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Redaktion Carta

„Piraten-Mentalität bei ARD und ZDF!“

 | 16 Kommentar(e)


Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) ärgert sich über die Vertragspraxis der öffentlich-rechtlichen Sender.

31.05.2012 | 

Carta dokumentiert die Erklärung der AG Dok im Wortlaut:

„In einem Schreiben an die Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer erhebt die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm schwere Vorwürfe gegen ARD und ZDF. Bis heute sei eine 2008 verabschiedete Protokollerklärung der Ministerpräsidenten-Konferenz, die den öffentlich-rechtlichen Sendern „ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte“ abverlangt, nicht in die Praxis umgesetzt worden. Die von beiden Senderketten mit Hilfe ihrer Marktmacht durchgesetzten Vertragsbedingungen im Dokumentarfilmbereich seien nach wie vor weder fair noch angemessen.

Freie Autoren, Regisseure und Produzenten, die für öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland arbeiten, gehören nach Aussage der AG DOK „zu den am schlechtesten bezahlten Beschäftigten der Medienbranche.“ Ihre Kalkulationen dürften sie nicht an den tatsächlichen Kosten eines Films, sondern nur an den einseitigen Vorgaben der öffentlich-rechtlichen Auftraggeber orientieren – selbstverständliche und weltweit akzeptierte Kostenfaktoren der Filmproduktion würden von den Sendern nicht anerkannt und auch nicht bezahlt. Selbst bei reinen Auftragsproduktionen stehen vielfach nur noch Pauschalbeträge zur Verfügung, die manchmal noch nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten decken. Wiederholungsrechte, Internetverwertungen, Ausschnittrechte und viele andere Refinanzierungsmöglichkeiten werden freien Dokumentarfilm-Autoren, Regisseuren und -Produzenten durch Knebelverträge weggenommen – und zwar ohne jede zusätzliche Vergütung.

„Alle Welt redet in diesen Tagen über Internet-Piraterie. Aber keiner redet darüber, dass ARD und ZDF jeden Tag Inhalte ins Netz stellen, ohne die Urheber dafür zu bezahlen,“ klagt AG Dok-Vorsitzender Thomas Frickel. Im Schreiben an die Ministerpräsidenten wird dieser Vorwurf noch verschärft: „Durch diese Piraten-Mentalität verursachen die öffentlich-rechtlichen Sender der deutschen Dokumentarfilmbranche und weiten Teilen der Kreativwirtschaft immense wirtschaftliche Schäden. Während der öffentlich-rechtliche Apparat immer weiter aufgebläht und mächtiger wird, über zahllose Tochterfirmen wettbewerbsverzerrend in den Markt eingreift und in den Vergabegremien auch die Filmförderungen dominiert, werden Produktionsfirmen, Dienstleister und Freiberufler in der Medienbranche in den Ruin getrieben. Dass so etwas in einem System möglich ist, das mit Milliardenbeträgen öffentlich finanziert und durch die politisch verfasste Öffentlichkeit kontrolliert wird, ist skandalös.“

Die AG Dokumentarfilm, der bundesweit mehr als 870 Dokumentarfilm-Autoren, Regisseure und Produzenten angehören, appelliert in ihrem Schreiben an die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer, diesen Missständen ein Ende zu setzen und regulierend einzugreifen, „da das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem aus sich selbst heraus nicht mehr zur Herstellung gerechter Rahmenbedingungen im Umgang mit Urhebern und Produzenten in der Lage ist.“

Die AG Dok fasst ihren Ärger in diesem zugespitzten Satz zusammen:

„Alle illegalen downloads haben der deutschen Dokumentarfilmbranche materiell weniger geschadet als die Vertragspraxis von ARD und ZDF an einem einzigen Tag.“

 

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16 Kommentare

  1. Peter |  31.05.2012 | 13:04 | permalink  

    Die Ministerpräsidenten haben mit ihren jeweiligen Mehrheiten in den Landesparlamenten vor kurzem die öffentlich-rechtlichen Medienhäuser per Rundfunkbeitragsstaatsvertrag ins Einnahmen-Paradies für alle Ewigkeiten geschossen. Welche Veränderungsbereitschaft soll denn von denen zu erwarten sein? Erst wenn sich alle Menschen weigern, die Inhalte und ARD und ZDF zur Kenntnis zu nehmen und zugleich mit Abwahl drohen, falls das Abkassieren nicht eingeschränkt wird, wird sich da was ändern. Dokumentarfilme regen zu Denken an. Da gibt man das Geld doch lieber für Krimis, Fußball, Vorabend-Serien und ähnliches aus. Und natürlich auch gern für sich selbst. Gefesselt an die Glotze hinterfragt man das System nicht. Darum geht es.

