Robin Meyer-Lucht | 19 Kommentar(e)
Frank-Walter Steinmeier ist noch immer nicht im Netz angekommen. Er richtet die Präsentation seines Kompetenzteam auf die klassischen Medien aus. In seinem Facebook-Profil etwa schweigt er zum neuen Team.
30.07.2009 |
Heute um 14 Uhr hat Frank-Walter Steinmeier also sein Kompetenzteam vorgestellt. Ich hatte leider keine Zeit, mir das live auf Phoenix anzuschauen. Anderthalb Stunden nach dem Polit-Event jedenfalls lässt sich feststellen, dass Frank-Walter Steinmeier noch immer nicht im Internet angekommen ist. Hier der Stand seines Facebook-Profils, seiner Homepage, seiner Wahlkampfseite und von SPD.de um 15.30 Uhr – eine halbe Stunde nach Ende seiner Pressekonferenz (zum Vergrößern anklicken):
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Auf drei von vier SPD-Wahlkampfplattformen war also eine halbe Stunde nach der Präsentation vor den klassischen Medien nichts vom Kompetenzteam zu sehen. Auch auf der vierten Plattform lässt doch die Präsentation des Teams eher zu wünschen übrig. Nicht einmal das – sicher von dritter Hand betreute – Facebook-Profil des Kandidaten enthält einen Hinweis auf das Kompetenzteam.
Für den Kandidaten ist das Netz offenbar ein weit nachgelagerter Kanal. Er nutzt die Chance nicht, hier sein Team ungefiltert und persönlich vorzustellen. Er hätte hier seine eigene Tonalität, einen eigenständigen Spin seiner Team-Vorstelllung installieren können. Verpasst.
Stattdessen Minimalkost. Keinerlei exklusive Information. Eher: Broschüre im Internet.
Nun berichten die klassischen Medien weiträumig über das Team und der Anreiz, sich noch einmal bei der SPD zu informieren, erscheint gering. In der SPD-Wahlkampfzentrale versichert man uns: Da kommt später noch mehr; abwarten. Aber: Durch den zeitlichen Verzug wird deutlich, wo in der Priorität das Internet bei Steinmeier steht. Seine registrierten Online-Unterstützer hat Frank-Walter Steinmeier übrigens auch noch nicht über seinen neues Kompetenzteam informiert.
Immerhin: Mit Hubertus Heil gibt es in Steinmeiers Team explizit jemand, der sich um neue Medien kümmern soll.
Internet-Wahlkampf soll hier nicht als Selbstzweck eingefordert werden. Natürlich haben die klassischen Medien haben die höheren Reichweiten – und damit unmittelbar höhere Relevanz. Der gekonnte Einsatz des Internets aber könnte sehr identitätsprägend auf den Kandidaten abstrahlen.
Der Politologe Karl-Rudolf Korte sagte Zeit Online zum Kompetenzteam: “Steinmeier hat sich gegen prominente Personen in seinem Team entschieden. Auch gibt es dort niemanden, der für einen Perspektivwechsel stehen könnte.”
Das Interview empfehle ich zur weiteren Analyse der personellen Zusammensetzung des Teams. Und entschuldige mich bei allen, die eine Betrachtung der Online-Wahlkampfstrategie des Kandidtaten für zu oberflächlich halten.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Frank-Walter Steinmeier: Der Offline-Kandidat.









in weiser voraussicht vor ca. 23h: http://twitter.com/ReichelS/status/2912545473
du hast auch eine ganze menge kanäle nicht angeschaut :)
@ Sebastian: Vielen Dank für Hinweis. Ich hielt dies mit für die relevantesten Kanäle.
SPDvision habe ich auch noch gescheckt.
Welchen Kanal habe ich denn übersehen?
Ich lasse mich da gerne aufklären.
Gruss,
Robin
twitter, die profile der mitglieder, die profile der unterstützer, die vzs… das ganze “unwichtige” drumherum halt.
mittlerweile sind übrigens auch alle plattformen gefüllt. manchmal geht qualität eben auch vor schnelligkeit.
steinmeier direkt hast du auch in ein paar tagen: http://www.youtube.com/watch?v=HGT3oKAv1fs
@ Sebastian: Vielen Dank für die Hinweise von wirklich berufener Stelle. Da fühle ich mich sehr geehrt.
Ich zitiere hier jetzt mal Wahlkampf-Haudegen Machnig zum Thema Timing: “Speed kills”.
