Wolfgang Michal | 36 Kommentar(e)
Stimmen auch Sie in bedenklicher Weise mit den Ansichten der NPD überein? Dann haben Sie vermutlich den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung benutzt.
17.09.2009 |
In den vergangenen Tagen bin ich auf Leute gestoßen, die politisch verdattert, erstaunt, belustigt, ja verunsichert waren. Diese Leute hatten – im Internet – 38 Fragen der „Bundeszentrale für politische Bildung“ (bpb) beantwortet, und 38 Mal einen der vier Wahl-O-Mat-Buttons „Stimme zu“, „Stimme nicht zu“, „Neutral“ oder „These überspringen“ gedrückt – wobei der Button „Neutral“ für ein hilfloses „Ich kann mich nicht entscheiden“, aber auch für ein vernünftig abwägendes „Teilweise ja, teilweise nein“ stehen kann.1 Schon das zeigt die Unschärfe und Undifferenziertheit der Antwortmöglichkeiten, doch mit solchen Kleinigkeiten will ich mich hier nicht aufhalten.
Mich beschäftigt auch weniger die Frage, ob man als Bürger einer (zukunfts)offenen Gesellschaft die 38.These: „Die Demokratie, die wir in der Bundesrepublik haben, ist die beste Staatsform“ final und a-historisch mit einem Ja oder Nein beantworten sollte – oder doch besser mit einem optimistischen „neutral“.
Mich interessieren vor allem die absurden Ergebnisse, die meine Bekannten berichten. Ihnen allen stieß unangenehm auf, dass kleine, abseitige Parteien in der Übereinstimmungsrangliste unverhältnismäßig weit oben landen. Engagierte Demokraten stellten plötzlich seltsame Übereinstimmungen mit der NPD, den Violetten oder der Tierschutzpartei fest, obwohl sie seit Jahrzehnten im linksliberalen oder grünen Spektrum verankert sind. Und eingefleischten Konservativen saßen die Republikaner oder die Bibeltreuen Christen im Nacken.
Wie mag der Wahl-O-Mat da wohl auf Leute wirken, die vertrauensvoll glauben, ein Roboter könne ihnen dabei helfen herauszufinden, was sie politisch denken? Die als Erstwähler eine Orientierungshilfe erwarten? Genau diese Zielgruppe hat die Bundeszentrale für politische Bildung nämlich im Blick: „Der Einsatz der Online-Tools“, schreibt sie, „findet vor dem Hintergrund einer abnehmenden Wahlbeteiligung, gerade bei den Erst- und Zweitwählern, und einer zunehmenden Entfremdung der Jugendlichen von den traditionellen Formen der Politik und Repräsentation statt.“ Der Wahl-O-Mat soll dieser politischen Entfremdung vorbeugen. Tut er das?
Ich fürchte, der Wahl-O-Mat fördert eher die politische Entfremdung als dass er ihr entgegenwirkt. Denn die Bundeszentrale für politische Bildung hat die Beantwortung der 38 Fragen generös den 27 zugelassenen Parteien überlassen. Die bpb hat die Böcke zu Gärtnern gemacht.2
Das verblüfft.
Denn man sollte doch annehmen, dass die Bundeszentrale für politische Bildung weiß, dass populistische, rechtsradikale Parteien ihre Wahlaussagen gezielt als Wunschkataloge anlegen – also opportunistisch frisieren? Dass sie jeder Bevölkerungsgruppe das Blaue vom Himmel versprechen, unabhängig davon, ob die Summe der Versprechungen ein schlüssiges Konzept ergibt? Dass sie Inhalte als taktisches Mittel einsetzen? Dass sie „Übereinstimmungen“ gezielt konstruieren.
