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	<title>CARTA &#187; Wirtschaftskrise</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die geheime Strategie von Schwarz-Gelb: Aufschwung</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 12:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angela Merkel und ihre Koalition setzen auf das Prinzip Hoffnung. Das scheint klug, es ist auf jeden Fall besser, als auf die eigenen Leistungen und die Einsicht der W&#228;hler zu setzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8f13cf2ad6454f9b939217f71222b56a" alt="" width="1" height="1" />Seit Wochen r&#228;tseln die Berliner Auguren, wie Schwarz-Gelb aus  der Krise kommen will, nachdem bisher aus jedem Neustart ein neuer  Fehlstart wurde. Schaffen die K.o.alition&#228;re die Wende oder d&#252;mpeln sie  die n&#228;chsten drei Jahre ihrer Abwahl entgegen? Wieso beh&#228;lt Angela  Merkel ihre stoische Ruhe (<a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Merkel-laechelt-die-Krise-weg_aid_884798.html">“Mir macht’s Spa&#223;”</a>), obwohl Schwarz-Gelb von  einem Umfragetief ins n&#228;chste f&#228;llt? Gibt es einen geheimen Plan, der  noch alles wenden kann?</p>
<p><a href="http://www.focus.de/magazin/"><img class="alignright size-full wp-image-31178" title="focus" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/focus.jpg" alt="" width="135" height="167" /></a>Rainer Br&#252;derle, die alte Plaudertasche, hat das Geheimnis  jetzt verraten – und das fast un&#252;bersehbar: er posiert auf dem neuen <a href="http://www.focus.de/magazin/"><em>Focus</em>-Titel</a> mit dicker Zigarre und Ludwig-Erhard-Bibel (“Wohlstand f&#252;r  alle”) und verk&#252;ndet: Ja, der Aufschwung ist da. Ganz so, als habe er  ihn selbst erfunden.</p>
<p>Damit ist die geheime Strategie von Schwarz-Gelb vorzeitig enth&#252;llt  worden: Angela Merkel und ihre Mannen setzen auf das Prinzip Hoffnung.  Das scheint klug, es ist auf jeden Fall besser, als auf die eigenen  Leistungen zu setzen. Denn die kommen beim Publikum gar nicht an:</p>
<p>Die  W&#228;hler wollen einfach nicht einsehen, wie wichtig die  Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hotels war, wie gerecht ein Sparpaket ist,  dass Hartz-IV-Empf&#228;nger belastet, aber Besserverdienende schont, und was f&#252;r eine innovative Gesundheitsreform die Erh&#246;hung der  Krankenkassenbeitr&#228;ge ist.</p>
<p>Deshalb also jetzt der Aufschwung. Er soll nicht nur Deutschland  flottmachen, sondern auch die schwarz-gelbe Karre aus dem Dreck ziehen.  Die Hoffnung: Jeder neue Auftrag aus Rotchina ist eine Stimme f&#252;r die  Gelben, jeder Arbeitslose weniger eine Stimme f&#252;r die Schwarzen.  Sp&#228;testens im Fr&#252;hjahr 2011, zu Beginn des neuen Superwahljahres mit  sechs Landtagswahlen, wird die frohe Botschaft von jedem Plakat  verk&#252;ndet werden: Der Aufschwung ist da. Danke, Angela Merkel. Und dann,  so Teil 2 der geheimen Strategie, wird daraus ein selbstragender  Aufschwung auch f&#252;r 2013.</p>
<p>Dabei scheint es fast nebens&#228;chlich, dass die jetzige Bundesregierung  weder f&#252;r den Aufschwung noch f&#252;r die niedrigeren  Arbeitslosenzahlen etwas kann. Den Aufschwung verdankt Deutschland dem  Export, dem Importhunger asiatischer L&#228;nder, und den  Konjunktur-Programmen der gro&#223;en Koalition. Die niedrigere  Arbeitslosenzahl der Kurzarbeiteregelung des ehemaligen  SPD-Arbeitsministers Olaf Scholz und der demographischen Entwicklung.  Und schon gar nicht Rainer Br&#252;derle.</p>
<p>Pech w&#228;re es f&#252;r Schwarz-Gelb, wenn die W&#228;hler weiter so uneinsichtig  und verstockt blieben. Und das Sparpaket zum Beispiel weiter f&#252;r sozial  unausgewogen halten, den Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht wollen,  Sparen im Gesundheitssystem besser finden als Beitragserh&#246;hungen – und  dem Personal von Schwarz-Gelb weiterhin weder vertrauen noch etwas  zutrauen. Dann w&#252;rde der sch&#246;ne Aufschwung f&#252;r Schwarz-Gelb schnell  verpuffen. Und die Regierung m&#252;sste sich doch noch selbst etwas  einfallen lassen.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint als Crossposting via Michael Sprengs Blog <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3449">Sprengsatz</a>.</em></p>
<p><em>Anmerkung der Redaktion: Da ist es schon fast schade, dass der Focus in seinem <a href="http://www.focus.de/magazin/videos/focus-titel-ja-der-aufschwung-ist-da_vid_18912.html">Werbevideo</a> f&#252;r die Printausgabe dieser geheimen Strategie bereits jetzt geradezu &#252;berschw&#228;nglich (&#8220;neues Wirtschaftswunder&#8221;) vorgreift:</em></p>
<p><object width="380" height="320"><param name="movie" value="http://www.focus.de/swf-delivery/18912"></param><param name="wmode" value="transparent"></param><param name="allowScriptAccess" value="always"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="type" value="application/x-shockwave-flash"></param><embed src="http://www.focus.de/swf-delivery/18912" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="380" height="320" allowScriptAccess="always" allowFullScreen="true"></embed></object>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31177&amp;md5=8a4293a75b6b42a06067f3b054c1b019" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das „Jetzt-sind-wir-dran“-Problem der CDU</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 12:56:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Union schneidet in Umfragen so schlecht ab wie zuletzt bei der Spendenaff&#228;re und kaum jemand erwartet mehr, dass die Politik die Wirtschaft bestimmen kann. F&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung muss Politik in der Krise jedoch nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Verliert die CDU ihr wichtigstes Wahlmotiv "Wirtschaftskompetenz"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4f13941f916844d994e5cab9c5dcc48d" width="1" height="1" alt=""/>Normalerweise ist Krisenzeit CDU/CSU-Zeit. Die Union gilt als die Partei mit der deutlich besseren Kompetenz in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Und wurde bislang immer dann gerne gew&#228;hlt, wenn es Deutschland schlecht ging. Denn: In der Krise geht es ums &#220;berleben. In Boomzeiten um gerechtes Verteilen.</p>
<p>2010 ist alles anders: Der Beunruhigungspegel in der Bev&#246;lkerung &#252;berschreitet die nie dagewesene 90-Prozent-Marke, 85 Prozent erwarten eine dauerhafte Rezession. Kriegs-, Arbeitsplatz- und Inflationsangst hegen inzwischen fast 70 Prozent der Deutschen, sind pr&#228;sent wie nie zuvor. Und die Union liegt mit 31 Prozent in der Sonntagsfrage so schlecht wie seit der Spendenaff&#228;re im Jahre 2000 nicht mehr. Nur noch 66 Prozent ihrer (wenigen) W&#228;hler vom September 2009 w&#252;rden sie heute wiederw&#228;hlen, jeder f&#252;nfte – vornehmlich die eher rechten &#8211; ist inzwischen ins Lager der Nicht-W&#228;hler abgewandelt. Obwohl die SPD f&#252;r die meisten W&#228;hler keine wirkliche Alternative darstellt, ist sie von 23 auf 28 Prozent gestiegen. </p>
<p>Wieso ist das so? Weil Kompetenzzuschreibung bei der Wahlentscheidung nur noch wenig z&#228;hlt. Weil die Union ein h&#246;chst veraltertes Wirtschafts- und kein Arbeitsmarktprofil mehr hat. Weil sich das Bild von der „guten Wirtschaft“ grundlegend gewandelt hat. Und <strong>weil aus dem deutschen Gutmenschen in Zeiten einer dauerhaften Krise der „Jetzt-sind-wir-dran&#8221;-B&#252;rger geworden ist.</strong></p>
<p>Kompetenz unwichtig? Sp&#228;testens Banken- und Griechenlandkrise haben aus der Gestaltungs- das Feuerl&#246;scherprimat der Politik entwickelt. Und da stehen die Parteien ziemlich hilflos da. Fast jeder Zweite antwortet inzwischen „Keine von allen“ auf die Frage nach der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskompetenz. Nicht die Politik bestimmt die Wirtschaft, es ist genau umgekehrt: Die Multis dominieren! Die Regierung – so die Deutschen – ist nur noch gefordert, wenn Verluste sozialisiert werden sollen. 75 Prozent beklagen die „systemische Subventionitis“. Und gerade noch 19 Prozent erwarten, dass die Politik es schaffen k&#246;nnte, Bankenspekulationen zuk&#252;nftig zu verhindern.  </p>
<p>Kein Markenprofil? &#220;ber 70 Prozent der Deutschen sehen inzwischen f&#252;r sich keinerlei Ver&#228;nderungen, je nachdem, ob Union oder SPD den Kanzler stellt. Jeweils die eine H&#228;lfte ihrer W&#228;hler will die CDU st&#228;rken sozial-, die andere wirtschaftlich ausgerichtet haben. Und <strong>f&#252;r Zweidrittel der CDU-W&#228;hler geht mit Roland Koch der letzte profilierte Wirtschaftskopf.</strong> Noch 2005 wies die Arbeitsmarktkompetenz der CDU/CSU einen 13 Punkte Vorsprung auf, nun dominieren die Sozialdemokraten mit einem Vorsprung von acht Prozent. „Wof&#252;r steht die CDU?“ Die wenigsten sagen: „F&#252;r Wirtschaftskompetenz“. Und in der Qualit&#228;t ihres Krisenmanagements hat die SPD nun zum ersten Male mit der Union  gleichgezogen.</p>
<p>Ein anderes Wirtschaftsbild? Was „gute“ Wirtschaftpolitik ist, dar&#252;ber gibt es inzwischen einen grundlegenden Einstellungs­wandel unter den Deutschen! Nach „liberal“, das mit &#252;berm&#228;&#223;igen Freiheiten der Wirtschaft, ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitnehmern rabiat durchzusetzen, assoziiert wird, steht nun auch <strong>„Wirtschaftskompetenz“ auf der Liste wahlsch&#228;digender Begriffe</strong>. Weil Ludwig Erhards Wort nicht mehr gilt: Denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Besch&#228;ftigten l&#228;ngst nicht mehr gut. Wir sp&#252;ren <em>jobless growth</em>, also Wachstum ohne, schlimmer noch, auf Kosten von „normalen“ Arbeitspl&#228;tzen. „Gute“ Wirtschaftspolitik ist f&#252;r 75 Prozent, die Interessen der Unternehmen mit denen der Besch&#228;ftigten in Einklang zu bringen. Das aber kann die Union nicht mehr garantieren.</p>
<p>Jetzt-sind-wir-dran-Deutsche? Unsere Politik st&#252;tzt die anderen – und denkt an uns zuletzt. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Kreditr&#252;ckzahlung der Griechen, die f&#252;r fast 80 Prozent allein die Schuld an ihrem Finanzfiasko tr&#228;gt. Nur 21 Prozent glauben an eine Beteiligung der Banken an den Schutzschildkosten. Daf&#252;r aber 70 Prozent, dass wir uns nicht mehr so viel wie unsere Eltern leisten k&#246;nnen, vor allem, weil wir unser Geld zu stark zweckentfremden. F&#252;r die gro&#223;e Mehrheit muss Politik im Zeitalter maroder Infrastruktur nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Und da ist nunmehr vor allem die SPD die Partei der B&#252;rgerinteressen. </p>
<p>Die Union ist dabei, ihr wichtigstes Wahlmotiv, ihr „Erhard-Profil“ – eben das der Partei der sozialen Marktwirtschaft – zu verlieren. Gutmensch sind wir gerne, doch nur, wenn wir uns das auch wirklich leisten k&#246;nnen.
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		<title>Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Ahnungslos, orientierungslos, &#252;berfordert</title>
		<link>http://carta.info/23945/wirtschaftsjournalismus-in-der-krise-ahnungslos-und-meinungsschwach/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 17:43:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Storz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Wirtschaftsjournalismus ist seiner Aufkl&#228;rungspflicht nicht ausreichend nachgekommen. DPA-Meldungen und Tagesschau- bzw. Tagesthemen-Beitr&#228;ge zur Finanzkrise waren beispielsweise "journalistisch sensationell schlecht". Das Res&#252;mee einer Studie in 7 Thesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b77359eac8c94ac78e120149bd6ac4e3" width="1" height="1" alt=""/>Von Hans-J&#252;rgen Arlt und Wolfgang Storz</p>
<p>Der tagesaktuelle deutsche Wirtschaftsjournalismus stand dem globalen Finanzmarkt gegen&#252;ber wie ein ergrauter Stadtarchivar dem ersten Computer &#8211; mit einer Mischung aus Ignoranz und Bewunderung, ohne Wissen, wie er funktioniert, ohne Ahnung von den folgenreichen Zusammenh&#228;ngen, die sich aufbauen; im Zweifel schloss man sich der vorherrschenden Meinung an.</p>
<p>Die weltweite Krise des Finanzmarktes, die globale Krise der Gro&#223;en Spekulation, l&#246;ste auch eine Krise des Wirtschaftsjournalismus aus. Das journalistische Versagen ist in einigen F&#228;llen so eklatant, dass es uns ausgeschlossen erscheint, einfach zur Tagesordnung &#252;ber zu gehen. Wir halten, insbesondere was den Basisdienst der „Deutschen Presse-Agentur“ (DPA) sowie die ARD-Redaktion Aktuell betrifft, Vergangenheitsbew&#228;ltigung durch gn&#228;diges Vergessen f&#252;r verantwortungslos. W&#228;hrend die f&#252;nf Qualit&#228;tszeitungen <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> (FAZ), <em>Financial Times Deutschland</em> (FTD), <em>Handelsblatt</em> (HB), <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> (SZ) und <em>die tageszeitung</em> (TAZ), deren Arbeit wir analysiert haben, im Krisenverlauf Sachkompetenz und kritische Distanz aufbauen, lassen die DPA-Meldungen und die „Tagesschau-“ bzw. „Tagesthemen“-Sendungen keinen nennenswerten Qualit&#228;tszuwachs erkennen. Sie bleiben journalistisch sensationell schlecht.</p>
<p>Der Wandel des Finanzmarktes vom Dienstleister der Realwirtschaft hin zur eigenst&#228;ndigen Branche mit hochspekulativen Entscheidungs- und Handlungskriterien wird vom tagesaktuellen Wirtschaftsjournalismus mindestens bis zum August 2007 in der Regel ohne Problembewusstsein begleitet und begr&#252;&#223;t: Die Informationen sind d&#252;rftig, die Orientierung ist irref&#252;hrend. Das ist schon deshalb &#252;berraschend, weil der Stellenwert der Wirtschaft in unserer Gesellschaft hoch bis &#252;berragend ist, das Geld f&#252;r die Wirtschaft das Lebenselexier und der Kredit f&#252;r das Geld, vor allem f&#252;r das Geldkapital das Nervenzentrum ist. Aus diesem Sachverhalt leiten wir f&#252;r den Wirtschaftsjournalismus die Pflicht ab: Da die Finanz- und Bankenbranche Gesellschaft und Wirtschaft mit Kredit und Geld ein quasi&#246;ffentliches Gut zur Verf&#252;gung stellt, muss diese Branche unter besonders aufmerksamer Beobachtung stehen.</p>
<p>Aber: Risiken f&#252;r die au&#223;erordentlich wichtige Funktion des Kredits, ohne den eine wachstumsfixierte Wirtschaft nicht vorstellbar ist, werden vom tagesaktuellen Wirtschaftsjournalismus trotz wiederholter Finanzkrisen in allen Teilen der Welt gering geachtet oder gar nicht gesehen, jedenfalls nicht thematisiert. Der tagesaktuelle deutsche Wirtschaftsjournalismus hat als Beobachter, Berichterstatter und Kommentator des Finanzmarktes und der Finanzmarktpolitik bis zum offenen Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise schlecht gearbeitet; Pfusch am Bau nennt man das im Handwerk. Dass im Mittelpunkt unserer Untersuchung Qualit&#228;tsmedien standen, weckt b&#246;se Ahnungen, wie die &#252;brige aktuell arbeitende Medienlandschaft im Sachgebiet Finanzmarktpolitik ausgesehen haben mag.</p>
<p>Es hat in unserer Gesellschaft nicht an kompetenten, prominenten und gut zug&#228;nglichen Warnungen vor den Risiken des Finanzmarktes gefehlt. Wie Redaktionen k&#252;nftig mit kritischem Wissen umgehen, das sich in einer minorit&#228;ren Lage befindet und vom Mainstream ignoriert oder abgelehnt wird, halten wir f&#252;r die wichtigste Lernfrage zur Gro&#223;en Spekulation. Gewiss hatten Warner in den Jahren vor der Krise schlechte Karten: Die B&#246;rsen boomten, der real-wirtschaftliche Aufschwung wurde als robust beschrieben, Wirtschaftswissenschaften und Regierungspolitik wollten von Krisengefahren nichts wissen. Aus diesem richtigen Hinweis, den der Journalismus als Rechtfertigung vortr&#228;gt, l&#228;sst sich jedoch unseres Erachtens keine Entschuldigung, sondern nur eine gro&#223;e journalistische Aufgabe ableiten: Die Debatte &#252;ber dieses gesamtgesellschaftliche Versagen zu initiieren und ein nachhaltiges Forum daf&#252;r zu bieten.</p>
