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Wolfgang Michal

Die eingeschüchterte Aufklärung

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Ist es ein Zeichen von Toleranz, die Beschneidung von Kindern zu erlauben? Oder weicht die Aufklärung vor der Auseinandersetzung mit einem überlebten Brauchtum zurück? Einige Anmerkungen zu Heribert Prantl und Volker Beck.

22.07.2012 | 

Am vergangenen Montag erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Leitartikel des Innenressortchefs Heribert Prantl zum Thema „Beschneidung“. Die Überschrift lautete: „Was Aufklärung verlangt“. Prantl, in Deutschland gerühmt als publizistischer Bundesverfassungsrichter, plädiert in seinem Text aber nicht – wie man es von ihm erwartet hätte – für die körperliche Unversehrtheit des Kindes im Sinne von Artikel 1 und 2 unserer Verfassung, nein, er plädiert für das religiöse „Recht“ auf Beschneidung und führt allerlei verharmlosende Vergleiche ins Feld: Schönheitsoperation, Tätowierung, bloß ein Stückchen Haut etc.

Prantl möchte beide Augen zudrücken und alle Fünfe grade sein lassen. Warum? Weil er glaubt, dass ein Verbot des archaischen Rituals den multikulturellen gesellschaftlichen Frieden in Deutschland gefährden könnte. Das ist ein gewichtiges Argument. Es gründet zum einen in der bayrischen Lebensphilosophie („Leben und leben lassen“), zum anderen in der Hegelschen Rechtsphilosophie („Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig”). Man möge daher, so Prantl, kein allzu großes Bohei um den kleinen Fetzen nutzloser Kindeshaut machen.

Leider macht Heribert Prantl dann aber selbst das allergrößte Bohei: Er setzt sein bayrisch-hegelianisches Toleranzedikt mit den zivilisatorischen Errungenschaften der Aufklärung gleich. Ja, er versteigt sich zu der absurden Aussage, es sei letztlich die Aufklärung, die ein Ja zur Beschneidung „verlange“. Denn nur, wenn man die Beschneidung erlaube, könne man sie aufklärerisch tolerieren. Das liest sich, als habe Prantl an Karl Valentins verquerer Logik Gefallen gefunden.

 

Zweierlei Maß

In seinem Text unterscheidet Prantl außerdem zwischen einer ‚schwachen’ und einer ‚starken’ Grundrechtsnegierung:

„Wenn die Würde des Menschen verletzt wird, wenn eine angeblich göttliche Leitkultur die Grundrechte negiert – dann sind die Grenzen überschritten. Aber die Beschneidung ist nicht der Einstieg in die Scharia (!), nicht Symbol für die Negation der Rechtsordnung, sie ist vielen nur befremdlich fremd. Eine Bestrafung des nur Befremdlichen wäre unverhältnismäßig. Das heißt: Der Schutz der Vorhaut gegen vermeintlich unverständige Eltern ist keine Angelegenheit für das Strafrecht.“

Das klingt zunächst sympathisch und lebensnah. Doch ginge es in der Debatte allein um Muslime, würde der seltsame Brauch, kleinen Kindern das Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit gewaltsam mit dem Messer einzuritzen, wohl sehr viel bereitwilliger als archaisch, grausam und rückständig abgestempelt. Die jüdisch-christliche Tradition dagegen erscheint nur „befremdlich“. Diese abgestufte Wertung zeigt, wie selektiv Prantl den Begriff der Aufklärung benutzt. Er merkt offenbar nicht, dass sein vermeintliches Plädoyer für multikulturelle Toleranz dem religiös-reaktionären Rollback in die Hände spielt.

 

Das Sanctum Praeputium

Auch im Christentum gibt es die Beschneidung, allerdings nur an seinem Beginn – und danach in Form einer bizarren Verherrlichungsgeschichte. So heißt es im zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums:

„Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde… Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.“

Seit dem frühen Mittelalter wurde deshalb am 1. Januar (am achten Tag nach Christi Geburt!) das Fest der Beschneidung des Herrn (Circumcisio Domini) gefeiert.

Im Verlauf der Jahrhunderte stieg das Sanctum Praeputiumdie „heilige Vorhaut“ – dann sogar zur Reliquie auf. Da es sich um den einzigen Körperteil handelte, der an Christi Himmelfahrt nicht mit in den Himmel aufgefahren war, wurde er zum kostbarsten Andenken, das die irdische Kirche von Gottes Sohn haben konnte.

An Weihnachten 800, so die Legende, soll Papst Leo III. das Sanctum Präputium von Karl dem Großen geschenkt bekommen haben – anlässlich seiner Kaiserkrönung in Rom (etwas ähnlich Verrücktes können sich wohl nicht einmal die Titanic oder Der Postillon ausdenken!). Karl der Große wiederum habe das gute Stück von Kaiserin Irene von Byzanz erhalten. Der beschenkte Papst bewahrte die „heilige Vorhaut“ zusammen mit anderen Reliquien in der Kapelle Sancta Sanctorum im Lateran auf – in seiner Hauskapelle. Deren Inschrift lautet: „Non est in toto sanctior orbe locus“ – Kein Ort ist heiliger als dieser auf dem ganzen Erdkreis.

