Robin Meyer-Lucht

Sag mir wie häufig Du surfst – und ich sage Dir, ob Du eine Volkspartei wählst

Robin Meyer-Lucht | 13 Kommentar(e)


Mit den Daten aus der jüngsten Wahl lässt sich zeigen: Je mehr die Leute im Netz surfen, desto weniger wählen sie eine Volkspartei. Okay, der Zusammenhang ist in Wahrheit wohl etwas komplizierter.

29.09.2009 | 

Union oder SPD zu wählen wird bekanntlich so langsam zum Altersphänomen: Nur noch 43 Prozent der 18- bis 29-jährigen Wähler gaben den “Volksparteien” bei dieser Bundestagswahl ihre Stimme. In der Altergruppe 60+ kamen Union und SPD hingegen auf satte 70 Prozent.

Das Wahlverhalten hängt aber nicht nur am Alter, man kann die Angelegenheit auch anders aufschlüsseln: Je mehr die Leute im Netz surfen, desto weniger wählen sie eine Volkspartei:

wahlverhalten_internet

Diese lineare Beziehung “Wenn Du täglich im Netz surfst, wähltst Du seltener eine Volkspartei” weist eine fast schon absurd hohe Korrelation von 0,978 auf. Damit ist die lineare Beziehung zwischen diesen beiden Variablen nachgewiesen – aber natürlich nicht ein kausaler Einfluss: Es wäre wohl auch absurd zu behaupten, dass das Surfen im Netz allein und per se das Wahlverhalten beeinflusst. Richtig ist wohl, dass wer viel im Netz surft eben eher jünger und eher offen für Wechsel ist.

Der Zusammenhang von Wahlverhalten und Mediennutzung sieht zumindest sehr schön aus – und hat eine gewisse Logik: Massenparteien und Massenmedien passten eben sehr gut zusammen, wie Franz Walter kürzlich schon bei Cicero anmerkte. Aber man muss auch einräumen: Auch zwischen dem Alter eines Wählers und der Wahl einer Volkspartei lässt sich ebenfalls eine sehr hohe Korrelation von 0,970 bestimmen.

Wahrscheinlich ist die Sache so: Die Jungen wenden sich –  ausgerüstet mit dem Internet – von den Massenparteien ab. Ja, so könnte man das vielleicht ausdrücken. Um zu wissen, dass das stimmt, braucht man auch keine Grafik und keine Statistik.

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13 Kommentare

  1. Stefan |  29.09.2009 | 20:05 | permalink  

    Man könnte auch sagen:
    Wer viel surft, ist eher über die Unzulänglichkeiten der Volksparteien informiert. Deshalb traut er ihnen nicht mehr. Und findet leichter Zugang zu anderen Parteien, da er sich leicht über sie informieren kann.

  2. Christian |  29.09.2009 | 22:28 | permalink  

    Hhhm, also ich finde nicht, dass man aus diesen Daten diese Schlüsse ziehen kann. Du hast hier doch nur die hochgradig aggregierten Daten miteinander in Beziehung gesetzt, oder? Also die AWA-Daten zur Internet-Nutzung von Alterskohorten und die Daten zum Wahlverhalten von Alterskohorten…

    Damit zeigst Du aber doch nicht mehr als:
    … Je jünger, desto mehr Internet.
    … Je jünger, desto seltener Volkspartei-Votum.

    Also gerade nicht:

    /ZITAT
    “Das Wahlverhalten hängt aber nicht nur am Alter, man kann die Angelegenheit auch anders aufschlüsseln: Je mehr die Leute im Netz surfen, desto weniger wählen sie eine Volkspartei.”
    //

    Denn ob Internet-Nutzung und Wahlverhalten wirklich auf individueller Ebene (!) korrelieren, wissen wir nicht. Das wäre ja das spannende.

    @Stefan: Mit den vorliegenden Daten wäre m.E. die naheliegende Erklärung erstmal: Je älter, desto stärker ist noch die Milieu-Bindung und das habitualisierte Wahlverhalten, deshalb erreichen die vermeintlichen Volksparteien hier bessere Zahlen. Der Einfluss des Netzes ließe sich nur auf individueller Ebene messen, wenn überhaupt.

  3. Bob |  30.09.2009 | 09:38 | permalink  

    Hmm??? Diese Korrelation ließe sich sicher auch mit Handys und Mp3-Playern herstellen, oder?

  4. rml |  30.09.2009 | 11:00 | permalink  

    @ Bob: Wahrscheinlich ließe sich zeigen, dass der Besitz eines MP3-Players eher auch auf den Besitz eines Handys schließen lässt, klar.

    @ Christian: Jip, hier sind lediglich die hochaggregierten Daten in Beziehung gesetzt. Für die Messung der Auswirkungen auf individueller Ebene bräuchte man ja eine Panel-Untersuchung über Jahre. Ich denke, dass die Daten dennoch einen interessanten Einblick geben. Aber ganz klar: Statistisch eindeutig ist hier mal gar nichts. Es ist eher ein Ansatz, der hier formuliert wird.

