Wolfgang Michal

Die neue Angemessenheit

Wolfgang Michal | 44 Kommentar(e)


Nach sechsjährigen Verhandlungen haben sich der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger, der Deutsche Journalistenverband und die Gewerkschaft ver.di auf Vergütungsregeln für freie hauptberufliche Journalisten an Tageszeitungen verständigt. Sie feiern die Einigung als Erfolg!

05.01.2010 | 

Jede Verbesserung, die eine Gewerkschaft erreicht, und sei sie auch noch so klein, ist zunächst einmal zu begrüßen. Das ist die Aufgabe von Gewerkschaften. Dafür zahlen die Mitglieder ihre Beiträge. Aber im Fall der jetzt ausgehandelten Vergütungsregeln für freie Tageszeitungs-Journalisten ist die Verbesserung leider nur eine Zementierung längst unhaltbarer Zustände. Die Vergütungsregelung ist Augenwischerei.

Denn all die Amateure, die heute nebenberuflich, als Hobby, als Taschengeldaufbesserung oder aus Idealismus für 10 oder 15 Cent pro Zeile über Parteiversammlungen und Schützenvereinsfeste berichten, haben von der neuen Vergütungsregelung nichts. All die Hausfrauen, Schüler, Rentner, Pensionäre, Zahnarztgattinnen und Bürgerreporter, deren Zeilengeld durch die neuen Vergütungsregeln förmlich „explodiert“ wäre (von 15 auf 50 Cent!), sind überhaupt nicht betroffen. Die neuen Vergütungsregeln gelten allein für hauptberuflich tätige freie Journalisten.

Und solche kann es nach menschlichem Ermessen gar nicht geben!

Warum nicht? Nun, hauptberuflich freie Tageszeitungs-Journalisten sind nach Auffassung der Verhandlungspartner Menschen, die von maximal 1000 bis 1500 Euro brutto im Monat leben. Mehr ist mit den vereinbarten Honorarsätzen, wenn man seine journalistische Arbeit ernst nimmt, kaum zu erreichen.

Wer als freier Journalist z.B. eine 200-Druckzeilen-Reportage für eine größere Tageszeitung schreibt (Auflage 180.000 Exemplare), bekommt dafür ab 1. Februar 2010 (und vermutlich auch in den folgenden fünf bis zehn Jahren) „angemessene“ 240 Euro.

Hätte statt des Begriffs „angemessen“ der Begriff „Mindestlohn“ in den Vergütungsregeln gestanden, wäre gegen eine Festlegung gewisser Untergrenzen nichts einzuwenden gewesen. Aber „angemessen“ heißt eben „genau richtig“, „gerecht“, „anständig“. Und „anständig“ sind Mindestlöhne in der Regel nicht, sie markieren nur die Trennlinie zwischen Geringschätzung und Missachtung.

240 Euro berechnet inzwischen jeder durchschnittliche Handwerker für fünf Stunden Arbeitszeit. Eine Reportage aber (also eine, die sich aufgrund ihrer Merkmale auch Reportage nennen darf) kostet mit Vorbereitung, An- und Abreise, Vor-Ort-Recherche, Schreiben und Prüfen mindestens drei, vier Tage Arbeit. Ein freiberuflicher Journalist könnte im Monat – wenn’s hoch kommt – vier bis fünf solcher Reportagen schaffen. Wenn er recherchiert und schreibt wie ein Roboter. Und wenn er den Aufwand (zum Schaden der Leser) so gering wie möglich hält.

Ein hauptberuflich freier Tageszeitungsjournalist ist also in der Bundesrepublik Deutschland vergütungsmäßig nicht vorgesehen. Er ist sozusagen „unangemessen“. Denn er arbeitet entweder nicht frei oder nicht hauptberuflich oder nicht bei Tageszeitungen oder nicht als Journalist. Alle vier Merkmale gleichzeitig sind heute ungefähr so häufig wie ein vierblättriges Kleeblatt.

Holla, könnten die Verleger und Gewerkschaftsvertreter nun einwenden: ein freier Tageszeitungsjournalist kann in Zukunft gutes Geld verdienen – wenn er die Leitartikel der Zeitung schreibt! Ein Leitartikel in der Länge von 100 Druckzeilen bringt bei der oben genannten Tageszeitung laut Vergütungsregeln 150 Euro. 20 Leitartikel im Monat bringen 3000 Euro. Da kann man nicht meckern! Aber die Zahl der freien Journalisten, die in deutschen Tageszeitungen Leitartikel schreiben, dürfte gegen Null tendieren.

Bezahlt wird den Freien auch nicht das, was die Redaktionen bei ihnen bestellen, bezahlt wird nur das, was die Zeitungen drucken. Bestellt ein Blatt z.B. 200 Zeilen, und der zuständige Redakteur kürzt den Beitrag aus Platzgründen um die Hälfte, gibt’s auch nur die Hälfte des Honorars. Aber solche Gepflogenheiten kennen wir ja alle: Wenn wir im Lokal zwei Paar Weißwürste bestellen und lassen ein Paar unverzehrt liegen, verlangt der Wirt auch nur die Hälfte des Preises!

Es kommt noch besser: Möchte der Wirt die Weißwürste, die wir verzehrt haben, an Ort und Stelle honoriert sehen, dann sagen wir ihm einfach, die neuen Vergütungsregeln für Gastwirte würden festlegen, dass er sich bis zum Ende des nächsten Monats gedulden müsse. Da wird der Wirt herzergreifend lachen und uns eine Tube Senf in den Nacken drücken. Einem freien Journalisten aber bleibt das Lachen im Halse stecken. Druckt die Zeitung seinen Beitrag nämlich am 3. Februar, muss sie ihn erst am 31. März bezahlen. Und bleibt der bestellte und gelieferte Beitrag – aus Gründen, die der freie Journalist nicht zu verantworten hat – ungedruckt, kann der Verlag mit der Bezahlung drei Monate warten. In jeder anderen Branche würde da längst ein Mahnverfahren laufen.