Das ist vermutlich der Grund, warum der Wahl-O-Mat – ganz egal, wie die Menschen antworten – ungewöhnlich häufig Splitterparteien auf die vorderen Plätze katapultiert.3
Und dieses gut gemeinte ‚Förderprogramm für politische Sektierer’ hat sich zu einem „prominenten und stark nachgefragten Netzangebot“ entwickelt. Es ist – trotz vereinzelter Kritik – auf dem besten Wege, „zu einem festen Bestandteil der bundesdeutschen politischen Vorwahlöffentlichkeit zu werden.“ Sagt stolz die Bundeszentrale für politische Bildung. Viele Medien binden das kostenlose Klick-Angebot in ihre Online-Auftritte ein: 2002 wurde der Wahl-O-Mat 3,6 Millionen Mal abgerufen. 2005 stieg die Zahl der Nutzer auf 5,1 Millionen. Und 2009 könnte diese Zahl erneut übertroffen werden.
Ich schlage deshalb vor, dem Test eine 39. These anzufügen: „Die politische Bildung, die wir in der Bundesrepublik haben, ist die beste Informationsform.“
- Stimme zu
- Stimme nicht zu
- Neutral
- These überspringen
- Der Wahl-O-Mat bewertet die differenzierte Begründung einer Partei für das Votum „Neutral“ nicht anders als eine verweigerte Begründung – weil die betreffende Partei keine Lust hatte, den eigenen Standpunkt zu begründen oder keinen Standpunkt zum Thema hat. [↩]
- Während die fünf Bundestagsparteien zu allen 38 Thesen Begründungen lieferten, legten die NPD und einige andere Splitterparteien keine oder kaum Begründungen für ihre Standpunkte vor. [↩]
- Im Kleingedruckten, das vermutlich nur wenige Testpersonen lesen, gibt die Bundeszentrale für politische Bildung dieses Problem auch zu. Sie schreibt dort, unerwartete „Übereinstimmungen hängen damit zusammen, dass die Mehrzahl der Thesen sachpolitische Themen zur Bundestagswahl anspricht. Bei diesen Thesen können extremistische Parteien Positionen vertreten, die mit denen anderer Parteien identisch sind“ [↩]





Der Wahl-O-Mat ist höchstens so doof wie der, der ihn benutzt – in diesem Punkt unterscheidet er sich von keiner anderen Rechenmaschine. Kaum jemand wird seine echte Wahlentscheidung allein oder vorrangig am Wahl-O-Mat-Ergebnis festmachen, selbst 18-Jährige sind, auch wenn sich das langjährige Intellektuelle nicht mehr so richtig vorstellen können, bereits fähig zum eigenständigen Denken! Dem einen oder anderen könnte auch auffallen, dass schon im Titel des Geräts ein gutes Stück Satire mitschwingt, aber zugegeben: Das ist kein besonders starkes Argument, wenn sich die “Leute”, vermutlich kluge, souveräne Zeitgenossen, offenbar haufenweise “verdattern” statt belustigen lassen.
Für den Erstkontakt mit üblicherweise schwer verdaulicher politischer Programmatik scheint mir das Instrument sehr gut zu funktionieren, und wenn es Fragen aufwirft, um so besser – dann schaut vielleicht der eine oder andere doch auch mal tiefer in die Programme rein. Und übrigens: Das Frisieren von Wahlaussagen zwecks populistischer Bedienung möglichst vieler Wählerwünsche unter Vernachlässigung schlüssiger Gesamtkonzepte ist beileibe keine exklusive Kompetenz der Splitterparteien.
@Tilo Barz: In der Begründung der bpb für den Wahl-O-Maten (siehe Beitrag) schwingt m.E. keine Satire mit. Und wenn der Wahl-O-Mat, wie Sie schreiben, nur so doof ist wie derjenige, der ihn benutzt, wäre politische Bildung durch solche Angebote logischerweise sinnlos.
Ich muss meinem Vorredner voll und ganz zustimmen.
Mit dem Vorredner war übrigens Herr Barz gemeint ;-)
@ Tilo Barz: Guter Einwand, dass auch die großen Parteien sich Wahl-O-Mat-populistisch verhalten.
@ Wolfgang: Damit die NPD in der Auswertung vorkommt, muss man sie auch erstmal als potenzielle Partei ankreuzen.