Doch ganz sicher war man sich offenbar nicht, wo die Vorhaut nach der Beschneidung abgeblieben war. Im Mittelalter erhoben gleich mehrere Kirchen Anspruch darauf, die Original-Vorhaut zu besitzen.

Schließlich ist sie – nach einer weiteren Legende – bei der Plünderung Roms im Jahr 1527 von einem deutschen (!) Landsknecht aus der Hauskapelle des Papstes gestohlen worden. 30 Jahre später hat man sie in der Gefängniszelle jenes Söldners gefunden und in die benachbarte Pfarrkirche von Calcata überführt. Noch bis 1983 wurde die heilige Vorhaut dort bei Prozessionen gezeigt (was dem Vatikan sichtlich peinlich war), erst danach verschwand sie unter ungeklärten Umständen.

 

Unzeitgemäße Rituale

Das ist, wie gesagt, eine bizarre Geschichte. Sie zeigt aber äußerst anschaulich, auf welches Terrain man sich mit der Beschneidungs-Debatte auch begibt: auf das Feld des Obskurantismus und des Irrationalismus. Der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer hat alles Nötige dazu gesagt. Wir verteidigen ein Ritual, das wir nicht mehr begreifen können, wir verteidigen es, obwohl die Gründe für seine ursprüngliche Einführung (im ägyptischen Exil, in der babylonischen Gefangenschaft, in der römischen Knechtschaft?) nicht mehr existieren. Sie haben sich überlebt und sie wurden – vernünftigerweise – von klugen Kirchenleuten in unblutige Formen des religiösen Bekenntnisses umgewandelt, gewissermaßen sublimiert. Diese Modernisierungsanpassung sollte man von allen Religionen verlangen, und es gibt ja durchaus vernünftige Ansätze dazu (Brit Shalom, Jews against Circumcision, Nocirc).

 

Auch Religionen ändern sich

Artikel 24c der UN-Kinderrechts-Konvention sagt unmissverständlich:

„Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.“

Die Beschneidung von Mädchen gilt deshalb zu Recht in der EU als Straftat, die Beschneidung von männlichen Säuglingen und minderjährigen Jungen soll aber weiterhin als religiöses Brauchtum durchgehen – eine absurde Ungleichbehandlung, die vor dem Grundgesetz keinen Bestand haben kann. Deshalb sollte man die Reformer in den Religionsgemeinschaften unterstützen, nicht die Hardliner.

Im Christentum wurde das Beschneidungsritual durch das Ritual der Taufe abgelöst. Diese neue Art, den Bund mit Gott zu schließen, hat dem religiösen Leben nicht geschadet, sie hat die Ausbreitung der Religion sogar ungemein erleichtert. Schon der Apostel Paulus empfahl, die Beschneidung nur noch im übertragenen Sinne vorzunehmen:

„Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.“

Das heißt: Religionen sind nicht in Beton gegossen, sondern veränderbar. Sie gehen mit der Zeit. Nur halsstarrige Fundamentalisten klammern sich an jeden Buchstaben, der in den alten Büchern steht. So mag das unveränderliche Merkmal des Beschnittenseins die religiöse Identität eines tapferen Volkes gewahrt haben, doch dieses Ritual war auch immer eine zwanghafte xenophobe Abwehrmaßnahme gegen die „Vermischung“ mit allem Fremden. Der Brauch könnte deshalb sehr wohl von moderneren Formen des Bekenntnisses abgelöst werden, ohne dass dadurch die Erinnerung an schwere Zeiten verblassen müsste. Das Zweite Vatikanische Konzil, die große Modernisierungskonferenz der Katholiken, schaffte z.B. das Fest zur Beschneidung des Herrn 1962 ab, doch Papst Benedikt XVI. ließ das Gedenken an die heilige Vorhaut (am Oktavtag) wieder zu – im Jahr des Herrn 2007!

Soll sich der geistig-religiöse Rollback nun im Gewand einer missverstandenen Aufklärung fortsetzen dürfen? Soll säkulare Politik dieses ganze Gewese um Rituale und Reliquien, das von den Liturgiereformen der Moderne abgeschafft wurde, auch noch unterstützen – in Form eines Toleranzedikts? Und müssen die Grünen, die Sozialdemokraten, die Liberalen und die der Aufklärung verpflichteten Medien (wie DIE ZEIT - siehe Jan Ross, und die SZ – siehe Heribert Prantl) dabei mithelfen?

 

Die (Rückwärts-)Rolle des Bundestags

Der Deutsche Bundestag – erschreckt von der Kritik wütender Religions-Funktionäre – will im Herbst die Voraussetzungen für „eine medizinisch fachgerechte rituelle Beschneidung“ schaffen. Schon der Begriff ist ein Widerspruch in sich, denn die medizinische Ethik verlangt, dass keine überflüssigen Operationen an gesunden Kleinkindern durchgeführt werden.

Der Bundestag möchte sein Toleranzedikt gern auf eine möglichst breite Grundlage stellen – und merkt nicht, dass er die moderne Gesellschaft damit spaltet. Schon die Vorschläge, wie und wo die künftige Regelung erfolgen soll – im Patientenrechtegesetz (!), im Strafrecht oder im Gesetz über die religiöse Kindererziehung – zeigen, welche juristischen Verrenkungen nötig sein werden, um auch nur halbwegs zufriedenstellende, nicht verfassungswidrige Regelungen zustande zu bringen.