In die neuen Vergütungstabellen haben die Verhandlungsführer die Online-Verwertung übrigens gleich mit eingepreist. Sie ist sozusagen im Kaufpreis für den Artikel enthalten. Denn das Internet scheint den Vertragsparteien im Jahr 2010 noch ein wenig zu frisch und zu unbedeutend zu sein, als dass man es schon eigens berücksichtigen müsste.

Als der Deutsche Journalistenverband vor sieben Jahren einen ersten Entwurf für gemeinsame Vergütungsregeln vorlegte, war das anders. Da gab es eine eigene (wenn auch schlechte) Online-Vergütung, und selbst die geforderten Zeilenhonorare lagen um zehn bis 20 Prozent über den als „angemessen“ präsentierten Vergütungssätzen von 2010.

So bleibt als Fazit: Wenn die einen (die Festangestellten) 30 Jahre lang jedes Jahr durchschnittlich 3 Prozent mehr bekommen und die anderen 30 Jahre lang nichts oder maximal 0,1 Prozent, dann ist eine kleine Verbesserung nach sieben mageren Verhandlungs-Jahren leider eine Zementierung der Verschlechterung. Freie hauptberufliche Journalisten brauchen heute mehr als nur minimale Zugeständnisse bei den Zeilen-Honoraren, sie brauchen ganz andere Honorare – solche, die sich an freien Berufen und Dienstleistungen orientieren und signifikant über den Hartz-IV-Sätzen liegen.

Andernfalls müsste man sagen: Hört auf, über Journalismus zu reden! Legt die Beine hoch und schaut fern!

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44 Kommentare

  1. Gk |  05.01.2010 | 19:42 | permalink  

    Die Grenze von der “neuen Angemessenheit” zum Wucher scheint fließend zu sein.
    http://bundesrecht.juris.de/bgb/__138.html

    Schlimm – und doch ist der obige Text nett verfasst und gratis. Da schämt man sich schon fasst, hier mitzulesen.

  2. Wittkewitz |  05.01.2010 | 21:04 | permalink  

    Vielleicht brauchen Freie Journalisten auch eine angemessene berufsständische Vertretung, die nicht dauernd der Gegenseite die Aktentasche hinterher trägt. Denn jammern können die Verleger und ihre Vasallen deutlich lauter, deutlicher fadenscheiniger und deutlich häufiger, was, wie wir mittlerweile wissen, 3 Gründe für Politiker sind, Substanz zu vermuten. Das ist aber kein Makel der Verleger, sondern schlicht jedermanns Recht, sich als hilfebedürftig zu markieren und solange an den Straßenrand zu legen, bis jemand vorbeikommt, der noch ein Pfadfindertat verüben muss. Bei den Banken hatte es trefflich geklappt. Der Pfadfinder der Versicherungen geriert sich neuerdings als Mister Universum – aber ein neuer sehr junger Helfer mit professioneller Weitsicht ist schon da. Ob die Journalisten auch noch einen Heiligen finden? Ich glaube, es fehlt ihnen an Demut und wirrem Kauderwelsch à la Snippets, Links und Clips…

  3. [Journalismus, Verg |  05.01.2010 | 21:39 | permalink  

    [...] [...]

  4. Ulrike Langer |  05.01.2010 | 21:43 | permalink  

    @wittkewitz Eine angemessene berufsständische Vertretung, die nicht die Interessen der Freien als Anhängsel der Interessen der Festangestellten betrachtet, gibt es seit gut einem Jahr: http://www.freischreiber.de

    @wolfgang Michal: Von Tageszeitungshonoraren ließ sich jahrelang recht anständig hauptberuflich leben, solange die Mehrfachverwertung funktionierte: Einmal schreiben und sechs bis achtmal oder manchmal auch zehnmal verkaufen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe dieses System in den 90er Jahren bis zur Perfektion betrieben. Es setzte eine überregionale Themenspezialisierung voraus und einen gewissen masochistischen Hang, ständig kurz vor der Deadline mit einem halben Dutzend Redaktionen zu jonglieren (“bitte 80 Zeilen bis 15 Uhr”, “100 Zeilen bis 15.30 Uhr, “regionaler Schwerpunkt” etc.)

    Seit es “Syndication” gibt (die Verlage betreiben die Mehrfachverwertung unter Umgehung der Autoren selbst) und seit jedes kleine Provinzblatt das Verbreitungsgebiet seiner Onlineausgabe als mindestens bundesweit ansieht, funktioniert die Mehrfachverwertung nicht mehr. Seitdem ist es mit wenigen Ausnahmen finanziell uninteressant geworden, hauptberuflich für Tageszeitungen zu schreiben.

  5. franko |  06.01.2010 | 00:08 | permalink  

    Die Freischreiber haben außer großen Sprüchen bisher ichts bewegt.

  6. karlbennoxx |  06.01.2010 | 00:16 | permalink  

    richtig. Die werden doch überhaut nicht akzeptiert von der Gegenseite. Eine Lufnummernorgansation.,

  7. Zum Start von DSDS 2010 | TVSongs.de |  06.01.2010 | 01:41 | permalink  

    [...] nötigen Distanz die Show verfolgen. Und bei seiner Beitragsfrequenz, die ihm selbst nach den neuen Vergütungsregeln großen Reichtum bescheren würde, dürft ihr euch auf viele regelmäßige Kommentar von ihm [...]

