Robin Meyer-Lucht

TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren

Robin Meyer-Lucht | 22 Kommentar(e)


Das TV-Duell hat auf der ganz großen Bühne gezeigt, wie zuspitzungsversessen, flapsig und völlig unangemessen die Politikvermittlung im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.

14.09.2009 | 

Bei den Twitter-Kommentaren zum TV-Duell am Sonntag ging es nach meinem Eindruck vor allem um zwei Aspekte: Erstens um die beiden eher blassen, wenig inspirierenden Kandidaten. Und zweitens um die enttäuschenden Moderatoren.

Stellvertrend für sehr viele Tweets sei etwa Slaens zitiert:

Klare Verlierer – die Moderatoren #tvduell

Auch Lutz Hachmeister vom Institut für Medienpolitik forderte in einer Debatte im Anschluss an das TV-Duell:

Wir brauchen dringend eine Debatte über die journalistische Qualität dieses Formats. Leider haben sich die Veranstalter dem bislang verschlossen.

Die F.A.Z. brachte wenig später ihre Kritik an den Moderatoren auch sehr schnell auf den Punkt “Spiel nicht mit den Tigerenten!“, schalt sie den metapherngeladenen Krawallstil der Moderatoren. Sie seien “streitgeil, hämisch und überheblich” wesen. Die Kandidaten seien auf dümmliche, aggressive und überhebliche Weise befragt worden.

Hans-Jürgen Jakobs bilanziert auf Sueddeutsche.de:

“Wenn einer technisch k. o. ging, dann die versammelte Runde der Spitzenmoderatoren des deutschen Fernsehens.”

Das Medium Fernsehen habe sich selbst viel zu wichtig genommen – und dabei die Politik an den Rand gedrängt. Michael Spreng höhnt, der Beitrag der Moderatoren habe aus 20 verschenkten Minuten bestanden. Jörg Lau hat ganz zurecht einen Wutanfall bekommen:

“Es wurde kaum in der Sache nachgefragt – Merkel nicht zu ihrem Steuerpopulismus, Steinmeier nicht zu seiner Opel-Retterei.”

Und doch: Man muss dazu noch mehr sagen.

duell2

Auf der ganz großen Bühne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und völlig ungemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist.

Das “Duell” war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. Es war der Bankrott eines TV-Journalismus, der sich in den letzten Jahren zum dominanten Paradigma der Bewegtbild-Politikvermittlung hochgedient hat. Auf der ganz großen Bühne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und völlig unangemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.

Ich habe versucht, mit Hilfe des Protokolls der Sendung einige der Strukturmerkmale dieses TV-Journalismus herauszuarbeiten (Ergänzungen und Hinweise gerne – work in progress):

1. Inszenierung eines politischen Konflikts als metapherngeladenes Schauspiel

(“Wenn der Mann tatsächlich am Stuhl der Chefin sägt”, “Schön, wie Sie Doppelpass spielen”, “Ist das ein Wahlkampf-Gag?”,”War die Agenda 2010 nicht ein Kindergeburtstag…?”, “‘Nur über meine Leiche’ – das geht schnell bei der SPD”, “Wer ist der Tiger und wer die Ente?” “Ist die Vernunftehe am Ende?”, “Was sagen Sie zu Steinmeiers ‘Horror-Szenario’ …?)

Politik wird zu einem reizintensiv bebilderten Konflikt – was einem leider völlig die Sicht fürs klare Denken nimmt. Diese mangelnde sprachliche Disziplin beim TV-Duell zeigt den ganzen Verfall eines Genres.

2. Fröhliche Vermischung von Standpunkten, Person und Persönlichkeit

(“Duzen Sie sich eigentlich?”, “Erklären Sie uns, warum Angela Merkel nicht mehr Bundeskanzlerin sein soll”, “Würden Sie Ihr privat erspartes Geld in “New Opel” investieren?”)

Inhaltliches und Persönliches werden genüßlich zu einem Politics-Policy-Cocktail verrührt, der den Zuschauern dann angeblich besonders gut schmecken soll.

