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	<title>CARTA &#187; Wahlkampf &#8217;09</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Sag mir wie h&#228;ufig Du surfst &#8211; und ich sage Dir, ob Du eine Volkspartei w&#228;hlst</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 17:01:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit den Daten aus der j&#252;ngsten Wahl l&#228;sst sich zeigen: Je mehr die Leute im Netz surfen, desto weniger w&#228;hlen sie eine Volkspartei. Okay, der Zusammenhang ist in Wahrheit wohl etwas komplizierter.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/00c2bf51f0c64e19b947116dc3e54b5e" width="1" height="1" alt=""/>Union oder SPD zu w&#228;hlen wird bekanntlich so langsam zum Altersph&#228;nomen: Nur noch 43 Prozent der 18- bis 29-j&#228;hrigen W&#228;hler gaben den &#8220;Volksparteien&#8221; bei dieser Bundestagswahl ihre Stimme. In der Altergruppe 60+ kamen Union und SPD hingegen auf satte 70 Prozent.</p>
<p>Das Wahlverhalten h&#228;ngt aber nicht nur am Alter, man kann die Angelegenheit auch anders aufschl&#252;sseln: Je mehr die Leute im Netz surfen, desto weniger w&#228;hlen sie eine Volkspartei:</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/wahlverhalten_internet.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-15638" title="wahlverhalten_internet" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/wahlverhalten_internet.png" alt="wahlverhalten_internet" width="550" height="427" /></a></p>
<p>Diese lineare Beziehung &#8220;Wenn Du t&#228;glich im Netz surfst, w&#228;hltst Du seltener eine Volkspartei&#8221; weist eine fast schon absurd hohe Korrelation von 0,978 auf. Damit ist die lineare Beziehung zwischen diesen beiden Variablen nachgewiesen &#8211; aber nat&#252;rlich nicht ein kausaler Einfluss: Es w&#228;re wohl auch absurd zu behaupten, dass das Surfen im Netz allein und <em>per se</em> das Wahlverhalten beeinflusst. Richtig ist wohl, dass wer viel im Netz surft eben eher j&#252;nger und eher offen f&#252;r Wechsel ist.</p>
<p>Der Zusammenhang von Wahlverhalten und Mediennutzung sieht zumindest sehr sch&#246;n aus &#8211; und hat eine gewisse Logik: Massenparteien und Massenmedien passten eben sehr gut zusammen, wie Franz Walter k&#252;rzlich schon bei Cicero <a href="http://www.cicero.de/97.php?item=4101">anmerkte</a>. Aber man muss auch einr&#228;umen: Auch zwischen dem Alter eines W&#228;hlers und der Wahl einer Volkspartei l&#228;sst sich ebenfalls eine sehr hohe Korrelation von 0,970 bestimmen.</p>
<p>Wahrscheinlich ist die Sache so: Die Jungen wenden sich –  ausger&#252;stet mit dem Internet – von den Massenparteien ab. Ja, so k&#246;nnte man das vielleicht ausdr&#252;cken. Um zu wissen, dass das stimmt, braucht man auch keine Grafik und keine Statistik.
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				<img src="http://api.tweetmeme.com/imagebutton.gif?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F15637%2Fsag-mir-wie-haeufig-du-surfst-und-ich-sage-dir-ob-du-eine-volkspartei-waehlst%2F&amp;style=compact&amp;b=2" height="61" width="50" /><br />
			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/15637/sag-mir-wie-haeufig-du-surfst-und-ich-sage-dir-ob-du-eine-volkspartei-waehlst/">Sag mir wie h&#228;ufig Du surfst &#8211; und ich sage Dir, ob Du eine Volkspartei w&#228;hlst</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15637/sag-mir-wie-haeufig-du-surfst-und-ich-sage-dir-ob-du-eine-volkspartei-waehlst/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15637&amp;md5=a8342b8df574fe6ed04f80467814f066" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>12 Fragen zur Bundestagswahl</title>
		<link>http://carta.info/15591/12-fragen-zur-bundestagswahl/</link>
		<comments>http://carta.info/15591/12-fragen-zur-bundestagswahl/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 22:20:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>

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		<description><![CDATA[


1. Welche Drogen braucht man in der ARD, um mitten im Wahlabend die Lindenstra&#223;e zu zeigen?

2. Welche Phase genau war in diesem Wahlkampf die, die als „hei&#223;e Phase“ bezeichnet wird?

3. Warum dringen die doch beachtlichen programmatischen Unterschiede zwischen den Parteien im &#246;ffentlichen Diskurs kaum noch durch?

4. Ab wie viel Prozent der W&#228;hlerstimmen ist eine Partei keine Volkspartei mehr?

5. Kann Nichtw&#228;hlen in einer Demokratie &#252;berhaupt ein geeignetes Mittel der demokratischen Meinungs&#228;u&#223;erung sein oder ist das eine contradictio in adiecto?

6. Warum wurden die exit polls aufgrund der vorangehenden Twitterleaks diesmal wie eine geheime Verschlusssache behandelt, w&#228;hrend einzelne Meinungsforschungsinstitute Tage vor der Wahl ihre Prognosen als Gewissheiten ver&#246;ffentlichen d&#252;rfen?

7. Haben sich die politisch bewussten digital natives mit der Gr&#252;ndung einer Partei und dem Weg in die politische Institutionalisierung einen Gefallen getan?

8. Begreift die SPD jetzt mal,]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/zukunft_dumm3-300x216.jpg"><br />
</a></p>
<p>1. Welche Drogen braucht man in der ARD, um mitten im Wahlabend die Lindenstra&#223;e zu zeigen?</p>
<p>2. Welche Phase genau war in diesem Wahlkampf die, die als „hei&#223;e Phase“ bezeichnet wird?</p>
<p>3. Warum dringen die doch beachtlichen programmatischen Unterschiede zwischen den Parteien im &#246;ffentlichen Diskurs kaum noch durch?</p>
<p>4. Ab wie viel Prozent der W&#228;hlerstimmen ist eine Partei keine Volkspartei mehr?</p>
<p>5. Kann Nichtw&#228;hlen in einer Demokratie &#252;berhaupt ein geeignetes Mittel der demokratischen Meinungs&#228;u&#223;erung sein oder ist das eine contradictio in adiecto?</p>
<p>6. Warum wurden die exit polls aufgrund der vorangehenden Twitterleaks diesmal wie eine geheime Verschlusssache behandelt, w&#228;hrend einzelne Meinungsforschungsinstitute Tage vor der Wahl ihre Prognosen als Gewissheiten ver&#246;ffentlichen d&#252;rfen?</p>
<p>7. Haben sich die politisch bewussten digital natives mit der Gr&#252;ndung einer Partei und dem Weg in die politische Institutionalisierung einen Gefallen getan?</p>
<p>8. Begreift die SPD jetzt mal, dass die Tabuisierung von Themen und Gegnern politisch nicht funktionieren kann?</p>
<p>9. Wollte schon mal jemand nur Kanzlerin/Kanzler von einem Drittel der Deutschen sein statt von allen?</p>
<p>10. Was legitimiert eigentlich die Ausschlie&#223;eritis der Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl, wenn doch Koalitionen Wahlergebnisse abbilden sollen und nicht umgekehrt?</p>
<p>11. Wie werden wir in vier Jahren den Begriff der „sozialen Marktwirtschaft“ interpretieren?</p>
<p>12. Warum spenden die Parteien nicht ihre gesamten Wahlkampfbudgets an die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung und initiieren im Bundestag eine Verfassungs&#228;nderung, die eine Ad-hoc-Wahl (heute ank&#252;ndigen, morgen w&#228;hlen) erm&#246;glicht?
</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/zukunft_dumm3-300x216.jpg"><img class="size-full wp-image-15592 aligncenter" title="zukunft_dumm3-300x216" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/zukunft_dumm3-300x216.jpg" alt="zukunft_dumm3-300x216" width="300" height="216" /></a></p>
<p>[via <a href="http://www.miriammeckel.de/2009/09/28/12-fragen-zur-bundestagswahl/">MiriamMeckel</a>]
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<p><small>
<a href="http://carta.info/15591/12-fragen-zur-bundestagswahl/">12 Fragen zur Bundestagswahl</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15591/12-fragen-zur-bundestagswahl/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15591&amp;md5=450e6552710ffdd6cd8ee52ac420638a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Kampagne als &#8220;Augmented Reality Game&#8221;: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei</title>
		<link>http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 17:43:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei hat bei dieser Bundestagswahl den einzig echten Mitmachwahlkampf gef&#252;hrt. Dabei tr&#228;gt die "Mission Bundestagswahl" die Z&#252;ge eines Rollenspiels, das sich in eine Folge von "Quests" zerlegen l&#228;&#223;t: Gel&#246;st wurden bisher die Aufgaben Europawahl, Zulassung zur Bundestagswahl, &#220;bernahme der Mehrheiten in den Sozialen Netzwerken. Und nun steht das vorerst letzte Level mit dem Endgegner Wahlurne an.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b4c254e0e259481ea171df57dccfae50" width="1" height="1" alt=""/>Am Sonntag um 18 Uhr beendet die Schlie&#223;ung der Wahllokale auch die „3-Tage-Wach-Aktionen“ der finalen Mobilisierungsrunde im angeblich so langweiligen Bundestagswahlkampf 2009. Die nach 1998, 2002 und 2005 nunmehr vierte digitale Kampagne um den Einzug in den Deutschen Bundestag hat vermutlich den gr&#246;&#223;ten Gegenwind durch Vertreter der „etablierten Massenmedien“ aushalten m&#252;ssen – <strong>die Kritik an der Belang- und Bedeutungslosigkeit des Online-Wahlkampfs lief in Print, H&#246;rfunk und TV auf „heavy rotation“</strong>. An einigen Stellen zeigte sich aber, dass man durch geschicktes Man&#246;vrieren auch auf st&#252;rmischer See erfolgreich navigieren kann. Die H&#228;ufung von <strong>Seefahrtsmetaphern</strong> deutet an, worum es geht: den „anderen“ Online-Wahlkampf der Piratenpartei.</p>
<div id="attachment_15460" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-15460" title="piratenaufmacher2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/piratenaufmacher2-300x196.jpg" alt="piratenaufmacher2" width="300" height="196" /><p class="wp-caption-text">Die Piraten schreiben mit ihrer Online-Pr&#228;senz lediglich die „Normalit&#228;t“ des digitalen Alltages ihrer Mitglieder und Unterst&#252;tzer fort</p></div>
