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Robin Meyer-Lucht

Sarrazins “Flucht in den Biologismus”

Robin Meyer-Lucht | 35 Kommentar(e)


Frank Schirrmacher analysiert, dass für Thilo Sarrazin Kultur vor allem “der Reflex biologischer Prozesse” sei – und hält die Ansätze zugleich für hilfreich.

30.08.2010 | 

Frank Schirrmacher hat die bislang beste Analyse des Thilo-Sarrazin-Buches geschrieben: “Ein fataler Irrweg“.

Sarrazins Buch sei nicht einfach nur ein bürgerliches Traktat, das die eigene abendländische Kultur gegen die demografisch induzierte Bedrohung durch muslimische Milieus verteidigen wolle. Sarrazin gehe es um mehr: um die Etablierung es völlig anderen Kulturbegriffs:

Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur und damit letztlich um ein Wort, das Sarrazin (Darwin zitierend) so unerschrocken benutzt, wie einst Gottfried Benn, ‘Zuchtwahl’ und ‘Auslese’. …

Kultur ist ihm der Reflex biologischer Prozesse. …

Da er, der die Kultur verteidigen will, in Wahrheit selbst nicht mehr an ihre bindende und verbindliche Kraft glaubt, geschieht das, was grundsätzlich geschieht, wenn Gesellschaften um ihre Identität fürchten und ihren eigenen Werten misstrauen: die Flucht in den Biologismus.

Sarrazin, der freimütig den Eugenetiker Francis Galton zitiert, plädiere “faktisch für eine eugenetische Demographie”, so Schirrmacher.

Zugleich zeigt sich Schirrmacher fasziniert von dem Hype und dem Denkanstroß, den Sarrazin ausgelöst hat. Sarrazin habe ein Buch geschrieben, “das durchaus sehr viele richtige und notwendige Dinge sagt”. Es sei das Dokument einer “demografisch verwundeten Gesellschaft”; Sarrazin sei der “Ghostwriter der Gespenster, die uns jetzt heimsuchen”.

Das Buch könnne – anders als Angela Merkel meine – durchaus hilfreich sein. Es könne nämlich die muslimischen Milieus in Deutschland “aufwecken”, dass sie mehr für Bildung und kulturelle Kohäsion tun müssten. Den Parallelgesellschaften müsste verstärkt mit dem “Glaube in die eigene Kultur” entgegengetreten werden.

Das falsche biologistische Sarrazin-Argument könnte so letztlich zum richtigen “Wendepunkt” führen, so die Pointe der Schirrmacher-Konstruktion.

Den ganzen Schirrmacher-Beitrag lesen…

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35 Kommentare

  1. Christian Edom |  30.08.2010 | 13:50 | permalink  

    Schirrmacher unterscheidet im Text u.a. zwischen der “allgemeinen” Lesart und der besonderen vom “Ghost”, die offenbar nur großen Geistern offen bzw. zusteht.

  2. noName |  30.08.2010 | 13:56 | permalink  

    Ich fass’ es nicht. Nicht nur Sarrazin hat einen …
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714543,00.html

    Aber meine Gene sind wahrscheinlich mangelhaft, um dies hier nachvollziehen zu können.

  3. Sebastian |  30.08.2010 | 13:56 | permalink  

    Ich halte den Text in keinster Weise für die “bislang beste Analyse”. Im Gegenteil. Schirrmacher geht auf Sarrazins Genetik-Argumentation ein, anstatt sie zu widerlegen. Der Schluss ist keine “Pointe”, sondern ein typisch-konservatives Denkmotiv: Sarrazins Buch werde schon seine Richtigkeit haben, schreibt Schirrmacher – “Es ist sehr hilfreich und wird einen Wendepunkt markieren.” Dann können wir uns ja zurücklehnen. Weltgeist, ick hör dir trapsen…

  4. erz |  30.08.2010 | 14:19 | permalink  

    Hat ja lang genug gedauert, bis der Rassismus entlich wieder Mainstream geworden ist in Deutschland. So sehr Mainstream, dass der Grandsinjör des Fäuletongs persönlich Sarrazin vom Verdacht des Rassismus freispricht, weil dieser sich ja nur auf einen Diskurs vergangener Jahre bezog.

