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Robin Meyer-Lucht

“Neuer Anfang mit den Öffentlich-Rechtlichen”

Robin Meyer-Lucht | 12 Kommentar(e)


Wolfgang Blau (“Zeit Online”) fordert in seinem Beitrag in der SZ-Reihe “Wozu noch Journalismus”, die öffentlich-rechtliche Konkurrenz nicht zu ernst zu nehmen. Die Redaktionen in den Anstalten hätten ohnehin ein viel zu enges “politisches Korsett”.

16.05.2010 | 

Wolfgang Blau bei Sueddeutsche.de:

Die öffentlich-rechtlichen Online-Redaktionen beschäftigen zwar viele hervorragende Journalisten, das politische Korsett dieser Redaktionen ist aber so eng, dass sie keine wirkliche Konkurrenz darstellen. Gäbe es diese Websites nicht, hätten die Online-Angebote der Zeitungshäuser zwar einige Nutzer mehr, man muss aber schon komplett mutlos sein, wenn man behauptet, die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensites stünden dem kommerziellen Erfolg der Zeitungs-Websites im Wege.

An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, aus welchem Grund der Gesellschaft ein Rundfunksystem sieben Milliarden Euro wert sein sollte, wenn dessen politisches Korsett sehr eng geschnallt ist? Die Aufgabe des Rundfunks ist verfassungsgemäß eine völlig andere – schon deshalb mag Blaus vorgeschlagene Aufgabenteilung zwar der aktuellen Realität entsprechen – sie kann aber nicht als medienpolitisches Grundkonzept angewendet werden.

Blau schreibt weiter:

Was spräche beispielsweise dagegen, dass öffentlich-rechtliche Sender sämtliche Inhalte, an denen sie die nötigen Rechte klären können, auch den Nachrichtensites der Printmedien kostenfrei zur Verfügung stellen? Weshalb kaufen die Websites der Printmedien vor großen Sportereignissen oder Wahlen teure interaktive Datenbank-Module ein, statt die entsprechenden Module der öffentlich-rechtlichen Websites nutzen zu dürfen, durchaus auch als White-Label-Produkt, also ohne das Logo des jeweiligen Senders zeigen zu müssen?

Die  Antwort ist ganz einfach: Dagegen spricht, dass dies beihilfefinanzierte Eingriffe in den Zuliefermarkt für journalistische Online-Publikationen sind. Auch Agenturen, die Nachrichtenvideos verkaufen, und Anbieter von Sporttickern haben ein Recht darauf, nicht von staatlich protegierter Gebührenkonkurrenz mal so eben vom Markt geräumt zu werden. Die Kooperation von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern geht daher häufig zu Lasten Dritter und zu Lasten der Vielfalt – auch wenn sie für privatwirtschaftliche Chefredakteure so manches Kostenproblem erleichtern.

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12 Kommentare

  1. Aufmerksamkeit! |  16.05.2010 | 14:12 | permalink  

    @RML Danke für diese kritische Einlassung. Hatte mich schon sehr gewundert, dass bei twitter der Artikel so gelobt wurde.
    Die ersten 2 Seiten wiederholen nur, was schon zig-fach geschrieben wurde, einzig die dritte Seite ist ganz interessant und – wie hier aufgeführt – wird es auf der vierten Seite ganz abstrus.
    Und zusätzlich eine Frage an Herrn Blau: Habe ich richtig verstanden, dass er zukünftig Ideen nur noch “anschieben” will, während die “Netzgemeinde” für ihn die kostenlose Recherche ausführen soll? Auch wenn man sich dem Netz sehr “andient” (um nicht anbiedern zu sagen), wird daraus allein noch kein guter Journalismus.

  2. Hardy Prothmann |  16.05.2010 | 15:02 | permalink  

    Guten Tag!

    Mein Kommentar dazu: http://www.facebook.com/wolfgang.blau?ref=ts

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  3. Aufmerksamkeit! |  16.05.2010 | 16:08 | permalink  

    Tja, soweit zur offenen Kommunikation :-) Dass bei der Zeit die Autoren mit den Kommentieren “reden” habe ich bisher auch nur in einem Fall und zeitlich begrenzt auf 1 Stunde erlebt. Ansonsten findet dort eine Kontrolle durch die Redaktion statt, aber kein Dialog.