Der Wahlomat funktioniert bei den großen Parteien vielleicht leidlich gut – kreuzt man aber alle Kleinstparteien an, so wird man doch sehr merkwürdige Ergebnisse bekommen.
Tatsächlich aber sollte man sich mal fragen, ob die Bundeszentrale eine solche Klickmaschine den privaten Medien zur Verfügung stellen sollte – und ob sie damit ihrem Bildungsauftrag tatsächlich auf so besonders grandiose Weise gerecht wird.
(Disclosure: Carta hat nicht angefragt, den Wahl-O-Mat einzubinden und hat von der Bundeszentrale dafür keine Absage erhalten),
Die Kritik am Wahl-o-Mat finde ich nicht gerechtfertigt:
1. Man muss sich bei der Auswertung ja die Kleinstparteien nicht anzeigen lassen, niemand wird gezwungen die NPD anzuklicken
2. Finde ich eine Wahlentscheidung auf Grundlage des Wahl-O-Mat-Ergebnisses immer noch besser als Entscheidungen à la “Der Steinmeier ist doch ein sympathischer Typ”, “Den Westerwelle find ich blöd”, “Die Grünen tun doch irgendwie was für die Umwelt”…und nicht wenige Menschen (außer Journalisten versteht sich ;-)) werden am 27. September genau so entscheiden
@J. Schauen Sie sich doch mal die verlinkten Beispiele an. Da wundern sich auch andere über die seltsamen Ergebnisse. Begründete Kritik an diesem Test kann man nicht dadurch vom Tisch wischen, dass man der Kritik ausweicht und erklärt: Sie müssen ja keine Knöpfe drücken…
Ein Parteienvergleich aufgrund von Papieraussagen (die höchst unterschiedlich zustande gekommen sind, aber seltsam gleichförmig bewertet werden) ist naiv.
Der Wahl-O-Mat ist doof!…
Gerade bei CARTA gelesen: Wie doof ist der Wahl-o-Mat? In dem Artikel geht es um den allseits bekannten Wahl-O-Maten und seine Wannabe-Eigenschaften als Wahlberater. Wer den nicht kennt: Bei dem Wahl-O-Mat handelt es sich um einen kleinen Automaten, de…
Mich hat dieser Artikel inhaltlich überrascht. Denn als ich diesen o-mat mal durchprobiert habe, habe ich die vielen Kleinparteien beiseite gelassen, ebenso die unsäglichen unter den größeren. Dabei fiel mir das hier zurecht Monierte weniger auf.
Nachdem ich über die obigen Verlinkungen gesehen habe, wieviel Kritikpunkte in der Blogosphäre vorhanden waren, bin ich nachdenklicher geworden. Klasse, dass das hier in der Form mal gebündelt aufgegriffen wurde!
Besonders die beiden Argumente “Böcke zu Gärtnern” und Manipulierbarkeit wg. mangelnder Durcharbeitung durch die Bundeszentrale überzeugen mich. Eine gründliche Überarbeitung des Tools scheint tatsächlich notwendig zu sein.
Ich gebe Ihnen insofern Recht, als dass ein neutraler Standpunkt einer Partei genau so
gewertet wird wie “kein Standpunkt” zu einem Thema sicherlich problematisch ist.
Allerdings denke ich auch, dass man so fair sein muss das ganze realistisch zu betrachten:
Jetzt gibt es also Leute, die bei der Auswertung einfach mal die NPD ankreuzen, um zu gucken inwieweit
deren Meinung mit der eigenen übereinstimmt. Besteht dann wirklich eine Gefahr, dass diese Leute dann
wirklich NPD wählen? Meiner Meinung nach nicht, denn so einfach denken die meisten Wähler wahrscheinlich nicht.
Sicher stellt der Wahl-O-Mat mit seinen Thesen eine gravierende Vereinfachung der Umstände dar, aber darin
liegt natürlich auch gerade seine Stärke. Ich glaube nicht, dass sich viele Erstwähler einen dreimal so großen
Fragenkatalog mit differenzierteren Antwortmöglichkeiten als Ja/Nein/Vielleicht antun würden. Vielleicht könnte man
aber wirklich zur nächsten Bundestagswahl so etwas wie eine “Premium”-Version für politisch besonders versierte Wähler einführen.