    Eugenik, Sozialdarwinismus, Degeneration: Welche Form nahm der Zeitgeist an, dem solche Diskurse zur Grundlage gereichten? Warum sollte heute nicht rassistisch sein, was vor 100 Jahren rassistisch war und selbst dem Führer persönlich nicht fremd?

    Das wirklich perfide an der ganzen Sarrazin-Diskussion ist ihre Beliebigkeit: Es gibt keine Argumente zu widerlegen, weil deren Grundlage schlicht erfunden ist. Das Namedropping und der Verweis auf vergangene Diskurse sind bloße potemkinsche Dörfer. Mit solcherart zerstörerischer Diskussionskultur könnte Sarrazin auch behaupten, in Wirklichkeit habe Frankreich zusammen mit jüdischen Freimaurern den zweiten Weltkrieg inszeniert, um in einem unbeobachteten Moment auf der Rückseite des Mondes eine Gehirnsteuerungsanlage zu installieren.

    Der einzige Unterschied von Sarrazins Thesen zu handelsüblichen Verschwörungstheorien ist das Medienecho, das Relevanz und Glaubwürdigkeit inszeniert. Darin wird noch eine Parallele zum absurden Dampfplauderer der USA, Glen Beck offenbar: Die Inhalte sind völlig egal, beide sind “in it for the money”.

  5. Chris |  30.08.2010 | 14:25 | permalink  

    wirkich der beste beitrag. schirrmacher weist nach, dass der so unerschrockene sarrazin ein darwinistisches buch geschrieben hat. und dabei alle zentealbegriffe mut denen man ihm auf die spur kommen koennte verwischt. grossartig der hinweis auf die us einwanderungsdebatte von 1914. sarrazin bemueht eine eugenik. avabt la lettre d. h ohne ueberhaupt zu reflektieren, dass die damaluge debatte direkt zu wilhelm frick fuehrte. viel wirkungsvoller als wenn man sarrazin als rassisten beschimpft. und auch ungeimlicher. ein wirklicher augenoeffner!

  6. Robin |  30.08.2010 | 14:32 | permalink  

    @ Sebastian: Dass Frank Schirrmacher Sarrazins Genetik-Argumente als “Flucht in den Biologismus” bezeichnet, muss als ganz klare Distanzierung interpretiert werden.

    Selbstredend folgt der F.A.Z.-Herausgeber hier einem kultur-konservativen Impuls: Bei der Forderung mehr Assimilation an die Mehrheitskultur und dem demografisch geführten Diskurs treffen sich Sarrazin und Schirrmacher.

    @ Erz: Problematisch erscheint auch, wie der Medienhype um Sarrazin auch davon getrieben scheint, dass hier viele “in it for the money” sind. Ressentiments sell, könnte man sagen.

  7. Stefan |  30.08.2010 | 14:43 | permalink  

    Schirrmachers Text heisst: “Ein fataler Irrweg”. Deutlicher gehts ja wohl nicht. Was sind denn das hier fuer Analphabeten. I agree: die beste Analyse bisher.

