Wolfgang Michal

Abo oder Flatrate? Auf welches Bezahl-Modell läuft es hinaus?

Wolfgang Michal | 33 Kommentar(e)

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Der politische und publizistische Druck auf das Internet wächst. Die Interessengruppen formieren sich. Wer hat die Pole-Position? Die Nutzer? Die Autoren? Oder die Verwerter?

04.06.2009 | 

Vor einem halben Jahr habe ich hier eine Flatrate für Journalismus vorgeschlagen. Warum, so die Frage, sollte E-Journalismus nicht ähnlich finanziert werden können wie Rundfunk? Über eine Monatsgebühr? Erhoben bei den Zugangsprovidern? Das führte – wie zu erwarten – zu heftigem Stirnrunzeln. Auch die Pawlowschen Abwehrreflexe – „Zwangssystem“, „digitaler Sozialismus“ – funktionierten prima. Doch möglicherweise muss man heute etwas unvoreingenommener und differenzierter über dieses Thema diskutieren. Denn einige Entwicklungen deuten darauf hin, dass wir uns auf eine Kosten-Pauschale für bestimmte Internet-Inhalte zu bewegen.

1. Die Herstellung komfortabler & mobiler Lesegeräte (Kindle, E-Reader, iPhone) hat den bisherigen Vorteil der Printprodukte (die man überall lesen konnte) zunichte gemacht. Und nach der gelungenen Durchsetzung alternativer TV- und Musik-Rezeption (YouTube, iTunes etc.) entwickeln jetzt mehr und mehr Start-Ups einfache Möglichkeiten, Texte per Download zu vertreiben bzw. zu verkaufen.

2. Im Netz findet eine Professionalisierungsdebatte statt. Das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Beteiligten über ihre Existenzsicherung im Internet nachzudenken beginnen. Schon in den achtziger Jahren krempelte eine Professionalisierungs-Debatte die alternativen Stadtzeitungen um. Anschließend machte die „taz“ den gleichen Prozess durch, nun erfasst sie die Blogs. Recherchieren, journalistisches Handwerk, Text-Qualität werden in einem Ausmaß eingefordert, wie das vor wenigen Monaten noch undenkbar war. Diese Professionalisierungsdebatte wird die Kostenlos-Kultur erstmals von innen heraus infrage stellen.

3. Die von den Verlagen angestoßene Urheberrechtsdebatte hat zu einem unbeabsichtigten Nebeneffekt geführt: zu einem neuen Selbstbewusstsein der Urheber. Diese werden künftig stärker bestimmen wollen, wo und wie sie ihre Werke veröffentlichen. Das heißt, es werden sich zahlreiche Direktvermarktungs- und Filesharing-Modelle etablieren, die neben den herkömmlichen Verlagen existieren: Autoren-GmbHs, Autoren-Genossenschaften, Gemeinschaftsblogs, Internet-Magazine, Text-Sharing-Plattformen etc. Mit der Emanzipation der Urheber wächst natürlich auch der Wunsch, ergänzende gesetzliche Regelungen für die neuen Veröffentlichungsformen zu finden.

4. Der härter werdende Kampf für die Freiheit im Netz macht vielen Netzpolitikern klar, dass die beiden Ziele Qualitätssicherung und Datenschutz nur zu erreichen sind, wenn Nutzung und Bezahlung von Inhalten so „bürgerfreundlich“ geregelt werden, dass nicht jeder Klick und jeder Downloadvorgang gespeichert werden muss. Diese grundlegende Einsicht könnte – angesichts des publizistischen, politischen und rechtlichen Drucks auf das Internet – das Umdenken in Richtung Globallizenz, Flatrate oder Abo beschleunigen.

