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Robin Meyer-Lucht

Nachrichten.de: Burdas Nachrichtenaggregator will Umsatzbeteiligung zahlen

Robin Meyer-Lucht | 14 Kommentar(e)


Burda plant ein automatisiertes Nachrichtenportal, das die Autoren/Verleger an den Werbeeinnahmen beteiligt. Das Geschäftsmodell dahinter ist eine Art Kreuzung aus Google News und Glam.

03.09.2009 | 

Die konzeptionellen Sprünge im Hause Burda überraschen. Eben noch schrieb Kollege Thomas Knüwer darüber, dass es reichlich merkwürdig sei, dass sich Hubert Burda zwar einerseits von Google News enteignet fühle, andererseits aber selbst mit Finanzen100.de einen Nachrichtenaggregator betreibe, der sich freizügig und unentgeltlich bei anderen redaktionellen Inhalten bediene.

Nun wird die Burda-Geschichte noch komplizierter.

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Nachrichten.de: 50 Prozent für den Publisher bei Texten von über 1500 Zeichen Länge

Soeben hat TomorrowFocus einen Konzeptentwurf für Nachrichten.de herumgeschickt: Nachrichten.de soll ein vollautomatisiertes Nachrichtenportal werden, das Inhalte aus fremden Quellen zusammenstellt und die “Publisher” an den Werbeeinnahmen beteiligt. Nachrichten.de ist eine Art Google News plus Werbefinanzierung plus Umsatzbeteiligung für die Urheber/Verlage.

Nachrichten.de soll kontinuierlich über 500 journalistische Websites ressortbezogen auswerten. Anders bei Google News sollen nicht nur Kurzauszüge, sondern auch ganze Texte übernommen werden. Die Publisher sollen bei Texten von mehr als 1.500 Zeichen Länge 50 Prozent der Werbeeinnahmen aus dem Umfeld ihrer Texte erhalten. Selbst für die Übernahme von Kurzfassungen (“Snippets”) will Burda noch 20 Prozent Umsatzbeteiligung auszahlen.

Das Kalkül ist klar: Nachrichten.de will als werbefinanziertes Produkt automatisiert echtes Geld verdienen und die Urheber entsprechend beteiligen. Anders als derzeit noch bei Google News wird so ein Geschäftsmodell daraus. Nachrichten.de ist als Geschäftsmodell augenscheinlich eine Kreuzung aus dem Glam-Publishermodell und Google News.

Einen kleinen Haken aber hat Nachrichten.de: Die Ausschüttung an die Publisher erfolgt erst nach einem Umsatz von 500 Euro. So manch kleinere Website wird so einige Zeit auf die erste Ausschüttung warten müssen. “Wir wollen die Buchungs- und Verwaltungskosten überschaubar halten”, begründet Focus.de-Chefredakteur Jochen Wegner die Umschatzschwelle.

Update: Zuvor stand in diesem Text, die Umsatzschwelle liege bei 500 Euro pro Monat. Dies war eine Falschinformation der Presseabteilung von TomorrowFocus. Die Schwelle liegt bei 500 Euro absolut.

Update 2: Folgende Punkte möchte ich noch hinzufügen:

- Nachrichten.de kommt in der Auseinandersetzung mit Google um Erlösmodelle nun vor allem auch eine politische Bedeutung zu: Burda kann auf seine Projekt verweisen und sagen: “Seht her, Umsatzbeteiligung für die Publisher — geht doch”. Google News wird er damit nicht direkt unter Zugzwang setzen können, aber präsentiert in reales Gegenmodell.

- Zu begrüßen ist wohl vor allem auch, dass sich ein deutscher Großverlag ins Aggregationgeschäft wagt. Die Stellung von Google News wurde vor allem auch dadurch gestärkt, dass hierzulande dem wenig Aktivitäten entgegenstanden.

- Nachrichten.de wird Mitte im September lanciert werden.

- Bilder wird Nachrichten.de zuerst vor allem von der dpa bezeihen.

- Hier noch ein zwei Screenshots vorab: Einmal die Einstiegsseite und einmal ein Beispiel für die Übernahme eines Volltextes.

screenshot_nachrichten_de

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- Hier noch ein Hinweis auf einen Text von Kollege Schmidt zu dem Thema: Demnach werde das Teilen zunächst auf Nachrichten.de getestet – “und soll nach dem Test auf Finanzen100 und weitere folgende Aggregationsportale übertragen werden”

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14 Kommentare

  1. Logan Stölzl |  03.09.2009 | 14:46 | permalink  

    Vor lauter Aufregung haben Sie gleich mal ein paar Vertipper eingebaut, Herr Lucht.

  2. Robin Meyer-Lucht |  03.09.2009 | 14:52 | permalink  

    Jip, bei schneller VÖ kommt die Korrektur erst in der zweiten Runde – nämlich jetzt. Sorry.

    rml

  3. Jan Friedrich |  03.09.2009 | 15:36 | permalink  

    Ja wie jetzt? Im Text steht “500 Euro” und Sie korrigieren ihn mit “500 Euro”. Was gilt denn nun?

  4. Heiner S. |  03.09.2009 | 16:09 | permalink  

    Was passiert mit Snippets von Publishern, mit denen Burda keinen Vertrag hat – die bleiben unvergütet – das ist dann man richtig Ungleichbehandlung –> Enteignung!