  8. Greg |  30.08.2010 | 15:06 | permalink  

    Schirrmacher hat sicher nicht “die bislang beste Analyse des Thilo-Sarrazin-Buches” geschrieben, sondern vielleicht die beste in den Mainstreammedien. Das ist aber nun wirklich keine Kunst. Von links bis rechts haben die traditionellen Medien in der Kritik an Sarrazin bisher vollkommen versagt. Seine Wiederauflage von NS-Rassenbiologie, Sozialdarwinismus und Eugenik wird durchgehend verharmlost, teilweise wird seine Ideologie sogar zur wichtigen Kritik in der richtigen Stoßrichtung, die nur etwas schrill formuliert sei, verklärt. Selbst wenn nicht, bleibt außer Schlagworten wie “unsäglich”, “unpassend” usw. kaum Inhalt. Und hier kommen wir zum Kernpunkt des Problems, offensichtlich hat Deutschland wirklich Probleme hinsichtlich Bildung. Wenn niemand mehr in der Lage ist, die Idiotie in den Aussagen von Sarrazin (z.B. hinsichtlich Judengen) auszumachen, dann hat das Bildungssystem auf ganzer Linie versagt. Normalerweise müsste z.B. jeder Siebtklässler die Gen”theorien” Sarrazins als dümmliches Geschwätz eines offensichtlich bildungsfernen oder geistig minderbemittelten Spinners erkennen können. Da das anscheined nicht der Fall ist, braucht es bei der medialen Kritik an Sarrazin auch Aufklärung über die Hintergründe, also über Genetik, die Geschichte von Rassenlehre, Eugenik und Sozialdarwinismus im Dritten Reich, Grundlagen der Statistik, usw.. Kurzum, es muss klar werden, warum Sarrazins Aussagen dumm und unsäglich sind, und welche Folgen eine Ideologie wie seine hat. Schirrmacher versucht das in Ansätzen hinsichtlich Biologismus, und das ist auf jeden Fall lobenswert. Er bleibt jedoch bei den üblichen Relativierungen des Sarrazinschen Wahns, und versucht Rassenbiologie, Sozialdarwinismus und biologistische Bevölkerungspolitik durch Verweise auf ihre Tradition in nicht-faschistischen Gesellschaften zu rehabilitieren.

  9. Christian Edom |  30.08.2010 | 15:21 | permalink  

    “Kultur-konservativer Impuls”? Wie weit ist es noch bis zum Flirt mit der “konservativen Revolution” bei desem postmodern indifferenten politischem Ästhetizismus? Schirrmacher fehlt republikanischer Härte und ein wehrhaftes Ethos. Das ist ein bürgerliches Trauerspiel. Waren die USA vor 1914 denn “demokratischer Diskurs”? Wie stand es dort um Schwarze und Juden? Schirrmacher relativiert durch Verzerrung!

    “Es hat sich gezeigt, dass Bildung und Glaube an die eigene Kultur …” – typisch Schirrmacher. Exzellenz, nicht Glaube, das rockt! Die Exzellenz der faden Bundesrepublik wird verbrähmt. Mangel an Wille zur Macht, Provinzialimus etc., die übliche Agenda.

  10. dux |  30.08.2010 | 16:13 | permalink  

    Ich kann es nicht besser ausdrücken, vielleicht hilft es wenn ich es mal zitiere:

    “Wenn niemand mehr in der Lage ist, die Idiotie in den Aussagen von Sarrazin (z.B. hinsichtlich Judengen) auszumachen, dann hat das Bildungssystem auf ganzer Linie versagt. Normalerweise müsste z.B. jeder Siebtklässler die Gen”theorien” Sarrazins als dümmliches Geschwätz eines offensichtlich bildungsfernen oder geistig minderbemittelten Spinners erkennen können.”

  11. noName |  30.08.2010 | 16:38 | permalink  

    Schirrmachers Text ist keine Analyse. Um diesen Text von Herrn Schirrmacher fundiert auseinander zu pflücken, braeuchte man (ich jedenfalls) Stunden. Hab die Zeit leider nicht. Die Methodik wie Schirrmacher das Buch des Autors Sarrazin zu analysieren versucht, ist schon nicht korrekt. Vom Ganzen, dem Buch, wird auf wenige Aussagen der Blickwinkel gerichtet. Das Extreme verschwindet einfach als “Irrweg”.

    Schirrmacher pickt sich aus dem ganzen Murks diskussionswürdige Ansatzpunkte heraus und entwickelt eigene, dubiose Ansaetze. Nach dieser Methodik koennte Schirrmacher auch “Mein Kampf” “analysieren”. Entsaetzlich!

    Mensch, und wer ueber Genetik schreibt, sollte Ahnung haben.

  12. Robin Meyer-Lucht |  30.08.2010 | 16:59 | permalink  

    @ Greg: Sehr interessanter Beitrag. Danke.

    @ noName: Diese Methodenkritik verstehe ich nicht. Versucht Schirrmacher nicht gerade, die Gesamttendenz des Buches zu benennen?

