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Robin Meyer-Lucht

Das Netz als Feind: Die Fieberkurve der “Zeit”

 | 45 Kommentar(e)


Der jüngste Internet-Beschimpfungstext der “Zeit” hat außer fieberhafter Ignoranz und Elitarismus kaum etwas zu bieten. Man könnte ihn aber Satz für Satz mit “sachkundiger Meinungsbildung” übergießen.

22.05.2009 | 


Am Mittwoch kommentierte Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, den jüngsten Internet-Beschimpfungstext der Printausgabe  seines Hauses  so:

the elitist, ignorant attitude of old media towards the web seems to rise and fall in worldwide feverish cycles that remind me of the flu.

Diesem Kommentar ist nur wenig hinzuzufügen: Die zelebrierte Gestrigkeit und die Selbstbestätigungskoketterie einiger  Print-Feuilletonsredaktionen erreichen kaum noch das Niveau, dass man sie weiter analysieren müsste. Es sind laute Provokationen, die ihre mangelnde Substanz kaum zu verbergen vermögen. Man kann sie nur noch als Fieberanflug erklären, der sich in kaum etwas anderem als Ignoranz und Elitarismus zu entladen vermag. Weil es an anderen Regungen offenbar mangelt.

Seit heute steht der Text “Das Netz als Feind” von Adam Soboczynski im Netz. Soboczynski wendet sich gegen die “antiintellektuelle Hetze” im Netz, gegen die egalisierende, marktwirtschaftliche Gewalt der Online-Kommunikation. Er sieht die Rolle des Intellektuellen verloren, der “geistesaristokratisch herausragt”. Statt dessen regiere der “Neid der Amateure”.

Der Text ist eine gehetzte Aneinanderreihung von normativen Einseitigkeiten.

Ich möchte dazu einladen, sich einzelne Sätze aus dem Soboczynski-Text vorzunehmen und hier in den Kommentaren mit “sachkundiger Meinungsbildung” (Soboczynski) zu übergießen. Ich fange damit gleich mal an.

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45 Kommentare

  1. Robin Meyer-Lucht |  22.05.2009 | 12:57 | permalink  

    Soboczynski: “Das Netz jedoch kennt kein Zusammenwirken von Texten unterschiedlichen Anspruchs und Zuschnitts zum höheren Ganzen. Sie befinden sich unterschiedslos im Wettstreit um die Aufmerksamkeit des Lesers”

    Lieber Adam Soboczynski,

    vor allem das Netz kennt ein Zusammenwirken der Texte – nämlich durch Verlinkung. So können Debatten (von Intellektuellen!) umfassend abgebildet werden – anders als in den Printmedien…

  2. Amys Welt » Blog Archive » Hinweis auf den nächsten Blogosphärenaufreger |  22.05.2009 | 13:25 | permalink  

    [...] CARTA – Das Netz als Feind: Die Fieberkurve der Zeit [...]

  3. katrin |  22.05.2009 | 13:49 | permalink  

    Es mag schon sein, dass Blau bei Twitter den Soboczynski-Text meinte – nur leider steht das da nirgends und insofern entbehrt diese Interpretation zunächst einmal der faktischen Grundlage.
    Und zu Soboczynski selbst: Der Tonfall seines Textes ist wirklich absolut unangenehm, weil eitel, wie man es zum Glück nur selten liest. Wenn man diesen Duktus jedoch einmal zu ignorieren sucht (schwierig, zugegeben), stehen da immerhin ein paar Sätze, die ich gerne ernst nehme, weil sie versuchen, Mechanismen zu fassen zu bekommen, die ich durchaus auch bemerke. Zum Beispiel: “Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift, ist die antiintellektuelle Hetze in den Kommentaren vertraut.” Ja, stimmt, das ist mir auch schon oft genug aufgefallen – und mich würde tatsächlich interessieren, woher diese Aggressionen rühren. Bislang ignoriert man das als Autor eben und verkneift sich eine Antwort auf dererlei Kommentare – aber das hat dann mit den kommunikativen Errungenschaften des WWW ja wieder herzlich wenig zu tun, oder?

  4. Robin Meyer-Lucht |  22.05.2009 | 14:31 | permalink  

    Liebe Katrin,

    vielen Dank für den Kommentar. Wolfgang Blau hat uns das persönlich bestätigt, dass sein Twitter-Kommentar sich auf den Print-Text bezog.

    lg,

    Robin

  5. Tim |  22.05.2009 | 14:34 | permalink  

    Soboczynski beklagt ja unter anderem, daß Internetnutzer die Informationen so aufnehmen, wie es heute jeder Neurowissenschaftler empfiehlt: bedarfsorientiert. Dazu muß man eigentlich gar nichts mehr sagen.

    Kann es übrigens sein, daß Soboczynski einfach zu wenige hochwertige Netzangabote kennt, vor allem im englischsprachigen Ausland? Mir kommt es so vor, als wäre er nur mit den 4-5 großen journalistischen Websites in Deutschland vertraut.

    Feuilleton-Redakteure dürfen ihre Meinung (wie Blogger) natürlich gern auf winzige Stichproben gründen und radikal subjektiv argumentieren, das war ja auch auf Papier immer ihr Privileg.