  4. Medial Digital» Linktipps Neu » Linktipps zum Wochenstart: Goldene Zeiten für Journalismus |  16.05.2010 | 16:31 | permalink  

    [...] ganz durchdachte Ideen zu einer neuen Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet (s. Replik von Robin Meyer-Lucht bei [...]

  5. Wolfgang Blau |  16.05.2010 | 23:41 | permalink  

    Lieber Robin Meyer-Lucht,

    Sie gehen in Ihrer Einordnung vom Ist-Zustand aus, also der Tatsache, dass die Angebote der Öffentlich-Rechtlichen in vieler Hinsicht unbefriedigend sind oder zumindest in keinem vertretbaren qualitativen Verhältnis zum jährlichen Gebührenaufkommen in Höhe von 7,3 Milliarden Euro stehen. Bis zu diesem Punkt sind wir uns noch einig.

    Dann schieben Sie mir aber unter, dass meine Einschätzung, wonach die Öffentlich-Rechtlichen keine wirkliche Konkurrenz darstellen würden, sich nicht nur auf deren Online-Angebote beziehe, sondern sogar auf die öffentlich-rechtlichen TV-Sender und Radioangebote. Ab da wird es unsauber: In Ihrem Anreißer oben schreiben Sie: “Blau (…) fordert, die öffentlich-rechtliche Konkurrenz nicht ernst zu nehmen”, während ich gezielt von den öffentlich-rechtlichen Online-Redaktionen spreche. Weiter unten vermischen Sie meine Äußerungen noch mit Ihrer Frage, aus welchem Grund der Gesellschaft ein Rundfunksystem sieben Milliarden Euro wert sein solle, wenn dessen politisches Korsett sehr eng geschnallt sei. Das von mir konstatierte, zu enge politische Korsett bezieht sich aber – s.o. – nicht auf den 7.3 Milliarden Euro teuren Apparat, sondern auf die Online-Auftritte. Auch hier der Hinweis, dass das eine Verzerrung ist, nicht aber meine Fragestellung.

    Damit zum Korsett-Gleichnis: Die Diskussionen und Kampagnen rund um den neuen Rundfunkstaatsvertrag haben ja bereits Wirkung gezeigt. Unter anderem die, dass viele öffentlich-rechtliche Online-Redaktionen inzwischen äußerst verunsichert sind und beispielsweise mit pointierten politischen Kommentaren sehr risikoscheu und sparsam umgehen. Wer sich im Netz aber weitgehend auf das (noch so kompetente) Vermelden von Nachrichten beschränkt, hat große Schwierigkeiten, ein eigenes Profil zu entwickeln und eine für die jeweilige Plattform charakteristische Leserschaft aufzubauen. Das Selbstbewusststein und die Handlungsfreiheit öffentlicher-rechtlicher Online-Redaktionen sind im Vergleich zu den öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Redaktion leider deutlich kleiner geworden. Aus diesem Grund meine Metapher der politisch zu eng korsettierten, öffentlich-rechtlichen Online-Redaktionen. – So viel zur korrekten Zitation.

    Was mich aber am meisten interessiert: Wollen Sie noch öffentlich-rechtliche, gebührenfinanzierte Online-, Radio- und TV-Medien in Deutschland oder wollen Sie diese nicht? Es würde helfen, wenn Sie zu dieser Frage Farbe bekennen würden. Verwenden Sie den Begriff “Rundfunksystem” deshalb so gezielt, weil es von “Rundfunk” semantisch ein weiterer Weg zu öffentlich-rechtlichen Websites ist als vom Terminus der öffentlich-rechtlichen “Medien”?

