohl nicht, da ihnen entweder die Sprachkenntnisse fehlen oder die Differenzierungsmöglichkeiten um in den sehr verästelten Diskussion rund um networked, civil, hyperlocal, news network journalism überhaupt Informationen zu entnehmen. Insofern ist Herr Blau schon einige Schritte weiter, es liest sich fast wie eine Diskussion auf der focas08. Es fehlt wohl noch die Vision zu networked oder participatory journalism. Aber mit dem Fourth Estate hatte man es hierzulande ja noch nie so genau genommen.
    Warum auch. Gute Reporter oder Journalisten werden einfach weggelobt in die Funktionärs/Verwaltungswelt aus rosa Watte. Und übrig bleibt der Leibeigene Freie Autor sowie eine Armee von Amateurschreibern, die einen großen Namen tragen und sich von Redaktionsbüros und Agenturen schicke Artikel aus Wamst schreiben lassen.

    Ach ja und die Institute und Dienstleister, die rund um die Marke “Qualitätszeitung” einen Bauchladen abenteurlicher textnaher Dienste anbieten für PR-Mitarbeiter, Berufliche Bildung, Fernsehproduktionen, Castingagenturen und pipapo.

    Wie bereits öfter gesagt, wenn es in Deutschland einen Verlag gäbe,d er die Qualität der “Du” über so viele Jahre schafft, ich würde sogar wieder deutsche Zeitungen kaufen. Aber da sie zu Tausenden noch im kleinsten Regionalflughafen vor sich hin rotten, kann ich ja eh hier und da mal reinschnuppern und feststellen, dass mich keine länger als 5 Minuten einsaugt. Und da ist jeder Preis über 1€ schon 4 € zuviel…

  15. Jeeves |  10.10.2009 | 12:46 | permalink  

    Ja, so reden sie, diese Leute: “Wir müssen die Inhalte an allen Wasserlöchern der digitalen Kultur bereithalten”. Schrecklich.

  16. J. |  10.10.2009 | 12:50 | permalink  

    “Erinnern Sie sich an die ersten Apple Computer, die Ende der 80er auf den Markt kamen?”

    Seltsam. Ich kaufte meinen Apple II im Sommer 1980 (…achtzig) in einem großen Apple-Laden in Berlin.

  17. links for 2009-10-11 – synapsenschnappsen |  11.10.2009 | 09:01 | permalink  

    [...] Wolfgang Blau: “Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß… (tags: Blau_Wolfgang Onlinejournalismus Medienkonvergenz Journalismus interview) [...]

  18. demografischer Wandel im Internet – die Alten kommen | Lapidarium42 |  11.10.2009 | 09:19 | permalink  

    [...] demografischer Wandel im Internet – die Alten kommen Okt 11th, 2009 by posterous. Die Bereitschaft Jugendlicher, Zeitung zu lesen ist auch schon in den 80er-Jahren, also lange vor dem Siegeszug des Internet deutlich zurückgegangen. Ich halte es auch für irreführend, das Internet nur als Jugendphänomen zu betrachten. Natürlich pflegen Jugendliche einen selbstverständlicheren Umgang mit dem Netz als die älteren Generationen. In absoluten Zahlen sind aber zumindest in Deutschland schon heute mehr Menschen im Alter von 60 Jahren und darüber im Netz unterwegs als Menschen unter 20 Jahren. Das ergab die ARD/ZDF Onlinestudie 2009. Selbst auf Facebook stellen die 35 – bis 49-jährigen die am stärksten wachsende Nutzergruppe. via carta.info [...]

  19. acidblog » Lesefutter, die siebte |  11.10.2009 | 13:43 | permalink  

    [...] Interview mit Wolfgang Blau (Zeit Online) über den Medienwandel Überaus lesenswert! :D erzähl es weiter: [...]

  20. blogjournalist's status on Sunday, 11-Oct-09 12:19:22 UTC - Identi.ca |  11.10.2009 | 14:19 | permalink  

    [...] Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau im Interview: http://carta.info/16015/wolfgang-blau-zeit-online-journalismus-medienwandel/ [...]

  21. Andreas |  11.10.2009 | 14:56 | permalink  

    Die Zeit eine Online-Inkompetenz vorzuwerfen ist bedauerlich, aber nach Jahren der Vernachlässigung nicht anfechtbar. Dennoch empfinde ich dieses Interview als ein ehrliches und eine ernsthafte Auseinandersetzung eines klassischen Mediums mit dem Strukturwandel.

    Interessant ist, dass einige der von Herrn Blau genannten Kritikpunkte sich innerhalb der hier aufgeführten Kommentare widerfindet. Wenn die Print Redaktion ein Barriere im Online Medium sehen, wieso sind es gerade ihre Artikel – vermehrt mit Themen der Websphäre – die prominent in der “Blogosphäre” partizipiert werden? Herrn Blaus Vergleich der Desinformation des Internets lässt grüßen.