<p>Schon vor der Sommerpause fiel die <strong>Textlastigkeit und scheinbare „R&#252;ckst&#228;ndigkeit“ der Piratenwebsites ins Auge</strong> – ganz anders als die bereits im Fr&#252;hjahr multimedial aufger&#252;steten Hochglanz-Plattformen der Bundestagsparteien pflegt die Piratenpartei ein Erscheinungsbild, das eher an die Auftritte in den fr&#252;hen Online-Jahrg&#228;ngen 1998 und 2002 erinnert. Dieser „Return-to-HTML“ ist keineswegs als genialer Coup der Enthaltsamkeit zu verstehen und hat auch nur wenig mit fehlenden Ressourcen zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall – die Piraten schreiben mit ihrer Online-Pr&#228;senz lediglich die „Normalit&#228;t“ des digitalen Alltages ihrer Mitglieder und Unterst&#252;tzer fort: Blogs sind nun mal vornehmlich textorientierte Gebilde, ebenso wie Wikis oder die 140 Zeichen bei Twitter. Plakative, audiovisuelle Elemente finden sich nat&#252;rlich auch im Piratenwahlkampf, aber eben nicht an so vorderer Front wie bei den „alten“ Parteien. Deren inzwischen arbeitsteilig die Aufgaben des Online-Wahlkampfes &#252;bernehmende Partei-Homepages, Kampagnen-, Kandidaten- und Unterst&#252;tzerseiten setzen viel st&#228;rker auf die Mechanismen aus der alten Medienwelt und imitieren zu Hauf journalistische Formate – m&#246;glicherweise hat gerade hier die Missgunst der professionellen Wahlkampf-Beobachter ihren Ursprung.</p>
<p><strong>Die Pr&#228;senz von Parteien und Kandidaten in den Sozialen Netzwerken ist sicherlich die wesentliche Innovation der Kampagnen-Klasse von 2009</strong>. Doch inwiefern sich hierdurch die Wahlkampff&#252;hrung erneuern und Erfolge haben realisieren lassen, wird sich erst weit nach dem Wahltermin zeigen. Die Erfahrungen in den Netzwerken haben sich nicht zur erhofften Erfolgsgeschichte entwickelt – wenn man die Reichweite der Profilseiten als Ma&#223;einheit verwendet. Dass sich nur schleppend Freunde oder Unterst&#252;tzer f&#252;r deutsche Spitzenpolitiker gefunden haben, d&#252;rfte vor allem mit der Rolle der m&#228;chtigen Parteiorganisation „hinter“ den pers&#246;nlichen Profilen zu tun haben. Die W&#228;hler wissen zu genau, dass ihre unmittelbare Unterst&#252;tzung f&#252;r einen Kandidaten durch den „Partei-Filter“ abged&#228;mpft wird – die Struktur des parlamentarischen Systems beg&#252;nstigt die Netzwerk-Werbung von Einzelkandidaten nicht. Dies gilt im besonderen f&#252;r einen solch un&#252;bersichtlichen Wahlkampf wie in diesem Jahr, dessen Endresultat erst nach einer Art „Koalitions-Lotterie“ (Karl-Rudolf Korte) feststehen wird.</p>
<p>Doch zur&#252;ck zum Piratenwahlkampf. Die technologische Einfachheit der Plattformen unter schwarzer Flagge mag durch die knappe Zeit zwischen #zensursula-Debatte und der damit verbundenen netzpolitischen Z&#228;sur bis zum formellen Einstieg in den Bundestagswahlkampf nach der Wahlzulassung am 31. Juli resultieren – dass sie sehr funktional f&#252;r einen beteiligungsorientierten Wahlkampf mit niedrigen Einstiegsh&#252;rden ist, kann inzwischen als unbestreitbar gelten. M&#246;glicherweise hat die in den etablierten Parteien allein schon f&#252;r eine interne Sichtbarkeit der Online-Kampagne zwingend erforderliche Vergr&#246;&#223;erung der Internet-Teams potenzielle Untest&#252;tzer „von au&#223;en“ eher abgeschreckt als zum Mitmachen angeregt. Auch der zwischen den Lagern gerne gepflegte Seitenhieb auf die neuesten Aktivit&#228;ten des Gegners muss f&#252;r „einfache W&#228;hler“ nicht unbedingt mitrei&#223;end wirken – bisweilen verselbstst&#228;ndigte sich so die Berliner Kampagnen-Blase.</p>
<p>Der umstandslose Zugriff auf Informationsmaterialien und ein reduziertes inhaltliches Angebot bei gleichzeitiger permanenter Mitgestaltungsm&#246;glichkeit im <strong>Piraten-Wiki stellt einen kontr&#228;ren Ansatz dar – vielleicht den einzig „echten“ Mitmach-Wahlkampf im Web 2.0</strong>. Eine wichtige Rolle spielt hier auch die Abwesenheit von Partei-Eliten – trotz der formalen Differenzierung innerhalb der Piraten-Organisation ist noch keine Kluft zwischen Landes- oder Bundesvorstand und der „einfachen Mitgliedschaft“ zu erkennen. Auch f&#252;r externe Unterst&#252;tzer und Sympathisanten ist es einfach, sich an der Arbeit der Piraten zu beteiligen – doch das muss nicht so bleiben, wenn die Piratenpartei erst einmal einen „richtigen“ Parteiapparat ausgebildet hat. <strong>Und den wird sie durchaus brauchen, wenn sie auch k&#252;nftig eine Rolle im Parteienwettbewerb spielen m&#246;chte.</strong></p>
<p>Dabei ist „Spielen“ das zweite Schl&#252;sselelement f&#252;r den Erfolg der Piraten-Kampagne – denn die kollektive Anstrengung der „Nerds“ in schwarz-orange tr&#228;gt Z&#252;ge eines Rollenspiels. <strong>Die „Mission Bundestagswahl“ l&#228;sst sich in eine Folge einzelner „Quests“ zerlegen, an denen die &#252;ber das ganze Bundesgebiet verteilten Mitspieler relativ koordiniert arbeiten</strong>. Gel&#246;st wurden bisher die Aufgaben „Europawahl“, „Zulassung zur Bundestagswahl“, &#8220;&#220;bernahme der Mehrheiten in den Sozialen Netzwerken“, das Extra-Level „Gewinnung von &#246;ffentlicher Aufmerksamkeit“ wurde etwas holprig erreicht, vielleicht auch unter Zuhilfenahme von „Cheats“. Und nun steht das vorerst letzte Level mit dem Endgegner „Wahlurne“ an.</p>
<p>Und auch wenn das nach maximaler Unwahrscheinlichkeit klingt – an dieser Stelle gibt es sogar &#196;hnlichkeiten des Piraten-Wahlkampfs mit einem amerikanischen Vorbild, dem doch vor allem die Bundestagsparteien nacheifern wollten. In einem wenig beachteten Text hat Gene Koo die Performance von <strong>my.barackobama.com als „Augmented Reality Game“</strong> beschrieben. Auch hier finden sich klar definierte Teilaufgaben, die Unterst&#252;tzer erledigen m&#252;ssen, um zum Gelingen der Kampagne beizutragen – Telefonieren, Nachbarn &#252;berreden, Veranstaltungen vorbereiten, Geld spenden. Auch wenn das Setting des Spiels mangelhaft war („minimal graphics, no sound effects, and deeply flawed gameplay“), so ist der Gedanke erkennbar – eine m&#246;glichst gro&#223;e Gruppe von Menschen versucht sich an der L&#246;sung verschiedener kampagnenbezogener „Quests“, um die zentrale Spielfigur „Barack Obama“ durch das Szenario zu leiten. Der Ausgang des „Spiels“ ist bekannt.</p>
<p><strong>In puncto Nutzerf&#252;hrung war Obama den Piraten allerdings noch um einiges voraus</strong> – mittels eines Punktesystems wurden die Wahlhelfer f&#252;r ihre Aktivit&#228;ten belohnt und konnten sich so innerhalb des Schwarms der Kampagnen-Mitarbeiter verorten. Einerseits l&#246;ste diese Form des kompetetiven Wahlhelfens enorme Motivationssch&#252;be aus, sorgte aber auch f&#252;r gro&#223;e Frustration – wenn die eigene Kampagnenarbeit nicht im Sinne des Systems „abgerechnet“ werden konnte oder andere Unterst&#252;tzer gezielt auf Punktejagd gingen. Selbst wenn die Kampagne der Piratenpartei am Sonntag bei einer mageren Prozentausbeute endet – die Impulse f&#252;r die Wahlkampf-Kommunikation und die Organisation des innerparteilichen Austauschs sind erheblich und werden k&#252;nftig mit Sicherheit auch von den etablierten Parteien aufgegriffen werden.
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			</a>
		</div>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15450&amp;md5=d85c779e67710914122fb6088cc2e1bd" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kartellamt: Kein Kartell von ARDZDFRTLSAT1 beim TV-Duell</title>
		<link>http://carta.info/15215/kartellamt-ard-zdf-rtl-sat1-tv-duell/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 18:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Haben die vier TV-Sender beim TV-Duell nicht ein Kartell gebildet, um Nicht-TV-Seher und andere Medien unzul&#228;ssig auszuschlie&#223;en? Das Kartellamt sagt: Kein Kartellversto&#223;. Schade eigentlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd98f65b2c71770ff06ea249d5b815" alt="" width="1" height="1" />Das Bundeskartellamt zeigt sich in Medienfragen h&#228;ufig sehr emsig. So ist das Amt etwa der Meinung, dass die Deutsche Fussballliga (DFL) mit ihrer Zentralvermarktung ein Bundesligarechte-Kartell geschaffen habe. Ein solches Kartell h&#228;lt das Amt nur dann f&#252;r vertr&#228;glich, wenn zugleich f&#252;r eine &#8220;angemessene Verbraucherbeteiligung&#8221; gesorgt ist. <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,572351,00.html">Konkret</a> forderte die Kartellbeh&#246;rde im vergangenen Jahr eine Highlight-Berichterstattung zur Bundesliga vor 20 Uhr im allgemein und kostenfrei zug&#228;nglichen Fernsehen. Andernfalls w&#252;rden die Verbraucher durch das DFL-Kartell in nicht vertretbarem Ma&#223;e benachteiligt.</p>
<p>Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier war die Situation eigentlich gar so unterschiedlich nicht. ARD, ZDF, RTL und Sat1 haben sich zusammengetan, um gemeinsam das TV-Duell der verg&#252;tungsfrei und in dieser Formation exklusiv auftretenden Spitzenkandidaten von CDU und SPD zu veranstalten. Dabei schlossen die vier Sender zugleich alle anderen Medien von der &#220;bertragung aus. So durfte etwa der Deutschlandfunk das Duell <a href="http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200908231400/4">nicht live im Radio &#252;bertagen</a>. Einen Stream des TV-Duells gab es zwar offenbar bei Phoenix. Das ZDF hingehen sah <a href="http://blog.zdf.de/tvduell/2009/09/in-eigener-sache-kein-live-str.html">sich rechtlich nicht in der Lage</a>, das Duell ins Netz zu streamen.</p>
<p>Man k&#246;nnte nun der Meinung sein, die marktbeherrschende Formation RTL, ARD, SAT1 und ZDF habe hier ein Kartell gebildet  – mit dem Ergebnis, dass Radioh&#246;rer und Internetnnutzer nicht angemessen beteiligt wurden.</p>
<p>Was sagt das Kartellamt dazu? Hier die offizielle Antwort auf eine <em>Carta</em>-Anfrage:</p>
<blockquote><p>Die zust&#228;ndige Beschlussabteilung sieht in der Sache keine Hinweise f&#252;r einen Kartellrechtsversto&#223;.<br />
Es liegt in der Entscheidung der Fernsehsender, ob Sendungen auch im Radio &#252;bertragen werden oder nicht. Eine Benachteiligung der Allgemeinheit ist nicht erkennbar bei der weiten Verbreitung von Fernsehger&#228;ten und der Empfangsm&#246;glichkeit der vier Sender auch im Ausland. Der Hinweis des Deutschlandradios auf sehbehinderte Menschen &#252;berzeugt nicht, da das Fernsehduell in Bild und Ton &#252;bertragen wurde.</p></blockquote>
<p>Merke: ARDZDFRTLSAT1 m&#246;gen zwar ein Kartell gebildet haben. Sie haben aber kein Kartellversto&#223; begangen, weil sie das TV-Duell recht umfassend (wenn auch monomedial) verbreitet haben. Problematisch w&#228;re die Angelegenheit aus Sicht des Kartellamts wohl nur, wenn alle vier Sender das Duell gemeinsam ins Pay-TV heben wollen w&#252;rden. Das kann als ausgeschlossen gelten.</p>
<p>F&#252;r Schritte hin zu einer Kanzlerkandidaten/innen-Debatte nach dem <a href="http://presidentialdebateblog.blogspot.com/2008/09/christoph-bieber-duels-without-guns.html">Modell der &#8220;Commission on Presidential Debates&#8221;</a>, bei dem alle die Bilder und T&#246;ne dieser demokratischen Veranstaltung verbreiten d&#252;rften,  bildet das Kartellamt folglich keine Hilfestellung. Schade.
