Redaktion CARTA | 20 Kommentar(e)
Während im Time Magazine noch ungestüm Bezahlinhalte eingefordert werden, könnte es einen sehr viel intelligenteren und flexibleren Ausweg aus der Refinanzierugskrise des Journalismus geben.
17.02.2009 |
“Von Bezahlinhalten ist immer die Rede, wenn ein Geschäft stirbt” twitterte Clay Shirky treffend, als der von den Vorschlägen im Time Magazine hörte, Zeitungen sollten ihre Webinhalte doch endlich zahlungspflichtig stellen. Mehr hier.
Steve Outing hat eine sehr bemerkenswerte Replik geschrieben. Er hält Kachingle für einen Ausweg aus der Refinanzierungskrise des Online-Journalismus. Einen genaueren Blick ist das System wert: Nutzer zahlen einen Monatsbeitrag, der auf die real von ihnen genutzten Angebote umgelegt wird.
Wir werden auf Carta in den nächsten Tagen über Kachingle schreiben. Ist es auch ein Modell für Deutschland? Uns würde Ihre und Eure Meinung sehr interessieren.



Eine für mich, als den Printmedien fast gänzlich abgewandter Informationsschwamm, hervorragende Idee. Das bezahlen von Artikel im einzelnen und von vorne herein lehne ich ab, da sowohl der Aufwand zu groß, als auch die Katze im Sack gekauft wäre. Vorallem die Möglichkeit den Schlüssel individuell festzulegen halte ich für eine sehr interessante und wirkungsvolle Möglichkeit, die Medien zu unterstützen, die man selbst bevorzugt liest bzw von denen man am meisten mitnimmt.
@val: Danke. Das fängst ja gut an. Du würdest also mitmachen?
Das kann nie funktionieren, und TV und Radio sind das beste Beispiel. Wer würde FREIWILLIG und am Ende des Monats auch nur einen Cent dafür rausrücken, dass er sich vom Dudelfunk berieseln ließ, dass er sich in Dschungelcamps rumgetrieben oder bei Bohlen Möchtegerne-Prekariatsflüchtlinge belacht hat? Gäbe es die GEZ nicht, wären die Öffentlichrechtlichen längst Pleite oder würden denselben Quark anbieten, wie die Werbefinanzierten. Und auch im WWW wäre der Verflachung dann endgültig freie Bahn gegeben, wenn Anbieter um Geld buhlen müssten. Bei der Zeitung, die ich VORHER bezahle, weiss ich ja auch nicht, ob mich alles interessiert, was dort gedruckt ist. Aber bezahlen muss ich. Also wenn schon, dann vorab – Modell GEMA oder so.
Ein paar Wenige würden dies sicher tun. Aber ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell ist es keinesfalls.
Der Vorteil vom Online-Abo resp. von “pay per view” wäre, dass ich nur für die Themen oder Meldungen bezahle, die mich auch wirklich interessieren.
Dies im Gegensatz zur Zeitung. Da bezahle ich das ganze Abo, auch wenn mich z.B. Sport und Kultur überhaupt nicht interessieren und ich diese Seiten jeden Tag einfach umblättere.
Meines Erachtens muss es in die Richtung gehen, dass man kostenlos nur noch den Titel der Meldung sehen kann. Wer mehr wissen will, muss bezahlen. Entweder mit einem Monatsabo oder eben per Dokument/Meldung.
Bezahlsysteme gibt es ja mehr als genug.
Das Prinzip, Nutzer um Geld für ein eigentlich kostenlos verfügbares redaktionelles Internetangebot zu bitten, erinnert mich schwer an das “Businessmodell” der Wikipedia: http://wikimedia.de/spenden
Dort skaliert das seit Jahren sehr gut. Ich beweifle allerdings, dass sich dieser Ansatz auf andere redaktionelle Angebote übertragen lässt.
Wie finanziert sich Journalismus, der möglichst unabhängig bleiben will? Kann es ohne professionellen Journalismus eine zufriedene Internetgemeinschaft? Das ist schwer zu beurteilen.
Blogger tun das Ihrige ja erst einmal ehrenamtlich, manche schaffen es bis zu bestbeworbenen Gazetten oder es finden sich noble, vielleicht auch fragwürdige Spender, die von der Arbeit des Hobbyjournalisten überzeugt sind. Was aber den Zeitungsleser anbelangt, der in dunkelbeschworener Zukunft plötzlich auf sein tägliches Schwarz-auf-Weiß Gedrucktes verzichten muss, so wird er, falls wirklich süchtig, Ersatz suchen, für den er sicher bezahlen würde – wenn sich keine kostenlose qualitativ gleichwertige Alternative bietet.
