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	<title>CARTA &#187; Viviane Reding</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Viviane Reding: Die clevere Kommissarin und die Rundfunkr&#228;te</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 16:14:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Kommission]]></category>
		<category><![CDATA[Viviane Reding]]></category>

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		<description><![CDATA[Politik ist auch die Kunst, Mehrheiten zu organisieren, indem man Menschen dazu bringt, die Dinge so zu betrachten, wie man sie selbst sieht. Legt man diese Definition von Politik an, dann hat sich EU-Kommissarin Viviane Reding am Montag als grandiose Politikerin gezeigt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/12624f48a4106dd9f0778940e4e45d" width="1" height="1" alt=""/>Reding befindet sich derzeit auf Werbetour f&#252;r eine neue Richtlinie der EU-Kommission in Sachen &#246;ffentlich-rechtlicher Rundfunk. Sei hei&#223;t h&#252;bsch nichtssagend &#8220;Rundfunkmitteilung&#8221; &#8211; was darin steht, kann man <a href="http://lehofer.at/blog/2008/11/entwurf-fr-neue-rundfunk-mitteilung-der.html">hier</a> nachlesen. Die neue Mitteilung soll weitgehend die Haltung festschreiben, welche die EU-Kommission auch zuletzt gegen&#252;ber Deutschland vertrat: Rundfunkgeb&#252;hren sind als staatliche Beihilfen (EU-Sprech f&#252;r Subventionen) zu betrachten und m&#252;ssen als solche von der EU-Kommission kontrolliert werden. Die Geldvergabe mu&#223; an einen Zweck gekn&#252;pft werden und dieser Zweck muss von m&#246;glichst externen Kontrolleuren &#252;berpr&#252;ft werden.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/reding1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1221" title="reding1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/reding1.jpg" alt="" width="500" height="214" /></a></p>
<p><em>Viviane Reding arbeitet sich an &#8220;Mythen&#8221; ab, Peter M&#252;ller nimmt es zur Kenntnis, J&#252;rgen Doetz lauscht.</em></p>
<p>Die deutsche Tradition ist eine g&#228;nzlich andere. Und so gibt es seit neun Jahren einen wenig erquicklichen und inzwischen weitgehend langweiligen Streit zwischen Br&#252;ssel und den Bundesl&#228;ndern um die Regulierung der &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten. Das j&#252;ngste Produkt dieses Streits ist der 12. Rundfunkstaatsvertrag &#8211; der versucht, irgendwie die gute alte analoge Medienordnung der Bundesrepublik mit den Vergaben aus Br&#252;ssel zu kombinieren. &#220;berzeugend gelungen ist es nicht. Aber es herrschte seit Verk&#252;ndung des Kompromisses im Oktober weitgehend Ruhe.</p>
<p>Bis jetzt. Denn am Montag trat Reding auf &#8211; angriffslustig und wenig geneigt, in die Kompromissitis der deutschen Medienpolitik einzustimmen. Reding sprach in der Saarl&#228;ndischen Landesvertretung, auf Einladung von Ministerpr&#228;sident Peter M&#252;ller, der sich gleich noch den schmissigen Titel &#8220;Europa contra ARD und ZDF?&#8221; ausgedacht hatte.</p>
<p>Reding ist seit neun Jahren EU-Kommissarin. In dieser Zeit hat Sie offenbar ganz genau gelernt, wie mit dem Euroskeptizismus umzugehen ist. Reding arbeitete sich an der europ&#228;isch-deutschen Medienpolitik ab, indem sie sich die gro&#223;en f&#252;nf &#8220;Mythen&#8221; vornahm &#8211; und differenzierend zu entkr&#228;ften suchte:</p>
<p><em><strong>1. Br&#252;ssel mische sich zu sehr ein.</strong></em><br />
Reding: Stimmt nicht, wir machen nur, wozu wir rechtlich verpflichtet sind.</p>
<p><em><strong>2. Br&#252;ssel sei nur an Wettbewerbspolitik interessiert.</strong></em><br />
Reding: Stimmt nicht, in Europa steht Kultur an extrem wichtiger Stelle.</p>