    Es macht einen großen Unterschied, ob wir über eine dringend nötige und dann durchaus auch drastische Reform unseres öffentlich-rechtlichen Mediensystems diskutieren, oder ob diese Reformdebatte nur scheinbar geführt wird und in Wahrheit lediglich der erste Brückenkopf hin zur gezielten Verkrüppelung der öffentlichen-rechtlichen Medien ist. Mir ist nicht klar, wo Sie in dieser Frage stehen. (Es würde auch helfen, wenn Sie in Ihrer Doppelrolle als Strategieberater und Journalist gegebenenfalls offenlegen würden, ob und, wenn ja, welche Konfliktparteien im Streit um die öffentlich-rechtlichen Online-Ausgaben Sie in den letzten zwei Jahren beraten haben. )

    Ich selbst halte den Fortbestand öffentlich-rechtlicher Medien in Deutschland für unverzichtbar; dazu gehört eine starke, nicht nur programmbegleitende Präsenz im Netz. Zu Fragen meiner möglichen Befangenheit: Ich bin in der Diskussion über die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien weder neutral, noch maße ich mir an, objektiv urteilen zu können. Vor Antritt meiner Tätigkeit für ZEIT ONLINE im März 2008 habe ich regelmäßig auch für verschiedene öffentlich-rechtliche Medien gearbeitet und dabei die Stärken und Schwächen dieses Systems erlebt. ZEIT ONLINE ist auch Geschäftspartner bzw. Kooperationspartner verschiedener öffentlich-rechtlicher Sender; wir übernehmen zum Beispiel vom ZDF die “100-Sekunden”-Nachrichten und produzieren mit DeutschlandRadioWissen eine wöchentliche Talk-Show zu Netz-Themen.

    Wenn man nun stur davon ausgehen würde, dass jeder einzelne, zusätzliche Stammleser zählt, müsste ich als Chefredakteur von ZEIT ONLINE eigentlich ein geschäftliches Interesse daran haben, die Online-Auftritte der Öffentlich-Rechtlichen immer weiter zurückzustutzen bzw. abzuschaffen. Als Bürger, als Gebührenzahler und auch als Journalist weiß ich aber, dass ich vom Dualen System, dem Nebeinander privatwirtschaftlich und gebührenfinanzierter Medienangebote, langfristig profitiere. Beide Systeme haben verschiedene strukturelle Verwundbarkeiten, die sich im Idealfall gegenseitig ausgleichen können.

    Bevor man also in den Dialog darüber eintreten kann, wie ein finanziell vertretbares öffentlich-rechtliches Mediensystem in Deutschland aussehen könnte und welche neuen Kooperationsformen zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Häusern denkbar sind, müssen Teilnehmer solcher Diskussionen erst einmal Farbe bekennen, was ihre Agenda ist; ob sie öffentlich-rechtliche Medien grundsätzlich noch wollen oder bereits – unter dem Deckmantel der Reformdebatte – an deren schrittweisen Demontage arbeiten.

    Und Ihr Hinweis, beihilfefinanzierte Eingriffe in den Zuliefermarkt für journalistische Online-Publikationen verstießen gegen den fairen Wettbewerb, ist sachlich völlig richtig, sollte uns aber angesichts der geradezu tektonischen Verschiebungen in der Medienbranche ganz bestimmt nicht davon abhalten, über die heutigen gesetzlichen Möglichkeiten hinaus nachzudenken. Der Fortbestand hochwertiger, journalistischer Plattformen ist im ersten Schritt wichtiger als das wirtschaftliche Wohlbefinden einzelner, heutiger Akteure.

    Ziel meiner Textpassage über die Öffentlich-Rechtlichen ist nicht, ein fertiges Szenario für die friedliche Koexistenz von privaten und gebührenfinanzierten Medien zu präsentieren, sondern offene Fragen zu neuen Kooperations-Ansätzen auf den Tisch zu legen. Ich gehe davon aus, dass Vertreter beider Seiten diese Ideen nicht mögen werden und dass eine großzügige Inhalte-Distribution auch dem Selbstverständnis vieler öffentlich-rechtlicher Entscheider zunächst widersprechen wird.

    Herzliche Grüße, Wolfgang Blau

    @ User “Aufmerksamkeit”:
    Nein, keine Sorge, die” Netzgemeinde” soll uns nicht die Recherche abnehmen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass eine Redaktion mehr weiß als die Gesamtheit ihrer Leser und deshalb auf deren Input verzichten kann. (Übrigens kann es auch Spaß machen, sich mit Lesern auszutauschen.)
    Und was Sie über die angeblich fehlende Kommunikations-Bereitschaft der ZEIT-ONLINE-Redakteure schreiben, deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung. Unsere Redakteure tauschen sich regelmäßig mit ihren Lesern aus. Jeder ZEIT-ONLINE-Redakteur hat eine eigene Profilseite, auf der Sie nicht nur dessen Artikel, sondern auch alle seine Diskussions-Beiträge in Leserdebatten sehen können. Beispiele:
    http://community.zeit.de/user/philip-faigle-0
    http://community.zeit.de/user/marlies-uken
    http://community.zeit.de/user/dagny-luedemann
    http://community.zeit.de/user/markus-horeld
    Ich würde mich freuen, Sie bald einmal in einer Leserdebatte auf ZEIT ONLINE begrüßen zu können.

