«Hauptstadt-Blogger»: Laut Elitz neue Konkurrenz der Hauptstadtjournalisten

von , 19.7.10

Ernst Elitz hat «Die Meinungsmacher» Kramp/Weichert gelesen – und darin weitgehend nur Klischees gefunden. Ich lese gerade «Am Besten nichts Neues» von Schimmeck und bin auch zunehmend angeödet. In diesen Büchern wird in epischer Breite der Haupstadtjournalismus der 00er Jahre oder davor geschrieben – mit wenig Interesse für die produktive Öffnung des Systems durch das Internet (mit Schimmeck werde ich mich noch auseinandersetzten).

Der ehemalige Deutschlandfunk-Intendant und heutige Bild-Kolumnist Elitz greift in seinem Tagesspiegel-Text die mediale Inszenierung um den Köhler-Rücktritt als Beispiel dafür auf, dass die Hauptstadtjournalisten doch gar nicht so sehr ein fixes Meinungskartell bilden, wie es die Hauptstadtjournalismus-Bücherschreiber gerade mal wieder nahelegen wollen:

Und dennoch, der angeblich so hektische Hauptstadtjournalismus ist manchmal ziemlich verschlafen. Es dauerte eine Woche, bis die Alphatiere der Redaktionsbüros die inkriminierte Passage in Köhlers Deutschlandradio-Interview entdeckten, die Anlass für seinen Rücktritt bot. Es dauerte Tage bis zur Erkenntnis, dass seine Äußerung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr der schriftlich niedergelegten Strategie der Bundesregierung entsprach. Die Kanzlerin war nicht bereit, das öffentlich zu erklären; die Journalisten hatten es schlicht verpennt; die Arbeit des Bundespräsidialamts war ein Desaster. An dieser Zustandsbeschreibung könnte eine Analyse des Hauptstadtjournalismus und seines politischen Umfelds ansetzen. Die Konsequenz müsste lauten: Werdet schneller und macht euch bissiger Konkurrenz.

Im Fall Köhler waren die Blogger schneller. Sie stießen die Medien auf Köhlers Radiointerview. Da haben Kramp und Weichert recht: Blogger können die professionelle Arbeit von Journalisten vielfältig bereichern. Sie senden ein schrilles Wecksignal, wenn das Alphatier gerade im „Grill Royal“ Austern oder im „Einstein“ Cappuccino schlürft.

Nunja, ein paar Blogger machen noch keine Hauptstadt-Blogger-Bagage. Immerhin: Hier ist ein Ex-Intendant, der Blogs groß ins Fenster der Hauptstadtjournalisten-Beobachter stellt. Das ist doch schon mal was.

In der Tat berichteten von der Leistungsschutzanhörung ja weitgehend nur Blogger – während die Hauptstadtjournalisten weiter ihrer Politiker-Daily-Soap nachrannten.

Hier sei noch einmal auf den Carta-Text zu Blogs und Köhler-Rücktritt verwiesen.

(via)

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