von Robin Meyer-Lucht, 29.3.10
Harald Staun hat die journalistische Häme über die Kollateralschäden der eigenen Berichterstattung sehr gut auf den Punkt gebracht:
Es ist beispiellos, wie sich in der vergangenen Woche ein Ton in die sogenannte Berichterstattung gemischt hat, der nicht einmal dann angebracht wäre, wenn Kachelmann letztlich angeklagt und verurteilt würde – erfahrungsgemäß kommt das Strafgesetzbuch mit der Sanktionierung von Verbrechen ganz gut alleine zurecht. Die traurige Pointe der medialen Gerichtshöfe aber lautet erschreckend oft: Völlig egal, wie die Sache ausgeht, der Mann ist sowieso erledigt.
So blind für die Performativität seines eigenen Sprechakts muss man erst einmal sein. Was sich als Bedauern ausgibt, ist selbst das Urteil.
Der von Staun ganz besonders kritisierte dpa-Artikel («Auf dieses Niveau kam selbst die „Bild“-Zeitung nicht runter») steht auch noch online:
Außerhalb der Wettertafel lief nicht alles wie am Schnürchen für den TV-Mann. Mit Unterbrechungen moderierte er die MDR-Talkshow „Riverboat“. Sein Griff nach der ARD-Show-Krone schlug fehl, die Neuauflage von Joachim Kulenkampffs Quiz „Einer wird gewinnen“ wurde 1998 nach drei Folgen eingestellt. Kachelmann hat eine ökonomische Ader: Er warb jahrelang für einen Joghurt-Drink. Sein persönlicher Einsatz gegen häusliche Gewalt hat angesichts der Vergewaltigungsvorwürfe einen schalen Beigeschmack bekommen.
Wie geht es weiter mit dem Hansdampf, der sich – ob schuldig oder nicht – sicher nicht ohne Blessuren aus den aktuellen Ereignissen retten wird?