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	<title>CARTA &#187; Wirtschaftspolitik</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Das „Jetzt-sind-wir-dran“-Problem der CDU</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 12:56:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Union schneidet in Umfragen so schlecht ab wie zuletzt bei der Spendenaff&#228;re und kaum jemand erwartet mehr, dass die Politik die Wirtschaft bestimmen kann. F&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung muss Politik in der Krise jedoch nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Verliert die CDU ihr wichtigstes Wahlmotiv "Wirtschaftskompetenz"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4f13941f916844d994e5cab9c5dcc48d" width="1" height="1" alt=""/>Normalerweise ist Krisenzeit CDU/CSU-Zeit. Die Union gilt als die Partei mit der deutlich besseren Kompetenz in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Und wurde bislang immer dann gerne gew&#228;hlt, wenn es Deutschland schlecht ging. Denn: In der Krise geht es ums &#220;berleben. In Boomzeiten um gerechtes Verteilen.</p>
<p>2010 ist alles anders: Der Beunruhigungspegel in der Bev&#246;lkerung &#252;berschreitet die nie dagewesene 90-Prozent-Marke, 85 Prozent erwarten eine dauerhafte Rezession. Kriegs-, Arbeitsplatz- und Inflationsangst hegen inzwischen fast 70 Prozent der Deutschen, sind pr&#228;sent wie nie zuvor. Und die Union liegt mit 31 Prozent in der Sonntagsfrage so schlecht wie seit der Spendenaff&#228;re im Jahre 2000 nicht mehr. Nur noch 66 Prozent ihrer (wenigen) W&#228;hler vom September 2009 w&#252;rden sie heute wiederw&#228;hlen, jeder f&#252;nfte – vornehmlich die eher rechten &#8211; ist inzwischen ins Lager der Nicht-W&#228;hler abgewandelt. Obwohl die SPD f&#252;r die meisten W&#228;hler keine wirkliche Alternative darstellt, ist sie von 23 auf 28 Prozent gestiegen. </p>
<p>Wieso ist das so? Weil Kompetenzzuschreibung bei der Wahlentscheidung nur noch wenig z&#228;hlt. Weil die Union ein h&#246;chst veraltertes Wirtschafts- und kein Arbeitsmarktprofil mehr hat. Weil sich das Bild von der „guten Wirtschaft“ grundlegend gewandelt hat. Und <strong>weil aus dem deutschen Gutmenschen in Zeiten einer dauerhaften Krise der „Jetzt-sind-wir-dran&#8221;-B&#252;rger geworden ist.</strong></p>
<p>Kompetenz unwichtig? Sp&#228;testens Banken- und Griechenlandkrise haben aus der Gestaltungs- das Feuerl&#246;scherprimat der Politik entwickelt. Und da stehen die Parteien ziemlich hilflos da. Fast jeder Zweite antwortet inzwischen „Keine von allen“ auf die Frage nach der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskompetenz. Nicht die Politik bestimmt die Wirtschaft, es ist genau umgekehrt: Die Multis dominieren! Die Regierung – so die Deutschen – ist nur noch gefordert, wenn Verluste sozialisiert werden sollen. 75 Prozent beklagen die „systemische Subventionitis“. Und gerade noch 19 Prozent erwarten, dass die Politik es schaffen k&#246;nnte, Bankenspekulationen zuk&#252;nftig zu verhindern.  </p>
<p>Kein Markenprofil? &#220;ber 70 Prozent der Deutschen sehen inzwischen f&#252;r sich keinerlei Ver&#228;nderungen, je nachdem, ob Union oder SPD den Kanzler stellt. Jeweils die eine H&#228;lfte ihrer W&#228;hler will die CDU st&#228;rken sozial-, die andere wirtschaftlich ausgerichtet haben. Und <strong>f&#252;r Zweidrittel der CDU-W&#228;hler geht mit Roland Koch der letzte profilierte Wirtschaftskopf.</strong> Noch 2005 wies die Arbeitsmarktkompetenz der CDU/CSU einen 13 Punkte Vorsprung auf, nun dominieren die Sozialdemokraten mit einem Vorsprung von acht Prozent. „Wof&#252;r steht die CDU?“ Die wenigsten sagen: „F&#252;r Wirtschaftskompetenz“. Und in der Qualit&#228;t ihres Krisenmanagements hat die SPD nun zum ersten Male mit der Union  gleichgezogen.</p>
<p>Ein anderes Wirtschaftsbild? Was „gute“ Wirtschaftpolitik ist, dar&#252;ber gibt es inzwischen einen grundlegenden Einstellungs­wandel unter den Deutschen! Nach „liberal“, das mit &#252;berm&#228;&#223;igen Freiheiten der Wirtschaft, ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitnehmern rabiat durchzusetzen, assoziiert wird, steht nun auch <strong>„Wirtschaftskompetenz“ auf der Liste wahlsch&#228;digender Begriffe</strong>. Weil Ludwig Erhards Wort nicht mehr gilt: Denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Besch&#228;ftigten l&#228;ngst nicht mehr gut. Wir sp&#252;ren <em>jobless growth</em>, also Wachstum ohne, schlimmer noch, auf Kosten von „normalen“ Arbeitspl&#228;tzen. „Gute“ Wirtschaftspolitik ist f&#252;r 75 Prozent, die Interessen der Unternehmen mit denen der Besch&#228;ftigten in Einklang zu bringen. Das aber kann die Union nicht mehr garantieren.</p>
<p>Jetzt-sind-wir-dran-Deutsche? Unsere Politik st&#252;tzt die anderen – und denkt an uns zuletzt. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Kreditr&#252;ckzahlung der Griechen, die f&#252;r fast 80 Prozent allein die Schuld an ihrem Finanzfiasko tr&#228;gt. Nur 21 Prozent glauben an eine Beteiligung der Banken an den Schutzschildkosten. Daf&#252;r aber 70 Prozent, dass wir uns nicht mehr so viel wie unsere Eltern leisten k&#246;nnen, vor allem, weil wir unser Geld zu stark zweckentfremden. F&#252;r die gro&#223;e Mehrheit muss Politik im Zeitalter maroder Infrastruktur nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Und da ist nunmehr vor allem die SPD die Partei der B&#252;rgerinteressen. </p>
<p>Die Union ist dabei, ihr wichtigstes Wahlmotiv, ihr „Erhard-Profil“ – eben das der Partei der sozialen Marktwirtschaft – zu verlieren. Gutmensch sind wir gerne, doch nur, wenn wir uns das auch wirklich leisten k&#246;nnen.