Dass in der Debatte ausgerechnet der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, ein Bresche für die rituelle Beschneidung von Jungen schlägt, verwundert umso mehr, als seine Partei seit langem scharf gegen die rituelle Beschneidung von Mädchen protestiert – die medizinischen und wissenschaftlichen Aspekte des Problems müssten ihm also bekannt sein.

Beck begründet sein Eintreten für die Beschneidung – ebenso wie Prantl – damit, dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland weiterhin möglich bleiben müsse. Beide tun gerade so, als sei jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland ohne das Ritual der Kinder-Beschneidung unmöglich.

Willkommen im 21. Jahrhundert – vor Christus!

Lesen Sie dazu auch: Thomas Stadler, Die Beschneidung des Rechtsstaats sowie Eva Quistorp, Wider die postmoderne Religionspolitik (im Perlentaucher)

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47 Kommentare

  1. Art Vanderley |  22.07.2012 | 19:56 | permalink  

    “Das ist, wie gesagt, eine bizarre Geschichte”

    Kann man wohl sagen , aber immerhin hat das Thema auch etwas unfreiwillig Unterhaltsames an sich.
    Es gilt , wie immer bei solchen Themen, die Abwägung religiöser gegen andere Rechte.
    Prantl hat sowas normalerweise drauf , in diesem Fall hält er die religiösen Rechte für schwerwiegender.
    Problematisch ist nicht so sehr dieser Umstand , man muß diese Meinung nicht teilen , aber es ist eine Meinung , problematisch ist aber die Begründung , da stimme ich zu.
    Die “Gefährdung des religiösen Friedens ” als Argument ist nichts Anderes als Appeasement , und dieses bringt in aller Regel nur “kleiner Finger , ganze Hand” als Antwort hervor.
    Und wird den Frieden im Endeffekt auch nicht sichern.

    Über Beck würde ich mich nicht so sehr wundern , seine Aussagen haben auch etwas mit dem bei den Grünen stark vertretenen Radikal-Feminismus zu tun , der männliche Menschen aller Altersklassen immer als ein bißchen weniger schutzwürdig betrachtet, wobei allerdings auch nicht unterschlagen werden darf , daß die Beschneidung für Mädchen drastischere Konsequenzen hat als für Jungen
    ( was jetzt nicht heißt , daß sie einfach o.k. ist).

  2. Tim |  22.07.2012 | 20:58 | permalink  

    Was will man vom Bundestag schon erwarten.

  3. A. G. |  22.07.2012 | 21:22 | permalink  

    Sehr informativ.

    Es ist ohnehin nicht mehr zeitgemäß, die eigenen Kinder starr einer Religion zuzuordnen. Sollen die Kinder/Jugendlichen, wenn sie sich reif dazu fühlen, selbst entscheiden. Auch wenn sie (m) sich beschneiden lassen wollen.

  4. Irene |  22.07.2012 | 23:33 | permalink  

    Oh, gleich im ersten Kommentar eine Verschwörungstheorie:

    Über Beck würde ich mich nicht so sehr wundern , seine Aussagen haben auch etwas mit dem bei den Grünen stark vertretenen Radikal-Feminismus zu tun , der männliche Menschen aller Altersklassen immer als ein bißchen weniger schutzwürdig betrachtet

    Radikale Feministinnen waren z.B. früher gegen die Homo-Ehe und für die Gleichstellung nichtehelicher Lebensformen. Im Bundestag die Bibel zu zitieren und mit deren Gesetzen zu argumentieren passt auch nicht zum radikalen Feminismus. Ich halte Volker Beck eher für konservativ, und da ist seine Haltung konsequent.

    Zum Blogeintrag:

    Er merkt offenbar nicht, dass sein vermeintliches Plädoyer für multikulturelle Toleranz dem religiös-reaktionären Rollback in die Hände spielt.

    Wieso vermeintliches Plädoyer? Multikulturalismus hieße doch gerade, dass verschiedene Kulturkreise nach ihren jeweiligen Traditionen und Regeln leben dürfen, in einem gewissen Rahmen auch nach solchen, die andere als unaufgeklärt empfinden.

    Schon der Apostel Paulus empfahl, die Beschneidung nur noch im übertragenen Sinne vorzunehmen:

    Ich habe zwar keine Ahnung, wie man den Konflikt vernünftig lösen könnte, aber die Juden hier mit Paulus zu ermahnen, das ist ja noch schräger als Volker Becks Predigt im Bundestag.

  5. Vera Bunse |  23.07.2012 | 00:08 | permalink  

  6. Irene |  23.07.2012 | 00:17 | permalink  

    Hier noch die Illustration zum Artikel – hat der Autor offenbar vergessen einzubinden:

    http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/card_286015026.gif

  7. Kerstin |  23.07.2012 | 08:40 | permalink  

    “Sie haben sich überlebt und sie wurden – vernünftigerweise – von klugen Kirchenleuten in unblutige Formen des religiösen Bekenntnisses umgewandelt, gewissermaßen sublimiert.”