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/15215/kartellamt-ard-zdf-rtl-sat1-tv-duell/">Kartellamt: Kein Kartell von ARDZDFRTLSAT1 beim TV-Duell</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15215/kartellamt-ard-zdf-rtl-sat1-tv-duell/#comments">No comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15215&amp;md5=c6f81a0633c3c07a9931c859eff7f12d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mindestl&#246;hne und soziale Gerechtigkeit</title>
		<link>http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/</link>
		<comments>http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 16:08:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Oeko]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Mindeslohn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiegel Online schreibt zutreffend: "Mindestlohn wird zum Wahlkampf-Schlager". Carta-Autor Justus Haucap hat sich bereits vor Monaten intensiv mit der Frage von Mindestl&#246;hnen und sozialer Gerechtigkeit besch&#228;ftigt. Sein Fazit: Trotz negativer Besch&#228;ftigungseffekte, kann man politisch sehr wohl f&#252;r einen Mindestlohn sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd10404878cea17bf66ca7289b9757" width="1" height="1" alt=""/>Hier noch einmal die zentralen Abschnitte des <a href="http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/">Haucap-Beitrags</a>:</p>
<p>Was ist gruns&#228;tzlich von gesetzlichen Mindesl&#246;hnen zu halten?</p>
<p>Mindestl&#246;hne bergen stets die Gefahr zus&#228;tzlicher Arbeitslosigkeit. Es gibt zwar einzelne Studien, die zeigen, dass dies nicht in jedem Fall so sein muss (ber&#252;hmt ist insbesondere die Studie zu Burger-Flippern in den USA von Card und Krueger aus dem Jahr 1994). Die Mehrheit der Studien belegt aber, dass die Besch&#228;ftigung tendenziell zur&#252;ckgeht, vor allem je h&#246;her der Mindestlohn ist.</p>
<p><strong>Die negativen Besch&#228;ftigungseffekte allein bedeuten jedoch nicht, dass ein staatlicher Mindestlohn sofort zu verwerfen w&#228;re</strong>. Politisch mag man sich ja durchaus f&#252;r einen Mindestlohn entscheiden, auch wenn er zu einer h&#246;heren Arbeitslosigkeit f&#252;hrt. <span><span>Denn dem Mehr an Arbeitslosigkeit steht ja ggf. ein zus&#228;tzliches Einkommen der Arbeitnehmer und Arbeit­nehmerinnen gegen&#252;ber, welche zum Mindestlohn besch&#228;ftigt werden und ansonsten einen geringeren Lohn bezogen h&#228;tten. Problematisch ist allerdings, dass auch letzteres keineswegs sicher ist, da zumeist staatliche Transfers entfallen, wenn das Arbeitseinkommen steigt. In diesem Fall ergibt sich h&#246;chstens ein positiver Effekt f&#252;r die &#246;ffentlichen Haushalte, da die staatlichen Transferleistungen sinken. Das verf&#252;gbare Einkommen f&#252;r die betroffenen Haushalte steigt dann aber kaum. Die &#246;konomische Literatur belegt, dass sich Armut mit einem Mindestlohn nur schwer bek&#228;mpfen l&#228;sst, weil dieser einfach nicht am Haushaltseinkommen ansetzt. </span></span></p>
<p><span><span>Die Abw&#228;gung zwischen mehr Arbeitslosigkeit einerseits und m&#246;glicherweise mehr Einkommen der zum Mindestlohn (weiterhin) Besch&#228;ftigten bzw. einer geringeren Belastung der &#246;ffentlichen Haushalte (aufgrund sinkender Transferleistungen) andererseits ist dann eine <strong>politische</strong> bzw. ethische <strong>Entscheidung</strong>. Aus Sicht des Finanzministers kann ein Mindestlohn deshalb jedoch sehr attraktiv sein: Er entlastet ggf. die &#246;ffentlichen Kassen aufgrund sinkender Sozialtransfers, selbst wenn er den Betroffenen kaum hilft, weil er deren Einkommen netto kaum erh&#246;ht.</span></span></p>
<p><span><span>Im Grunde ist jedoch der ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende soziale Gerechtigkeit sorgen k&#246;nnen. Das Schaffen sozialer Gerechtigkeit ist daher eine Aufgabe des Staates. Dies kann durch Transfers geschehen oder, besser noch, durch die Schaffung gleicher Bildungschancen und ein gutes Bildungssystem. Durch das Setzen staatlicher Mindestl&#246;hne soll nun aber gerade dem Markt eine Aufgabe &#252;bertragen werden, welche er nicht l&#246;sen kann. Unternehmen sollen Arbeitnehmern mehr zahlen als „der Markt hergibt“. Da bleibt das ungute Gef&#252;hl, der Staat versuche sich hier der Verantwortung zu entziehen, durch Bildungsm&#246;glichkeiten, Transferzahlungen, etc. selbst f&#252;r soziale Gerechtigkeit zu sorgen. <strong><span>Die Frage der sozialen Gerechtigkeit wird gewisserma&#223;en privatisiert</span></strong>. Unternehmen sollen nun f&#252;r soziale Gerechtigkeit sorgen, die der Staat anscheinend nicht mehr schaffen kann oder will.</span></span></p>
<p><span><span>Als Antwort auf die <a href="http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/#comment-48">Leser-Kommentare</a> schrieb Justus Haucap:<br />
</span></span></p>
<p>Ich sollte mich wohl zu einer Reihe von Kommentaren &#228;u&#223;ern, auch wenn sich kein einziger auf die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung bezieht, sondern sich in sehr, sehr allgemeiner Natur zum Thema Mindestlohn &#228;u&#223;ern. Einige haben wohl auch Teile meines Textes &#252;berlesen.</p>
<p>(1) Dass Mindestl&#246;hne Arbeitspl&#228;tze gef&#228;hrden k&#246;nnen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall gilt, ist (leider) das Ergebnis der allermeisten empirischen Studien. So fassen z.B. die beiden amerikanischen Arbeitsmarkt&#246;konomen David Neumark und William Wascher ihren viel beachteten <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf');" rel="nofollow" href="http://www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf">&#220;bersichtsartikel zum Thema Mindestl&#246;hne</a> wie folgt zusammen: “<em>Clearly, no consensus now exists about the overall effects on low-skilled employment of an increase in the minimum wage. However, the oft-stated assertion that this recent research fails to support the traditional view that the minimum wage reduces the employment of low-skilled workers is clearly incorrect. The overwhelming majority of the studies surveyed in this paper give a relatively consistent (although not always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages. In addition, among the papers we view as providing the most credible evidence, almost all point to negative employment effects</em>.” <strong>Man mag diesen Befund sicher bedauern, aber diese Studien lassen sich nun einmal nicht einfach so als irrelevante Spinnereien beiseite wischen, nur weil einem das Ergebnis nicht gef&#228;llt.</strong></p>
<p>(2) Dass ein Mindestlohn sich positiv f&#252;r die &#246;ffentlichen Kassen auswirken kann, weil ggf. weniger Transfers n&#246;tig sind, steht ja auch in meinem Beitrag. Das ist dann aber ein ganz anderer Punkt und hat ja wenig mit dem Einkommen der Betroffenen zu tun. Fakt ist, dass wir in Deutschland beim so genannten Arbeitslosengeld II (eigentlich ein v&#246;llig falscher Name, die Leute arbeiten ja), ziemlich hohe “Transferentzugsraten” haben. Das hei&#223;t: Verdienen die Empf&#228;nger mehr, weil sie mehr arbeiten oder die L&#246;hne steigen, werden ihnen die Transfers recht drastisch gek&#252;rzt. Von einer Lohnsteigerung durch einen Mindestlohn (so die Betroffenenen denn besch&#228;ftigt bleiben) kommt ziemlich wenig bei den Leuten an. Das meiste kassiert (indirekt) der Finanzminister, indem er die Transfers k&#252;rzt. Das ist zwar vielleicht auch f&#252;r manche soziale Gerechtigkeit, aber doch eine eher un&#252;bliche Interpretation, w&#252;rde ich sagen.</p>
<p>(3) Es stellt sich dann auch die prinzipielle Frage: Soll ich lieber L&#246;hne aufstocken, wenn die Leute arbeiten, aber wenig verdienen (”also Arbeitspl&#228;tze subventionieren”), oder den Leuten lieber alles bezahlen, wenn sie arbeitslos sind? Man kann sich zwar w&#252;nschen, dass die Leute mehr f&#252;r das Haareschneiden bezahlen w&#252;rden, aber viele gehen dann eben doch seltener zum Fris&#246;r, schneiden ihren Kindern (und ggf. auch sich selbst) die Haare dann selbst oder organisieren das schwarz, was noch viel unsozialer ist, weil gar nicht mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beigetragen wird. Das gilt &#8211; so meine Einsch&#228;tzung &#8211; gerade in den Regionen, in denen die Fris&#246;re so weing verdienen, weil es eben Gegenden sind, in denen nicht gerade der Reichtum ausgebrochen ist, um das mal so vorsichtig zu formulieren. Wo die Leute mehr f&#252;r den Haarschnitt zahlen (k&#246;nnen), sind auch die L&#246;hne im Fris&#246;rhandwerk h&#246;her. Und bei Udo Walz d&#252;rften die Fris&#246;re vermutlich noch mehr bekommen (alleine an Trinkgeld).</p>
<p>(4) Nat&#252;rlich k&#246;nnen die Transfers, mit denen L&#246;hne aufgestockt werden, <strong>auch missbraucht werden, um L&#246;hne zu dr&#252;cken, ganz klar</strong>. Dann flie&#223;en die Subbventionen indirekt dem Unternehmen zu und nicht dem eigentlich zugedachten Empf&#228;nger. Um dem vorzubeugen, kann ein allgemeiner (und nicht branchenspezifischer) moderater Mindestlohn helfen &#8211; das bestreiten nur wenige.</p>
<p>(5) Ein Mindestlohn ist deshalb so schlecht geeignet, sozialen Ausgleich zu schaffen, <strong>weil er gar nicht an der individuellen Situation des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin ansetzt und auch nicht ansetzen kann. Wie viele Kinder leben im Haushalt?</strong> Hat mein Partner/Partnerin auch Arbeit? Habe ich &#252;berhaupt einen Partner/Partnerin? Und so weiter. Diese Faktoren bestimmen ja, wie viel Hilfe ein Haushalt braucht, um vern&#252;nftig leben zu k&#246;nnen. Danach kann man aber keine L&#246;hne anpassen, ohne den Arbeitsmarkt komplett auszuhebeln.</p>
<p><em>Justus Haucap ist  Professor f&#252;r Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universit&#228;t D&#252;sseldorf, Gr&#252;ndungsdirektor des D&#252;sseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und Vorsitzender der Monopolkommission. </em></p>
<p><em>Anmerkung der Redaktion: Haucap ist nicht <a href="http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm/Kuratoren-und-Botschafter.html">Botschafter</a> der INSM, hat aber mal in einem <a href="http://www.insm.de/insm/Aktionen/INSM-Kampagnen/Soziale-Marktwirtschaft-machts-besser/-bersicht-Detailseiten-/Prof-dr-Haucap.html">Plakatmotiv</a> mitgewirkt. Wir sch&#228;tzen Haucap sehr als Autor und Wissenschaftler und sind von seiner Unabh&#228;ngigkeit vollauf &#252;berzeugt.<br />
</em>
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<a href="http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/">Mindestl&#246;hne und soziale Gerechtigkeit</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/#comments">19 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15206&amp;md5=12c110780cb9ef712fa3ad7d5fa380f4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren</title>
		<link>http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/</link>
		<comments>http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 17:40:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>