  2. Meine Nachrichten des Tages 29.05.2012f - Pirat Aleks A. |  31.05.2012 | 15:20 | permalink  

    [...] RT @sixtus:”Alle illegalen Downloads haben der Dokumentarfilmbranche weniger geschadet als die Vertragspraxis von ARD und ZDF” http://carta.info/44244/piraten-mentalitat-bei-ard-und-zdf/ [...]

  3. “Illegale Downloads haben der deutschen Dokumentarfilmbranche materiell weniger geschadet als Vertragspraxis von ARD und ZDF.” |  31.05.2012 | 15:41 | permalink  

    [...] Carta wird eine Erklärung mit sehr klaren Worten von der AG Dok, dem Berufsverband der Dokumentarfilmer, [...]

  4. Dokumentarfilmer: "Illegale Downloads schaden uns weniger als ARD und ZDF" | DailyInfo.info |  31.05.2012 | 17:29 | permalink  

    [...] von ARD und ZDF an einem einzigen Tag.” Das hat die AG Dokumentarfilm laut einem Bericht des Magazins Charta [...]

  5. Jens Best |  31.05.2012 | 21:50 | permalink  

    Okay, jetzt fangen auch noch die Dokumentarfilmer an zu maulen?

    Gibt es einen konstruktiven Vorschlag, wie man eine, am besten unter Creative-Commons-Lizenz gestellte, Version eines Dokumentarfilmes auf den webbasierten Ausgabekanäle entlohnen kann?

    Gibt es konkrete Forderungen wie das bekannte Vertragswerk diesbezüglich standardisiert werden kann?

    Gibt es Erfahrungswerte, mit welchem Verwertungsanteil man die CC-basierte Online-Auswertung von Dokumentarfilmen im öffentlich-rechtlichen Webbereichen ansetzen kann?

  6. Nachtwächter-Blah » Die Rundfunkgebühren (demnächst Zwangsabgaben … |  01.06.2012 | 17:31 | permalink  

    [...] Rundfunkgebühren (demnächst Zwangsabgaben für jeden Haushalt) sind bei der Arbeit: Alle Welt redet in diesen Tagen über Internet-Piraterie. Aber keiner redet darüber, dass ARD und Z…… ARD, Monopol, Urheberrecht, [...]

  7. Wochenbrücklick | meinekleineApfelkiste.de |  01.06.2012 | 18:02 | permalink  

    [...] carta.de: Die AG Dokumentarfilm beschwert sich bei den Ministerpräsidenten: “Alle illegalen downloads haben der deutschen Dokumentarfilmbranche materiell weniger geschadet als die Vertragspraxis von ARD und ZDF an einem einzigen Tag.” – spon titelt zum Thema “Umbenennung der GEZ in ‘ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice‘” unter Zwang heißt jetzt Service. [...]

  8. jk |  02.06.2012 | 00:05 | permalink  

    “Wiederholungsrechte, Internetverwertungen, Ausschnittrechte und viele andere Refinanzierungsmöglichkeiten werden freien Dokumentarfilm-Autoren, Regisseuren und -Produzenten durch Knebelverträge weggenommen – und zwar ohne jede zusätzliche Vergütung.”

    Und auf der anderen Seite wird beim ÖRR argumentiert, man könne viele zu “depublizierende” Sendungen ja leider nicht unter CC-Lizenzen zur Verfügung stellen, weil die Filmproduzenten damit geschnitten würden. Die wiederum sollen aber, wenn ich das richtig verstehe, die ausschließlichen Nutzungsrechte an ARDZDF abtreten und dürfen die Inhalte nicht mehr selber anbieten.

    Entweder ich hab’ was ganz falsch verstanden oder man sollte den öffentlich-rechtlichen Sendern mal mitteilen, dass ihr Auftrag das Verbreiten von Information ist. Nicht das Draufsetzen und Exklusivvermarkten. Genug Geld sollte ja da sein, nicht erst ab 2013, wenn zB auch ich fernsehverweigernder Student gut 200€ jährlich löhnen darf.