    Ich finde “sublimiert” keinen guten Begriff. Er entstammt der Psychoanalyse und meint dort eine Abwehrreaktion. Sicherlich waren es “kluge Kirchenleute” aus der Anfangsphase des Christentums, die die Jungenbeschneidung nicht übernahmen. Nun waren wir damals alle dabei, um die Gründe dafür zu erfahren. Ein Grund könnte aber natürlich sein, dass – gerade bei dieser explizit missionarischen Religion – der Grund ganz einfach gewesen ist: Erfolgreichere Mission.

  8. Wolfgang Michal |  23.07.2012 | 12:38 | permalink  

    @Irene: Die Juden mit Paulus zu ermahnen ist gar nicht nötig (was die Mission angeht, so haben Sie recht, das war wohl der Hauptgrund. Steht aber auch schon im Text). Der Verweis auf Paulus soll lediglich zeigen, dass Rituale, mit denen etwas Bestimmtes ausgedrückt werden soll, im Laufe der Zeit andere Formen annehmen können. Ich finde z.B. die Reform-Idee von Brit Shalom sehr gut. Ist oben verlinkt. Auch der FAZ-Text übrigens.

  9. Klaus Jarchow |  23.07.2012 | 14:38 | permalink  

    Die Beschneidung aus religiösen Gründen steht auf der gleichen Stufe wie das Brandzeichen für Rinder auf einer Ranch in Texas. Letztlich ist es ein Eigentumsvermerk.

    Mit 18 Jahren wäre ein Mensch bei uns volljährig. Der fromme Jüngling soll dann frei entscheiden dürfen, ob er sich den Schniedelwutz kupieren lassen will. Aber bitte nicht auf Kosten der Krankenkassen …

  10. gunther |  23.07.2012 | 17:58 | permalink  

    “Religionen sind nicht in Beton gegossen, sondern veränderbar. Sie gehen mit der Zeit.” Sicherlich. Wird die Beschneidung jedoch verboten, gehen sie nicht eigenständig, sondern werden gegangen.

  11. Oma Kruse |  23.07.2012 | 18:18 | permalink  

    Das sind alles schöne Worte Herr Michal,

    aber wer aus der Beschneidung eine Körperverletzung macht, der fordert, dass Eltern ins Gefängnis gesteckt und ihnen die Kinder entzogen werden. Denn das ist am Ende die Konsequenz.

    Es ist schade, dass Sie die spirituelle Bedeutung dieses Rituals für Juden und Muslime nicht nachvollziehen können und die Anhänger dieser Religionen für – ich zitiere – “halsstarrig” und “archaisch” halten, aber können Sie nicht trotzdem verstehen, dass andere Menschen andere Vorstellungen haben als Sie? Müssen Sie jedem per Strafandrohung Ihre persönliche Sicht der Dinge aufzwingen? Fordern Sie demnächst die Abschaffung der Taufe oder richtet sich Ihr Furor nur gegen Judentum und Islam? Und was bitte schön gehen Sie die Geschlechtsteile fremder Knaben an?

  12. Wolfgang Michal |  23.07.2012 | 18:25 | permalink  

    @Oma Kruse: Ihre letzte Frage gebe ich gern an Sie zurück ;-)
    @gunther: Vermutlich wird es kein Verbot geben, aber eben auch keine gesetzliche Erlaubnis. Natürlich wäre es besser, wenn die Reform aus der Religion heraus entstünde. Vielleicht im Sinne des Arztes, der (siehe Link in Kommentar #5) zu diesem Problem eine vernünftige und vermittelnde Auffassung hat.

  13. Oma Kruse |  23.07.2012 | 18:31 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Nee, nee, Sie dürfen die Frage gerne solange behalten, bis Sie sie beantworten ;-)

  14. Wolfgang Michal |  23.07.2012 | 18:35 | permalink  

    @Oma Kruse: Ich nehme nur ernst gemeinte Fragen an ;-)

  15. Oma Kruse |  23.07.2012 | 18:46 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Nun denn, was treibt Sie an, wichtige Rituale religiöser Minderheiten in unserem Land verächtlich zu machen? Und warum möchten Sie, dass Eltern, die ihre Religion an ihre Kinder weitergeben, dafür bestraft werden? Warum glauben Sie, besser als Juden und Muslime zu wissen, wie deren Glauben gestaltet werden soll? (Ich hoffe, das ist ernsthaft genug, oder wollen Sie wieder ausweichen?.)

  16. Art Vanderley |  23.07.2012 | 18:51 | permalink  

    @ Irene

    “Oh, gleich im ersten Kommentar eine Verschwörungstheorie:”

    Genau , und die Mondlandung war auch nicht echt….

  17. Wolfgang Michal |  23.07.2012 | 19:02 | permalink  

    @Oma Kruse: Warum sollte ich Fragen beantworten, in denen mir “Verächtlichmachung” von Religion unterstellt wird? Die Problematik steht ja deutlich genug im Beitrag. Gegenfrage: Würden Sie als Oma denn dem Reformvorschlag von Brit Shalom zustimmen? Oder dem des Arztes, der in der FAZ vorschlägt, die Kinder selbst entscheiden zu lassen?

  18. Oma Kruse |  23.07.2012 | 19:22 | permalink  

    Also keine Antwort von Ihnen. Das dachte ich mir schon. Denn natürlich machen Sie Judentum und Islam verächtlich, sofern es nicht so gelebt wird, wie Sie es gerne hätten.