5. Seit die Renditen sinken, denken viele Verleger erneut über Abo-Modelle für Internet-Angebote nach. Anders als früher kommen heute jedoch größere Einheiten ins Spiel. Nicht mehr der Zugang zu einzelnen Artikeln (Micro-Payment), sondern der Zugang zum ganzen Produkt oder zur Produktfamilie soll vom Nutzer erworben werden können: Holtzbrinck würde ein Holtzbrinck-Abo anbieten, Springer ein Springer-Abo, Gruner & Jahr ein Gruner & Jahr-Abo. Damit hätten die Abonnenten Zugang zu allen Angeboten des jeweiligen Konzerns – per Computer, E-Reader oder Smartphone. Joshua Benton vom „Nieman Journalism Lab“ prophezeite während des diesjährigen Reporter-Forums im Hamburger „Spiegel“-Haus, dass der Anteil des kostenlosen Online-Journalismus in den kommenden fünf Jahren stark zurückgehen werde – zugunsten von Bezahlmodellen. Doch die Einführung von Verlags-Abos ohne Absprache der Medienhäuser untereinander ist mit hohen Risiken verbunden. Jeder wird sagen: „Hannemann Döpfner, geh du voran!“

6. Unter dem Druck der Verleger-Lobby beginnt auch die Politik, sich zu positionieren. So zeigt die Forderung der Verleger nach politischem Flankenschutz (in Form eines neu zu schaffenden Leistungsschutzrechts) erste Wirkung: Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die bisher dem Flatrate-Gedanken aufgeschlossen gegenüber stand, lehnt eine pauschale Vergütung für urheberrechtlich geschützte Internet-Inhalte inzwischen ab. Denn eine Pauschal-Vergütung (welche die bisher unerlaubte Nutzung von geschützten Inhalten legalisieren würde) macht ein spezielles Leistungsschutzrecht überflüssig.

7. Die Kostenpauschalen für Abos und Flatrate werden bereits durchgerechnet. Gehen die Befürworter der Kultur-Flatrate von 5 bis 15 Euro an monatlichen Kosten aus, so nennt Frau Zypries nun stolze 50 Euro. So viel kostet auch das Monats-Abo einer guten Tageszeitung oder das Fußball-Paket des Bezahlsenders Premiere Sky. Das heißt, ein Internet-Nutzer, der zu mehreren Abo-Angeboten Zugang möchte, käme schnell auf 100 Euro und mehr pro Monat. Da wäre die Flatrate günstiger. Doch die Grünen sind bislang die einzige Partei, die sich für eine Kultur-Flatrate stark machen. Die in ihrem Auftrag vom „Institut für Europäisches Medienrecht“ erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Flatrate nicht nur verfassungsrechtlich machbar, sondern im Interesse der Künstler sogar geboten ist. Ganz ähnlich argumentierte der renommierte französische Urheberrechtler André Lucas.

Die Kultur-Flatrate hat es (im Gegensatz zum Abo) allerdings schwer, unvoreingenommen diskutiert zu werden, da viele Medien in diesem Konflikt Partei sind und viele Internet-Nutzer an ihrer Kostenlos-Interpretation von „freier“ Information festhalten. Hinzu kommt, dass manche Netz-Apologeten glauben, Angriffe auf die Nutzer-Freiheiten auch in Zukunft durch pure Cleverness abwehren zu können. Ich fürchte aber, sie werden die Interessen derjenigen, die den Netzmarkt unter sich aufteilen wollen, nicht mehr lange gegeneinander ausspielen können. In Zukunft wird es nicht mehr um die Frage gehen, ob die Nutzung bestimmter Netzinhalte bezahlt werden muss, es wird nur noch um die Frage gehen: wie? Abo oder Flatrate? Auf diese Grundsatz-Entscheidung läuft es hinaus.

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33 Kommentare

  1. FS |  04.06.2009 | 21:42 | permalink  

    Da habe ich ganz starke Zweifel. Kostenpflichtige Angebote funktionieren nur wenn alle Nachrichtenportale mitmachen und kein einziges ausschert. Das aber dürfte dann doch in die Kategorie des Wunschdenkens fallen.

    Und was den pawlowschen Abwehrreflex betrifft: Wenn man jedem Internetnutzer Geld abknöpft (selbst dann wenn er nur bei Facebook und World of Warcraft unterwegs ist) dann ist das eine Zwangsabgabe. Wer solche Konzepte einführt sollte auch den Mut haben sie beim Namen zu nennen.

    Zuletzt hinkt der Vergleich zwischen Stadtzeitungen und Blogs gewaltig, da letztere ungleich einfacher zu erstellen und zu verbreiten sind.