  13. Wolfgang Michal |  30.08.2010 | 17:33 | permalink  

    Was mich wundert, ist Folgendes: Während die Forschungsergebnisse der Epigenetik Sarrazins Biologismus längst als “Idiotie” entlarven, und die Wissenschaftsredaktionen der großen Medien diesen Forschungsstand auch kennen und berichten (vor wenigen Wochen hatte z.B. der “Spiegel” eine Titelgeschichte darüber), geben die Politikredaktionen der gleichen Medien dem bullshit eine Riesenbühne (anstatt über den Flur zu gehen und bei den zuständigen Fachkollegen mal zu fragen). Die Wissenschaftsredaktion des “Spiegel” muss sich doch veräppelt vorkommen.

  14. noName |  30.08.2010 | 17:42 | permalink  

    @Robin Meyer-Lucht, im ersten Absatz schreibt Schirrmacher:
    “Zieht man ab, was bei der Rezeption seines Buches nur Rufmord oder pure Ideologie ist, so bleibt ein ganz anderer Befund: Sarrazins Thesen laufen auf eine vollständige Neudefinition unseres Begriffs von Kultur hinaus.”

    Das, was Schirrmacher nicht verbraten kann, klammert er als “Irrweg” aus und reduziert seinen Fokus auf diskussionswürdige Aspekte.

    Zum Schluss schreibt er:
    “Es stimmt nicht, dass, wie Frau Merkel meint, Sarrazins Buch nicht „hilfreich“ ist. Es ist sehr hilfreich und wird einen Wendepunkt markieren. Es ist hilfreich, um wirklich zu verstehen, was auf dem Spiel steht.” Das sind allgemeine Worthülsen, aber er gibt damit seinen vorherigen Ausführungen scheinbar Gewicht – und vor allem diesen hier:

    “Hier ist das anders. Denn mit jeder Seite, die man liest, wird klarer, dass es sich hier nicht um ein bildungsbürgerliches Traktat handelt, sondern um die Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs. Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur und damit letztlich um, ein Wort, das Sarrazin (Darwin zitierend) so unerschrocken benutzt, wie einst Gottfried Benn, „Zuchtwahl“ und „Auslese“.

    Schirrmacher scheint sich auf Sarrazins Erbgutdebatte einzuschießen. Das ist gefährlich – und falsch ( http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,714558,00.html ).

    Dank (Ironie!) Sarrazin und Schirrmacher wird nun ein neuer Kulturbegriff entwickelt, einer der die Erbbiologie einbezieht. Welch ein Schwachsinn. Gut gefallen haben mir die Beiträge unter #4 und #8.

  15. Robin Meyer-Lucht |  30.08.2010 | 18:09 | permalink  

    @ NoName: Nicht ganz. Mit Hilfe von Sarrazin kann Schirrmacher seine Kulturkarte spielen (“aufwachen”).

    @ Wolfgang Michal: Jip, den Spiegel-Titel hatte ich mir nicht gekauft – habe mich das aber die ganze Zeit auch gefragt. Immerhin hat SpOn heute reagiert:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,714558,00.html

    Den Spiegel-Titel von Damals gibt es übrigens hier zu lesen:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73107925.html

  16. noName |  30.08.2010 | 18:14 | permalink  

    @Robin Meyer-Lucht :)

  17. Greg |  30.08.2010 | 20:47 | permalink  

    Auch die Zeit liefert jetzt Hintergründe zu Genetik vs. Sarrazin: http://www.zeit.de/wissen/2010-08/genetik-sarrazin

    Inhaltliche Kritik an Sarrazin findet man u.a. hier:
    Sozialdarwinismus wird hoffähig (telepolis): http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33219/1.html
    Sarrazin: „Deutschland wird immer ärmer und dümmer!“ (NachDenkSeiten): http://www.nachdenkseiten.de/?p=6572

  18. Christian Edom |  30.08.2010 | 21:04 | permalink  

    Schirrmacher schreibt spielerisch und esoterisch verschlüsselt. Es kommt auf die Betonung an. Schirrmacher kokettiert mit rechtsaußen, ähnlich wie bei seiner Schönhuber Referenz “Ich war dabei”.