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		<description><![CDATA[Das TV-Duell hat auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne gezeigt, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig unangemessen die Politikvermittlung im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/df7a6e5bab052d589568c1a5f051dd" alt="" width="1" height="1" />Bei den Twitter-Kommentaren zum <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Das_TV-Duell_Merkel_-_Steinmeier/9602,837178/838962">TV-Duell am Sonntag</a> ging es nach meinem Eindruck vor allem um zwei Aspekte: Erstens um die beiden <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog/archive/2009/09/14/was-es-noch-uebers-tv-duell-zu-sagen-gibt.aspx">eher blassen</a>, wenig inspirierenden Kandidaten. Und zweitens um die entt&#228;uschenden Moderatoren.</p>
<p>Stellvertrend f&#252;r sehr viele Tweets sei etwa Slaens <a href="http://twitter.com/slaens/status/3960973650">zitiert</a>:</p>
<blockquote><p><span class="status-body"><span class="entry-content">Klare Verlierer &#8211; die Moderatoren <span class="tweet-url hashtag">#tvduell</span></span></span></p></blockquote>
<p>Auch Lutz Hachmeister vom Institut f&#252;r Medienpolitik forderte in einer <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcat=52">Debatte</a> im Anschluss an das TV-Duell:</p>
<blockquote><p>Wir brauchen dringend eine Debatte &#252;ber die journalistische Qualit&#228;t dieses Formats. Leider haben sich die Veranstalter dem bislang verschlossen.</p></blockquote>
<p>Die F.A.Z. brachte wenig sp&#228;ter ihre Kritik an den Moderatoren auch sehr schnell auf den Punkt &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED5C6C14C88E94014A0AC867D12DB9F1C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Spiel nicht mit den Tigerenten!</a>&#8220;, schalt sie den metapherngeladenen Krawallstil der Moderatoren. Sie seien &#8220;streitgeil, h&#228;misch und &#252;berheblich&#8221; wesen. Die Kandidaten seien auf d&#252;mmliche, aggressive und &#252;berhebliche Weise befragt worden.</p>
<p>Hans-J&#252;rgen Jakobs <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/77/487482/text/">bilanziert</a> auf Sueddeutsche.de:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wenn einer technisch k. o. ging, dann die versammelte Runde der Spitzenmoderatoren des deutschen Fernsehens.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das Medium Fernsehen habe sich selbst viel zu wichtig genommen – und dabei die Politik an den Rand gedr&#228;ngt. Michael Spreng h&#246;hnt, der Beitrag der Moderatoren habe aus <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2028">20 verschenkten Minuten</a> bestanden. J&#246;rg Lau hat ganz zurecht einen <a href="http://blog.zeit.de/joerglau/2009/09/14/tv-duell-eine-journalistische-katastrophe_3013">Wutanfall</a> bekommen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es wurde kaum in der Sache nachgefragt – Merkel nicht zu ihrem Steuerpopulismus, Steinmeier nicht zu seiner Opel-Retterei.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und doch: Man muss dazu noch mehr sagen.</p>
<div id="attachment_14858" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/duell2.jpg"><img class="size-medium wp-image-14858" style="margin: 2px;" title="duell2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/duell2-300x198.jpg" alt="duell2" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig ungemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist.</p></div>
<p>Das &#8220;Duell&#8221; war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. Es war der Bankrott eines TV-Journalismus, der sich in den letzten Jahren zum dominanten Paradigma der Bewegtbild-Politikvermittlung hochgedient hat. Auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig unangemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.</p>
<p>Ich habe versucht, mit Hilfe des <a href=" http://kanzlerduell.wahl.compuccinocloud.com/bmo.php">P</a><a href=" http://kanzlerduell.wahl.compuccinocloud.com/bmo.php">rotokolls</a> der Sendung einige der Strukturmerkmale dieses TV-Journalismus herauszuarbeiten (Erg&#228;nzungen und Hinweise gerne &#8211; <em>work in progress</em>):</p>
<p><strong>1. Inszenierung eines politischen Konflikts als metapherngeladenes Schauspiel </strong></p>
<p>(&#8220;Wenn der Mann tats&#228;chlich am Stuhl der Chefin s&#228;gt&#8221;, &#8220;Sch&#246;n, wie Sie Doppelpass spielen&#8221;, &#8220;Ist das ein Wahlkampf-Gag?&#8221;,&#8221;War die Agenda 2010 nicht ein Kindergeburtstag&#8230;?&#8221;, &#8220;&#8216;Nur &#252;ber meine Leiche&#8217; &#8211; das geht schnell bei der SPD&#8221;, &#8220;Wer ist der Tiger und wer die Ente?&#8221; &#8220;Ist die Vernunftehe am Ende?&#8221;, &#8220;Was sagen Sie zu Steinmeiers &#8216;Horror-Szenario&#8217; &#8230;?)</p>
<p>Politik wird zu einem reizintensiv bebilderten Konflikt – was einem leider v&#246;llig die Sicht f&#252;rs klare Denken nimmt. Diese mangelnde sprachliche Disziplin beim TV-Duell zeigt den ganzen Verfall eines Genres.</p>
<p><strong>2. Fr&#246;hliche Vermischung von Standpunkten, Person und Pers&#246;nlichkeit </strong></p>
<p>(&#8220;Duzen Sie sich eigentlich?&#8221;, &#8220;Erkl&#228;ren Sie uns, warum Angela Merkel nicht mehr Bundeskanzlerin sein soll&#8221;, &#8220;W&#252;rden Sie Ihr privat erspartes Geld in &#8220;New Opel&#8221; investieren?&#8221;)</p>
<p>Inhaltliches und Pers&#246;nliches werden gen&#252;&#223;lich zu einem Politics-Policy-Cocktail verr&#252;hrt, der den Zuschauern dann angeblich besonders gut schmecken soll.</p>
<p><strong>3. Flapsige Kommentierung des Diskussions-Geschehens</strong></p>
<p>(&#8220;Wenn wir Sie beide hier so sehen, dann hat man schon den Eindruck dass Sie wirken wie ein &#228;lteres Ehepaar&#8221;, &#8220;Das klingt hier jetzt mehr nach Duett und weniger nach Duell&#8221;, &#8220;Das sind doch Lippenbekenntnisse&#8230;&#8221;)</p>
<p>Mit solchen Bemerkungen machen die &#8220;Moderatoren&#8221; klar, wer hier die Deutungsmacht innehat. Sie spielen sich zu Volkstribunen auf, die Politikern das Wort erteilen.</p>
<p><strong>4. Provozieren, statt offen zu fragen</strong></p>
<p>(&#8220;Ist Angela Merkel f&#252;r Sie eine Marktradikale?&#8221;, &#8220;Ist die SPD noch eine Volkspartei?&#8221;)</p>
<p>Eine gute offene Frage k&#246;nnen deutsche TV-Talkmoderatoren offenbar nicht mehr stellen. Sie suchen die Provokation, die ihrer Selbstinszenierung dient, aber nicht der Qualit&#228;t der Antwort.</p>
<p><strong>5. Lust am plaktiven Symbolkonflikt</strong></p>
<p>(Ackermann-Essen, Ulla Schmidts Dienstwagen)</p>
<p>Statt &#252;ber grunds&#228;tzliche Fragen wird lieber &#252;ber den plakativen Fall diskutiert, den das Publikum leicht nachvollziehen kann.</p>
<p><strong>6. Radikalvereinfachung von Problemen durch Transfer ins Allagsleben</strong></p>
<p>(&#8220;Wissen Sie zu welchem Spottpreis man sich in Berlin die Haare schneiden kann?&#8221;, &#8220;Welche Note w&#252;rden Sie Deutschland geben beim Thema soziale Gerechtigkeit?&#8221;, &#8220;Warum kann der Staat jede dreckige Kneipe schlie&#223;en, aber keine Bank, die mit zweifelhaften Papieren Gesch&#228;fte macht?&#8221;)</p>
<p>Die Moderatoren greifen mit Vorliebe auf unterkomplexe Erkl&#228;rungsmodelle zur&#252;ck: Was mein Zuschauer angeblich nicht versteht, verstehe ich auch nicht.</p>
<p><strong>7. Politiker als Nichtrespekts-Personen</strong></p>
<p>(&#8220;Herr Steinmeier, kennen Sie das schlechte Wahlergebnis der SPD in der Nachkriegszeit?&#8221;, &#8220;Frau Merkel, haben Sie eine Ahnung, um wieviel Prozent die deutsche Wirtschaft in den letzten zehn Jahren gewachsen ist&#8221;)</p>
<p>Zur Volkstribunhaftigkeit (siehe 3.) geh&#246;rt es auch, Politikern nicht mehr den Status von Respektspersonen einzur&#228;umen. Hier wird nicht mehr moderiert, sondern ein populistisches Kreuzverh&#246;r zur Unterhaltung des Wahlvolks veranstaltet.</p>
<p><strong>8. Herumwitzeln </strong></p>
<p>(&#8220;Oder Sie haben beide schon zusammen ge&#252;bt, das kann nat&#252;rlich auch sein.&#8221;, &#8220;Herr Steinmeier hat gerade ein Rezept ausgestellt&#8221;, &#8220;Herr Steinmeier haben Sie eine zweite FDP im Koffer irgendwo?&#8221;)</p>
<p>Die Witzchen der Moderatoren machen endg&#252;ltig klar, wo sie stehen und worum es geht: Es geht um Unterhaltung, es geht um die Selbstdarstellung der Moderatoren – aber es geht sicher nicht um die Kl&#228;rung komplexer politischer Fragen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Das TV-Duell war mehr als nur eine Befragung von Spitzenkandidaten. Es war die machtvolle Inszenierung eines Politikverst&#228;ndnisses, f&#252;r das die vier gro&#223;en TV-Konglomerate in diesem Land zunehmend stehen: <strong>F&#252;r das Primat der Darstellbarkeit &#252;ber das Dargestellte, das Primat der Selbstinszenierung der Moderatoren &#252;ber das Aufkl&#228;rungsinteresse.</strong> Politik ist in die Klauen des Unterhaltungskomplexes geraten: Es z&#228;hlt die kurzweilige, nicht die angemessene Vermittlung.</p>
<p>Das Kennzeichen dieses um sich greifenden Politikverst&#228;ndnisses ist ein <strong>TV-Journalismus ohne Demut</strong>. Ohne Demut davor, dass Politik in Wirklichkeit viel komplexer ist, als er es zu vermitteln vermag. Der TV-Journalismus tut so, als k&#246;nnte er alles verstehen und vermitteln – und als g&#228;be es keine Welt dar&#252;ber hinaus. Der TV-Journalismus totalisiert sich selbst. Dies ist die Atmosph&#228;re von Christiansen, Will, Illner, Plasberg und co.</p>
<p>Aus so einer derart selbstherrlichen Haltung heraus sind auch die meisten Fragen des Duells entstanden. Das TV-Duell war nicht so langweilig, obwohl, sondern weil so aggressiv und &#252;berheblich gefragt wurde. Die Volkstribunen trieben die Kandidaten vor sich her, anstatt moderierend zu fragen.</p>
<p>Diese Fehlleistung sollte Konsequenzen haben: Unsere Politik und Demokratie  ist zu wertvoll, um sie vom Kartell der Geschw&#228;tzigkeit aus ARD, ZDF, RTL und SAT1 aufreiben zu lassen. Sollte es daher in Zukunft eine Debatte (&#8220;Duell&#8221; w&#228;re als &#252;berdrehte Metapher gleich im ersten Schritt zu streichen) der Kanzlerkandidaten geben – so gibt es keine Begr&#252;ndung mehr, warum diese in den H&#228;nden dieser Institutionen liegen sollte.</p>
<p>Christoph Bieber hat mehrfach <a href="http://presidentialdebateblog.blogspot.com/2008/09/christoph-bieber-duels-without-guns.html">gefordert</a>, dass derartige Debatten auch in Deutschland nicht von den TV-Stationen, sondern von einer medien&#252;bergreifenden Kommission veranstaltet werden. Warum sollten nicht ein oder zwei anerkannte Journalisten (die nicht TV-&#8221;Moderatoren&#8221; sein m&#252;ssen) unaufgeregte und pr&#228;zise Fragen stellen, die sie sich in Ruhe vorher &#252;berlegt haben?</p>
<p><strong>Es gibt keine Begr&#252;ndung mehr, warum die Bewegtbild-Debatte der Kanzlerkandidaten den TV-Stationen <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/zwist-ueber-sendeverbot-von-tv-duell/">allein geh&#246;ren</a> sollte.</strong> Und sie haben am Sonntag sehr viele Argumente dagegen geliefert.</p>
<p><strong>Outro: </strong>Inhaltlich hat das Duell der Statur des Politikers Frank-Walter Steinmeier geholfen. Er war weniger B&#252;rokrat und mehr Politiker als viele dies vorher angenommen hatten. Er hat damit vor allem seine Stellung als Kandidat innerhalb der SPD gest&#228;rkt.