  6. KoopTech » Titelgeschichte » Open Content: Öffentlich-Rechtliche als Informationsdienstleister für Private? |  17.05.2010 | 09:15 | permalink  

    [...] wenig meditieren sollte – und nicht von der Hand weisen sollte, so wie es Robin Meyer-Lucht flugs getan hat. Blau denkt darüber nach, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Dienste kostenlos den [...]

  7. onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » Zeit-Online-Chef fordert Ende des Festungsdaseins und öffentlich-rechtliche Dienstleister |  17.05.2010 | 10:32 | permalink  

    [...] 17.05.2010: Blau antwortet bei Carta ausführlich auf Robin Meyer-Luchts Kommentar zu seinem [...]

  8. Peter |  17.05.2010 | 10:57 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Blau,

    offenbar sind sie der Auffassung, bei einem Auto könnte die Karosse wichtiger sein als der Motor oder umgekehrt. Ich zitiere:
    “Der Fortbestand hochwertiger, journalistischer Plattformen ist im ersten Schritt wichtiger als das wirtschaftliche Wohlbefinden einzelner, heutiger Akteure.”

    Eigentlich sollte ihnen doch klar sein: Das wirtschaftliche “Wohlbefinden” gestriger, heutiger und künftiger Akteure ist keine Garantie, aber die Voraussetzung für den “Fortbestand hochwertiger, journalistischer Plattformen” überhaupt.

    Auch wenn es bei der ZEIT im Moment sehr gut läuft, sollte man das niemals aus dem Blick verlieren!

    Ich bin Leser, Hörer, Zuschauer, Betrachter, User – nennen sie es, wie sie wollen.
    Wenn, wie sie einräumen, das beide Systeme ihre “Verwundbarkeiten” haben, bin ich ja offenbar gezwungen, für beide Systeme zu bezahlen, um diese Verwundbarkeiten auszugleichen, um besser oder überhaupt informiert zu sein.

    Dazu sind immer mehr Menschen nicht bereit. Zumal bei den öffentlich-rechtlichen die Kosten nach oben offen sind, auch in dem Anteil, den sie vom Realeinkommen nehmen.

    Wenn die öffentlich-rechtlichen auch noch Dienste kostenlos an private Medien weiter geben, besteht die Gefahr, dass dies früher oder später nicht mehr nur Wetterdaten, Sportergebnisse und Verkehrsinformationen sind.

    Sie schlagen also vor, einen ohnehin beklagenswerten Zustand weiter zu verschlimmern. Wahrlich gute Zeiten für den Journalismus!

    Eine aufwändige Recherche betreibt nicht die Netzgemeinde, die springt ihnen auch nicht aus Blogs oder Leserkommentaren entgegen. So sehr von dort etwas Unterstützung kommen kann.

    Für eine aufwändige Recherche muss man qualifizierte Journalisten bezahlen können und ggf. nach der Veröffentlichung juristische Auseinandersetzungen auch finanziell überstehen.

    Soetwas ist beim Staats-Journalismus grundsätzlich nicht in guten Händen. Es ist nicht dessen Geschäftsmodell, unbequem zu sein.

    Deswegen gilt es durchaus, das Geschäftsmodell der anderen gegen die Expansion der zwangsfinanzierten zu schützen.

    Ich frage mich überhaupt, warum Daily-Soaps und Musikantenstadl wichtiger sein sollten für die Demokratie als ein schneller und sicherer und preiswerter Netzzugang
    für jeden Bürger!

    Wenn schon Zwangsbeiträge, dann bitte für letzteres!