3. Flapsige Kommentierung des Diskussions-Geschehens

(“Wenn wir Sie beide hier so sehen, dann hat man schon den Eindruck dass Sie wirken wie ein älteres Ehepaar”, “Das klingt hier jetzt mehr nach Duett und weniger nach Duell”, “Das sind doch Lippenbekenntnisse…”)

Mit solchen Bemerkungen machen die “Moderatoren” klar, wer hier die Deutungsmacht innehat. Sie spielen sich zu Volkstribunen auf, die Politikern das Wort erteilen.

4. Provozieren, statt offen zu fragen

(“Ist Angela Merkel für Sie eine Marktradikale?”, “Ist die SPD noch eine Volkspartei?”)

Eine gute offene Frage können deutsche TV-Talkmoderatoren offenbar nicht mehr stellen. Sie suchen die Provokation, die ihrer Selbstinszenierung dient, aber nicht der Qualität der Antwort.

5. Lust am plaktiven Symbolkonflikt

(Ackermann-Essen, Ulla Schmidts Dienstwagen)

Statt über grundsätzliche Fragen wird lieber über den plakativen Fall diskutiert, den das Publikum leicht nachvollziehen kann.

6. Radikalvereinfachung von Problemen durch Transfer ins Allagsleben

(“Wissen Sie zu welchem Spottpreis man sich in Berlin die Haare schneiden kann?”, “Welche Note würden Sie Deutschland geben beim Thema soziale Gerechtigkeit?”, “Warum kann der Staat jede dreckige Kneipe schließen, aber keine Bank, die mit zweifelhaften Papieren Geschäfte macht?”)

Die Moderatoren greifen mit Vorliebe auf unterkomplexe Erklärungsmodelle zurück: Was mein Zuschauer angeblich nicht versteht, verstehe ich auch nicht.

7. Politiker als Nichtrespekts-Personen

(“Herr Steinmeier, kennen Sie das schlechte Wahlergebnis der SPD in der Nachkriegszeit?”, “Frau Merkel, haben Sie eine Ahnung, um wieviel Prozent die deutsche Wirtschaft in den letzten zehn Jahren gewachsen ist”)

Zur Volkstribunhaftigkeit (siehe 3.) gehört es auch, Politikern nicht mehr den Status von Respektspersonen einzuräumen. Hier wird nicht mehr moderiert, sondern ein populistisches Kreuzverhör zur Unterhaltung des Wahlvolks veranstaltet.

8. Herumwitzeln

(“Oder Sie haben beide schon zusammen geübt, das kann natürlich auch sein.”, “Herr Steinmeier hat gerade ein Rezept ausgestellt”, “Herr Steinmeier haben Sie eine zweite FDP im Koffer irgendwo?”)

Die Witzchen der Moderatoren machen endgültig klar, wo sie stehen und worum es geht: Es geht um Unterhaltung, es geht um die Selbstdarstellung der Moderatoren – aber es geht sicher nicht um die Klärung komplexer politischer Fragen.

.

Das TV-Duell war mehr als nur eine Befragung von Spitzenkandidaten. Es war die machtvolle Inszenierung eines Politikverständnisses, für das die vier großen TV-Konglomerate in diesem Land zunehmend stehen: Für das Primat der Darstellbarkeit über das Dargestellte, das Primat der Selbstinszenierung der Moderatoren über das Aufklärungsinteresse. Politik ist in die Klauen des Unterhaltungskomplexes geraten: Es zählt die kurzweilige, nicht die angemessene Vermittlung.

Das Kennzeichen dieses um sich greifenden Politikverständnisses ist ein TV-Journalismus ohne Demut. Ohne Demut davor, dass Politik in Wirklichkeit viel komplexer ist, als er es zu vermitteln vermag. Der TV-Journalismus tut so, als könnte er alles verstehen und vermitteln – und als gäbe es keine Welt darüber hinaus. Der TV-Journalismus totalisiert sich selbst. Dies ist die Atmosphäre von Christiansen, Will, Illner, Plasberg und co.