  2. beza1e1 |  05.06.2009 | 08:32 | permalink  

    Abo oder Flatrate? Nein.

    Mein Favorit ist Sponsoring im Stil von spot.us. Wenn Leute 1$ dafür ausgeben ein furzendes iPhone zu haben, dann ist das ein Beweis für mich das Micropayments eben doch funktionieren können. Die Herausforderung daraus ein funktionierendes Konzept zu basteln hat zwei Teile: 1) Eine Website so einfach wie Apples AppStore und 2) Vertrauen der Leser aufbauen, weil sie bezahlen, bevor ein Artikel geschrieben ist.

  3. onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » “Wozu noch Zeitungen?” |  05.06.2009 | 10:07 | permalink  

    [...] Abo oder Flatrate: Auf welches Bezahlmodell läuft es hinaus? Wolfgang Michal ist bei Carta optimistisch, dass sich Journalismus im Web refinanzieren kann. [...]

  4. Ulrike Langer |  05.06.2009 | 12:01 | permalink  

    Ob eine Flatrate als ”Zwangsabgabe” bezeichnet wird, hat auch etwas mit der diskutierten Höhe dieser Gebühr zu tun. Wenn Frau Zypries jetzt schon 50 Euro ins Spiel bringt, dann ist das weitaus mehr als viele Internetnutzer jemals für ein Zeitungsabo oder ein Pay-TV-Paket ausgeben würden. Selbst die teuren überregionalen Zeitungen FAZ oder SZ bleiben unterhalb dieser Schwelle. 50 Euro noch auf die Rundfunkgebühren obendrauf gesattelt – dann wären wir in diesem Land bei rund 70 Euro Monatspauschalgebühren für Mediennutzung. Da ist dann noch kein einziges vom Nutzer selbst ausgewähltes Medienangebot dabei – z.B. Pay-TV oder ein Zeitungsabo. Wenn das keine Zwangsabgabe sein soll, was denn dann?

    Uneingschränkt zustimmen kann ich dem Punkt 3: Das Selbstbewusstsein der Urheber wächst!

  5. Wolfgang Michal |  05.06.2009 | 12:27 | permalink  

    @Ulrike: Die Zahl, die Frau Zypries nennt, soll natürlich abschrecken. Es ist eine “Schätzung” (von wem wohl?).
    @FS: Es ist einfach ein Ammenmärchen, dass die Leute “nur Facebook” nutzen.

  6. Robin Meyer-Lucht |  05.06.2009 | 13:02 | permalink  

    Lieber Wolfgang,

    ganz klar: Die Debatte spitzt sich zu, sehr gut hier geschildert.

    Nur: Hier streiten Journalisten/Urheber/Autoren mit Verlegern, wie sie den Nutzern am besten Geld abnehmen können.

    Mal ganz abgesehen, ob und in welcher Form Bezahlinhalte im allgemeinen Journalismus eingeführt werden – das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Journalismus von einem riesigen Strukturwandel steckt. Das neue Medium erfordert auch neue Produktionsstrukturen. Derzeit gibt es eine große Überproduktion von Me-too-Inhalten, zu wenig Expertise und Originalität der Texte bei vielen Themen und zu wenig Re-Aggregation von relevanten Inhalten – um mal nur drei Dinge zu nehmen. Hier müssen sich die Produktionsstrukturen des Journalismus massiv umstellen.

    Weder eine Journalismus-Flatrate noch ein Leistungsschutzgesetz können darüber hinwegtäuschen.

    Diese Debatte wird über die Interessen und Bedürfnisse der Leser hinweggeführt.

    Eine Flatrate für Journalismus hätte massive praktische Probleme – und egal, was da Auftragsstudien der Grünen sagen: Sie ist verfassungsrechtlich und europarechtlich höchst bedenklich.

    Zunächst müsste man die Grundannahme klären: Gibt es derzeit wirklich zu wenig guten Journalismus? Wenn ja, woran liegt das? Und welches Stützungsniveau brauchen wir?

    Ich glaube, dass weder Leistungsschutzrecht noch Flatrate hier die Lösung sind.