  9. Aufmerksamkeit! |  17.05.2010 | 13:35 | permalink  

    @Wolfgang Blau Vielen Dank für Ihre Antwort.
    Meine Frage an Sie – sie haben es bemerkt – war natürlich sehr provokant formuliert. Selbstverständlich halte ich einen Ausstausch zwischen “Erstellern von Beiträgen” (um das mal ganz neutral zu formulieren) und Lesern/Kommentierern für sinnvoll und anregend. Sonst wäre ich nicht hier. Es macht für mich allerdings einen Unterschied, ob eine Zeitung, die gut ausgebildete Journalisten in ihren Reihen hat, einen gut recherchierten Artikel online stellt und dann zur Diskussion darüber ermuntert, oder ob ich Dinge thesenartig “anreiße” (“Artikel als dauernder Zwischenstand”) und dann schaue, was alles zusammenkommt, um einen Artikel daraus zu machen. Beziehe mich hier auf die Absätze 3-5 auf Seite 4 Ihres Artikels in der SZ. Wie gesagt, es war eine provokante Frage. Ich habe sie auch deshalb gestellt, weil mir in Ihrem Artikel Ihre Position zum Journalismus nicht ganz klar geworden ist. Einerseits plädieren Sie dafür, dass die “Neuerungen” (die ja jetzt so neu nicht mehr sind) in den Ausbildungen berücksichtigt werden müssen, andererseits klingt aber auch irgendwie an, dass es keiner (besonders festangestellter) Journalisten im klassischen Sinne mehr bedarf. Das wirkte auf mich -korrigieren Sie mich bitte, falls ich das falsch verstanden habe – wie ein Plädoyer dafür, dass es künftig nur noch freie Journalisten und “Privatautoren -Blogger, Kommentierer, etc) geben muss. Es geht mir hier nicht um eine Qualitätsdebatte, dass guter oder auch schlechter Journalismus damit grundsätzlich nichts zu tun hat, ist hinreichend besprochen, aber es geht um das Finanzielle. Es ist schön zu sagen, dass es den Journalisten im Elfenbeinturm/der Festung nicht mehr gibt, die Öffnung ist aber nur halbherzig, wenn ich in Wahrheit nicht bereit bin für qualitativen Journalismus an anderer Stelle entsprechend zu bezahlen. Ich teile Ihre Ansicht, dass es dem Journalismus erstaunlich gut geht -besonders perspektivisch- deshalb nicht.

    Zu Ihrer Antwort an @RML möchte ich zwei Dinge anmerken. Ich finde Ihre Kritik, was die 7,3 Milliarden Beiträge angeht, nicht berechtigt. Denn Sie selbst zietieren Jay Rosen im Zusammenhang mit Kooperation.

    “Dass die Deutschen bereit sind, ARD und ZDF jährlich 7,3 Milliarden Euro zu gewähren, löst in der Regel ratloses Staunen aus. “You should cooperate then”, war der Kommentar des Journalismus-Professors Jay Rosen, als er die Zahl 7,3 Milliarden hörte, “Ihr solltet zusammenarbeiten”.

    Im Übrigen zeigt Ihre Antwort sehr schön, und da stimme ich Ihnen zu, wie komplex das ganze Thema ÖRR – Privatmedien ist.
    Hier müssen noch so viele grundsätzliche Fragen geklärt werden: Rundfunkstaatsvertrag, Rundfunkgebührenstaatsvertrag, Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag – der konsequenterweise mit dem neuen Rundfunkgebührenstaatsvertrag gemeinsam diskutiert werden müsste – , welche Rolle soll der ÖRR zukünftig spielen?, wird er seinem Auftrag noch gerecht?, ist die Vermischung von Politik – Stichwort Staatsferne – auch nur im Ansatz gewährleistet?, wie kann der Regierungssprecher von Angela Merkel, der zuvor Pressesprecher bei einem Ministerpräsidenten Stoiber war, Intendant des Bayerischen Rundfunks werden?, etc…….

    Was den Dialog zwischen Zeit und Lesern betrifft, so hatte ich mich auf die Artikel bezogen, die auf der Hauptseite von Zeit-Online erscheinen. Wenn ich mir die Startseite anschaue, dann muss ich sehr lange suchen, bis ich oben links, klitzeklein, das Wort “Blogs” entdecke. Die Artikel, die neben dem ersten Bild bei “Meistgelesen” und “Meistdiskutiert” erscheinen (darauf bezog ich mich), werden von den Autoren und der Redaktion nicht begleitet. Ja, Sie haben Recht, bis auf die wenigen von Ihnen gezeigten Ausnahmen. Dem Anspruch, den Sie im SZ Artikel formuliert haben, wird das m.E. aber nicht gerecht. Außerdem (siehe Kommentar #2), sollte der Chefredakteur von Zeit-Online seinen Facebook-Account dialogfreundlich, also offen gestalten.

