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Sarrazin: Für viele seiner Fans hätte er nur Geringschätzung übrig

admin | 8 Kommentar(e)


Interessanter Aspekt in der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte: Der elitäre Sarrazin ist ein reichlich absurder Volksheld.

05.09.2010 | 

Der aktuelle Spiegel-Titel über Thilo Sarrazin hält sich zum Glück nicht allzu lange mit der Formel vom “Volkshelden” auf, sondern bietet eine in Teilen nuancenreiche Analyse.

Besonders bemerkenswert: Der Spiegel benennt die Absurdität, dass ein Mann mit ausgeprägten Hang zum Elitären und zum Bildungsdünkel nun als Volksheld gefeiert werde. Für viele seiner Fans hätte Sarrazin wohl vor allem Geringschätzung übrig.

Auszug aus der aktuellen Titelgeschichte:

Das sich unverstanden fühlende Deutschland, das nun gegen die Elite aufbegehrt, hat sich zu seinem Helden einen Mann erkoren, der so elitär denkt und fühlt wie kaum einer im politischen Milieu und der die Überlegenheit, die er gegenüber weniger gescheiten Menschen empfindet, schnell durchscheinen lässt.

Viele Leute täuschen sich über seinen Hochmut, weil dieser durch die Ticks des Eigenbrötlers gemildert wird. Was die meisten für eine schrullige Pose halten – das hochgereckte Kinn, die vor der Brust verschränkten Arme –, offenbart tatsächlich eine Weltsicht, in der von hoch oben das Gewühl und Gewimmel am Fuß des Berges in den Blick genommen wird.

Am Grund von Sarrazins Denken liegt das Ressentiment. Das richtet sich nicht gegen diejenigen, die weniger besitzen oder aus schlechterem Elternhaus kommen – Geld oder Herkunft sind für Sarrazin keine Kategorien, da ist er ganz Demokrat.

Der entscheidende Bewertungsmaßstab für den Büchernarren, der im Gymnasium noch Latein, Hebräisch und Griechisch hatte, ist das Verlangen nach Bildung. Dass auch viele seiner Bewunderer bei Sarrazin nur auf Geringschätzung stoßen würden, ist eine Pointe, die den Fans entgeht.

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8 Kommentare

  1. Marti |  05.09.2010 | 18:45 | permalink  

    Der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger sagt:

    “Hinter der Sarrazin-Debatte steht folgendes: Im Kern geht es um das Selbstwertgefühl der linksliberalen Minderheit der Bevölkerung, die lange an die Idee der multikulturellen Gesellschaft geglaubt hat. Sie steht, wenn man die Probleme des Landes mit seinen Muslimen ernst nimmt, vor den Trümmern ihres Weltbildes, das sie gegen einen informierten Kritiker verteidigt.”

  2. noName |  05.09.2010 | 19:13 | permalink  

    #1: Wissenschaftler sollten nicht tendenziös ideologisch argumentieren, völlig unabhängig von ihren eigenen politischen Auffassungen. „Selbstwertgefühl der linksliberalen Minderheit“ – so ein dummes Zeug.

  3. noName |  05.09.2010 | 19:23 | permalink  

    Es geht ja noch weiter:
    „Der eher konservative Teil der Gesellschaft findet indes zunehmend, dass die Meinungsfreiheit in unserem Land de facto beschnitten würde: Martin Hohmann, Eva Herman, die Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche. Täuscht diese Wahrnehmung?

    Wir sind tatsächlich nicht in der Lage, bestimmte Sachfragen in der Öffentlichkeit mit Distanz und Gelassenheit zu diskutieren. Wir gehen sofort dazu über, Personen mundtot zu machen, die nicht konsensfähige Fakten präsentieren oder Meinungen äußern. Das steht im eklatanten Widerspruch zu dem Grundprinzip“ aus einer liberalen Demokratie.“
    http://www.kepplinger.de/files/images/Im_Kern_geht_es_um_das_linksliberale_Selbstwertgefuehl_0.pdf

    „Wir gehen sofort dazu über, Personen mundtot zu machen,…“ Das ist ja die Bild- und Bolz-Argumentation. Wer ist denn in Deutschland wirklich mundtot? Sicher nicht Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Um die dreht sich ständig der mediale, überflüssige Zirkus.

