Netzlese
Sandra Mamitzsch | 13 Kommentar(e)
Von Diaspora erhoffen sich einige, dass es als “verteiltes soziales Netzwerk” geschlossene Plattformen wie Facebook ablöst. In zwei Wochen sollen Nutzer es erstmals ausprobieren können.
27.08.2010 |
Die Entwickler des Open Source-Netzwerks Diaspora möchten in etwas mehr als 2 Wochen ihren Programmcode veröffentlichen und damit offiziell starten. Als Facebook-Alternative soll das Projekt Selbstbestimmung über die eigenen Daten und eine Dezentralisierung des Netzes ermöglichen sowie den großen Kritikpunkte an Facebook und anderen sozialen Netzwerken, die Geschlossenheit des Systems, vermeiden.
Ein Prinzip des “privacy aware, personally controlled, do-it-all distributed open source social network” ist, dass es keine zentrale Plattform gibt, sondern jeder sein eigenes Profil (genannt “Seed”) auf einem eigenen Server aufsetzen kann. So könnten beispielsweise Vereine eigene Diaspora-Server erstellen und ihren Mitgliedern diese als Service anbieten. Als nächste Diaspora-Entwicklungsstufe hofft das Team, eine Plattform ähnlich der WordPress.com-Plattform anbieten zu können, auf der sich Nutzer ohne eigenen Server Profile erstellen können.
Die Vollzeit-Entwicklung von Diaspora war laut Mashable ursprüglich nur als Sommerprojekt geplant, das den Code lauffähig veröffentlichen wollte, so dass dieser dann von anderen verbessert und erweitert werden könnte. Mit Hilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter haben die Entwickler dafür innerhalb weniger Tage die erforderlichen Spenden gesammelt.
In ihrem Blog kündigen sie nun an, dass sie Diaspora langfristig betreuen werden:
We aren’t going to stop working after we release. Ilya and Raphael are taking leave from NYU, and we will continue to develop and maintain Diaspora as a long term project. We have shifted our development timeline accordingly, and the first release will be the beginning of something great, not a finished summer project.
Wie die weitere Finanzierung dafür aussehen könnte, schreiben sie jedoch noch nicht.
Einer der Entwickler, Maxwell Salzberg, wird Diaspora außerdem am 4. September auf der Ars Electronica (Programm) in Linz vorstellen.
Session “Open Source Life III: Repair Society”
Creating Diaspora
Maxwell Salzberg (US), programmer, started building a distributed social network dubbed „Diaspora.“
Mehr zu Diaspora auf Carta:
Daniel Leisegang: Facebook-Alternative Diaspora: Die Freiheit liegt in der Verstreuung


Ich sehe das verteilte Speichern von Userprofilien eher als schlechter für den Datenschutz, als besser. Denn wo bei Facebook nur eine Firma Zugriff auf die Daten hat, sind es hier gleich mehrere.
Die Benutzer suchen sich einen Hoster aus, bei dem sie ihre Daten ablegen. Dann vernetzen sie sich mit Freunden, denen Sie ja Zugriff auf Ihre Daten geben wollen. Der dazu notwendige Key könnte entweder beim Client im Browser gespeichert werden (dann hätte wirklich nur der User Zugriff auf die Daten seines Freundes), aber dann würde es nur von einem PC aus funktionieren, daher ist das unwahrscheinlich.
Der Key zu meinem Profil wird also auf den Servern von jedem meiner Freunde gespeichert. Denn nur so lässt sich realisieren, dass sie von jedem PC aus auf ihr Konto zugreifen können. Daher reicht es schon, wenn nur einer meiner Freunde sich z.B. bei Google (oder irgendeinem anderen großen Diaspora-Provider) hosten lässt, dass diese Firma Zugriff auf mein Profil hat.
Ich sehe daher nicht, dass durch das verteilte Speichern der Datenschutz erhöht wird.