Lieber Herr Mayer,
ich kenne Sie persönlich (noch) nicht, aber worum geht es Ihnen eigentlich bei Ihrer Bloggerei? Campaigning-Echtzeitberichterstattung in Deutschland? Eine Mischung aus CNN und Huffington Post in Berlin? Mir kommt das alles ein wenig aufgeregt bei Ihnen vor, haben Sie persönliche Rechnungen mit der SPD offen, die Sie hier abarbeiten oder sind Sie immer noch so von dem Social Media Hype aus dem Obama-Wahlkampf angesteckt und können nicht auf deutsche Verhältnisse “downsizen”? Und solche schönen Merksätze aus dem Campaigning “Einmaleins” wie “speed kills”, sind doch auf die thematische Auseinandersetzungen in Kampagnen gemünzt. Und nicht auf die “5 Minuten” Zeitverzögerung zwischen dem Beginn einer PK und dem eingestellten Artikel auf SPD.de, oder? ;-)
@Josefine Gegenbauer: Was wäre so schlimm an einer Mischung aus CNN und Huffington Post nach Berliner Machart? Unser Herr “Mayer” heißt übrigens Meyer-Lucht und hat keineswegs Rechnungen mit der SPD offen. Ihm ist nur aufgefallen, dass die SPD es nicht gerade eilig hatte, die Vorstellung des Kompetenzteams zeitnah auch im Internet mitzuvollziehen.
Dabei wäre dies sehr einfach möglich gewesen, denn die Texte und Bilder müssen ja ohnehin geschrieben bzw. vorbereitet werden. Da der Vorstellungstermin auch nicht vom Himmel fiel, hätte man sehr gut die Online-Berichterstattung am Vormittag vorbereiten und um 14 Uhr dann im Netz freigeben können. Es ist alles eine Frage des Timings und des professionellen Anspruchs an sich selbst.
Zudem scheint Ihnen, liebe Frau Gegenbauer, noch nicht so recht klar zu sein, dass die SPD mit einer zeitnah geführten Kampagne im Web andere, zusätzliche Wähler ansprechen kann, als über die klassischen Kanäle (Fernsehen, Printmedien). Die von Ihnen banalisierten “5 Minuten Zeitverzögerung” machen vermutlich ein paar Hundertausend Köpfe aus, die sich primär im Netz informieren und durchaus auch beeinflussen lassen. Kann die SPD es sich wirklich leisten, darüber großzügig hinwegzusehen?
@ Josefine Gegenbauer: Matthias Schwenk hat ja im Grunde schon alles zu Ihrem Beitrag gesagt.
Hier noch eine launige dpa-Beobachtung zum Thema Twitter/Hubertus Heil:
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/683310
Nehmt das Netz nicht zu wichtig, das wahre Leben findet hier draußen statt! Ob die SPD online eine Stunde später kommuniziert oder in China …
Dass die Verzögerung nicht gerade für die Professionalität der Online-SPD spricht würde ich unterschreiben, dass man online groß Wählerstimmen gewinnt allerdings nicht. Bei einem Amerikaaufenthalt im Frühling konnte ich mich länger mit den Wahlkampfkoordinatoren von Joe Courtney (Congressman Eastern Connecticut) unterhalten. Sie meinten, dass für die Wahlkampagne der gesamte Internet-Bereich nur ein Nice to have gewesen wäre, der “real job” wären weiterhin Klinkenputzen, Town Hall Meetings und Umgarnen von Gewerkschaften, Lobbygruppen, etc. gewesen. Und was im gelobten Internetland USA gilt gilt in Deutschland natürlich in Potenz.
BTW: Ich finde Carta großartig.
Der Onlinewahlkampf alleine wird die Wahl nicht entscheiden. Aber die Bedeutung auf dem Wählermarkt ist derzeit wohl noch heftig umstritten. Allerdings ist eine professionelle Onlinepräsenz ein wichtiger Indikator für Zukunftsfähigkeit und Kampagnenfähigkeit. Der SPD ist es bisher jedenfalls nicht gelungen, sich ein modernes Gesicht zu geben. Eine eher gewerkschaftsbezogene Industriepolitik auf der einen Seite und ein inakzeptabler Verlust der Sprachfähigkeit bei der Diskussion um Sperren im Internet auf der anderen Seite zeigen, dass diese Zeit -zuminddest kommunikativ- nicht die der SPD sind.
Mit einer frischen, modernen und glaubhaften Onlinekampagne könnte man dem Entgegentreten, insoweit stimme ich Herrn Meyer-Lucht zu.