  6. Christoph Butscher |  22.05.2009 | 15:28 | permalink  

    “Attraktiv ist ein einzelner Beitrag im Internet, wenn er möglichst viele Leser findet. Attraktiv ist ein einzelner Beitrag für die Papierzeitung, wenn er ihr, im Sinne der Mischkalkulation, zu einem ansprechenden Gesamtprodukt verhilft.”

    Das ist doch genau das Problem der Tageszeitungen: Durch das Internet wird die Zeitung heruntergebrochen auf den einzelnen Text. Und diese sind im Netz größtenteils frei zugänglich. Der Nutzer möchte nicht mehr die komplette Ausgabe einer Zeitung kaufen, sondern es interessieren ihn nur ein paar Texte vom gesamten Paket. Das Geschäftsmodell von Bündel-Produkten wird immer schwieriger. Und dass ein einzelner Beitrag im Internet attraktiv ist, wenn er möglichst viele Leser findet, ist doch total legitim. Das zeigt doch einfach nur, dass ihn auch viele Leser für interessant finden.

  7. Romanoff |  22.05.2009 | 17:00 | permalink  

    Der aus meiner Sicht haarsträubendste Satz Soboczynskis hat primär nur wenig mit dem Internet zu tun – er ist viel allgemeiner, grundlegender und daher für mich noch erschreckender. Er ist Beweis für den unglaublichen und potentiell tödlichen Standesdünkel einiger Intellektueller und Journalisten:

    “Nicht den Hauch einer Berechtigung hat die Hoffnung, noch auf Leser zu stoßen, die – vielleicht gar leicht verschämt – Unverstandenes als Antrieb begreifen, ihre Bildungs- und Konzentrationsdefizite zu beheben.”

    Nicht den Hauch einer Berechtigung hat anscheinend die Hoffnung, alle Autoren mögen erkennen, dass “unverständlich” fast immer einfach nur “schlecht geschrieben” heißt. Formulierungsdefizit, sozusagen, Realitätsverlust, Elfenbeinturmsyndrom.

  8. Tim |  22.05.2009 | 17:02 | permalink  

    @ Christoph Butscher / 6

    “Das zeigt doch einfach nur, dass ihn auch viele Leser für interessant finden.”

    So mancher Feuilleton-Redakteur hat eben ein Problem mit dem Wörtchen “viel”. Die Ablehnung des Massengeschmacks gehört in diesen Kreisen manchmal zum guten Ton.

  9. Christoph Butscher |  22.05.2009 | 17:17 | permalink  

    @ Tim

    Das könnte natürlich schon so sein. Der gesamte Text von Soboczynski ist ja geprägt von Abgrenzung und Elitarismus.

  10. jurabilis - juristisches Weblog aus Berlin |  22.05.2009 | 17:44 | permalink  

    Der Intellektuelle ……

    … und das Internet als sein Feind sind Gegenstand eines skurrilen ZEIT-Artikels aus der Feder von Adam Soboczynski:Bekämpft wird er [scil. der Intellektuelle] heute von gleich mehreren Seiten. Von Universitäten, die ihre Professoren durch verschult…

  11. Joachim Losehand |  22.05.2009 | 17:45 | permalink  

    http://www.freitag.de/community/blogs/joachim-losehand/die-verklaerung-des-heiligen-sebastian

    “[...] Genauso wie der studentische Klugscheißer das genervte Füßescharren und hörbare Ausatmen der Kommilitonen in Hauptseminaren als innerliche Anerkennung durch äußere Ablehnung wahrnimmt, rezipiert Adam Soboczynski die Buhrufe von den seiner Meinung nach billigen Plätzen als Ausdruck von Neid und Mißgunst „der Amateure“. Denn wie anders als ein ungebührliches, weil den eigenen Stand mißachtendes Aufbegehren dem Doktor Soboczynski gegenüber können wir es verstehen, wenn seine „Artikel, die sich der Kunst filigraner Beurteilung und Unterscheidung, der gewagten Infragestellung von Sachverhalten widmen“, lärmend niedergemacht werden? Movens ist da natürlich der Neid der sich krümmenden Zukurzgekommenen, die ihr Mitteilungsbedürfnis nur unter „ferner liefen“ im „Wurmfortsatz“ der Kommentare befriedigen können. Das würde Doktor Soboczynski ja auch mächtig wurmen. [...]“

  12. Internet, Bildungsfeindlichkeit und Intellektuellenhass » netzwertig.com |  22.05.2009 | 18:37 | permalink  

    [...] mit dem Internet kann es nicht sein. Nicht umsonst wird dem Text auch an anderer Stelle attestiert, dass er  sich zusammensetzt aus lauten “Provokationen, die ihre mangelnde Substanz kaum zu [...]