<p>Unser Befund m&#252;ndet in diese Frage: Hat der Journalismus in der Breite die Arbeitsbedingungen, die es ihm erlauben, m&#246;glichst sogar erleichtern, seine Arbeit gut zu machen? Wie k&#246;nnen Redaktionen ihre Sensoren und Sensibilit&#228;ten so ausbauen, dass begr&#252;ndetes kritisches Wissen in den Routinen des redaktionellen Alltags wahrgenommen und gepr&#252;ft wird? Und wie k&#246;nnen Redaktionen eine demokratische &#246;ffentliche Diskussion bef&#246;rdern,deren interne Arbeitsprozesse gepr&#228;gt sind von Hierarchien, Kostendruck, unsicheren Besch&#228;ftigungsbedingungen, Personalabbau und einem vermachteten, teilweise h&#246;fischen Meinungsklima? Wir brauchen eine &#246;ffentliche Debatte &#252;ber die Produktionsbedingungen der ver&#246;ffentlichten Meinung. Wenn sich hier die Katze in den Schwanz beisst, dann m&#252;ssen die M&#228;use mutiger tanzen – und sie haben im Internet eine gro&#223;e B&#252;hne daf&#252;r.</p>
<p><strong>These 1: Ein falscher und ein berechtigter Vorwurf</strong></p>
<p>Wir erkennen in dem Vorwurf an den Wirtschaftsjournalismus, er habe nicht oder unzureichend vor der Gro&#223;en Spekulation gewarnt und es vers&#228;umt, Alarm zu schlagen, nicht nur eine berechtigte Kritik, sondern auch die gesellschaftliche Suche nach einem S&#252;ndenbock.</p>
<p>Es &#252;berfordert den Journalismus grunds&#228;tzlich, den Wirtschaftsjournalismus erst recht, anstelle vieler anderer zust&#228;ndiger gesellschaftlicher Einrichtungen (beispielsweise der Politik, der fachlich verantwortlichen Aufsichtsbeh&#246;rden, der Wirtschaftsverb&#228;nde, der Wirtschaftswissenschaften etc.) diese Warnfunktion – auf sich alleine gestellt – wahrzunehmen. Beispiele zeigen, dass der Journalismus sich und seiner Glaubw&#252;rdigkeit grunds&#228;tzlich schaden kann, wenn er versucht, als Kampagnen-Journalismus politischen Druck zu produzieren.</p>
<p>Nachweisbar haben Medien des Springer-Konzerns – aus ihrer Sicht sicherlich fachlich begr&#252;ndet und in tiefer Sorge um die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft und die des eigenen Konzerns – in einer fortgesetzten alarmierenden Berichterstattung vor der Einf&#252;hrung von Mindestl&#246;hnen in Deutschland gewarnt. Vereint haben vor Jahren mehrere f&#252;hrende Medien in Deutschland versucht, den Gesetzgeber dazu zu bewegen, die Rechtschreibreform zur&#252;ckzunehmen, um Schaden von der deutschen Kultur abzuwenden. Schon diese beiden F&#228;lle lassen erkennen, wie sehr dar&#252;ber gestritten werden kann, ob und wenn ja, wann und zu welchen Anl&#228;ssen Massenmedien versuchen sollten, die gesamte Gesellschaft vor tats&#228;chlichen und/oder vermuteten Fehlentwicklungen beispielsweise in Form eines Kampagnen-Journalismus zu warnen.</p>
<p>Damit sagen wir nicht, der Journalismus, auch der Wirtschaftsjournalismus, h&#228;tte nicht die Funktion, f&#252;r diese Gesellschaft eines von mehreren Fr&#252;hwarnsystemen zu sein. Wir wollen jedoch auf die Grenzen aufmerksam machen, die der Journalismus in Sorge um seine eigene Glaubw&#252;rdigkeit im Auge zu behalten hat.</p>
<p><strong>These 2: Warnen ja, aber wie?</strong></p>
<p>Krisen sind in unserer Gesellschaft – im Kleinen wie im Gro&#223;en – eher die Regel und nicht mehr eine Ausnahme. Deshalb und auch aufgrund der Kriterien, an denen sich das massenmediale System in seiner konkreten Produktion ausrichtet, geh&#246;ren die Warnung vor und die Berichterstattung &#252;ber Krisen nicht nur zu den selbstverst&#228;ndlichen, sondern sogar zu den bevorzugten journalistischen Themen. Dass dem Journalismus eine Fr&#252;hwarnfunktion zukommt, ist im Grundsatz nicht zu bestreiten. Wie entschieden er sie wahrnehmen kann, wird kontrovers bleiben.</p>
<p>Wenn Martinshorn und Blaulicht noch nicht eingeschaltet werden k&#246;nnen, kann das kein Alibi daf&#252;r sein, die Augen zu verschlie&#223;en oder sogar mitzumachen. Zwischen dem ausdr&#252;cklichen Bef&#252;rworten von Entscheidungen und Verhaltensweisen, die Krisenpotential in sich bergen, auf der einen Seite, dem Ignorieren oder der ungen&#252;genden Information &#252;ber Risiken auf der anderen Seite oder eben zum dritten der hervorgehobenen Ver&#246;ffentlichung warnender Hinweise auf m&#246;gliche Fehlentwicklungen bestehen sehr gro&#223;e, wenn nicht sogar grunds&#228;tzliche Unterschiede in der journalistischen Arbeit. Diese dritte M&#246;glichkeit hat in den Jahren vor der Finanzmarktkrise nach unserer Untersuchung auch keine der f&#252;nf Qualit&#228;tszeitungen ernsthaft ergriffen.</p>
<p><strong>These 3: Die Journalisten und ihr Resonanzboden</strong></p>
<p>Bei der Auswahl, Bearbeitung, Platzierung und Deutung seiner Themen spielt f&#252;r den Journalismus eine zentrale, vermutlich ausschlaggebende Rolle, ob das Thema bereits einen Resonanzboden in der Gesellschaft hat oder nicht. Es handelt sich dabei um Resonanzb&#246;den, bei denen wir unterstellen, dass sie ma&#223;geblich nicht von dem massenmedialen System geschaffen werden, sondern dass sich das massenmediale System dieser Resonanzb&#246;den nur bedient, sich an ihnen orientiert, sie jedoch zugleich mit seinen Publikationsentscheidungen verst&#228;rkt oder schw&#228;cht.</p>
<p>Aufgrund unserer Untersuchung gehen wir davon aus, dass das Kriterium Resonanzf&#228;higkeit nicht nur vor, sondern auch im Verlauf der Krise elementar f&#252;r die Auswahl und Bewertung der Themen ist. So l&#228;sst sich beispielsweise erkl&#228;ren, dass das Thema Boni-Zahlungen in dem Deutungsrahmen von gerecht/ungerecht und angemessen/unangemessen eine so gro&#223;e Rolle spielt, obwohl es f&#252;r die Ursachen der Krise wie f&#252;r deren L&#246;sung als weniger wichtig gilt. Es sei erw&#228;hnt, dass manche Wissenschaftler in den Boni-Zahlungen deshalb eine Ursache der Krise sehen, weil so alle Besch&#228;ftigten in ihrem Tun auf das alleinige Ziel der Profitmaximierung orientiert werden; sie sehen also in den Boni-Zahlungen den Ausdruck einer systemischen Fehlentwicklung.</p>
<p>Diese Deutung spielt jedoch in der massenmedialen Berichterstattung eine sehr geringe Rolle. Vielmehr steht die Interpretation im Mittelpunkt, ob diese Zahlungen gerecht oder ungerecht, sittlich oder sittenwidrig sind. Der Umgang mit dem Thema schlie&#223;t also an Deutungen an, und darin sehen wir keinen Zufall, die bereits seit vielen Jahren den gesellschaftspolitischen Diskurs mit ganz unterschiedlichen Anl&#228;ssen – Schwarzarbeit, Florida-Rolf, Sozialneid, Manager-Geh&#228;lter, Sozialhilfe-Missbrauch – pr&#228;gen. Der Journalismus bevorzugt eindeutig Themen und Diskurslinien, die im gesellschaftlichen Mainstream bereits bekannt sind und l&#228;ngs der Kriterien Aufmerksamkeit, emotionale Ausschl&#228;ge, Best&#228;tigung funktionieren – weil sowohl Kommunikations- als auch Wirtschaftserfolge – die Stichworte: Publikumsinteresse, Quote und Auflage -, dadurch wahrscheinlicher werden und der journalistische Produktionsaufwand geringer ist.</p>
<p>Da dies alles auch dem Journalismus selbst bekannt ist, k&#246;nnte er eine naheliegende Konsequenz ziehen: Organisation, Ausstattung und Arbeitsabl&#228;ufe in den Redaktionen m&#252;ssen auch danach ausgerichtet werden, dass sie kritische Diskussionen, Widerspruch und das &#220;berpr&#252;fen des anscheinend Selbstverst&#228;ndlichen allt&#228;glich machen. Untypische Quellen, sperrige Informationen und Gegenargumente m&#252;ssen eine gr&#246;&#223;ere Chancen bekommen. Um diese kritischen Perspektiven arbeitsrelevant zu machen, m&#252;sste aus dem Anliegen der kontroversen Darstellung eigentlich ein handwerkliches Prinzip werden. Voraussetzung daf&#252;r ist, dass Minderheitenpositionen und Quergedachtes in den Redaktionen selbst eine Chance haben.</p>
<p><strong>These 4: Die Unterschiede nicht vergessen</strong></p>
<p>Wir sehen in der Geschichte, den grunds&#228;tzlichen Anforderungen und konkreten Arbeitsbedingungen beachtliche Unterschiede zwischen dem Politik- und dem Wirtschaftsjournalismus. Sie m&#252;ssen in der Analyse des Geleisteten und in der Auseinandersetzung &#252;ber sie ber&#252;cksichtigt werden.</p>
<p>Politik gilt als &#246;ffentliche Veranstaltung, Wirtschaft als Privatgesch&#228;ft. In demokratisierten politischen Systemen ist das Kerngesch&#228;ft der Politik, also Gesetze vorzubereiten, zu beschlie&#223;en und durchzusetzen, kontinuierlich an Prozesse &#246;ffentlicher Beobachtung, Darstellung und Diskussion gebunden. F&#252;r politische Akteure, egal ob sie regieren, opponieren oder protestieren, hat die von Journalisten hergestellte &#214;ffentlichkeit hohe Relevanz. Der Blick in den Spiegel der &#246;ffentlichen Meinung ist f&#252;r die Politik elementar und ein selbstverst&#228;ndlicher Teil politischer Entscheidungsprozesse.</p>
<p>Der erste Blick der Wirtschaftsakteure hingegen gilt dem Marktgeschehen. Der Spiegel, in dem &#246;konomische Entscheidungen kontrolliert werden, ist der Markt mit seinen prim&#228;r an Preisen orientierten Kaufentscheidungen. Die &#214;ffentlichkeit des Marktes, an der sich wirtschaftliche Entscheidungen orientieren, wird vom Journalismus nicht erzeugt; der &#246;konomische Markt existiert neben dem, der politische Meinungsmarkt durch den Journalismus. In der Politik der modernen Gesellschaft entscheiden idealtypisch Pers&#246;nlichkeiten des &#246;ffentlichen Lebens &#252;ber &#246;ffentliche Angelegenheiten, in der Wirtschaft entscheiden vor allem Privatleute &#252;ber ihr Eigentum, ob dieses Eigentum nun Kapital, Ware, Geld oder Arbeitskraft ist.</p>
<p>Das hat weitreichende Folgen f&#252;r den Journalismus: Der politische Journalismus hat informativere Zug&#228;nge, eine bessere Beobachterposition, w&#228;hrend Wirtschaftsjournalismus immer noch etwas von der Einmischung in Privatangelegenheiten an sich hat. Wir vermuten, wenn der Wirtschaftsjournalismus dieselben Informationsrechte, Zug&#228;nge und kritischen Ma&#223;st&#228;be h&#228;tte wie der Politikjournalismus, st&#252;nde die Wirtschaft mit ihrer Reputation sehr viel schlechter da. Der auff&#228;llige Unterschied im journalistischen Umgang mit Landesbanken und Privatbanken d&#252;rfte ein Beispiel daf&#252;r sein.</p>
<p><strong>These 5: Politik- und Wirtschaftsjournalismus – Gemeinsam die Kluft schliessen</strong></p>
<p>Dem Wirtschaftsjournalismus hat es nach unserem Eindruck sowohl an Fachwissen gemangelt f&#252;r das Wesen der Finanzm&#228;rkte und die Finanzmarktpolitik, als auch an Kenntnissen gefehlt &#252;ber die komplexen Vernetzungen zwischen Finanzmarkt, Realwirtschaft und Politik. Fachwissen l&#228;sst sich mit Fortbildung gewinnen. Der Blick f&#252;r Zusammenh&#228;nge wird am besten &#252;ber Zusammenarbeit gesch&#228;rft. Die Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen und Journalisten, die sich mit den Themen Finanzen, Finanzmarktpolitik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Politik besch&#228;ftigen, war offenkundig defizit&#228;r. Jenseits pragmatisch-organisatorischer Alltags-Absprachen zwischen diesen Sparten des Journalismus ist die gesellschaftliche Perspektive auf die hier interessierenden Themen &#252;ber Jahre hinweg – zwischen den Ressort- und Arbeitsgrenzen – fast komplett durch- und damit weggefallen. Woran es nie mangelte, das war die betriebswirtschaftlich ausgerichtete Berichterstattung &#252;ber Finanzprodukte, Anlagestrategien, die j&#252;ngsten Trends an der B&#246;rse; sowohl in Funk- wie in vielen Print-Medien stand diese Perspektive des Verk&#228;ufers, des K&#228;ufers und der Betriebswirtschaft meist sogar an prominenter Stelle.</p>
<p>Fachliche Spezialisierung und die Expertise f&#252;r die Zusammenh&#228;nge parallel zu leisten, ist heute eine Herausforderung, die keineswegs nur dem Journalismus abverlangt wird. Die Resultate der journalistischen Arbeit vor Augen scheint in den Redaktionen aber ein besonderer Nachholbedarf zu bestehen.</p>
<p><strong>These 6: Aufgaben neu gewichten</strong></p>
<p>Eine Erfahrung aus dieser Finanzmarktkrise ist, dass es Zeit und erheblichen geistigen und materiellen Aufwand erfordert, um die Krise selbst, ihre Ursachen und Folgen verst&#228;ndlich zu beschreiben und zu erl&#228;utern. Vor diesem Hintergrund ist zu pr&#252;fen, ob die Qualit&#228;tsmedien ihre Arbeit nicht grunds&#228;tzlich falsch gewichten: Die Arbeit an der Aktualit&#228;t wird viel zu hoch, die Arbeit der Analyse und Erl&#228;uterung viel zu gering gesch&#228;tzt. Im Zweifel erh&#228;lt das Publikum heute noch schneller noch mehr unverst&#228;ndliche und belanglose Informationen.</p>
<p>Aber kaum jemand wei&#223; zum Beispiel, welche der Instrumente und Ma&#223;nahmen inzwischen tats&#228;chlich beschlossen und umgesetzt sind, die k&#252;nftige Finanzmarktkrisen verhindern sollen. Wo die Orientierung fehlt, n&#252;tzt auch die am schnellsten &#252;bermittelte Nachricht nichts, sondern verwirrt vielleicht sogar zus&#228;tzlich. Die aktuelle Nachricht und der orientierende &#220;berblick sind journalistisch keine Alternativen, aber an letzterem mangelt es eindeutig mehr als an ersterer.</p>
<p><strong>These 7: Eine &#246;ffentliche Debatte &#252;ber das Mediensystem</strong></p>
<p>„Wir sind keine Zielgruppen oder Endnutzer oder Konsumenten. Wir sind Menschen – und unser Einfluss entzieht sich eurem Zugriff. Kommt damit klar“, fordert das Cluetrain-Manifest. Die journalistischen Defizite im Umgang mit der Gro&#223;en Spekulation sollten Platz geschaffen haben f&#252;r die Erkenntnis, dass Investitionen in guten Journalismus und die Verbreitung seiner Produkte Investitionen in die gesellschaftliche Risikovorsorge, in die Infrastruktur der Demokratie und in die M&#252;ndigkeit der B&#252;rger sind. Wenn die Gesellschaft das journalistische System als eines ihrer Fr&#252;hwarnsysteme haben will, dann muss es materiell, rechtlich und ideell auch so ausgestattet werden, dass es dieser Aufgabe besser als bisher nachkommen kann.</p>
<p>Hinter diesem Appell steht nicht der Ruf nach mehr Staat, sondern nach einer Medienpolitik, welche die Unabh&#228;ngigkeit des Journalismus f&#246;rdert, indem sie dessen Rahmenbedingungen verbessert. Daf&#252;r ist erstens eine ebenso harte wie hartn&#228;ckige Debatte &#252;ber die Leistungen des &#246;ffentlich-rechtlichen Mediensystems zu f&#252;hren, die dieses nicht als Bedrohung missverstehen sollte. Das Ziel ist vielmehr, eine Vorbildfunktion des &#246;ffentlichrechtlichen gegen&#252;ber dem privaten Rundfunk zur&#252;ck zu gewinnen und den Rechtfertigungsdiskurs umzudrehen. Die privaten Sender sind so sehr Unterhaltungsmaschinen, dass man kaum noch auf die Idee kommt, den Anspruch auf Information und Orientierung zu erheben, trotzdem liegt heute der Legitimationsdruck bei den &#214;ffentlich-Rechtlichen.</p>
<p>Zweitens geht es darum, nicht die gro&#223;en, sondern kleine und mittlere Organisationen zu f&#246;rdern; dazu z&#228;hlen nicht nur diejenigen Organisationen und Unternehmen, die Medien machen, sondern auch diejenigen, die mit bisher bescheidenen Mitteln versuchen, Medien kritisch zu &#252;berwachen. Es ist das Ziel, die Unternehmens-Formen zu vervielf&#228;ltigen: von Stiftungen &#252;ber Genossenschaften bis zu Mitarbeiter-Unternehmen. Und die Hilfe der &#246;ffentlichen Hand wird nur gew&#228;hrt, wenn die Unternehmen Bedingungen akzeptieren, die der Demokratie und der Unabh&#228;ngigkeit des journalistischen Systems gem&#228;&#223; sind: Redaktionsstatut, hohe Transparenz, begrenzte Renditeziele. Mit anderen Worten: Die Form des Unternehmens, zivilisiert, mitbestimmt, marktwirtschaftlich und nicht oligopolistisch, muss zu seinem Inhalt passen, der unabh&#228;ngigen, pluralen, kl&#228;renden Information und Orientierung.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.otto-brenner-stiftung.de/typo3temp/pics/27523420ee.jpg" alt="" width="85" height="120" />Hans-J&#252;rgen Arlt und Wolfgang Storz: &#8220;Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik&#8221;, Eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung<br />
Frankfurt/Main, 2010. OBS-Arbeitsheft 63, ISSN 1863-6934 (Print)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die Studie kann als <a href="http://www.otto-brenner-stiftung.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/AH63.pdf">Volltext</a> (PDF) heruntergeladen werden, au&#223;erdem gibt es Kurzfassung wie Zusammenfassung auf den Seiten der <a href="http://www.otto-brenner-stiftung.de/veranstaltungen/sonstige-veranstaltungen/wirtschaftsjournalismus-in-der-krise.html">Otto Brenner Stiftung</a>.