  5. Internetguru |  30.09.2009 | 12:34 | permalink  

    In den beiden Volksparteien ist die Grundskepsis gegenüber dem Internet viel stärker verankert. Das sieht man auch an der Dialektik der Minister von der Leyen und Schäuble die dem Netz durch das Internetsperrengesetz sowie die Vorratsdatenspeicherung einen für die junge Generation immensen Eingriff in Ihre Privatsphäre ermöglicht haben. Auf der Freiheit statt Angst Demo, waren z.b. die FDP, die Linke, die Piraten und die Grünen. Vielleicht noch ein paar Jusos, die von Ihrer Partei aber frustriert waren. Aber die SPD als auch die CDU waren nicht vertreten.
    Die Oppositionsparteien mussten auch diese Gesetze reformieren, um auch mehr junge Menschen zu mobilisieren. Mittlerweile hat auch die Kanzlerin die Bedeutung dieses Thema erkannt, und will unter anderem bei der CDU Internen Wahlanalyse den Zugewinn der Piratenpartei und die Zunahme netzaffiner Themen diskutieren.
    Ausserdem will das Kanzleramt bekannte Blogger wie Markus Beckedahl einladen, um mit Ihnen über Netzpolitik zu sprechen. Auch für mich wurden die Volksparteien unwählbar, wegen Ihrer altmodischen Netzpolitik.
    Leider haben es die Parteien immer noch nicht erkannt, dass Deutschland eine Art Staatsminister für Internetangelegenheiten braucht, der querschnittsartig Regierungsreformen überwacht und mitgestaltet.
    Hoffentlich macht auch die FDP was. Die plustert sich ja gerade als Bürgerrechtspartei auf. Nicht dass sie aus purem Machtwillen einknickt, und Schäuble noch mehr Überwachungsgesetze schneidern lässt. Die FDP sollte sich dringend für eine solche Art Staatsminister oder Regierungsbeutragten starkmachen. Der Dialogbedarf zwischen den Akteuren (Provider, Blogger, Datenschützer, IT-Wirtschaft, CCC, Piraten, etc.) ist eigentlich immens.
    Wollen die regierenden Parteien die Piratenpartei nicht als 6.bzw.7 partei im Parteienspektrum etablieren, müssen sie da dringend was tun.
    Eigentlich kann man nicht pauschal behaupten, ob das Surfverhalten auch das Wahlverhalten beeinflusst, aber es lässt sich jedoch sagen, dass netzaffine Themen bei regelmäßigen Surfern an Bedeutung für Ihre Wahlentscheidung gewonnen hat.

  6. robin |  30.09.2009 | 12:55 | permalink  

    @ Internetguru: “aber es lässt sich jedoch sagen, dass netzaffine Themen bei regelmäßigen Surfern an Bedeutung für Ihre Wahlentscheidung gewonnen hat.” — guter Konnex, wie beiden Dinge doch und noch zusammenbekommt….

  7. Hipflzathsch |  30.09.2009 | 13:36 | permalink  

    Alter Statistikerwitz: “Vom umrühren wird der Kaffee süß.” – denn die Umrührzeit und die Süße des Kaffees weisen eine hohe Korrelation auf. Man sollte den Einfluss versteckter Variablen (im Falle des Kaffees wohl der Zucker, den man vor dem Umrühren hinein gekippt hat) beachten.

  8. robin |  30.09.2009 | 14:41 | permalink  

    @: Hipflzathsch: Okay, suchen wir den Zucker …

  9. Juza |  30.09.2009 | 18:21 | permalink  

    “Denn ob Internet-Nutzung und Wahlverhalten wirklich auf individueller Ebene (!) korrelieren, wissen wir nicht. Das wäre ja das spannende”, schreibt christian oben.
    Sie korrellieren, zumindest in meinem Fall. Ich bin 63 und surfe täglich nach politischen Informationen abseits der Mainstream-Medien oder besser zum Vergleich mit dem Mainstream. Und ja, es stimmt, ich (Sachse) habe mich in die Wahljahr gleich zweimal dafür entschieden, die “großen Volksparteien” nicht (mehr) zu wählen.

  10. Robin Meyer-Lucht |  30.09.2009 | 19:11 | permalink  

    @ Juza: Super, so können wir die Sache natürlich auch gleich mal klären. Ist eh viel näher dran am Leben so.

  11. Fups |  01.10.2009 | 12:46 | permalink  

    Ich habe auch beim ersten Lesen spontan gedacht, seltsame Zusammenstellung. Ich finde eher, dass das auf einen gesellschaftlichen Trend schließen lässt, der unter anderem auch bedingt durch das Internet stattfindet, aber solche ausschließlichen Diagramme halte ich für fragwürdig. Da könnte man vermutlich auch Konsum von Red Bull und Wahlverhalten gegenüber stellen. Wobei ich in übergeordnetem (Medien-) Sinne der These von Franz Walter natürlich etwas abgewinnen kann.

  12. YuccaTree Post + » Ende bewiesen: Je aktiver im Internet, desto seltener wählt man eine Volkspartei |  02.10.2009 | 09:54 | permalink  

    [...] man umso seltener eine der großen Parteien wählt, je mehr man im Netz unterwegs ist. Das hat Robin Meyer-Lucht von Carta.de anhand von Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen nachgestellt. Bisher war bereits allgemein bekannt, [...]

  13. Wahlverhalten vs. Internetnutzung « 11k2 |  04.10.2009 | 17:09 | permalink  

    [...] Alter. Jüngere surfen mehr, wählen alternative Parteien. CDU/SPD sterben demnächst aus. ( via carta) (pic [...]

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