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		<title>Das Duell: Merkel und Steinmeier k&#228;mpfen um die Stimmen der Anderen</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Sep 2009 12:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fernseh-Duell]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim "Duell" k&#228;mpfen Merkel und Steinmeier nicht gegeneinander - sondern gegen die Kleinparteien: Steinmeier muss sein Beamten-Korsett ablegen und bei Gr&#252;nen- und Linken-W&#228;hlern punkten. Merkel muss versuchen, den Guttenberg zu geben, um das Wachstum der FDP einzud&#228;mmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn 64 Prozent der W&#228;hler vor dem TV-Duell glauben, Angela Merkel werde gewinnen, und nur 12 Prozent Frank Walter Steinmeier das zutrauen, dann steht der Sieger des Duells schon fest &#8211; zumindest auch in den Meinungsumfragen danach. Denn Angela Merkel m&#252;sste schon einen minutenlangen Blackout haben, um diesen Vorsprung noch zu verspielen.</p>
<p>Das hei&#223;t allerdings nicht, dass Merkel auch tats&#228;chlich die Siegerin des Duells sein wird. Denn bei dem Duell geht es nicht mehr um die Stimmenverteilung zwischen CDU und SPD. Dieser Kuchen ist schon l&#228;ngst verteilt. Es geht um die W&#228;hler der vom Duell ausgeschlossenen &#8211; heute noch so genannten &#8211; kleinen Parteien. Sie sitzen unsichtbar mit am Tisch ( bzw. stehen mit am Pult). Um ihre Stimmen ringen Merkel und Steinmeier in Wirklichkeit.</p>
<p>Merkel muss versuchen, den Aderlass zur FDP zu stoppen und Steinmeier muss darum k&#228;mpfen, wenigstens einige der zur Linkspartei und zu den Gr&#252;nen abgewanderten W&#228;hler zur&#252;ckzuholen. Deshalb sind Steinmeiers wichtigste Themen beim Duell, mit denen er punkten muss, soziale Gerechtigkeit, Atomausstieg und Klimaschutz, Merkel dagegen muss die zur FDP gefl&#252;chteten W&#228;hler davon &#252;berzeugen, dass die CDU immer noch die Partei der (sozialen) Marktwirtschaft ist.</p>
<p>Eine verschobene, aber interessante Schlachtordnung. F&#252;r Steinmeier ist es die allerletzte Chance: f&#252;r ihn geht es bei dem Duell darum, ob die SPD doch noch 25 Prozent erreichen kann oder sogar unter die jetzigen Umfragen f&#228;llt. Er muss Merkel in eine harte, allerdings sachliche Konfrontation &#252;ber die Themen zwingen, die f&#252;r die Linkspartei- und Gr&#252;nen-W&#228;hler relevant sind. Merkel dagegen muss den zu Guttenberg geben. Allerdings nur dann, wenn ihr die Blutspendeaktion f&#252;r die FDP nicht v&#246;llig gleichg&#252;ltig ist &#8211; nach dem Motto: Hauptsache, ich bleibe Kanzlerin.</p>
<p>Steinmeier muss sein Beamten-Korsett sprengen, muss die Teflon-Schicht der Kanzlerin durchbrechen. Wie er diese Herausforderung bew&#228;ltigt, entscheidet &#252;ber die W&#228;hlerrelevanz des Duells. Und daf&#252;r braucht Steinmeier kurze, einpr&#228;gsame Formulierungen, die durch ihre st&#228;ndige Wiederholung bei den Zuschauern h&#228;ngenbleiben.</p>
<p>Der bisherige Wahlkampf deutet leider eher auf einen anderen Verlauf hin: Merkel setzt ihren m&#252;tterlich umsorgenden Wahlkampfvermeidungswahlkampf fort, l&#228;sst Steinmeiers Attacken freundlich, vielleicht sogar witzig an sich abperlen. Und Steinmeier bleibt der sachlich-bem&#252;hte Beamte, der seine Politik nicht fernsehwirksam und damit auch nicht w&#228;hlerwirksam formulieren kann. Ein torloses Spiel ist leider am wahrscheinlichsten &#8211; ein farbloses 0:0, ohne spannende Spielz&#252;ge. Dann h&#228;tte Merkel gewonnen.</p>
<p><em>Michael Spreng bloggt unter <a href="http://www.sprengsatz.de">Sprengsatz</a><a href="http://www.sprengsatz.de">.de</a>, wo auch <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=1999">dieser Beitrag</a> erschein. Wir &#252;bernehmen ihn mit freundlicher Zustimmung des Autors.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14731&amp;md5=ed947670324aa7cb4463c105af080cf5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf Wiederw&#228;hlen 05</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 13:56:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>

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		<description><![CDATA[Merkel trifft glasklare Koalitionsaussagen - man muss ihren Wahlkampf nur richtig interpretieren k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r ein gro&#223;es MITTEinander</p>
<p><object width="425" height="344" data="http://www.youtube.com/v/vM4Jiqh9jzc&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/vM4Jiqh9jzc&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>[via <a href="http://www.miriammeckel.de/2009/09/05/auf-wiederwaehlen-05/">MiriamMeckel</a>]
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14493&amp;md5=3d8d22be8890a67df375708853ee29ab" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>CDU-Spot: Angela Merkel hat auch von Ronald Reagan gelernt</title>
		<link>http://carta.info/14345/cdu-werbespot-angela-merkel-ronald-reagan-wahlkampf/</link>
		<comments>http://carta.info/14345/cdu-werbespot-angela-merkel-ronald-reagan-wahlkampf/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 21:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Der j&#252;ngste CDU-Werbespot ist der bislang professionellste in diesem Wahlkampf. Er &#252;bersetzt  Botschaften in Metaphern - und spiegelt dabei durchaus auch falsche Tatsachen vor. Angela Merkel hat nicht nur von Barack Obama gelernt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/de2524879e5e25f89528e5bcf5a0f6" width="1" height="1" alt=""/>Dieser Wahlkampf mag manchem wie eine &#8220;Endlosschleife der unbeantworteten Fragen&#8221; (<em>Spiegel</em>) vorkommen, wie ein Weichsp&#252;lprogramm – aber ohne strategische Finesse ist er nicht. Der j&#252;ngste Wahlwerbespot der CDU ist: <strong>Einlullen auf allerh&#246;chstem Niveau</strong>.</p>
<p>Der &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=OWPKNOSduIU">TV-Spot II Angela Merkel</a>&#8220;, wie ihn die CDU nennt, ist der bislang professionellste Werbespot in diesem Wahlkampf. Er ist ein Bravourst&#252;ck der politischen &#220;berredungskommunikation. Intellektuell mag solch ein Film als Beleidigung erscheinen, sein kommunikatives Ziel aber erreicht dieser Spot sehr effizient.<object width="560" height="340" data="http://www.youtube.com/v/OWPKNOSduIU&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/OWPKNOSduIU&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p><strong>Mehrere hundert Mal</strong> wird die CDU diesen Spot im Fernsehen zeigen. Zu seiner Vorstellung lud Generalsekret&#228;r Ronald Pofalla am vergangenen Mittwoch die Presse eigens in ein Berliner Gro&#223;kino ein. Merkel habe den Spot „bis in jede Formulierung mitgestaltet“, versicherte er<a href="http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E1C5FA47D6B594167B783F04FFFA09888~ATpl~Ecommon~Scontent.html"></a>. Das kann man ihm getrost glauben.</p>
<p>Der Spot zeigt, mit welchem Image Angela Merkel die Wahl gewinnen m&#246;chte, wie Wulf Schmiese in der F.A.Z. <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E1C5FA47D6B594167B783F04FFFA09888~ATpl~Ecommon~Scontent.html">notierte</a>: &#8220;als Ostdeutsche, die Deutschland dient; als Klimasch&#252;tzerin und Christin; als Familien- und Forschungspolitikerin; als lernf&#228;hig und selbstironisch uneitel, weil sie &#252;ber ihre Frisur spricht; als jubelnder Fu&#223;ballfan, aber auch als Arbeits- und Wirtschaftsfachfrau, die sich um Schwache k&#252;mmert.&#8221;</p>
<p>Seine Wirkung entfaltet der Spot, weil es im gelingt, nicht einfach nur diese Aussagen zu machen, sondern diese in Bilder zu &#252;bersetzen.</p>
<p>Die CDU-Agentur  <a href="http://www.kolle-rebbe.de/">Kolle Rebbe</a> hat auch einmal einen Spot f&#252;r Nachhilfe-Unterricht produziert. Darin stehen die schlechten Zensuren als reale gro&#223;e schwarze Ziffern im Kinderzimmer herum. Nicht ganz so, aber so &#228;hnlich funktioniert auch der Merkel-Spot. <strong>Er &#252;bersetzt Aussagen in Bilder.</strong></p>
<p>Die zentrale Figur des Werbespots ist die and&#228;chtig aus den halbreflektierenden Fenstern des Kanzleramts blickende Angela Merkel. Sie ist damit gleichzeitig drinnen (m&#228;chtig, erfolgreiche Amtstr&#228;gerin) und drau&#223;en (verstehend, was die Menschen bewegt). Der Werbespot hat damit eine Metapher gefunden – eine <strong>Metapher f&#252;r den politischen Stils Merkels</strong>, wie sie ihn gesehen haben m&#246;chte.</p>
<p>Mit der Metapher verh&#228;lt es sich im Werbefilm wie in der politischen Rede: Richtig eingesetzt ist sie eines der effektivsten, eing&#228;ngigsten und suggestivsten Mittel &#252;berhaupt. Und hier kann Merkel mehr. Sie hat nicht nur <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/484865">von Barack Obama gelernt</a>, sondern auch von <strong>Ronald Reagan</strong>.</p>
<p>Als Reagan 1984 zur Wiederwahl antrat, warb er unter anderem mit dem Slogan &#8220;Amerika: Standing tall in the World again&#8221;. Reagan warb so f&#252;r seine Erfolge bei der &#220;berwindung der vorherigen Rezession. Zu dem Slogan zeigte seine Kampagne die <strong>einger&#252;stete Freiheitsstatue</strong>. Das Bild blieb in den K&#246;pfen und verhalf Reagan zur Wiederwahl: So wie dieses Ger&#252;st die Freiheitsstatue gest&#252;tzt und erneuert hatte, so w&#252;rde Reagans Pr&#228;sidentschaft Amerikas F&#252;hrungsanspruch st&#252;tzen und erneuern (Dank an <a href="http://carta.info/autor/peter_loesche/">Peter L&#246;sche</a> f&#252;r diesen Hinweis).</p>
<div id="attachment_14374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.livingroomcandidate.org/commercials/1984/statue-of-liberty"><img class="size-full wp-image-14374" title="reagan1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/reagan1.jpg" alt="reagan1" width="450" height="337" /></a><p class="wp-caption-text">Ronald Reagan Spot 1984: &quot;Standing tall in the World again&quot; (zum Anschauen des Videos auf das Bild klicken)</p></div>
<p style="text-align: left;">Reagans Kampagne hatte damit eine Metapher f&#252;r seine Pr&#228;sidentschaft geschaffen. Diese Lehre der politischen Kommunikation wei&#223; nun auch Angela Merkel im Wahlkampf 2009 f&#252;r sich zu nutzen. Ihre Metapher sind die Reflexionen am Kanzleramts.</p>
<p style="text-align: left;">Ihren Slogan &#8220;Wir haben die Kraft&#8221; hat Merkel &#252;brigens keinesfalls von <strong>Obama &#8220;kopiert&#8221;</strong>, wie Nico Fried in der S&#252;ddeutschen <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/484865">meint</a>. <span class="fliesstext">Merkel hat Obamas &#8220;We&#8221; f&#252;r ihre</span> Zwecke adaptiert. Bei Obama ist das &#8220;Wir&#8221; die Gemeinschaft derer, die Ver&#228;nderung wollen. Bei Merkel ist das &#8220;Wir&#8221; die nationale Gemeinschaft derer, die das stabile Weiter-so wollen. Genau an dieses &#8220;Wir&#8221; appelliert Merkel am Ende des Spots.</p>
<p style="text-align: left;">Wie sehr das Video auf Merkel zugeschnitten ist, zeigt auch die Ausstattung des Kanzleramtes. Merkel ist dort augenscheinlich nur von anonymen Models umgeben. Nicht einmal die Mitarbeiter, die ihr die Unterlagen ins Arbeitszimmer bringen, sind echt. Merkel bewegt sich in einem von allen Referenzen au&#223;er den ihren <strong>klinisch gereinigten Kanzleramt</strong>. Im Abspann kommt der Spot ohne Nennung ihres Namens aus. Auch dies ist Teil eines kalkuliert dezenten Auftritts aus der Position der Macht heraus.</p>
