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Citigroup: Ohne Schirm und ohne Zukunft?

von , 17.3.09


Die Citigroup, zeitweilig größtes Finanzkonglomerat der Welt, nutzte lange Jahre ein Logo in der Form eines Regenschirms. Diesen Schirm hat man 2007 verkauft, was der Grund dafür sein muss, dass man jetzt in der Finanzkrise so nass geworden ist.

Noch im Februar diesen Jahres nämlich strebte der Aktienkurs der Citigroup unbeirrt Richtung Null und machte eine dritte staatliche Bailout-Runde erforderlich. Seit kurzem nun scheint sich das Institut zu stabilisieren, der Aktienkurs weist wieder zaghaft nach oben. Aber ist dem auch wirklich so?

Im Querschüsse Blog finden wir aktuell eine profunde Auseinandersetzung mit dem jüngsten Jahresbericht (10-K Filing) der Citigroup, der nichts Gutes verspricht: Während die offizielle Bilanz bereinigt scheint, lauern offenbar in Sondervermögen (Special Purpose Entities) außerhalb der Bilanz noch Risiken von enormen Ausmaßen.

Etwa zeitgleich liest man bei Sean Park (The Park Paradigm), wie die Citigroup gerade ihr Aufsichtsgremium (Board) verjüngt: Drei Mitglieder haben die satzungsgemäße Altersgrenze von 72 Jahren erreicht und scheiden deshalb aus. Ihre Nachfolger sind 64, 63 und 62 Jahre alt. Sean Park fragt sich deshalb, ob man gerade in einer Zeit epochaler Umbrüche nicht jüngere Köpfe hätte wählen können, die neues Denken und innovative Ideen für eine Citigroup des 21. Jahrhunderts hätten einbringen können.

Abgerundet wird dieses Bild von der Tatsache, dass der Chefökonom der Citigroup, Lewis Alexander, die Bank verlässt und Berater von Finanzminister Timothy Geithner wird. Lautete nicht ein Wahlspruch von Barack Obama: In Change we believe? Zumindest verkauft er noch T-Shirts mit dem Motto “Change”, während der Wechsel von Lewis Alexander ins Finanzministerium weder nach neuem Denken noch nach neuen Werten aussieht.

In meinen Augen ist die Situation alarmierend: Bei der Citigroup lauern weiter große Risiken, richtungsändernde Personalentscheidungen werden nicht für nötig erachtet (weder beim Management noch beim Aufsichtsrat). Der “Verlust” des Chefökonomen an das Finanzministerium zeigt nur, dass auch die neue Regierung in Washington jede Menge altes Denken in ihrem wahrscheinlich wichtigsten Ministerium dieser Amtsperiode anhäuft.

Die Dinge laufen also gründlich schief, da sollte man sich keine Illusionen machen. Die Citigroup ist möglicherweise ebenso wenig zu retten wie Teile der amerikanischen Autoindustrie und könnte in den nächsten Monaten noch zum «Stresstest» für die Sanierungspolitik der Obama-Administration werden.

Barack Obama wäre deshalb gut beraten, jetzt ganz unkonventionell auch auf Paul O’Neill, den ersten Finanzminister unter George W. Bush, oder den Ökonomen James K. Galbraith zu hören. Dass die Citibank keinen Regenschirm mehr als Logo hat, kann er dabei als Wink mit dem Zaunpfahl sehen.

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