    Vielleicht sollten wir mal in die Richtung denken: Eine Flatrate für Journalimus gibt es schon – sie heißt Rundfunkgebühr. Man könnte die Rundfunkgebühr dahingegend umbauen, dass ein Teil auch zur Förderung von Online-Journalismus insgesamt zur Verfügung steht – also auch jenseits der Angebote der Rundfunkanstalten. Wenn man eine Förderung will, dann würde ich erscheint dies als der praktikabelste Weg. Aber auch hier gäbe es sehr viele Probleme und Fragen zu klären.

    Freue mich auf die Diskussion morgen beim Netzwerk Recherche mit Dir.

    lg,

    Robin

  7. Wolfgang Michal |  05.06.2009 | 13:36 | permalink  

    Lieber Robin,
    es geht nicht ums Geld abnehmen. Es geht darum, dass die Nutzer des Netzes begreifen, dass das Herstellen von gut aufbereiteter Information, von guter Musik, von guten Filmen Geld kostet. Und dass die daraus entstehende, manchmal lärmige, manchmal langweilige, manchmal redundante, aber eben oft auch interessante, erfrischende und nützliche Dauerdebatte einer Gesellschaft über sich selbst (mit Hilfe von Texten, Songs, Filmen etc.) zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft gehört. Dass sie dadurch konstituiert wird. Das Netz ist dafür ideal.

    Das Schöne an der Demokratie ist: Sie ist auch für Leute da, die sich nicht für Demokratie interessieren. (dito Flatrate). Das Internet ist nicht bloß ein weiteres Medium unter anderen, es ist Grundversorgung – wie Strom, Wasser, Bildung etc. Ist Strom, Wasser, Bildung kostenlos? Man muss den Flatrate-Gedanken mal von dieser albernen Zwangs-Assoziation befreien. Wenn wir uns da einigen, können wir auch in die Details gehen.

  8. rml |  05.06.2009 | 14:04 | permalink  

    Lieber Wolfgang,

    wenn die Nutzer den Wert des Journalismus nachvollziehen können, dann werden sie dafür auch zahlen. Bei der Flatrate geht es durchaus darum, dieser Zahlungsbereitschaft etwas nachzuhelfen.

    Selbst Strom zahlt man aber nur, wenn man ihn benutzt. Vielleicht kann man bei der Flatrate einen Zähler einbauen….

    lg,

    Robin

  9. Wolfgang Michal |  05.06.2009 | 14:09 | permalink  

    Ich sehe, du willst in die Details. Aber gut. Der Strompreis setzt sich zusammen aus einem Grundpreis und einem Arbeitspreis.

  10. Thomas Schulze |  05.06.2009 | 17:10 | permalink  

    Wir sind für eine monatliche / Jährliche flat – rate, da kennen wir uns aus :-) Klar, plan und budgetierbar!

  11. Susadl |  05.06.2009 | 22:52 | permalink  

    Adam Soboczynski könnte zweifelsohne den dazugehörigen Fachbegriff aus dem Ärmel schütteln, ich als Nicht-Intellektueller kann es leider nur umschreiben:

    Gehört es nicht zu den geläufigsten und am häufigsten verwendeten politischen Taktiken, eine weiterhin völlig ungeklärte und offene Frage (in diesem Fall: Haben irgendwelche übergreifenden Bezahlmodelle im Internet eine Chance?) für beantwortet zu erklären und zu behaupten, letztlich ginge es jetzt nur noch um Details?

    Wolfgang Michal tut unverdrossen so, als hätten jene Ideen irgendeine auch nur halbwegs realistische Chance, Wirklichkeit zu werden – was schlicht und ergreifend nicht der Fall ist. Daran ändert sich auch nichts, bloß weil die unausgegorenen Ideen nun schon ein halbes Jahr alt sind.

    Hier werden Partikularinteressen, nämlich die der Journalisten, die momentan ihre wirtschaftlichen Felle aus verschiedensten Gründen wegschwimmen sehen, als entscheidend fürs Allgemeinwohl dargestellt. Und binnen Minuten ließe sich eine ganze Liste von praktischen Gründen und Umständen aufstellen, von denen jeder einzelne das ganze theoretische Konstrukt in sich zusammenfallen lässt.