  5. Robin Meyer-Lucht |  03.09.2009 | 16:28 | permalink  

    Die Schwelle beträgt 500 Euro absolut – nicht pro Monat….

  6. Stefano66 |  03.09.2009 | 16:55 | permalink  

    Wieso kommt das heute plötzlich raus? Wahrscheinlich doch genau deshalb, weil Thomas Knüwer rumgemeckert hat. Warum hat Burda die Umsatz-Idee nicht schon längst in seinen vielen Interviews gebracht?

  7. Simona |  03.09.2009 | 17:06 | permalink  

    Ich bin mal gespannt ob Nachrichten.de tatsächlich eine Alternative zu Google News ist – oder nur ein Remix-Automat mit eingebauter Geldmaschine

  8. Felix |  03.09.2009 | 17:10 | permalink  

    Wieso macht Carta hier auf Branchendienst – das können Meedia und Turi doch viel besser….

  9. Ralph Schäfer |  03.09.2009 | 18:33 | permalink  

    Der Vergleich von nachrichten.de mit Google News hinkt doch sehr. Auf der deutschsprachigen Seite schaltet Google nämlich gar keine Anzeigen, hat daher keine direkten Einnahmen und kann damit auch nix weiterverteilen.
    Man sollte bei solchen Vergleichen doch bitte alle Aspekte berücksichtigen

  10. Robin Meyer-Lucht |  03.09.2009 | 22:52 | permalink  

    @ Felix: Wir haben die Präsentation auch von TomorrowFocus erhalten – da mir die spannend erschien, habe ich auch kurz drüber geschrieben. Aber klar: Der Text könnte sich stärker von Meedia & co abheben.

    @ Ralph Schäfer: Genau, bei Google News sind derzeit keine Anzeigen eingebunden. Deswegen steht oben ja auch Goolge News PLUS Anzeigenfinanzierung. Ich hatte gehofft, dass dies klar geworden ist. Danke für den Hinweis.
    Irgendwann wird Google sicher auch Anzeigen neben Google News stellen, schätze ich, immerhin ist Google ein börsennotiertes Unternehmen, das nichts zu verschenken hat…

  11. Eva Schweitzer |  04.09.2009 | 19:07 | permalink  

    Die Rechte von Texten von freien Autoren in Zeitungen liegen in der Regel bei diesen, und nicht bei den Verlagen. Wie stellt sich Burda vor, diese zu bezahlen? Ich glaube kaum. dass ein freier Journalist auf sein Geld verzichtet, weil es Burda zu kompliziert ist, Kleinhonorare abzurechnen.

  12. Robin Meyer-Lucht |  04.09.2009 | 19:31 | permalink  

    @ Eva Schweitzer: Sehr wichtiger Punkt.

    Durch die immer üblicheren Total-Buy-Out-Vertrage liegen die Rechte von Online-Texten inzwischen häufig bei den Verlagen.

    Die Verlage werden argumentieren, dass die Journalisten von den Werbeeinnahmen auf der verlagseigenen Site auch nichts erhalten – und nun müßten die Verlage ihre Einnahmen ja auch noch mit Nachrichten.de teilen.

    Für die größeren Betreiber wird der Nachrichten.de-Deal ohnehin nicht so interessant sein, weil sie im Verhältnis wenig Traffic bekommen und man sich das Monitarisierungsergebnis zugleich teilen muss. Wenn dann noch direkte Vergütungen für Journalisten dazukommen, dann werden die großen Nachrichtenportale ohnehin abwinken.

  13. Eva Schweitzer |  04.09.2009 | 21:13 | permalink  

    “Durch die immer üblicheren Total-Buy-Out-Vertrage liegen die Rechte von Online-Texten inzwischen häufig bei den Verlagen.”

    Danke. Dass Verlage diese Buy-Out-Verträge gerne schließen wollen, weiß ich auch, ich glaube aber nicht, dass die bereits von Journalisten flächendeckend unterschrieben werden. In mehreren Urteilen, unter anderem gegen Springer, wurden solche Verträge auch schon für rechtswidrig erklärt.

    Was Burda angeht, wenn Burda einen Text veröffentlicht, bei dem das Recht beim Autor liegt, wg. einfaches Nutzungsrecht, kann der Autor Burda direkt zur Kasse bitten. Was die Verlage mit Burda vereinbart haben, ist unerheblich.

  14. buchleser |  07.09.2009 | 10:10 | permalink  

    Google News bezahlt für Original-Inhalte sehr wohl Geld, im Rahmen von Lizenzverträgen mit den Nachrichtenagenturen. Damit finanziert Google die Erstellung von Inhalten unabhängig von der Reichweite, die damit erzielt wird und unabhängig von der Attraktivität der Nutzer für den Werbemarkt.

    Eigentlich eine gute Sache, wenn sie damit nicht die Mittelsmänner / Zwischenhändler ausschalten würden, die bisher eben vor allem davon leben, nicht eigene Inhalte teuer zu erstellen, sondern Agenturware aufzuhübschen.

    Burda’s Modell hingegen verteilt Geld an Medien, die:

    a) massenattraktive Inhalte erstellen oder geschickt zweitverwerten (Archive)

    b) eine werblich relevante Nutzergruppe ansprechen

    c) möglichst unkritisch sind, damit Werber sich mit ihren Kampagnen da auch wohlfühlen

    Ein solches Modell schadet letztlich der Demokratie, weil die Geldströme falsch gelenkt werden.

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