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Wolfgang Michal

Griechenland wählt – deutsche Zeitungen im Schockzustand

 | 20 Kommentar(e)


Die Presse gibt uns wieder mal eine Lehrstunde in Demokratie. Hier eine Auswahl der Überschriften auf den Titelseiten der Samstagszeitungen.

16.06.2012 | 

Demokratie – das heißt für deutsche Überschriftenmacher offenbar: Notfallpläne rausholen, Schockwellen, Erdbeben, bange Blicke, großes Zittern, Angst. Und dabei sind die Überschriften in den Wirtschaftsteilen noch gar nicht berücksichtigt…

  • „Griechenland wählt, Europa bangt“ (Süddeutsche Zeitung, Aufmacher)
  • „Notenbanken rüsten sich für Marktschock“ (FAZ, Seite 1 Spitzenmeldung)
  • „Griechen-Wahl: Notenbanken bereiten sich auf Euro-Beben vor“ (Hamburger Abendblatt, Aufmacher)
  • „Griechen wählen – EU Mit Notfallplan“ (Rheinische Post, Seite 1)
  • „Das große Zittern vor der Wahl in Griechenland“ (Stuttgarter Zeitung, Aufmacher)
  • „Bange Blicke nach Athen“ (Rhein-Zeitung, Seite 1)
  • „Angst vor weltweiter Schockwelle“ (Augsburger Allgemeine, Aufmacher)
  • „Welt rüstet sich für Athener Beben“ (Berliner Zeitung, Seite 1)

Eine Bitte an Carta-Leser: Ergänzen Sie, mit welchen Überschriften auf Seite 1 Ihrer Zeitung über die bevorstehenden Wahlen berichtet wird.

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20 Kommentare

  1. jensbest |  16.06.2012 | 20:46 | permalink  

    Die 19oo Uhr heute-”Nachrichten” haben dem deutschen Volk eingebleut, dass im Falle eines Sieges von Tsipras ALLES vorbei ist.

    Bei völligem Verzicht auf inhaltliche Eigenanalyse gibt das ZDF schlicht die Propaganda des Troika weiter.

  2. PeterKubert |  16.06.2012 | 21:42 | permalink  

    Geht es hier um Demokratie oder um Geld? Um wessen Demokratie? Um wessen Geld?

    Also, in meinem ganz persönlichen Leben spielen u.a. Dinge eine Rolle wie “Miete”, “Gesundheit”, “Nebenkosten”, “etwas zu essen” sowie “Mobilität”.

    Ich gehe sogar noch weiter: Ich bin Geldsammler. Ich sammle Geld, damit meine Nachfahren mal nicht so sehr abhängig sind von “Miete”, “Gesundheit”, “Nebenkosten”, “etwas zu essen” sowie “Mobilität” wie ich es derzeit bin. Und dieses Geld versteuere ich.

    Bin ich deswegen Heuschrecke oder Demokratiefeind? Meinetwegen kann die griechische Bevölkerung demokratisch handeln – aber bitte nicht mit Hilfe meines Geldes. Was sich derzeit leider abzeichnet, ist, dass die griechische Bevölkerung sich selbst als Geisel nimmt. Sie hält sich selbst die Pistole an die Schläfe und sagt: “Wollt ihr wirklich, dass wir sterben? Mitten in Europa, und in dieser Zeit? Wenn ihr das nicht wollt, dann lasst uns doch einfach leben wie bisher – und gebt uns euer Geld, von dem ihr eigentlich eure Miete, Gesundheit, Nebenkosten, etwas zu Essen sowie Mobilität bezahlen wolltet.”

    Der Autor des obigen Textes scheint noch niemals Steuern gezahlt oder sonderlich viel Geld nach Hause gebracht zu haben. Ist zumindest mein Eindruck. Die Griechen können gerne eine neue Währung wählen – zusammen mit einer neuen Regierung. Viel Spaß und Erfolg mit der Drachme, aber bitte ohne mein Geld.

  3. Wolfgang Michal |  16.06.2012 | 21:54 | permalink  

    @PeterKubert: “Der Autor des obigen Textes scheint noch niemals Steuern gezahlt oder sonderlich viel Geld nach Hause gebracht zu haben. Ist zumindest mein Eindruck.”
    Manchmal täuscht ja der eigene Eindruck ;-)

    Im ganz persönlichen Leben der meisten Griechen geht es übrigens um genau das, was Sie oben für Ihr Leben beschreiben. Wollen Sie etwa diese Griechen dafür verantwortlich machen, dass die griechische Regierung, dass die reichen griechischen Nichtsteuerzahler, dass die griechischen Banken Mist bauen?