    Ich aber will Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage geben: Wenn Juden oder Muslime auf die Beschneidung verzichten wollen, dann ist das gut. Wenn nicht, dann ist das genauso zu respektieren. Das ist eine Gewissensfrage der Eltern und der Staat und die Gesellschaft müssen den Eltern die Freiheit gewähren, nach ihrem Gewissen zu entscheiden und den Religionsgemeinschaften ihre Theologie frei weiterzuentwickeln.

    Für mich ist es eine unschöne Überraschung zu sehen, wie weit das Gedankengut von PI und Pro Deutschland inzwischen schon in die Mitte der Gesellschaft gesickert ist. Ich hätte vor zwei Monaten nicht gedacht, dass so eine chauvinistische Hasskampagne gegen Juden und Muslime in Deutschland möglich wäre, zumal aus der Mitte der Gesellschaft, aber man wird doch immer wieder eines schlechteren belehrt.

    Das war’s. Gehaben Sie sich wohl Herr Michal!

  19. Jetzt, plötzlich sind wir gegen Beschneidungsrituale. Diese ganze einseitige Diskussion... - Webstreit |  23.07.2012 | 21:55 | permalink  

    [...] Die eingeschüchterte Aufklärung — CARTA Ist es ein Zeichen von Toleranz, die Beschneidung von Kindern zu erlauben? Oder weicht die Aufklärung vor der Auseinandersetzung mit einem überlebten Brauchtum zurück? Einige Anmerkungen zu Heribert P… [...]

  20. Paul Ney |  24.07.2012 | 00:20 | permalink  

    Carta entwickelt sich zu einem Universal-Blog. Das ist bloß eine Feststellung und sicherlich keine kritik. Eine Handelsfirma kann sich z.B. dem Handel mit allen möglichen Waren verschreiben und kündigt das auch im Impressum an. Und auch ein medien-politisches Blog kann eine Fachdebatte eröffnen, um die entspr. Vorgänge in der Medienbranche besser zu verstehen.

    Vor ca. 20 Jahren las ich mal einen Titel wie “Kontakte zu Außerirdischen Unsinn” in der Gerichtsrubrik einer Zeitung. Und siehe, der Titel hatte weder mit dem Fall noch mit der Gerichtsentscheidung (GE) etwas zu tun. Da bot jemand bezahlte Seminare zum Thema Außerirdische an und dagegen wetterte eine gegnerische Gruppe; der Streit landete beim Gericht. Oft entstehen heftige Debatten — gut so, im Streit erkennt man die Wahrheit! — und sie haben nichts mit dem Auslöser zu tun. Und doch ist der Auslöser auch diskussionswürdig.

    Die Beschneidung kann man m.E. den etablierten Religionsgemeinschaften (RG) — auch wenn die eine (noch) keine öffentlich-rechtliche RG ist, während eine sog. neukirchliche RG sich mal auch melden könnte — in einem zivilierten Rahmen der modernen Demokratie zubilligen bzw. lassen. Das Thema steht beim Deutschen Bundestag im Herbst auf der Agenda, nicht wegen dem Sommerurlaub, sondern weil es doch kompliziert ist.

    Thomas Stadlers Carta-Beitrag vom 17.07.2012 verlinkte (über justiz.nrw.de) auch das Urteil des LG Köln 151-Ns-169/11 vom 07.05.2012. Schöne Geste! Aber zum Verständnis des Textes bräuchte man m.E. auch die Akten der Vorinstanz! Also hat ein Arzt eine Beschneidung als chirurgischen Routineeingriff ausgeführt, eine (in diesem Falle sehr erhebliche) klinische Nachbehandlung war erforderlich, wonach die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wg. Verdacht auf Körperverletzung im Sinne des StGB eingeleitet hat. Das AG Köln sowie das LG Köln haben den Arzt freigesprochen. Selbstverständlich wurde dabei die Beschneidung — die Praxis ist in Deutschland ein “offenes Geheimnis” — mitdiskutiert. Manche Ärzte sind besorgt, daß auch gegen sie ein Strafverfahren eröffnet wird, sollte sich eine Nachbehandlung als erforderlich erweisen.

    Wird jemand gegen die hohen Stöckelschuhe, die Frauen per Mode vorgeschrieben ;-) werden, vorgehen, da diese auch negative Gesundheitsfolgen — Beine, aber auch Beckenbereich — haben können? Diese Mode entspricht dem Sozialadäquanz, den Vergleich mit der altchinesischen Sitte des Fußverschnürens sollte man daher lassen.

  21. Felix Brettschneider |  24.07.2012 | 10:33 | permalink  

    @Paul Ney: Hohe Stöckelschuhe bei kleinen Mädchen? Ist das in Ihrer Gegend üblich?

  22. Falk D. |  24.07.2012 | 11:08 | permalink  

    @20 (Paul Ney): StöckelschuträgerInnen* sind häufig Einsichts- und Einwilligungsfähig, zumindest vom Alter her.
    Außerdem sind die Fußfehlstellungen relativ gut mit umso hässlicheren Schuhen und Einlagen therapierbar, während dem beschnittenen Knaben auch als erwachsenem Mann die Masturbation erschwert bleibt.

    * das Binnenmajuskel musste jetzt mal sein!