Dass dem Wahl-O-Mat nur “Papieraussagen” zugrunde liegen, halte ich nicht für problematisch, da aus den Parteiprogrammen abgeschrieben Antworten auch nicht umfassender oder differenzierter wären. Meiner Meinung nach wäre ein Ableiten aus den Parteiprogrammen sogar eher kritisch zu sehen, da durch diese zusätzliche Ebene auch immer Interpretationsspielräume seitens der Person, die die Wahlprogramme auswertet, geschaffen werden.
Hallo!
Danke für die Erwähnung meiner Wahl-O-Mat Ergebnisse! Ich hätte meine Situtation nicht besser beschreiben können!
Die Aussage: “Und eingefleischten Konservativen saßen die Republikaner oder die Bibeltreuen Christen im Nacken.” trifft voll und ganz zu.
Der Wahl-O-Mat hilft den Menschen herauszufinden welche Parteien es gibt, es gibt weiterführende Informationen und Links zu den Homepages der Parteien.
Deshalb sollte man den Wahl-O-Mat zur Informationsbeschaffung verwenden und nicht blind die Kreuzchen da machen wo der Wahl-O-Mat es einem vorschlägt.
Schöne Grüße
Christian Kler.
Nur weil jemand IMMER Grün wählt, heißt das nicht, dass die Grünen mit dessen Ansichten überinstimmen. Genau HIER greift der Wahl-O-Mat: Gleiche deine innere Einstellung mit den Standpunkten der Parteien ab. Dann frage dich, wie das kommt, recherchiere, …..
Ich habe zum Wahl-O-Mat im Bekanntenkreis ebenfalls Merkwürdigkeiten festgestellt:
http://glaubstdudas.blogspot.com/2009/09/keine-ahnung-aber-ne-meinung.html#links
Der Wahl-O-Mat ist toll, nur sind der bpb als Behörde im Einflussbereich des Bundesinnenministeriums sicher die Hände gebunden. Die Kleinparteien mussten meines Wissens nur aufgenommen werden, da sich die oedp in Bayern in den Wahlomaten eingeklagt hatte (mit der Folge, dass es für Bayern keinen Wahlomaten gab). Und ich mag mir das garnicht ausmalen, welche Klageflut es gäbe, würde die Bundeszentrale die Parteiprogramme redaktionell auswerten.
Ich habe mich auch gefragt, wie doof – oder besser, wie ernst zu nehmend – der Wahl-O-Mat ist. Laut dieser Maschine habe ich gleich hohe Übereinstimmungen mit der FDP und den Piraten. Bin ich also für eine FDP-Piraten-Koalition? Wäre ja zumindest mal etwas Originelles…
Der Wahl-O-Mat ist auch nur ein Bewertungstool und folgt dem Primitivismus anderer Bewertungstools im Internet: Gnadenlos vereinfacht, unvollständig – kurz klickibunti. Noch nicht einmal die üblichen 5 Stufen der Bewertung werden eingehalten.
Der Wahl-O-Mat vergleicht (punktuell) Aussagen von Parteiprogrammen miteinander bzw. mit den Positionen des Nutzers. Das Ergebnis ist der Grad der Übereinstimmung.
Er bewertet nicht die Glaubwürdigkeit der Aussagen bzw. die Übereinstimmung der Aussagen mit der Politik der Vergangenheit (soweit vorhanden).
Damit leistet er genau das, was ohne wertende (und damit subjektive) Aussagen möglich ist. Vorwerfen könnte man dem Werkzeug (bzw. dessen Entwicklern) allenfalls die Auswahl der Aussagen, wenn diese sich nur auf die Stärken bzw. Schwächen bestimmter Parteien konzentrieren würden. Das ist aber zumindest mir nicht aufgefallen.
