Robin Meyer-Lucht

Tino Kreßner: “Startnext ist ein Instrument zur Mitgestaltung der Kulturlandschaft”

Robin Meyer-Lucht | 14 Kommentar(e)


Tino Kreßner, einer der beiden Gründer der Kultur-Crowdfunding-Plattform ‘Startnext’, erklärt das Angebot im Carta-Video-Interview – und seine Ansätze, die US-Idee an die Verhältnisse hierzulande anzupassen.

22.10.2010 | 

Startnext bezeichnet sich selbst als “die erste Crowdfunding-Plattform für Künstler und Kreative in Deutschland”. Wer sich fragt, was die Grundidee dabei ist, schaut sich das US-Vorbild Kickstarter an: Es geht um die Vorfinanzierung von Kulturprojekten durch Nutzerbeiträge – basierend auf einem System von ‘kleinen Dankeschöns’. Mehr zu der Idee hat Ben Schwan hier aufgeschrieben – und Startnext hier selbst.

Aus Dresden kommt nun der Versuch, dem Kickstarter-Ansatz eine spezifisch deutsche Ausprägung gegenüberzustellen: Stärker auch staatliche Kulturfördermechanismen einbindend, stärker Vereine einbindend, stärker auf Kultursponsoring und ‘branded entertainment’ setzend. Hinter dem Projekt stehen der IT-Unternehmer Denis Bartelt und der Filmproduzent Tino Kreßner.

Ziel von Startnext sei, so Kreßner im Carta-Interview, dass die Bürger stärker selbst ihre eigene Kulturlandschaft mitgestalten. Eine entsprechende Spendenbereitschaft habe es in der Vergangenheit nicht gegeben, weil ein derartiges Instrument gefehlt habe.

Über das Netz hätten die Künstler schon heute Kanäle, um die Promotion und Distribution ihrer Projekte vollständig selbst zu übernehmen. Startnext solle nun, so Kreßner, einen Mechanismus bieten, auch die Finanzierung über das Netz zu organisieren. Dabei wende sich die Plattform gerade in der Anfangsphase an Künstler, die bereits eine gewisse Zahl an Fans mobilisieren könnten.

Finanzieren soll sich Startnext durch Transaktionsgebühren in Höhe von knapp zehn Prozent sowie durch Sponsoring-Kooperationen mit Unternehmen. Kreßner hofft, dass die Community rund um die Plattform in absehbarer Zeit die Zahl von 100.000 Nutzern erreichen könnte.

Hier das Interview mit Tino Kreßner (5 Minuten, Ton leider nicht immer ganz optimal), geführt auf der Frankfurter Buchmesse:

(vimeo, youtube)

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14 Kommentare

  1. Tino |  22.10.2010 | 21:24 | permalink  

    merkwürdiger Versprecher. Richtig muss es heißen: “Kickstarter würde so in Deutschland nicht funktionieren” und Kickstarter ist derzeit auf den amerikanischen Markt beschränkt … man kann kein Projekt aus Deutschland anmelden.”

    Was nicht rauskommt, die Überschrift ist eine These.
    Diese würde ich gerne diskutieren. Ich glaube das unsere Förder- und Vereinslandschaft in Deutschland sehr ausgeprägt ist, und wir auch fürs Crowdfunding andere Rahmenbedingungen benötigen und auf diese Strukturen eingehen müssen – wie seht ihr das?

  2. Tino Kreßner: “Kickstarter würde so in Europa nicht funktionieren” – CARTA - die besten spornsoring angebote - sponsorpool |  22.10.2010 | 21:58 | permalink  

    [...] Follow this link: Tino Kreßner: “Kickstarter würde so in Europa nicht funktionieren” – CARTA [...]

  3. Robin Meyer-Lucht |  22.10.2010 | 23:07 | permalink  

    @Tino: Da du mit der Zitatüberschrift “Kickstarter würde so in Europa nicht funktionieren” offenbar nicht so glücklich warst, habe ich sie mal auf “Startnext ist ein Instrument zur Mitgestaltung der Kulturlandschaft” geändert.

    Den Passage (mit dem kleinen Versprecher) nehme ich auch mal die Tage noch aus dem Video.

    trotzdem danke und gruss,

    robin

  4. Tino Kreßner |  22.10.2010 | 23:19 | permalink  

    @Robin. Danke! Ich glaube wir sind derzeit alle gespannt, ob Crowdfunding in Deutschland funktioniert. Viele Künstler haben über Jahrzehnte hinweg Förderanträge geschrieben und ihre Projekte in Formular “eingepasst”. Und jetzt sollen genau diese Künstler und Kreative sich plötzlich selbst vermarkten und Begeisterung wecken.

    Kickstarter hat was vorgelegt. Als wir mit der Entwicklung begonnen habe, waren dort erst eine handvoll Projekte online. Wir sind selbst begeistert, wie dieses Thema explodiert ist. Eine Kopie möchte man natürlich nicht wirklich sein, deswegen versuchen wir damit offen umzugehen. Wir haben also ein Vorbild – aber hier in Deutschland ein paar andere Rahmenbedingungen. Wir sprechen sehr viel mit den Kreativen und arbeiten sehr eng mit den zusammen und auf die hiesigen Bedürfnisse einzugehen.