  23. Wolfgang Michal |  24.07.2012 | 22:21 | permalink  

    @Paul Ney: “Universalblog” klingt interessant (wenn damit gemeint ist, dass wir uns nicht auf VDS, Netzpolitik, Leistungsschutzrecht etc. beschränken). Aber ich denke, auch bei obigem Thema geht es uns um Medienwandel, Politik, die Ansprüche an die Verfassung, die Teilhabe an der Debatte, das Beleuchten von Widersprüchen. Stadler hat das mit seinem Beitrag gut auf den Punkt gebracht.

  24. Paul Ney |  27.07.2012 | 01:45 | permalink  

    [Hype, Hype, hurra!]

    @ #21, comment-30686, Felix Brettschneider am 24.07.2012 10:33
    «@Paul Ney: Hohe Stöckelschuhe bei kleinen Mädchen?» Also mein letzter Absatz bezog sich auf die großen Mädchen… Aber es gibt auch (kleine Mädchen prägende) Barbie- und andere Puppen mit solchen Schuhen, vllt. suchen Sie einen Spielzeugladen «in Ihrer Gegend» auf…

    @ #22, comment-30687, Falk D. am 24.07.2012 11:08
    «Einsichts- und Einwilligungsfähig», sehr häufig kommt diese Filmszene vor: Frau kommt in einem Raum an und als erstes schmeißt sie die “Stelzen” in großem Bogen… Für orthopädische Schuhen gibt es medizinische Indikation.
    Masturbation: In den vielen (in Beschneidungs-Artikeln angeführten) Literatur-Titeln kommt das Wort gar nicht vor, also könnte man vergleichende Studien mit und ohne schreiben…

    @ #23, comment-30694, Wolfgang Michal am 24.07.2012 22:21
    Universalblog, ja, auch wie Sie darstellen. Debatte: Ich habe z.B. die Anne Will Talkshow vom 11.07.2012 (ARD, 22:45-24:00, [[daserste.ndr.de/annewill/]]) in Teilen gesehen. Es war heftig. Aber Anne Will hat die Runde leider nicht mit der Frage “Wer hat denn das Urteil ds LG Köln gelesen und verstanden?” eröffnet. ;-)
    «Stadler hat das mit seinem Beitrag gut auf den Punkt gebracht.» Ja, einverstanden. Aber auch mein juristischer Kommentar läßt sich sehen, oder? ;-)
    (Hat hier etwa die Debatte aufgehört, weil ich auf die drei Anmerkungen noch nicht geantwortet habe?!)

  25. Vera Bunse |  27.07.2012 | 06:40 | permalink  

    @Paul
    Natürlich, DREI nicht beantwortete Anmerkungen, das bringt einfach alles zum Erliegen. Guten Morgen ,)

  26. Falk D. |  27.07.2012 | 10:09 | permalink  

  27. Falk D. |  27.07.2012 | 10:18 | permalink  

    Die Beschneidung wird spätestens bis 3001 abgeschafft http://www.circumstitions.com/3001.html , auch wenn Clarke mit 2001 und 2010 bezüglich unserer technischen Fähigkeiten etwas zu optimistisch aber auf unsere Friedensituation zu pessimistisch war.

  28. Oma Kruse |  27.07.2012 | 10:26 | permalink  

    @Falk D.: Den Intoleranten ist aber auch nix zu blöd, um gegen Juden und Muslime zu stänkern …

  29. Wolfgang Michal |  27.07.2012 | 12:38 | permalink  

    Wie mir eine aufmerksame Leserin mitteilt, soll das Paulus-Zitat „Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden…“ auch im fünften Buch Mose stehen – und damit in der Thora. Danke für den Hinweis.

    Ich glaube aber, dass die außergewöhnlich heftige Auseinandersetzung sehr viel mehr aus der Gender-Debatte gespeist wird (Männerrechtsbewegung!) als aus anti-religiösen Motiven, d.h. das Gleichbehandlungspostulat, die Kinderrechtsfrage, die Grundrechte spielen eine viel größere Rolle als es die sich angegriffen fühlenden Religionsgemeinschaften vermuten. Es ist im Kern keine religiöse, sondern eine säkulare Debatte. Dass sich auch Antisemiten und Islamophobe in die Debatte drängen und die Beschneidung entsprechend “aufladen”, ist bedauerlich.

  30. Horst Schulte |  28.07.2012 | 10:19 | permalink  

    Es ist im Kern keine religiöse, sondern eine säkulare Debatte. Dass sich auch Antisemiten und Islamophobe in die Debatte drängen und die Beschneidung entsprechend “aufladen”, ist bedauerlich.

    Vielleicht erscheint es wie eine säkulare Debatte. Aber eher vielleicht weil sie aus anti-religiösen Motiven geführt wird. Mich überrascht und erschreckt die Unverrückbarkeit der Standpunkte gegen religiöse Handlungen, weil sie auch andere als rechtliche oder moralische Motive offenbaren. Nicht die schlimmste Ausprägung sind die erkennbar antisemitischen und islamophoben. Der Wert Toleranz wird immer weiter entwertet.