  9. Abzocker-Mentalität bei ARD und ZDF : Burks' Blog |  02.06.2012 | 23:06 | permalink  

    [...] von ARD und ZDF an einem einzigen Tag.” (Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) laut carta über die Vertragspraxis der öffentlich-rechtlichen Sender) Juni 2, 2012 | abgelegt unter Media, [...]

  10. Peter |  03.06.2012 | 04:38 | permalink  

    @jk (#8)

    Genug Geld ist dort nie da, denn dieses System ist auf Verschwendung, Selbstversorgung und Marktmacht durch den Entzug von Mitteln, die Bürger sonst für andere Angebote nutzen könnten, angelegt.
    Wenn Programmfreiheit bedeutet, die Bevölkerung muss alles bezahlen, was die Programmmacher für wichtig halten und die bestimmen auch noch, wie teuer es sein darf, kann das nicht anders enden.
    Dringend muss eine Form der Mitbestimmung durch die zur Zahlung zwangsweise Herangezogenen in dieses System eingebaut werden. Früher gab es das. Man konnte den Fernseher rauswerfen, und nur noch ein Drittel zahlen.
    Und wenn Mitbestimmung bedeutet, dass die “Freiheit” der Programmmacher künftig in einem viel engeren Finanzrahmen ausgelebt werden muss, ist das auch in Ordnung. Es gibt genug Bildung, Information, Unterhaltung auch ohne die Öffentlich-Rechtlichen Medienhäuser. Und es gibt wichtigere Probleme in diesem Land zu lösen als die “Grund”-Versorgung mit Dudelfunk und Unterhaltungs-TV. Wenn überhaupt Zwangsgelder, dann bitte nicht für bereits reichlich Vorhandenes!

  11. jk |  03.06.2012 | 14:54 | permalink  

    @Peter (#10):

    Das Problem ist leider, dass der öffentlich-rechtliche “Grundversorgungsauftrag” ungefähr bedeutet, dass man durch den ÖRR medial rundum (Nachrichten, Dokus, Unterhaltung, Musik, …) versorgt sein muss. Grundversorgung heißt nicht Butterbrot und Wasser, sondern “ein Buffet mit allem, was es woanders auch gibt, aber (theoretisch) unabhängig”. Das ist an sich ja nichts Schlechtes, aber es treibt mit dreistelligen Millionenausgaben für Fußballübertragungslizenzen und 824.684mal Florian Silbereisen im Jahr seltsame Blüten. Auch die Unabhängigkeit / Staatsferne sind mittlerweile anzuzweifeln und der große Wasserkopf mit zig Subunternehmen macht die ganze Veranstaltung nicht angenehmer…

  12. Peter (ein Urheber) |  03.06.2012 | 15:51 | permalink  

    @jk (#11)

    Damit stimme ich im Grunde überein. Es ist nicht a priori etwas schlechtes, müsste aber bei den Kosten so liegen, dass es auch Menschen, die nur ein paar Euro über Hartz IV verdienen, kaum merken.
    Da Geld aus jedem Haushalt, aus jeder Firma und Filiale und vermutlich auch bald aus mehr als der Hälfte aller Autos kommt, wären sie dann ja noch immer für Buffet reich genug, oder?
    Anlässlich der Umstellung auf die Haushalts-Abgabe wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, alle “Teilnehmer” auf die jetzige Grundgebühr von knapp 6 Euro zu reduzieren und diesen Betrag auch für lange Zeit fest zu schreiben.
    Aber statt dessen vermutlich etwa zwei Millionen Menschen, die sich bewusst und sicher auch aus finanziellen Gründen gegen TV-Geräte in der eigenen Wohnung entschieden haben, aus heiterem Himmel mit mindestens den dreifachen Kosten (Wochenend-Pendler: sechsfach!) zu belasten, zeigt nur eines: Den Anstalten geht es nur um eine Versorgung: ihre eigene!
    Auch sollte man den Rundfunkbeitrags-Staatsvertrag mal im Wortlaut lesen! Da steckt jede Menge Potential in den Formulierungen, Menschen zu drangsalieren, wenn man wieder mehr Geld braucht (..Wohnung ist ….baulich geschlossene Einheit …die zum Wohnen oder Schlafen geeignet ! ist oder genutzt wird…) .

