von Redaktion Carta, 22.1.09
Unsere erste kleine Diskussionsveranstaltung «Der digitale Präsident» vom 19. Januar gibt es nun endlich auch online – allerdings nur im Audio-Format. Leider will der hübsche kleine Camcorder, den wir eigens wegen seines Audio-Eingangs ausgeliehen hatten, die Bilder einfach nicht mehr so einfach ausspucken – ein typisches Problem von kompakteren HD-Kameras, wie ich nun weiß (die HD-Inhalte sind tief in .mts-Dateien vergraben). Hier wären wir mit low tech viel besser gefahren. Mit der nächsten Veranstaltung haben wir das im Griff. Immerhin: Die Konzentration auf die Tonspur hat durchaus ihren Reiz, und entlastet den Kopf.
Die Diskussion selbst war lebhaft und inhaltlich sehr spannend, wie ich finde, auch wenn es nicht immer exakt um das Thema des Panels ging. Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch Enttäuschungen gab: Die Entscheidung mit drei Teilnehmern ohne Moderator zu arbeiten, war sicherlich ein Experiment (das ich jedoch gelungen finde). Auch den Hinweis eines Beitragsmitglieds, man hätte mit einem Eingangsreferat anfangen sollen, werden wir gerne aufnehmen.
Aber bildet Euch selbst ein Urteil, wenn Ihr mögt. Eure Kommentare interessieren uns sehr. Das Band ist allerdings knapp eine Stunde lang. Podcast (mp3; 32 mb): hier.
Der digitale Präsident – als Hörspiel from Carta on Vimeo.
Die Teilnehmer von links nach Rechts: Mercedes Bunz, Björn Böhning, Tobias Moorstedt und ein paar gekürzte, ins Schriftliche übertragene Statements aus der Diskussion . . .
Das Interessante ist, dass Obama seine Kampagne [nach dem Wahlsieg] nicht abgebrochen hat. Vielmehr ist eine neue Kampagne aufgesetzt worden. Nämlich der Versuch, die Inhalte der künftigen Regierungszeit im Dialog mit den Menschen zu entwickeln und zu versuchen, die unterschiedlichen Impulse, die aus der Bevölkerung kommen, aufzunehmen. Wie dieses dialogische Element nicht nur massiv zur Mobilisierung, sondern auch zur Themenfeldentwicklung beitragen kann: Das ist der zentrale Charakter, der auch wichtig sein könnte für Deutschland. (Björn Böning)
Dass diese Kampagne schon recht einzigartig war, liegt glaube ich auch daran, dass man in dem Team von Obama immer offen genug war, […] eklektisch zu arbeiten und auch die eigene Figur nach außen nicht einfach geschlossen hinzustellen. […] Man hat begriffen, dass Politik nicht immer nur Public Relations ist. Und dass es nicht darum geht, eine bestimmte Figur von sich oder einen Eindruck von sich nach außen zu transportieren. So dass es in die Tiefe gehen oder auch ein Problem geben kann, dessen Lösung man noch nicht kennt. […] Es reicht nicht nur auf Facebook zu gehen oder zu twittern. Man kann sich die Techniken nicht einfach abgucken und nutzen, man muss dann auch eine gewisse Coolness, einen Umgang damit und eine gewisse Offenheit haben. Von der Wahlkampf-Rhetorik des immer alles Besserwissens muss man runter, denn sie wird mit dem Netz so nicht mehr funktionieren. (Mercedes Bunz)
Das klingt ja fast schon wie die Einführung der direkten Demokratie über die DSL-Verbindung, also die Diktatur der Maus. Aber die Frage […] ist natürlich nicht unangebracht. Es gibt tatsächlich Bestrebungen in Amerika zu einer Art Open Source Gesetzgebung. Da gibt es ein Projekt namens Public Markup, wo experimentiert wird, ob man nicht auch Gesetzestexte kollektiv gestalten könnte. Jemand stellt den ersten Entwurf ins Netz und vielleicht hat tatsächlich der Bundestag mit allen Beratergremien irgend etwas vergessen, was ein Professor einer Universität aber weiß. (Tobias Moorstedt)