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		<title>Brot und Spiele: Der V&#246;lkerball der W&#228;hrungsunion</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 12:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Hütt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der christlich-liberalen Koalition ist mit der Andeutung, Deutschland k&#246;nne die W&#228;hrungsunion verlassen wollen, die Weisheit abhanden gekommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4e38bac58b8941a9ae5e0754369721c8" alt="" width="1" height="1" />Fr&#252;her hie&#223; es &#8220;Brot und Spiele&#8221;. Das war die zynische Maxime einer  Politik, die eine milde Unzufriedenheit als die Voraussetzung daf&#252;r  erkannt hatte, ungest&#246;rt die eigenen Interessen verfolgen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Dann gab es ein paar Jahrtausende sp&#228;ter die teutonische Variante  dieser Politik, die erst unter der Maxime &#8220;Volk ohne Raum&#8221; Europa und  die halbe Welt in Tr&#252;mmer legte und die dann, sechzig Jahre sp&#228;ter,  scheinbar zivilisierter, V&#246;lkerball in der W&#228;hrungsunion spielt. Die  Unterschiede sind bekannt. Die fatalen Folgen der zivileren Variante  gelangen allm&#228;hlich in den Blick.</p>
<p>Wenn der Riese zum eigenen Wohle V&#246;lkerball mit dem schweren  Medizinball spielt, dann kleben der kleine Grieche und irgendwann auch  der engste Verb&#252;ndete zerschmettert an der Turnhallenwand. Die Folgen  sind vorhersehbar. Sie sind fatal auch f&#252;r den teutonischen Riesen.  Keiner will mehr mit ihm spielen. Das war vor 110 Jahren nicht ganz  anders.</p>
<p>Die Metaphern wirken etwas bem&#252;ht, zugegeben. Aber so kann man den  Sachverhalt veranschaulichen, der hinter den Interventionen der klugen  franz&#246;sischen Finanzministerin steckt. &#8211; Manche Pariser Spatzen wollen  wissen, dass sie bald Au&#223;enministerin werde. Man muss sich den Kontrast  zwischen ihr und dem noch amtierenden deutschen Au&#223;enminister vor Augen  f&#252;hren.</p>
<p>Auf die Intervention Mme Lagardes hat der deutsche  Wirtschaftsminister schmallippig einger&#228;umt, dass damit eine seit  l&#228;ngerem gef&#252;hrte Diskussion in europ&#228;ischen Gremien an die  &#214;ffentlichkeit gelange. Weiter keinen Kommentar. Au&#223;er der freundlichen  Empfehlung, sich an Deutschland doch eher ein Beispiel zu <a title="Yves  Smith benutzt Upton Sinclair, um das intellektuelle Defizit zu  veranschaulichen: It is difficult to get a man to understand something  when his salary depends upon his not understanding it. " href="http://www.nakedcapitalism.com/2010/03/martin-wolf-china-germany-commiting-world-to-deflation.html" target="_blank">nehmen</a>.  Auch dieser Staatsmann erweist sich damit als untauglich f&#252;r seinen  Posten.</p>
<p>Warum ist das so? Die Geschichte der Europ&#228;ischen Union k&#246;nnen wir  als Erfolgsgeschichte <a href="http://www.boell.de/internationalepolitik/europatransatlantik/europa-transatlantik-euro-waehrung-krise-stabilitaet-8841.html" target="_blank">lesen</a>. Der Gottseibeiuns und Paria der  V&#246;lkergemeinschaft hat sich zivilisiert eingef&#252;gt in das europ&#228;ische  Miteinander. Im Gegenzug konnte er wachsen, wachsen, wachsen. Um weiter  zu wachsen, hat der europ&#228;ische Staatsmann Helmut Kohl als gelernter  Historiker (und flei&#223;iger Leser der Bibliothek des Deutschen Bundestags)  immer darauf geachtet, einen Weg des Kompromisses und des  Interessensausgleichs zu gehen.</p>
<p>Zugegeben, einmal hat auch Helmut Kohl den Fehler von zu gro&#223;  gewachsenen M&#228;nnern begangen. Damals sprach er zum &#196;rger der  seefahrenden Nation davon, dass nicht das langsamste Schiff dem  Geleitzug das Tempo diktieren d&#252;rfe. Die Eiserne Lady (oder war es schon  John Major?) lie&#223; darauf erwidern, dass der Geleitzug in der maritimen  Metaphorik keine andere Funktion habe, als das langsamste Schiff zu  sch&#252;tzen.</p>
<p>Diese Weisheit ist der christlich-liberalen Koalition abhanden  gekommen. Der Riese greift schon wieder zum schweren Medizinball und  gibt den Rat, dass die indolenten Nachbarn sich gef&#228;lligst  zusammenrei&#223;en sollten, damit sie wieder deutsche Produkte kaufen  k&#246;nnen. Die Bereitschaft dazu geht &#252;ber in den Sturzflug. Der Wink mit  dem Medizinball wirkt nicht mehr.</p>
<p>Der Intervention Mme Lagardes folgte gestern ein scharfsichtiger <a href="http://www.ft.com/cms/s/0/cd01f69e-3134-11df-8e6f-00144feabdc0.html" target="_blank">Leitartikel</a> in der Financial Times. Martin Wolf  setzt China und Deutschland zusammen auf die Anklagebank der  V&#246;lkergemeinschaft. Ex-Exportweltmeister und amtierender  Exportweltmeister &#8211; Wolf fasst sie zusammen als &#8220;Chermany&#8221; &#8211; beg&#228;ngen den  Fehler, volkswirtschaftliche Lektionen nach gusto des eigenen  Wohlergehens zu erteilen. Vulgo: Kauft weiterhin unsere Produkte! H&#246;rt  endlich auf, euch daf&#252;r zu verschulden! Es sei denn die deutschen  Landesbanken (Daseinsvorsorge!!) und die chinesische W&#228;hrungsschatulle  finanzieren den Schuldenberg ihrer Kunden, bis alle zusammen pleite  sind.</p>
<p>Die Andeutungen, die Frau Merkel in ihrer Rede am 17. M&#228;rz im Deutschen  Bundestag machte, setzen dem unsch&#246;nen Spiel die Krone auf. Wer  angenommen h&#228;tte, dass ihre ultima ratio eines Austritts aus der  Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion den &#252;berschuldeten griechischen K&#228;ufer  deutscher Waffen gemeint h&#228;tte, irrt. Die ultima ratio Wolfgang  Sch&#228;ubles, sagt Martin Wolf in der Financial Times, bez&#246;ge sich auf  Deutschland, das zwar weiterhin Mitglied in der EU bleiben wolle, sich  aber eines Tages dazu gezwungen sehen k&#246;nnte, die W&#228;hrungsunion zu  verlassen.</p>
<p>Am Horizont verd&#252;stern sich die Wolken. Der doubledip eines zweiten  Absturzes nach dem September 2008 wird immer wahrscheinlicher. Einer der  gr&#246;&#223;ten Mitspieler in der Ereigniskette, die zu der Krise gef&#252;hrt hat,  mimt die selbstgerechte Unschuld vom Lande.</p>
<p><em>Diesen Beitrag ver&#246;ffentlichte Hans H&#252;tt zuerst in seinem <a href="http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=3507">Rhetorik-Blog</a>. Crosspost mit freundlicher Genehmigung.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=24516&amp;md5=36ffc745db9b0d053f56f02f0c081a27" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Wirtschaftsregierung f&#252;r Europa: Chance der Griechenland-Krise?</title>
		<link>http://carta.info/23502/eine-wirtschaftsregierung-fuer-europa-chance-der-griechenland-krise/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 14:15:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max Conzemius</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Mitgliedstaaten der EU k&#246;nnten jetzt einen zentralen Konstruktionsfehler der Euro-Zone beheben. Die gemeinsame „Wirtschaftsregierung“ war f&#252;r das bislang als unkooperativ geltende Deutschland ein Tabuwort - nun gibt es erste Schritte in diese Richtung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4638d55d6d324a30b60b952fae0e7e88" alt="" width="1" height="1" />Bei seiner <a href="http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/ec/113028.pdf">ersten Rede</a> vor dem Europ&#228;ischen Parlament am 24. Februar hat der neue Ratspr&#228;sident Herman van Rompuy das Ziel der EU bekr&#228;ftigt, eine engere wirtschaftspolitische Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten anzustreben. Anfang des Monats hatte sich Bundeskanzlerin Merkel beim deutsch-franz&#246;sischen Ministerrat in Paris erstmals f&#252;r eine europ&#228;ische Wirtschaftsregierung <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ministerrat-reizwort-endlich-ausgesprochen;2524887">ausgesprochen</a>. Aus deutscher Sicht kam dieses Bekenntnis einem Tabubruch gleich, hatte sich die Bundesregierung bislang doch vehement gegen Vorschl&#228;ge aus Paris gewehrt, der EU in Sachen Wirtschaftskoordinierung mehr Einfluss zu gew&#228;hren.</p>
<p>Die Forderungen nach einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung wurden von deutscher Seite aus stets als Versuch gewertet, die als sakrosankt betrachtete Unabh&#228;ngigkeit der Europ&#228;ischen Zentralbank zu unterlaufen. Seit Einf&#252;hrung des Euro wacht Berlin mit Argusaugen &#252;ber die Geldwertstabilit&#228;t der Gemeinschaftsw&#228;hrung. Frankreich hingegen kritisiert die einseitige Ausrichtung der EZB am Ziel der Preisstabilit&#228;t und die damit einhergehende Vernachl&#228;ssigung wachstums- und besch&#228;ftigungspolitischer Ziele. Es ist nicht zuletzt dieser tiefgreifende deutsch-franz&#246;sische Dissens, welcher die zweifelsohne notwendige wirtschafts- und finanzpolitische Kooperation auf EU-Ebene bis dato behinderte. Nun aber stellt die „<a href="http://www.zeit.de/2010/08/01-EU-Griechenland">griechische Trag&#246;die</a>“ das zentrale (deutsche) Credo der Wirtschafts- und W&#228;hrungsunion in Frage, das besagte, dass der Stabilit&#228;tspakt allein ausreichend sei um die Euro-Zone auf ein sicheres Fundament zu stellen.</p>
