szmtag

Netzlese

Robin Meyer-Lucht

Netzneutralität: Matthias Kurth fordert “Mindestqualität”

Robin Meyer-Lucht | 4 Kommentar(e)


Der Präsident der Bundesnetzagentur setzt sich für eine Wahrung der Netzneutralität ein – und will zugleich “Expresszustellungen” im Netz erlauben. Ein Gesetz soll die “Mindestqualität” des neutralen Netzes sicherstellen.

25.08.2010 | 

Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, hat sich einem Gastbeitrag für die F.A.Z. für eine Sicherung der Netzneutralität und – zugleich – für eine “Differenzierung” der Zugangsangebote ausgesprochen.

Kurth möchte ein diskriminierungsfreies Netz sicherstellen, aber den Anbietern abgestufte Angebote nicht verbieten. Er schlägt daher vor, eine “Mindestqualität” für das neutral zur Verfügung gestellte Internet im neuen Telekommunikationsrecht festzuschreiben.

Für Kurth ist Netzneutralität ein zentrales, aber nicht das einzige Ziel von Telekommunikationsregulierung:

Die zentrale Herausforderung für die Bundesnetzagentur wird es daher sein, die Grenze zwischen wohlfahrtssteigernder Differenzierung und wettbewerbsbehindernder Diskriminierung zu ziehen.

Kurth widerspricht damit der Initiative ProNetzneutralität, wonach von einer vollständigen Netzneutralität nur positive Effekte für die Gesellschaft ausgehen würden.

Kurth verweist hier auf das Briefgeschäft:

Auch bei Briefen und Paketen kann ein Kunde wählen, ob er eine herkömmliche oder – gegen ein höheres Entgelt – eine Expresszustellung wählt. Im Grundsatz sollte auch im Internet der Nutzer souverän entscheiden können, ob er den Standard oder eine höhere Qualität wählt oder auch welche Dienste er nutzt.

Den vollständigen Text gibt es drüben beim Netzökonom.

Mehr zu :

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

4 Kommentare

  1. Malte Spitz |  26.08.2010 | 09:26 | permalink  

    Naja, der Vergleich von Kurth zur aktuellen Diskussion um die Netzneutralität hinkt. Die Deutsche Telekom stellt sich ja hin und sagt das sich für den Kunden/Nutzer nichts ändern würde. Lediglich Inhalteanbieter etc würden von einer Umstellung betroffen sein. Schon heute kann sich jeder Kunde entscheiden ob man sich eine 6MBit DSL Leitung bestellt oder eine 50MBit VDSL Leitung, die Schnelligkeit unterscheidet sich auch dort. Die aktuelle Diskussion der ISPs übertragen auf das Beispiel von Kurth mit Paketdiensten müsste ja eher lauten: bezahlt Versandhändler Otto 20% Extra damit deren Pakete schneller/prioritär dem Kunden/Nutzer zugestellt werden als die vom Konkourenten Neckermann oder Amazon.

  2. Seb |  26.08.2010 | 10:02 | permalink  

    Herr Kurth möchte also, dass “dem Aspekt der Mindestqualität im Rahmen des neuen Telekommunikationsgesetzes eine besondere Rolle zukommen.”

    Interessant. Was dabei rauskommen wird, kann man ahnen, wenn man sich den sogenannten Breitbandatlas des Wirtschaftsministeriums für Internetzugänge anschaut. Da werden nämlich 384kbit/s – 1Mbit/s (was lächerlich langsam ist bei heutigen Geschwindigkeiten) als Breitband bezeichnet und als Mindeststandard angesehen.
    http://www.zukunft-breitband.de/BBA/Navigation/breitbandstrategie.html

    Davon unabhängig: ein bisschen Netzneutralität gibt es nicht. (Und dass der Chef der Bundesnetzagentur Internet mit Postzustellung bzw neulich im DLF mit Autobahnen vergleicht, zeigt leider sehr deutlich, dass wir von da nicht viel gutes zu erwarten haben.)

  3. Anselm H Joh Redlich |  26.08.2010 | 11:05 | permalink  

    Netzneutralität ohne wenn und aber!
    Es geht nicht an, diese nie funktionsfähige Post-Brief- und -Paket-Aktion ins Spiel zu bringen, es gab Tests, da sind die normalen Sendungen eher da gewesen.
    Das gilt dann aber nicht als Ausrede: seht dann wird es doch für die Benachteiligten besser!
    Die DSL-Verträge sind schon ein halber Betrug: wer weiß denn wie groß sein Upload-Volumen ist – es ist maximal ~1/3 des Download-Vol. i., d. Regel viel niedriger.
    Wenn unsere Netze sich so weiterentwickeln wie in den vergangenen 15Jahren, dann können die Netzbetreiber sowieso froh sein, wenn sich überhaupt was tut.
    Denn mehr als 750MByte/s kann niemand gebrauchen – soviel benötigt nicht einmal ein HD-3D-Stream.
    Selbst wenn jeder Einwohner inkl. Säuglingen und Koma-Patienten 24 Stunden täglich verschlüsselte HD-3D-Stream-Berieselung mit Konferenzschaltungs-3D-Web-Cam-Telefonie betrieben, käme man höchstens auf 2 oder 3 GByte/sec und Einwohner.
    Spazieren geht ja niemand mehr.
    Und die Überwacher (oder Pharma-Unternehmen) arbeiten besser an örtlicher Materialfilterung, als an kryptologisch-vergrößerten und sonderbeschleunigten Datenflüssen!!!
    Netzregulatoren hätten es ja vor 12Jahren einführen können, aber nein, damals musste man die Leute noch per Arbeitsamt zu Internet-, Mobiltelefon- und Computer-Kursen schicken – anfüttern, süchtig-machen!
    Sommer’93 subventionierte Berlin noch Microsoft mit “Fenstern im Netz” im Bikini-Haus.
    Die Berliner Verwaltung, die Sparkasse und wer noch sonst -außer mir- ist XP-Nutzer?
    Doch ich finde es toll, dass ich hier am 2x6MBit/s-DSL-Anschluß mit durchschnittlich ~0,85 bis 3,5MBit/s Downloaden kann!
    dies muss nicht durch eine “Mindestqualität” verringert werden!

  4. Lesenswerte Artikel 26. August 2010 |  26.08.2010 | 12:28 | permalink  

    [...] Netzneutralität: Matthias Kurth fordert “Mindestqualität” "Matthias Kurt, Präsident der Bundesnetzagentur, hat sich einem Gastbeitrag für die F.A.Z. für eine Sicherung der Netzneutralität und – zugleich – für eine “Differenzierung” der Zugangsangebote ausgesprochen."Und ich würde gern einen Kuchen essen und ihn gleichzeitig für später aufheben. [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.