    Ich zweifle nicht daran, dass die so genannte Debatte weitergehen wird, und sehr wahrscheinlich werden wir tatsächlich Versuche erleben, solche Modelle durchzudrücken. Doch das Scheitern ist vorprogrammiert.

    Die einzige Option für Journalisten ist es, wieder Journalisten zu sein. Ich meine, so richtig. Nicht Kulturflatrateaktivisten – sondern Leute, die sich durch die Qualität ihrer journalistischen Arbeit unverzichtbar, wertvoll und teuer machen. Und nicht Leute, die ständig behaupten, gäbe man Ihnen nur genug Geld, dann würde sich das aber so wirklich richtig lohnen, dann würden sie ganz tolle Sachen machen können.

  12. Ulrike Langer |  06.06.2009 | 11:52 | permalink  

    @Susadl

    Korrekt! (und das sage ich als Journalistin, die zu 90 Prozent von Printbeiträgen lebt)

  13. Thomas |  06.06.2009 | 17:29 | permalink  

    Ich bin für einen öffentlich-rechtlichen Journalismus in allen Medien, also nicht nur Rundfunk sondern Print und Online ebenso. Das hat alles aber gar nichts mit den ganzen Gründen zu tun, die in diesem Text genannt werden, sondern damit, dass dieses Modell einfach den besseren Journalismus liefert. Und natürlich ist das dann auch etwas, dass man Zwangsabgabe nennen kann. Wir werden ja auch gezwungen Steuern zu bezahlen und das mit gutem Grund. Ein von der Privatwirtschaft komplett unabhängiger Journalismus ist essentiell für eine Gesellschaft.

  14. Robin Meyer-Lucht |  06.06.2009 | 21:24 | permalink  

    @ Thomas: Lieber Thomas, bei der Flatrate von Wolfgang ginge es wohl darum, privatwirtschaftlichen Journalismus zu fördern – von Autoren und von Verlagen. Das Geld würde ja nicht EINE Anstalt bekommen.

    Journalismus ist immer in Abhängigkeiten verstrickt. Da geht es den Anstalten nicht besser – siehe Fall Brender.

    Ich kann im Übrigen nicht erkennen, dass die Rundfunkanstalten im Internet für die 50 Mio. Euro, die sie schon jetzt erhalten, ein wirklich herausragendes Angebot machen würden – aber das ist eine andere Debatte.

    gruss,

    rml

  15. FS |  06.06.2009 | 21:52 | permalink  

    @Wolfgang Michal:

    Wenn Sie Leute die im Internet nur Facebook nutzen für ein Ammenmärchen halten kann ich Ihnen zustimmen. Viele nutzen ausserdem QVC.com, Pornoseiten, das erwähnte WOW und vieles mehr – nur keine Informationsangebote der Medien. Diese Menschen zwangsbeglücken zu wollen ist höchst fragwürdig.

    Kommentar Nr. 11 fasst alles andere treffend zusammen.

  16. Thomas |  07.06.2009 | 14:44 | permalink  

    @Robin:

    Auf was für ein Modell es hinausläuft, wird hier nicht ganz deutlich finde ich. In dem anderen Artikel schreibt Wolfgang Michal allerdings:

    Zitat: Die aus dem „Gebührenanteil“ der Flatrate finanzierten (öffentlich-rechtlichen) Internetanstalten könnten dann sowohl die Technik (die Studios) für die Programmanbieter bereitstellen als auch die Honorierung der Musikgruppen, Netzeitungen, Blogger etc. übernehmen.

    Das sieht zumindest so aus, als sei das nicht ausgeschloßen.

    “Journalismus ist immer in Abhängigkeiten verstrickt.”

    Das ist nicht mehr als eine Behauptung. Das es bei den öffentlich-rechtlichen Sendern tatsächlich so ist, müsste bei einer neuen Anstalt für alles entsprechend verhindert werden. Raus mit den Politikern und zügig rotierenden andere Gesellschaftvertreter rein in die Rundfunkräte.