<p style="text-align: left;">Ohne <strong>optische Tricks</strong> aber kommt so ein sorgsam austariertes Werbewerk wie der &#8220;TV Spot II&#8221; naturgem&#228;&#223; nicht aus. Die Bilder sind gr&#252;ndlich durch die digitale Waschanlage gelaufen, um den n&#246;tigen Glanz zu erzeugen. An zwei Stellen zeigen sich die Eingriffe auch nachtr&#228;glich noch sehr deutlich. Damit die Reflexionsbilder den gew&#252;nschten Eindruck vermitteln, wurden sie im Film horizontal gespiegelt:</p>
<div id="attachment_14376" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/29.jpg"><img class="size-medium wp-image-14376" title="29" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/29_klein.jpg" alt="29" width="450" height="405" /></a><p class="wp-caption-text">Merkel im Fenster: Jeweils horizontal gespiegelt f&#252;r den besseren Eindruck (Anklicken f&#252;r gr&#246;&#223;ere Ansicht)</p></div>
<p style="text-align: left;">In der oberen Szene schaut die Kanzlerin in Richtung S&#252;dosten &#252;ber den Reichstag zu den Hochh&#228;usern an der Leipziger Stra&#223;e. In der Originalsituation befindet sich ihr Kopf in der rechten Bildh&#228;lfte. Da hierzulande Bilder wie Schrift von links nach rechts gelesen werden, entst&#252;nde der Eindruck: Nach Merkel kommt wenig, sie hat wenig Zukunft. Es ist <strong>grunds&#228;tzlich unvorteilhaft</strong>, auf der rechten Bildh&#228;lfte gezeigt zu werden. Bei den CDU-Werbern kennt man sich mit solch unterschwelligen Botschaften aus und hat das Video kurzerhand horizontal gespiegelt.</p>
<p style="text-align: left;">Gleiches gilt f&#252;r die untere Szene: Merkel schaut aus nach Nordosten &#252;ber die Botschaft der Schweiz zur Charité. Merkel blickt dabei links. Eine solche Blickrichtung wirkt r&#252;ckw&#228;rtsgewandt, da sie gegen die Lesrichtung des Bildes verl&#228;uft. Die Einstellung ist daher im Schnitt ebenfalls horizontal gespiegelt worden. Auch visuell dreht Merkel die Realit&#228;t im Werbespot so, wie sie sie braucht.</p>
<p style="text-align: left;">
<p><strong>Fazit:</strong> Ein Video, das Merkels Einlullungs-Wahlkampf perfekt umsetzt. Es schafft ein Bild von der Kanzlerin, exakt wie Angela Merkel es sich w&#252;nscht. Es schafft eine Metapher der souver&#228;nen, menschlichen Machtaus&#252;bung, ohne verbindlich etwas &#252;ber Merkels Politikziele zu sagen.</p>
<p>Glaubt man dem Merkel-Biographen Gerd Langguth, dass ist Merkel erpicht darauf, die Beste zu sein. Bei dieser Bundestagswahl erscheint dieses Ziel in Sachen Videowahlkampf f&#252;r sie durchaus in Reichweite.</p>
<p><strong>Outro:</strong> Die Gr&#252;nen haben sich daran versucht, das Video durch Neuvertonung zu entzaubern. Hier das Ergebnis:</p>
<p><object width="560" height="340" data="http://www.youtube.com/v/Sft4vdGn2x8&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/Sft4vdGn2x8&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object><br />
<a href="http://www.werbeblogger.de/2009/09/02/steinmeier-und-merkel-die-aktuellen-tv-spots-umfrage/"></a>
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
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			</a>
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<a href="http://carta.info/14345/cdu-werbespot-angela-merkel-ronald-reagan-wahlkampf/">CDU-Spot: Angela Merkel hat auch von Ronald Reagan gelernt</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/14345/cdu-werbespot-angela-merkel-ronald-reagan-wahlkampf/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14345&amp;md5=e814aa2a984f965fee2b4ee3ff6ecba2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir holen die Kanzlerschaft&#8221;: Do-it-yourself-Wahlkampfvideos (II)</title>
		<link>http://carta.info/14237/wir-holen-die-kanzlerschaft-do-it-yourself-wahlkampfvideos-ii/</link>
		<comments>http://carta.info/14237/wir-holen-die-kanzlerschaft-do-it-yourself-wahlkampfvideos-ii/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 18:13:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit DIY-Wahlkampfvideos wird der geneigte Sympathisant zum Mitgestalter. Zum Gl&#252;ck: Der  durchkalkulierte Wahlkampf kann mehr Leidenschaft bestens gebrauchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/dda387ecb0d410044bbbdd2491197d" width="1" height="1" alt=""/>Sind Do-it-yourself-Wahlkampfvideos im Internet das neue Plakate-Kleben? Zumindest haben sich die M&#246;glichkeiten der Mitgestaltung f&#252;r Unterst&#252;tzer drastisch vermehrt: Online-Wahlkampf wird zunehmend als vernetzter Wettbewerb der Unterst&#252;tzungsideen gef&#252;hrt, die nicht mehr notwendigerweise vollst&#228;ndig aus der Wahlkampfzentrale kommen. Der geneigte Sympathisant wird mit Collagen, Videos und Retweets zum Mitgestalter auf der medial vermittelten B&#252;hne. Das lockert die durchkalkulierten und damit h&#228;ufig auch k&#252;hlen Parteikampagnen etwas auf &#8211; wie etwa auch das <a href="http://carta.info/14069/siehabendiewahl09-spd-wahlkamp/">&#8220;Sie haben die Wahl&#8221;-Video</a>.</p>
<p>DIY-Wahlkampf zeigt h&#228;ufig Leidenschaft f&#252;r Personen und Themen, wo klassische Kampagnen nur Stimmenmaximierung betreiben. Man sollte die DIY-Wahlvideos daher im Auge behalten, wie zum Beispiel dieses hier:</p>
<p><object width="560" height="340" data="http://www.youtube.com/v/SiMTfr1Xifo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/SiMTfr1Xifo&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>[Dank an einen anonymen Carta-Leser]</p>
<p>Oder auch dieses hier (schon etwas &#228;lter):<br />
<object width="425" height="344" data="http://www.youtube.com/v/FTcRZlGpvSY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/FTcRZlGpvSY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>[via <a href="http://netzpolitik.org/2009/video-guttenberg-gegen-die-dunkle-seite/">Netzpolitik</a>]</p>
<p>Weitere Vorschl&#228;ge und Hinweise sehr gerne.
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			</a>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14237&amp;md5=5cae925f5c1fdf9730e31434f926c57c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Triumph &amp; Debakel</title>
		<link>http://carta.info/14085/triumph-debakel/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 20:18:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Saarland, Sachsen, Th&#252;ringen: Mit starken Begriffen versuchen die Medien, den Bundestagswahlkampf noch einmal aufzubrezeln. Doch die eigentlich spannende Frage bleibt au&#223;en vor: Was wollen die vielen Nichtw&#228;hler? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bc9a47c5b71b56d61b73b0f571cae4" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal"><span>Bei der Bundestagswahl am 27. September wird es 62,2 Millionen Wahlberechtigte geben. Zehn Prozent davon, 6,22 Millionen, konnten am vergangenen Sonntag ihre Stimme abgeben. Gew&#228;hlt haben 3,44 Millionen &#8211; oder 5,5 Prozent der bundesweit Wahlberechtigten. Das ist zu wenig, um eine verl&#228;ssliche Prognose f&#252;r die kommende Bundestagswahl daraus ableiten zu k&#246;nnen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Versucht wurde es trotzdem. ARD-Zahlenmonster J&#246;rg Sch&#246;nenborn war sichtlich bestrebt, die CDU aus ihrem Halbschlaf zu wecken. <strong>Steil und tief sackten die schwarzen S&#228;ulen in den Infographiken nach unten. Und dunkelrote T&#252;rme wuchsen drohend empor</strong></span><span>. BILD erhob „Lafo“ zum </span><a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/08/31/landtagswahlen/triumph-fuer-oskar-lafontaine.html">Titelhelden</a><span>. Das alles signalisierte: „Absturz!“ „Katastrophe!“, „Kantersieg!“ „Triumph!“ – Und sollte hei&#223;en: Kehrt um, ihr B&#252;rgerlichen! Macht endlich den Lagerwahlkampf, den wir Medien so dringend brauchen!</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Angela Merkel aber w&#228;re mit dem Klammerbeutel gepudert, w&#252;rde sie den Medienbed&#252;rfnissen nachgeben.<strong> </strong></span><span>Sie wei&#223;:<strong> Am vergangenen Sonntag gab es – insgesamt gesehen -</strong></span><span> <strong>weder einen „Erdrutschsieg“ noch einen „Erdrutschverlust“</strong></span><span>. Selbst der so laut hinausposaunte </span><a href="http://www.abendzeitung.de/politik/wahlen2009/128901">„Triumph der Linken“</a><span> schmolz zusammen wie Butter in der Sonne.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Achja? Hat denn die Linke im Saarland ihre Stimmenzahl nicht verzehnfacht? Hat die CDU in Th&#252;ringen nicht &#252;ber 24 Prozent ihrer bisherigen W&#228;hler verloren, in Sachsen 15,4 Prozent, im Saarland 12 Prozent? Hat die SPD in Th&#252;ringen nicht 33,5 Prozent an neuen W&#228;hlern dazu gewonnen?</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Dochdoch, das ist alles richtig! Aber <strong>die Wahlbeteiligung und die gew&#228;hlten Bezugsgr&#246;&#223;en verzerren jede Prozentrechnung</strong></span><span>.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Z&#228;hlen wir die Stimmen dagegen nach dem alten Prinzip „One man, one vote“, so ergibt sich folgendes Bild: Die FDP hat die Zahl ihrer W&#228;hler im Vergleich zu den letzten drei Landtagswahlen um 125.867 gesteigert. Die Piraten haben 34.620 W&#228;hler hinzugewonnen, die Gr&#252;nen 34.139, die SPD 26.857. Und die Linken? Die haben sage und schreibe 8.346 W&#228;hler dazu gewonnen. Was Lafontaine im Westen holte, verspielten die Sachsen im Osten.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Schwarz-Gelb beklagte unterm Strich einen Verlust von 136.336 W&#228;hlern. Rot-Rot-Gr&#252;n konnte 69.342 W&#228;hler hinzu gewinnen.</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span><strong>Diese mageren Zahlen zeigen &#252;berdeutlich: Hier geht’s um Peanuts</strong></span><span>. Bei 62,2 Millionen Wahlberechtigten fallen derart minimale Verschiebungen kaum ins Gewicht. Entscheidender wird die Frage sein, wie viele der 62,2 Millionen Wahlberechtigten am 27. September w&#228;hlen gehen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Hier m&#252;ssten die Parteien, die einen Politikwechsel wollen, ansetzen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Aber bislang bequemt sich keines der gro&#223;en Meinungsforschungsinstitute (und leider auch keiner der Auftraggeber aus Medien und Politik), einmal gezielt (und nicht nur </span><a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wahlkampf-treibt-nichtwaehler-quote-hoch;2451685">oberfl&#228;chlich</a><span>) <strong>die politischen Pr&#228;ferenzen und &#220;berzeugungen der Nichtw&#228;hler </strong></span><span>zu erforschen. 20 bis 50 Prozent aller Wahlberechtigten &#8211; das sind 12 bis 31 Millionen B&#252;rger &#8211; werden auf diese Weise aussortiert und politisch ignoriert.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Aber am Wahlabend, da werden dann alle wieder sehr „&#252;berrascht“ sein. </span></p>
<p><!--EndFragment-->
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14085&amp;md5=870cce56d1bbda91d7da78e44a86a349" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wahlkampfvideo: Die Dekonstruktion mit dem Drehmoment</title>
		<link>http://carta.info/14069/siehabendiewahl09-spd-wahlkamp/</link>