    Das schlägt sich auch im Geschäftsmodell nieder. Bei Kickstarter gehen 8-10% vom Projektbudget weg … davon 5% an Kickstarter und 3-5% an Amazon. Kickstarter kann von den 5% sicher ganz gut leben – dafür ist Deutschland etwas zu klein … was uns motiviert weitere Modelle zu entwickeln und das Thema voranzubringen. Wir freuen uns auf eine spannende Entwicklung gemeinsam mit den Nutzern von Startnext.

  5. Startnext: Dresdner Version von Kickstarter? « Flackern im Sturm |  24.10.2010 | 22:41 | permalink  

    [...] Via carta.info [...]

  6. ambee |  25.10.2010 | 00:39 | permalink  

    zehn prozent?!? krass… von was für mini-budgets sprechen wir hier eigentlich? das erscheint mir doch ein bisschen viel… gerade wenn es um kulturförderung und independent-projekte gehen soll…

  7. Tino Kreßner |  25.10.2010 | 00:51 | permalink  

    Wenn man bedenkt, dass Fördermittelberater bis zu 30% nehmen, ist 10% eigentlich nicht viel.

    Andere Plattformen ziehen sich sogar auch von dem Eigenanteil, den man mit reinlegt die 10% oder von den Spenden, die wir z.B. ohne Provision durchgeben, so dass man im Schnitt bei uns bei ca. 5% oft rauskommen wird. Da es auf startnext keine Transaktionsgebühren gibt, liegen wir damit weltweit an der untersten Grenze von allen Crowdfundingplattformen.

    Aber ich gebe Dir recht, es macht Sinn zu schauen wie wir die Provision langfristig durch andere Finanzierungsmöglichkeiten minimieren können.

  8. ambee |  25.10.2010 | 07:36 | permalink  

    achso, ok. da hab ich leider keine erfahrungen mit.

    ich komme aus dem musik-bereich und fände es schon viel, wenn ich zB von meinen 10’000 für ein studioalbum 1000 abgeben müsste, besonders da die kohle von den eigenen fans kommt.

    da finde ich das system von pledgemusic sehr gut, die sich 15% von allem nehmen, was die künstler über dem break-even-point verdienen.

  9. Joerg |  25.10.2010 | 14:32 | permalink  

    Ich finde, dass der Markt in Deutschland recht schwierig sein könnte, da betterplace.org bereits einen ordentlich Job macht ohne Gebühren zu erheben. Der Fokus liegt zwar noch mehr auf Spenden, aber viele Projekte lassen sich (auch im kulturellen Bereich) eigentlich damit bewerkstelligen.

  10. t3n-Linktipps: Filesharing-Marketing, AIR 2.5 mit App-Store, Crowdfunding, Datenjournalismus und iestolemylife.com » t3n News |  25.10.2010 | 17:49 | permalink  

    [...] Tino Kreßner ist einer der beiden Gründer von „Startnext“, der Crowdfunding-Plattform für Künstler und Kreative in Deutschland. In einem Interview stellt er das Projekt kurz vor: [...]

  11. Tino Kreßner |  26.10.2010 | 11:54 | permalink  

    @Joerg,

    ich finde betterplace auch spitze. Die Seite war einer der Auslöser, startnext zu machen, da es dort um das Spendensammeln für soziale Projekte geht – was bei startnext.de ja garnicht der Fall ist. Wie betterplace erheben wir ebenso keine Gebühren auf Spenden und leiten diese 1:1 durch.

    Spenden im kulturellen Bereich? Teilweise – Ich kenne fast keine Band, Schriftsteller, Grafiker, usw. die gemeinnützig sind. Bei Filmen gibt es oftmals kleine Vereine – aber das ist auch nicht relevant für größere Produktionen.

    Ich bin selbst Vorsitzender des Vereins Bewegende Bilder e.V., mit dem wir einige Kurzfilme produziert haben. Als Verein hat man z.b. überhaupt nicht die Möglichkeit “richtige” Filmförderung zu beantragen.

  12. Marcel Weiss |  27.10.2010 | 16:48 | permalink  

    @Robin: “luchti2000″. Ich fall vom Stuhl. :)

  13. Crowdfunding-Plattformen in Deutschland: Startnext und mySherpas |  27.10.2010 | 18:26 | permalink  

    [...] Carta hat Tino Kreßner interviewt: Aus Dresden kommt nun der Versuch, dem Kickstarter-Ansatz eine spezifisch deutsche Ausprägung gegenüberzustellen: Stärker auch staatliche Kulturfördermechanismen einbindend, stärker Vereine einbindend, stärker auf Kultursponsoring und ‘branded entertainment’ setzend. [...]

  14. Papa Gold: Wie ein kleiner Film versucht, mittels Crowdfunding ins Kino zu kommen « Kein Blut, Rot! |  14.07.2011 | 13:02 | permalink  

    [...] weiteres Geld für Filme ausgeben sollte. Startnext begründet das mit dem Anspruch, ein Instrument zur Mitgestaltung der Kulturlandschaft zu sein. Die Science-Fiction-Filmer von Iron Sky haben eine wesentlich simplere Antwort parat. [...]

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