    Vielleicht wollen die Griechen deshalb eine andere Regierung?

  4. PeterKubert |  16.06.2012 | 22:12 | permalink  

    @Wolfgang Michal:.

    Ja, will ich. Wenn eine Bevölkerung eine schlechte Regierung gewählt hat, die über Jahre die Interessen der Bevölkerung nur unzureichend vertritt, dann trifft auch die Wähler eine große Schuld. Ich habe die von Ihnen beschriebenen Steuersünden der Griechen jedenfalls nicht zu verantworten.

    Natürlich haben auch die europäischen Kollegen die Grenzen des fiskalisch Verträglichen in Sachen Schuldendisziplin weit übertreten. Und dafür werden alle europäischen Volkswirtschaften noch lange zu zahlen haben – zurecht.

    Was mir aber nicht einleuchtet: Wie schnell lässt sich das griechische Staatswesen modernisieren, wie schnell werden die Griechen diesen Wandel vollziehen können, und wie viele Jahre sollen die Euro-Länder jeden Monat Milliarden um Milliarden Euro nach Athen schicken? Es ist ja nicht so, als hätten die Euro-Länder den Dauerauftrag nach Athen schon akzeptiert und verrechnet. Das Geld als solches fällt nicht vom Himmel, es muss von jemand bitter erarbeitet werden.

    Also, ich schicke lieber mein Geld nach Afrika, um die dortigen Volkswirtschaften und Demokratien zu stützen. Denn dort sterben tatsächlich Menschen, weil sie nichts haben. In Griechenland stirbt wegen Geldmangel noch niemand.

  5. Marc |  17.06.2012 | 01:22 | permalink  

    @PeterKubert

    Sagen sie mir mal bitte, weshalb sie so unvernünftig waren, eine Regierung zu wählen, die eine Währungsunion mit Weichwährungsländern eingegangen ist? Ich brauche nicht einmal einen Taschenrechner, um fest zu stellen, dass Geldverbrennen eine effektivere Methode der Geldvernichtung ist.

    Sie verlieren ihr kostbares Geld? Oh, da sind sie aber sowas von selbst schuld!

  6. @botot |  17.06.2012 | 01:29 | permalink  

    Und ein jeder, der saziki und sirtaki unfallfrei aussprechen kann, ist Griechenland-Experte

  7. @botot |  17.06.2012 | 01:40 | permalink  

  8. Liveblogging zur Parlamentswahl in Griechenland |  17.06.2012 | 09:42 | permalink  

    [...] Spanien Schulden und macht mit einer Graphik den Rekordanstieg deutlich. Wolfgan Michal nimmt auf Carta die deutschen Zeitungen aufs Korn und kritisiert den Schockzustand der Medien. Egghats Umfrage zum [...]

  9. Ede |  17.06.2012 | 10:24 | permalink  

    “Griechisches Drama – nächster Akt”
    Der Tagesspiegel, Berlin, 17.6.12

  10. Wahl in Griechenland: Europa zittert vor … der Demokratie. Und zwar zurecht. | Der Nachrichtenspiegel |  17.06.2012 | 12:45 | permalink  

    [...] Carta-info hat zusammengetragen, was ich heute morgen zusammentragen wollte: von “Marktschock” und “Eurobeben” ist da die Rede, “Bange Blicke” voller “Zittern” zeugen von der “Angst vor weltweiter Schockwelle”  kurz: ALLES IST VORBEI! [...]

  11. Sascha |  17.06.2012 | 12:57 | permalink  

    @PeterKubert

    “Wenn eine Bevölkerung eine schlechte Regierung gewählt hat, die über Jahre die Interessen der Bevölkerung nur unzureichend vertritt, dann trifft auch die Wähler eine große Schuld. Ich habe die von Ihnen beschriebenen Steuersünden der Griechen jedenfalls nicht zu verantworten.”

    Ich würde mich sehr interessieren, ob sie damit auch beispielsweise den Marshall-Plan abgelehnt haben oder der Meinung sind, den Schuldenerlass, welchen Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg erfahren hat (mehr dazu hier: http://www.fr-online.de/schuldenkrise/schuldenerlass-wie-griechenland-bei-der-rettung-deutschlands-half,1471908,11569276.html) sei ungerecht gewesen. Schließlich sind weder die Griechen oder andere Europäer noch die USA an unseren Sünden schuld gewesen.