  13. xconroy |  22.05.2009 | 19:14 | permalink  

    @7 Romanoff

    Ich sage ja sehr ungern “typisch deutsch” – das kommt ja nun ziemlich kurz hinter Godwin`s Law und ist in den meisten Fällen ein Nullargument. Aber die Vorstellung, daß Texte mit anspruchsvollem Inhalt unbedingt und zwangsläufig schwer verständlich formuliert und mit Fach- und Fremdwörtern gespickt sowie in wagemutige Nebensatzschachtelgebilde verknotet sein müssen, kenne ich zumindest aus dem Englischen nicht. Und wenn ich mich ab und an als Nichtmuttersprachler dabei ertappe, englische Texte zu, sagen wir mal, politischen, soziologischen oder medientheoretischen Themen besser zu verstehen als entsprechende deutsche, dann frage ich mich schon, wie das kommt.

    Woher hat “der typische deutsche Intellektuell-sein-Woller” (wenns ihn denn gibt… manchmal kommt mir das halt so vor) den Drang, aus teils banalen Erkenntnissen eine verbale Preßwurst zusammenzupappen, gegen die Heidegger oder Kant so komplex wie eine Ikea-Bauanleitung wirken? Manchmal entsteht der Eindruck, daß deutsche Schlaumeier den größten Beweis ihrer Schlauheit in größtmöglicher Unverständlichkeit sehen, während bei englischsprachigen solchen das genaue Gegenteil der Fall ist…

    Zu dem Text vom Soboczinsky paßt das übrigens ganz gut. Ich habe ihn wirklich durchgelesen und, glaube ich, auch verstanden. Er besteht ausschließlich aus wiederholten Varianten des gleichen Gejammers, oder? Ich meine, sind denn da Alternativen aufgeführt, Ideen, wie intelleller Anspruch auch in Zeiten des Web 2.0 entwickelt werden kann? Wie man die positiven Eigenschaften von “altem” und “neuem” Journalismus rauspicken und was tolles Neues draus machen kann? Wie die von ihm beklagten Nachteile beseitigt werden können, ohne dem Web seine Vorteile zu nehmen? Ich sehe nichts davon. Führt er wenigstens einzelne konkrete Punkte auf und begründet /sachlich/, was ihm an ihnen nicht paßt? Ich sehe nichts davon. Was ich sehe ist ein länglicher Jammerartikel, dessen Inhalt auf “früher war alles besser” oder noch effektiver auf “alles Scheiße hier!” oder am effektivsten auf das Geräusch einer Heulboje reduziert werden kann, ohne an Inhalt zu verlieren.

    (das einzige bißchen an Humor dadrin ist dann auch wohl unfreiwillig: da beklagt sich ein offensichtlich Konservativer über “marktwirtschaftliche” Verhältnisse…. niedlich xD).

    Darum lohnt es sich für mich auch nicht, auf einzelne Abschnitte einzugehen… ist doch eh immer wieder das Gleiche. Ich finde Robins Idee ja gut, einen Artikel in den Kommentaren Stück für Stück auf/anzugreifen… aber dafür sollte dann auch einer vorliegen, der bissl mehr Substanz hat und nicht nur aus “rabääh!” besteht.

  14. katrin |  22.05.2009 | 20:14 | permalink  

    Zu 1.) Lieber Robin Meyer-Lucht,
    Sie zitieren Soboczynski – “Das Netz jedoch kennt kein Zusammenwirken von Texten unterschiedlichen Anspruchs und Zuschnitts zum höheren Ganzen. Sie befinden sich unterschiedslos im Wettstreit um die Aufmerksamkeit des Lesers” – und kommentieren: “vor allem das Netz kennt ein Zusammenwirken der Texte – nämlich durch Verlinkung. So können Debatten (von Intellektuellen!) umfassend abgebildet werden – anders als in den Printmedien…”
    Damit reden Sie meiner Meinung nach an Soboczynski vorbei. Was schon daran kenntlich wird, dass die Wendung “zu einem höheren Ganzen” – die mir zentral scheint – in Ihrer Erwiderung nicht mehr vorkommt. Soboczynski geht es in dem Absatz doch um das Nebeneinander von Disparatem in einer abgeschlossenen Sammlung von Texten (eben z. B. in Form einer Tageszeitung). Verlinkungen schön und gut, eine wunderbare Sache, keine Frage, aber gerade eine solche potentielle Unabschließbarkeit ist Soboczynski ja der Dorn im Auge (“Offene” vs. “geschlossene Form” von Kommunikation wäre ohnehin die interessantere Diskussion, und auf diese zielt Soboczynski durchaus). Er sorgt sich in dem Moment schließlich nicht um die Abbildbarkeit von Debatten, sondern um das bunte Durcheinander, das die Zeitung ausmache und ihren Reiz darstelle (“Die Papierzeitung versammelt den politischen Skandal, Boulevardeskes und das gegenwartsanalytische Feuilletonstück. Letzteres mag vergleichsweise wenig Leser finden, verleiht der Zeitung als Ganzes aber Autorität.”)

  15. xconroy |  22.05.2009 | 20:34 | permalink  

    @14 katrin

    …also wenn das Internet nicht ein “buntes Durcheinander” ist und ein “Nebeneinander von Disparatem”, dann weiß ich auch nicht…

    Dabei gäbe es doch /gute/ Argumente für Print, solche die /nicht/ auf ein Entweder-Oder hinauslaufen…

  16. katrin |  22.05.2009 | 20:42 | permalink  

    @xconroy
    Ja, aber doch kein (ab-)geschlossenes oder überhaupt begrenzbares Durcheinander – was ja auch gut so ist! Wie gesagt: Die Fürs und Widers der einen und der anderen Kommunikationsform fände ich durchaus interessant zu diskutieren – und zwar ohne Empfindlichkeiten hier wie dort. Aber leider scheint das unmöglich – hier wie dort.

