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#rp10: Inzest im digitalen St. Nirgendwo

admin | 17 Kommentar(e)


FAZ-Abgesang über den Zustand der deutschen Blogosphäre: “Fast alle müssen inzwischen einsehen, dass die Zukunft im Netz immer schon anderswo liegt.”

14.04.2010 | 

Marcus Jauer arbeitet sich heute in der FAZ (Update: hier besserer Link) anlässlich der re:publica an den parajournalistischen Hilfstruppen (“Blogger”) und ihrer selbstreferenziellen Echokammer (“Blogosphäre”) ab. Die selbsterklärte Avantgarde habe alles anders machen wollen und sei nun in der digitalen Mittelmäßigkeit angekommen. Jauer bewegt sich gezielt freimütig auf den sich selbst verstärkenden Bahnen seiner Vorurteile. Er verfolgt dabei vornehmlich die These, dass Blogs die Orientierung im Netz nicht organisieren können – und versäumt so zu fragen, wofür Blogs auch noch gut sein könnten, zum Beispiel für öffentliche Debatten.

Jauer hat insbesondere auch Carta überhaupt nicht verstanden. Carta ist ein Gruppenblog, das Autoren eine gemeinsame Plattform gibt – nicht mein Blog. Carta ist ein eigenständiges Projekt, keine Werbeveranstaltung. Mit Carta versuchen wir, eine Plattform für Austausch und Diskurs zu schaffen.

Sehr schön aber: Die von Frank Westphal erstellte Infografik “Blog-Verlinkungsfluss bei ‘Axolotl Roadkill’” (nicht verlinkbar, da in Flash…).

Hier ein Beispiel für Jauers Pessimismus-Soap – über Johnny Haeusler:

Er spricht über die Twitterer, die sich einfach Teile aus seinem Blog herausziehen und ins Netz schicken, ohne dass er davon etwas hätte, keine Kommentare, kaum Besucher, aber dann will er nicht reden wie die Zeitungsjournalisten, die sich aus denselben Gründen über Blogs beklagen.
„Ich bin jetzt Mitte vierzig“, sagt er, „ich muss überlegen, wie es weitergeht.“

Als man ihn am Ende fragt, ob er junge Blogger kenne, ist er genauso ratlos wie jeder andere, den man zuvor gefragt hatte. Keiner konnte Namen nennen. Es ist, als sei da etwas hinter ihnen abgerissen, und sie haben es nicht einmal gemerkt, so beschäftigt waren sie mit sich.
„Keine Ahnung, wo jetzt alle sind“, sagt er.

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Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

17 Kommentare

  1. gsohn |  14.04.2010 | 13:20 | permalink  

    diese Anti-Blogger-Suada der FAZ wird allmählich langweilig. Der Autor Jaucher macht seinem Namen alle Ehre…..

  2. Robin Meyer-Lucht |  14.04.2010 | 14:16 | permalink  

    @ gsohn: Ein bisschen mehr Wohlwollen hätte ich mir – bei aller berechtigten Kritik – vom dem Text erhofft.

  3. David |  14.04.2010 | 15:05 | permalink  

    Diese Blogger leisten gar nicht das, was wir in der Erhabenen Zeitung von Ihnen erwarten. Wie desillusionierend ;)

    Schön dazu: http://gig.antville.org/stories/1988603/

  4. gsohn |  14.04.2010 | 15:13 | permalink  

    Jaucher (äh Jauer) hat zwar ein langes Stück über einige Blogger geschrieben, allerdings in einem Stil, der sehr verräterisch und herablassend ist.

  5. Gk |  14.04.2010 | 15:32 | permalink  

    Selten habe ich sowas unseriös Abfälliges angefangen zu lesen. Eine Zumutung, die es nicht wert ist, weiter wahrgenommen zu werden. Das kann sich die FAZ nicht leisten! Hetze scheint momentan en vogue zu sein.

  6. Gk |  14.04.2010 | 16:05 | permalink  

    Kleine Ergänzung noch: Nach meiner Einschätzung werden diejenigen, die Qualität im Web produzieren und platzieren, sich zudem weitere Betätigungsfelder erschließen, dabei kostensparend arbeiten, die zukünftigen Arbeitgeber solcher FAZ-Artikel-Verfasser sein.

  7. Robin Meyer-Lucht |  14.04.2010 | 16:23 | permalink  

    @ David: Danke für den Hinweis auf Deinen Text – genau darum geht es: Jauer stellt ein merkwürdiges Bewertungskriterium auf – und nimmt dann unkritisch danach Maß.

