#Atomkraft

Drei populäre Irrtümer über Atomkraftgegner

von , 13.3.11

Die aktuelle Debatte erfordert offenbar eine kleine Klarstellung:

  • Zynismus: Wenn Atomkraftgegner angesichts der aktuellen Vorfälle in Japan darauf hinweisen, dass es eine gute Idee sein könnte, vielleicht die Atomenergie abzuschaffen, dann hat das nichts mit Zynismus zu tun, sondern mit Logik. Zynismus herrscht bei jenen, die einerseits den beklagenswerten Unfall in Japan betrauern und zugleich erklären, dass ansonsten alles so weitergehen müsse wie bisher.
  • Realismus: Atomkraftgegner zu sein bedeutet nicht, naiv den Kopf in den Sand zu stecken und mächtig Kohle verbrennen zu wollen. In der überwältigenden Zahl sind Atomkraftgegner nämlich etwas viel besseres und positives: Anhänger regenerativer Energien. Dass die regenerativen Energien mehr zu leisten in der Lage sind, als sich die meisten noch vor wenigen Jahren vorstellen konnten, ist mittlerweile klar. Bereits heute kommen dauerhaft über 10% unserer Stromversorgung aus regenerativer Energie (Update: grade sagt Klaus Töpfer im Presseclub, dass es 17% der Stromerzeugung sind), in Spitzenzeiten sind es mehr als 30%. Da geht noch was, da geht noch ganz deutlich was. Nur die Atomkraftwerke stören dabei. Denn sie sind so ausgelegt, dass sie eine einfache Lastverteilung und graduelle Umschichtung nicht ermöglichen. Die Mär von der Brückentechnologie hilft niemandem. Sie zögert nur das Unvermeidliche heraus, nämlich den Abschied von einer Technik, die uns untragbaren Müll verschafft, für dessen Folgen kein Energiekonzern zu zahlen bereit ist.
  • Falsche Zeit, falscher Ort: Der Vorwurf, dass zur aktuellen Stunde nichts anderes zähle als Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, ist Unfug. Natürlich müssen die Regierenden und all jene, die Hilfe leisten können, sich darauf fokussieren, dass jenen in Not geholfen wird. Aber es wäre absurd zu behaupten, dass die deutsche Bevölkerung nun von der Katastrophe hier vor Ort so mitgenommen sei, dass sie nun nicht mehr über politische Fragen diskutieren könne. Die Mehrheit hier kann nur spenden und hoffen. Aber ansonsten hört doch das Leben hier nicht auf! Warum können wir also nicht aus Anlass der japanischen Katastrophe über unsere Atompolitik diskutieren? Wir können ja auch weiter einen trinken gehen, arbeiten, Sex haben, den Hund ausführen oder den Müll wegtragen?! Es gibt keinen besseren Moment als jetzt, um über Atomstrom und den Ausstieg zu reden.

crosspost des extrem populären oetting.posterous.com-Beitrags.

Zustimmung, Kritik oder Anmerkungen? Kommentare und Diskussionen zu den Beiträgen auf CARTA finden sich auf Twitter und auf Facebook.