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Matthias Schwenk

Rivva: Die verfehlte Schadenfreude der F.A.Z.

Matthias Schwenk | 6 Kommentar(e)


Die FAZ kann ihre Schadenfreue über Rivvas Probleme kaum verhehlen. Dabei ist Rivva vor allem auch eine Brücke zwischen alten und neuen Medien — und die FAZ steht dabei gar nicht schlecht da.

06.05.2009 | 


“Der Fluss wird trockengelegt” formuliert die FAZ und man kann förmlich hören, wie eine Welle der Erleichterung über diese Trockenlegung durch die Redaktion der Zeitung zieht. Die Metapher “Fluss” bezieht sich dabei auf Rivva, den Memetracker von Frank Westphal, dessen weitere Entwicklung er in diesen Tagen leider eingestellt hat.

Schade nur, dass man bei der FAZ nicht so recht zu wissen scheint, was ein Memetracker eigentlich ist. Denn Jörg Thomann, der Autor des Artikels, vergleicht Rivva mit Google News und liegt damit gründlich daneben (Google News gehört zu den Aggregatoren).

Überhaupt verwundert die kaum verhohlene Polemik und Schadenfreude darüber, dass auch im Web das eine oder andere Projekt nicht weitergeführt wird. Das ist nur natürlich und muss nicht zwingend eine “Sinnkrise” in der Blogosphäre zur Folge haben.

Die merkwürdige Sicht der FAZ verwundert aber umso mehr, wenn man weiß, dass Rivva eine Art Brücke zwischen neuen und alten Medien ist. Denn Rivva registriert nicht nur die Verlinkungen der Blogs untereinander, sondern natürlich auch Links von Blogs auf klassische Medien (und umgekehrt). Besonders gut sichtbar wird das in der Liste der Leitmedien, die zeigt, welche Quellen besonders häufig verlinkt werden.

Die FAZ steht in diesen Leitmedien sehr gut da: Mit 5 Platzierungen unter den ersten 100 (die Zeitung selbst auf Rang 7, der Netzökonom auf 11, das Fernsehblog auf 63, Chaos as usual auf 65 und die Stützen der Gesellschaft auf 95; Stand: 05. Mai 2009) liegt sie weit vor allen anderen Zeitungen.

Die Leitmedien machen zudem deutlich, dass Rivva gerade nicht ein subjektives Medium ist, mit dem Frank Westphal “Themen der unter Bloggern gern geschmähten traditionellen Medien präsentierte”. Denn präsentiert hat er gar nichts: Der Algorithmus von Rivva wertet die Verlinkungen autonom aus und zeigt in der Folge die Ergebnisse auf der Hauptseite automatisch an. Ganz oben steht, was besonders häufig verlinkt wird, egal ob Blog oder traditionelles Medium. Rivva funktioniert also ganz ohne (menschliche) Redaktion.

Die werten Leser und klugen Köpfe hinter der FAZ werden Jörg Thomann die verfehlte Schadenfreude schon nachsehen. In der Redaktion aber könnte man künftig etwas genauer hinschauen, denn schließlich fühlt man sich doch dem Qualitätsjournalismus verpflichtet — auch wenn es um das Internet geht.

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6 Kommentare

  1. Wittkewitz |  06.05.2009 | 15:25 | permalink  

    Ach lass Ihnen doch ihr Feindbild. Warum sollte man vor der eigenen Tür kehren, wenn es eben in der Nachbarschaft einen Hausbesitzer gibt, dessen Nummernschild man nicht kennt und der so seltsame Angewohnheiten hat. Das ist ein klassisches topos, das sehr wohl auch außerhalb der üblichen politischen Kontexte wirkt. Man nennt es Xenophobie. Es hat nichts mit dem üblichen Flügelschlagen der Zeitungen zu tun, es ist einfach das Bedienen der Stammtischparolen. Stammtische gibt es in allen Schichten – auch und gerade im Bildungsbürgertum. Lies mal ein halbes Jahr den Cicero, dann weißt Du was ich meine…

  2. Claudia Sommer |  06.05.2009 | 15:36 | permalink  

    Mir faellt dazu nichts mehr ein… Die FAZ empfielt ja heute auch bzgl. Netzzensur von China zu lernen.

  3. Matthias Schwenk |  06.05.2009 | 16:54 | permalink  

    @Jörg Wittkewitz und @Claudia Sommer: Nein, ich lasse dieser Zeitung ihr Feindbild nicht. Ich finde, wir sollten schon hin und wieder auf eindeutige Fehler hinweisen. Gerade der Kommentar von Claudia zeigt mir nämlich, dass die FAZ mehr oder weniger permanent unterschwellig desinformiert: “Von China lernen” als Überschrift in einer Zeitung, die 1949 in der Tradition der (von den Nazis verbotenen) “Frankfurter Zeitung” gegründet wurde?

  4. Florian Steglich |  06.05.2009 | 17:37 | permalink  

    “(…) man kann förmlich hören, wie eine Welle der Erleichterung über diese Trockenlegung durch die Redaktion der Zeitung zieht.”

    Finde ich in diesem Fall gar nicht. Die angebliche Sinnkrise ist natürlich reichlich aus der Luft gegriffen, die drei Beispiele, die sie belegen sollen, haben nichts gemeinsam. Aber Schadenfreude sehe ich da nicht, und der Vergleich mit Google News, ja nun, beide Dienste sortieren Beiträge unterschiedlicher Quellen nach ihrem gemeinsamen Thema – das kann man schon mal so erklären, wenn man nicht zu sehr ins Detail gehen mag und seine Zielgruppe im Auge hat.

  5. konterkariert |  07.05.2009 | 02:53 | permalink  

    Halb so wild. Rivva ist zwar sehr interessant und gut gestaltet. Es gibt auch auch noch andere deutsche Memetracker, wie beispielsweise den Blogmonitor:

    http://blogmonitor.de

  6. 6 vor 9: Tagesschau, UBS, Zeitungsgründung » medienlese.com |  07.05.2009 | 08:55 | permalink  

    [...] 4. Rivva und die Polemik der F.A.Z. (carta.info, Matthias Schwenk) Matthias Schwenk analysiert die Berichterstattung der F.A.Z. über den Memetracker Rivva, dessen Weiterentwicklung nicht mehr fortgeführt wird. Er ist verwundert über die “Polemik und Schadenfreude” mit der über die jüngsten Entwicklungen im Internet berichtet werde. [...]

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