Netzlese
Robin Meyer-Lucht | 12 Kommentar(e)
Der Kölner Stadt-Anzeiger übernimmt Carta-Recherchen zur Zukunft der Rundfunkgebühr – und macht sie in einer Presseerklärung zur völlig eigenen Geschichte.
08.12.2009 |
Der Kölner Stadt-Anzeiger hat die Carta-Geschichte über die geplante Steigerung der PC-Gebühr aufgegriffen. Ksta.de verweist im Artikel auch brav und nett auf die Quelle. Danke dafür.
Zugleich hat der Verlag auch eine Pressemitteilung verschickt, um sich mit dem Thema in der Zitiermaschinerie der Agenturen zu platzieren. In der Mitteilung fehlt allerdings jeglicher Hinweis auf die Primärquelle Carta. Das ist wohl kein Zufall, sondern eher die tägliche Praxis des gegenseitigen Umgangs im Qualitätsjournalismus.
Im Radio läuft nun: “Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet…..” Am Ende des Jahres wird sich der Kölner Stadt-Anzeiger rühmen, zu den 20 meistzitierten Medien des Landes zu gehören.
Die Vorgänge zeigen: Blogs benötigen dringend ein “Verlegerschutzrecht”. Wie sollen sich Blogs noch refinanzieren, wenn ihre teuer recherchieren Geschichten durch Presseerklärungen der Zeitungsverlage einfach vollkommen “enteignet” werden?
Immerhin, die Recherchen des Kölner Stadt-Anzeigers zeigen: Der Carta-Bericht war zutreffend. Die Staatskanzlei hatte nichts zu dementieren.





Die Südedeutsche schreibt: “Die Ministerpräsidenten erwägen laut einem Zeitungsbericht, auch Menschen ohne Fernseher zu GEZ-Vollzahlern zu machen. Künftig könnten auch Laptops und internetfähige Mobiltelefone voll gebührenpflichtig werden, wenn deren Besitzer nicht ohnehin ein TV- und ein Radiogerät angemeldet hätten, berichtete die Welt.”
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/computer/674/496984/text/
Ist das nicht mehr in im Journalismus, Informationen möglichst aus der Originalquelle zu nehmen?
@ Hape: Soso, danke.
Die Welt zitiert ganz korrekt und nett:
http://www.welt.de/webwelt/article5465364/GEZ-Gebuehren-fuer-PCs-sollen-verdreifacht-werden.html
Nett ist auch, wenn Online-Medien die Meldung übernehmen und die Quelle zwar nennen, aber nicht verlinken. Wie hier zum Beispiel (inside-handy.de): http://www.inside-handy.de/news/16967.html
Gestutzt habe ich auch beim Spiegel Online Bericht ( http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,665970,00.html ), der sich auf “AP-Nachfrage” beruft. Wobei AP nur nachgefragt hat, was Carta schon vorgefragt hatte.
Vorbildlich dagegen Zeit Online mit Nennung Carta als Quelle und Link: http://www.zeit.de/digital/2009-12/gez-rundfunkgebuehr-computer
Etwas ab vom Thema: Nachdem die Meldung nun den Weg in die “Qualitätsmedien” gefunden hat, stellt sich mir eine Frage.
Kurt Beck hat vor zwei Wochen in einem Interview mit digitalfernsehen.de (http://www.digitalfernsehen.de/news/news_855516.html) im Prinzip das gleiche, nur etwas zu verklausuliert gesagt. Ich hatte in meinem Blog dargestellt, dass es zu einer TV-Gebühr für PCs kommen soll. Damals ist niemand sonst drauf angesprungen. Nun wiederholt Stadlmeier die Sache noch mal deutlicher und die Post geht ab.
Warum soll die Info, dass PCs richtig zur Kasse gebeten werden, jetzt unter die Leute? Es muss den Herren doch klar gewesen sein, dass das Ärger gibt. Will man das austesten oder die CDU, die ja mehr zur Haushaltsabgabe neigt, irgendwie in Bewegung bringen, wenn der Proteststurm zu groß wird? Irgendwas soll mit Hilfe der Öffentlichkeit produziert werden, aber was, liegt für mich im Dunkeln.
Das ist ja leider nicht ungewöhnlich. Vor allem Blogs werden als Quellen gern genutzt, aber ungern genannt. Ich habe das bei netzwertig.com damals bei der Lokalistenübernahme gemerkt, bei der wir den Scoop hatten. Die wenigsten haben uns genannt, geschweige denn auf uns verlinkt.
Gerade bei einer großen Sache wie Eurem GEZ-Artikel ist das blöd. Besonders angesichts der aktuellen Debatten auch ein bisschen unverschämt. Aber ‘Enteignung’ ist es nicht.
@ Hape: Die Kollegen von Digitalfernsehen habe ich ja auch im Text gleich eingebunden. Insbesondere mit dem Hinweis auf den genauen Termin der Ministerpräsidentenkonferenz. Digitalfernsehen hat aber a) die Sache nicht wirklich aus der Warte von reinen Online-Nutzern betrachtet – und b) hatten sie nicht die Information, dass die neue Gebühr auch wieder bei 18 Euro liegen soll – erst so wird klar, dass es sich um eine Verdreifachung handelt.
@ Marcel: Ich hoffe, die Ironie im vorletzten Absatz wird klar. So dramatisch finde ich die Sache gar nicht – sowas passiert ständig und ist rechtlich auch nicht anzufechten.
Wenn man aber bedenkt, dass behauptet wird, Blogs würden die “elektronische Qualitätspresse rippen”
http://carta.info/18429/mathias-schwarz-blogs-rippen-qualitaetspresse-leistungsschutzrecht/
oder die Presse werde im Netz “enteignet” http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E5A9CAF508685453EB782013BE79E9C91~ATpl~Ecommon~Scontent.html
, dann kommt einem – angesichts solcher Praktiken – die Diskussion doch etwas verkürzt vor.
Wieso, das ist doch alles nicht aussergewöhnlich. Ihr seid halt digitale Stringer…
@Robin Meyer-Lucht Ich hatte Ironie vermutet, war mir aber nicht sicher.. :)
nun, nachdem k. neven dumont schon so fleißig cross-promotet hat (über links zu seiner sicht der dinge; gratis-presse, kooths) gab es wohl einen zentralen tipp an seine redaktionen… *ggg*
es ist ein ausdruck der schieren angst, an relevanz zu verlieren…, meine subjektive sicht
“Der Kölner Stadt-Anzeiger hat die Carta-Geschichte über die geplante Steigeru…”…
Der Kölner Stadt-Anzeiger hat die Carta-Geschichte über die geplante Steigerung der PC-Gebühr aufgegriffen. Ksta.de verweist im Artikel auch brav und nett auf die Quelle. Danke dafür.
Zugleich hat der Verlag auch eine Pressemitteilung verschickt, u…