  19. Robin |  30.08.2010 | 21:13 | permalink  

    @ Christian Edom: “spielerisch” und “verschlüsselt” – das sehe ich exakt auch so. Das ist Teil des Spiels.

  20. Ommel |  30.08.2010 | 21:20 | permalink  

    @Robin: Was ist also jetzt deine Meinung? Das es die bishere die beste Analyse ist, wie auch weissgarnix findet, oder das es ein Spiel ist? Also ein Artikel mit der Überschrift “Ein verhängnisvoller Irrweg” und der Dekonstruktion eines Autors insbesondere was seine Hauptthesen angeht tatsächlich das Gegenteil meint, von dem was er sagt? Dann wären wir wirklich im Wahnsinn angekommen.

  21. Robin |  30.08.2010 | 21:33 | permalink  

    @ Ommel: Dass im Feuilleton hervorragende Analysen verschlüsselt und strategisch unscharf geschrieben werden, macht doch gerade Feuilleton aus…

  22. Aufmerksamkeit! |  30.08.2010 | 21:45 | permalink  

    Auch wenn es mir sehr schwer fällt, so will ich Herrn Schirrmacher mal zugute halten, dass er noch ganz in Erinnerungen seines Methusalem-Komplottes
    http://www.perlentaucher.de/buch/17116.html
    schwelgt und sich irgendwie daran erfreut, dass jemand anderes sich nun auch dem Thema widmet. Die geradezu kindliche Freude darüber, scheint aber die Klarsicht zu trüben! Im Gegensatz zu Herrn Schirrmacher, dem ich das noch unterstelle, geht es Herrn Sarrazin nämlich nicht um das Anstoßen eines wichtigen Themas, um einen Diskurs. Herrn Sarrazin geht es allein um die geradezu borderlinehafte Aufmerksamkeitsökonomie. Provozieren, was das Zeug hält (oder was auch lange nicht mehr haltbar ist) und alle Register des schlechten und widerwärtigen Geschmacks ziehen, die in der Medienlandschaft zur Verfügung stehen. Es geht Herrn Sarrazin nur um sich, um den pekunären Erfolg seines Pamphletes. Verantwortung, Anstand und ähnliche Attitüden sind für Verlierer! Schnell hochhypen, die richtigen medialen Verbündeten haben, Alte, neue, falsche, halbrichtige Thesen streuen und fertig ist der Mix des Narziss.
    Hat eigentlich irgendjemand mal auf die Vita des Herrn Sarrazin geschaut? Hatte dieser Mann jemals Berührungspunkte mit den “Problemen”, die er pseudowissenschaftlich auftischt? Es gibt nur Interviews mit der Absonderung von Absonderlichkeiten, die mit jedem Jahr ein bisschen höher dosiert wurden. Keine Auseinandersetzungen.
    Da sollte Herr Sarrazin am 25.9.2010 sein Buch im Haus der Kulturen vorstellen. Als ihm ein kritzischer Gegenpart auf die Bühne gesetzt werden sollte, hat er dankend abgelehnt:
    http://www.hkw.de/de/top/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung_50915.php

    Und jetzt, wo er merkt, dass er die “Borderline” vielleicht überschritten hat, da gibt es das:
    http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~ECC46C81351DA40E7B3219E328A122494~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Bitte den Kasten am Ende des Textes beachten!

    Nun gut (oder eher schlecht) hier breche ich ab!

  23. Christian Edom |  30.08.2010 | 21:45 | permalink  

    Schirrmacher stellt sich in einer esoterisch schreibende Tradition. Offener exoterische Diskurs im Sinne eine politischen Feuilletons ist das nicht. Das ist anderes.