Damit ist der Wahl-O-Mat aus meiner Sicht ein nützliches Hilfsmittel, um sich die Beschäftigung mit den Wahlprogrammen der Parteien zu ersparen. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen bzw. der jeweiligen Parteien muß man dagegen aus anderen Quellen (aus den Nachrichten, weil der/die so ehrlich guckt, …) einschätzen. Hier ist schlicht der eigene Verstand gefragt, der sich – falls vorhanden – durch kein Tool ersetzen läßt.
Das einzig erschreckende ist, dass diejenigen, die “plötzlich seltsame Übereinstimmungen mit der NPD” vorfinden, vielleicht mal über ihre wirkliche politische Meinung/ Einstellung nachdenken sollten. Möglicherweise sind sie doch nicht so liberal, wie sie es nach außen publizieren.
[...] [...]
@C3PO: Ich bin gar nicht gegen die Aufnahme von Kleinparteien in die Gegenüberstellung. Doch ich finde, dass ein solches Tool dem selbst gesetzten Anspruch “politische Bildung” nachkommen muss. Da kann man sich nicht einfach raushalten aus der Gewichtung und Bewertung von Parteiaussagen. Es genügt auch nicht, die erkannten Unzulänglichkeiten des eigenen Verfahrens ins Kleingedruckte abzuschieben.
@gericoach: Von Ihrer Interpretation ist es dann nicht mehr so weit zur Feststellung: Vielleicht ist die NPD eben doch eine ganz normale Partei, wenn sie so nah an den anderen dran ist. Das Balkendiagramm, das bei der Auflösung angezeigt wird, suggeriert ja bei den oberen drei, vier Parteien einen annähernden Gleichstand. Das ist das Perfide an diesem ‘harmlosen’ Info-Tool. Zum Opportunismus der NPD in Sachen Parteiprogramm habe ich oben schon einiges gesagt.
@eParanoid: Sie sprechen genau das an (”Glaubwürdigkeit” und “Übereinstimmung der Aussagen mit früherer Politik”), die ein Tool der Bundeszentrale für politische Bildung leisten müsste. So platt und a-historisch wie das Tool jetzt ist, könnte es auch von einem elektronischen Spielcasino angeboten werden.
Würde die Bundeszentrale für politische Bildung tatsächlich Glaubwürdigkeit und Übereinstimmung der Wahlkampfaussagen mit früherer Politik bewerten wollen, wäre der Wahl-O-Mat tot, bevor er online ginge.
Wenn ich die Parteien mit mehr als 5% betrachte, fallen mir allenfalls die Anti-Atom-Politik der Grünen und die Wirtschaftslobby-Politik der FDP als glaubwürdig ein. (Eigentlich wollte ich hier ausführlicher schreiben, welche Partei-Aussagen nur Wahlkampfgetöse sind, aber das wurde mir zu viel Arbeit.)
Lediglich bei unbekannten Parteien (z. B. Bibeltreue Christen) könnte man – in dubio pro reo – unterstellen, daß deren Wahlkampfaussagen die zukünftige Politik ihrer Funktionsträger widerspiegeln würde.
Für einen Wahl-O-Mat, der die (Un-)Glaubwürdigkeit der etablierten Parteien ehrlich beleuchtet, dürfte der politische Auftrag fehlen.
Gegenthese:
Der Wahl-o.Mat hat recht.
Und Sie sind konservativer, als Sie es vor sich selbst und Ihren Freunden zugestehen möchten…?
Weil “links” einfach in ALLEN Punkten ein Fehler war…
z.B. Staatsverschuldung ist Umverteilung von unten nach oben, Kriminalität ist mit “rechten” Werten gesellschaftlich besser zu bekämpfen, als mit roten oder grünen (Diebstahl ist ausgerechnet in der Fahrrad- Hochburg Münster DAS Massendelikt) , wie auch die kriminalitäts-statistischen Vergleiche zwischen klassisch “roten” und schwarzen Ländern zeigen und ausserdem ist wirtschaftliches Wachstum in “schwarzen” Bundesländern AUCH NOCH größer..