  8. Ulrike Langer |  06.01.2010 | 08:54 | permalink  

    @franko @karlbennox

    Das sehe ich anders. Dass in den letzten Monaten die teilweise absurde Bezahlung von Freien überhaupt ins Blickfeld von mehr Leuten als die, die es unmittelbar betrifft, gerückt ist, geht auch auf Kampagnen der Freischreiber zurück: die Lesetour (http://www.freischreiber.de/freischreiber-lesereise/der-flyer-zur-tour) und die Freiflächen-Kampagne (http://www.freischreiber.de/kategorie/startseite/freifl%C3%A4chen)

    Zum Thema Honorar-Gepflogenheiten passt auch sehr schön dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=R2a8TRSgzZY

  9. Chat Atkins |  06.01.2010 | 09:19 | permalink  

    Mich erinnert das ganze an den Fachverband Freier Werbetexter (gibt’s den noch?). Auch der gab alljährlich attraktive Honorarrichtlinien heraus, mit dem einzigen Fehler, dass sie auf freier Wildbahn einfach nicht durchzusetzen waren.

  10. Wolfgang Michal |  06.01.2010 | 09:21 | permalink  

    @franko-karlbennoxx
    Da Sie beide ja identisch sind: “ichts” und “Lufnummern” machen die Freischreiber bestimmt nicht!

  11. Hendrik Zörner |  06.01.2010 | 09:34 | permalink  

    Dass die gemeinsamen Vergütungsregeln den Freien einen gigantischen Einkommenszuwachs bescheren, hat niemand behauptet. Aber ganz so, wie Wolfgang Michal es beschreibt, ist die Situation nicht. Zum einen dürfte sich aus der Verhandlungsdauer von über sechs Jahren bereits für jeden ergeben, dass es sich bei dem Verhandlungsergebnis um einen Kompromiss handelt, der nur äußerst zäh zu erringen war. Wir sind trotzdem davon überzeugt, dass der Kompromiss besser ist als gar kein Resultat. Denn er schafft einen einheitlichen Rahmen, er kann den Wildwuchs, von dem immer nur die Verleger profitieren, abschaffen. Und er regelt die Mehrfachverwertung, um die gerade in der letzten Zeit immer häufiger heftige Auseinandersetzungen mit einzelnen Verlagen entbrannt sind.
    Ja, wir wollen die Abgrenzung der hauptberuflich tätigen freien Journalisten gegenüber nebenberuflichen Schreibern, so gut und engagiert sie vielleicht auch ihre Arbeit machen mögen. Niemand bestreitet, dass es auch mit den gemeinsamen Vergütungsregeln für Freie schwer ist, ausschließlich von ihrer Tätigkeit bei Zeitungen zu leben. Doch die Realität sieht ja längst anders aus: Immer mehr Freie arbeiten für mehrere Medien, für die Zeitung, für ein paar Zeitschriften, vielleicht auch für den Hörfunk und bestimmt für Online-Medien. Der Mix sichert ihnen die wirtschaftliche Existenz. Das machen viele Freie nicht allein aus Not, sondern weil sie nicht nur für ein Medium arbeiten wollen. Ob das anders wäre, wenn es DJV und ver.di gelungen wäre, die Vergütungsregeln bereits nach einem halben Jahr gegenüber den Verlegern durchzusetzen, ist müßig. Die Verhandlungswirklichkeit war leider eine andere.

  12. Wolfgang Michal |  06.01.2010 | 10:09 | permalink  

    Lieber Hendrik Zörner,
    klar ist ein Verhandlungsergebnis ein Kompromiss, aber was DJV und ver.di in dieser Sache zu wenig beachtet haben, ist, dass es nicht um einen Tarifvertragskompromiss ging, sondern um die Definition von Angemessenheit. Es ist aber nicht angemessen, wenn Menschen von einem Vollzeitberuf nicht leben können.
    Zur Mehrfachverwertung hat Ulrike Langer oben bereits einiges geschrieben und Ilja Braun hat das Thema im Perlentaucher noch ausgeweitet.
    http://www.perlentaucher.de/artikel/5925.html

  13. Kai Schächtele |  06.01.2010 | 10:45 | permalink  

    Lieber Herr Zörner,

    dass die Verhandlungen zäh und schwierig waren, kann ich mir vorstellen. Und es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Verleger gerade jetzt bereit waren, die Verhandlungen abzuschließen, wo beinahe täglich von der historischen Krise der Zeitungsverlage zu lesen ist.

    Doch die Realität von Tageszeitungsfreien sieht leider etwas anders aus, als sie sie beschreiben. Die meisten bestreiten ihren Lebensunterhalt nicht mit einem Mix aus verschiedenen Mediengattungen, schon gar nicht mit Online-Medien, wo die Honorare noch miserabler sind als bei Tageszeitungen, sondern lassen sich den Tageszeitungsjournalismus von der PR quersubventionieren. Und es hat keinen Sinn, darum herumzureden, zumal nicht in einer Zeit, in der die Verleger, sobald sie vom Verhandlungstisch um die Vergütungsregeln aufgestanden sind, die große Qualitätsjournalismus-Fahne schwingen.

