Robin Meyer-Lucht | 23 Kommentar(e)
10.11.2009 |
Gerade flattert die Pressemitteilung zum Auftritt von Kurt Becks auf dem Mainzer Mediendisput rein. Darin fordert Beck nicht die üblichen Dinge, wie “Qualitätsjournalismus im Netz”, “Wegweiser durch den Datendschungel im Internet” und “gute Ausbildungen, faire Entlohnung und anständige Arbeitsverhältnisse” für Qualitätsjournalisten. Beck outet sich auch als Twitterer. In der Erklärung heißt es:
Beck verwies auf die zunehmende Bedeutung von sozialen Netzwerken und berichtete, dass er selbst in zwei Netzwerken vertreten sei und seit einigen Tagen auch Twitter nutze. Dabei gehe es ihm darum, auch den Kontakt zu jungen Leuten zu behalten. Der Ministerpräsident betonte allerdings, dass die Netzwerke das journalistische Angebot nicht ersetzen könnten, sondern nur Ergänzung seien.
Und tatsächlich: Hier ist Kurt Becks Twitter-Account. Wenn ich das richtig sehe, ist Beck damit Deutschlands erster twitternder Ministerpräsident. Der bislang doch eher rundfunkorientierte Kurt Beck schlägt augenscheinlich völlig neue Seiten der politischen Vermittlung auf. Er hat sein eigenes Kabinettsfernsehen, eine kürzlich runderneuerte Internetpräsenz – und nun ein Twitter-Account. Kurt Beck – gar der Obama aus der Pfalz?
Der Landeschef kann sogar schon richtig Dialog:
Nicole Z twittert an Beck:
@KurtBeck Auf Ihrer HP fehlt noch der Twitter-Link
Keine halbe Stunde spätert twittert Beck zurück:
@NicoleZ jetzt ist er da
NicoleZ und wir vermuten richtig: Der twitterne Kurt Beck ist wohl eher eine multiple Persönlichkeit. Zum heutigen Tag vermeldet der Beck-Account:
nimmt heute am #mediendisput teil und spricht mit Normen Odenthal (#ZDF) über aktuelle medienpolitische Themen.
Das wiederum klingt etwas unpersönlich, nach: Der persönliche Presseassistent bedient Twitter.
Egal, natürlich bleibt Kurt Beck eben der Kurt Beck – auch mit Twitter. Aber: Ein eigener Twitter-Account ist ein kleiner Schritt für einen Teenager, aber ein großer Schritt für einen sechzigjährigen Minsterpräsidenten, der seit 15 Jahren die Rundfunkpolitik lenkt. Sollte Kurt Beck tatsächlich hin und wieder in seinen Twitter-Account schauen – es könnte seine Sicht des Medienwandels positiv beeinflussen.
Ach, was werden erst für herrliche Zeiten anbrechen, wenn in paar Jahren die ganze Staatskanzlei twittert – und man keine Presseerklärungen mehr braucht.
Update: Kurt Beck ist nicht der erste twitternde Ministerpräsident. Das war Dieter Althaus (siehe Kommentar 16).





Statusupdates in der dritten Person sind jetzt aber nicht sooo ungewöhnlich, dass man auf den persönlichen Pressereferenten schließen müsste. Bei Facebook wurde das den Usern durch das defaultmäßige Soundso “is …”-Feld ja quasi antrainiert.
Die in twitter sehr aktive Rheinzeitung hat herausgebracht, das König Kurt´s Büro den Account “in enger Abstimmung mit Kurt Beck” betreibt.
Das zeigt eher weniger Medienkompetenz, lebt doch – zumindest bei Accounts von echten Menschen – davon, dass man weiss: Hier erscheinen persönliche, brandaktuelle Botschaften. Wenn die Sekretärin die anstehenden unbrisanten Termine auf 160 Zeichen quetscht und ins Internet stellt, schafft das keinen Mehrwert.
Einen schönen, kritischen Beitrag von “the European”-Chefredakteur Alexander Goerlach zu Politiker-Tweets gibt es in unserem Blog:
Kein zwitschern im Kanzleramt
http://junge-union-rlp.de/blackblog/?p=294
Nachtrag: Die rheinland-pfälzische Staatskanzlei (www.twitter.com/rlpNews) twittert übrigens schon länger als der Ministerpräsident. Allerdings verlinkt die Pressestelle einfach nur die Pressemitteilungen. Ein Mehrwert ist immerhin erkennbar…
@ Christoph: Danke für die Ergänzung aus der Rheinzeitung. Dass Kurt Beck sein Twitter-Account ganz allein betreut, wäre vielleicht etwas zu viel verlangt. Dass er hin und wieder auch selbst von seinem Telefon etwas rausschickt, wiederum Pflicht. Schließlich erlaubt Twitter ja multiples einloggen…..Chef kann also co-mikrobloggen….
Die Staatskanzlei führt auch ein MPK-Account. Mainz tweetet auf…
[...] Kurt Beck, der twitternde Ministerpräsident Nov 10th, 2009 by posterous. Ein eigener Twitter-Account ist ein kleiner Schritt für einen Teenager, aber ein großer Schritt für einen sechzigjährigen Minsterpräsidenten, der seit 15 Jahren die Rundfunkpolitik lenkt via carta.info [...]
Boah! So ganz ernst kann dieses Medium offenbar nicht genommen werden.