		<comments>http://carta.info/14069/siehabendiewahl09-spd-wahlkamp/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 16:57:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Wahlkampf gewinnt an Fahrt: die SPD hat ein beachtliches Video aus der Kategorie "Unterst&#252;tzer-generated Content" geschenkt bekommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/dd5e04731397d968f7b7f348d6fe28" width="1" height="1" alt=""/>Heute ist dieses augenscheinlich nicht ganz unambitionierte Video aufgetaucht:</p>
<p><object width="560" height="340" data="http://www.youtube.com/v/AEvDodJ6weY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/AEvDodJ6weY&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>[via <a href="http://twitter.com/frischkopp/status/3687645047">frischkopp</a>]</p>
<p>Der &#8220;Dreh&#8221; mit dem Balken passt zur SPD, die sich m&#252;ht, die Gewissheiten des Gegners als Ideologie zu entlarven. Auf den zweiten Blick auch h&#252;bsch: Der Farbwechsel von Schwarz-Gelb auf Rot-Wei&#223;. Inhaltlich hat der Spot nicht so viel zu bieten. Seine St&#228;rke liegt wohl vor allem in der geschickten &#228;sthetischen Kombination von Gestaltung und Aussage. Himmerhin, oder?</p>
<p>Woher dieses Video kommt? Wer sic hinter &#8220;<a href="http://www.youtube.com/user/SieHabenDieWahl09">SieHabenDieWahl09</a>&#8221; verbirgt, die oder der das Video heute ins Netz stellte? Keine Ahnung. Die <a href="http://www.flickr.com/photos/erlan/3418475283/">Nordkurve</a> jedenfalls winkt ab und sagt: Nicht von uns. Offenbar stammt es von einer emsingen SPD-Unterst&#252;tzergruppe. Die Parteisignatur am Ende des Videos zumindest ist nicht ganz auf dem aktuellen Stand.</p>
<p>Das Spiel mit dem unbekannten Absender ist derzeit als Buzz-Strategie augenscheinlich recht beliebt.</p>
<p>Ein Video also aus der Kategorie Unterst&#252;tzer-generated Content. Sachdienliche Hinweise und Kommentare zu dem Video sehr gerne.</p>
<p>Das Video ist ein <a href="http://twitter.com/frischkopp/status/3688112934">bekanntlich</a> schon mal ein Remake von diesem hier:</p>
<p><object width="425" height="344" data="http://www.youtube.com/v/lFz5jbUfJbk&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/lFz5jbUfJbk&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object>
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			</a>
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<a href="http://carta.info/14069/siehabendiewahl09-spd-wahlkamp/">Wahlkampfvideo: Die Dekonstruktion mit dem Drehmoment</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/14069/siehabendiewahl09-spd-wahlkamp/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14069&amp;md5=50db6b9b34dac773bb50ee796384c927" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Abwesenheitsnotiz: Frank-Walter Steinmeier ist zurzeit im Urlaub</title>
		<link>http://carta.info/11994/abwesenheitsnotiz-steinmeier/</link>
		<comments>http://carta.info/11994/abwesenheitsnotiz-steinmeier/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 11:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marek Dutschke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass Steinmeier die Grenzen der Bundesrepublik so kurz vor der Wahl verl&#228;sst, ist symptomatisch. Vielleicht wei&#223; er, dass er in die zweite Reihe geh&#246;rt und mit dem Posten des Au&#223;enministers zufrieden sein sollte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a1d4eb2581d27ed63e680d197a11db" alt="" width="1" height="1" />Wer heute bei der Wahlkampfzentrale von Frank-Walter Steinmeier anruft, um ein Interview zu bekommen, wird h&#246;ren, dass der Au&#223;enminister f&#252;r einige Tage in den Bergen <strong>S&#252;dtirols</strong> unterwegs ist. Zur genauen Dauer des Urlaubs m&#246;chte die SPD Pressestelle sich nicht &#228;u&#223;ern.</p>
<p>Ich w&#252;rde auch nicht offenbaren wollen, dass der potenzielle Herausforderer f&#252;r das Kanzleramt 70 Tage vor der Bundestagswahl f&#252;r eine unbestimmte Zeit in den italienischen Alpen seinen Frust abbaut. Dass Steinmeier die Grenzen der Bundesrepublik so kurz vor der Wahl verl&#228;sst ist, symptomatisch. Abgesehen davon, dass der Au&#223;enminister kein ernst zu nehmender Gegenkandidat f&#252;r Amtsinhaberin Merkel ist, ist der Wahlkampf momentan durch fehlende Konfliktthemen, ausbleibende Kandidatenbegeisterung und nicht-existente Ideen zur alternativen Regierungspolitik gepr&#228;gt.</p>
<p>Steinmeier muss etwas riskieren, wenn er ernst genommen werden m&#246;chte. Seine mitrei&#223;ende <a href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/aktuelles/reden/detail/090614_parteitag.html?pg=1">Rede auf dem SPD-Parteitag in Berlin</a> ist medial vollkommen verpufft. Der <strong>rhetorischen Glanzleistung </strong>wurde von Seiten des Wahlkampfteams nichts nachgelegt. Diese Rede w&#228;re eine M&#246;glichkeit gewesen, Steinmeiers Image als akribischer <strong>Aktenfresser</strong> in der &#214;ffentlichkeit zu &#228;ndern. Dies ist allerdings nicht geschehen. Nur sehr wenige Menschen in Deutschland lassen Begeisterung oder Aufbruchstimmung beim Namen Steinmeier anklingen. Beim Sommerfest der SPD Brandenburg hat mir ein ehemals f&#252;hrender Genosse sogar gesagt, dass er Steinmeier empfiehlt, bescheidener aufzutreten. Er meinte damit, dass die W&#228;hler mit Steinmeier als Au&#223;enminister zufrieden w&#228;ren. Daher solle er aufh&#246;ren zu sagen dass er Kanzler werden will. Mit anderen Worten: wir werden zwar gegen Merkel verlieren, aber wenn die W&#228;hler anerkennen, dass wir gut Arbeit geleistet haben, werden wir nicht zu sehr bestraft. Eine solche Strategie, die eine Fortf&#252;hrung der Gro&#223;en Koalition impliziert, ist eine Bankrotterkl&#228;rung. Damit l&#228;sst sich weder die eigene Parteibasis noch neue W&#228;hlergruppen mobilisieren. Merkel, die &#252;brigens Ende Juli in Bayreuth und danach in den Alpen Urlaub macht, kann sich also ihrer Sache sicher sein und m&#246;glicherweise sogar ihre Wunschkoalition mit der FDP realisieren.</p>
<div id="attachment_12018" class="wp-caption alignright" style="width: 410px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/07/steinmeier_zdf.jpg"><img class="size-full wp-image-12018" title="steinmeier_zdf" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/07/steinmeier_zdf.jpg" alt="steinmeier_zdf" width="400" height="267" /></a><p class="wp-caption-text">Frank-Walter Steinmeier in S&#252;dtirol beim ZDF-Sommerinterview: &quot;Zur genauen Dauer des Urlaubs m&#246;chte die SPD-Pressestelle sich nicht &#228;u&#223;ern.&quot; (Foto: ZDF)</p></div>
<p>Wie kann diese Wahlkampfstrategie von Steinmeier interpretiert werden? Es k&#246;nnte ja gut m&#246;glich sein, dass Steinmeier gar nicht an einen m&#246;glichen Sieg glaubt. Vielleicht wei&#223; er, dass er in die zweite Reihe geh&#246;rt und mit dem Posten des Au&#223;enministers zufrieden sein sollte. Doch ich kann das nicht akzeptieren. Der Wahlkampf ist so langweilig, dass weitere nichtige Debatten eine Zumutung w&#228;ren. Das Desinteresse und fehlende Vertrauen in die Politik kommen nicht aus heiterem Himmel. <strong>Ich fordere Herrn Steinmeier auf, dass er sofort nach Deutschland zur&#252;ckkehrt und als erstes eine grunds&#228;tzliche Erkl&#228;rung abgibt, dass es mit ihm keine Fortf&#252;hrung der Gro&#223;en Koalition geben wird. </strong><strong>Entweder wird er Kanzler oder gar nichts! </strong>Wenn er das auch noch in einer Rede mit Emotionen (die ihm scheinbar etwas &#220;berwindung kosten) r&#252;ber bringen k&#246;nnte, h&#228;tte er nicht nur meine volle Aufmerksamkeit sondern auch eine wirkliche Chance, die Wahl zu gewinnen.</p>
<p>Es ist Zeit, durchzustarten. Steinmeier macht einen gro&#223;en Fehler, so kurz vor dem Wahltermin in den Privaturlaub abzutauchen. Wenn Steinmeier darauf spekuliert, dass das gro&#223;e <a href="http://berlindirekt.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,2034103,00.html?dr=1">ZDF-Sommerinterview mit Peter Frey aus S&#252;dtirol</a> die gro&#223;e Stimmungswende bringen wird, dann wird er sich mal wieder verkalkulieren. Nur zu sagen, „ich kann es und ich will es“ reicht nicht.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=11994&amp;md5=3df571d80cd2fe291a2a0aa81a63bcec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die SPD im Wahlkampf: Zwischen &#246;kologischer Avantgarde und fossiler Nostalgie</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 22:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die SPD hat den Klimaschutz als Wahlkampfthema f&#252;r sich entdeckt. Dabei hilft ein engagierter und pr&#228;senter Umweltminister sowie eine umweltpolitisch &#252;berwiegend erfolgreiche Regierungsarbeit in zwei Koalitionen. Trotz aller Bekenntnisse wirkt die Sozialdemokratie jedoch noch nicht vollst&#228;ndig im klimapolitischen Jetzt angekommen. Dazu m&#252;sste ein Bruch mit der eigenen Vergangenheit vollzogen werden, der im Moment allerdings noch fern zu sein scheint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/91df93c1879744ecda80804a5fdb07" width="1" height="1" alt=""/>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wer bis heute Zweifel daran hegte, dass der Wahlkampf bereits voll im Gange ist, der konnte sich Mitte Juni auf der <a title="Innovationskonferenz BMU" href="http://www.bmu.de/innovationskonferenz/uebertragung/doc/44466.php">IV. Innovationskonferenz des Bundesumweltministeriums</a> vom Gegenteil &#252;berzeugen lassen. Unter dem Titel „Green Recovery“ konzentrierte sich das SPD-gef&#252;hrte Ministerium in erster Linie darauf, die <strong>&#246;kologischen Erfolge aus elf Jahren sozialdemokratischer Regierungsarbeit</strong> vor einer breiten &#214;ffentlichkeit darzustellen. Zu diesem Zweck waren alle Mittel recht, auch eine Einladung an Altkanzler Gerhard Schr&#246;der, der in der Vergangenheit nicht unbedingt f&#252;r seine N&#228;he zur Umweltbewegung bekannt war. Dieser wiederum bem&#252;hte sich in seinem Redebeitrag beinahe verzweifelt darum, die eigenen Leistungen im Kampf um eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur glaubhaft zu belegen. Dass ihm dies sichtlich schwer viel, davon zeugten sowohl eine teils unbeholfene Wortwahl, als auch der simple Rekurs auf industriepolitische Erfolge, mit denen er den <strong>„gr&#252;nen Wandel“</strong> seiner Regierungsepoche zu beschreiben versuchte. W&#228;hrend Sigmar Gabriel &#252;ber <strong>&#246;kologische Industriepolitik</strong> referierte, verwies Gerhard Schr&#246;der in erster Linie auf seine Vorstellung einer industrialisierten Umweltpolitik.