    “Ich kann im Übrigen nicht erkennen, dass die Rundfunkanstalten im Internet für die 50 Mio. Euro, die sie schon jetzt erhalten, ein wirklich herausragendes Angebot machen würden”

    Ja, weil die Verlegerlobby entsprechend Druck ausübt, weil sie sonst ihre Felle davon schwimmen sieht.

  17. Wolfgang Michal |  07.06.2009 | 23:30 | permalink  

    @susadl: Wenn Sie mir sagen, wer Sie sind, gehe ich gern noch auf Ihren Beitrag ein. Aber anonyme Zuschriften interessieren mich nicht.
    @FS: Sie z.B. nutzen auf Ihrer Website die Beiträge von Carta (also sicher nicht nur Facebook).
    @Thomas: Danke, dass Sie mal daran erinnern, dass Journalismus nicht zwingend privatwirtschaftlich organisiert sein muss. Er kann, muss aber nicht. Und das offensive Plädoyer der europäischen Fraktion der Grünen für die Kultur-Flatrate hat der Partei bei den Europawahlen offensichtlich nicht geschadet. Wenn man wahrnimmt, wohin sich die Verlage in der Krise offenbar entwickeln, sehe ich nicht, wie Journalismus auf Dauer in der bisherigen Weise finanziert werden soll. Siehe:
    http://meedia.de/nc/details/article/abendblatt–radikalumbau-bei-gj-_100020850.html
    @Ulrike: Diese 90 Prozent werden nicht 90 Prozent bleiben.
    @Robin hat am Samstag in Hamburg eine interessante Variante ins Spiel gebracht, ein Mittelding zwischen Flatrate und Abo. Einen Abo-Pool, dem jeder Internet-Anbieter beitreten kann. Er wird das sicher noch genauer ausführen. (Die Abo-Regelung hat halt im Internet zwei Nachteile: Abos können geklaut werden. Und was ist mit den Links in Geschichten, die das Abo nicht deckt?)

  18. Susadl |  08.06.2009 | 09:40 | permalink  

    Lieber Wolfgang Michal,

    das ist doch kindisch, Sie weichen aus. Was wollen Sie? Meinen Klarnamen? Könnte ich Ihnen gerne nennen, nützt nur nicht viel – den gibt’s allein in Berlin mindestens 30 Mal. Meine professionelle Homepage? Hab ich nicht. Und mein Facebook-Profil gleicht eher einem vernachlässigten Friedhof. Oder soll ich Ihnen eine Ausweiskopie schicken?

    Ich habe den Eindruck, meine Anonymität passt Ihnen ganz gut in den Kram – das macht es leichter, Argumente und Gegenrede einfach auszublenden.

    Weigern Sie sich eigentlich auch beharrlich, das SZ-Streiflicht zu lesen?

    Grüße aus der Wirklichkeit

  19. ebertus |  08.06.2009 | 10:00 | permalink  

    Das ist ja wie mit den Subbprimes, diesen Schneeball-Finanzierungssystemen.

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/geht-sterben-7/

    Zahlen die sich alle gegenseitig (oder Einem, Verschiedenen) dafür auch noch Lizenzgebühren?

    OK, Verlinkungen können/müssen sein, falls nicht wie beim http://www.standard.at seit einiger Zeit alle sog. “Deep Links” technisch verhindert werden. Aber wie der Schuß in’s Knie schlußendlich ausgeht bzw. ob es einer ist, wird man noch sehen. Bislang hat sich ja da noch kein prominenter Nachahmer gefunden, braucht es natürlich auch noch gewissen, technischen Vorlauf.

    Die Zukunft, zumindest eine Ebene davon, wird daher im “eigenen”, eher “kostenlosem” Content liegen, der naturgemäß und primär lokal zentriert ist, nicht ohne freiwillig zugegebene, gelebte Subjektivität auskommt. Dies mag aus absoluter Distanz betrachtet ebenfalls nur suboptimal sein, aber immer noch besser als dieses vermeintliche “überregional” oder gar “unabhängig” bis “neutral”, als alte/neue Definitionen des relativ gleichgeschalteten Mainstream, der nun seit einiger Zeit auch hierzulande Chomsky’s Propagandamodell immer offener zu Tage treten lässt.