    Außerdem frage ich mich, wieviel Sie persönlich bisher nach Griechenland überweisen mussten. Ich jedenfalls habe noch kein Schreiben erhalten, in dem ich eine Patenschaft oder ähnliches für ein Stück des griechischen Staates übernehmen müsste. Auch habe ich nicht den Eindruck, dass Geld aus Arbeit entstehe (ihr Vermieter beispielsweise arbeitet doch recht wenig dafür, dass er von Ihnen jeden Monat Geld bekommt. Und warum erhalten Sie auf ihr Sparkonto Zinsen? Arbeiten Sie für diese einmal die Woche in ihrer Hausbank?).

    Ich möchte, dass es meinen Nachbarn genau so gut geht wie mir (das verringert den Neid und meine Verlustängste). Ich glaube nicht, dass es mir besser geht, wenn die Müllers von Gegenüber plötzlich auf der Straße betteln müssen. Als Nachbar hilft man sich. So ist das nunmal. Und in Europa sind meine Nachbarn halt auch die Griechen.

  12. Wolfgang Michal |  17.06.2012 | 15:21 | permalink  

  13. Paul Ney |  17.06.2012 | 18:23 | permalink  

    [Frankreich wählt auch heute] und zwar die Nationalversammlung, also die Legislative. Davon hängt die Machtposition des neuen Präsidenten, aber auch die Konfiguration der politischen Landkarte in Europa ab. François Hollande hat vor ein paar Tagen Mario Monti in Italien besucht und prompt gab es Spekulationen über eine Paris-Rom-Achse… Wer möchte, kann z.B. über Astra französische Wahlberichte oder auch CNN-Kommentare usw. verfolgen.

    Origineller und schön bebilderter Beitrag von Stefanie Bolzen und Jan Hildebrand, “Euro-Endspiel: Merkel vs. Hollande – Entscheidung am linken Flügel” vom 15.06.2012: «”Welt Online” stellt die Spieler und ihre Positionen vor.»
    [[www#welt.de/politik/ausland/article106607796/Merkel-vs-Hollande-Entscheidung-am-linken-Fluegel.html]]
    (nicht-klickbare Links in [[+]]-Klammern)

  14. Netz-Infos zur Griechenlandwahl — CARTA |  17.06.2012 | 20:22 | permalink  

    [...] Zeitungen überschlagen sich, der Rest ist Schweigen. Hier einige [...]

  15. Einheitsbrei « …Und So Zeug |  18.06.2012 | 17:35 | permalink  

    [...] oder Absicht – ich weiss nicht, was schlimmer wäre.  Die Holzmedien sind da natürlich mit dabei, keine Frage. Die Euro-Befürworter haben also die Wahlen gewonnen… Ich dachte, der Tzirpas [...]

  16. JakobderJunge |  18.06.2012 | 20:12 | permalink  

    Hat schon Jemand sich geäußert,das es ihm wurst ist,wen o. was die Griechen wählen,oder was mit dem Euro passiert ?
    Nein ?
    Dann tue ich das jetzt;

    : mir ist es wurst !

  17. H.Ewerth |  18.06.2012 | 22:00 | permalink  

    Was auch hier immer wieder in den Kommentaren zum Ausdruck kommt, nur die Griechen müssen sich ändern? alle die an dieser Misere eine Mitschuld tragen nicht? Wer hat denn den Griechen ein drastisches Spardiktat verordnet, und obwohl man sehen kann, dass es nicht wirkt, trotzdem daran festhält? Daran aber war Griechenland nicht alleine beteiligt, aber alle zeigen mit dem Finger nur nach Griechenland?
    Solange der Geburtsfehler Europas nicht behoben wird, können sich alle in Europa zu “Tode sparen” es wird nicht helfen. Erst muss endlich nachgeholt werden, was am Anfang eines gemeinsamen Europas hätte stehen müssen: Eine gemeinsame, Steuer, Sozial, Fiskal und Haftungsunion, und danach eine Währungsunion. Dann muss dafür gesorgt werden, dass sich alle im Euroraum zu den gleichen Konditionen Geld leihen können. Parallel müssen endlich die Finanzmärkte reguliert werden, und den Spekulanten klar gemacht werden, dass es sich nicht lohnt gegen den Euro zu wetten, Europa steht gemeinsam, so wie in den USA oder Japan, hinter der gemeinsamen Währung. Die gemeinsame, Steuer, Sozial, Fiskal und Haftungsunion muss nachgeholt werden. Und dann muss Deutschland seine Löhne in den nächsten 10 Jahren um 4 -6 Prozent Jährlich anzuheben, damit die Länder in der EU, die Möglichkeiten haben sich im Wettbewerb zu erholen, sonst werden die Ungleichgewichte noch größer. Deutschland muss auch, so wie es China bereits getan hat, seine Überschüsse abbauen. Deutschland hat mit seiner Lohndumping und Subvention Politik die Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder massiv untergraben. Früher konnten sich die anderen Länder durch abwerten wehren, heute mit einer gemeinsamen Währung geht das nicht mehr. Denn merke des einen Überschüsse sind des Anderen Defizite.Deutschland ist nicht Opfer, sondern Mittäter an dieser Krise im Euroraum.