<p>Die Wirtschafts- und Finanzkrise k&#246;nnte sich somit als Katalysator f&#252;r die l&#228;ngst &#252;berf&#228;llige Verbesserung der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowohl der Euro-Zone als auch der EU insgesamt erweisen und die W&#228;hrungsunion endlich mit einem politischen Unterbau versorgen. Die verbale Ann&#228;herung von Angela Merkel ist eine unmittelbare Reaktion auf die Solvenzprobleme der so genannten PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien), die mittlerweile zur Zerrei&#223;probe f&#252;r die gesamte Eurozone geworden sind. Insbesondere der Fall Griechenland f&#252;hrt den Europ&#228;ern vor Augen, welche Sprengkraft wirtschaftliche Ungleichgewichte und fiskalpolitische Disparit&#228;ten zwischen den Mitgliedsstaaten in sich bergen.</p>
<p>Die Griechenland-Krise hat die Aufmerksamkeit auf die mangelnden &#220;berwachungs- und Sanktionsmechanismen innerhalb der Euro-Zone gelenkt. Das tiefgreifendere Problem liegt jedoch darin, dass die Mitgliedstaaten es aufgrund von Souver&#228;nit&#228;tsvorbehalten bislang nicht geschafft haben, den Binnenmarkt und die W&#228;hrungsunion mit einer abgestimmten europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik zu begleiten. Die ersten Versuche einer wirtschaftspolitischen Koordinierung aus dem Jahre 2000 sind gescheitert. Die Lissabon-Strategie, welche die EU bis zum Jahre 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt machen sollte, ist aufgrund fehlender Sanktionsmechanismen nahezu wirkungslos verpufft.</p>
<p>Nun bietet die Diskussion um die Wachstumsagenda „<a href="http://ec.europa.eu/eu2020/">Europa 2020</a>“ ein Fenster der Gelegenheit, um im Lichte der Wirtschaftskrise eine Neuausrichtung der europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik vorzunehmen. Die massiven Probleme der PIGS k&#246;nnten in diesem Zusammenhang eine &#228;hnliche Wirkung entfalten wie die Balkan-Kriege Ende der 1990er Jahre, die r&#252;ckblickend das zentrale Moment f&#252;r die Entwicklung einer europ&#228;ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik waren. Erst die Krise konnte die n&#246;tigen Kr&#228;fte freisetzen, um Souver&#228;nit&#228;tsvorbehalte und nationale Egoismen der Mitgliedstaaten zu &#252;berwinden.</p>
<p>Mit dem steigenden Problembewusstsein f&#252;r gemeinsame Herausforderungen schmelzen zuvor f&#252;r un&#252;berbr&#252;ckbar gehaltene Interessengegens&#228;tze dahin und &#246;ffnen den Weg f&#252;r kooperative L&#246;sungen. Die Wirtschaftskrise k&#246;nnte nun analog den Boden bereiten f&#252;r eine grundlegende Neuausrichtung der europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik. Dass die Staats- und Regierungschefs sich zu substanziellen Vertiefungsschritten (im Sinne weiterer Kompetenz&#252;bertragungen an die EU) durchringen k&#246;nnen, ist jedoch unwahrscheinlich. Eher deutet alles darauf hin, dass der Europ&#228;ische Rat unter seinem neuen Pr&#228;sidenten Van Rompuy die Einrichtung einer Wirtschaftsregierung dazu nutzen wird, seine eigenen Kompetenzen zu st&#228;rken und damit die Exekutivlastigkeit der Europapolitik  zu vergr&#246;&#223;ern &#8211; zu Ungunsten von Kommission, Europ&#228;ischem Parlament und nationalen Volksvertretungen.</p>
<p>Die Einrichtung einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung w&#252;rde den schwierigen Balanceakt zwischen einer g&#228;nzlich der Autorit&#228;t der EU unterstellten Binnenmarkt- und Geldpolitik und einer nach wie vor nationalstaatlich organisierten Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik beenden. Dass diese Asymmetrie problematisch ist, wurde von Experten in der Vergangenheit vielfach angemahnt. Deutschland jedoch hat aufgrund seiner hohen Export&#252;bersch&#252;sse und seiner Politik der Lohnzur&#252;ckhaltung von den makro&#246;konomischen Ungleichgewichten in der Union profitiert. Wie kein anderer Mitgliedstaat hat es die Bundesrepublik verstanden, die spezifischen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in der Euro-Zone gezielt zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Die deutsche Wirtschaftspolitik wurde in der Vergangenheit daher vielfach als „<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/unkooperative-wirtschaftspolitik-eu-ratspraesident-van-rompuy-attackiert-bundesregierung;2527368">unkooperativ</a>“ gebrandmarkt &#8211; vor allem von Frankreich, das sein Wirtschaftswachstum vornehmlich durch interne Kaufkraftsteigerung generiert und damit eine gegenteilige Strategie verfolgt.</p>
<p>Will die Kanzlerin ihren Lippenbekenntnissen nun Taten folgen lassen und tats&#228;chlich den Weg hin zu einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung beschreiten, k&#246;nnte dies f&#252;r Deutschland zu einem b&#246;sen Erwachen f&#252;hren. Eine engere wirtschafts- und finanzpolitische Koordinierung auf EU-Ebene wird nur schwer mit dem schon seit l&#228;ngerem in der Kritik stehenden deutschen Sonderweg der Exportorientierung in Einklang zu bringen sein. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Einebnung der makro&#246;konomischen Ungleichgewichte in der Euro-Zone ganz oben auf der Agenda einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung stehen wird.</p>
<p>Dies wird nicht nur die unkooperative Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik unter Druck setzen, sondern auch den Weg ebnen f&#252;r Transferzahlungen an schwache Leistungsbilanzdefizitl&#228;nder. Eine derartige Umverteilung  wird dem deutschen Steuerzahler jedoch nur schwer zu vermitteln sein – dazu ist der europ&#228;ische Solidarit&#228;tsgedanke bei Weitem noch nicht stark genug. Damit w&#228;re die von der Krise bereits stark diskreditierte deutsche Strategie, allein auf den Stabilit&#228;tspakt und die Unabh&#228;ngigkeit der EZB zu vertrauen, Transferzahlungen an schw&#228;chere Staaten auszuschlie&#223;en und sich einseitig auf Exporte zu verlassen, endg&#252;ltig gescheitert.
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		<title>Im Wendekreis des Opels</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 11:33:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die staatlichen Rettungsma&#223;nahmen f&#252;r Opel waren von Anfang an ein Fehler. Staatsb&#252;rgschaften k&#246;nnen keine Arbeitspl&#228;tze dauerhaft retten und verschieben das Problem nur. Jetzt ist die Gelegenheit f&#252;r die neue Bundesregierung, die Fehler der alten Bundesregierung zu korrigieren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hat sich die vorl&#228;ufige Rettung von Opel angesichts der j&#252;ngsten Entwicklungen als Fehler erwiesen? Aus meiner Sicht waren die staatlichen Rettungsma&#223;nahmen von Anfang an ein Fehler. Richtig war die Position des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers, dass eine &#8220;geordnete&#8221; Insolvenz die beste L&#246;sung gewesen w&#228;re. Damit h&#228;tte man einen sauberen Schnitt gemacht.</p>
<p>Es ist eine Illusion zu glauben, man k&#246;nne durch B&#252;rgschaften dauerhaft Arbeitspl&#228;tze sichern. Die &#220;berkapazit&#228;ten am Markt werden aufrecht erhalten, das Problem nur verschoben, nicht aber gel&#246;st. Ob die Verbraucher in Zukunft wieder verst&#228;rkt Opel kaufen w&#252;rden, steht v&#246;llig in den Sternen und l&#228;sst sich nicht verl&#228;sslich prognostizieren. Daher sollte in Sachen Opel jetzt die Kehrtwende vollzogen werden.</p>
<p>Die Bundesregierung hatte zwar urspr&#252;nglich angek&#252;ndigt, dass prinzipiell auch anderen Eignern B&#252;rgschaften zur Verf&#252;gung stehen w&#252;rden, doch sollte diese Position &#8211; so sie denn &#252;berhaupt ernst gemeint war &#8211; noch einmal gr&#252;ndlich &#252;berdacht werden. Die Bundesregierung selbst hat bereits mehrfach &#246;ffentlich kund getan, dass sie nicht an Opel als Teil des GM-Konzerns glaubt. Die Arbeitnehmer sehen das anscheinend genauso. Ob das richtig oder falsch ist, kann eigentlich nur der Markt beurteilen. Wenn aber die Politik selbst nicht an ein &#220;berleben von Opel als Teil von GM glaubt, w&#252;rde sie vollends unglaubw&#252;rdig, wenn auch GM jetzt B&#252;rgschaften erhalten w&#252;rde.</p>
<p>Jetzt ist die Gelegenheit f&#252;r die neue Bundesregierung, die Fehler der alten Bundesregierung zu korrigieren. Der Wahlkampf ist vorbei, jetzt sollte die Vernunft wieder Einzug erhalten und sachlichen Erw&#228;gungen mehr Raum gegeben werden als Emotionen. Der Kopf ist meist ein besserer Ratgeber als der Bauch. Das Opel-Fiasko sollte jetzt beendet werden und die Politik ihre Finger aus der weiteren Unternehmenspolitik heraushalten.