Aus so einer derart selbstherrlichen Haltung heraus sind auch die meisten Fragen des Duells entstanden. Das TV-Duell war nicht so langweilig, obwohl, sondern weil so aggressiv und überheblich gefragt wurde. Die Volkstribunen trieben die Kandidaten vor sich her, anstatt moderierend zu fragen.

Diese Fehlleistung sollte Konsequenzen haben: Unsere Politik und Demokratie  ist zu wertvoll, um sie vom Kartell der Geschwätzigkeit aus ARD, ZDF, RTL und SAT1 aufreiben zu lassen. Sollte es daher in Zukunft eine Debatte (“Duell” wäre als überdrehte Metapher gleich im ersten Schritt zu streichen) der Kanzlerkandidaten geben – so gibt es keine Begründung mehr, warum diese in den Händen dieser Institutionen liegen sollte.

Christoph Bieber hat mehrfach gefordert, dass derartige Debatten auch in Deutschland nicht von den TV-Stationen, sondern von einer medienübergreifenden Kommission veranstaltet werden. Warum sollten nicht ein oder zwei anerkannte Journalisten (die nicht TV-”Moderatoren” sein müssen) unaufgeregte und präzise Fragen stellen, die sie sich in Ruhe vorher überlegt haben?

Es gibt keine Begründung mehr, warum die Bewegtbild-Debatte der Kanzlerkandidaten den TV-Stationen allein gehören sollte. Und sie haben am Sonntag sehr viele Argumente dagegen geliefert.

Outro: Inhaltlich hat das Duell der Statur des Politikers Frank-Walter Steinmeier geholfen. Er war weniger Bürokrat und mehr Politiker als viele dies vorher angenommen hatten. Er hat damit vor allem seine Stellung als Kandidat innerhalb der SPD gestärkt.

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22 Kommentare

  1. ((( rebell.tv ))) blog - endlich: dem professionellen journalismus geht der huch!professionelle schurnalismus auf den keks |  15.09.2009 | 00:34 | permalink  

    [...] der huch!professionelle schurnalismus auf den keks sender: > culturalstudies | | von sms um 00:30 http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/ | viel früher über lutz hachmeister | früher über carta.info | endlich: dem [...]

  2. Ulrike Langer |  15.09.2009 | 08:58 | permalink  

    Eine sehr treffende Analyse, die in zwangsläufiger Logik auf die fettgedruckte Forderung (“Es gibt keine Begründung mehr…”) hinausläuft. Es liegt nun am politischen Personal, sich diesem absurden TV-Theater nicht im nächsten Wahlkampf ritualisiert wieder zu fügen, sondern Konsequenzen daraus zu ziehen. Politisch interessierte Bürger, die eine echte inhaltliche Auseinandersetzung der Spitzenpolitiker erwarten und einfordern, können auch im Netz erreicht werden – unter Umgehung der in den Fernsehanstalten offenbar für unverzichtbar gehaltenen eitlen Moderatorenzampanos. Falls es nicht zu vorzeitigen Neuwahlen kommt, haben die Parteistrategen jetzt ein, zwei Jahre Zeit, eine langfristige Strategie für politische Debatten im Netz zu entwickeln, die substanzieller sind als ein paar Werbefilmchen bei YouTube und das Sammeln von ”Fans” bei Facebook. Und was machen eigentlich die politischen Stiftungen in dieser Frage? Wäre das nicht auch eine ihrer Kernaufgaben?