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		<title>Eine Wirtschaftsregierung f&#252;r Europa: Chance der Griechenland-Krise?</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 14:15:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max Conzemius</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Mitgliedstaaten der EU k&#246;nnten jetzt einen zentralen Konstruktionsfehler der Euro-Zone beheben. Die gemeinsame „Wirtschaftsregierung“ war f&#252;r das bislang als unkooperativ geltende Deutschland ein Tabuwort - nun gibt es erste Schritte in diese Richtung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4638d55d6d324a30b60b952fae0e7e88" alt="" width="1" height="1" />Bei seiner <a href="http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/ec/113028.pdf">ersten Rede</a> vor dem Europ&#228;ischen Parlament am 24. Februar hat der neue Ratspr&#228;sident Herman van Rompuy das Ziel der EU bekr&#228;ftigt, eine engere wirtschaftspolitische Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten anzustreben. Anfang des Monats hatte sich Bundeskanzlerin Merkel beim deutsch-franz&#246;sischen Ministerrat in Paris erstmals f&#252;r eine europ&#228;ische Wirtschaftsregierung <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ministerrat-reizwort-endlich-ausgesprochen;2524887">ausgesprochen</a>. Aus deutscher Sicht kam dieses Bekenntnis einem Tabubruch gleich, hatte sich die Bundesregierung bislang doch vehement gegen Vorschl&#228;ge aus Paris gewehrt, der EU in Sachen Wirtschaftskoordinierung mehr Einfluss zu gew&#228;hren.</p>
<p>Die Forderungen nach einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung wurden von deutscher Seite aus stets als Versuch gewertet, die als sakrosankt betrachtete Unabh&#228;ngigkeit der Europ&#228;ischen Zentralbank zu unterlaufen. Seit Einf&#252;hrung des Euro wacht Berlin mit Argusaugen &#252;ber die Geldwertstabilit&#228;t der Gemeinschaftsw&#228;hrung. Frankreich hingegen kritisiert die einseitige Ausrichtung der EZB am Ziel der Preisstabilit&#228;t und die damit einhergehende Vernachl&#228;ssigung wachstums- und besch&#228;ftigungspolitischer Ziele. Es ist nicht zuletzt dieser tiefgreifende deutsch-franz&#246;sische Dissens, welcher die zweifelsohne notwendige wirtschafts- und finanzpolitische Kooperation auf EU-Ebene bis dato behinderte. Nun aber stellt die „<a href="http://www.zeit.de/2010/08/01-EU-Griechenland">griechische Trag&#246;die</a>“ das zentrale (deutsche) Credo der Wirtschafts- und W&#228;hrungsunion in Frage, das besagte, dass der Stabilit&#228;tspakt allein ausreichend sei um die Euro-Zone auf ein sicheres Fundament zu stellen.</p>
<p>Die Wirtschafts- und Finanzkrise k&#246;nnte sich somit als Katalysator f&#252;r die l&#228;ngst &#252;berf&#228;llige Verbesserung der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowohl der Euro-Zone als auch der EU insgesamt erweisen und die W&#228;hrungsunion endlich mit einem politischen Unterbau versorgen. Die verbale Ann&#228;herung von Angela Merkel ist eine unmittelbare Reaktion auf die Solvenzprobleme der so genannten PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien), die mittlerweile zur Zerrei&#223;probe f&#252;r die gesamte Eurozone geworden sind. Insbesondere der Fall Griechenland f&#252;hrt den Europ&#228;ern vor Augen, welche Sprengkraft wirtschaftliche Ungleichgewichte und fiskalpolitische Disparit&#228;ten zwischen den Mitgliedsstaaten in sich bergen.</p>
<p>Die Griechenland-Krise hat die Aufmerksamkeit auf die mangelnden &#220;berwachungs- und Sanktionsmechanismen innerhalb der Euro-Zone gelenkt. Das tiefgreifendere Problem liegt jedoch darin, dass die Mitgliedstaaten es aufgrund von Souver&#228;nit&#228;tsvorbehalten bislang nicht geschafft haben, den Binnenmarkt und die W&#228;hrungsunion mit einer abgestimmten europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik zu begleiten. Die ersten Versuche einer wirtschaftspolitischen Koordinierung aus dem Jahre 2000 sind gescheitert. Die Lissabon-Strategie, welche die EU bis zum Jahre 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt machen sollte, ist aufgrund fehlender Sanktionsmechanismen nahezu wirkungslos verpufft.</p>
<p>Nun bietet die Diskussion um die Wachstumsagenda „<a href="http://ec.europa.eu/eu2020/">Europa 2020</a>“ ein Fenster der Gelegenheit, um im Lichte der Wirtschaftskrise eine Neuausrichtung der europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik vorzunehmen. Die massiven Probleme der PIGS k&#246;nnten in diesem Zusammenhang eine &#228;hnliche Wirkung entfalten wie die Balkan-Kriege Ende der 1990er Jahre, die r&#252;ckblickend das zentrale Moment f&#252;r die Entwicklung einer europ&#228;ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik waren. Erst die Krise konnte die n&#246;tigen Kr&#228;fte freisetzen, um Souver&#228;nit&#228;tsvorbehalte und nationale Egoismen der Mitgliedstaaten zu &#252;berwinden.</p>
<p>Mit dem steigenden Problembewusstsein f&#252;r gemeinsame Herausforderungen schmelzen zuvor f&#252;r un&#252;berbr&#252;ckbar gehaltene Interessengegens&#228;tze dahin und &#246;ffnen den Weg f&#252;r kooperative L&#246;sungen. Die Wirtschaftskrise k&#246;nnte nun analog den Boden bereiten f&#252;r eine grundlegende Neuausrichtung der europ&#228;ischen Wirtschaftspolitik. Dass die Staats- und Regierungschefs sich zu substanziellen Vertiefungsschritten (im Sinne weiterer Kompetenz&#252;bertragungen an die EU) durchringen k&#246;nnen, ist jedoch unwahrscheinlich. Eher deutet alles darauf hin, dass der Europ&#228;ische Rat unter seinem neuen Pr&#228;sidenten Van Rompuy die Einrichtung einer Wirtschaftsregierung dazu nutzen wird, seine eigenen Kompetenzen zu st&#228;rken und damit die Exekutivlastigkeit der Europapolitik  zu vergr&#246;&#223;ern &#8211; zu Ungunsten von Kommission, Europ&#228;ischem Parlament und nationalen Volksvertretungen.</p>
<p>Die Einrichtung einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung w&#252;rde den schwierigen Balanceakt zwischen einer g&#228;nzlich der Autorit&#228;t der EU unterstellten Binnenmarkt- und Geldpolitik und einer nach wie vor nationalstaatlich organisierten Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik beenden. Dass diese Asymmetrie problematisch ist, wurde von Experten in der Vergangenheit vielfach angemahnt. Deutschland jedoch hat aufgrund seiner hohen Export&#252;bersch&#252;sse und seiner Politik der Lohnzur&#252;ckhaltung von den makro&#246;konomischen Ungleichgewichten in der Union profitiert. Wie kein anderer Mitgliedstaat hat es die Bundesrepublik verstanden, die spezifischen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in der Euro-Zone gezielt zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Die deutsche Wirtschaftspolitik wurde in der Vergangenheit daher vielfach als „<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/unkooperative-wirtschaftspolitik-eu-ratspraesident-van-rompuy-attackiert-bundesregierung;2527368">unkooperativ</a>“ gebrandmarkt &#8211; vor allem von Frankreich, das sein Wirtschaftswachstum vornehmlich durch interne Kaufkraftsteigerung generiert und damit eine gegenteilige Strategie verfolgt.</p>
<p>Will die Kanzlerin ihren Lippenbekenntnissen nun Taten folgen lassen und tats&#228;chlich den Weg hin zu einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung beschreiten, k&#246;nnte dies f&#252;r Deutschland zu einem b&#246;sen Erwachen f&#252;hren. Eine engere wirtschafts- und finanzpolitische Koordinierung auf EU-Ebene wird nur schwer mit dem schon seit l&#228;ngerem in der Kritik stehenden deutschen Sonderweg der Exportorientierung in Einklang zu bringen sein. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Einebnung der makro&#246;konomischen Ungleichgewichte in der Euro-Zone ganz oben auf der Agenda einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung stehen wird.</p>
<p>Dies wird nicht nur die unkooperative Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik unter Druck setzen, sondern auch den Weg ebnen f&#252;r Transferzahlungen an schwache Leistungsbilanzdefizitl&#228;nder. Eine derartige Umverteilung  wird dem deutschen Steuerzahler jedoch nur schwer zu vermitteln sein – dazu ist der europ&#228;ische Solidarit&#228;tsgedanke bei Weitem noch nicht stark genug. Damit w&#228;re die von der Krise bereits stark diskreditierte deutsche Strategie, allein auf den Stabilit&#228;tspakt und die Unabh&#228;ngigkeit der EZB zu vertrauen, Transferzahlungen an schw&#228;chere Staaten auszuschlie&#223;en und sich einseitig auf Exporte zu verlassen, endg&#252;ltig gescheitert.
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		<title>Das Machbare m&#246;glich machen: Was eine neue Bundesregierung tun m&#252;sste</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 13:05:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Straubhaar</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschland leidet unter den kostspieligen Folgen der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Die Wirtschaft w&#228;chst zwar wieder, aber nur langsam. Die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Legislaturperiode sind Besch&#228;ftigung und Staatsverschuldung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ca6b95d3c85a11f3e22ed4e05e4292" width="1" height="1" alt=""/><strong>1. Die Ausgangslage </strong></p>
<p>Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Die neue Bundesregierung steht vor gro&#223;en Aufgaben. Deutschland leidet unter den kostspieligen Folgen der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Die Wirtschaft w&#228;chst zwar wieder, aber nur langsam. Das Bruttoinlandprodukt d&#252;rfte nach einem Minus von rund f&#252;nf Prozent in diesem Jahr in 2010 bestenfalls um ein Prozent, realistischerweise aber eher schw&#228;cher wachsen. Das ist zu wenig, um die beiden wichtigsten Herausforderungen der kommenden Legislatur zu bew&#228;ltigen: Besch&#228;ftigung und Staatsverschuldung.</p>
<p>Selbst wenn die Konjunktur ihren Tiefstpunkt mittlerweile hinter sich haben d&#252;rfte, wird der Besch&#228;ftigungsabbau noch bis zum n&#228;chsten Fr&#252;hling weitergehen. Zun&#228;chst schleichend und tropfenweise verschwinden hier und dort einzelne Jobs. Auslaufende Vertr&#228;ge werden nicht verl&#228;ngert, Zeitarbeitsverh&#228;ltnisse nicht erneuert. Freiwillig ausscheidende und in Ruhestand oder Elternschaft gehende Mitarbeiterinnen werden nicht ersetzt. Kurzarbeit ist von rund 200.000 Betroffenen im Vorjahr im Juni 2009 auf gut 1,4 Millionen hoch geschnellt. Noch aber hat die Wirtschaftskrise die Ma&#223;e der Bev&#246;lkerung nur am Rande getroffen.</p>
<p>Das wird sich im kommenden Winterhalbjahr &#228;ndern. Weitere Firmenpleiten werden folgen. Wenn neben der schwachen Konjunktur und den strukturellen Problemen einzelner Branchen noch der saisonale Besch&#228;ftigungsr&#252;ckgang wirken werden, wird die Arbeitslosigkeit stark nach oben gehen und deutlich jenseits der vier Millionengrenze liegen. Das wird nicht nur die Stimmung tr&#252;ben. Es wird auch das ohnehin bereits dr&#228;ngende Verschuldungsproblem der &#246;ffentlichen Haushalte noch einmal versch&#228;rfen. Denn eine steigende Arbeitslosigkeit bedeutet f&#252;r den Staat h&#246;here Sozialausgaben und geringere Steuereinnahmen.</p>
<p>Die gro&#223;e Koalition hinterl&#228;sst der Nachfolgeregierung nicht nur rekordhohe Staatsdefizite. Sie hat auch eine Schuldendynamik ins Rollen gebracht, die noch w&#228;hrend Jahren die staatlichen Handlungsspielr&#228;ume begrenzen wird. In den f&#252;nf Jahren von 2009 bis 2013 d&#252;rfte die Nettoneuverschuldung von Bund, L&#228;ndern und Gemeinden insgesamt mehrere hundert Milliarden Euro betragen. Die Staatsschuld wird damit auf &#252;ber 2 Billionen Euro steigen. Sie steigt von 66% des Bruttoinlandproduktes im letzten Jahr auf weit mehr als 70% in diesem und auf gegen 80% im n&#228;chsten Jahr. Das wird auch die Schuldzinsen nach oben treiben. Heute bereits belaufen sich die j&#228;hrlichen Zinslasten von Bund, L&#228;ndern und Gemeinden auf insgesamt rund 67 Milliarden Euro. Das sind immerhin jeden Tag mehr als 180.000 Euro. Wie viele Kindergartenpl&#228;tze, kostenlose Schulmahlzeiten und Ganztagesschulen lie&#223;en sich davon finanzieren?</p>
<p><strong> 2. Agenda 2020: keine Aussicht auf Erfolg </strong></p>
<p>Angesichts der Dramatik der Wirtschaftskrise und ihren Folgen w&#252;rde man von einer neuen Bundesregierung eine Agenda 2020 erwarten, die nachhaltige Wege zu mehr Wachstum, damit zu mehr Besch&#228;ftigung und weniger Schulden weist. Eine Agenda 2020 m&#252;sste darauf gerichtet sein, Besch&#228;ftigungshindernisse zu beseitigen, dynamische Wachstumsimpulse zu stimulieren und Ver&#228;nderungskr&#228;fte zu entfesseln. Sie sollte Innovationen f&#246;rdern, Investitionen anregen sowie Forschung und Bildung zum zentralen Thema einer neuen Legislatur machen. Nur so lie&#223;e sich jenes nachhaltige starke Wachstum erzeugen, das auch f&#252;r mehr neue Besch&#228;ftigung sorgen w&#252;rde.</p>
<p>Weil alle wirtschaftshistorische Erfahrung eindeutig zeigt, dass Innovation und Wachstum in einem Umfeld erfolgreicher gedeihen, das auf Wettbewerb und Marktwirtschaft statt Plan- und Staatswirtschaft setzt, m&#252;sste die Agenda 2020 eine Fortschreibung der von rot-gr&#252;n auf den Weg gebrachten Agenda 2010 sein. Sie w&#228;re ein Wirtschaftsprogramm, das nach vorne gerichtet, die Strukturen tief greifend ver&#228;ndert, auf Eigenverantwortung basiert, das Steuersystem radikal vereinfacht, die Sozialsysteme individualisiert, den Arbeitsmarkt liberalisiert, den K&#252;ndigungsschutz durch Abfindungsregeln ersetzt, das Gesundheitssystem auf eine Kopfpr&#228;mie umstellt und die Daseinsvorsorge weiter privatisiert. Die Agenda 2020 w&#228;re die aktualisierte Neuauflage des schn&#246;rkellosen, radikalen, marktwirtschaftlich orientierten (Leipziger-)Wahlprogramms 2005 der christlichsozialen Kanzlerkandidatin Angela Merkel und damit eine sehr rasch konsensf&#228;hige Plattform f&#252;r eine schwarz-gelbe Regierungskoalition.</p>
<p>Allein, zu einer marktorientierten Agenda 2020 wird es in keinem Falle kommen. Daf&#252;r spricht nicht nur die traumatische Erfahrung der Bundeskanzlerin mit dem Wahlergebnis von 2005. Ebenso schlechte Erinnerungen hat auch der SPD- Kanzlerkandidat gemacht, der als einer der V&#228;ter der Agenda 2010 hautnah erleben musste, wie Teile seiner eigenen Partei auf Distanz zu Reform und Ver&#228;nderung gingen. Viel st&#228;rker noch als 2005 gibt es 2009 f&#252;r einen marktwirtschaftlichen Kurs keine Zustimmung und schon gar keine politische Mehrheit. Das gilt selbst dann, wenn es zu einer schwarz-gelben Koalition kommen sollte. Sie wird st&#228;rker das Soziale bedienen m&#252;ssen und nur am Rande das Liberale als Leitmotiv verfolgen k&#246;nnen. Das ist die unmittelbare Konsequenz der Finanzmarktkrise und deren Folgen.</p>
<p><strong>3. Kompromisse statt Konflikte </strong></p>
<p>Der Zusammenbruch der Finanzm&#228;rkte und die Notwendigkeit staatlicher Rettungsprogramme haben das in Deutschland ohnehin weit verbreitete Misstrauen gegen&#252;ber der Marktwirtschaft weiter gen&#228;hrt. Zu offensichtlich ist zu oft bei zu vielen Anlegern, Aktion&#228;ren und Vorst&#228;nden der schnelle Gewinn zur moralischen Triebfeder geworden, hat kurzfristige Gier das Handeln bestimmt und ist auf der Strecke geblieben, was sich nur langfristig bezahlt macht. Das Vertrauen in das freie Spiel der Marktkr&#228;fte, in die sch&#246;pferische, wenn auch zerst&#246;rerische Entdeckungskraft des Wettbewerbs und in die moralische Integrit&#228;t von Managern und Aufsichtsbeh&#246;rden ist f&#252;r lange Zeit in Frage gestellt worden. Die breite &#214;ffentlichkeit ist der festen &#220;berzeugung, dass die in den letzten Jahren von Regulierungen befreiten M&#228;rkte wieder an staatliche Fesseln zu ketten seien. Es gehe um eine Z&#228;hmung des Kasino-Kapitalismus und eine „Zivilisierung“ der Finanzm&#228;rkte.</p>
<p>Das zum Allgemeingut der politischen Diskussion verkommene Banker-Bashing oder die von vielen akzeptierte und von manchen mit Schadenfreude gebilligte Geiselhaft von Vorst&#228;nden sind nur die Spitze eines Eisbergs, der veranschaulicht, wie frostig das Klima zwischen „oben“ und „unten“ geworden ist und wie Frustration, Neid, Ohnmacht und Angst unter der Oberfl&#228;che weitere und zunehmende soziale Spannungen erzeugen. In dieser auffrischenden K&#228;ltezeit wider den Kapitalismus muss jede marktwirtschaftliche Maximalforderung Schiffbruch erleiden, die nicht zumindest gleich- wenn nicht sogar vorrangig die sozial gef&#252;hlte Gerechtigkeit mit ber&#252;cksichtigt. Eine Agenda 2020 passt in einem solchen Umfeld nicht in die sozio&#246;konomische Landschaft. F&#252;r eine neue Bundesregierung kann es deshalb nur darum gehen, das Vertrauen in eine durch Eigenverantwortung und Selbstbestimmung gepr&#228;gte Marktwirtschaft zur&#252;ckzugewinnen. Sie darf nicht polarisieren. Sie sollte nach Kompromissen statt Konflikten suchen.</p>
<p><strong> 4. Sanierung der Staatshaushalte </strong></p>