    Die Zeit hat mit großer Sicherheit viele Jahre der Entwicklung verschlafen. Das haben viele andere Pressehäuser auch. Deshalb gleich der Innovationskraft der Worte des Herrn Blaus den Wind aus den Segeln zu nehmen empfinde ich als voreilig und vorverurteilend.

    Auch die Printausgabe befasst sich, gerade im Wahlkampf, sehr viel mit Themen der Online-Welt und setzt sich kritisch mit ihnen auseinander. Der Weg vom Nachrichtenaggregator zum Analysemedium ist ein weiter Weg, bei Zeit Online sehe ich seit einigen Monaten ein stetige Entwicklung.

    Daher wünsche ich der Zeit Online weiterhin viel Erfolg und hoffe das sich die Ideen des Herrn Blaus weiter in die Offline Welt verbreiten.

    Viele Grüße,
    Andreas

  22. Langhoff |  11.10.2009 | 15:52 | permalink  

    mein erster “Apple][e” ist Baujahr 1979 und provoziert im Regal regelmäßig zur Frage wie beschränkt das aktuelle Verständnis zum Begriff “digital natives” ist.

  23. MainPlog » David, Goliath, schwarz, weiß und der Rest vom Kuchen |  11.10.2009 | 17:12 | permalink  

    [...] 11. Oktober: Wie zu erwarten, war meine Schwarz–Weiß–Malerei natürlich viel zu unausgereift. Wolfgang Blau, Chefredakteur von „Zeit Online“, im carta.info–Interview: Was planen Sie noch in Sachen Paid Content? Nahe liegend sind natürlich iPhone-Apps, weil die [...]

  24. mh |  11.10.2009 | 18:40 | permalink  

    das interview an sich ist zu begrüssen. die frage ist aber dennoch, wie professionell das internet dann schlussendlich wirklich genutzt wird und hier tauchen die probleme dann auf. es wird immer mainstream geben und dieser wird sich auch finanzieren. die großen ziele, die jetzt beschrien werden, sind aber kein mainstream. da wird es schwieriger .. und ich habe den eindruck, dass es meist doch nur darum geht, dass die großen ziele nur der wegfindung für den mainstream dienen .. um nichts anderes kann es beim thema größe gehen, die ein jeder da anstrebt.

    und der arzt muss bspw. vielfach erstmal erklären, dass dieses sympthon dann doch nicht jene krankheit ist sondern es sich um etwas anderes, meist harmloseres, handelt.

    hingegen werden debatten im internet oftmals einfach nur wegen der debatte geführt. die diskutanten selbst ändern ob der gegenseitigen argumente nie ihre meinung, untersucht werden müsste wie es da beim stillen leser aussieht, der in viel größerer anzahl vorhanden ist .. während die debatte selbst sich im verlauf dann immer mehr in unnötigen einzelheiten verliert. müssen die tatsächlich dargestellt werden und sind in irgendeiner form relevant? unabhängig davon: was sollte das ziel der darstellung sein und beginnen journalisten spätestens an diesem punkt, mit der einsortierung nach persönlichen vorlieben, und werden somit politischer als sie sein sollten?

    so wohlformuliert das alles im interview alles zu beeindrucken vermag, im endeffekt ist es gedanklich noch vollkommen am anfang und ohne gefundenen weg. diese ganzen debatten gehen nie tiefer als bis zu diesem punkt und das machts dann weniger angenehm, eher langweilig.

  25. robin |  11.10.2009 | 23:01 | permalink  

    vielen dank für die fragen. werde mich morgen dazu ausführlich melden.

    robin

  26. Medial Digital – Medien, digitale Medien, Medienwandel, Journalismus, Internet, soziales Internet, Social Web, Web 2.0» Linktipps Neu » Linktipps zum Wochenstart (29) |  11.10.2009 | 23:10 | permalink  

    [...] Wolfgang Blau: “Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß.” [...]

  27. Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung « Das Kulturmanagement Blog |  12.10.2009 | 09:27 | permalink  

    [...] Birgit Schmidt-Hurtienne habe ich gestern ein Interview mit ZEIT-Online Chefredakteur Wolfgang Blau gefunden. Birgit Schmidt-Hurtienne hat auf Twitter [...]

  28. | schieb.de |  12.10.2009 | 09:45 | permalink  

    [...] Chefredakteur der Online-Ausgabe der Zeit, also von zeit.de. Sehr spannend, was Wolfgang Blau in einem aktuellen Interview für Carta gesagt hat. Hier sind sehr viele Wahrheiten verborgen, etwa die, dass Journalisten [...]

  29. Micha |  12.10.2009 | 14:44 | permalink  

    Ja, ich hatte beim Lesen ähnlich wie Ulrike Langer den Eindruck, dass die Interviewerin sich wohl nicht so sehr über die Grenze zwischen provokanten und eher dämlichen Fragen im Klaren war.