    Die Wahrheit ist: Auch von den jetzt ausverhandelten Honoraren kann kein Freier leben, und diese Tatsache muss einfach benannt werden. Sie als angemessen zu bezeichnen, bedeutet nichts anderes als zu akzeptieren, dass der Beruf des freien Journalisten bei Tageszeitungen für zumindest diejenigen keine Option mehr ist, die den Anspruch haben, damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

    Und, @franko und karlbennoxx, Sie sind herzlich eingeladen, sich hier

    http://www.freischreiber.de/home/stellungnahme-von-freischreiber-ev-zu-den-gemeinsamen-verg%C3%BCtungsregeln-f%C3%BCr-tageszeitungen

    und hier

    http://www.freischreiber.de/sondernewsletter-stellungnahme-von-freischreiber-zu-den-verg%C3%BCtungsregeln-f%C3%BCr-tageszeitungsfreie

    mit unseren Argumenten auseinanderzusetzen. Sollten Sie aber ein- und dieselbe Person sein, wie Wolfgang Michal schreibt, dürfen Sie natürlich auch gern mit sich selbst im Gespräch bleiben.

  14. Gk |  06.01.2010 | 11:32 | permalink  

    Nr. 11, @Hendrik Zörner: Bei unter 10 € Stundensatz für eine aufwendige Reportage, welche dann noch in höherer Auflage gedruckt wird, kann ich Ihren Kommentar nur dann verstehen, wenn ich mir vorstelle, dass der Euro eine enorm hohe Kaufkraft hat. Das ist aber nicht so.

    Für Außenstehende/Konsumenten, die die Kommentare hier lesen, ist es unbegreiflich, wie qualifizierte Freiberufler (!) – bei mir in der Stufe haben sich damals die besten Schüler für den Journalistenberuf entschieden – ausgebeutet werden und die Festschreibung dieser Ausbeutung noch als nach Jahren errungener Erfolg gefeiert wird. Ziemlich bekloppt.

  15. Heike Rost |  06.01.2010 | 13:38 | permalink  

    Eine klitzekleine, aber nicht unerhebliche Korrektur zur Formulierung “Die Verleger waren bereit ….”: Die Vereinbarung ist als Minimalkompromiss nach fast sieben Jahren und weit über 30 zähen Verhandlungsrunden abgeschlossen werden. Auf der Freischreiberdiskussion in Berlin, an der wir beide, lieber Kai Schächtele, teilgenommen haben, hat Benno Pöppelmann ausführlich über die Verhandlungen berichtet.

    Leider gilt die Vereinbarung ausschließlich für diejenigen Kollegen, die der schreibenden Zunft angehören: Für Bildjournalisten steht eine Einigung nach wie vor aus bzw. in den Sternen. Die Verhandlungen über angemessene Vergütungsregeln für hauptberuflich freie Bildjournalisten sind bis Anfang 2011 ausgesetzt.
    Die Details dazu sind dem Anhang zur Vereinbarung zu entnehmen:
    http://www.djv.de/fileadmin/DJV/Tipps_und_Infos_fuer_Freie_NEU/Gem-Vergütungsregeln-endg.pdf
    Zum direkten Vergleich und der korrekten Einschätzung des Verlegerangebots sind diesen Zahlen die aktuellen Honorarsätze des Tarif 12a gegenübergestellt.

    Ebenfalls dem Anhang zu entnehmen: Die Alternative zur Vereinbarung wäre die in § 36 UrhG geregelte Schlichtung gewesen – angesichts der Laufzeiten von gerichtlichen Auseinandersetzungen (siehe z.B. Springer AGB) eine Prozedur unbestimmter und unbestimmbarer Dauer. Die Hängepartie für die Bildjournalisten an Tageszeitungen geht also weiter – und wer nicht nur das Zahlenwerk im Anhang zur Vereinbarung gelesen hat, sondern auch den aktuellen journalist, Ausgabe 1/10, liest möglicherweise auch hier
    http://www.1854.eu/2010/01/photojournalist_one_of_the_wor.html oder uhier http://bildjournalisten.djv-online.de/?p=458 (Bericht über eine Studie der EJF zum Thema Bildjournalismus in Europa) weiter. Und könnte zu dem Schluss kommen, dass sich angesichts dramatisch wegbrechender Aufträge, Umsatzeinbußen bei selbst großen Bildagenturen von bis zu 70 % und einer sich rasant nach unten drehenden Honorarspirale inklusive Buy-Out-Verträgen die Sache für Bildjournalisten möglicherweise schon bald erledigt hat.

    Last but not least: Kritik ist in Ordnung, notwendig und wichtig. Das pauschale Verbände-Bashing finde ich allerdings alles andere als … “angemessen”. Zum einen ist das Wort “angemessen” an sich eine ausgemachte Gummiformulierung, die beliebig dehnbar und auslegbar ist – siehe Zahlenwerk für die Bildjournalisten.
    In der Praxis kann das dann durchaus schon einmal so aussehen, dass das nach meiner Kenntnis mieseste, an einen professionellen Kollegen gezahlte Honorar (Ende 2009) übrigens 7,50 € brutto beträgt. Dem gegenüber steht eine zu finanzierende und unterhaltende Ausrüstung, die inklusive Hard- und Software etwa das 5 – 7000fache dieses Honorars kostet.
    Zum anderen ist das pauschale Verbändebashing eine unangemessene und überzogene Ohrfeige für all diejenigen (größtenteils freiberuflich tätigen) Ehrenamtler, sowohl im DJV als auch in der dju/ver.di, die sich für ihre Kollegen engagieren.
    Darüber hinaus: Es würde mich geradezu unglaublich freuen, hätte ich in den letzten Jahren den ein oder anderen Kollegen, der geharnischt und vollmundig kritisiert oder mit Getöse öffentlichkeitswirksam aus Verbänden austritt, tatkräftig unterstützend in der Verbandsarbeit getroffen. Leider ist dem nicht so…

  16. Jakob Vicari |  06.01.2010 | 14:13 | permalink  

    Lieber Hendrik Zörner,
    Einen journalistischen Artikel von einem professionellen Journalisten gibt es jetzt schon ab 9,40 € (Nachricht in einer kleinen Zeitung). Um auf einen akzeptablen Tagessatz zu kommen, müsste ich 27 solche Nachrichten an einem Tag schreiben. Als ich las, dass zwei Gewerkschaften da zustimmen sind mir die Mundwinkel sehr tief runtergerutscht.