Lasst uns mal so sagen: Natürlich hätte das Steinmeier Team es etwas schneller machen können. Aber das Hauptproblem unserer Politiker im Netz besteht doch darin, dass sie das Internet nicht als interaktives Medium begreifen, bei dem von den Nutzern bzw. potientellen Wählern Ideen und Impulse ausgehen können.Ausserdem nehmen sie das Internet noch nicht als zentrales Informations- und vor allem Interaktionsmedium vieler Menschen wahr. Sie müssen nicht alles zeitgleich im Netz veröffentlichen, aber wenn sie das Internet schon benutzen, und Web 2.0 Profile haben, dann sollten sie sich jedenfalls die Mühe machen, und diese regelmäßig aktualisieren, und mit den Internetnutzern in Kontakt zu treten.
Nur wer die Wähler ernst nimmt, kann auch ernst genommen werden.
Poltiker sollten aber nicht den fehler machen, und jede kleine belanglose Neuigkeit, die eigentlicht gar keine ist, zu twittern. Die Schnelllebigkeit der Medien und Ihr Umgang damit, macht die Probleme ja schließlich auch nicht kleiner.
[...] Frank-Walter Steinmeier bleibt: Der Offline-Kandidat — CARTA Auf drei von vier SPD-Wahlkampfplattformen war also eine halbe Stunde nach der Präsentation vor den klassischen Medien nichts vom Kompetenzteam zu sehen. – FAIL! (tags: politik) [...]
[...] Jup, als kleiner Nachschlag lege ich euch noch den Heise Artikel ans Herz, der sich mit der Frage beschäftigt, wie unsere lieben Politiker das Internet gerade im Wahlkampf (versuchen) einzusetzen und was dabei schief läuft. Schönes Beispiel dafür, dass das Medium Internet noch überhaupt nicht von der Politik mit seinen vielfältigen Chancen und Möglichkeiten begriffen worden ist, beschreibt Robin von Carta.info in seinem Beitrag über Frank-Walter Steinmeier – dem Offline Kandidaten… [...]
[...] Frank-Walther Steinmeer: Der Offline-Kandidat (Carta) [...]
Ich begrüße die intensive Beobachtung und Berichterstattung von Herrn Meyer-Lucht zum Themenbereich Internet und Politik. Sie mögen auch in diesem Fall den Fakten getreu und genau recherchiert haben. Jedoch sollte der Faktor Zeit auch bei der journalistische Analyse und Wertung im Internet nicht überstrapaziert werden.
Der Blick auf http://www.team-steinmeier.de/ zeigt, dass die Überschrift “Frank-Walter Steinmeier bleibt: Der Offline-Kandidat” womöglich eine kürzere Geltungsdauer hat als die Zeit des Verfassens beansprucht haben wird.
Schon die Textgattung “Nachricht” ist etymologisch nicht mit dem Prinzip der Echtzeitberichterstattung vereinbar. Noch weniger sollte es ein Kommentar sein!
Lieber Robin,
Obwohl Steinmeier mit einem vorgezogenen Wahlkampf und einem gewagtem Wirtschaftspapier mir durchaus besser gefällt, hast du nichtsdestotrotz Recht. Sein Wahlkampfteam muss einfach mehr leisten. Er wird keine Chance haben, wenn er nicht jedes Medium im vollen Umfang benutzt um die Basis und potenzielle Wähler zu mobilisieren. Bei Facebook ihre Broschüren hochladen ohne dabei es mit aktuellen Meldungen zu kombinieren ist nicht genug.
Marek
Nur der Vollständigkeit halber: http://www.steinmeier-wird-kanzler.de hat doch das Zeug zum Blogbuster, oder?
Da iss er jetzt auch direkt: http://www.wahlkampf09.de/2009/8/ich-will-einen-offenen-fairen-wettstreit-der-besten-ideen-fr-unser-land
Viel Spass :)
@Sebastian sehr gut, Frank Walter Steinmeier bloggt auf http://www.wahlkampf09.de , seine Unterstützer http://www.steinmeier-wird-kanzler.de agieren autonom von der Partei im Netz, die SPD stellt das Team multimedial in Bild und Ton vor, da geht doch was und wenn es in den sozialen Netzwerken dann noch zu inhaltlichen Diskussionen kommt, dann ist das doch gar nicht so verkehrt für einen Offline-Kandidaten, nicht wahr Herr Meyer-Lucht ;-)