  17. Ulrike Langer |  22.05.2009 | 21:14 | permalink  

    Ich halte es für einen Trugschluss, anzunehmen, die Zeitung füge sich als “Zusammenwirken von Texten unterschiedlichen Anspruchs und Zuschnitts zum höheren Ganzen”. Das liest sich, als ob eine Tageszeitung ein durchkomponiertes Werk sei, in die (um den alten Spruch zu zitieren) auf wundersame Weise immer genausoviel hineinpasst, wie gerade auf der Welt passiert ist. Dieses “Zusammenwirken von Texten” kann ich bei Zeitungen gerade noch bei Wochenzeitungen wie der “Zeit” erkennen, in Reinform aber eher in Publikationen wie ”brand eins”. Dagegen ist die durchschnittliche Tageszeitung doch größtenteils ein Füllhorn, in das hineingeschüttet wird, was die Agenturen, PR-Texte und ein paar eigene Recherche am Vortag halt hergegeben haben. Und der undenkbare Leser merkt am nächsten Tage auch nichts von der Komposition, sondern pickt sich nur die Texte heraus, die ihn interessieren. Dieses Verhalten ist im Netz nur offensichtlicher geworden.

    Eine interessante Diskussion zu Soboczynskis Text entwickelt sich übrigens inzwischen auch bei netzwertig.com:
    http://netzwertig.com/2009/05/22/internet-bildungsfeindlichkeit-und-intellektuellenhass/#more-4530

  18. Martin Lindner |  22.05.2009 | 21:29 | permalink  

    Ist hier jemand schon mal aufgefallen, wie bewusst der Artikel “alte Intellektuellen-Sprache” verwendet? Preziöse Genitive und indirekte Rede satt.

    “Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift” … “gegen den störrischen, nicht restlos absorbierbaren Intellektuellen, der sich einst seines Einzelgängertums rühmen durfte und als freier Autor oder Journalist sein Auskommen fand” … “Man geht indes fehl, den Intellektuellen als bildungshuberischen Besitzstandswahrer aufzufassen” … “Laienkultur, die sich ihrer Unbedarftheit rühmt” … “Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. … Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten.”

    Ja mei. Allein, Empörung ist hier fehl am Platze (sic!). Das ist das öffentliche Sich-für-anachronistisch-Erklärenes Schöngeists, bewusst und freiwillig. Aus dem Geist der Inneren Emigration. Völlig harmlos, muss man nicht ernst nehmen. Kein Wunder, dass er Ortega y Gasset von 1940 zitiert :) Mit “intellektuell sein” hat das natürlich nichts zu tun.

    Intellektuell sein, heißt aber dahin zu gehen, wo es weh tut. Sich schmutzig machen. Gut, dass diese Kultur der geistreichen Attitüde versinkt.

  19. Piccolruaz Roland |  22.05.2009 | 21:38 | permalink  

    Erst durch einen Twitter-Blog-Eintrag von Klauseck hat sich mir die Möglichkeit eröffnet, den Artikel von Soboczynski zu lesen.

    Neid ist sicher nicht das Leit-Motiv der “unbedarften” Poster und Blogger. Eher kindische Freude an einem neuen Spielzeug. Neid scheint mir aber sehr wohl bei einer elitären Gruppe vorzuherrschen, weil jetzt Yeti & Pleti, die bisher ihr vorbehaltenen Werkzeuge der öffentlichen Meinungsäusserung so unbefangen (“unbedarft”) benutzen. Verlieren wir dadurch alle die Fähigkeiten, Schund und Plunder von “Hochwertigen” zu unterscheiden, wie S.& Co insinuieren? Gibt es für gewisse Dinge keine ausreichende Öffentlichkeit mehr? Das glaub ich weniger.

    Was die Herrschaften brauchen ist ein neues Geschäftsmodell, das ihnen den Lebensunterhalt – im Netz wohlgemerkt – sichert. Die Entwicklung ist nämlich unumkehrbar. Existenzangst dürfte die Triebfeder der Suada sein. Das Abendland selbst ist nicht in Gefahr

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  23. GrooveX |  23.05.2009 | 23:42 | permalink  

    die ansprüchlichkeit des textes, die replik über twitter, irgendwie scheint es mir, als hätten sie das spiel mit dem stöckchen gelernt.

    dass sie inzwischen auf so etwas angewiesen sind…

  24. boing |  24.05.2009 | 01:06 | permalink  

    Wie sehr wir doch alle hier mit unseren ungelenken Sätzen Soboczynski recht geben.

  25. Bin intellektuell, arbeite für Essen und Unterkunft | killefit.net |  24.05.2009 | 12:27 | permalink  

    [...] geschrieben würden. Ziemlich viele Argumente des Textes lassen sich widerlegen, und dies geschieht auch vielerorts. Dass die ZEIT den Text überhaupt abgedruckt hat, kann ich mir nur damit [...]