Ob das dem Profischreiber oder dem Verlag an Einnahmen noch reicht, lässt sich bezweifeln. Denn wie im Spon-Artikel erwähnt, die Kosten des Drucks deckt der Abonnent. Jene des Verlagsgeschäfts, also für Büro, Fahrzeuge, Dienstreisen, verschiedenartige Technologien und natürlich die Löhne für die Angestellten müssen größtenteils durch Werbung reinkommen. Und genau jetzt, im Zuge des aktuellen Weltwirtschaftsdrama (mit Ansage ) ist es kaum verwunderlich, dass es um Zeitungen, vor allem um amerikanische, nicht gut steht – es fehlen die potenten Werber. Klar, letztlich kann ich mich als Leser natürlich fragen, wie unabhängig meine Lieblingszeitung je war, aber auch wie es anders sein könnte.
Ich bin kein Wirtschaftsguru, auch kein Verlagsökonom. Trotzdem möchte ich mir einmal die Freiheit nehmen, einen alternativen Vorschlag zu machen: Es gibt, grob geschätzt, in Deutschland etwa 20 Mio DSL Anschlüsse, wahrscheinlich sind es sogar mehr. Wenn ich niedrig herangehe und pro Anschluss 20 EUR pro Monat veranschlage, komme ich auf einen monatlichen Umsatz von 400 Mio EUR. 4,8 Mrd pro Jahr. Die Technologie, die zum Einsatz kommt, wird schon lang kein Gewinnfresser mehr bei den Telcos sein. Ganz klar, Investitionen muss es immer geben und auch gut leben will jeder von uns, auch die Giganten. Doch ich bin der Meinung, dass hier Gewinnspannen erwirtschaftet werden, die nicht ausschließlich der nackten Technologie(branche ) wieder zugute kommen sollten. Schließlich nutze ich das Internet nicht deshalb, weil ich DSL habe. Sondern wegen der Inhalte.
Wenn nun jeder Telco einen gewissen Prozentsatz seines DSL-Umsatzes an einen Journalistenfond abtreten würde, könnten Verlage aus diesem Pool schöpfen, zumindest als finanzielle Stütze für ihr eigentliches Tun, also ihre professionellen Journalisten und so einiges, was die brauchen. Bei 3% der oben angenommen Zahlen kämen noch immer 144 Mio jährlich zusammen ! Das Gute daran wäre, dass ein solcher Fond völlig unabhängig von irgendeiner politischen Instanz wäre, weil die Einnahmen von der millionenfachen Vielheit der Internetgemeinde erzeugt werden. Das Ganze als Steuer aufzuschlagen oder ein GEZ-ähnliches Prinzip würde ich ablehnen. Der Nutzer zahlt schon genug. Würde es nach mir gehen, ich wäre für mind. 10% Beteiligung der Medienmacher am Technologiegeschäft. Letzteres wäre ohne Inhalte so sinnlos wie ein Schiff ohne Meer.
Ich weiß, vielleicht klingt es ein wenig nach Sozialismus, tatsächlich aber würde hier – nach den Forderungen des Marktes – die Nachfrage das Angebot bestimmen und das heißt auch: finanzieren.
Danke für die sehr guten Kommentare – ich sehe schon – einen einfachen Ausweg gibt es nicht.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in großem Maßstab Erfolg hat. Natürlich wird es einige geben, die ein paar Euros springen lassen, aber die große Masse wird niemals für ein Angebot zahlen, das es einen Klick weiter gratis gibt.
Warum gibt es noch kein iTunes für Artikel aller wichtigen Zeitschriften. Nicht für News, die gibt es überall umsonst. Aber für Essays, Hintergrundartikel, Reportagen, Service-Artikel, etc. bin ich jederzeit bereit, Geld auzugeben, wenn der Preis stimmt und es so einfach geht, wie bei iTunes. Als PDF runterladen und einmal im Monat kommt die Abrechnung.
Kachingle wird bestenfalls so funktionieren wie der Ökostrom: Eine kleine Minderheit wird aus ökologisch-ethischen Gründen freiwillig mehr bezahlen. Aber gerade haben wir ja auf Carta gelernt, dass es die LOHAS allein nicht reißen. Bleibt im Grunde das, was Marcel (Kommentar 6) andeutet, und was bei Carta ja schon publiziert wurde:
http://carta.info/3260/flatrate-journalismus/
JAA! ES MUSS VERDAMMTNOCHMAL GELD FLIESSEN, EGAL WIE! WAS NICHTS KOSTET IST NICHT WERT!
Die Gratismentalität führt zum Tod des kritischen Journalismus. Es geht hier nicht um Euer Vergnügen, es geht um die Meinungsfreiheit, Meinungvielfalt, die “4.Kraft im Staate”, die den Politikern und Wirtschaftsbossen auf die Finger schaut.