    Wieder große, monopolartige Medienräder zu drehen müsste vom Gesetzgeber abgesichert werden, direkt über rechtliche Rahmenbedingungen und indirekt über Kostenschranken. Sich einen Server zu mieten oder in den (eigenen) Keller zu stellen ist aus Kostensicht kaum ein Problem. Schreiber mit Kompetenz zu finden dürfte zukünftig ebensowenig ein Akt werden. Klar. immer alles relativ subjektiv, lokal und schlußendlich gemäß privatem Hausherrenmodell.

  20. Wolfgang Michal |  08.06.2009 | 10:48 | permalink  

    Liebe(r) Susadl, Sie sind ja süß! Es geht mir nicht um Ausweiskontrolle, ich möchte wissen, mit wem ich es zu tun habe. Möglicherweise sind Sie von Beruf Journalistenhasser und freuen sich, dass es denen jetzt endlich mal an den Kragen geht.
    Spaß beiseite: Sie sagen, Schuster bleib bei deinen Leisten, und das würden die meisten Journalisten liebend gern tun. Dass zur Zeit immer mehr Journalisten zu “Aktivisten” werden, hängt damit zusammen, dass diese Leute ihren Beruf ernst nehmen. Und dass sie, da die Verleger in diesem Punkt leider wenig innovativ sind, die Sache selbst in die Hand nehmen.
    Ein Vergleich (den Sie sicher nicht zögern werden schief zu nennen): Die Durchsetzung der “erneuerbaren Energien” war am Anfang auch völlig unrealistisch, in Ihren Augen sicher eine dieser “Lachnummern”. Ohne gesetzliche Flankierung (Einspeisegesetz) wäre das schwierig geworden, weil die Altindustrien die Innovation behinderten, wo sie nur konnten.

  21. Wolfgang Michal |  10.06.2009 | 14:57 | permalink  

    Eine GEMA für die Verlage?
    Hier kann man sehen, was die Verlage, die am Montag eine Online-Erklärung abgegeben haben, planen (falls der Autor des FTD-Textes alles richtig verstanden hat):

    http://www.ftd.de/technik/medien_internet/:Internet-Piraterie-Verlage-planen-Gema-f%FCr-Onlinetexte/525077.html

  22. Verleger-Gema für Onlinetexte: Wer zahlt wofür? (Und wer ist Verleger?) — CARTA |  11.06.2009 | 16:39 | permalink  

    [...] Man könnte auch sagen: Mit dem Leistungsschutzrecht haben die Verlage ihre Version der Kulturflatrate für Journalismus vorgestellt (siehe Text von Wolfgang Michal). [...]

  23. Die Verlage überschätzen den Wert ihrer Inhalte — CARTA |  11.06.2009 | 17:01 | permalink  

    [...] oder Flatrate? Wolfgang Michal (hier auf Carta) gibt sich überzeugt, dass es nicht mehr um das “ob”, sondern nur [...]

  24. Ruprecht Frieling |  13.06.2009 | 19:28 | permalink  

    In erster Linie geht es den großen Verlage darum, ihre Pfründe zu sichern. Notwendiges Übel dabei ist, dass sie bei einem künftigen Inkasso (in welcher Form auch immer) auch die eigentlichen Schöpfer der Werte, also die Urheber, mit abfinden müssen. Ob die dann wirklich viel davon haben?

    Schwierig wird es für die kleinen, selbständigen Journalisten, die nicht auf einem der großen Verlagsdampfer reisen. Wie sollen die ihre Waren versilbern, ohne auf der Strecke zu bleiben? Es bleiben noch viele Fragen offen …

    PS. Der Artikel ist übrigens vorzüglich gemacht.

  25. Wolfgang Michal |  15.06.2009 | 23:49 | permalink  

    Das erste Flatrate-Modell ist eingetütet:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,630591,00.html

  26. Udo Merz |  16.06.2009 | 11:09 | permalink  

    Eine Zwangsgebühr analog dem Modell der staatlichen Rundfunk und Fernsehgebühren sollten wir uns nicht wünschen und mit allen Mitteln verhindern, da dies bereits bei der GEZ und den angeschlossenen Sendeanstalten zu einer gigantischen Geldvernichtungs- und Selbstbedienungsmaschinerie geführt hat. Sollte also bei einem zukünftigen “Bezahltmodell” der Staat als Kassierer auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass wiederum ein überteuerter Verwaltungsapparat eine dem Ziel und Charakter des Internets widersprechende “Leistung” erbringen würde. Insofern halte ich ein Modell auf der Basis einer Flatrate für realistischer.

