Netzlese
Robin Meyer-Lucht | 11 Kommentar(e)
Das F.A.Z.-Feuilleton druckt heute bekanntlich Teile der Online-Debatte von Edge.org aus. Eine der interessantesten Antworten fehlt in der Auswahl – die von Clay Shirky.
08.01.2010 |
Das F.A.Z.-Feuilleton druckt heute bekanntlich Teile der Online-Debatte von Edge.org in deutscher Übersetzung aus. Wir gehen über Frank Schirrmachers Verwechslung von Internet- und Mediendebatte hierzulande mal locker hinweg – mit dem Hinweis, dass in seiner Auswahl leider einer der interessantesten Autoren fehlt – Clay Shirky. Shirky macht furios deutlich, wie das Ende der Knappheit “freaks people out”, weil sie sich an die neuen kollaborativen Methoden des Wissenserzeugung gewöhnen müssen. Shirkys Text liest sich wie einen Appell an den Payback-Autor.
Unfortunately for us, though, the intellectual fate of our historical generation is unlikely to matter much in the long haul. It is our misfortune to live through the largest increase in expressive capability in the history of the human race, a misfortune because surplus always breaks more things than scarcity. Scarcity means valuable things become more valuable, a conceptually easy change to integrate. Surplus, on the other hand, means previously valuable things stop being valuable, which freaks people out.
…
As we know from arXiv.org, the 20th century model of publishing is inadequate to the kind of sharing possible today. As we know from Wikipedia, post-hoc peer review can support astonishing creations of shared value. As we know from the search for Mersenne Primes, whole branches of mathematical exploration are now best taken on by groups. As we know from Open Source efforts like Linux, collaboration between loosely joined parties can work at scales and over timeframes previously unimagined. As we know from NASA clickworkers, groups of amateurs can sometimes replace single experts. As we know from Patients Like Me, patient involvement accelerates medical research. And so on.





Ich halte das für keinen Zufall, dass ausgerechnet Shirky fehlt. Er ist derjenige, der am vehementesten und überzeugendsten den Verlust der Gatekeeper-Rolle traditioneller Medien analysiert.
@ Ulrike: Ich schätze, Du liegst da ganz richtig….
Wenn ich das richtig sehe, hat er auch noch 122 andere Leute übersehen.
@ Strobel: 121 (Angabe Schirrmacher) minus 8 (wenn ich richtig zähle) = 113 nicht genannte Autoren. Eigentlich schade, dass die FAZ nicht einfach alle gedruckt hat / drucken konnte.
Aus dem gleichen Grund bedarf das kollaborative Zeitalter einer Theorie der Koproduktivität. Aus ihr lassen sich auch neue Wertschöpfungsmodelle und Honorarvereinbarungen ableiten.
Neue Theorie der Koproduktivität ist sehr schön. Ich fürchte, die läuft am einfachsten wohl vergütungsfrei – verdient wird dann mit Services.
Wer immer nur an Erlösmodelle denkt ist wenig innovativ, wer Printmedium denkt wird niemals Internet und Kollaboration denken können – q.e.d.
gern auch: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Was-war-Was-wird-900235.html
“Man lese Pinkers kluge Einsicht Not at all und die Bewunderung der kollektiven Weisheit durch Geoffrey Miller. Dieser Text hat es sogar ins Deutsche geschafft, weil die FAZ sich Brockman öffnete: Wikipedia ist mein verlängertes Gedächtnis – mit Bezug auf die US-Ausgabe des Gedächtnisses. “Wir müssen unsere intellektuelle und ästhetische Überheblichkeit ablegen.” Bescheidenheit ist angesagt, aber doch nicht in Deutschland, wo Internet-Strategie-Berater Fleißpünktchen unter ihren Followern sammeln und meckern, weil einer von den 131 es nicht in die FAZ geschafft hat. Selten ist die kleingeistige Papierfixiertheit der deutschen “Berater”-Szene so klar zum Ausdruck gekommen.
[...] Mayer-Lucht merkt auf Carta richtig an: ”Schirrmacher hat leider Shirky übersehen“. Clay Shirky macht furios deutlich, wie das Ende der Knappheit “freaks people out”, weil [...]
Ganz nebenbei: Warum sollte es mich interessieren, welche Antworten auf die Edge.org-Frage aus der Fülle von der FAZ ausgewählt wurden und welche nicht? Die Möglichkeit, im Internet ohne Filterung durchs Feuilleton direkten Zugriff auf die Texte einer solchen Debatte zu haben, sie zu lesen, ohne auf die Deutungsmacht des deutschen Kulturjournalismus zu achten (oder, wie hier, einen Seitenhieb auf den “Schirri” loszuwerden), das ist doch schon Teil des Neuen, auf das die Edge.org-Frage abzielt.
[...] Siehe auch: Schirrmacher hat leider Shirky übersehen. [...]