So ein Ärger aber auch…
Die Kritik am Wahl-O-Mat scheint größer zu werden und ist meiner Ansicht nach, nicht unberechtigt! Nicht nur für jüngere Menschen (Erstwähler), ist das Ergebnis schlecht einzuschätzen!
Beispiel “Mindestlohn”: Die Forderung von Grünen und SPD, nach einem flächendeckendem Mindestlohn (€ 7,50), ist zumindest diskutabel und lässt sich gegen die CDU Forderung, dass dies weiterhin den Tarifpartnern überlassen werden soll, abwägen. Wer aber beim Wahl-O-Mat für den Mindestlohn stimmt, hat gleichzeitig eine Übereinstimmung mit der Linkspartei. Bei der Linkspartei ist diese Forderung (€ 10,- und danach steigend) allerdings reine Polemik, die – bei einer Umsetzung – auch noch zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen würde.
Es braucht also auch eine gewisse Kompetenz, um das Ergebnis des Wahl-O-Mat richtig einschätzen zu können. Zumindest müssten die Thesen und das was die Parteien dazu sagen, besser erklärt werden (ähnlich dem Faktencheck bei Hartaberfair).
Wie verwirrend der wahl-o-mat ist, kann man auch an den Twitter-Trends ablesen:
http://www.twitter-trends.de/trend/wahl-o-mat.html
Habe den Wahl-o-mat auch gemacht und bei mir kamen REP, DVU und CDU an erster stelle.
Habe die Themen geprüft und festgestellt das diese Parteien wirklich mit meinen eingegebenen Antworten übereinstimmen.
Also werde ich auch die REP wählen, warum sollte ich das nicht tun?
Hier üben zwei Bundestagsabgeordnete (CDU + SPD) Kritik am Wahl-O-Mat. Mit Blick auf die NPD stellt z.B. der CDU-Abgeordnete fest: “So werden radikale Parteien hoffähig gemacht”.
http://www.wedel-schulauer-tageblatt.de/lokales/pinneberg/kreis-pinneberg/artikeldetails/article/111/politiker-kritisieren-wahl-o-mat-scharf.html
Und hier ein Blogger, der sich mit einigen Thesen auseinandersetzt:
http://guardianoftheblind.wordpress.com/2009/09/09/der-neue-wahlomat-schlecht-gemacht-und-tendenzioes/
Der Wahlomat ist überhaupt nicht doof. Er hat genau die Partei vorgeschlagen, die ich sowieso wähle, nämlich Orange.
Ich bin bereit zum ändern.
@Schnaffke: Die Piratenpartei ist die Partei, die sich zu den meisten Themen noch keine Meinung gebildet hat (kann man im Wahl-O-Mat nachlesen). Ansonsten: Viel Glück!
Der Wahlomat hat bei mir zu eher seltsamen Ergebnissen geführt.
Nachdem ich obendrein jetzt wiederholt von Gysi und Westerwelle im Traum tyrannisiert wurde, habe ich hier um Hilfe geschrien: http://www.gedankenpflug.de/diverses/2009/09/23/hilfe-wen-soll-ich-waehlen-bitte-gebt-mir-das-entscheidende-argument/.
Einige spannende Reaktionen gibt es schon. Demnach könnte man nach derzeitigem Stand zu dem Gedanken kommen, dass man die Piraten wählen müsste, die – wir sind ja im Netz – wieder einmal am aktivsten scheinen.
Wahl-o-mat & Co. – was wählen, wenn der Durchblick fehlt?…
Nur noch wenige Tage bis zur
Bundestagswahl. Langsam wird es Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu
machen, wen man wählt. Nun war es – dem Internet sei Dank – ja
niemals leichter, sich umfassend darüber zu informieren, was die einzelnen
Parteien und…
Michael Spreng legt heute zu dem Thema nach:
http://www.sprengsatz.de/?p=2100
Leider ohne diesen Carta-Text zu zitieren.
Es wäre doch mal ein Vergleich der unterschiedlichen Ansätze und Plattformen interessant.
Da hätte ich dann http://www.wen-waehlen.de/ beizusteuern.
@Robin: Zur Strafe wird Spreng in Zukunft in die “Stimme der anderen” eingeordnet.
