Ulrike Langer | 5 Kommentar(e)
Diesmal mit: Chris Anderson (“Free”) rät Verlagen zu vielen freien und wenigen exklusiven Bezahlinhalten im Web – Spot.Us will expandieren – Google News will Qualitätsjournalismus aggregieren – Langes Warten am Zeitungsdrucker
05.07.2009 |
Topp-Tipp:
Chris Anderson: Newspapers need to find the ‘pet for their penguin’
Chris Anderson, Chefredakteur der Zeitschrift Wired und Autor des Buches Free (Warum ”Kostenlos” ein Geschäftsmodell sein kann) hat den Guardian besucht und Chefredakteur Alan Rusbridger und Geschäftsführerin Carolyn McCall das Geschäftsmodell ”Freemium” erläutert: Zeitungen sollten den größten Teil ihrer Inhalte im Web frei zugänglich verbreiten und darüber hinaus lukrative Verwertungsmöglichkeiten für exklusive Inhalte und Anwendungen entwickeln. Deutschsprachige Zusammenfassung bei meedia. Jason Falls kritisiert beim Social Media Explorer Anderson’s Thesen: The Economy of Free Is Stupid.
Anderson erläutert das Prinzip Free in diesem Wired Video (3:20 min):
Weitere Tipps:
Spot.Us, pioneer of crowdfunded journalism, preps for expansion
David Cohn spricht in diesem Video-Interview (5:30 min) des Nieman Journalism Lab über seine Pläne, sein spendenfinanziertes Journalismus-Projekt Spot.Us nach dem ermutigenden Start in San Francisco bald auch in anderen Ballungsräume anzubieten. Seattle und Los Angeles sind im Gespräch.
“Wir wollen Qualitätsjournalismus aufspüren”
Anstelle von populistischem Google-Bashing: Spiegel Online spricht in diesem lesenswerten Interview mit dem Erfinder des Nachrichtenaggregators Google News über die Strukturierung von Nachrichten und darüber, wie Google News künftig Qualitätsjournalismus erkennen soll.
Let’s Screw Up the Entire Internet to Save Newspapers
Valleywag nimmt die Idee von Richard Posner, Richter am Obersten Berufungsgericht der USA, auseinander. Posner hatte ein 24-stündiges Linkverbot auf Zeitungsinhalte im Netz angeregt. Außerdem soll keine andere Website die Inhalte von Verlags-Websites in eigenen Worten zusammenfassen dürfen.
Pro Publica – die Rettung des investigativen Journalismus?
Ein lesenswertes Interview mit Richard Tofel, geschäftsführender Redakteur von Pro Publica, auf dem lab Blog der Deutschen Welle. Pro Publica ist eine nicht-kommerzielle Organisation mit Sitz in New York, die investigativen Journalismus betreibt.
Als Nummer 264 im ersten Monat hat Stephan Sperling in einem Presseladen am Münchner Hauptbahnhof einen Zeitungsdrucker getestest. Nach einer halben Stunde musste er die losen Blätter schnell in eine Plastiktüte stopfen, um seinen ICE nicht zu verpassen. Am Ende seiner lesenswerten Chronologie des Wartens listet er auf, was sich ändern muss, damit dieses Konzept erfolgreich sein kann.
Die Medienlinks haben jetzt erst einmal Urlaubspause. Nächste Ausgabe am 26. Juli.
Die Fachjournalistin Ulrike Langer bloggt auf medialdigital, wo sie auch diese Linkstipps regelmäßig veröffentlicht. Carta übernimmt die Linktipps mit freundlicher Genehmigung der Autorin als Crossposting.


Meint Anderson das ernst oder ist das absolut sarkastisch?
Dass er das Wort Ökobilanz weder kennt noch in Betracht zieht, kann ich ja noch verstehen aus der Sicht dessen, der ihn für solche “Konzepte” bezahlt. Aber der Rest?
Bandbreite, Speicher und Ablaufsteuerung werden analog zur Elektrizität?
Ich erwarte ja nicht, dass er “The Big Switch” gelesen hat, dass sich ja zumindest noch den Luxus von kritischen Fragen zum Thema leistet, aber ihm müsste doch selbst klar sein, dass diese drei in keiner Weise an die Universalität von Elektrizität heran reichen. Ich kenne ja die Hybris der IT aus eigener langjähriger Erfahrung, aber das würde die Branche noch nicht mal selbst von sich behaupten ohen rot zu werden.
Er meint doch nicht im Ernst, dass Google kostenlos ist?
Was raucht der?
Schade. Habe vor drei Tagen das Buch bestellt, weil schon die ersten Ansagen dazu so platt und öberflächlich waren, dasss ich es nicht glauben konnte. Wired. Anderson. Das ist doch nicht irgendwer. Anscheinend doch. Hat ihn wohl gepackt die Eitelkeit…schade.
@Jörg: Ich habe das Buch von Anderson schon hier und lese es gerade. Seinen Traum von einer “Gift Economy” halte ich zumindest für einen kühnen Gedanken, auch wenn er aus heutiger Sicht eher unrealistisch ist.
Nebenbei bemerkt: Die Wortschöpfung “Geschenk-Ökonomie” ist eigentlich ein Widerspruch in sich, da sich die Ökonomie mit Fragen der Knappheit beschäftigt. Ist ein Gut nicht (mehr) knapp, ist es auch kein Betrachtungsgegenstand mehr für die Ökonomen…
OK, dann warte ich einfach bis “Wired” unaufgefordert zusammen mit “Hallo am Sonntag” in meinem Briefkasten landen…
@Wittkewitz
Da werden Sie aber lange warten müssen. Anderson sagt ja gerade nicht, dass Verlage alle ihre Inhalte verschenken sollen. Für wirklich exklusive Inhalte sollte ein Geschäftsmodell gefunden werden,z.B. Abo, und das ist beim gedruckten ”Wired” (nicht identisch mit der Website) der Fall.
OK, dann bin ich wohl nicht so gut ins eine Gedanken gekrochen. Ich hatte den Eindruck, dass alles das, was digital sein kann, auch kostenlos sein könne, was ich – gelinde gesagt – für totalen Quatsch halte. Ohne Elektrizität, Computerhardware, Netzwerktechnik und Internet-Provider gibt es keine “downloadbaren” Produkte – egal ob sie etwas kosten oder nicht. Dieser Hintergrund aus lokaler und zentraler Struktur bekommt immer Geld und reibt sich die Hände, wenn die Anzahl an Datenpaketen steigert. Entweder sieht diese Infrastrukturkosten nicht oder arbeitet im Auftrag der Anbieter…
Denken wir seinen Gedanken zu Ende:
Computer/Mobile Devices werden digital – geht nicht, weil sie das Interface zur virtuellen Welt bilden.
Netzwerke werden digital – geht auch nicht, weil sie lokale und zentrale Rechneinheiten real verbinden (Kabel, Funk etc.)
Das Durchleiten wird digital – ja, es ist digital, aber bisher läßt sich die Telekom und andere entweder die Zeit oder das Datenvolumen fürstlich entlohnen. Dabei vermieten sie eigentlich nur die Kabel und ihre Router…
Kurz gesagt. Seine Gedanken sind in sich logisch, aber das zugrundeliegende Axiom (das Netzwerk mit der Hardware und den Datendurchleistungskosten) wird nicht reflektiert. Von daher sind sie ohne Relevanz. Denn das Axiom bestimmt die Konklusionen. Innnerhalb des Folgerns muss man ja nur die formallogischen Schlußregeln einhalten.
Das große Thema aber wäre eine Grundlagendiskussion, die nicht geleistet wird.