<p>Akzeptiert man die n&#252;chterne, mehr pragmatische und weniger ideologische Ausgangslage, dann ist es offenbar schlicht nicht die Zeit der gro&#223;en wirtschaftspolitischen Zukunftsagenden. F&#252;r eine neue Bundesregierung kann es somit lediglich darum gehen, m&#246;glichst breite Konsens-Plattformen zu verankern, die einerseits &#246;konomisch zumindest in die richtige Richtung gehen und andererseits auch den in der breiten &#214;ffentlichkeit tiefverankerten Wunsch nach Gleichheit nicht ignorieren. Weil sich bekanntlich alles ums Geld dreht und alle wirtschaftspolitischen Weichenstellungen von der Finanzierung abh&#228;ngig sind, stehen somit die &#246;ffentlichen Haushalte im Zentrum.</p>
<p>Wie sollen die ausufernde Staatsverschuldung einged&#228;mmt sowie Staatsausgaben und Staatseinnahmen in ein Gleichgewicht gebracht werden, um enorme Belastungen f&#252;r kommende Generationen zu verringern und politische Handlungsspielr&#228;ume zur&#252;ckzugewinnen? Die Theorie ist einfach, die Praxis jedoch ist viel schwieriger.</p>
<p><strong>Erstens k&#246;nnten die Staatsausgaben resolut gek&#252;rzt werden. </strong>Was &#246;konomisch durchaus sinnvoll w&#228;re, ist politisch nur begrenzt durchsetzbar.</p>
<p><strong>Zweitens m&#252;ssten die Steuereinnahmen erh&#246;ht werden.</strong> Wer aber in einer so starken Rezession wie heute die Steuers&#228;tze anhebt, wird weniger und nicht mehr Steuereinnahmen ernten. Es ist und bleibt eine tragische Illusion zu glauben, Steuererh&#246;hungen w&#252;rden der K&#246;nigsweg sein, um den Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Eher ist das Gegenteil m&#246;glich: H&#246;here individuelle Steuerbelastungen f&#246;rdern vielf&#228;ltige Formen legaler Steuerumgehung und auch die illegale Steuerflucht. Sie schw&#228;chen die private Kaufkraft und f&#252;hren zu Konsum- sowie Investitionszur&#252;ckhaltung. Gerade in Zeiten der Unsicherheit braucht es mehr und nicht weniger Geld in den Taschen der Bev&#246;lkerung – und zwar bei Arbeitnehmer(inne)n wie auch bei Selbst&#228;ndigen und Unternehmer(inne)n.</p>
<p><strong>Drittens besteht der sch&#246;nste Weg des Schuldenabbaus in einer raschen R&#252;ckkehr auf einen steilen Wachstumspfad. </strong>Es kann dann gelingen, aus der Staatsverschuldung herauszuwachsen. Boomt die Wirtschaft, sprudeln die Steuereinnahmen. Sozialleistungen und Subventionen k&#246;nnen zur&#252;ckgefahren werden. F&#252;r die kurze Frist ist die Hoffnung auf ein starkes Wachstum jedoch wenig realistisch. Viertens schlie&#223;lich sind hohe Inflationsraten kurzfristig der einfachste Weg, Staatsschulden zu beseitigen. Das politisch so s&#252;&#223;e Gift ist langfristig jedoch ein zu teuerer Weg des Schuldenabbaus. Zudem wird die Geldpolitik in Frankfurt f&#252;r den Euroraum insgesamt bestimmt und nicht in Berlin von der Bundesregierung.<br />
<strong><br />
5. Eine gro&#223;e Steuerreform hat h&#246;chste Priorit&#228;t </strong></p>
<p>Werden die vier Wege aus der Schuldenmisere geb&#252;ndelt und das &#246;konomisch W&#252;nschbare dem politische Machbaren gegen&#252;ber gestellt, wird klar, dass sich die dramatische &#220;berschuldung der &#246;ffentlichen Haushalte nicht durch eine kosmetische Drehung an einzelnen Stellschrauben korrigieren l&#228;sst. Es wird nicht ohne eine ganz grundlegende Steuerreform gehen, die am besten gleich zu Beginn auf den Weg zu bringen ist. Sie muss gleicherma&#223;en Besch&#228;ftigungs- wie Wachstumsziele verfolgen und die Gerechtigkeitsgef&#252;hle nicht aus dem Auge verlieren. Zudem muss sie kompromissf&#228;hig sein f&#252;r eine wie auch immer zusammengesetzte Koalition von zwei oder mehreren Parteien. Eine Steuerreform, die sich von der Grundidee leiten l&#228;sst, dass es um Vereinfachung, Verbreiterung der Steuerbasis und Verringerung der individuellen Steuerbelastung geht, erf&#252;llt genau diese Forderungen. Sie soll weg von direkten und hin zu indirekten Steuern sowie weg von abgaben- und hin zu steuerfinanzierten Sozialsystemen. Damit erlaubt sie Konsens im Grundsatz und Kompromisse bei der quantitativen Festlegung von Steuerfreibetrag, Eingangs- und Spitzensteuers&#228;tzen.</p>
<p><strong>Der erste Schritt: von direkten zu indirekten Steuern </strong></p>
<p>Der erste Schritt einer gro&#223;en Steuerreform sollte auf eine Abkehr von direkten Einkommens- oder Unternehmenssteuern und eine Hinwendung zu indirekten Steuern, also insbesondere zu Mehrwert- und Verbrauchssteuern ausgerichtet sein. Dadurch wird die hiesige Wertsch&#246;pfung steuerlich entlastet. Das macht deutsche G&#252;ter und Dienstleistungen im In- wie auch im Ausland billiger und damit international wettbewerbsf&#228;higer. Positive Wachstums- und Besch&#228;ftigungseffekte sind die Folge. Sie sp&#252;len automatisch mehr Steuereinnahmen in die &#246;ffentlichen Kassen.</p>
<p>Zur Abkehr von direkten Einkommenssteuern geh&#246;ren eine Anhebung des Steuerfreibetrags pro Kopf, die Abschaffung der kalten Progression und ein &#220;bergang zu einem Stufenmodell mit drei unterschiedlichen Steuers&#228;tzen: einem tiefen Steuersatz f&#252;r Geringverdiener, einem mittleren f&#252;r mittlere und einem hohen f&#252;r h&#246;here Einkommensgruppen. Wie hoch die Steuers&#228;tze in der Praxis konkret sein und f&#252;r welche Einkommensgruppen sie genau gelten sollen, m&#252;sste das Ergebnis der zu f&#252;hrenden Koalitionsverhandlungen sein. Dabei ist selbstredend offensichtlich, dass die Festlegung davon abh&#228;ngig ist, welche Aufgaben dem Staat &#252;bertragen werden, wie weit die Umverteilung gehen und welches Volumen die Staatsaufgaben demzufolge haben sollen.</p>
<p>Die Regel ist einfach: je mehr vom Staat erwartet wird, desto h&#246;her muss die Steuerbelastung werden. Und das wiederum muss mit den Wachstums- und Besch&#228;ftigungseffekten abgewogen werden, die mit einer direkten Besteuerung verbunden sind: je h&#246;her die steuerliche Belastung der Einkommen, desto unattraktiver wird es, gering entl&#246;hnte Arbeit anzunehmen und desto gr&#246;&#223;er ist die Versuchung, von staatlicher Unterst&#252;tzung – vielleicht noch gepaart mit Eink&#252;nften aus Schwarzarbeit – zu leben. Dazu kommt, dass bei einer zu starken individuellen Steuerlast Besserverdienende und Unternehmenssitze innerhalb des europ&#228;ischen Binnenmarktes in jene L&#228;nder ausweichen k&#246;nnen, die direkte Steuers&#228;tze senken und Gewinne &#252;berhaupt nicht mehr oder nur sehr gering besteuern.</p>
<p>Richtig ist, dass eine Hinwendung zu h&#246;heren Mehrwertsteuers&#228;tzen sozialpolitisch blind ist. Sie trifft alle gleich und nimmt keine R&#252;cksicht auf die Leistungsf&#228;higkeit der Betroffenen. Die Mehrwertsteuer besteuert, wer konsumiert. Sie wirkt regressiv. Weil &#196;rmere einen relativ gr&#246;&#223;eren Teil ihres Einkommens zum Kauf von G&#252;tern des t&#228;glichen Verbrauchs ausgeben m&#252;ssen als gut Verdienende oder Reiche, ist die Mehrwertsteuer ungerecht. Die Mehrwertsteuer auf Babywindeln ist f&#252;r die Professorenfamilie kaum sp&#252;rbar. F&#252;r die alleinerziehende, arbeitslose Mutter ist sie eine zus&#228;tzliche Last. Also beginnt der Staat einzelne Konsumg&#252;ter von der Mehrwertsteuer teils oder vollst&#228;ndig zu befreien. Mieten, Dienstleistungen von &#196;rzten und Krankenh&#228;usern, Ausgaben f&#252;r Theater-, Konzert- und Museumsbesuche sind Mehrwertsteuer frei. F&#252;r Nahrungsmittel, Personennahverkehr, B&#252;cher, Zeitungen, Zeitschriften und nicht in Flaschen verkauftes Wasser gilt ein erm&#228;&#223;igter Mehrwertsteuersatz von 7%. So gut so recht.</p>
<p>Was aber gut gemeint ist, muss noch nicht gut gemacht sein. Wie oft wohl die alleinerziehende, arbeitslose Mutter im Stadttheater oder bei den Bayreuther Festspielen in der Loge sitzt? Ob wohl Katzenfutter wirklich ein zu subventionierendes Nahrungsmittel ist? Sollen wirklich alle Freizeit-, Computer- und Regenbogen-Zeitschriften steuerlich beg&#252;nstigt werden? Von der Befreiung oder dem erm&#228;&#223;igten Mehrwertsteuersatz profitiert die Professorenfamilie eben genauso wie die alleinerziehende arbeitslose Mutter. W&#228;re es da nicht kl&#252;ger, alle den vollen Mehrwertsteuersatz entrichten zu lassen und daf&#252;r den sozial Schw&#228;cheren als Kompensation direkt mehr Geld in Form h&#246;herer Transferzahlungen zu geben oder h&#246;here Steuerfreibetr&#228;ge pro Kopf der Familie festzuschreiben? Dann k&#246;nnten sich alle selber lieb sein, wof&#252;r genau sie ihr Geld ausgeben.</p>
<p>Daraus folgt eines klar: Die sozialpolitische Blindheit der Mehrwertsteuer muss durch gezielte direkte Hilfen an einkommensschwache Haushalte korrigiert werden. H&#246;here Freibetr&#228;ge pro Kopf bei den direkten Steuern sind eine zielgenaue Entlastung, die genau jenen besonders hilft, die durch die Mehrwertsteuer besonders belastet werden. Wer die Gerechtigkeit im Auge hat, soll den Armen und Schwachen der Gesellschaft direkt helfen. Er soll das Arbeitslosengeld anheben, f&#252;r qualitativ gute und trotzdem billige Kindertagesst&#228;tten, Ganztagesschulen mit kostenlosem Mittagessen und qualifizierter Aufgabenhilfe sorgen, den Arbeitsmarkt flexibilisieren, so dass viele Menschen m&#246;glichst rasch eine Besch&#228;ftigung finden. Sozialhilfe bis hin zu einem B&#252;rgergeld f&#252;r alle wirkt dort am st&#228;rksten, wo die Not am gr&#246;&#223;ten ist. Sie sind &#246;konomisch die besseren Antworten, als der Versuch, mit einer tiefen oder gar einer erm&#228;&#223;igten Mehrwertsteuer Sozialpolitik betreiben zu wollen.</p>
<p>Eine Anhebung der Mehrwertsteuer von heute 19% auf 25% w&#252;rde vieles teurer machen. Die Konsumlust w&#252;rde geringer. Deshalb darf diese Ma&#223;nahme nicht isoliert getroffen werden. Sonst ist sie f&#252;r die noch schwache Konjunktur das reine Gift. Sie kann nur bei gleichzeitiger Entlastung bei den direkten Steuern erfolgen. Eine Mehrwertsteuererh&#246;hung um sechs Prozentpunkte w&#252;rde erlauben, die direkten Steuern und Abgaben zu senken. Noch einmal: der sozialen Ausgewogenheit wegen spricht nichts dagegen, die direkten Transfers an die &#196;rmsten zu erh&#246;hen und die Steuerfreibetr&#228;ge nach oben zu setzen.</p>
<p>Die Verschiebung von der direkten zur indirekten Steuererhebung ist kein Nullsummenspiel. Der erh&#246;hte Mehrwertsteuersatz verlangt keinen b&#252;rokratischen Zusatzaufwand. Vollzug und Erhebung sind relativ einfach zu handhaben und relativ schwer zu umgehen. Die Mehrwertsteuererh&#246;hung hat keinen Einfluss auf die Exportpreise. Sie wird auch von allen Touristen mitgetragen. Vor allem aber wird es f&#252;r viele Deutsche und vielleicht sogar auch f&#252;r den einen oder anderen Ausl&#228;nder attraktiver werden, den Steuersitz in Deutschland zu haben. Die Devise f&#252;r ein neues, einfaches, transparentes, gerechtes Steuermodell f&#252;r Deutschland muss also hei&#223;en hoch mit den Mehrwertsteuers&#228;tzen, runter mit den direkten Steuers&#228;tzen, weg mit den indirekten Hilfen, Subventionen und Privilegien daf&#252;r hin zu direkten Unterst&#252;tzungszahlungen an all jene, die wirklich Hilfe n&#246;tig haben.</p>
<p><strong>Der zweite Schritt: Lohnnebenkostensenkung</strong></p>
<p>Der zweite Eckpfeiler einer gro&#223;en Steuerreform m&#252;sste den seit Anfang der 1990er Jahre bereits eingeschlagenen Pfad beschleunigt weiter beschreiten und konsequent eine weitergehende Abkehr von einer Finanzierung der Sozialversicherungssysteme &#252;ber Lohnnebenkosten hin zu einer Steuerfinanzierung anstreben. Denn heute wird jede Arbeitsstunde mit zus&#228;tzlichen Abgaben von fast 40% in Form der Lohnnebenkosten belastet. Die Lohnnebenkosten verteuern einseitig Arbeit, so dass selbst dort Automaten eingesetzt werden, wo Menschen genau so gut die Aufgaben erledigen k&#246;nnten. Kein Wunder, wird automatisiert und werden teure Arbeitskr&#228;fte durch billigere Maschinen ersetzt. Kein Wunder, ist f&#252;r viele T&#228;tigkeit die Schwarzarbeit attraktiv. Kein Wunder, werden arbeitsintensive Produktionsprozesse ins Ausland verlagert.</p>
<p>Ausgerechnet der Faktor Arbeit tr&#228;gt &#252;ber die Lohnnebenkosten die Hauptlast der Alters-, der Kranken- und der Pflegeversicherung. Die Abgaben f&#252;r die Sozialversicherungen sind eine Besch&#228;ftigungsbremse – vor allem im Bereich der gering qualifizierten T&#228;tigkeiten. Sie wirken wie eine Strafsteuer auf Arbeit. Sie treiben einen Keil zwischen Brutto- und Nettoeinkommen. Der Keil hat sich in den 1990er Jahren gewaltig verbreitert – nicht zuletzt, weil die deutsche Wiedervereinigung in hohem Masse &#252;ber die Sozialversicherungssysteme finanziert worden ist.</p>
<p>Wenn brutto und netto derart stark auseinander klaffen, steigen die Anreize zu Schattenwirtschaft und sinken die Abst&#228;nde zwischen dem was am Ende eines Monats durch harte Arbeit &#252;brig bleibt und dem, was vom Sozialamt ausbezahlt wird. Gerade im Niedriglohnbereich nimmt so die Bereitschaft ab, schlechter bezahlte Jobs anzunehmen. Zu oft ist die Kombination von Arbeitslosengeld und Schwarzarbeit attraktiver als ein regul&#228;res Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnis.</p>
<p>Alles was hilft, die Lohnnebenkosten zu senken, hilft der legalen Besch&#228;ftigung. Jeder Prozentpunkt weniger bedeutet, Arbeit billiger und damit wettbewerbsf&#228;higer zu machen – nicht nur gegen&#252;ber den Konkurrenten im Ausland, sondern auch gegen&#252;ber den Maschinen in Deutschland. Eine Senkung der Lohnnebenkosten muss also zuoberst auf der wirtschaftspolitischen Agenda einer neuen Bundesregierung stehen. Kapitaleinkommen, Zinsertr&#228;ge, Mieteinnahmen und eben auch die Mehrwertsteuereinnahmen sollen einen h&#246;heren Beitrag zur Finanzierung der Sozialversicherungen leisten, was sie &#252;brigens de facto in steigendem Ausma&#223;e auch bereits l&#228;ngstens tun, weil die Defizite der Sozialversicherungssysteme zunehmend aus dem Staatshaushalt finanziert werden.</p>
<p><strong>Der dritte Schritt: Mindestsicherung statt Mindestlohn </strong></p>
<p>Eine pragmatische, konsensorientierte Steuerreform m&#252;sste drittens die sozialpolitische Forderung nach Mindestl&#246;hnen durch die Gew&#228;hrung einer Mindestsicherung aufgreifen. Es gibt bestens bekannte, mehrfach erl&#228;uterte und immer wieder vorgetragene gute &#246;konomische Gr&#252;nde, die schl&#252;ssig und &#252;berzeugend gegen Mindestl&#246;hne sprechen. Aber offensichtlich sind die politischen Entscheidungstr&#228;ger nicht willens, sich die klugen &#246;konomischen Argumente zu Eigen zu machen. Scheinbar &#252;berwiegt bei Ihnen die &#220;berzeugung, dass sich mit einer Position f&#252;r den Mindestlohn mehr W&#228;hlerstimmen gewinnen lassen als mit einer Position gegen den Mindestlohn. Und ebenso offensichtlich liegen sie mit dieser Einsch&#228;tzung in der politischen Wirklichkeit nicht daneben.</p>
<p>Eine &#252;berragende Mehrheit der Deutschen pl&#228;diert bei Meinungsumfragen f&#252;r und nicht gegen Mindestl&#246;hne. Die Angst, durch Arbeit nicht genug f&#252;r die Finanzierung des Lebensunterhalts verdienen zu k&#246;nnen, belastet viele Deutsche. Selbst jene, die gut verdienen, sind sich nicht so recht im Klaren, wie lange sie sich ihres Jobs noch sicher sein k&#246;nnen. Also schielen auch sie insgeheim auf Mindestl&#246;hne, um im Falle eines Falles nicht ins Bodenlose zu fallen. Gegen&#252;ber diesen Sorgen helfen gute &#246;konomische Hinweise auf die besch&#228;ftigungszerst&#246;renden Wirkungen von Mindestl&#246;hnen offenbar wenig.</p>
<p>Wenn es nicht so sehr eine Frage der &#246;konomischen Rationalit&#228;t, sondern viel eher eine Frage des polit- &#246;konomischen Spannungsfeldes ist, das politische Entscheidungstr&#228;ger f&#252;r und nicht gegen Mindestl&#246;hne stimmen l&#228;sst, kann die Antwort nicht die Forderung nach einer first- best-L&#246;sung (also einem Verzicht auf Mindestl&#246;hne) liegen, sondern in der Suche nach second-best-L&#246;sungen. Eine offensichtliche Second-Best-L&#246;sung w&#228;re die Akzeptanz eines Mindestlohnes auf geringem Niveau. Sie d&#252;rfte auf erheblichen politischen Widerstand sto&#223;en.</p>
<p>Eine andere Second-Best- L&#246;sung besteht darin, den politischen Fokus weg von einem Mindestlohn und hin zu einer Mindestsicherung zu verlagern. Wer diesen zweiten Weg einschl&#228;gt, begibt sich auf die Diskussionsebene, die im weitesten Sinne mit der Forderung nach einem Grundeinkommen endet. Dabei ist das Grundeinkommen nichts anderes als ein Steuerfreibetrag in H&#246;he des Existenzminimums – so wie er bereits heute in Deutschland allen gew&#228;hrt werden muss.</p>
<p>Die Forderung nach einem Grundeinkommen als Mindestsicherung f&#252;r alle ist ein pragmatischer Kompromiss. Er schl&#228;gt der polit-&#246;konomischen Bewegung f&#252;r einen Mindestlohn das Argument aus der Hand, ein Mindestlohn sei erforderlich, um „arm durch Arbeit“ zu verhindern. Wer sicher ist, dass ein Misserfolg nicht zu einem bodenlosen Fall in Not und Armut f&#252;hrt, wird mehr wagen. Wer wei&#223;, dass, was immer auch geschieht, das Existenzminimum gesichert ist, wird kommende Herausforderungen eher als Chance und weniger als Bedrohung bewerten und rascher zu unverzichtbaren Ver&#228;nderungen bereit sein.</p>