  26. Robin Meyer-Lucht |  24.05.2009 | 23:19 | permalink  

    @ Katrin: Danke für den Hinweis auf das “höhere Ganze”. Tatsächlich wird Soboczynski davon ausgehen, dass es nur EIN richtiges Zusammenwirken der Texte geben kann, das von Geistesaristokraten zentral und statisch festgelegt werden soll.

    Die Herausbildung von Wissen in offenen, dezentralen Strukturen interessiert ihn nicht. Deswegen werden ihn auch nicht Links interessieren.

    Interessanter macht ihn das aber nicht gerade.

    @ Martin Lindner: Danke für den sehr schönen Hinweis auf der sehr konkreten Ebene der Grammatik.

    @ alle: Danke für die Kommentare, die ich mit großem Gewinn gelesen habe.

  27. boing |  25.05.2009 | 00:59 | permalink  

    @ Robin Meyer-Lucht
    Ich finde, “zentral und statisch” oder “dezentral und dynamisch” ist nicht der Gegensatz, um den es geht. Der Artikel von Soboczynski formuliert doch das Problem, dass die Zeitungskrise keine Lapalie ist, weil die Zeitung eine demokratische Qualität hat, die das Netz nicht ersetzen kann: sie gibt schwierigen Texten durch das Gesamtprodukt Zeitung einen Raum und eine Reichweite. Das Feuilleton ist weniger stark an Klickzahlen gebunden und kann sich erlauben sperrig zu sein. Natürlich gibt es auch sperrige, schwierige und provokante Texte im Netz, aber sie erzeugen nicht die Öffentlichkeit, die zum Beispiel ein Zeitartikel erzeugen kann. Das ist aber doch nicht ganz unwichtig für eine Demokratie.

  28. rml |  25.05.2009 | 02:15 | permalink  

    @ boing: Es hatte jetzt auch niemand behauptet, dass der genannte Gegensatz der zentrale ist. Es ist lediglich einer der Gegensätze, die sich aus dem Text ergeben.

    Mich wundert, dass Sie Soboczynski bei der vom ihm ausgemachten “demokratischen Qualität” des Bündelprodukts Zeitung folgen. Es ist doch offensichtlich normativ verklärt und ungenau.

    Demokratie =/= Wenige, die auf privilegierten Plätzen denken
    Demorkatie =/= Wenn einem Texte “untergeschoben” werden
    Reichweite =/= Relevanz
    Reichweite einer Zeitung =/= Leser der Texte auf den hinteren Plätzen

    Kleben Sie nicht fest in der Massenmediendemokratie. Ich möchte Ihnen Kapitel sechs des Benklers Buches zum Reichtum der Netzwerke empfehlen. Eine deliberative Demokratie jedenfalls bekommen wir erst, wenn wir uns mit der richtigen Diskursökonomie des Netzes befassen:
    http://cyber.law.harvard.edu/wealth_of_networks/Download_PDFs_of_the_book
    http://www.congo-education.net/wealth-of-networks/ch-06.pdf

    Ich glaube, dass es in diesem Jahr noch nachzumachen gilt, wo eigentlich der wichtige Unterschied zwischen Habermas und Benkler liegt – und was das alles mit den Ressentiments gegen das Netz hierzulande zu tun hat.

    Er liegt kurz gesagt darin, dass Benkler daran glaubt, dass der offene Diskurs eine eine starke Institution an sich sein kann, während Habermas die Diskurse dann doch lieber durch eine übersichtliche Anzahl von institutionalisierten Podestplätzen strukturiert sehe möchte.

    soweit und gruss,

    rml

  29. katrin |  25.05.2009 | 09:22 | permalink  

    @Robin Meyer-Lucht

    Sie sagen: “Tatsächlich wird Soboczynski davon ausgehen, dass es nur EIN richtiges Zusammenwirken der Texte geben kann, das von Geistesaristokraten zentral und statisch festgelegt werden soll.”

    Das steht jedoch nicht in Soboczynskis Text. Was da steht: Dass dieses Zusammenwirken eine ganz andere – und eben schätzenswerte – Qualität hat. Von dem “EINEN richtigen” ist ebenfalls nicht die Rede – was angesichts der Dichte an Tageszeitung und der Überforderung der Redakteure auch ziemlich sinnlos wäre.

    Zudem: Die Zeitung ist keinesfalls statisch, im Gegenteil erfindet sie sich jeden Tag neu, und diese allmorgendliche oder -abendliche tabula rasa, diesen Schnitt durch die Weltgeschichte, halte ich (wie “richtig” oder “falsch” er auch immer sein mag) für nicht minder spannend als die stete Verdichtung des WWW, dessen Qualität eben – wie der Name schon sagt – in Vernetzung besteht.