  17. Freischreiber lehnen Vergütungsregeln ab » Von Richard Schnabl » Beitrag » Redaktionsblog |  06.01.2010 | 14:29 | permalink  

    [...] Wolfgang Michal, Mitglied des Freischreiber-Vorstandes, schreibt auf carta über “Die neue Angemessenheit“, [...]

  18. Netzpresse: Zitiert: Die neue Angemessenheit |  06.01.2010 | 15:28 | permalink  

    [...] [...]

  19. Jens Weinreich |  06.01.2010 | 17:11 | permalink  

    Ein Ergebnis ist ein Ergebnis und ist eine Schande, egal ob daran Ehrenamtler und/oder bezahlte Gewerkschafts- und Verbandsfunktionäre mitgewirkt haben.

    Ich habe Wolfgang Michal nur vorzuwerfen, dass sein Beispiel (3-4 Tage Arbeit für eine “Reportage” für 240 Euro) etwas hinkt. Denn abgezogen werden müssen ja noch die Reise- und Recherchekosten. Die werden in der Regel nicht übernommen, nur in Ausnahmen. Ich weiß ungefähr, was da übrig bleibt. Manchmal halt nichts – für 3-4 Tage Arbeit. Kein Grund für freie Journalisten, sich zu beschweren?

    Ich hatte übrigens vor einigen Monaten mal das Pech, einen Schlüsseldienst beauftragen zu müssen. Der kam aus dem Nachbardorf, war fünf Minuten unterwegs, blieb fünfzehn Minuten bei mir und fuhr wenn ich mich recht erinnern will – mit mehr als jenen o. g. 240 Euro wieder ab. That’s life.

  20. Jens Weinreich |  06.01.2010 | 17:17 | permalink  

    Passiert halt so, sorry, vielleicht kann den doppelten Kommentar 19 mal jemand von Carta löschen. Danke.

  21. Robin Meyer-Lucht |  06.01.2010 | 17:47 | permalink  

    @ Jens Weinreich: Done!

  22. Erste Stimmen zu den gemeinsamen Vergütungsregeln für Tageszeitungen » blog.frei! |  06.01.2010 | 19:10 | permalink  

    [...] lassen”, schreibt Ilja Braun im Perlentaucher. Wolfgang Michael kommt bei Carta zu einem ähnlichen Urteil; er nennt die Vergütungsregeln – hier im Wortlaut (PDF, 43 KB) – [...]

  23. Wolfgang Michal |  06.01.2010 | 21:53 | permalink  

    @Lieber Jens Weinreich,
    mein Beispiel richtet sich nach den neuen Vergütungsregeln. Und in denen ist festgelegt, dass die Reise- und Recherchespesen vom jeweiligen Verlag übernommen werden. Siehe den entsprechenden Link oben im Beitrag. (Aber ich vermute, Sie wollten die derzeitige Praxis darstellen).

  24. Jens Weinreich |  06.01.2010 | 23:11 | permalink  

    Das habe ich gesehen – indes, mir fehlt der Glaube. Ich habe das mal flüchtig kalkuliert und mich dabei an jenem Budget orientiert, dass ich einst als Ressortleiter zu verantworten hatte. Flüchtiges aber sehr überzeugtes Resultat: Honoraretat und Spesenetat würden mächtig steigen. Und das, lieber Wolfgang, ist absurd. Das wird nie eintreten, Vergütungsregeln hin oder her. Das ist nur Papier – bzw. eine pdf.

  25. Michael Hirschler |  07.01.2010 | 16:59 | permalink  

    @Jens Weinreich (sofern Sie das wirklich geschrieben haben), Ihr schon ziemlich, ziemlich bösartiger Vorwurf (“Schande”):

    “Ein Ergebnis ist ein Ergebnis und ist eine Schande, egal ob daran Ehrenamtler und/oder bezahlte Gewerkschafts- und Verbandsfunktionäre mitgewirkt haben.”

    beißt sich mit Ihrem späteren:

    “Ich habe das mal flüchtig kalkuliert und mich dabei an jenem Budget orientiert, dass ich einst als Ressortleiter zu verantworten hatte. Flüchtiges aber sehr überzeugtes Resultat: Honoraretat und Spesenetat würden mächtig steigen. Und das, lieber Wolfgang, ist absurd. Das wird nie eintreten, Vergütungsregeln hin oder her. Das ist nur Papier – bzw. eine pdf.”

    Also das Ergebnis ist schlecht, weil zu niedrig, und schlecht, weil zu hoch, weil “Honoraretat und Spesenetat mächtig steigen würden”?

    Lautet das Credo “Hauptsache reintreten, irgendwas wird schon treffen”?

    Das ist das absolute Gegenteil von sachlicher Diskussion, bravo.

  26. Jakob Vicari |  07.01.2010 | 17:15 | permalink  

    @Michael Hirschler: Ich leite aus Jens Weinreichs Beiträgen zwei Fragen ab, die Sie sicher vor dem Abschluss beantwortet haben: Glauben Sie durch den Abschluss erhalten Freie mehr Geld? Und wird es Fälle geben, in denen die Honorare durch die Vereinbarung sinken?