@Alvar Freude: Schöner Test. Sehr internet-affin. Gut finde ich die Aufteilung in Werte & Thesen. Prinzipiell aber glaube ich, dass politische Bildung anders funktioniert: am stärksten durch eigene politische Aktivität und das Sammeln von Erfahrungen in Debatten und Auseinandersetzungen, auch durch nicht-touristisches Reisen, durch das Studium der Geschichte, durch das Kennenlernen von politischen Lebensläufen etc.
Multiple Choice und noch so feine, gut gemeinte Klickstrecken ersetzen das nicht.
Hört auf so einen Dreck zu verwenden! Dann auch noch von den Käserollern.
Jeder Recher im Netz hat seine Internet-Adresse und kann leicht lokal aufgezeichnet werden (IP-Logging – Schäubles Hobby)
Mit anderen Worten: Welche Meinungen in welchen Regionen vorherrschen ist damit kinderleicht auszuloten.
also ich finde den Artikel in einem wichtihgen Punkt nicht korrekt. Es ist der Tenor das nur dir großen Parteien etwas taugen. Tatsächlich kann es zwar sein, dass einige “kleine” Parteien hier bei der Beantwortung der Fragen etwas schummeln, doch wird hier kein Beweiss vorgelegt.
Die Hauptkritik sollte eher in die Richtung gehen, dass man am Ende der Umfrage Parteien aussuchen muss die man vergleichen möchte. Vor allem sind hier die etablierten Parteien hervorgehoben dargestellt und stehen ganz oben. Das ist doch schon Wahlmanipulation, oder? Da fragt man sich doch wenn man wissen will welche Partei zu einem passt, warum man hier eine Partei aussuchen muss (opt-in). Richtig wäre, wenn alle Parteien schon standartmäßig ausgewählt wären (opt-out).
Zudem kann man am Wahl-o-Mat Thesen nur doppelt gewichten, aber keine K.O.-Kriterien festlegen bzw. differenzierter gewichten. Hierdurch verfälscht sich das Ergebniss auch.
Ich denke Marc Bohn und Tim haben hier einen wesentlichen Beitrag gegeben, wie der Wahlomat zu einem objektiveren Ergebnis führen könnte.
Marc Bohn: “Zumindest müssten die Thesen und das was die Parteien dazu sagen, besser erklärt werden (ähnlich dem Faktencheck bei Hartaberfair).”
Zwar weiß ich nicht was “Faktencheck bei Hartaberfair” ist, aber jedenfalls gehen die Erklärungen der Parteien zu den einzelnen Fragen ganz wesentlich ab.
Ich denke dass diese Arbeit für die einzelnen Parteien, angesichts der inzwischen großen Nutzerzahl des Wahlomaten, leicht zumutbar ist.
Tim hat den Vorschlag gemacht, dass man am Wahl-o-Mat nicht nur Thesen doppelt gewichten können sollte, sondern auch K.O.-Kriterien festlegen können sollte.
Dann würde Hans Deuter hoffentlich wissen, weshalb er z.B. die Republikaner nicht wählen sollte.
So ziemlich jedem Nutzer dürfte klar sein, dass die Regierung aus mehreren der 6 größten Parteien zusammengesetzt sein wird. Auch nach der nächsten Wahl. Wenn ICH die Fragen ehrlich beantworte, erhalte ich verblüffenderweise ein Ergbebnis, dass auch in den Differenzen der Parteien zueinander genau meinen Sympathien und auch meinem Wahlverhalten entspricht.
So schlecht kann der Wahlomat deshalb nicht sein, auch wenn die Herleitung leicht naiv sein mag. Besonders, wer ein sehr eindeutiges Ergebnis bekommt, wird evtl. vom Nichtwählen abgehalten.
Dass evtl. radikale Parteien weit vorn liegen, ist zwar ein Problem, aber keins des Wahlomaten. Er listet schließlich nur die zur Wahl zugelassenen Parteien auf. Auch das ist Demokratie, die ist nämlich nicht immer ohne Beigeschmack.