<p>Die Versicherungs&#246;konomie zeigt &#252;berzeugend, dass eine individuelle Mindestsicherung positive gesamtwirtschaftliche Effekte ausl&#246;st. Hierin liegt die Rechtfertigung f&#252;r Pflichtversicherungen, beispielsweise einer Kfz-Haftpflichtversicherung oder einer Kranken- und Unfallversicherung. Hierin liegen auch gute &#246;konomische Gr&#252;nde f&#252;r eine staatliche Sozialpolitik, die dem Ziel dient, allen Staatsangeh&#246;rigen das Existenzminimum zu sichern. Daf&#252;r sprechen auch Erkenntnisse aus der Sozial&#246;konomie, die zeigen, dass in einem Land, in dem die Verteilung der Einkommen als einigerma&#223;en gerecht empfunden wird, das wirtschaftliche Wachstum st&#228;rker ist.</p>
<p>Festzulegen ist eine Mindestsicherung f&#252;r alle – wie sie faktisch in Deutschland nat&#252;rlich durch das Arbeitslosengeld II und die Sozialhilfe f&#252;r nicht Erwerbsf&#228;hige bereits besteht. Und hier zeigt sich, wie kompromissf&#228;hig die Idee einer Mindestsicherung gerade f&#252;r Koalitionen ist, die mehrere Parteien in die Regierungsverantwortung einbinden m&#252;ssen. Haben sich die Parteien einmal auf die Grundsatzentscheidung f&#252;r ein Grundeinkommen geeinigt, ist die Festlegung der H&#246;he eine Frage der politischen Pr&#228;ferenzen. Dabei gilt ein &#228;usserst einfacher &#246;konomischer Zusammenhang: Ein hohes Grundeinkommen bedingt hohe Steuers&#228;tze, ein niedriges Grundeinkommen erm&#246;glicht tiefe Steuers&#228;tze. Hohes Grundeinkommen und hohe Steuers&#228;tze verringern den Anreiz zu arbeiten, tiefes Grundeinkommen und tiefe Steuers&#228;tze verst&#228;rken den Anreiz zu arbeiten. Je h&#246;her der Anreiz zu arbeiten, um so einfacher wird das Grundeinkommen zu finanzieren sein, je geringer die Arbeitsanreize, um so weniger wird das Grundeinkommen finanzierbar sein.</p>
<p>Es mag sein, dass sich Parteien, um die Gunst des Publikums zu gewinnen, darin &#252;berbieten, das bedingungslose Grundeinkommen zu erh&#246;hen. Das ist doch aber heute auch schon nicht anders, wenn es beispielsweise darum geht, das Existenzminimum zu definieren oder die H&#246;he der Sozialleistungen und Renten festzulegen. Die Auseinandersetzung mit normativ v&#246;llig unterschiedlichen Standpunkten geh&#246;rt nun einmal zu einer Demokratie. Hier hilft nicht Gegenpolemik, sondern Aufkl&#228;rung.</p>
<p>Es gilt, der Bev&#246;lkerung zu offenbaren, welche &#246;konomischen Folgen mit welcher politischen Wahlentscheidung verbunden sind, und welche R&#252;ckwirkungen sich daraus auf das individuelle Verhalten ergeben. Gerade aus direkt-demokratischen Entscheidungsprozessen, beispielsweise in der Schweiz, weiss man, dass sich Menschen von Populisten dann nicht verf&#252;hren lassen, wenn ihnen klar gemacht wird, dass mit steigenden Anspr&#252;chen an den Staat auch die Steuern und Abgaben angehoben werden m&#252;ssen und es unklug ist, den Bogen der individuellen Steuer- und Abgabenbelastung so zu &#252;berspannen, dass er letztlich bricht. Wieso sollte es nicht auch in Deutschland einer neuen Bundesregierung m&#246;glich sein, der Bev&#246;lkerung diese einfache Logik zu vermitteln?</p>
<p><em>Dieser <a href="http://www.hwwi.org/Publikationen_Einzel.5119.0.html?&amp;tx_wilpubdb_pi1[publication_id]=1794&amp;tx_wilpubdb_pi1[back]=484&amp;cHash=9be73e17eb">Beitrag</a> erschien zuerst in der Reihe Policy Papers des <a href="http://www.hwwi.org/">HWWI</a>.</em>
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		<title>Die „Nie-wieder“-Industrie startet durch</title>
		<link>http://carta.info/14471/die-nie-wieder-industrie-startet-durch/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 12:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ursula Weidenfeld</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Englische &#214;konomen haben &#252;ber die Krise nachgedacht und einen offenen Brief die K&#246;nigin geschrieben. Jetzt ist eine "Nie-wieder"-Konferenz geplant.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bdb26bbf66641ea337961c5b5d33ee" width="1" height="1" alt=""/>Folgenden – hier ein bisschen gek&#252;rzten und zugegebenerma&#223;en flapsig wiedergegebenen – Brief (Original als <a href="http://media.ft.com/cms/3e3b6ca8-7a08-11de-b86f-00144feabdc0.pdf">PDF</a>) haben die m&#228;chtigsten  &#214;konomen des Vereinigten K&#246;nigreichs Ende Juli an K&#246;nigin Elisabeth II geschrieben:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Majest&#228;t,<br />
bei unserem Zusammentreffen im vergangenen November haben Sie  gefragt, warum niemand die Krise vorhergesehen hat. Nun, wir haben am 17. Juni eine Konferenz dazu abgehalten. Mit diesem Schreiben &#252;bermitteln wir Ihnen die Ergebnisse.
</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Ehrlich gesagt, viele haben die Krise kommen sehen.</strong> Wir wussten halt nur nicht, wann genau sie kommt und wie heftig sie ausf&#228;llt. Es reicht aber nicht, eine Krise kommen zu sehen. Das „wann“ ist entscheidend bei der Vorhersage. Gewarnt haben viele, darunter auch die britische Notenbank. Das Risikomanagement wurde immer wichtiger. Es wurden sogar in vielen Bereichen noch extra Risikomanager eingestellt. Wir haben &#252;bersehen, dass man auch jemanden braucht, der die Summe aller Risiken einsch&#228;tzt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dazu kamen die globalen Ungleichgewichte. Der Aufstieg Chinas und Indiens und das Anh&#228;ufen von Sparguthaben in den aufstrebenden Nationen machte unseren Import billiger. Und er sorgte daf&#252;r, dass ihr Leistungsbilanz&#252;berschuss billige Zinsen und nur m&#228;&#223;ige Ertragsaussichten auf mittel- und langfristige Anlagen er&#246;ffnete. Man suchte h&#246;here Renditen &#8211; und damit h&#246;here Risiken. Das war der Kern des Immobilienbooms in den USA und in England.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Auch hier haben viele gewarnt.</strong> Aber gegen die Mahner standen die vielen, die glaubten, dass die Banken schon wissen, was sie tun. Die herrschende Meinung war, dass die Besten der Besten im Finanzgewerbe versammelt waren, und dass die sich wohl kaum kollektiv irren k&#246;nnten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Viele haben geglaubt, dass sich die Finanzm&#228;rkte in ihrem Charakter ge&#228;ndert haben – und da ja auch au&#223;erhalb des Finanzsektors alle profitierten, Politiker, Haushalte, Konsumenten – war es leicht zu glauben, man sei nun in einer neuen, modernen, wachsenden  Welt angekommen.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Diejenigen, die es h&#228;tten besser wissen m&#252;ssen, haben nichts getan.</strong> Sie haben es nicht gewagt, die Bowlesch&#252;ssel vom Tisch zu r&#228;umen, als die Party in vollem Gang war. Alle fanden, dass Blasen sich besser managen lassen, wenn sie platzen, anstatt sie in ihrem Entstehen zu behindern.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Was also war das Problem? Jeder hat nur seinen Job gemacht.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Die Ursache der Krise war die geballte Einbildungskraft einer Menge kluger Leute  im In- und Ausland. Jetzt wollen wir daf&#252;r sorgen, dass Sie uns eine solche Frage nie wieder stellen m&#252;ssen. Dazu werden wir eine „Nie-wieder-Konferenz“ abhalten. Wir werden Ihrer Majest&#228;t das Protokoll zustellen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">In Demut und Gehorsam verbleiben wir<br />
mit freundlichen Gr&#252;&#223;en</p>
<p><strong>Bei allem Erstaunen fragt man sich zweierlei:</strong><br />
1.	Warum haben die deutschen Spitzen&#246;konomen noch keinen Brief an die Nation geschrieben?<br />
2.	Warum brauchen Wissenschaftler immer Konferenzen (und Geld f&#252;r mehr Konferenzen) als Vorbedingung f&#252;r die Bereitschaft, &#252;berhaupt gemeinsam nachzudenken?</p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14471&amp;md5=d3c4f31137312109e70662d6cf92059e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Geldpolitik: Knackpunkt Timing</title>
		<link>http://carta.info/14155/geldpolitik-knackpunkt-timing/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 10:30:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Straubhaar</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weltwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht wieder aufw&#228;rts: Die Wirtschaft d&#252;rfte das Schlimmste hinter sich haben, ein U-Verlauf der makro&#246;konomischen Entwicklung scheint wahrscheinlich. Es w&#228;re jedoch verfr&#252;ht, die Politik des billigen Geldes zu beenden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die guten Nachrichten h&#228;ufen sich. Mehr und mehr L&#228;nder haben die Talsohle der Wirtschaftskrise erreicht. Es geht wieder aufw&#228;rts. Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2009 bereits wieder um fast 8 % gewachsen. Japan meldet ebenso ein starkes Plus, Deutschland und Frankreich wenigstens ein schwaches. Selbst aus den USA gibt es positive Zeichen der Erholung. So sind in den letzten Wochen &#252;berraschend viele neue Eigenheime verkauft worden und der Arbeitsmarkt hat sich stabilisiert. Die schwerste Rezession seit den 1930er Jahren ist vor&#252;ber. Zumindest scheint es so. Doch es bleiben einige Risiken. Sie lassen viele an St&#228;rke und Nachhaltigkeit des Aufschwungs zweifeln.<br />
<strong><br />
Pessimisten sehen die Gefahr eines W-Verlaufs der Konjunktur.</strong> Nach der &#246;konomischen Aufhellung der letzten Wochen w&#252;rden Geld- und Fiskalpolitik zu fr&#252;h zu einer Stabilisierungspolitik zur&#252;ckkehren. Notenbanken w&#252;rden die Zinsen anheben, um keimende Inflationserwartungen zu unterbinden. Finanzminister erh&#246;hten die Steuern und k&#252;rzten die Ausgaben, um die aus dem Ufer gelaufenen Staatsdefizite einzufangen. In der Summe w&#252;rde das noch schwache Pfl&#228;nzchen der Konjunkturverbesserung brutal seines Lebenselixiers beraubt. Die Folge: Rezession und Deflation werden zu einem langanhaltenden Dauerzustand. Ein L-Szenario w&#228;re das Ergebnis, so wie es Japan in den 1990er Jahren widerfahren ist. Eine verfr&#252;hte Exit-Strategie der Bank of Japan und eine Steuererh&#246;hung 1997 hatten dort f&#252;r ein „verlorenes Jahrzehnt“ mit einer z&#228;hen &#246;konomischen Depression gesorgt. Die japanische Erfahrung wird heutzutage den Notenbanken weltweit eine eing&#228;ngige Lehre sein, der Politik des billigen Geldes lieber zu lange als zu kurz zu folgen und den Exit m&#246;glichst hinauszuz&#246;gern.<br />
<strong><br />
Die Optimisten hingegen glauben an einen V-Verlauf der Konjunktur.</strong> Dem dramatischen Einbruch seit dem Konkurs von Lehman Brothers vor genau einem Jahr folge nun ein ebenso rascher wie starker Aufholprozess. Daf&#252;r spr&#228;chen die realwirtschaftlichen Fakten. Anders als nach einem Krieg oder einer Naturkatastrophe sind durch die Finanzmarktkrise keine Menschen Opfer milit&#228;rischer oder auch nat&#252;rlicher Gewalt geworden. Ebenso wenig sind Infrastruktur, Produktionsanlagen oder Rohstoffe zerst&#246;rt worden.</p>
<p>Physisch ist die Welt vor und nach der Finanzmarkt unver&#228;ndert und unversehrt die selbe geblieben. „Nur“ Verm&#246;gen sind vernichtet, oder besser: neu bewertet, worden. Das ist schmerzlich bis schrecklich f&#252;r die Betroffenen. F&#252;r die Welt als Ganzes ist es aber letztlich zun&#228;chst unbedeutend. Denn (Verm&#246;gens-)Bewertungen spielen sich im Kopf der Menschen ab. Sie beeinflussen h&#246;chstens, was und wie produziert wird.</p>
<p>Angesichts der weltweit unver&#228;ndert bestehen bleibenden Massenarmut in Regionen au&#223;erhalb der OECD-L&#228;nder werden die meisten Menschen unabh&#228;ngig von der Neubewertung der Verm&#246;gen anderer auch weiterhin zun&#228;chst einmal eine existenzielle Nachfrage nach &#252;berlebensnotwendigen G&#252;tern und Dienstleistungen zur Befriedigung der Grundbed&#252;rfnisse haben. Also wird die Weltwirtschaft rasch zu einem Zustand mit starkem bis st&#252;rmischen Wachstum zur&#252;ckkehren, schneller als viele das heute sich vorstellen k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Realistischerweise muss hierzulande wohl mit einem U-Verlauf der makro&#246;konomischen Entwicklung gerechnet werden. </strong>Die hiesige Wirtschaft d&#252;rfte das Schlimmste hinter sich haben. Sie wird wieder wachsen. Weltuntergang und ein allgemeiner Bankencrash sind ausgeblieben. Langsam kehren das Vertrauen in die Marktwirtschaft und in die Kreditbeziehungen zur&#252;ck. Allerdings d&#252;rfte der Aufholprozess nicht sehr dynamisch verlaufen.</p>
<p>Gr&#252;nde hierf&#252;r gibt es viele:</p>
<p><strong>Erstens hat die Finanzmarktkrise dramatisch viel Kapital zerst&#246;rt.</strong> Nach einer zwar sehr groben Sch&#228;tzung der Commerzbank Research d&#252;rften die Wertverluste weltweit &#252;ber 10 Billionen US-Dollar betragen. Dieses Kapital fehlt als Sicherheit einerseits bei den Banken, um Kredite zu vergeben und andererseits bei den Unternehmen, um (g&#252;nstiges) Fremdkapital zu erhalten. Als Konsequenz muss es nicht zwangsl&#228;ufig zu einer immer wieder beklagten, bis anhin aber von der Bundesbank nicht best&#228;tigten, Kreditklemme kommen. Aber die Beschaffung von Fremdkapital wird teurer werden. Das wiederum bedeutet, dass die Investitionsneigung geringer und damit das Tempo von Erneuerungs- und Erweiterungsinvestitionen verlangsamt werden. Das bremst die Wachstumsdynamik und wird dazu f&#252;hren, dass das Potenzialwachstum, also die „normale“ durchschnittliche j&#228;hrliche Wachstumsrate, f&#252;r Deutschland in den n&#228;chsten Jahren eher unter als &#252;ber 1,5 % liegen d&#252;rfte.</p>
<p><strong>Zweitens werden sich die realwirtschaftlichen Folgen der Finanzmarktkrise erst in den n&#228;chsten Quartalen so richtig bemerkbar machen.</strong> Vielerorts d&#252;rften bald auch die letzten Reserven an Auftragsbest&#228;nden abgearbeitet sein. Dann gewinnen Entlassungswellen, Konkurse und Insolvenzen an Dynamik. Es wird zu Kurzarbeit und Firmenpleiten kommen. Der (noch) zarte Aufschwung hilft hier nicht wirklich. Daf&#252;r waren die Umsatzeinbr&#252;che zu dramatisch. Hat ein Betrieb ein Minus von 20 % gegen&#252;ber dem Vorjahr, was in vielen Industrieunternehmen in diesen schwierigen Zeiten die Regel und nicht die Ausnahme ist, muss er l&#228;nger als vier Jahre mit j&#228;hrlich mindestens 5 % wachsen, um wieder auf das alte Niveau zur&#252;ckzukommen. Das wird ohne Umstrukturierung und eben wohl auch ohne einen Besch&#228;ftigungsabbau nicht zu leisten sein. Ohnehin &#252;berlagern sich in einigen Branchen strukturelle Ver&#228;nderungen und &#220;berkapazit&#228;ten mit den konjunkturellen Folgen der Weltwirtschaftskrise. Das gilt in Deutschland ganz besonders f&#252;r die Automobilindustrie. Hier w&#228;ren so oder so Anpassungen f&#228;llig gewesen, die (zu) lange aufgeschoben worden sind.</p>
<p>Im Winterhalbjahr 2009/10 werden saisonale Effekte zu einer weiteren Eintr&#252;bung der Besch&#228;ftigungslage f&#252;hren. Erst im Fr&#252;hjahr 2010 werden die Arbeitslosenzahlen ihren H&#246;hepunkt erreicht haben. Und erst danach wird es zu einer Umkehr und wiederum verbesserten Besch&#228;ftigungsaussichten kommen. Erst dann wird sich zeigen, ob die hiesige Wirtschaft zu einem l&#228;nger anhaltenden, langsam stark und st&#228;rker werdenden, nachhaltigen Aufschwung zur&#252;ckfinden wird.</p>
<p>Nimmt man das aus heutiger Sicht realistische Szenario als Grundlage der makro&#246;konomischen Entwicklung, ergibt sich f&#252;r die Notenbanken folgende Strategie: <strong>F&#252;r eine rasche Abkehr von der Politik des billigen Geldes und einem Exit aus der Nullzinswelt ist die Zeit noch zu fr&#252;h.</strong> Eine Zinswende dr&#228;ngt sich in der Eurozone vor dem Fr&#252;hjahr 2010 auf.</p>
<p>Allerdings sollte beim „quantitativen Easing“, also im Bereich der Geldpolitik jenseits der Zinspolitik, die Zeitdimension sukzessive verk&#252;rzt werden. Ebenso m&#252;sste den M&#228;rkten fr&#252;hzeitig ein baldiger Ausstieg aus der Politik der quantitativen Lockerung und der reichlichen Liquidit&#228;tsversorgung angek&#252;ndigt werden. Denn ab dem Fr&#252;hjahr 2010 wird dann kein Weg mehr daran vorbeif&#252;hren, die Politik des billigen Geldes zu beenden. Nur so wird verhindert werden k&#246;nnen, dass aus einer klugen und durchaus erfolgreichen Krisenbew&#228;ltigungspolitik ein teurer Verlust der Preisniveaustabilit&#228;t entsteht.<br />
<em></em></p>
<p><em>Dieser Beitrag stammt aus der Reihe <a href="http://www.hwwi.org/HWWI_Standpunkt.5768.0.html">Standpunkte</a> des <a href="http://www.hwwi.org/">HWWI.</a> Crossposting mit freundlicher Genehmigung des Autors.</em>
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		<item>
		<title>Opel: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 11:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei den Rettungsbem&#252;hungen um Opel ignoriert die Bundesregierung die Entscheidung der Verbraucher. Opel erweist sich als Verbrennungsmotor f&#252;r Steuergelder.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bb8c08a9ef57a8644bda24e10179de" alt="" width="1" height="1" />„Ein unpers&#246;nlicher Markt trennt wirtschaftliche Aktivit&#228;ten von politischen Ansichten und sch&#252;tzt zugleich den Einzelnen vor Diskriminierung infolge von Gr&#252;nden, die mit seiner individuellen Produktivit&#228;t nichts zu tun haben.“ Dieser These Milton Friedmans folgend, lassen sich die t&#228;glichen Kaufentscheidungen unz&#228;hliger deutscher Verbraucher als eine basisdemokratische, von politischen Sonderinteressen befreite Aussage auffassen, was in unserem Lande gebraucht wird und gew&#252;nscht ist. Der kalte anonyme Markt gibt der Politik somit ein wichtiges Orientierungssignal.</p>