  31. Wolfgang Michal |  28.07.2012 | 12:42 | permalink  

    @Horst Schulte: Ich glaube nicht, dass anti-religiöse Motive eine so überragende Rolle spielen.Es gibt sie natürlich, aber ich denke, es sind eher nicht-religiöse Motive. Wenn Sie die Erklärung der niederländischen Ärzte lesen (ist oben verlinkt), dann spielen da anti-religiöse Motive keine Rolle. Auch beim schwedischen Gesetz nicht. Manche Religiöse nehmen etwas vorschnell an, dass sich alles immer nur um sie dreht. Es könnte doch auch sein, dass für sehr viele Menschen diese uralten (und sehr wohl zeitgebundenen) Religionen schon sehr weit weg sind von ihrer Lebenswirklichkeit. Lesen Sie die Bibel (etwa das fünfte Buch Mose), dann erkennen Sie es!

  32. linsenspaeller |  29.07.2012 | 11:24 | permalink  

    Ist Toleranz denn ein Wert an sich? Toleranz als Beschneidung (!) von Willkür aufgefaßt würde prima in diese Diskussion passen.

  33. Art Vanderley |  29.07.2012 | 17:44 | permalink  

    “Ist Toleranz denn ein Wert an sich? Toleranz als Beschneidung (!) von Willkür aufgefaßt würde prima in diese Diskussion passen.”

    Genau – Toleranz wird auch gerne mal vorgeschoben , wenn es um eigene Sonderrechte geht.
    Mit der Toleranz gegen Andere ist es dann oft nicht mehr so weit her.

  34. linsenspaeller |  29.07.2012 | 17:59 | permalink  

    Die Worte Toleranz und Intoleranz bezeichnen ja den Umgang mit derselben Grenze und insofern ist es eine semantische Angelegenheit, ob man sich einem Thema von der Position der Toleranz oder der Intoleranz her nähert. Es ist erstaunlich, welch verschiedene “gefühlte” Lasten auf diesen beiden Begriffen lagern. Wenn eine Gesellschaft es prizipiell erlaubt, darüber zu diskutieren, ob Grenzen überschritten sind oder Grenzwertigkeit vorliegt, dann liegt in dieser Freiheit automatisch auch ein Grad an Variabilität der Grenzen selber. Und darin verbirgt sich nicht weniger als die Fähigkeit der Menschen, sich an ihren Problemen zu entwickeln. Da ist es mir doch egal, ob moralisch ein Wert oder eine Untugend vorliegt.

    Ob man Jude ist etwa, bestimmt sich danach, wo man herkommt und wo man hin will, nicht aber danach, ob man ein für das Judentum spezifisches Stigma am Körper trägt. Deswegen ist es ja aus religiöser Sicht eigentlich nicht möglich zu konvertieren. Formal schon, ja, aber man bleibt ewig ein Konvertit. Sogar als Ehemann.

  35. Art Vanderley |  30.07.2012 | 20:46 | permalink  

    Nicht nur religiöse Riten haben die Tendenz , ewig zu leben , auch wenn sie seit langer Zeit völlig sinnentleert sind.

  36. Oma Kruse |  30.07.2012 | 21:15 | permalink  

    @Art Vanderley: Bloß weil sich Ihnen mangels Bildung der Sinn eines religiösen Rituals nicht erschließt, ist es nicht sinnentleert. Bilden Sie sich einfach weiter – und sei es in der Wikipedia – dann erschließt sich vielleicht sogar Ihnen der Sinn. Nur zu!

  37. Linkschleuder (25) | Die Welt ist gar nicht so. |  30.07.2012 | 22:42 | permalink  

    [...] Ist es ein Zeichen von Toleranz, die Beschneidung von Kindern zu erlauben? (danke, plomlompom) [...]

  38. Art Vanderley |  31.07.2012 | 17:58 | permalink  

    @ Oma Kruse

    Dämliche Attacken auf Andersdenkende , Sie selber scheinen ja extrem gebildet zu sein…

  39. Oma Kruse |  31.07.2012 | 18:16 | permalink  

    @Art Vanderley: Extrem gebildet. Aber ich möchte Sie nicht mit Details einschüchtern.

  40. Oma Kruse |  31.07.2012 | 18:28 | permalink  

    @Art Vanderley. In der Tat. Ich verstehe jetzt aber nicht ganz, was Ihr Statement zur Sache tut? Habe ich Sie beim Verächtlichmachen anderer Religionen gestört? Meinen Sie das mit, ich zitiere “Dämliche Attacken auf Andersdenkende”?

  41. Oma Kruse |  01.08.2012 | 11:49 | permalink  

    Vielleicht wirklich kein Thema für Carta, die Sache mit der Beschneidung. Ich schätze ja Carta für originelle Beiträge zum Thema Medien und Politik, aber in Sachen Beschneidung sind hier genau die gleichen Argumente gefallen, wie überall anders auch. Vielleicht sollte sich Carta doch mehr auf die Kernkompetenz konzentrieren?

  42. Art Vanderley |  01.08.2012 | 17:35 | permalink  

    @ Oma Kruse

    zu #39

    Jetzt hab ich aber Angst…

    zu#40

    Sachlichkeit? Gerne , wenn Sie welche anbieten.