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		<title>Steinmeiers Deutschland-Plan: Die Romantik der alten Erfolgsmodelle</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 15:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frank-Walter Steinmeiers Deutschland-Plan liest sich gut, doch um die wesentlichen Zukunftsfragen macht es einen Bogen. Es bleibt dem Geist des Industriezeitalters verhaftet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bd55b97676eae979aac879116a4889" alt="" width="1" height="1" />Ist <a href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/">Frank-Walter Steinmeier</a> ein Romantiker? Fast m&#246;chte man es glauben, wenn man einerseits sein aktuelles Papier – &#8220;<a href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/meine_ziele/index.html">Die Arbeit von morgen – Politik f&#252;r das n&#228;chste Jahrzehnt</a>&#8220;<strong> –</strong> liest und andererseits im Ohr hat, was <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-20944-2">R&#252;diger Safranski</a> &#252;ber die Romantik geschrieben hat. <strong>Das Romantische</strong> ist demnach eine Geisteshaltung, die ihren Weg auch in die Politik fand und nach Safranski in der Studentenbewegung von 1968 ihren letzten gr&#246;&#223;eren Aufbruch hatte.</p>
<p>Das Steinmeier-Papier formuliert ebenfalls einen Aufbruch. Den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Sehr geschickt entfaltet es beim Lesen eine suggestive Kraft, ist es doch stellenweise wie aus der Zukunft heraus geschrieben, ganz in der Gewissheit, dass im Jahr 2020 Wirklichkeit sein wird, was in dem Papier heute noch als Weg und Ziel formuliert wird.</p>
<p>Inhaltlich geht es vorrangig um <strong>wirtschaftliche Fragen</strong>, den Standort Deutschland, die Bedeutung von Industrie und Dienstleistungen, Zukunftstechologien und nat&#252;rlich auch um die daf&#252;r erforderliche Bildung. Die Gleichberechtigung der Frauen wird ebenso betont wie Klima- und Umweltschutz. Das Papier schlie&#223;t mit Forderungen zu neuen Spielregeln f&#252;r die Finanzm&#228;rkte, mit denen sich die aktuelle Krise nicht wiederholen k&#246;nnen soll.</p>
<p>Insgesamt also ein durchaus rundes Bild von der Zukuft, an dem man kaum direkte Kritik &#252;ben kann. Das Problem liegt vielmehr im Blick auf die Dinge, also der Sichtweise, die in dem Papier eingenommen wird.</p>
<p>Die Zukunft erscheint hier wie eine Fortschreibung der Gegenwart – oder besser noch wie die M&#246;glichkeit einer <strong>Perpetuierung des Erfolgsmodells &#8220;Exportweltmeister Bundesrepublik&#8221;</strong>. Verr&#228;terisch ist etwa der Gebrauch des Wortes &#8220;Exportschlager&#8221;. F&#252;r Frank-Walter Steinmeier lassen sich <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/06/09/klimawandel/">Umwelt- und Klimaprobleme</a> technisch l&#246;sen, daraus Produkte ableiten, die sich weltweit verkaufen lassen, und damit in Deutschland Arbeitspl&#228;tze schaffen. Hier weht er, der Geist der Romantik, der nicht recht sehen will, dass sich der Lauf der Dinge auch ganz anders entwickeln k&#246;nnte.</p>
<p>Die Hoffnung auf den technischen Fortschritt, mittels dessen sich ein Energiewandel vollziehen und damit auch die Klimaproblematik entsch&#228;rfen lassen soll, ist unbedingt mit  Steinmeier zu teilen. Nur muss hier auch die Frage gestellt werden, ob Deutschland auf ewig der <strong>Technologie- und damit auch Marktf&#252;hrer</strong> bleiben kann, wenn im Zuge der <strong>Globalisierung</strong> der Vorsprung auf vielen Gebieten in den letzten 20 Jahren langsam aber stetig abgenommen hat. Insbesondere in Asien holt man derzeit gewaltig auf, China hat bekanntlich hohe Ambitionen und will nicht Exporteur einfacher Billigprodukte bleiben.</p>
<div id="attachment_14312" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=CIE-Q3Ftw98"><img class="size-medium wp-image-14312  " title="YouTube Direktlink: Daf&#252;r k&#228;mpfen wir: Deutschland-Pan" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/dplan-300x199.jpg" alt="dplan" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Deutschland-Plan: &quot;Zukunft als Fortschreibung des Erfolgsmodells Exportweltmeister&quot; (Foto: SPDvision)</p></div>
<p>Fragw&#252;rdig in diesem Kontext ist das Beispiel der <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/03/30/tesla-s-innovationsdilemma/">Automobilindustrie</a>. Frank-Walter Steinmeier sieht Deutschland hier trotz des <strong>Wandels der Antriebstechnologien</strong> (hin zum Elektroauto) in einer unangefochtenen F&#252;hrungsrolle, die es auszubauen und zu f&#246;rdern gelte. So l&#246;blich diese Absichten sind, so sehr muss auch eingestanden werden, dass die Autobauer im Grunde viel zu lange am Konzept des Verbrennungsmotors festgehalten haben. Wenn zudem erst jetzt ein Fraunhofer-Institut f&#252;r Energiespeichertechnik gegr&#252;ndet werden soll (wie der Deutschland-Plan vorschl&#228;gt), zeigt dies vor allem auch, dass wir hier dem Trend hinterherlaufen. Ob das eine verl&#228;ssliche Basis f&#252;r einen Teil der vier Millionen neuen Arbeitpl&#228;tze bildet, die Frank-Walter Steinmeier schaffen will?</p>
<p>Auch am st&#228;ndigen Vergleich Deutschlands mit anderen Regionen dieser Welt zeigt sich, dass in gestrigen und damit tendenziell &#252;berholten Strukturen gedacht wird. So erhellend solche Benchmarks auch sind, so sehr verstellen sie den Blick auf die neuen Realit&#228;ten und M&#246;glichkeiten, die uns mit dem <strong>Internet</strong> erwachsen. An keiner Stelle im Papier taucht etwa die Perspektive auf, Herausforderungen der Zukunft nicht kompetitiv, sondern kollaborativ &#252;ber Netzwerke von firmen- und l&#228;nder&#252;bergreifenden Experten zu l&#246;sen. Die dazu erforderlichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enterprise_2.0">Software-Tools</a> stellt uns das Internet l&#228;ngst bereit und ohne Zweifel werden Menschen weltweit die damit verbundenen Chancen auch nutzen. Wir gehen damit einer neuen Epoche entgegen und Deutschland muss sehr aufpassen, dass es nicht in der <strong>Denkweise des Industriezeitalters</strong> stecken bleibt. Bei Frank-Walter Steinmeier jedenfalls ist nichts vom neuen Geist des &#8220;<a href="http://carta.info/13235/weitersagen-social-media-revolution/">Shift Happens</a>&#8221; zu lesen.</p>
<p>In dem Ma&#223;e, wie das Papier die k&#252;nftige Bedeutung des Internets verkennt, greifen auch seine Empfehlungen f&#252;r den <strong>Bildungsbereich</strong> zu kurz. Stattdessen gibt es viel Symbolpolitik: Das Recht auf einen Platz im Kindergarten ist l&#246;blich, ebenso wie das Recht auf das Nachholen von Bildungsabschl&#252;ssen. Nur ist damit die n&#246;tige Infrastruktur noch nicht geschaffen. Immerhin macht das Papier einen vorsichtigen Schritt hin zu mehr bundespolitischem Einfluss im Bildungssektor. Das ist sehr gut, denn im heute &#252;blichen globalen Ma&#223;stab und Vergleich macht die Bildungshoheit der Bundesl&#228;nder kaum mehr Sinn.</p>