<p><strong>F&#252;r die Rettungsbem&#252;hungen um die Adam Opel GmbH wird dieses Orientierungssignal nunmehr zu einem roten Stoppschild</strong>. Seit zehn Jahren f&#228;llt das Unternehmen kontinuierlich in der Gunst der Menschen in Deutschland zur&#252;ck. Der relative Marktanteil derartiger Automobile in Europa liegt nach Angaben der Bundesregierung mit 7,9 Prozent sogar noch unter den 8,4 Prozent in der Bundesrepublik. Die Anzahl verkaufter Fahrzeuge hat sich binnen zehn Jahren von rund 522.000 St&#252;ck auf etwa 258.000 St&#252;ck mehr als halbiert. Es ist nicht sinnvoll, mit Steuerzahlergeld Brieftauben zu z&#252;chten, wenn die Steuerzahler Mobiltelefone kaufen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14008" title="opel_marktanteile" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/opel_marktanteile.png" alt="opel_marktanteile" width="494" height="267" /></p>
<p>Nach Angaben der Bundesregierung hat die Adam Opel GmbH seit dem Jahr 2003 kontinuierlich Verluste von insgesamt etwa zwei Milliarden Euro eingefahren (2003: -646; 2004: -69; 2005: -68; 2006: -716; 2007: -362; 2008: Verlust noch verdunkelt; Angaben in Millionen Euro). In diesem Zeitraum wurden also pro Tag mehr als eine Millionen Euro sprichw&#246;rtlich durch den Auspuff gejagt. So etwas kannte man sonst vor allem bei Volkseigenen Betrieben der DDR.</p>
<p>Das Wort &#8220;Verbrennungsmotor&#8221; bekommt am Beispiel Opel also eine ganz neue Bedeutung. Mit der Abwrackpr&#228;mie hat die Bundesregierung bei dieser Wertverbrennung noch einen Scheit nachgelegt. Die bislang rund 52.000 Abwrackpr&#228;mien-Antr&#228;ge f&#252;r Automobile der Marke Opel entsprechen etwa 30 Prozent aller Neuzulassungen dieses Herstellers im Jahr 2009. Fast jeder dritte neue Opel rollt also mit Subventionen von insgesamt rund 130 Millionen Euro.</p>
<p>Damit nicht genug. Im Rahmen der Rettungsbem&#252;hungen hat die Adam Opel GmbH quasi in letzter Sekunde einen staatlichen &#220;berbr&#252;ckungskredit in H&#246;he von insgesamt 1.5 Milliarden Euro erhalten. Kein Kreditinstitut und kein privater Investor waren zum gegebenen Zeitpunkt bereit, sich an einer derart risikoreichen Zwischenfinanzierung zu beteiligen. <strong>Die m&#252;ssen ja schlie&#223;lich mit ihrem eigenen Geld haushalten.</strong></p>
<p>Wieder einmal hat die Bundesregierung eine inkonsistente und durch Aktionismus gezeichnete Wirtschaftspolitik fortgesetzt. Dies verdeutlicht nicht zuletzt ein Blick auf die &#246;ffentliche Beschaffung von Institutionen des Bundes in der laufenden Legislaturperiode:</p>
<table border="1" frame="box">
<caption><strong>Beschaffungsvolumen Automobile Marke &#8216;Opel&#8217; &#8211; Institutionen des Bundes</strong></caption>
<tbody></tbody>
<tbody>
<tr>
<td>in TEuro; exkl. MwSt.</td>
<th>2005</th>
<th>2006</th>
<th>2007</th>
<th>2008</th>
<th>’06 zu ’08</th>
</tr>
<tr>
<td>GB BMWi</td>
<td>0</td>
<td>12</td>
<td>0</td>
<td>15</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMF</td>
<td>3.754</td>
<td>8.947</td>
<td>6.165</td>
<td>4.873</td>
</tr>
<tr>
<td>BMBF</td>
<td>0</td>
<td>0</td>
<td>15</td>
<td>0</td>
</tr>
<tr>
<td>BMI</td>
<td>0</td>
<td>0</td>
<td>25</td>
<td>0</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMI</td>
<td>30</td>
<td>129</td>
<td>499</td>
<td>83</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMFSFJ</td>
<td>15</td>
<td>13</td>
<td>14</td>
<td>168</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMELV</td>
<td>0</td>
<td>22</td>
<td>15</td>
<td>14</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMVBS</td>
<td>462</td>
<td>1.095</td>
<td>706</td>
<td>953</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMVg</td>
<td>31.683</td>
<td>46.412</td>
<td>24.104</td>
<td>8.594</td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td><strong>35.944</strong></td>
<td><strong>56.630</strong></td>
<td><strong>31.543</strong></td>
<td><strong>14.700</strong></td>
<td><strong><span style="color: #ff0000;">-74,04 %</span></strong></td>
</tr>
<tr>
<td>GB = Gesch&#228;ftsbereich</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Das staatliche Beschaffungsvolumen von Automobilen der Markte Opel wurde zun&#228;chst im allgemeinen Boomjahr 2006 massiv erh&#246;ht, um dann zeitgleich mit der Umsatzsteuererh&#246;hung im Jahr 2007 pro-zyklisch und krisenversch&#228;rfend zusammengek&#252;rzt zu werden. Letztlich ist diese R&#252;ckf&#252;hrung der Beschaffung genau in dem Zeitraum passiert, wo der Automobilabsatz in Deutschland schon unter Druck geraten war. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sind die Neuzulassungen zwischen 2006 und 2008 von 3.467.961 auf 3.090.040 St&#252;ck zur&#252;ckgegangen. Das sind etwa elf Prozent. Wo staatliche Institutionen durch stetige Beschaffungsvorhaben eine Sockelauslastung h&#228;tten sichern k&#246;nnen, wurde Politik nach Kassenlage gemacht.</p>
<p>Es w&#228;re an der Zeit, den Opel-Irrsinn zu stoppen. Wie hei&#223;t es so sch&#246;n: Irren ist menschlich &#8211; aber wenn du den Radiergummi vor dem Bleistift aufbrauchst, &#252;bertreibst du.
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		<title>Kapitalismus: Alle sind wieder da</title>
		<link>http://carta.info/13468/kapitalismus-alle-sind-wieder-da-ja-und/</link>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 10:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ursula Weidenfeld</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Industrieplan, Kanzleigesetze und Rettungspaket-Gewinne werden zu Skandalen gemacht. Tats&#228;chlich zeigen sie, dass Politik und Wirtschaft zur Normalit&#228;t zur&#252;ckgekehrt sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;"><span style="font-size: small;">Das Casino ist wieder er&#246;ffnet. Aus Guttenbergs Wirtschaftsministerium kommt ein <a href="http://www.rp-online.de/public/download/aktuelles/politik/deutschland/HBTGc7Y4.pdf">Industrieplan</a>, der von Privatisierungs- und Deregulierungsvorhaben nur so wimmelt. Schlimmer noch: Er beauftragt eine internationale Rechtsanwaltskanzlei mit der Formulierung von Gesetzesvorhaben. <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>Die Banken verdienen an ihrem Teil des Rettungspaketes f&#252;r die HRE Milliarden. Das sind, kurz gefasst, die j&#252;ngsten Skandale aus der Welt des Kapitalismus und der Marktwirtschaft.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;"><span style="font-size: small;">Ja und? Stellen wir uns doch nur einmal den jeweils passenden <strong>Umkehrskandal</strong> vor: Der Wertpapier- und Aktienhandel liegt nach wie vor darnieder. Der Wirtschaftsminister f&#252;hrt eine Liste mit weiteren Verstaatlichungen, geplanten Enteignungen und Ma&#223;nahmen zur rigorosen Eind&#228;mmung des Wettbewerbs. Der Gesetzentwurf zur Rettung der Banken <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>verz&#246;gert sich weiter, weil im Ministerium weder die richtigen Leute sitzen noch die n&#246;tige Anzahl von ihnen vorhanden ist. Die Banken verdienen immer noch nix und kippen deshalb auch noch ihren Teil des HRE-Rettungspakets bei der Staatskasse ab.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;"><span style="font-size: small;">Die vermeintlichen Skandale der vergangenen Woche sind keine. <strong>Sie zeigen nur, dass in den Unternehmen und Banken ganz langsam wieder Normalit&#228;t einkehrt.</strong> Und dass im Ministerium f&#252;r Wirtschaft wieder &#252;ber Wirtschaft nachgedacht wird und nicht nur &#252;ber Ad-hoc-Politik. Das ist eine Normalit&#228;t, die manchem nicht gefallen mag. Aber es ist die Normalit&#228;t, die irgendwann wieder f&#252;r Wachstum, f&#252;r Gewinne, mehr Steuern und mehr Arbeitspl&#228;tze sorgt. Die Normalit&#228;t die man braucht, um die absehbaren neuen Zuspitzungen der Wirtschaftskrise in diesem Herbst und Winter bew&#228;ltigen zu k&#246;nnen. <span style="mso-spacerun: yes;"> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;"><span style="font-size: small;">Dann ist es vielleicht nicht so schlecht, wenn sich der ein oder andere erinnert, wie es ist, wenn man mal ein paar Monate Geld verdient hat. Oder wenn ein neuer Wirtschaftsminister einer neuen Bundesregierung zumindest noch auf einer Anwaltsrechnung <span style="mso-spacerun: yes;"> </span><span style="mso-spacerun: yes;"> </span>nachlesen kann, wo es Fachleute zur Ausformulierung komplizierter Gesetze gibt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;">
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 10pt;">
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		<item>
		<title>Der &#252;berforderte Staat und die kommende Haushaltskrise</title>
		<link>http://carta.info/11545/der-ueberforderte-staat-und-die-kommende-haushaltskrise/</link>
		<comments>http://carta.info/11545/der-ueberforderte-staat-und-die-kommende-haushaltskrise/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 18:04:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Berthold U. Wigger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Oeko]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach der Finanz- und der Wirtschaftkrise steht als drittes die Haushaltskrise bevor. F&#252;r das Gemeinwesen gibt es dabei keinen Retter. Es muss sich vielmehr selber retten, will es sich nicht heillos &#252;berfordern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9dff9f493fe9c2b9d62d08a0916fb9" width="1" height="1" alt=""/>Dort, wo ich aufwuchs, gab es einen viel besch&#228;ftigten Mann. Er hatte drei Berufe – er war zugleich B&#228;cker, Gastwirt und Taxiunternehmer. Abends, nachdem er seinen B&#228;ckerladen geschlossen hatte, schenkte er in seiner Gastwirtschaft bis sp&#228;t nachts Bier aus, fuhr dann die letzten G&#228;ste mit dem Taxi heim, und backte anschlie&#223;end in seiner B&#228;ckerei Brote und Br&#246;tchen, die er tags&#252;ber in seinem Laden verkaufte. Die drei Berufe schienen einander formidabel zu erg&#228;nzen. Nie musste der Mann das Gef&#252;hl haben, er sollte eigentlich Taxi fahren, wenn er Br&#246;tchen backte, und wenn er die Br&#246;tchen verkaufte, gab es niemanden, dem er ein Bier h&#228;tte einschenken sollen. Gleichwohl hatte die Sache mit den drei Berufen einen Haken. Sie war nicht wirklich nachhaltig. Der Mann verga&#223;, dass auch sein Tag nur 24 Stunden hatte und dass er in der 25. oder 26. keinen Schlaf finden w&#252;rde. Der Ausgang der Geschichte ist deshalb schnell erz&#228;hlt: der Mann hatte das vierzigste Lebensjahr noch nicht erreicht, da war er tot.</p>
<p>&#220;berforderung  ist freilich nicht allein ein individuelles Privileg. &#220;berfordern kann sich auch ein Gemeinwesen. <strong>Gegenw&#228;rtig sind wir auf dem besten Weg, unser Gemeinwesen, den Staat, zu &#252;berfordern</strong>. Der Staat soll nicht nur Banken und marode Unternehmen retten und die &#246;ffentliche Infrastruktur aufm&#246;beln, er soll auch Rentner vor Rentenk&#252;rzungen, Studenten vor Studiengeb&#252;hren, die Wirtschaft vor Subventionsk&#252;rzungen, Geringqualifizierte vor niedrigen L&#246;hnen, das Klima vor der Erw&#228;rmung und uns alle vor Autos bewahren, die &#228;lter sind als neun Jahre. Au&#223;erdem soll er in Zukunft die Steuern senken, keine Schulden mehr machen und mehr Geld f&#252;r Erziehung, Bildung und Forschung ausgeben. In der Tat, man braucht kein Def&#228;tist zu sein, um zu merken, dass das schwierig wird, und man braucht kein Philosoph zu sein, um zu sehen, dass die Wahrheit anders aussieht.</p>
<p>Als Folge der durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgel&#246;sten Steuerausf&#228;lle und der Ausgaben f&#252;r Konjunkturprogramme wird die gesamtstaatliche Verschuldung in den n&#228;chsten Jahren auf mehr als 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Darin eingerechnet sind noch nicht die m&#246;glicherweise anfallenden finanziellen Verpflichtungen aus den Kreditb&#252;rgschaften, die der Staat f&#252;r Banken und andere Unternehmen &#252;bernommen hat. Zwar sind die Steuerausf&#228;lle unvermeidlich und die Konjunkturprogramme trotz einiger Unzul&#228;nglichkeiten im Detail (Stichwort: Abwrackpr&#228;mie) alternativlos – der starke Anstieg der Schulden ist deshalb kein politisches Versagen. Das bedeutet aber nicht, dass man zur Tageordnung &#252;bergehen kann, sobald die Finanz- und Wirtschaftskrise &#252;berwunden ist. <strong>Die Krise besteht n&#228;mlich aus drei Teilen und der dritte steht erst noch bevor.</strong></p>
<p><strong>Der erste Teil der Krise ist die Finanzkrise.</strong> Sie erreichte ihren H&#246;hepunkt im September letzten Jahres mit dem Untergang der Lehman-Bank. Danach wurden weltweit Schirme zur Rettung des Bankensektors aufgespannt. Zwar sind die Banken noch nicht konsolidiert. Im Windschatten staatlicher Rettungsprogramme machen sie aber inzwischen schon wieder Gewinne. <strong>Der zweite Teil der Krise ist die Wirtschaftskrise.</strong> Der R&#252;ckgang der Produktion aufgrund des Einbruchs der weltweiten Nachfrage erreichte seinen H&#246;hepunkt im Fr&#252;hjahr dieses Jahres. Mittlerweile scheint sich die Lage freilich zu stabilisieren. Gest&#252;tzt durch staatliche Ausgaben wird die Wirtschaft sp&#228;testens im n&#228;chsten Jahr wieder auf einen Wachstumspfad  zur&#252;ckfinden, auch wenn der zun&#228;chst nicht sehr steil sein d&#252;rfte. Aber die Sache ist damit noch nicht erledigt. <strong>Der dritte Teil der Krise, die Haushaltskrise, wird seinen H&#246;hepunkt erst im kommenden Jahrzehnt erreichen und dieser Teil wird l&#228;nger dauern als die ersten beiden.</strong> F&#252;r das Gemeinwesen gibt es dabei keinen Retter. Es muss sich vielmehr selber retten, will es sich nicht heillos &#252;berfordern.</p>
<p>Allein die aufget&#252;rmten Schulden werden zu erheblichen Mehrlasten im &#246;ffentlichen Haushalt f&#252;hren. Das gilt besonders dann, wenn infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs das Zinsniveau steigt. Gegenw&#228;rtig zahlt der Staat historisch niedrige Zinsen auf seine Schulden.  Sobald die Zinsen wieder steigen, werden die Zinslasten einen deutlich gr&#246;&#223;eren Anteil an den staatlichen Ausgaben haben und nach den Sozialausgaben den gr&#246;&#223;ten Posten im &#246;ffentlichen Gesamthaushalt einnehmen.</p>
<p>Was kann man tun? Sicher nicht all das, was gegenw&#228;rtig vom Staat gefordert wird. Dann w&#252;rde ihm bald die Puste ausgehen. <strong>Nachhaltig &#252;berwinden lassen sich Haushaltskrisen durch systematische Ausgabenk&#252;rzungen oder Einnahmensteigerungen.</strong> Besonders Ausgabenk&#252;rzungen lassen sich indessen leichter fordern als realisieren. So wird zwar h&#228;ufiger vorgeschlagen, bei den Sozialausgaben zu k&#252;rzen. Allerdings d&#252;rften die Spielr&#228;ume nicht besonders gro&#223; sein. Nehmen wir als Beispiel die gesetzlichen Renten. Laut OECD wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten bereits mit dem jetzigen System der gesetzlichen Alterssicherung zunehmend mit dem Problem der Altersarmut konfrontiert sein. In Zukunft wird das System deshalb sogar ausgebaut werden m&#252;ssen. Dabei wird man sich vermutlich zumindest ein St&#252;ck weit von der jetzigen beitragsfinanzierten Rente verabschieden  und zu einer st&#228;rker steuerfinanzierten (Grund-)Rente &#252;bergehen. Das erfordert aber eher h&#246;here als niedrigere Steuern.</p>
<p>Sicher gibt es dennoch verschiedene M&#246;glichkeiten, die Ausgaben zu senken. Insbesondere geh&#246;rt das schwer zu durchschauende Geflecht der Wirtschaftsf&#246;rderung auf den Pr&#252;fstand.  Zur &#220;berwindung der Haushaltskrise wird man aber wohl <strong>nicht an Steuererh&#246;hungen vorbeikommen</strong>. Die Mehrwertsteuer w&#228;re daf&#252;r kein schlechter Kandidat. Mit einfachen &#220;berschlagsrechnungen l&#228;sst sich ermitteln, welche Erh&#246;hungen notwendig w&#228;ren. Knapp ein Prozent Mehrwertsteuererh&#246;hung d&#252;rften gebraucht werden, um die zus&#228;tzliche Zinslast des &#246;ffentlichen Haushalts zu bezahlen, weitere vier Prozent, um in Zukunft keine zus&#228;tzlichen Schulden mehr aufzubauen. Sollte es au&#223;erdem gelingen, Ausgaben zu k&#252;rzen, k&#246;nnte vielleicht die direkte Abgabenlast reduziert werden. Wenn mehr Mehrwertsteuermittel zur Finanzierung der Altersrenten aufgewendet werden, lie&#223;en sich beispielsweise die Sozialversicherungsbeitr&#228;ge senken.</p>
<p>Krisen haben immer auch die Bedeutung, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die Finanzkrise f&#252;hrt – hoffentlich – zu einer besseren Regulierung der Finanzm&#228;rkte. Die Wirtschaftskrise beseitigt – hoffentlich – kostenineffiziente und nicht an den Kundenw&#252;nschen orientierte Gesch&#228;ftsmodelle. Und so birgt auch die kommende Haushaltskrise die Chance, dass die staatlichen Einnahmen und Ausgaben neu und besser austariert werden. Pers&#246;nlich sehe ich eine gr&#246;&#223;ere Rolle f&#252;r die Mehrwertsteuer als Einnahmequelle und f&#252;r st&#228;rker steuer- statt beitragsfinanzierte Leistungen in der Sozialversicherung.  Sicher brauchen wir f&#252;r den Staat nicht das Schicksal des backenden, Taxi fahrenden Gastwirts zu f&#252;rchten. Der &#252;berforderte Staat wird vielmehr gewandelt und – hoffentlich – gest&#228;rkt aus der Krise hervorgehen.