  43. Wolfgang Michal |  01.08.2012 | 18:48 | permalink  

    Der (mediale und politische) Rückzug der Aufklärung ist geradezu ein klassisches Carta-Thema. Die Kontroverse um die überlieferte Beschneidungspraxis ist nur der Anlass, darüber zu schreiben.
    Persönliche Beleidigungen sollte man in den Kommentaren unterlassen. Argumente genügen vollkommen. Es gibt bei Carta einen Kommentarkodex – siehe Menüzeile ganz unten!

  44. Oma Kruse |  01.08.2012 | 19:18 | permalink  

    @WM: Naja, Sie sind der Verleger und damit ist es letzten Endes Ihre Entscheidung, was ein Carta-Thema ist oder nicht. Als einfache Leserin würde ich Ihnen aber abraten. Hat die Welt wirklich auf den x-ten Aufruf gewartet, die Glaubenspraxis von Juden und Muslimen als archaisch und barbarisch in den Dreck zu ziehen? Ich glaube nein. Lassen Sie das doch PI und Co machen und nehmen Sie lieber den Kampf gegen den Niedergang des Journalismus auf!

  45. Mariam |  14.08.2012 | 14:53 | permalink  

    Ein sehr informativer Beitrag. Vielen Dank!

    In ihrem Artikel sagen sie, dass man die Modernisierungsanpassung von allen Religionen verlangen sollte und dass es auch schon einige Ansätze gibt.
    Schön und gut. Was schwierig sein wird, ist es von den Moslemen solch eine Modernisierungsanpassung zu verlangen. Es wird von Generation zu Generation durchgeführt und dann zu verlangen, dass dies verändert werden soll wird nicht einfach sein.
    Das Thema ist mittlerweile standartisiert und lässt sich wohl in nächster Zeit auch nicht abschaffen.

    In diesem Sinne wünsche ich noch eine angenehme und schöne Woche!

  46. Irene |  25.08.2012 | 22:31 | permalink  

    Noch ein später Kommentar:

    Dass es mich ein wenig gruselt, wenn jemand den Juden mit Petrus kommt, hat auch damit zu tun, dass das für mich als gelernte Katholikin (wenn auch mittlerweile Ex-) eine Art von Rückfall hinter das Zweite Vatikanische Konzil ist, und das auch noch im Namen der Aufklärung.

    Nachsitzen, Herr Michal!

    In der Online-Haaretz gabs übrigens damals einen lehrreichen Nachruf auf Johannes Paul II.

  47. 68er |  04.09.2012 | 14:33 | permalink  

    Ergänzend möchte ich auf einen Artikel in der FAZ hinweisen.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ethikrat-jacobs-beschneidung-11875890.html

    Dort wird berichtet, dass bei der letzten Sitzung des Ethikrates der Anästhesist Leo Latasch, Mitglied des Deutschen Ethikrates, Mitglied des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland zur Veranschaulichung der Harmlosigkeit von Beschneidungen ein Video vorgeführt hat, das eine Beschneidung nach jüdischem Ritus zeigt. Friederike Haupt von der FAZ weist in dem Artikel darauf hin, dass das Video offenbar gekürzt wurde und in der ungekürzten Variante, die bei Youtube zu finden ist, zu erkennen ist, dass dort nicht die übliche Variante gezeigt wird sondern die Variante einiger ultraorthodoxer Juden, die sogenannte “Metzitzah B’peh”:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Brit_Mila#Ultraorthodoxes_Ritual_Metzitzah_B.27peh

    bei der der Mohel nach der Beschneidung das Blut vom Penis des Neugebohrenen mit dem Mund absaugt.

    Ich finde es schon bedenklich, wenn ein “Experte” vor dem Ethikrat überhaupt ohne darauf hinzuweisen ein gekürztes Video zeigt. Wenn er dabei ein Video verwendet, dass eine Abart des Ritus zeigt, der in der Vergangenheit die Infektion vieler Kinder mit Herpes und sogar den Tod zweier Kinder in den USA verursacht hat, muss sich der Zentralrat der Juden ernsthaft Gedanken machen, ob Herr Latasch ein würdiger Vertreter in diesem Rat ist.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/beschneidung-in-den-usa-ist-es-routine/6806704.html

    Ganz absurd wird es, wenn man sich das ungekürzte Video auf Youtube ansieht (ab 3:40 Min sollte man nicht weiter sehen, da die dort gezeigten Handlungen den objektiven Straftatbestand des § 179 StGB erfüllen) und in der Videobeschreibung liest, dass das dort beschnittene Kind angeblich aus der Familie des russisch-israelischen Rechtsaussen Avigdor Eskin stammen soll. Dieser war kurz vor der Ermordung Yitzak Rabins dadurch aufgefallen, dass er zusammen mit anderen Rabbinern einen Bann (sozusagen eine jüdische “Fatwa”) gegen Rabin ausgesprochen hatte.

    Wegen antiislamischer Aktionen ist Eskin in der Vergangenheit bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

    http://www.haaretz.com/weekend/magazine/we-won-1.323092

    Ob die Behauptung zum Verhältnis Eskins zu Anders Breivik bei Wikipedia stimmen, kann ich nicht einschätzen:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Avigdor_Eskin

    Diese unsensible Vorgehensweise Lataschs erinnert mich in unangenehmer Weise an die Vorgehensweise der katholischen Kirche, wenn diese mit Kritik konfrontiert wird.

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