  4. Beobachter |  06.09.2010 | 11:01 | permalink  

    Da hat der Spiegel wohl auch mal recht.
    Doch die vermeintlichen Sarrazin-Fans und Verfechter des gepflegten Stammtischvorurteils gegen alles, was sich hinter ihrem Bildungshorizont abspielt, werden weder jemals den Spiegel lesen, noch irgendwann begreifen, daß Sarrazin auch gegen sie selbst anschreibt.
    Wenn auch nicht im aktuellen Buch. Doch man darf darauf gespannt sein, wie die kommenden Bücher des Thilo Sarrazin titeln werden.

  5. Die gebildete Elite |  06.09.2010 | 17:27 | permalink  

    [...] die sogenannte “Meinungsfreiheit-Debatte. Den Ausschlag haben dann aber heute ein Artikel auf Carta (zitiert Spiegel) und Zeit [...]

  6. anger |  08.09.2010 | 02:08 | permalink  

    Elitär sind doch alle Machthaber wie Merkel, Westerwelle, Wulff und Gisy usw.
    Der Spiegel beteiligt sich anscheinend auch an der Hetzkampagne gegen Sarrazin, weil die Wahrheit, die durch eine jahrzentelange, verfehlte Familienpolitik verursacht worden ist, allen unangenehm aufstößt.
    Z. B. im Libanon stellen die Muslime durch ihre hohe Geburtenrate seit einigen Jahren die Mehrheit der Bevölkerung. Genauso wird es hier auch ablaufen, wenn man das zulässt.
    Die Politiker reden dennoch unbeeindruckt von einer bunten Republik.
    Das Volk will aber keine Islamisierung.

  7. auchmalwassagen |  10.09.2010 | 02:21 | permalink  

    @Beobachter
    Wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Da sind schon ein paar Leute dabei, die lesen und schreiben können. Auch der ein oder andere Spiegelleser wird dabei sein. Gerüchteweise habe ich sogar gehört, einer hätte Abitur und einen akademischen Abschluß.

    Die These, nur die dummen BILD Leser laufen dem “Rattenfänger” nach, ist etwas zu einfach. Eine Illusion des Linksalternativen um sich selber und die eigene Weltsicht zu erhöhen. Genau das, was Sarrazin vorgeworfen wird. Eine Form des Rassismus. Oder?

    Ich würde auch begrüßen, wenn eine Deutschlehrerin an einem Goethe – Gymnasium ein Goethe-Gedicht als solches erkennt.

  8. OH |  10.09.2010 | 08:21 | permalink  

    @anger:
    “Z. B. im Libanon stellen die Muslime durch ihre hohe Geburtenrate seit einigen Jahren die Mehrheit der Bevölkerung. Genauso wird es hier auch ablaufen, wenn man das zulässt.”

    Kleiner Scherz oder was? Schonmal was davon gehört, dass man sich im Libanon jahrelang die Köpfe eingeschlagen hat und DAS zu massiven Verschiebungen geführt hat? Im Übrigen ergab der Zensus von 1932 einen christlichen Anteil von 52%. Das ist eine so marginale Mehrheit, dass es schlichtweg hanebüchen ist, zu behaupten, die hohe Geburtenrate von Muslimen hätte dazu geführt, die Christen in die Minderheit zu drücken. Stattdessen war es einerseits ein Exodus während des Bürgerkrieges, andererseits auch nicht zuletzt der Zustrom von Flüchtlingen aus dem Süden. Dazu kommen die wiederholten Einmärsche anderer Länder, sowohl Syriens als auch Israels.

    Angesichts der Tatsache, dass die christliche Mehrheit so marginal war, ist es genauso kurios wie abwegig, zu behaupten, genauso werde es auch hier ablaufen. Wer mit derartigen Argumenten kommt bestätigt genau den Artikel, denn offensichtlich steht es mit der eigenen Bildung nicht besonders gut.

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