<p><em><strong>3. Br&#252;ssel wolle den &#214;ffentlich-Rechtlichen das Internet verbieten.</strong></em><br />
Reding: Stimmt nicht, die EU hat sogar eine Art Bestandsgarantie f&#252;r &#246;ffentlich-rechtliche Online-Angebote gegeben.</p>
<p><em><strong>4. Br&#252;ssel wolle Rundfunkr&#228;te abschaffen.</strong></em><br />
Reding: Stimmt nicht, die EU w&#252;nsche sich nur Rundfunkr&#228;te, die ohne Zweifel unabh&#228;ngig &#252;ber den Mehrwert der Angebote entscheiden.</p>
<p><em><strong>5. Br&#252;ssel wolle den Fernsehanstalten die Frequenzen durch eine Zentralverwaltung wegnehmen.</strong></em><br />
Reading: Stimmt nicht, die Staaten sollen selbst erkennen, wie wichtig die &#8220;digitale Dividende&#8221; ist.</p>
<p>Reding betrieb in ihrer Rede extrem geschicktes Rezeptions-Management, eine diplomatische Einwickel-Strategie: Erst zitierte sie umf&#228;nglich alle Bedenken, so dass auch die Gegner zu nicken begannen. Darauf folgte Phase 2, in der die Bedenken in differenzierenden Gedankenschlaufen entkr&#228;ftet werden. Am Ende hatte Sie ihre Position weitgehend gehalten &#8211; nur die Begr&#252;ndung wurde in den K&#246;pfen der Zuh&#246;rer ausgewechselt.</p>
<p>Besonders deutlich wurde Reding in Bezug auf Rundfunkr&#228;te: &#8220;Wir brauchen f&#252;r den Public-Value-Test unabh&#228;ngige Schiedsrichter&#8221; mahnte sie. Sie habe Zweifel, ob die Rundfunkr&#228;te in der aktuellen Verfasstheit in der Lage seien, die Medienvielfalt auch gegen die Interessen der Anstalten zu verteidigen. Aber, so Reding in &#252;blicher Manier einschr&#228;nkend, das sei nat&#252;rlich eine Entscheidung der Bundesl&#228;nder. Sie k&#246;nne nur sagen, dass eine Regelung, bei der eine gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Unabh&#228;ngigkeit der Aufseher gew&#228;hrleistet sei, auf Seiten der Kommission den gr&#246;&#223;ten Beifall finden werde.</p>
<p>Reding wandte sich auch gegen Werbung im &#246;ffentlich-rechtlichen Programm. Die Werbung verleite die Rundfunkanstalten, nach massenattraktiven Programmen zu streben. Ohne Werbung k&#246;nnten sie ihren Public Value noch deutlicher herausstellen.</p>
<p>Insgesamt nannte Reding den 12. Rundfunkstaatsvertrag eine &#8220;gute L&#246;sung&#8221;. Damit wurde klar, dass die Kommission sich allerh&#246;chstens noch Pr&#228;zisierungen vorstellen kann &#8211; aber sicher keine Entsch&#228;rfung des Vertrags mehr. Ein Signal an die Landtage, die das Gesetz in den n&#228;chsten Monaten m&#246;glichst ohne Murren beschlie&#223;en sollen.</p>
<p>Eine etwas merkw&#252;rdige Empfehlung gab Reding noch den &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten mit auf den Weg. Um in Zukunft Konflikte mit der EU zu vermeiden, w&#228;re es sicher vorteilhaft, wenn sie h&#228;ufig und intensiv &#252;ber europ&#228;ische Belange berichten. Man konnte das als Angebot zu einem kleinen medienpolitischen Ablasshandel betrachten: Der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk berichtet vermehrt &#252;ber die EU und die EU zeigt sich den Rundfunkanstalten etwas gewogener.</p>
<p>Man sieht: Die EU mischt sich eigentlich &#252;berhaupt nicht ein in die Medienpolitik.</p>
<p>Nachtrag: Sehr gerne h&#228;tten wir einen Mitschnitt der Rede angeboten. Doch leider hat diesmal die Software noch nicht mitgespielt.</p>
<p><strong>Nachtrag: </strong>Dank an Daniel Bouhs f&#252;r den Hinweis auf der <a href="http://ec.europa.eu/deutschland/pdf/redereding_101108.pdf">Redemanuskript</a>. Hier der Text von <a href="http://www.epd.de/medien/medien_index_59024.html" target="_blank">epd Medien</a> &#252;ber die Rede.
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