  24. Ommel |  30.08.2010 | 21:47 | permalink  

    Fand es ja gut, wie Du die Sache hier aufgegriffen hast. Mir bringt es nichts, wenn man Sarrazin einen Rassisten nennt,denn das macht ihn in gewissem Sinn sogar weniger gefährlich. Da war Schirrmacher genial. Er zeigt, das Sarazzin klammheimlich einen rassistischen Diskurs avant la lettre, wie oben einer sagte, etabliert. Das hat mir die Augen geöffnet. Das hat auch nix mehr mit Gutmenschentum versus Schlechtmenschentum zu tun. Laughlin, den Schirrmacher als eine der QUellen Sarazzins enttarnt, war ein angesehener Amerikaner, Chef der Einwanderungsbehörde und Architekt ihrer Politik. Dachte ganz a la Sarrazin und wäre verblüfft gewesen, wie die gesamte white american nordcaucasian Schicht, wenn man ihn einen Rassisten genannt hätte. Tja, und der wurde 1937 mit der Ehrendoktorwürde der Uni Heidelberg ausgezeichnet, Im Grunde müsst man Sarrazin als absoluten Gefahrenpunkt sehen wenn Schirrmacher Recht hat. Aber er sagt es sehr differenziert und das Differenzierte wird kaum irgendwo im Netz rezipiert, zum Glück aber bei Euch hier.

  25. noname |  30.08.2010 | 21:51 | permalink  

    @aufmerksamkeit; und auch diesr Emttarning steht in der FAZ. Ich sehs wie RML:schirrmacher ist der erste der Sarrazin es unmieglich macht, zum Vordenker zu werden.

  26. noName |  30.08.2010 | 22:01 | permalink  

    Nr. 25 ist nicht noName, ok. :) Aufmerksamkeits-Spam!?

  27. Thomas Maier |  31.08.2010 | 02:51 | permalink  

    Ich hab ihm geantwortet. Ganz so milde ist mein urteil nun nicht.
    das Wort “Erbgut” hat in Biologie-Büchern zu sein, aber nicht in Gesellschaftsdebatten.
    Ungeachtet der Weichei-Lösung Sarrazins am Ende des Buches, wäre natürlich die einzige vorstellbare Lösung seines Problems, das aus seiner Angst und seiner Weltanschauung herrührt, die Ausweisung. Und die Vernichtung wäre sie nur nicht, weil Sarrazin nicht Grenzen zu expandieren gedenkt.
    Er ist ein Spalter. Eine traurige Gestalt. Ein Mensch, der sein ganzes verbleibendes Leben keine Freude mehr empfinden wird, denn die Angst, die hat er und die könnte er sich nur selber nehmen.

  28. Wolfgang Scheide |  31.08.2010 | 09:41 | permalink  

    Ich hatte auf meinem Blog auch geschrieben, dass es die bisher beste Analyse von Sarrazins Buch sei. Und noch stehe ich zu diesem Urteil. Auch kann kein Zweifel daran bestehen, dass Schirrmacher Sarrazins biologistischen Ansatz für falsch hält.

  29. noName |  31.08.2010 | 09:54 | permalink  

    @Wolfgang Scheide, dieses Zitat spricht teilweise gegen Ihre Annahme:
    “Hier ist das anders. Denn mit jeder Seite, die man liest, wird klarer, dass es sich hier nicht um ein bildungsbürgerliches Traktat handelt, sondern um die Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs. Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur (…)”

    Schirrmacher scheint ja geradezu begeistert von der Verknüpfung Erbbiologie und Kultur zu sein. Den radikaleren Thesen Sarrazins folgt Schirrmacher nicht, das ist richtig. Mir reicht allerdings schon die “Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs” mit der Erbbiologie! Schlimm, wenn solche Gedanken von Zeitungsmitherausgebern entwickelt werden.

  30. Andreas |  31.08.2010 | 09:58 | permalink  

    Da stegt: Das ist ein fataler Irrweg. Kannst Du nicht lesen?

  31. noName |  31.08.2010 | 10:11 | permalink  

    @Andreas, das ist (vorwiegend) die Überschrift. ;)

    Schirrmacher schreibt weiter: „Ist Intelligenz erblich bedingt oder ebenso sehr von Umwelteinflüssen geprägt? Von der Beantwortung dieser Frage hängt die Hauptthese des Buches ab.“ Die Frage wird über die obigen Spiegel-Links beantwortet. Wieso muss so eine Frage von einem Zeitungsmitherausgeber aufgeworfen werden? Kann nicht recherchiert werden?