<p>Wirklich romantisch und fast schon eine Spur nostalgisch wird das Papier immer dann, wenn es um <strong>Arbeit und Arbeitspl&#228;tze</strong> geht. Hier darf der Geist der Sozialdemokratie ungehindert wehen und in den Kategorien von Vollbesch&#228;ftigung und klassischen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitspl&#228;tzen schwelgen. Wenig bis gar nicht spricht Frank-Walter Steinmeier vom schleichenden Wandel der Arbeitswelt.</p>
<p>Wo etwa bleibt eine Betrachtung der <a href="http://business.theatlantic.com/2009/08/robots_and_the_future_of_unemployment.php">Robotik</a> und der immer weiter fortschreitenden Automatisierung? Dass die gro&#223;en Fortschritte bei der Produktivit&#228;t zunehmend nicht nur in der Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor zum Abbau von Arbeitspl&#228;tzen f&#252;hren und damit traditionelle Strukturen irreversibel ver&#228;ndern, muss in einem solchen Zukunftspapier thematisiert werden. In diesem Kontext k&#246;nnte man dann auch die Frage nach einem<strong> B&#252;rgergeld</strong> oder <strong>bedingungslosen Grundeinkommen</strong> abhandeln. Statt dessen bleibt das Papier hier auf dem Stand der 1990er Jahre stehen und schl&#228;gt einen weiten Bogen um umbequeme Fragen und Tatsachen.</p>
<p>Eines ist damit sicher: So wie Frank-Walter Steinmeier die Arbeit von morgen skizziert, wird sie uns nicht entgegen treten, gleich wie die <a href="http://carta.info/13942/ausweitung-des-zuspitzungswahlkampfs-spd-cdu-merkel-steinmeier/">Bundestagswahl</a> ausgehen mag. Im Jahr 2020 wird die Welt anders aussehen. Deutschland wird nicht mehr der Exportweltmeister sein, weil Maschinen, Gro&#223;anlagen und Fahrzeuge auf hohem Niveau in vielen L&#228;ndern hergestellt werden, ebenso wie Umwelttechnik. F&#252;hrend k&#246;nnte Deutschland dagegen bei den sozialen Standards, dem Grundeinkommen und sozialer Partizipation sein. Daf&#252;r aber brauchen wir eine andere, weniger romantische Vision und auch ein anderes Deutschland-Papier, leider.
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		<title>Regierungskoalition im „totalen Krieg“ mit Altautos!</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 15:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern abend gegen 20.00 Uhr hat der Deutsche Bundestag die Abwrackpr&#228;mie auf 5,7 Milliarden Euro erh&#246;ht. Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen setzt die Gro&#223;e Koalition ihre inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/837f2a26b429aab5e4bd3c31f1c56b" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen f&#252;r den Industriestandort Deutschland haben sich seit 2005 sp&#252;rbar verschlechtert. Insbesondere der deutsche Automobilsektor ist von der seit Anfang 2007 geltenden, um drei Prozentpunkte erh&#246;hten Umsatzsteuer erheblich betroffen. Dies verteuert nicht nur die Anschaffung von privaten Neu- und Gebrauchtwagen, sondern ebenso Reparaturen, Fahrzeugaufwertungen und Betriebsmittel wie Benzin und Diesel. Der <strong>Besitz und Betrieb eines privaten Kraftfahrzeugs</strong> ist dadurch erheblich <strong>unattraktiver geworden</strong>. Mit der aktionistischen Biokraftstoffpolitik der Bundesregierung wurden Verbraucher zus&#228;tzlich verunsichert. Das Teilsegment &#8220;Lastkraftwagen&#8221; ist in Deutschland nicht zu letzt durch die Erh&#246;hung der Maut negativ betroffen. Der Absatz von Bussen ist ohnehin in erheblichem Umfang durch die &#246;ffentliche Beschaffungsnachfrage gepr&#228;gt, die scheinbar ausbauf&#228;hig ist. Die Politik der Gro&#223;en Koalition hat somit, wenn nicht bei der Entstehung, so doch bei der Auspr&#228;gung der gegenw&#228;rtigen Branchenkrise erheblich beigetragen.</p>
<p>Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger <strong>Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen</strong>, setzt die Bundesregierung einseitig auf kurzfristigen Aktionismus. Mit der diesbez&#252;glich eingef&#252;hrten und am 28. Mai des Jahres ausgeweiteten Abwrackpr&#228;mie werden die Ursachen der gegenw&#228;rtigen Krise nicht angegangen. Durch die Abwrackpr&#228;mie wird vielmehr ein <strong>staatlicher Anreiz zur Vernichtung volkswirtschaftlichen Verm&#246;gens</strong> gesetzt. Die hierf&#252;r bereitgestellten Mittel sind von bislang 1,5 Milliarden Euro auf nun 5,7 Milliarden Euro einschlie&#223;lich Zinsausgaben aufgestockt worden. Bis zu zwei Millionen funktionst&#252;chtige Automobile lassen sich durch diese staatliche Ma&#223;nahme vernichten. Bislang sind etwa 1,4 Millionen Antr&#228;ge gestellt worden.</p>
<p>&#214;konomisch unsinnig und &#246;kologisch fragw&#252;rdig setzt die Gro&#223;e Koalition ihre <strong>inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik</strong> fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen:</p>
<ul>
<li>Sie begr&#252;ndet erhebliche <strong>Wettbewerbsverzerrungen</strong> innerhalb des Automobilsektors und zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren. Die bislang verf&#252;gbaren Antragsstatistiken verdeutlichen erhebliche Marktanteilsverschiebungen zu Gunsten wertsch&#246;pfungsflacher Kleinwagenhersteller und zu Lasten wertsch&#246;pfungstiefer Premiumhersteller. Auch zwischen verschiedenen Sektoren kommt es zu sp&#252;rbaren Verzerrungen. Die Anschaffung hochwertiger, langlebiger Konsumg&#252;ter wird oftmals zur&#252;ckgestellt, um staatlich subventionierte Automobilanschaffungen vorzuziehen. Durch diese Substitutionseffekte wird die Wirtschaftskrise f&#252;r andere Wirtschaftssektoren noch versch&#228;rft. Die Bundesregierung spielt somit verschiedene Berufsgruppen gegeneinander aus.</li>
</ul>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche <strong>Vorzieheffekte</strong>, wodurch perspektivisch Nachfrageausf&#228;lle im Binnenmarkt nach der Bundestagswahl erwartbar sind. Die dann notwendigen Anpassungsma&#223;nahmen bei Herstellern, H&#228;ndlern und Werkst&#228;tten werden die Unternehmen langfristig belasten. Von einer &#8220;Br&#252;ckenfunktion&#8221; der Abwrackpr&#228;mie kann schon deshalb nicht ausgegangen werden, weil wichtige Exportl&#228;nder bereits eigene konjunkturelle Programme zum Abverkauf von Automobilen aufgelegt haben. So beispielsweise: England (seit April 2.000 Pfund Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 10 Jahre altes Auto), Frankreich (seit Ende 2008 1.000 Euro Abwrackpr&#228;mie), Japan (1.900 Euro Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 13 Jahre altes Auto), Indien (Senkung der Mehrwertsteuer), Russland (staatliche Kredite f&#252;r den Fahrzeugkauf bis 8.000 Euro).</li>
</ul>
<div id="attachment_10040" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81.jpg"><img class="size-medium wp-image-10040" title="3386538183_5a42d22ac81" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81-300x193.jpg" alt="xxxxx" width="300" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p></div>