    Und wenn “Demokratie =/= Wenige, die auf privilegierten Plätzen denken”, dann sollten wir wohl besser schnell mal die Regierung und deren Organe auflösen, denn die handhabt das bislang durchaus so ;-)

  30. boing |  25.05.2009 | 10:10 | permalink  

    @ rml
    Danke für die Hinweise. So weit ich bisher quer gelesen habe, findet sich dort genau der enge Begriff (“narrow conception of public sphere”) von Öffentlichkeit, der für das Internet typisch ist. Öffentlichkeit ist bei Benkler eben schon hergestellt, wenn sich Menschen über Politik unterhalten. Das machen sie aber in Diktaturen auch.

    Diese virtuellen Teilöffentlichkeiten finde ich interessant, aber das Netz hat eben eine andere Qualität als die Zeitung. Und falls die Zeitungen tatsächlich aussterben sollten, hat das auch Folgen für die Wahrnehmbarkeit dessen, was alle angeht. Im Netz zerstreuen sich die Fragen und Probleme.

    Im übrigen finde ich nicht, dass man das Netz und Zeitung gegeneinander ausspielen sollte, da sie sich an sich hervorragend ergänzen. Nur leider wird den Zeitungen die ökonomische Basis weggefressen, andererseits werden vielleicht Wochenzeitungen überleben und jene weite Öffentlichkeit weiterhin gewährleisten können.

  31. diigo 05/25/2009 (a.m.) | synapsenschnappsen |  25.05.2009 | 10:43 | permalink  

    [...] Das Netz als Feind: Die Fieberkurve der “Zeit” — CARTA [...]

  32. Christian W. |  25.05.2009 | 12:28 | permalink  

    Interessante Debatte, aber ich werde beim Lesen der Kommentare das Gefühl nicht los, dass einige genau das beweisen, was Herr Dr. S. kritisiert hat.

    Könnte es nicht sein, dass sein intellektueller Elitismus sprachlich wie inhaltlich eben das flotte, kurze, eingängige konterkarrieren will, dass er mit “schwierigen Texten” dabei aber nicht meint, unverständlich wie manche Kommentatoren glauben, sondern eben assoziativ und auf breites Vorwissen zielend – also dass er sich im Text auf Autoren, Philosophen, Filme, Denker bezieht, deren Position man kennen sollte, um ein Argument zu verstehen. Das hat nichts mit Verständlichkeit der Sprache zu tun, für die ich sehr bin. Sondern eben mit einer Art Wissen, die wie ich finde eben selten zu finden ist im Netz – respektive in vielen Zeitungen.
    Aber das Internet, das so gern als frei, offen, demokratisch, schwarmintelligent und was nicht alles gepriesen wird, hat einfach Defizite wenn es ans Nachdenken und tiefer Reflektieren und wie S. sagt, intellektuell Revoltieren gegen den Konsens, Mainstream etc. geht. Natürlich gibt es großartige Texte im Netz, schlau, durchdacht, hintersinnig, assoziativ – aber wie viele denn gegenüber den beklagten dämlichen Blogs mit 1000 links, den Bauchnabel Websites nebst Tagebuch, den politischen Analysen auf “hab mal gehört dass…” Niveau? Wie viele gewinnbringende Hintergrundanalysen. Die kann es gar nicht so viel geben, weil das Medium das Lesen eines 20 Seiten Textes wie im New Yorker, ja selbst eines 5 mal klicken müssen Text wie in “Der Zeit” oder von mir aus dem Spiegel, von kaum jemand geleistet wird. Dennoch: der Vorwurf, das Internet betone und fördere nur das Flache, Banale, Dämliche usw. trifft ja nun auch aufs Fernsehen zu, wo man ebenfalls lange suchen muss um anspruchsvolle Formate zu finden, oder eben nur arte oder 3sat gucken, was ein bisserl langweilig werden kann. Fazit: es gibt ein Defizit im Netz wie im Fernsehen, aber es gibt diese Inhalte, wenn auch netzspezifisch kürzer und naturgemäß unendlich verstreut, verlinkt und versteckt – denn gegen das Internet ist das Fernsehen, selbst mit 100 Programmen eine geschlossene Veranstaltung.

  33. Internetuell vs. intellektuell. Blogschau (5/IV) |  25.05.2009 | 13:49 | permalink  

    [...] die sich auf das böse Internet beziehen, einer Art Fieberanflug ähneln, “der sich in kaum etwas anderem als Ignoranz und Elitarismus zu entladen vermag“. Marcel Weiss meint dazu auf netzwertig.com: “Das Internet macht Menschen nicht [...]

  34. Thomas |  25.05.2009 | 16:31 | permalink  

    @katrin:

    “Wenn man diesen Duktus jedoch einmal zu ignorieren sucht (schwierig, zugegeben), stehen da immerhin ein paar Sätze, die ich gerne ernst nehme, weil sie versuchen, Mechanismen zu fassen zu bekommen, die ich durchaus auch bemerke.”

    Genauso ging es mir auch und ich habe eine selbstironische Parodie verfasst, deren Trackback an Carta vermutlich im Spamfilter hängen geblieben ist ;)

  35. Wenn Paris Schlaue Hilton sich nackt streiten Sex « TV… und so |  25.05.2009 | 16:38 | permalink  

    [...] Robin Meyer-Lucht von Carta ist der Text ziemlich übel aufgestoßen, er schreibt von “lauten Provokationen, die ihre mangelnde Substanz kaum zu verbergen vermögen” und die “nur noch als Fieberanflug erklären” zu sind, “der sich in kaum etwas anderem als Ignoranz und Elitarismus zu entladen vermag”. [...]