  27. Michael Hirschler |  07.01.2010 | 17:21 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Die Beweisführung “Die neuen Vergütungsregeln gelten allein für hauptberuflich tätige freie Journalisten. Und solche kann es nach menschlichem Ermessen gar nicht geben!” ist nicht überzeugend.

    Nach unserer Umfrage von 2008 unter den Freien arbeiten die freien Journalisten nach wie vor schwerpunktmäßig besonders im Bereich der Tageszeitungs-Freien. Wer besonders intensiv (80-100 Prozent) für Tageszeitungen arbeitet, kommt auf einen Gewinn (vor Steuern und KSK) von monatlich rund 1.500 Euro (wer von 1-100 Prozent für Tageszeitungen arbeitet, rund 1.800 Euro).

    Ich kenne sehr viele hauptberufliche freie Journalisten, die praktisch nur für Tageszeitungen arbeiten, ihre Arbeit sehr ernst nehmen, aber an den Honorarhöhen geradezu verzweifeln. Für sie ist diese Regelung – hoffentlich – eine konkrete Verbesserung, sie haben lange darauf gewartet.

    Das Ergebnis der Verhandlungskommission (an dem ich selbst nicht mitgewirkt habe, um es klarzustellen) kann die Situation der Betroffenen verbessern. Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Redaktionen versuchen, dass Ergebnis zu umgehen – aber dann geht der K(r)ampf weiter. Jetzt schon die Flinte ins Korn werfen, wäre zu früh.

    Und klar ist auch: 400 Euro Tagessatz wäre auch meine Forderung, und mein persönliches Fernziel ist ohnehin die Verbeamtung aller Freien so auf Niveau Richtergehalt (nachdem Alfred oder Konstantin ihre 500 Millionen Staatshilfe bekommen haben), aber wir leben leider erst im Jahr 2010 und die allgemeine Gefechtslage sieht bekanntlich ganz, ganz anders aus. Vielleicht sieht es im Jahr 2012 besser aus.

  28. Michael Hirschler |  07.01.2010 | 17:27 | permalink  

    @Jakob Vicari : Wenn man hierzulande, im DJV, nicht glauben würde, dass die Vereinbarung zu mehr Geld bei den freien Journalisten führen wird, hätten wir wohl kaum ein halbes Dutzend Leute jahrelang, sechs Jahre lang, quer durch die Republik zu stundenlangen Verhandlungen mit Verlegern fahren lassen, hätten wir nicht unzählige Sitzungen des DJV-Fachausschusses Freie Journalisten zum Thema gehabt, wäre es kein Dauerthema im DJV-Gesamtvorstand gewesen, wären mehrere DJV-Verbandstage anders verlaufen, weil genau dieses Thema immer wieder aufgeschlagen ist, weil der Verhandlungsabbruch wegen der (vermeintlichen oder echten, lassen wir es jetzt auf sich beruhen) Verschleppungstaktik der anderen Seite immer wieder ein Thema war.

    Kurz: Wir alle haben auch noch andere Themen (für Freie), etwa Steuerrecht, Sozialversicherung, berufliches Training, die wir bearbeiten könnten, oder Tarifverhandlungen für Freie an Rundfunkanstalten etc.

    Natürlich wurde in der Erwartung verhandelt, mehr Geld für Freie zu erzielen. Und natürlich, dass Honorare oberhalb dieses Niveaus nicht gesenkt werden, so es solche geben sollte. Der Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Freie wird ja auch nicht von der Vereinbarung berührt.

  29. Tobias Meyer |  07.01.2010 | 22:50 | permalink  

    @Michael Hirschler: Wie aber kommt der Passus zu einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht, das es bislang gar nicht gibt, in die Vergütungsregeln: § 10 Satz 9? Naczulesen hier: http://www.djv.de/fileadmin/DJV/Tipps_und_Infos_fuer_Freie_NEU/Gem-Verg%C3%BCtungsregeln-endg.pdf

    Das sollten djv und verdi mal erklären. Haben die Gewerkschaften hier Blogger und Online-Journalisten einfach nur verkauft? Oder gilt hier folgendes Beziehungsgeflecht: verdi-Medienchef Werneke ist Mitglied der SPD-Medienkommission, SPD-Medienkommission ist ebenfalls für ein Leistungsschutzrecht der Verlage, also schreibt man das mal so fest?

  30. Michael Hirschler |  08.01.2010 | 08:52 | permalink  

    @Tobias Meyer : “Haben die Gewerkschaften Blogger und Online-Journalisten verkauft”? – Die gemeinsamen Vergütungsregelungen betreffen freie Journalisten, die für Tageszeitungen arbeiten, NICHT Blogger oder reine Online-Journalisten.

    Dass ein Leistungsschutzrecht überhaupt (in § 9 Nr. 8, nicht § 10 Satz 9, wie Sie meinen) erwähnt wird, hat folgenden systematischen Grund:

    Die Regelung sieht vor: “Nicht von den vorstehenden Regelungen erfasst werden von urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften wahrgenommene Zweitverwertungsrechte und Vergütungsansprüche.

    Diese stehen den freien Journalisten/freien Journalistinnen nach Maßgabe der Verteilungspläne der Verwertungsgesellschaften alleine zu. Vereinbarungen zwischen Verlagen, Verlagszusammenschlüssen und Verwertungsgesellschaften werden hierdurch nicht berührt. Satz 2 gilt nicht für Vergütungsansprüche aus einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht der Verlage.”