<p>Der dringend notwendige <strong>Strukturwandel wird gebremst</strong> und dadurch die <strong>nachhaltige Sicherung wettbewerbsf&#228;higer Arbeitspl&#228;tze verhindert</strong>. Vor allem f&#252;r freie, mittelst&#228;ndische KfZ-Werkst&#228;tten sind massive Auftragsr&#252;ckg&#228;nge in den kommenden Jahren prognostiziert.</p>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche Mitnahmeeffekte, welche die Wirkung des Instruments einschr&#228;nken und den Haushalt mit bis zu 2,6 Milliarden Euro netto belasten. Dies geht aus Berechnungen des renommierten Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor, wonach bei etwa 75 Prozent aller abwrackpr&#228;miengest&#252;tzten Fahrzeugk&#228;ufen derartige <strong>Steuergeldverschwendungen</strong> eintreten. Konjunkturwirksame Multiplikator- und Acceleratoreffekte w&#252;rden sich durch nachhaltige Investitionen in Infrastrukturen sowie eine St&#228;rkung des Wissenschaftsstandorts ergeben.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie sch&#228;digt den Sekund&#228;rmarkt f&#252;r Fahrzeuge mit Betriebszeiten zwischen zwei und acht Jahren. Die <strong>Binnennachfrage nach Gebrauchtwagen</strong> wird durch die Abwrackpr&#228;mie <strong>k&#252;nstlich gesenkt</strong>, was in Teilbereichen zu sinkenden Verkehrswerten f&#252;hrt. Dieser Verfall der Restwerte kann kurzfristig die Finanz- und Ertragslage von Leasing-Gesellschaften erheblich eintr&#252;ben und mittelfristig zu insgesamt h&#246;heren Leasingraten bei Neuwagen f&#252;hren.</li>
</ul>
<p>Letztlich geht mit diesem Verkehrswertverfall ein <strong>Verm&#246;gensschaden f&#252;r den &#252;berwiegenden Teil von Fahrzeughaltern</strong> einher. Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p>
<ul>
<li>Sie weist auch weiterhin ein erhebliches <strong>Missbrauchspotential zur Erschleichung dieser staatlichen Subventionen</strong> auf. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Antragsteller einen Neuwagen erwirbt, ihn zul&#228;sst und die Abwrackpr&#228;mie beantragt, ihn anschlie&#223;end dem H&#228;ndler wieder ver&#228;u&#223;ert und letztlich als Gebrauchtwagen erneut kauft.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie birgt Gefahren f&#252;r Geringverdiener, denn sie kann zu unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Erwerbungen verf&#252;hren. Die staatlichen Subventionen k&#246;nnen die Verbrauchersouver&#228;nit&#228;t dadurch eintr&#252;ben, dass rationale Abw&#228;gungen unterminiert werden. Die gegebenenfalls &#252;ber Ratenzahlungen erfolgte Anschaffung zieht erhebliche Folgekosten beim Betrieb von Fahrzeugen nach sich. Die <strong>Gefahr steigender Privatinsolvenzen</strong> kann nicht ausgeschlossen werden.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht den umweltpolitischen Zielsetzungen der Bundesrepublik entgegen</strong>. Der technische Fortschritt im Automobilsektor hat sich in den letzten Jahren tendenziell weniger in reduziertem Treibstoffverbrauch niedergeschlagen, als vielmehr in besserer Ausstattung und entsprechend h&#246;herem Gewicht. Zudem wird die Umwelt auch durch die Produktion der neu verkauften Fahrzeuge belastet. F&#252;r die Umwelt kommt daher nichts dabei heraus.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht der entwicklungspolitisch gebotenen Intensivierung des internationalen Handels zwischen Industrie- und Schwellenl&#228;ndern entgegen</strong>. Nach Berechnungen des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts CESifo wurden 2006 mehr als 500.000 funktionst&#252;chtige Gebrauchtwagen nach Afrika, Osteuropa und Zentralasien ausgef&#252;hrt und dadurch rund sechs Milliarden Euro Handelserl&#246;se erwirtschaftet. Mit der Abwrackpr&#228;mie sollen nun 5,7 Milliarden Euro daf&#252;r ausgeben, einen Teil dieser Exporterl&#246;se zu vernichten und die Automobile stattdessen zu verschrotten.</li>
</ul>
<p>Nicht nur Importeure und Logistiker sind durch diesen <strong>staatlich verursachten Angebotsr&#252;ckgang</strong> negativ betroffen. Der Zugang zu sicheren und leistungsf&#228;higen Gebrauchtwagen als Grundlage f&#252;r die private und gewerbliche Lebensf&#252;hrung in Entwicklungs- und Transformationsl&#228;ndern wird k&#252;nstlich erschwert. Dies sch&#228;digt die langfristige wirtschaftliche Entwicklung dieser L&#228;nder.</p>
<p>Da au&#223;erdem bei der Ausfuhr die Eigentumsverh&#228;ltnisse an einem Fahrzeug durch die Zollverwaltung entsprechend dem europ&#228;ischen Zollrecht nicht kontrolliert werden, wird durch die Politik der Bundesregierung ein Anreiz geschaffen, vorgeblich abgewrackte Fahrzeuge ohne das geringste Risiko illegal zu exportieren. Dadurch wird der Wettbewerb im Gebrauchtfahrzeugmarkt weiter verzerrt. Rechtstreue Exporteure haben im Preiswettbewerb mit ihren Konkurrenten das Nachsehen.</p>
<ul>
<li>Sie f&#252;hrt daher zur <strong>Verschwendung von Steuermitteln oder staatlichem Verm&#246;gen</strong>, gef&#228;hrdet dadurch die sozialpolitisch gebotene R&#252;ckf&#252;hrung der Steuer- und Abgabenlast, erschwert eine generationengerechte Haushaltskonsolidierung, engt den Spielraum f&#252;r Zukunftsinvestitionen ein und erodiert letztlich das Vertrauen der B&#252;rger in die freiheitlich-soziale Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik.</li>
</ul>
<p>Mit der Abwrackpr&#228;mie f&#252;hrt die Bundesregierung einen „totalen Krieg“ gegen Altfahrzeuge. Anders l&#228;sst sich dieses staatliche Vernichtungsinstrument jedenfalls kaum mehr erkl&#228;ren. Der einzige Trost, der f&#252;r den Steuerzahler noch bleibt ist, dass mehr Autos von Opel verschrottet als neu gekauft werden. Bislang entfallen etwa 20 Prozent aller abgewrackten Automobile auf Opel, w&#228;hrend der Anteil bei den Erwerbungen nur bei rund elf Prozent liegt. Mein Votum w&#228;re daher, die Abwrackpr&#228;mie einfach so lange auszuweiten, bis kein Opel mehr auf deutschen Stra&#223;en unterwegs ist. Dies w&#228;re wahrlich eine „aktive Sterbehilfe“ f&#252;r ein wohl langfristig nicht rettbares Unternehmen.</p>
<div class="box">Lesen Sie zu diesem Thema auch den Text <a href="http://carta.info/6010/adam-opel-gmbh-sterbehilfe-statt-palliativmedizin/">&#8220;Adam Opel: Lieber Sterbehilfe statt Palliativmedizin&#8221;</a> von Steffen Rutter.</div>
<p><em>Disclaimer: Die hier angegebenen Ausf&#252;hrungen stellen die private Meinung von Steffen Rutter dar und stehen in keinem Bezug zu seiner beruflichen T&#228;tigkeit.</em></p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>Was wir von der Abwrackpr&#228;mie haben: Nichts als Schulden</title>
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		<comments>http://carta.info/7793/was-wir-von-der-abwrackpraemie-haben-nichts-als-schulden/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 19:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute hat die Bundesregierung beschlossen, weitere 3,5 Milliarden Euro Steuergelder sinnlos zu verpulvern: Es geht um die Abwrackpr&#228;mie, ein in Ausma&#223; und Fragw&#252;rdigkeit vielleicht einmaliges Ausgabenprogramm, das nun eine H&#246;he von bis zu 5 Milliarden Euro erreicht: Mehr als 60 Euro pro Steuerzahler – einfach mal abgezogen, heruntergesp&#252;lt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5b65865dd0f7794e582b533634f270" alt="" width="1" height="1" /><br />