  3. Dieter Lintz |  15.09.2009 | 09:03 | permalink  

    Mich stört weniger die Attitüde der Befrager – das hat viel mit persönlichem Geschmack zu tun, ob man sie als zu flapsig empfindet oder nicht – als ihre Unfähigkeit, auch nur ein einziges Thema über das Anreißen hinaus mit den Befragten zu klären. Das waren ja keineswegs immer die falsche Fragen, aber Merkel und Steinmeier reichte es völlig aus, entweder gar nicht erst auf die gestellte Frage zu antworten oder aber ein paar Sätze drumherumzureden, und schon passierte nichts mehr und die nächste Sau wurde vom nächsten Moderator durchs Dorf gejagt. Das war von beiden Seiten eine Inszenierung, mit jeweils leichten Variationen bei der Stilistik, aber nicht einmal der Ansatz eines Diskurses. Ein halbwegs begabter Autor hätte das “Duell” komplett als Drehbuch vorab schreiben können, so berechenbar war das alles.
    Bei dieser Struktur kann aber auch gar nichts anderes herauskommen. Die komplette politische Landschaft in 90 Minuten, macht keine zehn Minuten pro Thema, geteilt durch zwei auf Redezeit-Sekunden austarierte Politiker und vier Proporz-Befrager, bei denen offenkundig ebenfalls eine Stopp-Uhr die zur Verfügung stehende Frage-Zeit festhielt. Das wäre auch nicht besser, wenn eine medienübergreifende Kommission für die Austragung zuständig wäre.

    Aus meiner Sicht hülfe nur eines: Dass die Medien durchsetzen, dass es ausreichend Zeit und eine sinnvolle thematische Gliederung an mehreren Abenden gibt (und wenn die Kanzlerin das nicht will, kriegt sie eben keine Sendezeit), dass den Kandidaten inhaltliche versierte Befrager und keine Politshow-Moderatoren gegenüber sitzen, und dass eine Verständigung darüber herbeigeführt wird, dass im Zweifelsfall die (auch im Wortsinn) erschöpfende Bearbeitung eines Themas Priorität erhält vor dem Abhaken von to-do-Listen.

  4. Simona |  15.09.2009 | 12:15 | permalink  

    Schöne Analyse. Hätte mehr Kommentare verdient. Wahrscheinlich einen Tag zu spät….

  5. Ulrike Langer |  15.09.2009 | 13:55 | permalink  

    @ Dieter Lintz:

    “Ein halbwegs begabter Autor hätte das “Duell” komplett als Drehbuch vorab schreiben können, so berechenbar war das alles.”

    Das Drehbuch gibt es tatsächlich :-)

    http://www.miriammeckel.de/2009/09/13/taktiktraining/

  6. Günther |  15.09.2009 | 15:19 | permalink  

    Sehr geehrte Leser,

    man kann sich dem Affentheater entziehen! – Kein Fernseh mehr sehen!
    Seid Jahren sehe ich nicht mehr in die Verdummungskiste und lasse mich auch nicht mehr von den TV-Sendern manipulieren.
    Gleiches praktiziere ich auch mit der Mainstream-Presse.

    Es gibt sehr viel mehr andere Informationsquellen!

    Viel Erfolg beim recherchieren.

  7. TV-Duell: “Journalistische Katastrophe” » Von Richard Schnabl » Beitrag » Redaktionsblog |  15.09.2009 | 16:02 | permalink  

    [...] jetzt, wann dann?”) wurde von ihm selbst ad absurdum geführt.” Robin Meyer-Lucht kommt auf Carta.info dann auch auf den Punkt: “Das “Duell” war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich [...]

  8. Matthias Kolbeck |  15.09.2009 | 17:10 | permalink  

    Das journalistische Versagen fand ich in der Tat das wesentliche Kennzeichen dieses ‘Duells’, das hast Du hervorragend herausgearbeitet. Was denkbare Alternativen betrifft: Es würde den öffentlich-rechtlichen sehr gut anstehen, in den Wochen vor der Wahl einmal pro Woche einen Themenabend zu machen – dafür braucht es nicht die Spitzenkandidaten, aber die Fachpolitiker, gerne auch amtierende und ‘Schatten’minister, die dann monothematisch mal 90 Minuten ihre Konzepte darlegen und zur Diskussion stellen müssen. Familienpolitik, Energiepolitik, Bildungspolitik usw. Aber zur besten Sendezeit, nicht Freitag um 23:30 Uhr.

  9. Auf die Augen « Auf die Augen |  15.09.2009 | 23:03 | permalink  

  10. TV-Comedy-Granate Max Giermann « hulza |  15.09.2009 | 23:08 | permalink  

    [...] mehr nötig, denn Blogger wie Medien diskutierten und schrieben sich zum Thema die Finger wund: Carta analysiert die Szenerie hervorragend und auch der tontraegerhoerer bildet sich ein Urteil. In Zeiten von dumpfsinnigen Castingsshows, [...]

