#Corona-Krise

Ein Vorschlag für eine andere Corona-Kurve

Die Zahl der tatsächlich Kranken hat vermutlich ihren Höhepunkt schon erreicht. Aber die Kurven, die wir zu sehen bekommen, zeigen das nicht.

von , 6.4.20

Der Corona-Virus hat in den letzten Woche einen wahren Sturm von Zahlen und Grafiken aufgewirbelt. Nur die eine, die alle gerne sehen würden, ist nicht dabei: nämlich eine Darstellung, die zeigt, wie die Krankheit sich ausbreitet und wieder geheilt wird. Wir haben nun selbst diesen Verlauf für einige Länder und Regionen berechnet. Dieser Rechnung liegen die offiziellen Zahlen der Fälle und eine einigermaßen plausible Annahme zugrunde. Wir gehen davon aus, dass eine Infektion im Durchschnitt 16 Tage lang dauert.

Was zeigt die Grafik?

Die Kurven stellen den Verlauf der Krankheit für eine Reihe von Ländern und Regionen dar. Die zugrunde liegenden Zahlen zeigen drei Wendepunkte.

Der erste ist das Datum, an dem die Sperren verhängt und die Schulen zugemacht wurden. Das Sinken der Infektionsrate schlägt sich mit einem Abstand von etwa zwei Wochen in den Daten nieder. Der zweite Wendepunkt wird nach ungefähr 18 Tagen mit dem Maximum der täglich neu Infizierten erreicht. Nach ungefähr 27 Tagen folgt der dritte Wendepunkt, nun beginnt die Zahl der aktuell Erkrankten zu fallen. Von nun werden täglich mehr Geheilte als neu Erkrankte gemeldet.

Die Zahlen aus Italien bestätigen bisher ungefähr den aus China bekannten Verlauf. Der Fall Österreich deutet allerdings darauf hin, dass die Gesundung auch schneller gelingen könnte. Dort wurde das erste Maximum schon nach 10 Tagen erreicht, seit Tag 18 sinkt der Krankenstand.

Warum diese Auswahl?

Die Lombardei ist ein interessanter Fall, weil dort die frühesten Ausgangssperren in Europa verhängt wurden, nämlich schon am 8.3. Die Region ist damit eine Art von Frühindikator geworden. Nach unserer Berechnung sinkt dort der Krankenstand seit dem 30.3., also etwa synchron zum Verlauf in China. Die offiziell gemeldeten Krankenzahlen steigen dagegen weiter an, nach dem sie bis jetzt einigermaßen parallel zu zu unserem Modell gelaufen sind.

Der zweite interessante Fall ist Österreich. Dort ging man eine Woche später in Quarantäne. Schon nach 17 Tagen, also am 2.4., erreichte man dort das Maximum und seither sollte die Zahl der Kranken sinken, nach unserem einfachen Modell, wohlgemerkt.

Warum 16 Tage?

Die Dauer entspricht ungefähr dem, was über die Krankheitsverläufe bekannt ist, und die resultierenden Zahlen stimmen recht gut mit dem überein, was aus Italien als Zahl der aktiv Infizierten gemeldet wird.

Was heißt das für Deutschland?

In Deutschland entschloss man sich eine Woche später, also am 22.3. dazu, Schulen und Läden zu schließen. Dementsprechend könnten wir das Maximum ungefähr eine Woche nach Österreich erwarten.

Berlin scheint erstaunlicherweise dort schon angekommen zu sein. Seit gestern meldet die dortige Berechnung fallende Zahlen. Bundesweit ist der Verlauf jedoch noch nicht an diesem Punkt, was vor allem am vergleichsweise ungünstigen Verlauf in Süddeutschland, speziell Bayern, liegt.

Wie geht es weiter?

Der Abstieg vom Höhepunkt ist bei einer Krankheit genau so anstrengend wie der Aufstieg. Deshalb wäre es falsch, die Maßnahmen jetzt schon zu lockern. Jede Lockerung würde jetzt nur dazu führen, dass sich die allgemeine Gesundung weiter hinauszögert. In China dauerte es drei Wochen, um die Fallzahl auf ein Zehntel des Maximums zu senken. Erst dann fühlte man sich dort sicher genug, die Sperren abzubauen. Vermutlich geht das in Europa schneller, weil wir mittlerweile viel mehr über die Ausbreitung des Virus wissen und von den sehr erfolgreichen Strategien in Südkorea, Japan und Taiwan lernen können. Dennoch erscheinen Spekulationen darüber, wie lange die gegenwärtigen Restriktionen noch andauern werden, wenig sinnvoll.

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