Ich habe mich schon am Montag in der <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/gastbeitraege/abwrackpraemie-ist-unsinnig-und-fragwuerdig;2228481" target="_blank">Online-Ausgabe des Handelsblattes</a> dazu klar ge&#228;u&#223;ert, will an dieser Stelle aber noch einiges erg&#228;nzen. Um es ganz klar zu sagen: Die Abwrackpr&#228;mie ist &#246;konomisch unsinnig und &#246;kologisch fragw&#252;rdig. Funktionierende PKWs werden verschrottet und Ressourcen daf&#252;r ver(sch)wendet, neue Autos zu bauen, die man eigentlich noch nicht br&#228;uchte.</p>
<p>Auch die Behauptung, dass neue Autos schadstoff&#228;rmer sind als Neuwagen, ist oft nicht richtig. Ganz im Gegenteil sind &#228;ltere PKWs oftmals leichter und damit CO<sub>2</sub>-sparender: Ein &#228;lterer Golf 3 wiegt viel weniger als ein heutiger Golf 5. Heute geh&#246;rt die Klimaanlage oftmals zur Serienausstattung, und die Autos sind einfach gr&#246;&#223;er als fr&#252;her. Der technische Fortschritt schl&#228;gt sich nicht in reduziertem Spritverbrauch nieder, sondern in besserer Ausstattung und h&#246;herem Gewicht. Zudem wird die Umwelt auch durch die Produktion der neu verkauften PKWs belastet. F&#252;r die Umwelt kommt daher nichts dabei heraus. Daher hat sich auch der Bund f&#252;r Umwelt und Naturschutz heute kritisch zu dem Programm ge&#228;u&#223;ert und die sofortige Einstellung der Abwrackpr&#228;mie gefordert.</p>
<p><strong>Die Wegwerfgesellschaft wird zum gesellschaftspolitischen Ideal erhoben</strong><em>.</em> Statt Umweltpr&#228;mie h&#228;tte man auch den Namen Kulturpr&#228;mie oder Solidarit&#228;tspr&#228;mie nehmen k&#246;nnen – das hat mit der Verschrottung funktionsf&#228;higer Autos genauso wenig zu tun wie der Umweltschutz, w&#228;re aber weniger Augenwischerei gewesen – nichts Anderes ist der Name Umweltpr&#228;mie.</p>
<p>Man muss kein gro&#223;er &#214;konom sein, um zu erkennen, dass es nicht sinnvoll sein kann, das Vernichten von Wertgegenst&#228;nden (denn das sind funktionsf&#228;hige PKWs ja) zu belohnen. Vielleicht kommt auch noch jemand auf die Idee, den autonomen Zellen (oder wer auch immer in Berlin seit einiger Zeit PKWs anz&#252;ndet), eine Abfackelpr&#228;mie zu zahlen, als Belohnung f&#252;r das Anschieben der Konjunktur. Das k&#228;me doch zum 1. Mai gerade recht (ok, etwas polemisch, zugegeben).</p>
<p>&#214;konomisch ist die Abwrackpr&#228;mie jedoch auch ohne die obige Polemik unsinnig. Erstens werden zwar heute K&#228;ufe von Neu- und Jahreswagen vorgezogen, diese <strong>Nachfrage wird jedoch in der Zukunft entfallen</strong>. In zwei bis drei Jahren wird die Nachfrage dementsprechend zur&#252;ckgehen, die Gesamtnachfrage nach Autos &#252;ber einen 5-Jahreszeitraum wird sich kaum ver&#228;ndern. <em>Mehr</em> Autos werden sich die Verbraucher wegen der Abwrackpr&#228;mie kaum zulegen. Es wird lediglich ein Strohfeuer entfacht und nichts wirklich Nachhaltiges geschaffen. Letzteres w&#228;re z.B. durch Investitionen in Infrastruktur und Bildung m&#246;glich. (Zum Vergleich: Die so genannte Exzellenzinitiative von Bund und L&#228;ndern zur F&#246;rderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen hat f&#252;r den Zeitraum von 2007 bis 2011 ein Volumen von 1,9 Mrd. Euro).</p>
<p>Zweitens profitieren, wenn &#252;berhaupt, vor allem ausl&#228;ndische Hersteller von dieser Subvention der deutschen Steuerzahler. Ein <strong>Gro&#223;teil der nachgefragten Kleinwagen wird au&#223;erhalb von Deutschland produziert</strong>. Audi, Mercedes und BMW und deren Arbeitnehmer und Zulieferer haben so gut wie nichts davon. Im Gegenteil sie werden sogar eher darunter leiden. Warum? Durch die momentane Nachfrageverschiebung hin zu kleinen Neuwagen und Jahreswagen, weg von &#228;lteren Gebrauchtwagen (deren Angebot nahezu unver&#228;ndert ist), sinkt der Marktwert dieser Wagen, d.h. Gebrauchtwagen erleben einen Wertverfall. Das hei&#223;t, wer heute einen Gebrauchtwagen verkaufen will, der zwischen zwei und acht Jahre alt ist, zahlt durch den Wertverfall jetzt schon indirekt f&#252;r die Abwrackpr&#228;mie.</p>
<p>Drittens wird mit der Pr&#228;mie der <strong>Strukturwandel bei den Autoh&#228;ndlern behindert</strong>, welche momentan prim&#228;r von der Pr&#228;mie profitieren. Hingegen verlieren KfZ-Werkst&#228;tten durch das Abwracken alter Autos einen Teil ihrer Kundschaft. Diese unbeabsichtigten Nebenwirkungen sind weitere Kosten der Abwrackpr&#228;mie. Weitere Nebenwirkungen hat die <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/zu-viel-schrott/" target="_blank">taz</a> heute beschrieben.</p>
<p>Ja, aber soll man den Opel einfach vor die Wand fahren lassen, wurde ich heute auf Radio Eins gefragt. Nat&#252;rlich ist der m&#246;gliche Bankrott von Opel ein soziales Problem, keine Frage. Aber: Durch die Abwrackpr&#228;mie wird Opel doch gar nicht gerettet! Die Pleite wird bestenfalls hinausgez&#246;gert – wenn der <strong>Nachfrageeinbruch nach Auslaufen der Abwrackpr&#228;mie</strong> kommt, trifft es die Automobilhersteller doch umso h&#228;rter. Und selbst, wenn die Pr&#228;mie nicht ausliefe, k&#228;me der Nachfrageeinbruch, wenn der Gro&#223;teil des Bestandes an abwrackf&#228;higen Autos verschrottet worden ist.</p>
<p>Insgesamt gesehen ist mit der Abwrackpr&#228;mie ein <strong>Milliardenprogramm zur Finanzierung von &#246;kologischem und &#246;konomischem Unfug</strong> aufgelegt worden. Der deutsche Steuerzahler kurbelt tempor&#228;r die Autoproduktion in Ost-Europa an, bezahlt f&#252;r die Vernichtung funktionsf&#228;higer Autos und finanziert den Wahlkampf der Regierungsparteien, welche diesen Unfug als Erfolg verkaufen. Was der Steuerzahler davon hat: Nichts als jede Menge Schulden. Es ist eigentlich v&#246;llig unglaublich, wie hier Schulden gemacht werden, um ein Programm zu finanzieren, dessen haupts&#228;chlicher Effekt darin besteht, Wertgegenst&#228;nde zu vernichten.</p>
<div class="box">Das schreiben die Anderen &#252;ber die Abwrackpr&#228;mie:</p>
<p>&#8220;Pech f&#252;r den, der Steuern zahlt und ein Auto j&#252;ngeren Datums f&#228;hrt. Die Abwrackpr&#228;mie ist ein bedenkenloses Gesch&#228;ft zu Lasten Dritter.&#8221; (<a href="http://www.sueddeutsche.de/556387/713/2839253/Die-abgewrackte-Koalition.html">S&#252;ddeutsche</a>)</p>
<p>&#8220;Es gab also schon immer eine staatliche F&#246;rderung unserer Premiumhersteller. Ihren deutschen Absatz subventionierte der Staat mit seiner allerdings so nicht titulierten Neuanschaffungspr&#228;mie. Das wird auch so bleiben &#8211; au&#223;er wenn unsere &#196;rzte auf den FIAT Panda umsteigen sollten.&#8221; (<a href="http://www.weissgarnix.de/?p=1947">Weissgarnix</a>)</p>
<p>&#8220;F&#252;r jede einzelne Hilfe finden sich Gr&#252;nde, unter denen auch gute sind. Doch wird mit jeder weiteren Subvention das staatliche Netz um den B&#252;rger enger gezogen und seine Abh&#228;ngigkeit von den &#8216;Transferzahlungen&#8217; vergr&#246;&#223;ert.&#8221; (<a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E578F45414E3A405BB385D13AE5A09CA8~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a>)</p>