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		<title>Die gro&#223;e Koalition hat funktioniert &#8211; und wie!</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 16:48:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit teuren Geschenken an die W&#228;hler hat die gro&#223;e Koalition eine Sicherheit vorgegaukelt, die es gar nicht gibt. Die Folgen des Konjunktureinbruchs wurden um ein halbes Jahr verschoben, um die gro&#223;e Koalition &#252;ber die Bundestagswahl zu bringen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/991bb6380bd7715ed34b1662ef10fd" width="1" height="1" alt=""/>
<p>Was w&#228;re gewesen, wenn… Das ist ein beliebtes Spiel, es &#228;ndert zwar nichts, hilft aber gelegentlich, die Dinge im rechten Licht zu sehen. Und in diesem Fall ist es mehr als ein Spiel, es ist bitterer Ernst.</p>
<p>Was w&#228;re passiert, wenn die gro&#223;e Koalition nicht die Zahlung des Kurzarbeitergeldes verl&#228;ngert und nicht die Abwrackpr&#228;mie eingef&#252;hrt h&#228;tte? Dann h&#228;tten wir wahrscheinlich heute schon 4,5 Millionen Arbeitslose, Opel w&#228;re l&#228;ngst insolvent, jeder Rettungsversuch w&#228;re vergeblich gewesen, und hunderte weiterer Unternehmen w&#228;ren pleite gegangen.</p>
<p>Dann ist doch alles gut, werden manche sagen. Die gro&#223;e Koolition hat hunderttausenden von Arbeitnehmern die Arbeitslosigkeit erspart und Millionen die Angst davor genommen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. <strong>Denn das b&#246;se Ende kommt noch: wenn die Abwrackpr&#228;mie ausgelaufen ist, bricht der Automarkt endg&#252;ltig zusammen.</strong> Und der Zusammenbruch wird noch brutaler, weil es n&#228;chstes Jahr zumindest f&#252;r Kleinwagen &#252;berhaupt keinen Markt mehr gibt.</p>
<p>Und die meisten anderen Firmen &#228;chzen heute schon, sie k&#246;nnten die Arbeitnehmer nicht l&#228;nger in Kurzarbeit besch&#228;ftigen, wenn keine neuen Auftr&#228;ge mehr hereinkommen. Im Fr&#252;hjahr droht die Arbeitslosigkeit wieder die F&#252;nf-Millionen-Marke zu &#252;berschreiten, hunderte, tausende von Firmenpleiten sind schon programmiert. <strong>Es wird keine Br&#252;cke zum n&#228;chsten Aufschwung geben, sondern nur eine l&#228;ngere Anfahrt bis zum Absturz.</strong></p>
<p>Der Wirtschaftseinbruch, die reale Ankunft der Krise bei den B&#252;rgern, wurde nur vertagt. Den Arbeitnehmern, sprich W&#228;hlern, wurde eine Sicherheit vorgegaukelt, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. <strong>Der bitteren Folgen des Konjunktureinbruchs wurden nur um ein halbes Jahr verschoben. Und genau dieses halbe Jahr reicht, um die gro&#223;e Koalition &#252;ber die Bundestagswahl zu bringen.</strong> Das hat Tradition: schon immer wurden Arbeitslosenstatistiken vor Wahlen gesch&#246;nt.</p>
<p>Was hat die gro&#223;e Koalition nicht alles getan, um die B&#252;rger mit Wahlgeschenken gn&#228;dig zu stimmen: die unverantwortlich tiefe Absenkung des Beitrages zur <strong>Arbeitslosenversicherung</strong> Anfang 2009, damit Millionen Menschen die erh&#246;hten Krankenkassenbeitr&#228;ge auf der Gehaltsabrechnung nicht merken; das unverantwortliche Aussetzen des Riester-Faktors, damit es f&#252;r die Rentner 2009 eine sp&#252;rbare <strong>Erh&#246;hung der Renten</strong> gibt; die unverantwortliche gesetzliche <strong>Rentengarantie</strong>, damit auch ja keine Zukunftsangst aufkommt.<strong> Teure Geschenke.</strong> Auch daf&#252;r m&#252;ssen alle nach der Wahl die Zeche bezahlen &#8211; in Form h&#246;herer Beitr&#228;ge oder h&#246;herer Steuern oder K&#252;rzung der Sozialleistungen oder alles zusammen.</p>
<p><strong>Da sage noch einer, die gro&#223;e Koalition funktioniere nicht.</strong> Und das Zusammenspiel mit den Gro&#223;konzernen auch. Es w&#252;rde mich nicht wundern, wenn auch sie Entlassungen bewusst bis nach der Bundestagswahl verz&#246;gern &#8211; als stille Wahlhelfer f&#252;r  Angela Merkel. Denn von der Verl&#228;ngerung des Kurzarbeitergeldes und von der Abwrackpr&#228;mie profitieren nicht die Erfinder Olaf Scholz und Frank-Walter Steinmeier von der SPD, sondern die Kanzlerin und die CDU.</p>
<p>P.S. Damit kein Missverst&#228;ndnis aufkommt: ich w&#252;nsche jedem Arbeitnehmer den Erhalt seines Arbeitsplatzes, das &#228;ndert aber nichts an den Realit&#228;ten &#8211; und auch nichts an denen eines Wahlkampfes.</p>
<p><em>Michael Spreng bloggt unter <a href="http://www.sprengsatz.de/">Sprengsatz</a>, wo auch <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=1517">dieser Beitrag</a> erschien.</em></p>
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		<title>Der verzweifelte Kampf der SPD gegen die K-Fallen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 13:56:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Krisenkurs der SPD erweist sich als weiterer Fallstrick vor der Bundestagswahl. Drei Monate vor der Wahl muss sie ihre Wahlstrategie v&#246;llig neu justieren. Selbst die eigenen Anh&#228;nger rechnen mehrheitlich nicht mehr mit einer SPD-Regierung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/93d5cc6188a8ff1aae91981b3a7221" width="1" height="1" alt=""/>Exakt drei Monate vor der Bundestagswahl warten die Genossen weiterhin erfolglos auf den Wechsel in der Wechselstimmung. Schlimmer noch: Die Ausgangslage f&#252;r die SPD hat sich sogar noch verschlechtert: <strong>Zu den bisher schon existierenden vier K-Katastrophen – Klima, Kandidat, Kompetenz, Konjunktur – hat sich noch eine f&#252;nfte hinzugesellt, m&#246;glicherweise die Wahl entscheidende: der Krisenkurs!</strong></p>
<p>Urpl&#246;tzlich sind die Deutschen konvertiert: Aus einem Volk der F&#252;llhornforderer ist das der Ordnungspolitiker geworden! In der Woche der Verabschiedung des gr&#246;&#223;ten Haushaltsdefizits aller Zeiten halten nur noch 25 Prozent der W&#228;hler Neuverschuldungen f&#252;r richtig, trotz anhaltender Wirtschaftskrise. Selbst unter den SPD-W&#228;hlern sind sie mit 39 Prozent in der Minderheit. Noch vor einem halben Jahr war Schuldenmachen f&#252;r die Ankurbelung der Wirtschaft in Deutschland mehrheitsf&#228;hig!</p>
<p><strong>Bislang waren es vier K-Fallstricke, die gegen die Sozialdemokraten sprachen:</strong></p>
<ul>
<li>Das <strong>politische Klima</strong> ist unver&#228;ndert g&#252;nstig f&#252;r die Union. Nur f&#252;r sieben Prozent ist die SPD im Stimmungshoch. Die deutliche Mehrheit glaubt, dass die Union weiterhin den Kanzler stellt. Der Bandwaggon-Effekt spricht also f&#252;r CDU/CSU.</li>
<li>In der<strong> Kanzlerfrage</strong> kann Merkel ihren Vorsprung gegen&#252;ber Steinmeier sogar noch vergr&#246;&#223;ern. Derzeit f&#252;hrt sie gegen&#252;ber dem Herausforderer  mit 60:29 Prozent.</li>
<li>In fast allen wichtigen <strong>Kompetenzbereichen</strong> liegt die Union deutlich vor der SPD.</li>
<li>Und schlechte <strong>Konjunkturdaten</strong> machen konservative Parteien umso w&#228;hlbarer, je n&#228;her vor Wahlen die eigene Zukunft anstelle allgemeiner Unzufriedenheit gew&#228;hlt wird.</li>
</ul>
<p>Nun auch noch der Krisenkurs! Urpl&#246;tzlich halten die Deutschen die geordnete Insolvenz f&#252;r besser als staatliche Schutzschilder, Kredite oder B&#252;rgschaften f&#252;r die Privatwirtschaft. &#214;konomische Kompetenz arbeitsplatzerhaltender als Sozialkompetenz, Wirtschaftsminister zu Guttenberg f&#252;r den erfolgreicheren Retter f&#252;r Arbeitspl&#228;tze als Arbeitsminister Scholz.</p>
<p><strong>Urpl&#246;tzlich steht nicht mehr das W&#252;nschenswerte sondern das Realisierbare im Focus der politischen Einstellungen</strong>. Die Wirtschafts- dominiert die Verteilungskompetenz!</p>
<p><strong>Vier Gr&#252;nde haben bei den Deutschen zu diesem Meinungswandel gef&#252;hrt</strong>:</p>
<ul>
<li>Das Gespenst von <strong>Verschuldungsfalle</strong> und der<strong> Inflation</strong> beunruhigt inzwischen 80 Prozent der Deutschen, in noch st&#228;rkerem Ma&#223;e die J&#252;ngeren.</li>
<li>Die Deutschen sp&#252;ren das <strong>Milliardenrisiko</strong> „rettender Staat“. 70 Prozent empfinden Staatshilfen f&#252;r die Privatwirtschaft als reine Geldverschwendung, so glauben z.B. gerade mal 13 Prozent, dass Opel durch die Hilfe des Staates nun l&#228;ngerfristig  gerettet ist.</li>
<li>Zwei Drittel empfinden die <strong>Unterst&#252;tzung schlecht aufgestellter Unternehmen</strong> als einseitig und ungerecht gegen&#252;ber den gut arbeitenden.</li>
<li>Und noch nicht einmal jeder Zehnte glaubt, dass der Staat <strong>auch seinem Unternehmen</strong> helfen wird, sollte es einmal in Schwierigkeiten kommen.</li>
</ul>
<p><strong>Drei Monate vor der Wahl muss die SPD ihre Wahlstrategie v&#246;llig neu justieren</strong>: Die Dominanz linker Positionen sowie M&#252;nteferings „Retten um jeden Preis“- Rhetorik finden nicht mehr das Wohlwollen der W&#228;hler, sondern werden – schlimmer noch – als unaufrichtige Wahlkampfstrategie geoutet. Das erkl&#228;rt auch, dass M&#252;ntefering in diesem Wahlkampf l&#228;ngst nicht mehr eine derart dominante Rolle wie noch 2005 spielen kann. Zumal die SPD ihr Verh&#228;ltnis zur Linken immer noch nicht gekl&#228;rt hat: Weiterhin sind es 40 Prozent, die den Genossen zutrauen, im Zweifelsfall auch eine Koalition mit der Linken einzugehen. Eine Gefahr, die sich nach den Landtagswahlen in Th&#252;ringen und Saarland eher noch verst&#228;rken wird.</p>
<p>Allerdings verringert sich diese Gefahr tagt&#228;glich: Nicht nur, weil die SPD nach der Europawahlschlappe in der Sonntagsfrage mit 24 Prozent wieder auf Tiefstwert zur&#252;ckgefallen ist, sondern sich gleichzeitig auch die Linke auf rasanter Talfahrt befindet: Statt 15 Prozent, wie noch vor einem halben Jahr, w&#252;rden sie heute gerade mal neun Prozent w&#228;hlen. 68 Prozent der Deutschen erwarten inzwischen schwarzgelb nach dem 27. September auf den Regierungsb&#228;nken.</p>
<p><strong>Wahlentscheidender aber k&#246;nnte sein, dass auch 61 Prozent der SPD-Anh&#228;nger nicht mehr mit einer roten Regierung rechnen.</strong> Denn Aufholjagd geht nur, wenn die Genossen noch eine Chance auf den Sieg wittern. Doch nur noch 30 Prozent rechnen – wenigstens noch mit einem achtbaren Ergebnis.</p>
<p>Die <em>Self-Fulfilling Prophecy</em>, also der Glaube, es doch noch zu schaffen, war die Dominante der Schr&#246;der-Wahlk&#228;mpfe. Vor allem das unterscheidet die Schr&#246;der- von der Steinmeier-SPD.