  36. Florian |  25.05.2009 | 18:12 | permalink  

    Habe folgenden Kommentar bereits bei Herrn Knüwer hinterlassen. Aber evtl. findet er ja auch hier Interesse:

    Mir gefällt der Artikel in der ZEIT.

    und ich sage Ihnen auch warum: Weil er ein grundsätzliches Dilemma anspricht: Der Mensch an sich wird eben in seiner Meinung gerne bestätigt. Deswegen liest er bevorzugt Dinge, die seine Meinung stützen.

    Im Internet (also in einem freien Markt der Information) sind folglich diejenigen Artikel (Texte, Bilder, Videos etc.) besonders erfolgreich, die die bestehende Meinung des Lesenden bestätigen.

    Der “Intellektuelle”, wie ihn die Zeit in diesem Artikel einführt, verfolgt aber eben genau nicht den Zweck, bestehende Meinungen zu stützen, sondern Reibungsfläche zu bieten. Erst in der Auseinandersetzung mit anderen Gedanken kann eigene Weiterentwicklung entstehen. In den Zeiten der früheren Printproduktion konnte eine Verlag diese Inhalte (für die per se keiner gezahlt hätte (siehe oben) quersubventioniert unterbringen. Das tolle ist/war, dass das Ergebnis im Nachhinein aber die Aufnahme der “intellektuellen” Inhalte rechtfertigt und den Leser (und Käufer) in seinem Kauf bestätigt.

    Dieses Element wird in den Onlineauftritten der großen Medienhäuser radikal vernachlässigt (wie sie ja selbst häufig feststellen) und führt dazu, dass sich die “Intellektuellen”, also die Querdenker in eigene Bereiche des Netzes zurückziehen. Vielleicht in einen gut geschriebenen Blog. Dass sie aber nicht da sind, wo sie sein sollten: Im Blick der Öffentlichkeit. Wo man sich an Ihnen reiben kann.

  37. Sascha Stoltenow |  25.05.2009 | 18:52 | permalink  

    Entweder Soboczynski persifliert, oder er ist darüber entsetzt, wieviel von dem, dass er nicht mag, durch das Netz sichtbar wird. Was er leider nicht versteht: damit umzugehen ist genau die neue Aufgabe im Projekt Aufklärung, nur kann heute niemand sagen, er hätte es nicht gesehen.

  38. beza1e1 |  25.05.2009 | 19:15 | permalink  

    So falsch erscheint mir Soboczynski gar nicht, wenn ich mir diesen CARTA-Artikel so ansehe. Zuerst wird der verlinkte Artikel als “gehetzte Aneinanderreihung von normativen Einseitigkeiten” heruntergemacht und anschließend der Leser dazu aufgefordert eine Analyse doch bitte selbst in Form eines Kommentars zu erstellen.

  39. Robin Meyer-Lucht |  25.05.2009 | 19:52 | permalink  

    @ Florian: Die Tendenz, eher Dinge lesen zu wollen, die einen bestätigen, findet in einem Medium wie dem Internet mit Sicherheit eher noch eine stärkere Entfaltung. Die Huffington Post baut bekanntlich maßgeblich auf dieses Erfolgsprinzip. Gleiches gilt aber auch für klassischen Medienprodukte, wie etwa taz und FAZ. Man sollte daher nicht den Kurzschluss begehen, Tendenzen, die schon im alten Mediensytem vorhanden waren, nun dem neuen anzulasten.

    Ebenso falsch wäre es, den Huckepackmechanismus (sperrige, dissonante Inhalte on top of Massengeschmack) der klassischen Medien zu idealisieren. Da wurde auch viel zusammengeschmissen und einem aufgedrängt, was so nicht zusammengehörte.

    Jedem, der das “Horizontmedium” Zeitung mag sei das unbenommen. Ich mag es auch.

    Nur: Man sollte nicht, wie Soboczynski behaupten, dass das Internet nur alles schlechter kann – und nichts besser.

    @ beza1e1: Mit dieser Retourkutsche machen Sie es sich zu einfach…

    @ Katrin: Danke für den Hinweis. Was genau Soboczynski immer so meint – letztlich ganz genau kann man das auch nicht wissen.

    @ Christian W.: Vielen Dank für den Hinweis auf die Gemengelage im TV. Letztlich kommen wir damit zu der Frage: Verflachung in den Augen von wem? Am Ende sind wir bei der Frage des Nutzers und was wir ihm zutrauen. Die ist sehr zentral, denn Soboczynski fährt hier einen paternalistischen Kurs und einige der Nutzer hier einen “auto-paternalistischen” (Habermas http://www.sueddeutsche.de/kultur/21/404799/text/print.html) Kurs. Mir liegt der nicht. Daher der Verweis auf Benkler.