Wer nicht bereit ist, für anderer Leute Leistung zu zahlen, verdient auch keine gute Leistung.
Wer leichte Kost liebt, soll für leichte Kost zahlen, wer tiefgründigen Journalismus liebt, soll für dafür zahlen, wer Oper liebt, soll dafür zahlen. Alles, was ich nicht selber kann, muss ich mir kaufen. Das geht auch mit Marcels Modell (s.o.): Mischkalkulation mit aus Geldern aus einem Telco-Topf – fair ausgedacht und auch nicht komplizierter zu realisieren als Gebühren für ö-r-Rundfunk. Das ist eine sehr gute Idee, Marcel!
Früher haben die Leute ihr Blatt gekauft, weil sie für 1,50 am Tag das alles nicht hätten selber recherchieren können. Nebenbei warb der Metzger für Koteletts. Dieses fabelhafte Sytem ist inzwischen durchgehend bei TV, Radio und Print korrumpiert: nur die großen Werbetreibenden halten den Journalismus am Leben — zu ihren Bedingungen.
Im Internet versauen wir User es uns selbst: Userwollen nicht zahlen und exzentrische Profis, die Recherche, exzellente Schreibe, ausgewogene Berichterstattung oder auch fundierte Meinung dem Internetvolk in den Rachen schmeissen, jammern, dass sie ihre Miete nicht zahlen können?! Wie blöd ist das denn? Hört auf UMSONST Qualität zu liefern, liebe Kollegen!
Laien, Hobbyschreiber, Weltverbesserer, Religionsstifter und Spaßvögel (und indirekt bezahlte PR-Leute) können gerne ihren Gratis Content unters Volk bringen. Solange irgendwo standhafte Profis Qualitätsware liefern – und die darf kosten, die muss kosten. Ihr Profischreiber sägt Euch Euren eigenen Ast ab, wenn Ihr weiterhin auch nur ein bit Gratis Content liefert. Viel Spaß dabei.
Ariane
[...] könnte da gerade recht kommen und Robin Meyer-Lucht plädiert auf Spiegel Online (warum nicht auf Carta?) für das amerikanische Startup und dessen idealistisches [...]
Hm, also Kachingle ist wie Ökostrom – womit wir dann wieder bei den Lohas wären (Kachingle-Button als Prestige-Item bei Facebook).
Im Ernst, Steve Outing hat die Dinge hier noch einmal vertieft:
http://steveouting.com/2009/02/15/a-few-more-thoughts-on-voluntary-monthly-content-payments/
Natürlich kann man nur davon ausgehen, dass eine Quote von 5 bis 10 Prozent aller Nutzer bei einem Kachingle-Modell mitmachen würden. Wie hoch ist die Ausgangsbasis hierzu: 8 Mio. Bundesbürger informieren sich inzwischen täglich im Internet über das aktuelle Geschehen. Sagen wir mal realistisch 0,5 Mio. wäre dabei – dann wären dies Einnahmen von 2,5 Mio. Euro (abzüglich Systemkosten) Mehreinnahmen für die Inhalte-Anbieter pro Monat – immerhin 30 Mio. im Jahr. Das wäre ein sehr ansehnlicher Betrag, der schon sehr viel helfen könnte.
robin
Ehrlich gesagt, die ganze Diskussion lässt mich ziemlich kalt. Weil das Print-Angebot in der Krise steckt, würde man nun gern die Web-Nutzer kollektiv zur Kasse bitten, und zwar auf sozialistischer Basis à la Gema oder per Nutzungsdatenkrake. Nein danke. Von den beiden wäre mir ein monatlicher Obulus von maximal 5 Euro für das notleidende Verlagsgeschäft noch lieber.
Die c’t macht vor, wie man Bezahl- und Gratisangebot optimal miteinander verbindet. Dasselbe Modell ließe sich im Prinzip auch auf Nachrichten-Journalismus anwenden – den ersten Absatz, der eine kurze Zusammenfassung enthält, gibt es gratis. Um den kompletten Artikel zu lesen, muss man ein paar Cent zahlen oder das Heft kaufen. Oder eine Suchmaschine bemühen, um den restlichen Content bei der Konkurrenz zu finden. (Es gäbe auch alternativ die gegenteilige Möglichkeit: für kurze, klar formulierte Meldungen Geld zu verlangen. die Herausforderung besteht heutzutage eben darin, aus einem Strom von “Information” das Wesentliche herauszufiltern.)
Wie die obigen Kommentare zeigen, gibt es Nutzer, die gewillt sind, für Inhalte nur deshalb zu bezahlen, weil sie per iTunes abrufbar sind. Lasst euch das nicht zweimal sagen, liebe Verlage!