    Die Regelung stellt fest, dass die von den VG wahrgenommenen Zweitverwertungsrechte dem Urheber ALLEINE zustehen. Damit wird die bei manchen Verlagen bestehende AGB-Praxis, sich auch solche Rechte einräumen zu lassen, unterbunden. Wenn es aber mal ein Leistungsschutzrecht GÄBE, dann würde diese Regelung der ALLEINIGEN Inhaberschaft der Rechte auch aus diesem Leistungsschutzrecht dieses gesetzliche Recht ad absurdum führen: ein Leistungsschutzrecht der Verlage, das ALLEINE den Urhebern gehört, wäre wohl sehr schön, aber unrealistisch. DJV-Forderung ist es, die Urheber an Erlösen zu beteiligen und bisherige Einkünfte dadurch nicht zu schmälern. Ein ALLEINIGES Recht der Urheber dagegen wäre dann ein Leistungsschutzrecht der Urheber, sehr schön, aber nicht Stand realistischer Debatten.

    Von Verkauf also keine Spur. Was die weiteren Unterstellungen hinsichtlich unseres Verhandlungspartners von ver.di angeht, kann ich über diese unterirdische Argumentation nur noch den Kopf schütteln. Angesichts dessen was dort – genau wie beim DJV – für die Berufsgruppe der Journalisten getan wird, ist das eine ziemliche Unverschämtheit, hier mit Verschwörungstheorien zu argumentieren. Abgesehen davon, dass die SPD, wie auch Politiker der Union und FDP, den Bedenken der Urheber gegenüber offen sind und deren Interessen bei einer Gesetzgebung berücksichtigen werden, wenn die Urheber an einem Strang ziehen und keine fundamentalistische Verweigerungshaltung eingenommen wird, wie sie ja derzeit vor allem von Freischreiber-Mitgliedern massiv gepflegt wird. Wer sich nicht in Verhandlungs- und Gesetzgebungsprozesse einbringt, muss eben erleben, dass es ohne ihn abgeht, und dann erst recht nicht zu seinen Gunsten.

  31. Tobias Meyer |  08.01.2010 | 10:57 | permalink  

    @Michael Hirschler: Es ist bekannt, dass die Zeitungsverleger ein Leistungsschutzrecht mit aller Macht wollen. Insider-Informationen zufolge schreiben sie sogar den Gesetzentwurf dazu für das Ministerium. Ebenso ist bekannt, dass sie Gespräche mit den Gewerkschaften über die Einführung eines Leistungsschutzrechts führen, um sich auf dieser Flanke abzusichern. Und dann taucht ein Leistungsschutzrecht – das es noch nicht gibt und von dem die Öffentlichkeit bislang nicht weiß, wie es ausgestaltet sein wird – mir nichts, dir nichts in einer Vergütungsvereinbarung auf, mit der es bereits akzeptiert ist. Tut mir leid, an politische Naivität glaube ich nicht. Da hilft auch nicht der Hinweis auf den selbstlosen Kampf der Gewerkschaften für die Freien.

  32. Michael Hirschler |  08.01.2010 | 15:25 | permalink  

    @Tobias Meyer : Haben Sie denn gar nicht mitbekommen, dass das Leistungsschutzrecht sogar schon im Koalitionsvertrag steht? Glauben Sie, das steht dort nur zum Spaß? Natürlich werden derzeit Gesetzestexte entworfen und natürlich beteiligt sich der DJV als Interessensorganisation an den Gesprächen, nicht nur mit Verlegern, sondern auch und gerade der Politik, die auch bei Gesetzen noch mitzuwirken hat, auch wenn es manche Hinweise darauf geben mag, dass das in manchen Bereichen, wo niemand aufpasst, schon nicht mehr der Fall ist. Beim Leistungsschutzrecht ist der DJV am Ball, das gilt für die edle Fraktion der Totalverweigerer natürlich nicht.

  33. Tobias Meyer |  08.01.2010 | 16:25 | permalink  

    @Michael Hirschler: “Totalverweigerer” gibt es offenbar auch beim djv. Unter dem Datum 21.11.2009 – da lag der Koalitionsvertrag schon vor – heißt es zu einer vom djv abgehaltenen Tagung zum Online-Journalismus mit dem Titel “Besser Online”:
    “Unisono erteilten die Besser Online-Teilnehmer dem von den Verlegern geforderten Leistungsschutzrecht eine Absage. Als verzweifelter Versuch von Verlagsmanagern, die zu lange das Internet ignoriert hätten, wurde die Forderung nach gesetzlichem Schutz vielfach bezeichnet.” http://www.djv.de/SingleNews.20+M5179b06abf2.0.html
    Widerspruch oder Paradigmenwechsel?

  34. Heike Rost |  08.01.2010 | 16:34 | permalink  

    @Tobias Meyer – Kein Paradigmenwechsel, sondern Ausdruck der Tatsache, dass das hochkomplexe Thema Leistungsschutzrecht auch innerhalb des DJV und in seinen Gremien höchst kontrovers debattiert wird.

  35. Jens Weinreich |  11.01.2010 | 02:52 | permalink  

    @ Michael Hirschler: Ich habe Ihre Entgleisung leider jetzt erst gesehen. Sie haben sich hier und bei den Freischreibern in Rage diskutiert, dafür habe ich angesichts der Brisanz des Diskussionsgegenstandes sogar Verständnis. Tun Sie mir aber bitte den Gefallen und interpretieren meine Kommentare nicht allzu frei? Und bitte interpretieren Sie meine Aussagen nicht wirrer, als sie sind. Mehr möchte ich Ihnen gar nicht sagen. Denn Sie wissen doch ohnehin schon alles zu diesem Thema, und natürlich auch alles besser.