  11. Bernhard |  16.09.2009 | 02:51 | permalink  

    Also, Ihr spielt alle mit. Brot und Spiele.

    M + S zollen der Fernsehmacht Tribut. J. F. K. hat mittels TV als Werbemedium die Präsidentschaft erreicht.

    Wir brauchen diesen US-Klimbim überhaupt nicht. Das Beste ist ignorieren, ignorieren, ignorieren.

    Merke: Wer zu blöd ist, sich ernsthaft zu informieren, sollte auch nicht wählen gehen. Schade um die Stimme, für wen auch immer.

  12. Stefan W. |  16.09.2009 | 06:13 | permalink  

    Danke für den Text. Er beschreibt präzise woran die Diskussionskultur im allgemeinen zwischen Medien und Politikern krankt. Ohne die spezielle Sendung gesehen zu haben habe ich den Typus Sendung klar wiedererkannt.

    Ich werd’s mir das nächste Mal auch nicht ansehen.

  13. links for 2009-09-16 – synapsenschnappsen |  16.09.2009 | 09:02 | permalink  

    [...] TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren — CARTA (tags: TV TV-Duell Journalismus Wahlkampf Politik) [...]

  14. Lesetipps für den 16. September | Blogpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 |  16.09.2009 | 09:08 | permalink  

    [...] TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren: Nachlese zum TV-Duell auf CARTA. Abgerechnet wird nicht mit den beiden Kontrahenten, sondern mit den Journalisten, die das Modell moderiert haben. [...]

  15. Gerhard J. |  16.09.2009 | 12:02 | permalink  

    Mir fehlt übrigens noch ein wichtiger Punkt, den ich bisher nirgends finden konnte. Ich war während der ersten Stunde des TV-Duells mit dem Auto unterwegs und hörte den Deutschlandfunk, in der Hoffnung das Duell würde von der Radiorundfunk ausgestrahlt werden. Das durfte sie jedoch nicht, weil die beiden privaten Fernsehsendeanstalten aus der 4er-Runde dies verweigerten ohne eine triftige Begründung für die Ablehnung der parallelen Radioübertragung abzugeben. Eine Bankrotterklärung des Journalismus und der Demokratie in Deutschland, wenn Menschen ohne Fernsehgerät, beruflich Verhinderte, Sehebehinderte etc. vom einzigen direkten Kräftemessen der beiden Spitzenkandidaten vor der Bundestagswahl ausgeschlossen werden. Dies ist der eigentliche Skandal dieser Veranstaltung, für mich zumindest.

  16. Prof. Nora Chastain |  16.09.2009 | 13:37 | permalink  

    Thank you! What a relief to see that people actually noticed what was going on, but what a scandal for german television journalism. One could assume that the role of the moderator would be to provide the candidates with a formal debate forum so that the audience could form an accurate picture of their politcal positions. After watching the “Duell” one has to assume that the moderators considered this a chance to show how clever and courageous they are and to let us all know what they think about politics. Such a lack of respect and a completely inflated picture of their own importance! How embarassing. What emerged was a very clear picture of two very professional politicians with a great deal of respect for each other with opinions not that far apart, either of whom would be absolutely in order as the next german chancellor and four ambitious egocentric idiots on the other side of the pulpit. Did we really need that?

  17. Robin Meyer-Lucht |  16.09.2009 | 16:24 | permalink  

    @ Gerhard J.: Sehr guter Hinweis. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob man nicht einmal das Kartellamt fragen sollte, warum die Bundesliga ein Kartell ist, dieses Quartell von ARDZDFRTLSAT1 aber nicht. Sie haben den Deutschlandfunk zum Schaden der Gesellschaft ausgeschlossen. Und übrigens jedes andere Medium. Durch den Stream von Phoenix wurde die Sache etwas besser – sonst hätte es wohl auch im Netz kaum stattgefunden.

    Man sollte also tatsächlich mal in Bonn wegen der Angelegenheit vorstellig werden. Eindeutiger Fall von voherrschender Meinungs- und Marktmacht.