Das “iTunes für Nachrichten” mit Stichwortsuche gibt es übrigens schon, es nennt sich Wikio (www.wikio.de). Natürlich weiss man nicht genaues, was deren Auswahlkriterien sind oder ob sie welche haben. (Was ist eigentlich aus der glorreichen Idee der “personalisierten Nachrichten” geworden?)
Liebe Ariane, das Problem eurer Zunft ist, dass man eure (erstudierte/antrainierte?) Meinung nicht von der anderer Spaßvögel, PR-Leute und Weltverklärer unterscheiden kann, eben weil einem normalerweise “die Zeit für Recherchen fehlt”. Bezahlwürdiger Journalismus besteht für mich auch nicht aus “Meinung” – heiße Luft ist so ziemlich das Billigste – sondern aus Fakten, ohne Auslassungen und Beschönigungen.
Die Autorität der etablierten Presse ist ein Ding der Vergangenheit, seit sie ihr Informationsmonopol verloren hat. Die Zeiten, wo die Tagesschau den Sinn der Welt definierte, sind vorbei. Wir “wissen” alle heutzutage, wie korrupt die Presse ist. Deshalb billigt man Bloggern ein etwas höheres Ethos zu.
Wer schreibt und etwas zu sagen hat, der will gelesen werden. Wer nicht schreibt, der hat nie existiert. Punkt.
Wer bloß schreiben will, weil er Journalismus studiert hat, der gehe doch bitte mit dem Rest der überflüssigen Blase den Bach runter. Es macht keinen großen Unterschied.
[...] könnte mir vorstellen, dass Crowdfunding-Mechanismen nach dem Vorbild von z.B. sellaband.de oder kachingle.com auch in der Offline-Welt als Vorbild für neue Finanzierungsmodelle herhalten könnten. Mir [...]
Dear Carta, Robin Meyer-Lucht and Stefan Kooths in particular, and readers of Carta,
Please forgive me for writing this in English.
We at Kachingle are thrilled that Carta will be doing an analysis of Kachingle for the German marketplace. There are initially three key markets for Kachingle: Germany, United States, and France. Although we are a start-up based in the U.S. we have already opened an office in Europe (Paris) because of our strong belief that Europe will lead the world in the establishment of Kachingle as a powerful revenue stream for online content and services, including news and high-quality journalism.
We invite Carta to contact us directly to ask any questions and learn more about Kachingle. Our Director of Europe, Yves Huin, and myself, Cynthia Typaldos, the founder, would love to have a dialogue with you. Our service is now in beta and you can experience it live at beta.kachingle.com. We are planning a formal launch in January with a prestigious group of websites including a major German online newsmagazine.
By the way, 1/3 of our team is European, and three of them — our Chairman, our CTO and our head of operations, are all originally from Germany. We do not think this is a coincidence. The concept of Kachingle, and now the reality with the launch of our beta service, resonates with Europeans.
Cynthia Typaldos
Founder & President
Kachingle
[...] Frage: Kachingle – der Ausweg? [...]
Warum soll es keine Bezahlung einzelner Artikel geben. Paypal ist ein Bezahlmodus, der es ermöglichen würde, solche Mikrobeträge problemlos zu überweisen. Sicherlich gibt es da noch andere Wege. Wie kauft man einzelne Musicdownloads?
Ich denke, jedes Modell, das dem Leser eine Form von Abo aufdrängen will, wird nicht gut laufen. Den Spendengedanken finde ich auch nicht gut, weil, es eine korrekte Preisfindung geben muss, damit demnächst endlich ein funktionierender Markt auf diesem Sektor entsteht.
Bei Spenden ist es doch sehr von der TAgeslaune des Lesers abhängig, wieviel Geld eingenommen wird.
Notwendig sind berechenbare Preise für eine einigermaßen berechenbare Leistung. Eine Zeitung mit einer Bandbreite von Themen sollte in der Lage sein, teuere Artikel über gut laufende “Massenware” mitzufinanzieren.
Richtig ist: Es muss was gemacht werden, dann wird sich auch zeigen, glaube ich, dass nicht wenige Leute bereit sind zu bezahlen, sich aber eben nicht auf ein beschränktes Angebot einfangen lassen wollen (Ihr Abo-Gedanke)
[...] wie Kachingle oder Flattr könnten ein Ausweg aus dem Finanzierungsproblem für Inhalte im Internet sein. Sie sind auf größtmögliche [...]
[...] oder Flattr könnten – so ist auf dem Medien-Ökonomie-Blog nachzulesen – einen Ausweg aus dem Finanzierungsproblem für Inhalte im Internet sein. Sie seien auf größtmögliche [...]