    Beste Grüße

  10. Aufmerksamkeit! |  17.05.2010 | 13:45 | permalink  

    Korrektur: Im vierten Absatz muss es natürlich “ist die Trennung von Politik und ÖRR – Stichwort Staatsferne – auch nur im Ansatz gewährleistet?” heißen.

  11. robin meyer-lucht |  19.05.2010 | 21:13 | permalink  

    Lieber Wolfgang Blau,

    zunächst möchte ich mich entschuldigen, dass hier erst heute antworte – ich war unterwegs.

    Ganz kurz:
    1. Ich war davon ausgegangen, dass sich das „politische Korsett“ auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Ganzes bezieht. Ich bin verstand es so, dass „politisches Korsett“ bedeuten soll, dass die Redaktion unter einer gewissen politischen Kontrolle stehen – wie sie ja auch in ihrem Kommentar andeuten („pointierten politischen Kommentaren“). Mir war nicht sofort verständlich, dass sich dieses nur auf Online bezieht. Ihre Argumentation, dass die Regulierung über den 12. Rundfunkstaatsvertrag indirekt auch zu einem politischen Korsett führt, verstehe ich erst jetzt.

    2. Stimmt – es müsste im Auszug „Online-Konkurrenz“ heißen. Unzulässige Verkürzung von mir.

    3. Meine Grundposition: Ich denke, dass wir mit dem 12. Rundfunkstaatsvertrag einen gangbaren Kompromiss haben. Demnach sind eigenständige öffentlich-rechtliche Telemedien begründungspflichtig. Ich bin zudem erklärtermaßen dafür, die Rundfunkgebühren für Nichtbesitzer von klassischen Rundfunkgeräten auf 18 Euro anzuheben („Rundfunkabgabe“). Die besondere verfassungspolitische Bedeutung des Rundfunks und der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten steht außer Frage, daher steht auch eine „Verkrüppelung“ nicht zur Debatte. Dass Artikel 5 im Kern aber ein liberales Grundrecht und Schutzrecht vor unbegründeter staatlicher Intervention darstellt, ist für mich auch selbstverständlich.

    4. Den Verdacht, ich könnte nicht meine Meinung hier geäußert haben, sondern die von Beratungskunden von mir, möchte ich in aller Form zurückweisen. Ich vertrete alleine meine politischen Ansichten. Lassen Sie uns hier argumentativ bleiben und nicht dem Versuch zu erliegen, die Leute persönlich zu diskreditieren. Ich bin Ökonom und ich habe bestimme ordnungspolitische Ansichten. Ich betreibe Carta und habe keine Lust auf unfairen Wettbewerb. Das sind meine Interessen. Meine Auftraggeber aus abgeschlossenen Projekten, zu denen auch die Friedrich-Ebert-Stiftung gehört, sind durch Publikation auf der berlin instute website hinreichend bekannt. Es sind mehr als so genug, um nicht von einem einzelnen abhängig zu sein. Ich würde es begrüssen, auch mehr für die Öffentlich-Rechtlichen zu arbeiten.

    5. Ich freue mich, dass Sie meinen Hinweis auf die Rechte von Zulieferern als „sachlich richtig“ einstufen. Auch besteht also eine Begründungspflicht. Da haben wir doch mal einen gemeinsamen Punkt.

    In diesem Sinne besten Gruss und danke für den langen Kommentar in unserem bescheidenen Räumlichkeiten,

    RML

  12. Zeit-Online-Chef fordert Ende des Festungsdaseins und öffentlich-rechtliche Dienstleister « Money Kredit ohne Schufa -Blog von MonKredit.com |  06.06.2010 | 02:19 | permalink  

    [...] 17.05.2010: Blau antwortet bei Carta ausführlich auf Robin Meyer-Luchts Kommentar zu seinem [...]

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