  27. Wolfgang Michal |  16.06.2009 | 11:44 | permalink  

    Wo sehen Sie den Unterschied zwischen der von Ihnen abgelehnten Monatsgebühr und der von Ihnen bevorzugten Flatrate? Kapier ich irgendwie nicht.

  28. Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der Kulturflatrate eigentlich geht — CARTA |  17.06.2009 | 00:07 | permalink  

    [...] Rufe nach einer Kulturflatrate werden immer lauter: Wolfgang Michal hat sie hier auf Carta mehrfach eingefordert. Nun appellieren auch Helga Trüpel und Oliver Passek von den [...]

  29. Thomas Strobl |  19.06.2009 | 12:26 | permalink  

    Eine Flatrate auf Unternehmens- oder Verlagsbasis dürfte ja kaum jemand interessieren. Was nutzt mir meine schöne Springer-Flatrate, wenn ich mal FAZ oder Tagesspiegel lesen möchte? Nein, was hier eher zum Tragen kommen dürfte, sind Aggregatoren-Modelle, sprich Zugang zu allen Angeboten über einen Anbieter und dessen Abo. Wenn man die Usancen der Mobilfunkindustrie paraphrasiert also eine Art “Medien-Roaming”. Im offline-Bereich hat man das mit “Lesezirkeln” und dergleichen ja schon seit 50 Jahren im Angebot, mir schleierhaft, was die Verlage davon abhält, das im Netz mal auszuprobieren.

    Generell – und darin liegt vielleicht auch ein Teil der Antwort – scheitern aber alle diese Modelle an einem grundsätzlichen Problem: News sind ex definitione “commodities”, und daher wird auch keiner für die nackten Nachrichten bezahlen wollen. Jegliches Modell, das hier ansetzt, wird deshalb meiner Meinung nach scheitern, ohne wenn und aber.

    Professionelle Kommentare und Analysen sowie gut recherchierte Hintergrundberichte sind hingegen eine ganz andere Geschichte. Dafür wird man auch zukünftig Geld ausgeben, allerdings nicht unbedingt im Web. Die Medienhäuser sollten daher ihre Webplattformen am besten so sehen, wie die Couturiers ihre Flagshipstores in der Rue Balzac-St. Honoré oder der 5th Avenue: als Marketinginstrument, das a) die Marke prägt und b) den Absatz von allem anderen ankurbelt.

  30. Zum Nachlesen: Die ganze Krise der Medien | Trendpiraten Blog |  19.06.2009 | 15:42 | permalink  

    [...] Abo oder Flatrate? Auf welches Bezahl-Modell läuft es hinaus? [...]

  31. Illegale Downloads und fragwürdige Zahlen – ein offener Brief an die Musikindustrie « Kulturkampf |  27.01.2010 | 16:23 | permalink  

    [...] Zypries hat einfach irgendwelche Zahlen genommen, die von den Befürwortern der Kulturflatrate ins Spiel gebracht worden waren. Aber die können für sie ja keine Relevanz haben, da “eigentlich niemand genau weiß, was [...]

  32. Immateriblog.de - Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt |  28.01.2010 | 03:25 | permalink  

    [...] Frau Zypries hat einfach mal irgendwelche Zahlen genommen, die von den Befürwortern der Kulturflatrate ins Spiel gebracht wurden (von der Sie ja der Ansicht sind, dass “eigentlich niemand genau weiß, was damit genau [...]

  33. đª]V[ªX » Matthias Spielkamps offener Brief an die Musikindustrie |  29.01.2010 | 08:22 | permalink  

    [...] Zypries hat einfach irgendwelche Zahlen genommen, die von den Befürwortern der Kulturflatrate ins Spiel gebracht worden waren. Aber die können für sie ja keine Relevanz haben, da “eigentlich niemand genau weiß, was damit [...]

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