Netzlese
Sandra Mamitzsch | 4 Kommentar(e)
Japans größte Wirtschaftszeitung verbietet jetzt ohne Erlaubnis Links auf ihre Internetseite zu setzen. Hierzulande völlig undenkbar.
13.04.2010 |
Man möchte meinen, dass in Japan bereits alles online ist, was man digitalisieren kann und die Diskussion um die “Zukunft des Journalismus” bereits funktionierende Online-Bezahlmodelle hervorgebracht haben sollte. Das Gegenteil ist der Fall:
Instead of going all out on the Web like many American papers, Japan’s top papers have limited online fare, so that readers must buy print editions for full articles. On Daily Yomiuri Online, the Web site of another Japanese daily, many articles are short versions, or “stubs,” with no photographs. The same is true for Asahi.com, run by the Asahi Shimbun.
Mit der Einführung eines Abomodells für die Website geht eine japanische Zeitung jedoch noch weiter. Hiroko Tabuchi berichtet in der New York Times:
Links to Nikkei’s home page require a detailed written application. Among other things, applicants must spell out their reasons for linking to the site.
In addition, regular readers of the site will also notice that the paper has disabled the ability to right-click — which usually brings up a menu including “copy link address.” The paper’s “link policy” ends on an ominous note: “We may seek damages for any violations of these rules.”
Solch eine restriktive Handhabung von Links ist hierzulande völlig undenkbar – die Forderung klingt geradezu absurd – und wohl auch mit dem Zitatrecht nicht zu vereinbaren. Gerade im Bezug auf die Diskussion um ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage sollte die Entwicklung jedoch genau beobachtet werden.
Auf der anderen Seite sehen kleinere Zeitungen ihre Chance:
Japan’s smaller papers, though, are taking a different tack online. The Sankei Shimbun, the smallest of Japan’s national dailies with a circulation of 1.7 million, raised eyebrows last year when it introduced an iPhone application that offered free access to its articles. That app remains one of Japan’s most popular.
“There’s just no way we’d limit something like that,” said Ryuichi Sekiguchi, a spokesman for Sankei. “Linking should be free.”
(via)


[...] Japanische Zeitung lässt Links auf ihre Website nur auf Anfrage zu Zu den Kommentaren “Carta” macht uns auf einen Artikel in der New York Times aufmerksam, der darlegt, dass eine japanische [...]
Sooo neu ist das Thema nicht und Sprüche wie “Solch eine restriktive Handhabung von Links ist hierzulande völlig undenkbar – die Forderung klingt geradezu absurd” zeugen von geringer journalistischer Sorgfalt.
Ein bißchen Recherche hätte den langjährigen Streit zum Thema zu Tage gefördert, etwa das “Paperboy-Urteil” des BGH.
Eine gute Übersicht liefert http://www.internet4jurists.at/link/urt_de01.htm .
Betr. #1, comment-12069, $Autor = “Neiningers Tagebuch”?, am 13.04.2010 13:25
Die Autorin spricht vielleicht kein Japanisch und vertraut einer seriösen Quelle. ;-)
@Autorin: Übrigens, hierzulande wird es doch gemacht, so oder so, aus Sorge, jemand könnte böse Inhalte verlinken. Z.B. http://www.frblog.de/ — Kommentare mit klickbaren Links kommen in eine Wartschleife, bis ein/e Redakteur/in sie freigibt. Davon unabhängig kommt ein Kommentar z.B. mit “www frblog.de” ohne Weiteres durch.
@Martin
Besten Dank für den Link, eine sehr interessante Zusammenstellung. Das Paperboy-Urteil zeigt m.E. jedoch gerade, dass es sogar der BGH absurd findet für solche Links eine Genehmigung zu verlangen. Im Beitrag ging es mir darum, dass es eine große, bekannte Zeitung ist, die Links quasi verbieten möchte (v.a. auch durch diese technische Maßnahme). D.h., wenn ich es richtig verstanden habe, nicht nur Trackbacks, die dann auf der Seite auftauchen, sondern in jeder Form (also zB. Verlinkung per Twitter). Oder irre ich mich da (was mich sehr freuen würde)?
@Paul
Danke für die Unterstützung =) Das WordPress-Anti-Spam-System blockt Kommentare ebenfalls, die eine bestimmte Anzahl von Links überschreiten. (und Japanisch zu können wäre in der Tat toll.)