Als ich gerade bei Twitter war um Kurt zu folgen, taten das vor mir bislang nur 170 Leute. Das ist meiner Meinung nach auch eine klare Aussage darüber, dass Twitter eine überaus untergeordnete Bedeutung in den sozialen Netzwerken in Deutschland hat. Und das obwohl es nach RSS und Social Bookmarks sicherlich eines der wichtigsten Internettools ist.
Apropos: Wenn sich etwa manche Politiker Social Bookmarks anlegen würden, und dort Artikel und Texte hinterlegen, die sagen wir sie zum Nachdenken gebracht haben oder widerspiegeln, was sie für richtig oder falsch halten, das wäre aus Wählersicht deutlich interessanter als Nachrichten auf Twitter darüber, was jemand tut. Allerdings: das würden wohl noch viel weniger Leute wahrnehmen.
Es war keine Absicht, dass ich nur Kurt statt Kurt Beck getippt habe. Ich kenne ihn nicht privat.
@ Thomas: Warten wir mal ab, wie viele Follower Kurt Beck in drei Monaten hat….
Hängt natürlich auch vom Autor ab.
@Thomas Television: Nun warte mal ab, schließlich existiert der Account ja erst seit wenigen Stunden und seine Existenz muss sich erstmal rumsprechen.
@Christoph: Bei Twitter dreht sich alles um 140 und nur wenig um 160 Zeichen. Soviel dann zur Medienkompetenz der JU RLP.
[...] Kurt Beck outet sich als erster twitternder Ministerpräsident Diesen Artikel Twittern, Social Bookmarken, Drucken oder per E-Mail versenden: [...]
[...] Hugo Müller-Vogg („Die Politiker twittern doch eh alle nicht selbst“ – wenn das Kurt Beck wüsste) und Sascha Langenbach (Berliner Kurier, Twitternde Politiker sind „totaler Kokolores“) [...]
Es gibt viele Politiker, die selbst twittern. Julia Klöckner schafft es mittlerweile sogar als parlamentarische Staatssekretärin authentische Tweets in angemessener Folge zu schreiben.
Dank Bundespräsidentenwahl wird man sie wohl sogar als die Pionierin des politischen Twitterns bezeichnen müssen ;-) Jedenfalls hat sie´s bekannt gemacht (natürlich mit 140 Zeichen Länge).
[...] 11 11 2009 Twitter wird immer populärer, und das Internet als Wahlkampfplattform ebenso. Da twittern Ministerpräsidenten, Blogs werden langsam zu einem Standard für Politiker, und ohne irgendeine Internetpräsenz geht [...]
Naja wenn man sonst nix mehr zu sagen hat…
“Kurt Beck outet sich als erster twitternder Ministerpräsident”
Das ist so jetzt aber nicht richtig.
Denn obwohl er jetzt nicht mehr Ministerpräsident von Thüringen ist, war Dieter Althaus (http://twitter.com/dalthaus) doch bei weitem eher dabei Twitter zu nutzen, als Kurt Beck. Althaus begann am 20. April 2009, siehe: http://twitter.com/dalthaus/status/1564675041
@mw238: vielen Dank für den Hinweis. Das haben wir übersehen. Ich baue oben ein Update ein.
Schön, dass wir das alte “Was, der [POLITIKERNAME] twittert auch?”-Spiel wieder spielen.
Ich empfehle da immer wieder gerne einen Blick auf http://www.wahl.de … ;-)
(Wo Beck auf dem Weg zum Big Mover ist)
Das Kurt Beck so-irgendwie-offiziell twittert ist, wie auch der “Fall Althaus” (der wirklich der Erste war, nach den o.g. Standards) oder vielleicht Peter Müller (hier ganz offiziell als “Team” deklariert) eigentlich bekannt.
Und wären die Wahlergebnisse anders, dann hätten wir sogar noch mehr (und v.a. wirklich persönlich) twitternde Ministerpräsidenten z.B. in Schleswig Holstein, oder im Saarland … aber eigentlich warten wir doch alle auf die twitternde Kanzlerin.
[...] Erster Ministerpräsident auf TWITTER: Kurt Beck carta.info [...]
@Robin Meyer-Lucht/ sheephunter:
“Warten wir mal ab, wie viele Follower Kurt Beck in drei Monaten hat….”
Vielleicht 3.000. Das ändert auch nichts an dem, was ich geschrieben habe. Twitter ist ein tolles Tool, aber komplett überbewertet, was seine angenommene Bedeutung betrifft.
Twitter-Test ;)
die begründung dr. goerlachs, warum die kanzlerin twittern sollte, und sein vorschlag, so weltbewegendes wie ‘Bin auf dem Weg zum Koalitionsausschuss’ durchzugeben, machen eines klar: solange politiker in dieser art beraten werden, muss sich niemand wundern, wenn es mit der ‘neue-medien#kompetenz’ (und der bereitwilligkeit, dieselben zu nutzen) mächtig hapert. berater wird man leider erst nach längerer bis langer ochsentour, keine aussichten also, dass sich bald etwas ändert. schade um die vielen verschenkten chancen.
[...] wird immer populärer, und das Internet als Wahlkampfplattform ebenso. Da twittern Ministerpräsidenten, Blogs werden langsam zu einem Standard für Politiker, und ohne irgendeine Internetpräsenz geht [...]