  40. Florian |  25.05.2009 | 20:48 | permalink  

    @ Robin Meyer-Lucht

    naja…so ganz absolut gegen das Netz ist er dann ja doch nicht, er schreibt:

    “Schutzlos ist er allerdings, wo ausschließlich die Anzahl seiner Anhänger über seine Relevanz entscheidet. Tödlich wäre es für den Intellektuellen, einzustimmen in den Lobgesang einer bunten Welt von Teilöffentlichkeiten, die eine bislang klar strukturierte, von Institutionen gefilterte Öffentlichkeit ersetzt. Er mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.”

    Er sieht schon Möglichkeiten zur Nutzung des Netzes: Aber die Struktur macht es schwierig, hier “an die breite Öffentlichkeit” zu kommen – die es nicht hören will, aber vielleicht hören sollte!
    Und er beklagt die Problematik, dass unbequeme Standpunkte in den Sammelpunkten des Netzes durch die Lautstärke der Masse untergehen – Eine Situation, die ja in diversen Foren durchaus nachvollziehbar ist. Goodwins law oder der Verweis auf die Nähe von Internetdiskussionen und Special Olympics sind ja auch in der Netzgemeinde sprichwörtlich.

    Er schließt mit:
    “So untüchtig er scheint – er wird nicht aussterben. Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. (…) Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten.”

    Ich finde, das nicht so technikfeindlich, wie es viele der getroffenen Netzgläubigen reflexhaft behaupten.

  41. Kulturblogger › Das Web: kein Wohlfühlort für Intellektuelle |  28.05.2009 | 09:06 | permalink  

    [...] hat die Blogosphäre ganz schön aufgemischt und zu zahlreichen Repliken angeregt (s. z.B. hier, hier, hier oder hier), die den Autor Lügen strafen sollen in Bezug auf seine Behauptung, dass das Web [...]

  42. tinkthank |  31.05.2009 | 12:43 | permalink  

    Rationalisierte Ängste einer existenzbedrohten Spezies? Der Film ‘Zeitgeist’ kann vielleicht beschreiben, was in unserer Zeit geschieht:

    Meinungsbildner, die über erworbene Autorität die Wahrheit bestimmen wollen, halten am Alten fest. Den Verlust der Autorität, der Macht, letztendlich der Deutungshoheit seines Blattes hat ja auch Soboczynski beklagt.

    Die Wahrheit ist die Autorität – sie wird langfristig jede Form von Wissensmissbrauch untergraben, sofern sie an ihrer Verbreitung nicht gehindert wird. Das Netz lässt Elfenbeintürme einstürzen und Wissensgletscher schmelzen. Die Macht, in Wissen transformiert, kann nun dahin fliessen, wo sie hingehört: Zu jedem Menschen.

    Die seit Jahrhunderten bestehenden Möglichkeiten, durch Wissensvorsprung politische, religiöse, finanzielle und geistige Unterjochung der Masse zu betreiben, sehen ihrem Ende entgehen. Die in diesem Sinne Konservativen haben sich überlebt, große Systeme der Ausbeutung funktionieren nicht mehr mit so viel (Informations-)Freiheit. Sie wollen Asche konservieren und nicht das Feuer weitergeben (Spruch aus aktuellem Werbespot, trotzdem gut).

  43. Klaus+ |  31.05.2009 | 13:35 | permalink  

    Lieber Robin Meyer-Lucht,

    mit keinem Wort beklagte Adam Soboczynski *pauschal* – so wie von ihnen darstellt – ein „Zusammenwirken von Texten“, sondern von solchen *unterschiedlichen Anspruchs*. Genau dieser springende Punkt wurde von ihnen ausgeblendet.

    Wie konnte es dazu kommen, dass sie dennoch genau dieses behaupteten? Mangelte es ihnen – wie von Soboczynski – meiner Erfahrung nach zu recht – beklagt – genau an jenem intellektuellen Niveau, das sich u.a. in einer angemessenen Differenzierung äußert? Oder war ihnen wie wahre Intention durchaus bewusst und sie haben wider besseren Wissens zu einer sinnentstellenden Verzerrung durch Verkürzung gegriffen? Womöglich, weil sich nur dies so evident widerlegen ließ?
    Mitunter bewiesen sie damit „Politikerqualitäten“: nämlich etwas zu widerlegen, was niemand behauptet hat – damit behalten sie zwar vordergründig recht, haben aber in Wahrheit nichts zur Sache beigetragen.

    Mithin ist ihr Versuch, einen Beitrag zu *sachkundiger* Meinungsbildung einzubringen, desaströs gescheitert. Mag sein, dass das der Mehrheit der Leser entgangen ist – was als unfreiwillige indirekte Bestätigung für Soboczynskis These interpretiert werden kann.

  44. MR004 Morgengrauen at Medienradio.org |  06.06.2009 | 00:22 | permalink  

    [...] ZEIT-Online-Chef kritisiert eigene Leute per Twitter (Charta.info)    MR004 Morgengrauen: Play Now | Play in Popup | Download « MR003 iSee [...]

  45. Zensursula und Medienschelte | Kontextschmiede |  23.09.2009 | 17:47 | permalink  

    [...] Spal­tung. Der Eifer, mit dem der „Schmutz“ aus dem neuen Medium bekämpft wird, nimmt fast wahn­hafte Züge [...]

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