    Vielleicht taugen meine Erbgene wirklich nichts. Oder ich mag einfach diese hirnwichsigen Sprachspiele im Feuilleton nicht, sondern präzise, echte Analysen, die einen gesellschaftlichen Nutzen haben.

  32. Zahlenpeter |  31.08.2010 | 10:49 | permalink  

    Das Vorgehen dieses Staatsmannes ist nichts neues:

    http://www.cscs.umich.edu/~crshalizi/Russell/Hearst_Essays/How_to_Become_a_Man_of_Genius.html

    Daß Herr Schirrmacher und andere Leute Herr Sarrazin abfeiern oder zumindest wohlwollend behandeln, ist auf perverse Weise eine Bestätigung dessen These, daß Deutschland dümmer wird, da ein kurzer Blick auf seine Vergangenheit einerseits und seine Aussagen andererseits ausreicht, um seine geistigen und menschlichen Qualitäten einschätzen zu können.

    Was die These der allgemeinen geistig-moralischen Überlegenheit angeht, so gab es eine Zeit, wo Arabien auf dem Gebiet von Wissenschaft und Kultur führend gewesen ist und Vordenker z.B. auf dem Gebiet von Mathematik und Ökonomie hatte. Auch sollte man einen Römer aus dem Jahr 100 v. Chr. befragen, wie er die deutsche Leitkultur einschätzt.

    Viele Apologeten führen an, daß Herr Sarrazin wichtige Dinge anführt. Für mich ist es ein Beleg dafür, daß man bei gewissen Leuten als Messias angesehen wird, sobald man mit Codewörtern wie “Hartz IV” oder “Ausländer” ihren G-Punkt trifft. Nicht umsonst werden die Reaktionen von Formulierungen wie “Endlich sagt mal jemand, daß …” oder “Man muß auch mal sagen dürfen, daß …” begleitet, als ob man in einer stalinistischen Diktatur lebt. Dabei wird übersehen, daß die als Beweis für die Thesen herangezogenen “Fakten” weder verbotenes Geheimwissen sind noch die ganze Wahrheit darstellen.

    Ob die angesprochenen Probleme tatsächlich so schlimm sind oder nicht, so kann man sich auf jeden Fall Gedanken machen, wie man eine Gesellschaft aufbaut, die klüger und reicher wird. Sarrazin fällt dazu nicht mehr ein, als bei unbezahlbaren Heizkosten eine Jacke zu tragen. Ansonsten verliert sich der Rest seiner Aussagen in undefiniertes Wirrwarr, der für seine Fans – aus diesem Grund – die Krone der Weisheit darstellt.

  33. Aufmerksamkeit! |  31.08.2010 | 18:17 | permalink  

  34. Klaus Richter |  03.09.2010 | 15:27 | permalink  

    Was soll das schöngeistige Gelaber ?
    Sarrazin hat den Finger in die Wunde gelegt.
    Die miserable Integrationsbereitschaft von Millionen Immigranten und deren ungehemmtes Hineinlegen in die soziale Hängematte hat schon für viele
    einen sehr unangenehmen Geschmack.
    Mit diesem Thema muß man sich wirklich beschäftigen , sonst werden künftig
    richtige Gespenstergeschichten über die Männer in den Nachthemden durch die
    Gesellschaft geistern.
    Man kann schon davon reden , daß hier bevölkerungspolitischer Sprengstoff angehäuft
    wurde , der dringend entschärft werden muß.
    Bevor wirklich einer die Lunte an das Pulver legt ….

  35. OH |  04.09.2010 | 11:38 | permalink  

    @Klaus Richter:
    “Die miserable Integrationsbereitschaft von Millionen Immigranten und deren ungehemmtes Hineinlegen in die soziale Hängematte hat schon für viele
    einen sehr unangenehmen Geschmack.”

    Sarrazin könnte einen Punkt darin haben, dass wir immer dümmer werden. An den Immigranten liegt das aber offensichtlich nicht, denn offensichtlich scheitern bereits Einheimische an einfachsten Rechenaufgaben….

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