<p>&#8220;Die Leute werden mit &#246;ffentlichen Mitteln zum Ausgeben animiert (na sch&#246;n), aber einseitig und damit absehbar zulasten von anderen G&#252;tern oder Dienstleistungen, f&#252;r die bald Geld fehlen d&#252;rfte.&#8221; (<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/kommentare/1715481_Abwrackpraemie-wird-verlaengert-Wie-es-dem-Volk-gefaellt.html">Frankfurter Rundschau</a>)</div>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7793&amp;md5=568e8036cd03715cb70408764001f259" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>&#8220;Schirme f&#252;r alle&#8221;: die Inszenierung von Geborgenheit</title>
		<link>http://carta.info/3412/schirm-gegen-globalisierung/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 12:26:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Politik verteilt derzeit eifrig "Rettungsschirme": Das Problem ist nur: Die Geborgenheit, die wir unter all den Schirmen finden sollen – es gibt sie nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/100de7ecefbc41d36545cd501217ae" alt="" width="1" height="1" />Es gibt sie noch, die guten Nachrichten – zum Beispiel aus der Schirmindustrie. Die kann sich derzeit vor Auftr&#228;gen nicht retten: Zuerst wurde ein Riesenschirm an den Bundesfinanzminister ausgeliefert, damit dieser ihn &#252;ber den Banken aufspannen konnte. Kurz darauf hatten auch die Automobilindustrie und ihre Zulieferer es eilig, „unter den Schirm zu gehen“. Aus dem Kanzleramt drang am dritten Adventssonntag die frohe Kunde, &#252;ber den Besch&#228;ftigten in den Dax 30-Unternehmen werde ein „Schirm f&#252;r Arbeitspl&#228;tze“ ge&#246;ffnet. Derweil fordert CSU-General zu Guttenberg einen „Schutzschirm f&#252;r den Mittelstand“. Und als h&#228;tten die Schirmfabriken in diesem Land nicht schon genug zu tun, wird nun an einer Art <strong>Beschwichtigungsschirm f&#252;r die alten Bundesl&#228;nder</strong> gearbeitet, frei nach dem Motto: Jetzt seid Ihr erst mal an der Reihe mit Infrastrukturinvestitionen. Die neuen L&#228;nder sind schlie&#223;lich zwanzig Jahre mit Subventionen vollgepumpt worden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein wenig glaubt man sich bei so viel Beschirmung in jene „<strong>Zeit der Geborgenheit</strong>“ versetzt, die der 1993 verstorbene US-Autor Wallace Stegner in seinem soeben in deutscher Sprache erschienenen gleichnamigen Roman beschreibt. Stegner schildert das unverhoffte Eintauchen eines bedauernswert mittellosen Paares in die beg&#252;terte Welt der amerikanischen Ostk&#252;stenaristokratie: „Gew&#246;hnt an Entbehrungen und heruntergeschraubte Erwartungen, waren wir Erfrierende, die endlich ins Warme und Trockene gelangten“, l&#228;sst Stegner einen seiner Protagonisten sagen. „Warm und trocken“ soll es auch bei uns zugehen – das scheint derzeit das wichtigste Ziel der deutschen Politik zu sein.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Problem ist nur:<strong> Die Geborgenheit, die wir unter all den Schirmen finden sollen – es gibt sie nicht</strong>. Der Staat kann noch so viel Geld ausgeben, Schulden aufnehmen, Investitionen vorziehen – er wird den globalen Wettbewerbsdruck, dem Deutschland ausgesetzt ist, nicht aufhalten k&#246;nnen. Dieser Druck, der mindestens so sehr die Ursache f&#252;r die Probleme bei Daimler, BASF oder Quimonda ist wie die (teils auch als willkommenes Alibi bem&#252;hte) Finanzkrise, wird in den n&#228;chsten Jahren eher noch zunehmen. Machen wir uns nichts vor: Die derzeitigen Schluckbeschwerden der Chinesen, Inder oder Brasilianer &#228;ndern rein gar nichts daran, dass diese L&#228;nder den traditionellen Industriestaaten gegen&#252;ber eine <strong>Vielzahl komparativer Vorteile</strong> aufweisen. Der<strong> Tata Nano</strong>, das billigste Auto der Welt, wird nach den dortigen lokalen Protesten zwar nicht im indischen West-Bengalen gebaut werden. Trotzdem wird dieses Auto in absehbarer Zeit auf Deutschlands Stra&#223;en zu sehen sein. Und auf immer mehr Desktop Computern in unseren B&#252;ros wird demn&#228;chst „Lenovo“ stehen – Markteroberung <em>à la chinoise, </em>gegen die kein Schutzschirm gewachsen ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die neue Debatte, die wir in Deutschland und Europa werden f&#252;hren m&#252;ssen, ist insofern die alte: Es geht, wie <em>Charlemagne</em> im „Economist“ treffend analysiert, um die Frage, wie wir es mit der Globalisierung halten. <strong>Nehmen wir sie an, als Herausforderung – oder meinen wir, uns durch immer mehr Schirme vor ihr sch&#252;tzen zu m&#252;ssen und zu k&#246;nnen?</strong> Der politische Mainstream in Deutschland geht erkennbar dahin, die Globalisierung „gestalten“, sprich: sie eind&#228;mmen, einhegen, z&#228;hmen zu wollen. Mindestl&#246;hne sind ebenso ein Ausfluss <strong>tiefsitzender Globalisierungsskepsis</strong> wie die unl&#228;ngst beschlossenen Schutzvorkehrungen gegen ausl&#228;ndische Investoren. Und f&#252;r eine erfolgreiche Reaktivierung der Doha-Runde h&#246;rt man in Berlin derzeit auch niemanden mehr streiten – man k&#246;nnte ja als Globalisierungsbef&#252;rworter enttarnt werden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zu den Wenigen, die sich dieser gef&#228;hrlichen <strong>Tendenz zur Renationalisierung</strong> in den Weg stellen, z&#228;hlt Henkel-Chef Kasper Rorsted: Der D&#228;ne r&#228;umte zwar unl&#228;ngst in der FAZ ein, dass die Globalisierung sich „auch der Kritik stellen“ m&#252;sse. So gebe es immer wieder Unternehmen, denen Kinderarbeit, Lohndumping, Bestechung oder Umweltverschmutzung nachgewiesen werden k&#246;nne. Gleichwohl ist laut Rorsted unbestritten, dass die Globalisierung den Wohlstand mehre. Auch der deutliche Abbau der Arbeitslosigkeit in den vergangenen drei Jahren sei vor allem der engen Einbindung Deutschlands in die Weltwirtschaft zu verdanken.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Rorsted zufolge bietet die Globalisierung „Chancen f&#252;r alle“. Wir in Deutschland produzieren derzeit <strong>„Schirme f&#252;r alle“ </strong>(und alles) &#8211; Schirme, von denen wir meinen, sie machten dieses Land „wetterfest“. Dabei sollte gerade der Bundesau&#223;en(!)minister, von dem diese Formel stammt, besser als jeder andere wissen: <strong>Nur die beherzte &#214;ffnung unseres Landes, seiner Systeme und M&#228;rkte f&#252;r den internationalen Wettbewerb schafft wenigstens die Aussicht auf neue Wachstumspfade</strong>. Wer sich hingegen vor dem Kaminfeuer einhaust, dem k&#246;nnte es – horribile dictu – so gehen wie den Helden in Wallace Stegners erw&#228;hntem Roman: Zwei von ihnen werden schwer krank, der dritte versagt in seinem Beruf, w&#228;hrend der vierte, in den Worten einer Rezensentin, „an der Leine seiner Frau verharrt, anstatt sich als Dichter zu versuchen“. Geborgenheit ist ein hohes Gut. Aber unter Schirmen kann man auch austrocknen.</p>
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