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admin | 11 Kommentar(e)
“Wir sind alle Rundfunk”-Kommentar – Schirrmacher verteidigt Hanfeld: “Beschwerden über Redakteure mit der Absicht der Sanktionierung erreichen in der ,FAZ’ auch dann nicht ihren Zweck, wenn sie über offene Briefe oder Rundfunkräte verbreitet werden.”
24.07.2010 |
Der Spiegel bericht in einer Vorabmeldung von der Reaktion des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher auf den offenen Brief an ihn. Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust hatte ihn für die “Wir alle sind Rundfunk“-Äußerung von FAZ-Redakteur Michael Hanfeld angegriffen, in der dieser mit Formulierung wie “Staatsjournalismus” und “totaler Machtanspruch” das Papier-Gutachten für die Internetauftritte von ARD und ZDF kommentiert hatte. Schirrmacher laut Spiegel:
“Beschwerden über Redakteure mit der Absicht der Sanktionierung erreichen in der ,FAZ’ auch dann nicht ihren Zweck, wenn sie über offene Briefe oder Rundfunkräte verbreitet werden.”
…
“Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten”, so Schirrmacher nun, würden in Papiers Deutung “zu einer nur noch geduldeten Spezies des Internetzeitalters” gemacht. Die verfassungsrechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen ließen sich nicht abschätzen. “Sie haben sich entschlossen, mit einer in der Maßlosigkeit kaum noch zu überbietenden Behauptung an die Öffentlichkeit zu treten. Ich glaube nicht, dass irgendein Printjournalist sie unwidersprochen lassen kann.”
Hanfeld reagierte ebenfalls auf den offenen Brief, wie auf Spiegel Online in der Zusammenfassung der Ereignisse zu lesen ist:
Hanfeld weiß sich zu wehren – mit ironischer Kritik an dem Weg, den Boudgoust wählte. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst sagte er: “Wenn der Vorsitzende der ARD an einen Herausgeber der ‘FAZ’, meinen Chef, einen offenen Brief schreibt, indem er mich, den Redakteur angreift, dann verrät mir das viel über den Byzantinismus und das hierarchische Denken, das in den oberen Etagen der ARD herrscht.”
Update:
Schirrmachers Antwort im Volltext findet sich bei der FAZ.
Hierauf antwortet wiederum Boudgoust öffentlich auf ARD.de:
Aber wenn die FAZ auf ihrer ersten Seite mit Begriffen wie “Herrschaft des Staatsjournalismus” – “Ende der freien Presse” – “totalen Machtanspruch” aufmacht, ist dies eine öffentliche Angelegenheit, die nicht im privaten Gespräch mit Herrn Hanfeld zu erörtern ist. Eine so massive Attacke macht es geradezu notwendig, ebenso öffentlich die Gegenposition der ARD darzulegen. Auf die inhaltlichen Argumente in meinem Brief vom 21. Juli sind Sie in Ihrem Schreiben leider nicht eingegangen.
…
Vielleicht können wir unsere Debatte nach Ihrem Urlaub in einem persönlichen Gespräch fortsetzen.
Damit scheint die Brieffreundschaft für’s Erste beendet.
Danke für die Hinweise in den Kommentaren.


Interessantes Lehrbeispiel zum “clash” der Kulturen: die öffentlich-rechtlichen denunzieren Redakteure beim Chef, weil sie es so von den Politikern gewöhnt sind. Wer das einmal erlebt hat, weiss wie das läuft: bis hin zu Inquisitionen bei Rundfunkräten, die aus den Politikern bestehen, über die man ansonsten kritisch berichtet. Von internen Tadeln “VGO” (“von ganz oben”) kann jeder ör Redakteur ein Lied singen. Schirrmacher macht da nicht mit, wie wahrscheinlich auch die SPIEGEL Chefs nicht. Seine Loyalität und Solidarität lobe ich mir!
Gut, die FAZ-Haltung. Aber wird es in 10 Jahren auch noch Hanfelds geben? Ich fürchte nein, die Allmacht des staatlichen Spinnennetzes dehnt sich überall hin aus und wird ständig dichter.
Jetzt gibt es den Brief von Herrn Schirrmacher in der F.A.Z.
http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~EC361577F34AE4183A115F3A59EAD0927~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Sehr gute Reaktion auf einen unwürdigen Brief.
Herr Boudgoust fällt irgendwie laufend unangenehm, überheblich auf…
Wie schon geschrieben: Wer GEZ-Gebühren verprasst, bewegt sich im Bereich der Untreue. Aber in dieser Sphäre darf man das, oder? Spontan muss ich an die „Satansmühle der Eliten“ von Prantl denken.
So langsam nimmt das bei Herrn Boudgoust Michael Kohlhaas-hafte Züge an :-)
http://www.digitalfernsehen.de/news/news_937839.html
Vielleicht sollte er einfach mal zum guten alten Hörer greifen.
Und bei der ARD:
http://www.ard.de/intern/-/id=1886/nid=1886/did=1531220/213169/index.html
Das ist eher was für die Nachmittagssendungen bei den Privatsendern. :))
Da sich das Thema noch immer großer Beliebtheit erfreut (ist etwa Sommerloch?), hab ich mal die Links nachgetragen.
Danke!
“Vom Volk bezahlte Verblödung” und zu Hansi Hinterseer: http://www.zeit.de/2010/31/Oeffentliche-Anstalten
Kein Kommentar!
Es ist längst nicht mehr die Frage, ob und wie sehr das System Öffentlich-Rechtliche Anstalten aus dem Ruder geraten ist. Die Frage lautet viel mehr: Wie wehrt man sich?
Wie organisiert man den Widerstand? Wenn wir nicht aufpassen, zahlen wir in ein paar Jahren ein Vielfaches der heutigen Gebühr, auch wenn sie dann Beitrag heißt.
Und dann wird es wie zum Hohn auch noch so genannte Journalisten geben, die uns erklären, wie gut, wie toll und wie wichtig das alles ist. Richtige Journalisten gibt es dann leider nicht mehr, denn deren Arbeit hatte gegen die mit fetten Zwangsgeldern ausgestatteten Angebote keine Chance.
[...] sich sogenannten höheren Orts zu beschweren, wenn jemand es wagt, unbotmäßig zu berichten. Das erfuhr vor einiger Zeit exemplarisch der Medienredakteur der FAZ, Michael Hanfeld. Hanfeld hatte es [...]