Hmmm, hab noch gar nicht darüber nachgedacht…
ABER: So, wie ich selbst einen “laconica (status.net) server, einen ELGG-Server und hierbei dann auch einen Diaspora Server, oder sogar PyGoWave… so muss ich nicht dediziert Google, FB, Twitter, etc benutzen… ” heisst ja auch personally controlled..
Just my two cents…
Andreas_P
@Jochen
So hab ich da auch noch nicht drüber nachgedacht. Das wird sich aber wohl erst zeigen, wenn man es wirklich ausprobieren kann.
Der Spagat zwischen einfacher Installation, Vernetzung und Datenschutz ist aber bestimmt nicht trivial.
Ich war damals über den riesigen Erfolg des Fundings schon sehr begeistert & wäre total aus dem Häuschen, wenn Diaspora auch beim breiten Publikum so gut ankommen würde, wie in der IT-Szene. Bin gespannt :-)!!
@Jochen: es existiert eine technologische Lösung für dieses Problem: GnuPG. Zur Einführung und der Beantwortung Deiner Frage, wie dezentrale Datenhaltung die Sicherheit des einhzelnen erhöhen kann, empfehle ich Cory Doctorows “little brother”. Eine unterhaltsame Einführung in die Welt der bits & bytes und der digitalen sicherheit. Oder mal “Web of Trust” bei http://www.ixquick.com eingeben für einen kurzen Überblick.
Hier noch als Nachtrag der Link zum Buch – frei verfügbar:
http://craphound.com/littlebrother/download/
Ich dachte zuerst: was ist das für ein Harry-Potter-M*st… aber dann habe ich verstanden: es ist zwar etwas Harry-Potterig, aber die Zaubersprüche kenne ich – es sind Hacks. Anschaulich erklärt. Lesetipp, für Techies & non-Techied gleichermaßen.
Technologisch ist das sicher alles lösbar, aber die Usability muss auch stimmen. Und das ist mit so Key-Gedöns ja immer eher schwierig. Was mache ich bei Verlust des Keys usw. sind ja auch immer Fragen.
Hinzu kommt, dass man kritische Masse braucht und da haben es ähnliche Angebote bislang immer schwer gehabt. Zudem muss ich meine Freunde auch finden können. Da sind zwar Dinge wie Webfinger (womit man seine Social-Network-Profile hinter seiner E-Mail-Adresse ablegen kann) auf dem Weg, aber auch diese kranken zunächst an der mangelnden Verbreitung.
Von daher bin ich da eher etwas skeptisch. Evtl. kann aber der Hype und die Berichtererstattung der US-Tech-Blogs sicher helfen.
Was den Datenschutz betrifft, so sehe ich das ähnlich wie Jochen, denn die Daten werden im Zweifel eher weiter verbreitet, als bei einer zentralen Lösung. Dabei muss man aber auch bedenken, dass dies bei der FB Graph API aber auch schon der Fall ist.
Diaspora errinnert mich immer etwas an Fourquare. Das große Ziel ist es Facebook vom Thron zu stoßen, doch das Konzept ist was anderes. Mit diesem Ziel erreicht man bloß, dass alle von dem “Facebook-Gegner” sprechen, die Konzepte selbst aber in den Hintergrund geraten…
In wie weit Diaspora wirklich etwas verbessert, oder verschlechtert bleibt abzuwarten…
@Jochen: Ob die Server meine Kontakte wirklich meine Daten auswerten können oder nicht, kann ich nicht beurteilen.
Aber bei einer Verteilten Lösung kann zumindest kein einzelner Provider das “gesammte Bild” sehen, sondern immer nur Ausschnitte. Wenn wir natürlich von dem Ausschnitt sprechen, den Google durch seine Suche und Analytics sieht, dann ist das zu viel. Auch Facebooks Ausschnitt ist zu groß.
Somit ist mir eine dezentrale Struktur mit ihren (hoffentlich) kleineren Ausschnitten sehr viel sympatischer.