  36. Wolfgang Michal |  11.01.2010 | 11:52 | permalink  

    Die Art und Weise, wie der Freien-Referent des DJV, Michael Hirschler, hier und vor allem im Freischreiber-Blog herumgeistert, wirft nicht gerade ein gutes Licht auf den DJV. Die jetzt von freien Journalisten eingerichtete e-Petition
    http://www.ipetitions.com/petition/verguetungsregelungen/
    sollte dem DJV zeigen, dass die Praktiker, also die freien Journalisten, möglicherweise berechtigte Kritik üben. Diese Kritik immer nur arrogant abzuwehren ist kontraproduktiv.
    Worum es in Wirklichkeit geht, macht dieser kleine Freischreiber-Tarifrechner deutlich.
    http://www.freischreiber.de/home/der-freischreiber-tarifservice
    Aber solche Ideen hat der DJV nicht.

  37. Tom |  11.01.2010 | 12:17 | permalink  

    Ich habe mal eben eine andere Frage: Wie wurde das Thema eigentlich medial verarbeitet? In einer Tageszeitung wohl kaum, oder? Von einer Bekannte hörte ich, dass WDR 5 darüber berichtet haben soll. Sonst noch?

  38. Jens Weinreich |  11.01.2010 | 15:18 | permalink  

    @ Tom: Eine großartige Frage. Wunderbar. Eine flinke Suche in zwei Zeitungsarchiven ergab: Es wurde nichts berichtet.

    Angaben natürlich ohne Gewähr.

  39. Andrea Tapper |  11.01.2010 | 16:17 | permalink  

    @Jens Weinreich, Tom, GK: Ihre Einwürfe sind absolut richtig. Wir haben als Medienmenschen seit etwa 2001, als die Honorare und Aufträge zu purzeln begannen, den Tod unseres eigenes Berufs nicht thematisiert. Nicht im Spiegel, nicht bei Maybritt Illner, nicht mal bei Anne Will – wo alle über ihre schlechte Bezahlung und den sozialen Notstand geredet haben, nur wir Journalisten nie!

    War uns das peinlich, oder was war da los?

  40. Jens Weinreich |  11.01.2010 | 17:55 | permalink  

    Ich weiß nicht, ob “uns” das peinlich war. Ich war bis Anfang 2008 fest angestellt. Sicher gibt es etliche Freie, die sich von mir schlecht behandelt fühlten. Ich kann aber auch etliche Freie nennen, die von mir im Rahmen der Möglichkeiten regelmäßig einen Honoraraufschlag und/oder Beteiligung an Reise- und Recherchekosten erhalten haben, wenn Aufwand und Qualität der Beiträge dies rechtfertigten. Was man halt tun konnte/tun kann unter sich ständig verschlechternden Bedingungen – nicht viel. An den Grundproblemen der Branche aber ändert das nichts, es sind nur kleine kosmetische Übungen.

  41. Heike Rost |  11.01.2010 | 19:09 | permalink  

    Hm, nie über die Misere gesprochen?
    http://www.zeit.de/2007/45/C-Freie-Journalistin … “Schreiben macht arm”, Hut ab damals vor der freien Kollegin Gabriele Bärtels, deren Geschichte nochmals im Medium Magazin
    http://www.gabriele-baertels.de/mediummagazin.PDF aufgegriffen wurde und die kürzlich auch bei Zapp (verlinkt unter http://www.freischreiber.de/home/zappenduster) zu Wort kam.
    Einen Kommentar bei der TAZ der Kollegin Hilal Sezgin gab’s auch noch, nachzulesen hier: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/arm-aermer-autor/

    Es gab aber auch – nach dem ersten Beitrag in der ZEIT – unglaublich viel unschöne Verbaldresche für den Beitrag, der als “wenig substantiiert, wenig recherchiert” kritisiert wurde (z.B. hier http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?p=76403). Vor allem im Journalistenforum Jonet ging’s damals hoch her – viele Kollegen haben Gabriele Bärtels seinerzeit betriebswirtschaftliche Blauäugigkeit, Gejammer und vieles mehr vorgeworfen.
    Nie erwähnt? Ach ja, ich fürchte, die Medienbranche hat mitunter ein verflixt kurzes Gedächtnis, selbst unter Kollegen.

  42. Wolfgang Michal |  13.01.2010 | 12:18 | permalink  

    Die Tarifkommission der dju (in ver.di) hat die neuen Vergütungsregeln gestern einstimmig gebilligt, was – vor allem nach der unerwartet scharfen Kritik – nicht anders zu erwarten war (klassischer Reflex alter Organisationsstrukturen).

    Das zugrunde liegende Problem existiert weiter. Und es wird sich weiter verschärfen. Das heißt, die Kritik wird zurückkommen wie ein Bumerang.

  43. Heike Rost |  13.01.2010 | 12:53 | permalink  

    Hier der Vollständigkeit halber der Link zur Pressemitteilung: http://dju.verdi.de/pressemitteilungen/showNews?id=71f15c9e-002a-11df-4168-0019b9e321cd

  44. links for 2010-01-17 « Nur mein Standpunkt |  17.01.2010 | 13:04 | permalink  

    [...] Die neue Angemessenheit — CARTA "Ein hauptberuflich freier Tageszeitungsjournalist ist also in der Bundesrepublik Deutschland vergütungsmäßig nicht vorgesehen. Er ist sozusagen „unangemessen“. Denn er arbeitet entweder nicht frei oder nicht hauptberuflich oder nicht bei Tageszeitungen oder nicht als Journalist. Alle vier Merkmale gleichzeitig sind heute ungefähr so häufig wie ein vierblättriges Kleeblatt." (tags: johournaille) [...]

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