    @ Prof. Nora Chastain: Thank you very much for our first English comment. I can only agree. Maybe we need an infusion of anglo-axon quality-tv-journalism-tradition to help us out.

  18. Ulrich Winckler |  16.09.2009 | 17:52 | permalink  

    Zu diesem Kommentar kann man Ihnen nur gratulieren. Selten habe ich eine derartig fundierte Analyse des sich gnadenlos selbstüberschätzenden TV-Journalismus gelesen. Die sich als Scharfrichter gerierenden TV-Granden meinen tatsächlich die Deutungshoheit über die deutsche Politik zu haben. Dass das nur noch abstoßend ist, dämmert ihnen nicht einmal im Traum.
    Auf derartige Formate kann ich künftig verzichten. In den Printmedien finde ich die angemessene Auseinandersetzung mit den relevanten Fragen unserer Zeit!

  19. Robin Meyer-Lucht |  16.09.2009 | 18:03 | permalink  

    @ Ulrich Winkler: Vielen Dank für den positiven Kommentar. Freut mich sehr.

    Vielleicht finden Sie ja zusätzlich auch in der einen oder anderen Online-Publikation eine angemessene Auseinandersetzung mit den relevanten Fragen unserer Zeit.

  20. f.luebberding |  16.09.2009 | 18:49 | permalink  

    Also so schlimm fand ich das gar nicht, wenn man von diesen überflüssigen persönlichen Fragen einmal absieht. Aber was erwartet man eigentlich von einem Format, wo vier Moderatoren zwei Gästen befragen? Wo es fast nie zu einem Dialog der Gäste kommen kann? Deshalb ist die Idee, die Sendung etwa einem anderen Veranstalter zu übertragen, nicht schlecht.

    Aber noch eins: “Die Volkstribunen trieben die Kandidaten vor sich her, anstatt moderierend zu fragen.”

    Wenn sie das gemacht hätten, wären wir alle eingeschlafen. Es geht nicht darum zu unterhalten, sondern der bekannten Neigung der beiden Kandidaten, sich im Ungefähren zu verirren, entgegenzutreten. Bei Lafontaine gegen Merkel wäre das nicht nötig gewesen, keine Frage. In dieser Besetzung schon. Das größte Manko dieses Formats ist aber, dass Themengebiete abgearbeitet werden. Man bleibt nicht lange genug dran, um einen Gast jenseits seiner vorformulierten Worthülsen zu erwischen. Er also einmal wirklich spontan formulieren muss. Dafür braucht man aber Zeit – und die haben vier Moderatoren nicht bei einem rotierenden Verfahren. Dann hat jeder seine Frage im Kopf – und verpasst dann den Einstieg, wo es wirklich spannend werden könnte.

  21. Robin Meyer-Lucht |  16.09.2009 | 20:27 | permalink  

    @f.luebberding: Ich kann Ihnen da leider nur bedingt zustimmen. Sehen Sie es mal anders: Die Chance zu sehen, ob sich die beiden Kandidaten kritisch hinterfragen würden, haben uns die “Moderatoren” leider genommen.

    Zustimmen kann ich Ihnen, dass es vor allem um Policy-Themen hätte gehen müssen – und dass man hier vor mindestens 25 Minuten pro Thema braucht. Deshalb wären auch 2 oder 3 Debatten á 60 Minuten besser gewesen. Es hätte dafür ernsthafte und weniger krawallige Fragen gebraucht.

  22. Olaf |  16.09.2009 | 20:45 | permalink  

    Hätten beide persönliches Format (gehabt in der Sendung), woran es heutzutage nach meinem Eindruck in der Branche mangelt, dann hätten sie auch ohne diese Moderatoren einen Meinungskampf im guten Sinne entwickeln können.
    Aber ohne spindoctor und Regie scheint es nicht zu gehen. Wie Minister – mittelprächtige Pressesprecher ihres Ressorts bzw. des Ministeriums, dem sie vorstehen.
    Keine Initiatoren, “Treiber” oder Visionäre…

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