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es d&#252;rften kaum Zweifel daran bestehen, dass durch Rot-Gr&#252;n eine klimapolitische Wende in Deutschland eingeleitet wurde. Von der Einf&#252;hrung des Emissionshandels &#252;ber das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis hin zur &#214;kosteuer – die Sozialdemokratie war stets dabei und musste allzu oft Pr&#252;gel von der eigenen Klientel einstecken. Zwar vollzog die Parteif&#252;hrung all diese Ma&#223;nahmen meist nur z&#246;gerlich und unter der Pr&#228;misse, Deutschlands Stellung als f&#252;hrenden Wirtschaftsstandort nicht in Gefahr zu bringen. Jedoch fanden die Parteistrategen im Laufe der Zeit offensichtlich zunehmend Gefallen an der neuartigen Mission, eine &#246;kologisch nachhaltige Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Daher d&#252;rfte es kaum verwundern, dass die Sozialdemokratie sich schlie&#223;lich darum bem&#252;hte, das rot-gr&#252;ne Erbe zur Sch&#228;rfung des eigenen Profils auch unter der ver&#228;nderten Rahmenbedingung einer gro&#223;en Koalition weiterzuf&#252;hren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dabei trat vor allem Umweltminister Sigmar Gabriel immer wieder positiv in Erscheinung: Im Kampf um den Ausbau der Erneuerbare-Energien-F&#246;rderung (gegen massive Widerst&#228;nde innerhalb der Koalition), beim Festhalten am Atomausstieg oder im Rahmen der au&#223;enpolitischen Bem&#252;hungen im Post-Kyoto-Prozess. W&#228;hrend <strong>Angela Merkel</strong> ihrem Ruf als <strong>„Klimakanzlerin“ nur sporadisch</strong> nachkam, wirkte <strong>Gabriel</strong> stets als <strong>gr&#252;nes Gewissen der Bundesregierung</strong> und verteidigte die &#246;kologischen Zielsetzungen gegen die &#252;berwiegend gestrigen Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministeriums. Im Zweifel auch im Kampf um die Erweiterung der eigenen Zust&#228;ndigkeiten f&#252;r energiepolitische Themen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die <strong>SPD</strong> bem&#252;hte sich mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung ihres Bundesumweltministers um ein <strong>&#246;kologisches Profil</strong> und hat damit gegen&#252;ber der Union einen deutlichen Vorsprung im Kampf um <strong>Deutschlands glaubw&#252;rdigste &#214;ko-Alternative zu den Gr&#252;nen</strong>; ein Resultat der politischen Anstrengungen in zwei Regierungskoalitionen. So weit, so gut. Bliebe da nicht noch eine Frage, bei der die Sozialdemokratie seit geraumer Zeit mit ihrer eigene Identit&#228;t ringt. Gemeint ist die sozialdemokratische Tradition der „Kumpel“, das „Revier“ als Teil der eigenen Identit&#228;t. Das verzweifelte <strong>Festhalten an einer ru&#223;igen Nostalgie</strong>, die unter den klimapolitischen Bedingungen des 21. Jahrhunderts in etwa so &#252;berholt wirkt, wie die Ostalgie der Gysis und Biskys. Kurz: Die <strong>Kohle als Identifikationsmerkmal der Sozialdemokratie</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und damit zur&#252;ck zur <strong>„Innovationskonferenz“</strong>: Sigmar Gabriel, Gerhard Schr&#246;der, Frank-Walter Steinmeier – sie alle pl&#228;dierten vor gro&#223;em Publikum berechtigterweise f&#252;r einen gr&#252;nen Wandel durch mehr erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz, neue Technologien und ohne R&#252;ckgriff auf die verf&#252;hrerische Anziehungskraft der Kernkraft. Nur <strong>zur Rolle der Kohle</strong> in der bundesrepublikanischen Energiepolitik<strong> fiel kein einziges Wort</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein Blick ins <a title="Regierungsprogramm SPD" href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/_media/pdf/090614_beschluss_regierungsprogramm.pdf">Wahlprogramm der SPD</a> hilft bei der Wahrheitsfindung: Dort wird noch immer mit der „Zukunft der Steinkohle“ um W&#228;hlerstimmen geworben. Dass dies mit der Zielsetzung einer emissionsarmen Stromversorgung kaum zu kombinieren ist, wird als notwendiger Widerspruch unkommentiert hingenommen. Fragt man die Genossen, wie eine solche Kombination aus Kohle und Klimaschutz aussehen k&#246;nnte, so lautet die <strong>einfache Antwort</strong> meist: <strong>CCS</strong>. Doch auch die <a title="CCS" href="http://carta.info/7120/wann-kommt-der-ccs-ausstieg/">CCS-Technologie</a> zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2, die als technologische Teill&#246;sung des Klimaproblems angef&#252;hrt wird, kann mittelfristig nicht in einem solchen Umfang entwickelt werden, dass Deutschland in der Lage w&#228;re, einen nennenswerten Teil seiner Stromerzeugung durch das „saubere“ Verbrennen von Stein- und Braunkohle zu gewinnen – ganz zu schweigen von den Auswirkungen des sich formierenden gesellschaftlichen Protestes.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Sozialdemokratie man&#246;vriert sich mit ihrer <strong>Strategie der Zusammenf&#252;hrung von Gestern und Morgen</strong> bewusst in die n&#228;chste Glaubw&#252;rdigkeitskrise. Unterst&#252;tzt die Partei die klimapolitischen Ambitionen ihres Umweltministers, so kann dieser energiepolitische Abschnitt ihres Wahlprogramms nur als postoperativer Phantomschmerz der eigenen Parteihistorie betrachtet werden, der in Form eines geschichtlichen Bekenntnisses Einzug in das Wahlkampfpapier findet. Sollte sich die Sozialdemokratie jedoch langfristig nicht von ihrer fossilen Vergangenheit l&#246;sen, so b&#252;&#223;t sie nicht nur an umweltpolitischer Glaubw&#252;rdigkeit ein, sondern hat wieder einmal eine wichtige gesellschaftliche Trendwende verschlafen.</p>
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		<title>Niemandsland Europa</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 16:06:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch vor der siebten Wahl bleibt Europa ein Kunstprodukt: Nur 41 Prozent der W&#228;hler w&#252;nschen sich, dass die EU-Politiker st&#228;rker auf ein gemeinsam regiertes Europa hin arbeiten. Die EU erscheint vielen wie ein Niemandsland - in dem man als W&#228;hler vor allem eines nicht hat: Einfluss auf die Entscheidungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/89f3ef2de0c1bf2143a6b594035641" alt="" width="1" height="1" /><br />
Selbst in der Woche der Europawahl redet niemand von: Europa. Die Gro&#223;fl&#228;chen plakatieren „Europa“ inhaltsleer – oder propagieren gleich nationale Themen. Nur die Angst vor Wirtschaftsabsturz und Lebensunsicherheit wird die W&#228;hler an die Urne treiben.</p>
<p>Diese Europawahl ist Testwahl f&#252;r den n&#228;chsten Bundestag.Und deshalb wird sie wahrscheinlich eine h&#246;here Wahlbeteiligung erreichen als die 43 Prozent von 2004 (als sie eben nicht im Jahr der Bundestagswahl stattfand). Anfang Mai wollten immerhin 35 Prozent mit Sicherheit, weitere 32 m&#246;glicherweise zur Wahl gehen, mehr als vor f&#252;nf Jahren. Dennoch wei&#223; nicht mal jeder F&#252;nfte kurz zuvor ob und was er w&#228;hlt: Die Europawahl wird durch Mobilisierung entschieden.</p>
<p>Wahrscheinlich zugunsten der Union, die seit Kohl den Deutschen als „die“ Europapartei gilt. Sie wird wohl deutlich mehr Stimmen erhalten, als ihre derzeit 35 Prozent bundesweit, die SPD wird auf ihrem 26 Prozent Niveau verharren, w&#228;hrend die Kleinen mit Ausnahme der Gr&#252;nen wahrscheinlich unterhalb ihrer <a href="http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm">aktuellen Bundeswerte</a> bleiben.</p>
<p><strong>Dass es wenig um Europa geht, dokumentieren Umfragen: Nur jeder zehnte Deutsche interessiert sich sehr daf&#252;r. </strong>Anfang Mai wusste nur jeder F&#252;nfte, dass die Wahl im Juni stattfindet. Eigentlich m&#252;ssten wir am Sonntag mit dem Schlimmsten rechnen, wollten nicht viele die Regierung bedenkzetteln, gegen zuviel oder zu wenig Staatsf&#252;rsorge protestieren, die Linken st&#228;rken oder die Ordnungspolitik der FDP loben wollen.</p>
<p>Erst unter ferner liefen h&#228;ngt der deutsche Entscheid von Europa ab: F&#252;r 15 Prozent sind Pers&#246;nlichkeit und politische Position der Kandidaten, danach deren europ&#228;ischen Erfahrungen wichtig. Kandidaten dominieren &#252;ber Themen, so weit man &#252;berhaupt Europapolitiker kennt. Denn fragt man nach den wichtigsten Zukunftsaufgaben der EU, f&#228;llt nur 16 Prozent die Bew&#228;ltigung der Arbeitslosigkeit, 14 der Klimawandel und 12 Prozent die Wirtschaftsentwicklung ein.</p>
<p>Die Gr&#252;nde, nicht zur Wahl zu gehen, sind deutlich vielf&#228;ltiger: 62 Prozent haben keinerlei Interesse, <strong>79 Prozent halten ihre Stimme f&#252;r folgenlos</strong>, 16 Prozent sind ganz gegen die EU und gleich sieben von zehn geben an, keinerlei Kenntnis &#252;ber die EU zu besitzen. Nur noch vier von zehn sind an der Europawahl interessiert (Bundestagswahl: 80 Prozent), im Westen immerhin 44, in Ostdeutschland gerade noch 22 Prozent. Damit liegen die Deutschen exakt auf europ&#228;ischem Gesamtdurchschnitt. Gerade mal f&#252;r 20 Prozent ist Europa ein wichtiges Thema: Rang 16 der 20 wichtigsten. Trotz Euro, trotz Wegfall der Grenzen, trotz Berufsfreiheit, 60 Jahre Frieden und obwohl Europa heute leichter zu erreisen ist als fr&#252;her Deutschland.</p>
<p><strong>Wer wirklich wissen will, welche Probleme die Deutschen mit Europa haben, muss sich nur die Euro-Scheine anschauen: </strong>H&#252;bsche Motive, allerdings nur Phantasiezeichnungen von Burgen und Toren, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, darstellen. Anonymes ersetzt Konkretes. Entscheidungen werden im Niemandsland gef&#228;llt, Europapolitiker sind kaum auf den Politikseiten zu finden, sondern verschwinden im Anonymen.</p>
<p>In einem Kenntnistest der alten EU Staaten &#252;ber Europa liegt Deutschland nur auf Platz elf, weit hinter den Spitzenreitern Luxemburg, Finnland und Portugal. Also verwundert es nicht, dass sich gerade mal 16 Prozent &#252;ber die neue EU-Verfassung gut informiert f&#252;hlen.</p>
<p>Auch vor der siebten Wahl bleibt Europa f&#252;r ein Kunstprodukt: Nur 41 Prozent w&#252;nschen sich, dass die EU-Politiker nach dem Euro weiter auf ein gemeinsam regiertes Europa hin arbeiten, auch wenn 60 Prozent eine gemeinsame Verfassung als Fortschritt empf&#228;nden. 56, in Ostdeutschland sogar 67 Prozent, wollen dagegen, dass Deutschland so autonom wie m&#246;glich regiert wird. Trotz Frust &#252;ber Berlin.</p>
<p>Die Gr&#252;nde dieses „Anti-Europ&#228;ismus’“: Die schlechte, viel zu b&#252;rokratische Vermittlung europ&#228;ischer Inhalte, die drei von vier beklagen. 70 Prozent kritisieren den schwachen Einfluss Berlins, trotz unserer Gr&#246;&#223;e und Zahlungsh&#246;he. F&#252;r zu viele wird &#252;ber unseren Kiez durch Abgeordnete aus dem Alentejo, der &#196;g&#228;is oder Hinterpommern, aber eben nicht durch die bei uns Plakatierten entschieden.</p>
<p>Um Europa attraktiver zu machen, darf uns die EU weder weitere Lasten noch mehr Macht aufb&#252;rden, sie muss uns mit Europa vers&#246;hnen: Der, der viel einbringt, muss auch angemessen mitbestimmen, aus dem Europa der Juristen muss das seiner B&#252;rger werden. Daf&#252;r aber muss die EU dort einen Teil ihrer Macht abgeben, wo die Nationalstaaten die anfallenden Probleme offenbar besser l&#246;sen k&#246;nnten: Die Familienpolitik ist das „urdeutscheste“ Thema. Hier sind 73 Prozent f&#252;r ausschlie&#223;lich nationale Entscheidungen. Bei den Renten 71, bei der inneren Sicherheit 69 Prozent. Auch &#252;ber Steuern und Arbeitsmarktpolitik sollte f&#252;r Zweidrittel Berlin entscheiden. Lediglich die Au&#223;en- und Verteidigungspolitik sind f&#252;r 51 bzw.56% Dom&#228;nen der EU.</p>
<p>Und politische Schwergewichte ins Rennen schicken. Denn immer noch sind Merkel und Kohl, nicht die Verheugens, Schulzes und P&#246;tterings Europas Protagonisten. Europa fehlt auch vor der siebten Europawahl immer noch ein Gesicht!</p>
<p>Siehe auch auf Carta:</p>
<p>Leonard Novy: <a href="http://carta.info/6258/europawahl/">Europawahl: Beteiligungsdesaster im F&#252;nfjahresrhythmus</a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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<a href="http://carta.info/10280/europawahl-2/">Niemandsland Europa</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10280/europawahl-2/#comments">No comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=10280&amp;md5=2d5e61f7cc8ed5285b7973296299ce9c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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