  18. Wahl in Griechenland: Europa zittert vor … der Demokratie. Und zwar zurecht. | Contrapaganda |  21.06.2012 | 19:37 | permalink  

    [...] Carta-info hat zusammengetragen, was ich heute morgen zusammentragen wollte: von “Marktschock” und “Eurobeben” ist da die Rede, “Bange Blicke” voller “Zittern” zeugen von der “Angst vor weltweiter Schockwelle”  kurz: ALLES IST VORBEI! [...]

  19. Frank Poschau |  10.10.2012 | 08:38 | permalink  

    Liebe Griechen,
    wir deutschen Arbeiter haben auch kein Mitspracherecht in Fragen des Euros und billigen auch nicht die Art und Weise, wie Ihr Land und Souverän ausblutet. Ihr Land ist schön und hat auch uns Deutsche schöne Urlaube beschert, Ihre Gastfreundschaft ist legendär. Bitte suchen Sie die Schuldigen im Kapital, bei den 10% der Menschen, die die Welt beherrschen und wie auch Sie gegeneinander aufwiegeln. Wenn Sie Frau Merkel als Diktatorin sehen, sehen Sie klar, hier in Deutschland sind die Menschen nur noch nicht auf die Straße gegangen, weil diese mit fiktiven Werten gefüttert werden. Unsere Politiker sind in wirtschaftsorientierten Parteien gefangen, die sich und die Bevölkerung den Lobbyisten, dem Kapital überlassen.
    Ich bitte Euch zusammenzuhalten, versucht eine Struktur aufzubauen, die Euch nicht in die totale Abhängigkeit der Euro-Irren bringt.
    Auch Griechen haben ihr Land verraten, indem große Geldmengen aus Euch ausgesaugt wurden, keinen Sinn für Eure Gemeinschaft haben.
    Der Euro ist eine Totgeburt, weil Gleichheit in Verbindung mit verschiedenen Kulturen, Glauben, politischen Gegebenheiten sich nicht unter dem Deckmantel einer Euro-Volkswirtschaft stecken lässt.
    Euer schönes Land war vor der Krise schön und wird nach der Krise schön sein, wenn Ihr Euch nicht von dem ausländischen Kapital aufkaufen lasst.
    http://www.frank-poschau.jimdo.com
    „Vergleicht man die Wirtschaft mit einem guten Wein, bringt es keinen langfristigen Vorteil, diesen des Wachstums wegen, mit „Wasser“ zu strecken“
    Frank Poschau
    14.08.11

  20. Frank Poschau |  10.10.2012 | 08:39 | permalink  

    Europa

    Eine tektonische Platte die Grenzen teilt,
    von Menschen erdacht,
    wie Narben, uns vor dem Bösen bewacht.

    Die Bösen sind die anderen,
    uns nicht gönnen, uns nicht geben,
    nicht verstehen, das Recht alles zu nehmen.

    Handeln sollte Markt bleiben,
    Gleichschritt lässt die Brücke wanken,
    Kapitalismus ohne Markt wird erkranken.

    Euro nicht den Wert zu einen,
    erdacht gegen Dollar und Jen,
    Monopole den Binnenmarkt verbrennt.

    Der Euro ist eine Totgeburt,
    Selbstsucht, Größenwarn versteckt in Einigkeit,
    Volksvermögen, Ideologie auf der Strecke bleibt.

    Kulturen sind gewachsen,
    Menschen handeln, leben vom verschieden sein,
    Gleichheit durch Gewalt, bricht die Brücke ein.

    Herrscher haben es schon versucht,
    das Scheitern war die Größe,
    heut gibt man sich nicht des Scheiterns Blöße.

    Endsieg klang es schon mal,
    bis zur Vernichtung hat es uns getragen,
    möchte ich folgendes fragen.

    Wenn Kapital entscheidet über Leben und Tod,
    wir nach der Krise das Gleiche essen,
    sind wir von Krisen, dem Kapital besessen?

    Bauen uns Brücken um sie einzureißen,
    Einigkeit um zu streiten,
    Rettungsschirme uns in den Untergang begleiten?

    Der Börse weiser Schluss,
    schmeiße Schlechtem nicht Gutes nach,
    es vielen schon das Genick brach.

    Frank Poschau
    28.10.11
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

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