Andreas Grieß

iPad-Hype: CNN erklärt, der norwegische Ministerpräsident regiere derzeit per iPad

Andreas Grieß | 8 Kommentar(e)


Das iPad rettet den Journalismus – oder ist es umgekehrt?

17.04.2010 | 

Seit Apple der Welt sein iPad vorgestellt hat, mutmaßen Journalisten und Medienkenner, ob das iPad den Journalismus retten kann. Scheinbar haben sich einige Journalisten zunächst dazu entschlossen, den anderen Weg zu gehen, sprich das iPad zu retten. In diesem Sinne hat selbiges den Journalismus durchaus schon jetzt maßgeblich beeinflusst.

So berichtet die BILD-Online unter der Überschrift „Der Terminator schenkte ihr ein iPad“ über den Kalifornien-Aufenthalt von Angela Merkel: „Schwarzenegger schenkt ihr ein Apple-iPad. Als Kanzlerin darf sie den zwar annehmen, aber nicht benutzen – obwohl sie unbedingt einen haben will.“ Da der Artikel über jede Menge eher persönliche Kleinigkeiten der Reise berichtet, fällt dies noch nicht sonderlich aus dem Raster.

Einen Bezug zwischen dem isländischen Vulkanausbruch und dem iPad herzustellen, ist da schon unerwarteter. Doch es geht, wie CNN zeigt. Im Artikel „Volcanic ash causes travel chaos for second day“ befand sich nämlich folgende Information:

“The prime minister of Norway was among those stranded by the closure of European airspace.

Jens Stoltenberg, who was in New York for President Barack Obama’s nuclear summit, is running the Norwegian goverment from the United States via his new iPad, his press secretay Sindre Fossum Beyer said.”

stoltenberg

Stoltenberg in New York: Ist dies schon "regieren" per iPad? (Quelle flickr/Norwegische Staatskanzlei, Dank an rosamunde für den Hinweis)

Offenbar war das Zitat CNN auf die Dauer dann doch etwas obskur, zumindest ist es aktuell nicht mehr im Artikel zu finden. An anderer Stelle ist es allerdings noch vorhanden, und auch in einigen Foren und Blogs löste der Absatz Verwunderung aus.

Deutlich sachlicher und seriöser geht es im Artikel von Matthias Kremp auf Spiegel Online über die Lieferverzögerungen des neusten Apple-Produkts zu. Darin berichtet er über viele Details, die ein Normalsterblicher nicht bedenken würde. Ein naheliegender Verdacht aber wird nicht erwähnt: Dass die Lieferschwierigkeiten auf eine Marketingstrategie, sprich künstliche Verknappung, zurückzuführen sind. Denn wenn man ehrlich ist, gibt es kaum eine bessere PR für den US-Computerkonzern, als die Lieferprobleme. Der Ansturm wirkt enorm und durch die Berichterstattung darüber ist das iPad in den Medien weiter präsent.

Natürlich kann über eine solche bewusste Strategie nur gemutmaßt werden, es sei denn irgendwer hätte Insider-Informationen. Ein Muss ist der Aspekt für einen Text daher nicht, diese Möglichkeit in einen Artikel über die Lieferknappheit aber nicht einmal zu erwähnen, wird Apple sicher freuen. Wie so sicher einiges in der aktuellen Berichterstattung.

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8 Kommentare

  1. rosamunde |  17.04.2010 | 14:12 | permalink  

    es dürfte dieses foto auf dem flickr-channel des norwegischen staatspräsidenten gewesen sein, dass den wirbel ausgelöst hat und das ja eindeutig belegt: http://www.flickr.com/photos/statsministerenskontor/4521609949/

  2. rml |  17.04.2010 | 15:47 | permalink  

    @ rosamunde: jip, super Hinweis danke!

    Das auf dem Foto zu Sehenende als “is running the Norwegian goverment from the United States via his new iPad” zu bezeichnen, kann man schon ein Act journalistischer iPad-Affirmation einordnen, oder?

    Bemerkenswert, dass das Foto offenbar von der norwegischen Staatskanzlei selbst auf Flickr eingestellt wurde. Stolenberg hat sich also sehr bewusst mit iPad fotografieren lassen……

  3. Andreas Grieß |  17.04.2010 | 16:39 | permalink  

    Für mich schon eine Leistung darauf das iPad(?) zu erkennen. Aber ob das wirklich schon das regieren ist?! Hehe. Auf jeden Fall schon sehr iPad-Verliebt alles…

  4. chSchlesinger |  17.04.2010 | 18:54 | permalink  

    “Ich habe Gedanken, die, wenn ich sie verwirklichen und lebendig machen könnte, den Sternen ein neues Licht, der Welt eine neue Schönheit und dem Herzen der Menschen größere Liebe bringen könnten.”

    Obwohl ich nur ein Möchtegern von Fernando Pessoa bin: In mir ist solch Übermaß an Bildern, solch Fülle an Musik, dass ich ein Buch über Äpfel umdichten könnte zu einem Evangelium. Nie käme mir in den Sinn, das Haben eines iPad als Bereicherung meines Seins zu lobpreisen. Und wer beide Hände von mir fordert, nach mehr verlangt, als nach meiner Hosentasche, ist gewiss kein bescheidener Diener.

  5. Matthias Schwenk |  18.04.2010 | 00:44 | permalink  

    Ich denke dass Spiegel Online richtig liegt. Apple ist demnach selbst überrascht von der hohen Nachfrage nach dem iPad und muss jetzt den (internationalen) Rollout zeitlich strecken.

  6. JUICEDaniel |  20.04.2010 | 18:51 | permalink  

    iPad? War da was? ;)

    Ich halte es da mit Jeff Jarvis, der treffenderweise sagte, was sicher viele denken und sich nicht zu sagen trauen (ist ja schließlich von Apple):
    “I’m taking it back to the store just because I don’t see a use for it and don’t see a need to spend $500.”
    http://www.youtube.com/watch?v=NNymzQoj_34 That’s it. There’s nothing more to talk about…

  7. cmi |  25.04.2010 | 11:30 | permalink  

    Und täglich grüßt das Murmeltier. Kann sich denn keiner mehr an das iPhone erinnern? Massiver Hype durch die Medien davor (iPad? Check) dann Lieferschwierigkeiten samt begleitender Berichterstattung in den Medien (iPad? Check)…

  8. Jahresrückblick in Texten 2010 « Andreas Grieß // Blog |  29.12.2010 | 12:44 | permalink  

    [...] iPad-Hype: CNN erklärt, der norwegische Ministerpräsident regiere derzeit per iPad (Carta) Apple hatte sein iPad auf den Markt gebracht und die Medien überschlugen sich. So viel kostenlose [...]

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