Interessante Nachricht! Ob das neue SNW-Konzept (SNW= Social NetWork) wirklich datenschutz-freundlicher ist, kann auch im Prinzip bezweifelt werden, denn auch Diaspora wird von Menschen gemacht… Hier im Blog wurden schon konkrete Bedenken geäußert, ich will da auch nachsehen. Ich möchte die Sache sicherlich nicht schlecht reden und dem Vorhaben Erfolg wünschen.
Eine “Ablösung” von Facebook ist m.E. nicht in Sicht. Sonst gibt es auch weitere SNWs, sie bestehen und würden nicht zu Facebook migrieren, während Facebook irgendwie auch als Meta-SNW funktioniert. Als Beispiel für den Bedarf an spezialisierte SNWs möchte ich Skinbook http://skinbook.ning.com — ” The Worlds No.1 Nudist Social Network ” — anführen. Das FKK-SNW hat seinen Sitz in England, entstand nach einer Idee von 2008, ich habe davon aus einem Time-Artikel vom Ende Mai d.J. erfahren:
http://www.time.com/time/business/article/0,8599,1992300,00.html
Wie schützt man sich vor der Nachrichten-Überschwemmung in einem SNW?! ;-) Am Sonntag (29.08) erschien ein gründlicher Artikel (2 HTML-Seiten, auch mit technischen Links) von Michael Rosenwald über “die kleinen anti-sozialen Auswege”:
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/08/29/AR2010082902447.html
(Ich habe den Artikel über ein Nachrichten-Portal mit personalisiertem Zugang gefunden, wer den Time-Link anklickt, könnte zuerst eine Aufforderung zur kostenlosen Registrierung an der Time-Website bekommen.)
[Schreibfehler] Pardon, im 3. Absatz im Kommentar #9 soll “wer den WashingtonPost-Link anklickt” stehen, es geht also nicht um den Time-Link im 2. Absatz.
Letztendlich ist doch die entscheidende Frage welche grundsätzliche Haltung der Plattformbetreiber langfristig verfolgt. Hier gibt es auch bereits gute Alternativen. Siehe z.B. http://chocobrain.com
Ein deutsches Unternehmen mit langfristiger, benutzerorientierter Datenschutzphilosophie:
http://www.chocobrain.com/content/Datenschutz-bei-chocoBRAIN-%C3%9Cberzeuge-dich-selbst-von-unserer-Philosophie/07FC80E894E511DF95FD63806980ACF4#025641357573
Diaspora ist wirklich ein superinteressantes Projekt.
@Sandra: Zur zeitlichen Richtigstellung, und damit nicht irgendwelche Leute sich jetzt schon unnötig auf den 15. September freuen, sollte man vielleicht erwähnen, dass in zwei Wochen nicht jeder Nutzer Diaspora ausprobieren kann, sondern dass die Entwickler dann erstmals ihr Repository auf github zugänglich machen. Der durchschnittliche Endnutzer wird damit überhaupt nichts anfangen können. Eine erste alpha-Version für Consumer ist erst für Oktober geplant.
Zitat aus dem Entwicklerblog:
“Addendum (8/30): To clarify, September 15 will be our open-source developer release. At that time, we will open up our github repository, publish our roadmap, and shift our development style to be more community oriented. We intend on launching a consumer facing alpha in October. Join our mailing list to get an invite.”
–> http://www.joindiaspora.com/2010/08/26/overdue-update.html
@Niko Sehr vielen Dank für den Hinweis! Diese Klarstellung des Zeitplans hätte zur Bekanntgabe des 15.9. sicher nicht für den erlebten Hype gesorgt ;)
Als Zielgruppe würd ich in der ersten Zeit aber eh noch die Entwickler-Community und Nerds sehen und die werden es dann hoffentlich am 15. in die Finger bekommen und berichten. Bisher ist ja nun wirklich sehr wenig bekannt.