  8. Jennifer Hoffmann |  14.04.2010 | 20:03 | permalink  

    Der Text von Herrn Jauer zeichnet sich doch vor allem durch eins aus: Er ist stinkend langweilig und völlig unaktuell. Lobos & Friebes Buch über die digitale Boheme ist von anno 2006, über das St. Oberholz wurden in den letzten Jahren bereits gefühlte 1000 Artikel in den Printmedien veröffentlicht und es wird Haeuslers Jamba-Artikel von vor fünf Jahren genannt. Da wird also die geneigte FAZ-Leserschaft mit völlig veralteten Informationen versorgt, die den derzeitigen Zustand der deutschen Blogosphäre weder beschreiben noch “einordnen und bewerten”. Mal davon abgesehen, dass es wirklich nicht mehr zu ertragen ist, dass (männliche) Journalisten immer dieselben Herren zitieren (ich habe gar nichts gegen Haeusler, Beckedahl und Konsorten) und die dann stellvertretend für sämtliche “Deutsche Blogger” dargestellt werden.

    Aber eben der Titel dieses Artikels macht ja schon die ganze Absurdität des Unterfanges klar: Wer bitteschön würde denn ernsthaft einen Artikel über drei Seiten in der FAZ mit der schönen Überschrift “Deutsche Journalisten” schreiben? Über den männlichen, deutschen Blogger um die 40, der irgendwie in dem Artikel als ein bisschen wehleidig rüberkommt, darf Mann das aber… Nee, nee, da wußte man doch schon beim Lesen der Überschrift, dass das schief gehen würde.

  9. erz |  14.04.2010 | 21:17 | permalink  

    Nu habt doch mal die Eier, zur eigenen Unzulänglichkeit zu stehen. Ich nehme mich da nicht aus, als künftiger Welterklärer vom Dienst muss ich zur Selbstkritik fähig sein und erkläre Euch schon heute: Da ist, bei aller pointierten Verknappung, viel Wahres dran am Dossier. Denn die weinerliche Selbstreflexionsspirale setzt sich nahtlos fort. Genau wie im Dossier beschrieben. Gleich hier. Und niemand merkt das?

    Lieber Herr “Redaktion Carta” von dem unklar ist, ob Robin Meyer-Lucht auch für die anderen Autoren dieser diskursiven Plattform spricht, was haben Sie denn in den letzten Monaten konkret für die Steigerung der Qualität in Deutschen Diskursen getan? Ich bin sicher, darauf gibt es eine Antwort – die im Übrigen zumindest meines Erachtens auch die passende Antwort auf die Kritik im Dossier wäre, jedenfalls wäre es ein substanziellerer Beitrag als dieser hier.

    Lassen Sie es mich präziser fragen: Was haben Sie nach der Etablierung dieser Plattform im Netzdiskurs getan, außer den immer gleichen Stimmen eine weitere Plattform für ihre zirkulären Argumente und ihr Beitragstennis zu bieten?

    Carta hat mal einen Preis dafür bekommen, dass es “mutig genug sei, auf fremde Beiträge zu verlinken”. Und was ist daraus geworden? Der Klick auf die Links in der so schön gelb hervorgehobenen Rubrik Netzlese führt… wieder zu Carta. Nett, dass mir dort eine Carta-Version der fremden Beiträge präsentiert wird, da muss ich die Plattform gar nicht mehr verlassen.

    Also was, bitte, möchte Carta tun, damit der Horizont des Diskurses erweitert wird? Welche Lösungen bietet Carta an, damit die Perlen des Long Tail die Aufmerksamkeit bekommen, die sie trotz ihrer mangelnden Vernetzung im Zirkel der “Wichtigen” qua ihrer Beiträge verdienen?

    Wenn diese Plattform ihren Ansprüchen gerecht werden will, muss sie sich auch einem gewissen Grad an Verantwortung stellen. Finde ich als Bewunderer, wenn nicht gar Neider.

  10. Wittkewitz |  15.04.2010 | 08:33 | permalink  

    Ich muss sagen, dass ich tief beeindruckt bin. Ich habe noch nie ein so langes argumentum ad hominem gelesen. Ich habe eigentlich noch gar kein Argument in der Länge gelesen. Dafür, dass er 2,5 Stunden mit mir gesprochen hat und einige Seiten in seinem Heftchen voll gekritzelt hat, stimmt auffallend wenig der Fakten, die er über mich verbreitet. Ich habe viel über Qualitätsjournalismus gelernt und fühle mich geehrt, dass einer der Watchdogs von Schirrmacher mich scheiße findet. Wenn Cicero und FAZ einen öffentlich scheiße finden, macht man irgendwas richtig. Allerdings konnte ich dem Artikel nicht so genau entnehmen, was.