    Ich gehe davon aus, dass Frau Raßhofer sich in der Regel eben eher mit Print-Phänomenen beschäftigt, und von twitter eben vor allem weiß, dass man es unter twitter.com aufruft. Dass die Qualität und der Stil einzelner Twitterer doch erheblich variieren, hat sie wohl noch nicht ganz erfasst. Aber sie dürfte sich im Alterssegment der am schnellsten wachsenden Facebook-Gruppe befinden und insofern noch digitales Nachholvermögen besitzen.

  30. Qualitätsjournalismus « …Kaffee bei mir? |  12.10.2009 | 16:55 | permalink  

    [...] ist es erfreulich, dass der Chefredakteur von ZEIT online, Wolfgang Blau, in einem Interview bei Carta den Eindruck hinterlässt, er habe über eine Wechselbeziehung zwischen Zeitung und Leser [...]

  31. mediaclinique | ralf schwartz |  13.10.2009 | 09:26 | permalink  

    Die 3 Herausforderungen des Journalismus…

    Von allen Herausforderungen, vor denen der Journalismus in diesen Jahren stand und steht, sind dies die ambitioniertesten. Nicht, weil sie von mir kommen, sondern weil alle anderen auf diesen hier beruhen, nicht aber den Kern der Sache – nämlich den…..

  32. peponi's status on Tuesday, 13-Oct-09 12:27:38 UTC - Identi.ca |  13.10.2009 | 14:27 | permalink  

    [...] Browsing: http://carta.info/16015/wolfgang-blau-zeit-online-journalismus-medienwandel/ Die „Weisheit der Massen“ [...]

  33. medienkontormaier » Blog Archive » Pick of the Day: Interview mit Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau |  14.10.2009 | 11:50 | permalink  

    [...] Interview mit Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau, nicht nur für Medienleute, sondern für Unternehmer [...]

  34. Einer hat’s verstanden | medienarbeit-zweinull.de |  14.10.2009 | 17:33 | permalink  

    [...] Es ist hierzulande nicht selbstverständlich, dass sich eine Leitfigur des Journalismus kritisch mit der eigenen Zunft befasst. Wolfgang Blau, Chefredakteur von „ Die Zeit-online“, schont die Kollegen nicht: „Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß“, stellt er fest. Mit klugen Antworten (auf die nicht immer klugen Fragen der horizont-Mitarbeiterin Doris Rasshofer) rüttelt Blau die schläfrigen deutschen Redakteure wach. Gut informiert verweist er auf die Unvergleichbarkeit des deutschen und des amerikanischen Medienmarktes, blickt mit Optimismus auf eine Zeitungslandschaft, die mit den neuen Medienmachern auf intelligente Weise kollaboriert. Und mit hinreißenden Beispielen macht er deutlich, warum zum Beispiel „Twitter“ ein sehr wichtiges und wertvolles Instrument in der Hand von Leuten sein kann, die es richtig nutzen. Wir wünschen viel Lesespaß und erhellende Einsichten mit  http://carta.info/16015/wolfgang-blau-zeit-online-journalismus-medienwandel/ [...]

  35. Autorenexpress: Medienwandel » Leser, Wochenzeitungen, Tages-, Rolle, Alters-, Sozialstruktur » autorenexpress |  20.11.2009 | 20:14 | permalink  

    [...] Ein hochinteressantes Interview von Wolfgang Blau, dem ZEIT-online Chefredakteur, findet sich hier: “Eine unserer Aufgaben wird sein, das Fachwissen unserer Leser zu bündeln, zu verifizieren, zu [...]

  36. Digitale Notizen » Blog Archive » 10 vor 2010 |  29.12.2009 | 22:49 | permalink  

    [...] Carta.info: Interview mit Wolfgang Blau [...]

  37. Die Zahnpasta soll wieder in die Tube « Kulturkampf |  21.01.2010 | 14:08 | permalink  

    [...] weil durch den begrenzten Platz einer Zeitung exklusiven Werbung gleich mit. Das geschah vor allem, weil die Verlage jahrelang keinen Plan hatten, was sie im Internet wie wollen und nun feststellen, dass sich das Netz eigene Wege und eigene [...]

  38. MEDIEN/UMBRUCH » Online-Journalismus im Wandel |  21.01.2010 | 22:32 | permalink  

    [...] Ein vermutlich lesenswertes Interview gibt es auf Carta.info mit Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang … [...]

  39. Die Zukunft des Kulturjournalismus « Das Kulturmanagement Blog |  24.06.2010 | 16:28 | permalink  

    [...] gewandelt hat. Wolfgang Blau, ZEIT-Online Chefredakteur, hat vermutlich Recht, wenn er in einem Interview behauptet, dass ein Journalist nicht nur Berichterstatter, sondern auch Moderator und Kurator sein [...]

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