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		<title>Regierungskoalition im „totalen Krieg“ mit Altautos!</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 15:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern abend gegen 20.00 Uhr hat der Deutsche Bundestag die Abwrackpr&#228;mie auf 5,7 Milliarden Euro erh&#246;ht. Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen setzt die Gro&#223;e Koalition ihre inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/837f2a26b429aab5e4bd3c31f1c56b" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen f&#252;r den Industriestandort Deutschland haben sich seit 2005 sp&#252;rbar verschlechtert. Insbesondere der deutsche Automobilsektor ist von der seit Anfang 2007 geltenden, um drei Prozentpunkte erh&#246;hten Umsatzsteuer erheblich betroffen. Dies verteuert nicht nur die Anschaffung von privaten Neu- und Gebrauchtwagen, sondern ebenso Reparaturen, Fahrzeugaufwertungen und Betriebsmittel wie Benzin und Diesel. Der <strong>Besitz und Betrieb eines privaten Kraftfahrzeugs</strong> ist dadurch erheblich <strong>unattraktiver geworden</strong>. Mit der aktionistischen Biokraftstoffpolitik der Bundesregierung wurden Verbraucher zus&#228;tzlich verunsichert. Das Teilsegment &#8220;Lastkraftwagen&#8221; ist in Deutschland nicht zu letzt durch die Erh&#246;hung der Maut negativ betroffen. Der Absatz von Bussen ist ohnehin in erheblichem Umfang durch die &#246;ffentliche Beschaffungsnachfrage gepr&#228;gt, die scheinbar ausbauf&#228;hig ist. Die Politik der Gro&#223;en Koalition hat somit, wenn nicht bei der Entstehung, so doch bei der Auspr&#228;gung der gegenw&#228;rtigen Branchenkrise erheblich beigetragen.</p>
<p>Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger <strong>Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen</strong>, setzt die Bundesregierung einseitig auf kurzfristigen Aktionismus. Mit der diesbez&#252;glich eingef&#252;hrten und am 28. Mai des Jahres ausgeweiteten Abwrackpr&#228;mie werden die Ursachen der gegenw&#228;rtigen Krise nicht angegangen. Durch die Abwrackpr&#228;mie wird vielmehr ein <strong>staatlicher Anreiz zur Vernichtung volkswirtschaftlichen Verm&#246;gens</strong> gesetzt. Die hierf&#252;r bereitgestellten Mittel sind von bislang 1,5 Milliarden Euro auf nun 5,7 Milliarden Euro einschlie&#223;lich Zinsausgaben aufgestockt worden. Bis zu zwei Millionen funktionst&#252;chtige Automobile lassen sich durch diese staatliche Ma&#223;nahme vernichten. Bislang sind etwa 1,4 Millionen Antr&#228;ge gestellt worden.</p>
<p>&#214;konomisch unsinnig und &#246;kologisch fragw&#252;rdig setzt die Gro&#223;e Koalition ihre <strong>inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik</strong> fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen:</p>
<ul>
<li>Sie begr&#252;ndet erhebliche <strong>Wettbewerbsverzerrungen</strong> innerhalb des Automobilsektors und zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren. Die bislang verf&#252;gbaren Antragsstatistiken verdeutlichen erhebliche Marktanteilsverschiebungen zu Gunsten wertsch&#246;pfungsflacher Kleinwagenhersteller und zu Lasten wertsch&#246;pfungstiefer Premiumhersteller. Auch zwischen verschiedenen Sektoren kommt es zu sp&#252;rbaren Verzerrungen. Die Anschaffung hochwertiger, langlebiger Konsumg&#252;ter wird oftmals zur&#252;ckgestellt, um staatlich subventionierte Automobilanschaffungen vorzuziehen. Durch diese Substitutionseffekte wird die Wirtschaftskrise f&#252;r andere Wirtschaftssektoren noch versch&#228;rft. Die Bundesregierung spielt somit verschiedene Berufsgruppen gegeneinander aus.</li>
</ul>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche <strong>Vorzieheffekte</strong>, wodurch perspektivisch Nachfrageausf&#228;lle im Binnenmarkt nach der Bundestagswahl erwartbar sind. Die dann notwendigen Anpassungsma&#223;nahmen bei Herstellern, H&#228;ndlern und Werkst&#228;tten werden die Unternehmen langfristig belasten. Von einer &#8220;Br&#252;ckenfunktion&#8221; der Abwrackpr&#228;mie kann schon deshalb nicht ausgegangen werden, weil wichtige Exportl&#228;nder bereits eigene konjunkturelle Programme zum Abverkauf von Automobilen aufgelegt haben. So beispielsweise: England (seit April 2.000 Pfund Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 10 Jahre altes Auto), Frankreich (seit Ende 2008 1.000 Euro Abwrackpr&#228;mie), Japan (1.900 Euro Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 13 Jahre altes Auto), Indien (Senkung der Mehrwertsteuer), Russland (staatliche Kredite f&#252;r den Fahrzeugkauf bis 8.000 Euro).</li>
</ul>
<div id="attachment_10040" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81.jpg"><img class="size-medium wp-image-10040" title="3386538183_5a42d22ac81" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81-300x193.jpg" alt="xxxxx" width="300" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p></div>
<p>Der dringend notwendige <strong>Strukturwandel wird gebremst</strong> und dadurch die <strong>nachhaltige Sicherung wettbewerbsf&#228;higer Arbeitspl&#228;tze verhindert</strong>. Vor allem f&#252;r freie, mittelst&#228;ndische KfZ-Werkst&#228;tten sind massive Auftragsr&#252;ckg&#228;nge in den kommenden Jahren prognostiziert.</p>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche Mitnahmeeffekte, welche die Wirkung des Instruments einschr&#228;nken und den Haushalt mit bis zu 2,6 Milliarden Euro netto belasten. Dies geht aus Berechnungen des renommierten Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor, wonach bei etwa 75 Prozent aller abwrackpr&#228;miengest&#252;tzten Fahrzeugk&#228;ufen derartige <strong>Steuergeldverschwendungen</strong> eintreten. Konjunkturwirksame Multiplikator- und Acceleratoreffekte w&#252;rden sich durch nachhaltige Investitionen in Infrastrukturen sowie eine St&#228;rkung des Wissenschaftsstandorts ergeben.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie sch&#228;digt den Sekund&#228;rmarkt f&#252;r Fahrzeuge mit Betriebszeiten zwischen zwei und acht Jahren. Die <strong>Binnennachfrage nach Gebrauchtwagen</strong> wird durch die Abwrackpr&#228;mie <strong>k&#252;nstlich gesenkt</strong>, was in Teilbereichen zu sinkenden Verkehrswerten f&#252;hrt. Dieser Verfall der Restwerte kann kurzfristig die Finanz- und Ertragslage von Leasing-Gesellschaften erheblich eintr&#252;ben und mittelfristig zu insgesamt h&#246;heren Leasingraten bei Neuwagen f&#252;hren.</li>
</ul>
<p>Letztlich geht mit diesem Verkehrswertverfall ein <strong>Verm&#246;gensschaden f&#252;r den &#252;berwiegenden Teil von Fahrzeughaltern</strong> einher. Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p>
<ul>
<li>Sie weist auch weiterhin ein erhebliches <strong>Missbrauchspotential zur Erschleichung dieser staatlichen Subventionen</strong> auf. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Antragsteller einen Neuwagen erwirbt, ihn zul&#228;sst und die Abwrackpr&#228;mie beantragt, ihn anschlie&#223;end dem H&#228;ndler wieder ver&#228;u&#223;ert und letztlich als Gebrauchtwagen erneut kauft.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie birgt Gefahren f&#252;r Geringverdiener, denn sie kann zu unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Erwerbungen verf&#252;hren. Die staatlichen Subventionen k&#246;nnen die Verbrauchersouver&#228;nit&#228;t dadurch eintr&#252;ben, dass rationale Abw&#228;gungen unterminiert werden. Die gegebenenfalls &#252;ber Ratenzahlungen erfolgte Anschaffung zieht erhebliche Folgekosten beim Betrieb von Fahrzeugen nach sich. Die <strong>Gefahr steigender Privatinsolvenzen</strong> kann nicht ausgeschlossen werden.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht den umweltpolitischen Zielsetzungen der Bundesrepublik entgegen</strong>. Der technische Fortschritt im Automobilsektor hat sich in den letzten Jahren tendenziell weniger in reduziertem Treibstoffverbrauch niedergeschlagen, als vielmehr in besserer Ausstattung und entsprechend h&#246;herem Gewicht. Zudem wird die Umwelt auch durch die Produktion der neu verkauften Fahrzeuge belastet. F&#252;r die Umwelt kommt daher nichts dabei heraus.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht der entwicklungspolitisch gebotenen Intensivierung des internationalen Handels zwischen Industrie- und Schwellenl&#228;ndern entgegen</strong>. Nach Berechnungen des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts CESifo wurden 2006 mehr als 500.000 funktionst&#252;chtige Gebrauchtwagen nach Afrika, Osteuropa und Zentralasien ausgef&#252;hrt und dadurch rund sechs Milliarden Euro Handelserl&#246;se erwirtschaftet. Mit der Abwrackpr&#228;mie sollen nun 5,7 Milliarden Euro daf&#252;r ausgeben, einen Teil dieser Exporterl&#246;se zu vernichten und die Automobile stattdessen zu verschrotten.</li>
</ul>
<p>Nicht nur Importeure und Logistiker sind durch diesen <strong>staatlich verursachten Angebotsr&#252;ckgang</strong> negativ betroffen. Der Zugang zu sicheren und leistungsf&#228;higen Gebrauchtwagen als Grundlage f&#252;r die private und gewerbliche Lebensf&#252;hrung in Entwicklungs- und Transformationsl&#228;ndern wird k&#252;nstlich erschwert. Dies sch&#228;digt die langfristige wirtschaftliche Entwicklung dieser L&#228;nder.</p>
<p>Da au&#223;erdem bei der Ausfuhr die Eigentumsverh&#228;ltnisse an einem Fahrzeug durch die Zollverwaltung entsprechend dem europ&#228;ischen Zollrecht nicht kontrolliert werden, wird durch die Politik der Bundesregierung ein Anreiz geschaffen, vorgeblich abgewrackte Fahrzeuge ohne das geringste Risiko illegal zu exportieren. Dadurch wird der Wettbewerb im Gebrauchtfahrzeugmarkt weiter verzerrt. Rechtstreue Exporteure haben im Preiswettbewerb mit ihren Konkurrenten das Nachsehen.</p>
<ul>
<li>Sie f&#252;hrt daher zur <strong>Verschwendung von Steuermitteln oder staatlichem Verm&#246;gen</strong>, gef&#228;hrdet dadurch die sozialpolitisch gebotene R&#252;ckf&#252;hrung der Steuer- und Abgabenlast, erschwert eine generationengerechte Haushaltskonsolidierung, engt den Spielraum f&#252;r Zukunftsinvestitionen ein und erodiert letztlich das Vertrauen der B&#252;rger in die freiheitlich-soziale Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik.</li>
</ul>
<p>Mit der Abwrackpr&#228;mie f&#252;hrt die Bundesregierung einen „totalen Krieg“ gegen Altfahrzeuge. Anders l&#228;sst sich dieses staatliche Vernichtungsinstrument jedenfalls kaum mehr erkl&#228;ren. Der einzige Trost, der f&#252;r den Steuerzahler noch bleibt ist, dass mehr Autos von Opel verschrottet als neu gekauft werden. Bislang entfallen etwa 20 Prozent aller abgewrackten Automobile auf Opel, w&#228;hrend der Anteil bei den Erwerbungen nur bei rund elf Prozent liegt. Mein Votum w&#228;re daher, die Abwrackpr&#228;mie einfach so lange auszuweiten, bis kein Opel mehr auf deutschen Stra&#223;en unterwegs ist. Dies w&#228;re wahrlich eine „aktive Sterbehilfe“ f&#252;r ein wohl langfristig nicht rettbares Unternehmen.</p>
<div class="box">Lesen Sie zu diesem Thema auch den Text <a href="http://carta.info/6010/adam-opel-gmbh-sterbehilfe-statt-palliativmedizin/">&#8220;Adam Opel: Lieber Sterbehilfe statt Palliativmedizin&#8221;</a> von Steffen Rutter.</div>
<p><em>Disclaimer: Die hier angegebenen Ausf&#252;hrungen stellen die private Meinung von Steffen Rutter dar und stehen in keinem Bezug zu seiner beruflichen T&#228;tigkeit.</em></p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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<a href="http://carta.info/10002/regierungskoalition-im-totalen-krieg-mit-altautos/">Regierungskoalition im „totalen Krieg“ mit Altautos!</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10002/regierungskoalition-im-totalen-krieg-mit-altautos/#comments">4 comments</a>
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		<title>Wahlkampf in der Warteschleife: „Die Tonalit&#228;t muss erst noch festgelegt werden“</title>
		<link>http://carta.info/9726/wahlkampf-krise/</link>
		<comments>http://carta.info/9726/wahlkampf-krise/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 May 2009 07:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Paulus Meyer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Auftakt des Bundestagswahlkampfs 2009 ist lahm: Die Krise zwingt die Parteien zum Warten. Keine will sich jetzt schon zu genau festlegen. Der Trend aber zum dialogischen Wahlkampf an den klassischen Massenmedien vorbei ist nun auch hierzulande zu sp&#252;ren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/821418f4a6281c4307d66dd08bd368" alt="" width="1" height="1" /><br />
Renate kommt, Frank-Walter l&#228;dt zum politischen Fr&#252;hschoppen und <a href="http://www.stern.de/wahl/:Europawahl-Ein-Werbe-Profi-Wahlplakate/700404.html?cp=6">die CSU wirbt mit Briefk&#228;sten</a>. <strong>Der Wahlkampf hat begonnen</strong> – ein Wahlkampf, <a href="http://www.zeit.de/2009/21/Wahlkampf">wie ihn Deutschland noch nie erlebt hat</a>. Das liegt aber nicht daran, dass die Kampagnen im Jahr 2009 h&#228;rter, l&#228;nger und verbissener werden. Das Neue im Superwahljahr ist die <strong>Ungewissheit</strong>, mit der die Parteien in den langen Wahlkampf ziehen. Denn noch wissen sie nicht, wie sie ihre W&#228;hler &#252;berzeugen sollen.</p>
<p class="MsoNormal">Die Kampagnen laufen, doch keiner wei&#223; wohin. <strong>Schuld ist die Krise</strong>. Der Wahlkampf 2009 hat eine eigent&#252;mliche Dynamik, ein ungew&#246;hnlicher Wahlkampf. Auch wenn die Ziele der Parteizentralen ausgegeben, klare Koalitionsaussagen verneint und die Programme verabschiedet sind, <strong>m&#252;ssen alle abwarten, wie sich die Krise entwickelt</strong>. Auch wenn das Grundger&#252;st der Kampagnen steht, „die Tonalit&#228;t muss erst noch festgelegt werden“, sagt Rudi Hoogvliet, Wahlkampfmanager der Gr&#252;nen.</p>
<p class="MsoNormal">In der Wirtschaftskrise ist es schwer einen Wahlkampf zu planen: Keine Partei wei&#223;, wie sich die Lage bis zur Bundestagswahl ver&#228;ndert. Deshalb kann <strong>keiner </strong>seine Kampagne <strong>pr&#228;zise formulieren</strong>. Die CDU hatte sich auf einen Bilanzwahlkampf eingestellt, der sich heute mit Steuerausf&#228;llen und steigenden Arbeitslosenzahlen er&#252;brigt. Und auch die anderen Parteien sind betroffen: Was, wenn man sich f&#252;r st&#228;rkere Regulierung einsetzt, sich die Wirtschaft bis September aber wieder erholt?</p>
<p class="MsoNormal">Dem Wahlkampf fehlt es deshalb bisher an Inhalten. Der W&#228;hler wird allenfalls <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/die-wahl-der-gefuehle/">mit diffusen Gef&#252;hlen gelockt</a><a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/die-wahl-der-gefuehle/"></a>. Doch <strong>sp&#228;testens Ende Juni m&#252;sse die Sto&#223;richtung der Kampagnen entschieden sein</strong>, sagt Rudi Hoogvliet.</p>
<p class="MsoNormal">Gleichzeitig &#228;ndert sich die Art Wahlkampf zu f&#252;hren. Die <strong>Zeiten der alten Kampagnen sind vorbei</strong>; Zeiten, in denen Stra&#223;en mit Plakaten zugekleistert waren und die Ortsgruppen Flyer verteilten. Immer wichtiger ist, den direkten Kontakt mit den W&#228;hlern zu suchen. Der von Obama begonnene Trend, die <strong>Medien zu umgehen</strong>, ist damit auch in Deutschland zu sp&#252;ren.</p>
<p class="MsoNormal">Moderne Wahlkampff&#252;hrung hat sich aber noch nicht ganz durchgesetzt. „Wir stecken immer noch unglaublich viel Zeit und Geld in die Entwicklung von Plakaten“, sagt Hoogvliet. „Das ist irrational.“ Eine moderne Kampagne funktioniert anders: Die Parteien m&#252;ssten sich offen darstellen, Pr&#228;senz in <strong>Grassroot-Kampagnen</strong> zeigen.</p>
<p class="MsoNormal">„Das <strong>In-Kontakt-Treten</strong> wird wichtiger“, sagt Hoogvliet. Auch Julius van de Laar aus der Nordkurve der SPD setzt auf <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2009/bundestagswahl/tid-14342/netzwahlkampf-obama-helfer-kaempft-fuer-steinmeier_aid_401177.html">„echten Dialog“</a> mit den W&#228;hlern.</p>
<p class="MsoNormal">Doch daf&#252;r brauchen die Parteien <strong>neue Formate</strong>: Keine B&#252;hnenauftritte von Spitzenpolitikern mehr, sondern Frage- und Antwortrunden in Cafés, Live-Streaming im Netz und webbasierte Mitmach-Plattformen, die aktive Mitglieder <strong>auch nach der Wahl zusammenhalten</strong>.</p>
<p class="MsoNormal">Der Wandel in der Wahlkampff&#252;hrung muss jedoch nicht schlagartig stattfinden: „Die alten Instrumente sind immer noch gut, wenn sie richtig eingesetzt werden“, sagt Hoogvliet.</p>
<p class="MsoNormal">Das Internet ist nur eines von vielen Instrumenten. Die Kurznachrichtenplattform Twitter sieht Hoogvliet als eine M&#246;glichkeit unter vielen: &#8220;Twitter funktioniert als Mittler zwischen den Medien, wie ein <strong>modernes Post-it</strong>.&#8221; In welcher Tonlage vor der Bundestagswahl gezwitschert wird, muss er jedoch erst noch entscheiden.</p>
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		<title>Bad Bank: Die Banken und ihre Eigent&#252;mer in die Pflicht nehmen</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 13:19:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich Merz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rund 4,7 Mio. Arbeitslose und 130 Mrd. Euro Neuverschuldung des Bundes werden das Ergebnis einer Krise, die von den Banken mit verursacht worden ist. Bei der Herausl&#246;sung der toxischen Papiere aus den Bankbilanzen m&#252;ssen zuallererst die Institute und ihre Eigent&#252;mer in die Pflicht genommen werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6abd74d93a6b3c1b57a8032794573e" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die Weltwirtschaft befindet sich in der Folge der Finanzkrise derzeit in der tiefsten Rezession seit 1929. Auch Deutschland erlebt in diesem Jahr die tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Nach derzeitigen Sch&#228;tzungen m&#252;ssen wir  in diesem Jahr mit einem R&#252;ckgang des BIP zwischen 5 und 7% rechnen.</p>
<p>Der bislang h&#246;chste R&#252;ckgang des Bruttosozialproduktes wurde in der Geschichte der Bundesrepublik im Jahr 1975 als Folge des ersten weltweiten &#214;lpreisschocks mit einem Minus von 0,9% verzeichnet.</p>
<p>Daran kann man <strong>die Dimension der jetzigen Krise</strong> erkennen. Was als Finanzkrise begann und zur Wirtschaftskrise wurde, hat <strong>langfristig unvorhersehbare Folgen f&#252;r das wirtschaftliche Wachstum, den sozialen Zusammenhalt</strong>, das Regelwerk des Finanzwesens und die Rolle des Staates.</p>
<p>Trotz dieser Schwere der Krise und der unabsehbaren Folgen – so m&#252;ssen wir im Laufe des Jahres u.a. mit einem Anstieg der <strong>Arbeitslosigkeit auf rund 4,7 Mio. Menschen</strong> rechnen – darf die Krise jedoch keine &#252;berbordende Staatst&#228;tigkeit zur Folge haben. Mit Konjunkturpaket I und II und den Kosten f&#252;r die gestiegene Arbeitslosigkeit wird die <strong>Neuverschuldung allein f&#252;r den Bundeshaushalt auf &#252;ber 130 Mrd. €</strong> ansteigen und mit einer Defizitquote von dann 5,5 Prozent das Mastrichtkriterium deutlich &#252;berschreiten.</p>
<p>Die exorbitanten Schulden auch einiger europ&#228;ischer L&#228;nder werden auf kurz oder lang die Existenz ganzer Staaten in Frage stellen, zumindest aber die politischen Handlungsspielr&#228;ume zuk&#252;nftiger Regierungen stark verkleinern und nachfolgende Generationen belasten. <strong>Schon deshalb k&#246;nnen wir uns ein drittes Konjunkturpaket nicht leisten</strong>.</p>
<p>Daher ist es jetzt wichtig, die Diskussion um die <strong>Bad Bank</strong> zu Ende zu f&#252;hren und ein solches Institut ins Leben zu rufen. Denn nur die Bereinigung der Bankbilanzen wird dazu f&#252;hren, dass der Interbankenhandel in Fahrt kommt und die Banken mit einer gesteigerten Kreditvergabe die Unternehmen und Verbraucher wieder mit <strong>ausreichend Kapital</strong> versorgen, damit diese die Wirtschaft ankurbeln k&#246;nnen.</p>
<p>Bei der Schaffung einer solchen Institution m&#252;ssen wir uns jedoch daran erinnern,<strong> dass die aktuelle Krise von den Banken mit verursacht worden ist</strong>. Eine Beteiligung des Steuerzahlers in Form von Geldaufwendungen des Staates bei der Herausl&#246;sung der toxischen Papiere aus den Bankbilanzen und deren &#220;bertragung in die Bad Bank sollte daher wenn immer m&#246;glich vermieden bzw. auf ein Minimum reduziert werden.</p>
<p><strong>Hier m&#252;ssen die Banken und deren Eigent&#252;mer zu aller erst in die Pflicht genommen werden. </strong></p>
<p>Der Regierung muss es daher bei den in den n&#228;chsten Wochen anstehenden Beratungen &#252;ber die Bad Bank ohne Aufbringung von Steuerzahlergeld gelingen, den Teufelskreis von Bilanzverk&#252;rzungen und Verm&#246;genswertverfall zu unterbrechen, sonst sind alle Konjunkturpakete vergebens. Es liegen zum Gl&#252;ck einige <strong>brauchbare Vorschl&#228;ge</strong> aus Wissenschaft, Praxis und Exekutive auf dem Tisch. Daher bin ich guter Hoffnung, dass wir noch im Mai einen Gesetzentwurf zu diesem entscheidenden Thema im Deutschen Bundestag in erster Lesung beraten k&#246;nnen.</p>
<p><em>Dies ist ein Auszug aus der <a href="http://www.friedrich-merz.de/mailanforderung.asp?ID=131&amp;Match=Merzmail&amp;tmpl=service">merz.mail</a> (24. April) von Friedrich Merz, den Carta hier dokumentiert.</em><br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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