  11. rml |  15.04.2010 | 09:29 | permalink  

    @ Erz: Wichtiger Kommentar, danke.

    Netzlese: Wir (Wolfgang Michal, Matthias Schwenk, RML) haben uns entschieden, dass Carta die Texte nicht mehr mikrokurz auf der Homepage anzureißen, sondern auf einer eigenen Seite noch kurz zu kommentieren und Auszüge zu präsentieren soll. Netzlese ist unsere Schnipselblog-Rubrik. Ich finde, dass das einen Mehrwert bietet gegenüber den superkurzen verlinkungen.

    Den Hinweis auf Offenheit der Plattform finde ich superwichtig. Wir freuen uns über Autoren und Vorschläge und sollten auch so kommunizieren. Wir sollten unten auf der Seite schreiben: “Tolle Posts und Themen? inbox at carta punkt info” oder so ähnlich – richtig?

    Eigentlich kann man uns ja auch Netzlese-Vorschläge machen – nur haben wir das auch zu sehr versteckt.

    Also ganz wichtiger Punkt – hast Du vielleicht noch mehr Vorschläge, wie wir die Offenheit von Carta besser organisieren und signalisieren könnten?

    gruss,

    robin

  12. Aufmerksamkeit! |  15.04.2010 | 10:05 | permalink  

    @erz
    Touché .

  13. erz |  15.04.2010 | 10:41 | permalink  

    @rml
    Danke für die Antwort – meinen grundsätzlichen Unmut über die Qualität der Netzdebatte habe ich bei Wolfgang Michals Artikel nun etwas wohlwollender präzisiert, hier also nur ein kurzes:

    Ja, es wäre sicher von Vorteil, wenn Carta schon im Layout deutlich macht, dass es an Gesprächsangeboten interessiert ist. Je nachdem, wie wichtig es damit ist, würde ich das auch schon oben auf der Seite kenntlich machen, nicht erst unten im Footer. Vielleicht sogar mit einer kleinen Kommentarbox, statt nur einer Mailadresse.

    Ansonsten ist es natürlich die inhaltliche Öffnung zum Nicht-Mainstream, die Offenheit nicht nur signalisiert, sondern ausmacht. Dazu gibt es leider keine ad-hoc Lösung, die mir einfällt, nur einen langsamen Prozess. Aber der ist meines Erachtens viel wert.

  14. Alte, jämmerliche, erfolglose Säcke - Gunnar Geller |  15.04.2010 | 16:43 | permalink  

    [...] Robin Meyer-Lucht bleibt erstaunlich gelassen und verliert kein Wort über den persönlichen Angriff, versucht nur klarzustellen, was Carta [...]

  15. Aufmerksamkeit! |  15.04.2010 | 23:21 | permalink  

    Möchte doch auch noch etwas ergänzen. Ich war, zugegeben, etwas provokant in meinen letzten Äußerungen.
    Habe @erz deshalb zugestimmt, weil er die Diskussion einfach ein wenig “runtergeholt” hat.
    Ich sehe den FAZ Artikel von Jauer auch kritisch, aber ich finde, dass er, obwohl der Kreis der Beteiligten sicher zu eng gefasst ist, so unrecht gar nicht hat. Nein, nicht in allen Inhalten, nur vom Grundsatz.
    Ich habe auch schon sehr kluge Beiträge von z.B. @Wittkewitz gelesen, die ich nicht missen möchte. Andererseits habe ich @Wittkewitz auf dieser Plattform (Carta) eben auch schon erlebt, als er selbst andere total niedergemacht hat.
    Andere haben mangelnde Kompetenz beklagt und sich selbst nur auf “Eigenkommentare” gestützt.
    Nur darum geht es mir.
    Warum, und wenn der Faz Artikel dazu animiert, dann hat er viel erreicht, geht es nicht viel mehr um Inhalte?

  16. vera |  16.04.2010 | 01:33 | permalink  

    @erz @rml Ja. Gute Ideen.

    Fand aber schon auffällig, daß fast alle Artikel über die #rp10 – wenn auch mit verschiedenen Begründungen – einen leicht bis mittelschwer negativen Ton hatten.

  17. Wolfgang Michal |  16.04.2010 | 15:51 | permalink  

    @erz
    Eine Rubrik “Bloglinks zum Wochenende”, die jeden Freitag in die Tiefen des Nicht-Mainstreams taucht und kurz und knapp auf interessante Beiträge verweist (ähnlich den “Medienlinks zum Wochenstart” oder “6 vor 9″ beim Bildblog) wäre vielleicht eine Möglichkeit.

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