    Mit diesem Vorgang einschließlich des Zustandekommens eines solchen Gesetzestextes und der verlogenen Interpretation dazu (angeblich verändere sich für die meisten ja nichts, in Wirklichkeit verlieren alle die Option, auf den TV zu verzichten und deutlich weniger zu zahlen) hat das System Rundfunkanstalten – Landesparlamente mit den jeweiligen Regierungsmehrheiten gezeigt, dass es in Folge zu deutlicher Eigeninteressen diesen Bereich eben nicht regulieren und gestalten kann.

    An einer breiten gesellschaftlichen Diskussion über tatsächlichen Bedarf an diesem Bereich und Strukturen, die wirksame Kontrolle und eine Ende der Selbst-Ausdehnung gewährleisten, wäre niemand gehindert gewesen. Auch nicht durch Urteile des Bundesverfassungsgerichtes.

    Aber daran gab es kein Interesse. Statt dessen lieber die Behauptung, es würde nicht mehr geschnüffelt. Die Wahrheit ist: Das Thema der Schnüffelei wird ein anderes. Es geht nicht mehr um Empfangsgeräte, sondern um zusätzliche Schlafplätze neben der eigenen Wohnung, um die Nutzung des Privatautos im Ehrenamt und die Anzahl von Arbeitnehmern in “Betriebsstätten” (schöne Wortwahl, denn beitragspflichtig sind die auch schon ab 0 (!) Arbeitnehmer).

    Und wenn eine Sache so aus dem Ruder geraten ist wie dieser öffentlich-rechtliche Medien-Abkassier-Zirkus, ist es mir lieber, das Ganze vollkommen zu kippen, selbst wenn es eine Weile braucht, bis der freie Markt die Lücke füllt oder sich andere, effizientere, gerechtere und besser kontrollierbare Strukturen entwickelt haben.

  13. Weekly Links for 03.06.2012 | Doof Mars |  04.06.2012 | 00:23 | permalink  

    [...] haben der Dokumentarfilmbranche weniger geschadet als die Vertragspraxis von ARD und ZDF” http://carta.info/44244/piraten-mentalitat-bei-ard-und-zdf/ -> This entry was posted in Sonstiges by Mars. Bookmark the permalink. Mir egal0 Personen ist [...]

  14. Rundschau » txt&c. |  04.06.2012 | 13:17 | permalink  

    [...] 5: Dokumentarfilmer: „Alle illegalen Downloads haben der deutschen Dokumentarfilmbranche materiell weniger geschadet [...]

  15. Bernhard Kling |  07.06.2012 | 18:21 | permalink  

    ZAPP zensiert! Das meist moralinsauere Zeigefinger-Medienmagazin ZAPP bietet zwar ein Meinungsforum, doch wenn man Dinge in Frage stellt, wie beispielsweise die unkontrollierten öffentlich-rechtliche Netz-Aktivitäten, wird dies dort nicht publiziert. So auch ein Kommentar plus Link zu dem Artikel hier. Ob es daran liegt, dass gerade die ZAPP-Redaktion durch permanente, auch rechtlich relevante Grenzüberschreitungen den Grundversorgungsauftrag von ARD & ZDF selbst neu definieren will?

  16. Peter (ein Urheber) |  08.06.2012 | 01:33 | permalink  

    @Bernhard Kling (#15)

    Haben sie auch nur eine Sekunde ein anderes Verhalten erwartet?

    Eine Zeitung wird sich auch nicht selbst dafür kritisieren, dass sie außerdem noch Filme vom Wandern verkauft. Aber weil es ein außen-pluralistisches System ist, wird eine andere Zeitung, erhältlich im selben Netz und im selben Kiosk, kein Problem damit haben, die Güte dieser Filme in Frage zu stellen. Der Unterschied liegt in dem Wort “verkauft”. Man muss nicht kaufen.

    ZAPP aber wird aus dem selben Topf gemästet wie ARD und ZDF und der gesamte Öffentlich-Rechtliche Medienzirkus. Und in diesem gilt der Grundsatz: Je mehr wir machen, je mehr können wir kassieren. Dieses Verfahren, das die Selbst-Ausweitung garantiert, werden die niemals in Frage stellen. Und sollten morgen Rauchzeichen von den Dächern das neue Kommunikationsverfahren sein, sie würden sofort tausend Rauchzeichen-Geber einstellen, dazu einen Direktor mit mindestens 200 000 € Jahressalär usw., usf… Es zahlen ja andere.

    Wer so wie die Made im Speck lebt, ist nicht offen für Kritik.

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