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	<title>CARTA &#187; USA</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Destroying A*****a &amp; Diggin‘ Up M*****n M****e</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 14:19:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tassilo Pellegrini</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es sollte ein Scherz sein, wurde aber durch die US-Heimatschutzbeh&#246;rde als Bedrohung der nationalen  Sicherheit eingestuft. Die Rede ist von zwei Tweets eines 26-J&#228;hrigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der in Gro&#223;britannien lebende Ire Leigh Van Bryan hatte die zwei 140-Zeichen-Posts Mitte Januar 2012, etwa eine Woche vor seiner Abreise in die USA, verfasst. Dort angekommen fand sich der bisher unbescholtene „Nobody“ samt Reisebegleiterin im Gewahrsam der US-Beh&#246;rden wieder. Wie die <a href="http://www.huffingtonpost.co.uk/2012/01/30/leigh-van-bryan-and-emily-bunting-banned-from-entering-us-after-twitter-joke-about-destroying-america_n_1241104.html" target="_blank">Huffington Post</a> berichtete, wurde das Touristenp&#228;rchen mit der Begr&#252;ndung festgehalten, Van Bryan habe in den USA Verbrechen begehen wollen, unter Beihilfe seiner Begleiterin Emily Bunting. Nach einem mehrst&#252;ndigen Verh&#246;r und zw&#246;lfst&#252;ndiger Internierung wurden beide schlie&#223;lich nach Gro&#223;britannien zur&#252;ckgeschickt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ist „Big Brother“ ein Zwangsneurotiker?</strong></p>
<p>Was in Zeiten von Flugdatenweitergabe, Vorratsdatenspeicherung, Deep Packet Inspection und proaktiver Terrorbek&#228;mpfung als s&#252;ffisante Anekdote daherkommen k&#246;nnte, ist aus anderer Perspektive eine eindrucksvolle Zurschaustellung real gewordener Big-Brother-Fantasien.</p>
<p>Der Fall Van Bryan zeigt, mit welcher Sorgfalt und Akribie die – in diesem Falle die US-amerikanische, doch dies ist beliebig – &#220;berwachungsmaschinerie ihrem Handwerk nachgeht. Er zeigt, mit welcher Effizienz algorithmische &#220;berwachungsautomatismen in der Lage sind, aus den t&#228;glich Abermillionen von Tweets, Posts, Comments und Chats  und den Daten tausender US-Touristen genau jenen Renegaten herauszupicken, der seine Anschlagspl&#228;ne online der &#214;ffentlichkeit kundtut – manchmal eben auch unbewusst. Und er macht deutlich, dass die angewendeten Analyseverfahren trotz geteilter Sprache den Sinngehalt der Nachricht zwar semantisch korrekt, aber pragmatisch vollkommen absurd interpretierten.</p>
<p>So lautete Van Bryans erster Post: „@MelissaXWalton free this week for a quick gossip/prep before I go and destroy America?x“ Da lohnt es sich zu wissen, dass das umgangssprachliche Interpretationsspektrum des Wortes „destroy“– zumindest in Gro&#223;britannien – neben dem urspr&#252;nglichen Sinn auch „heftiges Partymachen“ oder „eine gute Zeit verbringen“ umfasst.</p>
<p>Im zweiten Tweet verwendete Van Bryan mit „diggin’ Marilyn Monroe up“ ein Zitat aus der US-Comedy-Serie  „Family Guy“,  dessen Sinngehalt zugegebenerma&#223;en nur Insidern verst&#228;ndlich ist. Der Satz hei&#223;t im Original: &#8220;3 weeks today, we&#8217;re totally in LA pissing people off on Hollywood Blvd and diggin&#8217; Marilyn Monroe up!&#8221;.  Delikates Detail: Angeblich suchten die Beamten im Gep&#228;ck der Verhafteten tats&#228;chlich nach einer Schaufel f&#252;r die angek&#252;ndigte Exhumierung von Marilyn Monroe.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann zur Verteidigung des &#220;berwachungssystems und seiner Vollzugsorgane ins Feld gef&#252;hrt werden, dass es sich um ein interkulturelles Missverst&#228;ndnis handelte, oder aber auch, dass die Mitarbeiter der Homeland Security nicht anders konnten als dem f&#252;r solche F&#228;lle festgelegten Protokoll zu folgen. Ergo:  „You&#8217;ve really fucked up with that tweet boy“, wie einer der Beamten die Situation pointierte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrolle und Selbstkontrolle</strong></p>
<p>Van Bryans Geschichte f&#252;hrt vor Augen, wie gut die gro&#223;technischen &#220;berwachungsinfrastrukturen der (US-amerikanischen) Geheimdienste und Beh&#246;rden funktionieren. Sie sind f&#228;hig, aus der gigantischen Datenmenge von 1 Petabyte (= 1.000.000.000.000.000 Byte) an Internet Traffic, die laut dem Netzwerkhersteller Cisco t&#228;glich in den USA anfallen, genau jene 200 Byte extrahieren, die zu einem potenziellen Terroristen f&#252;hrt.</p>
<p>Das Online-Magazin <a href="http://www.digitaljournal.com/article/318725" target="_blank">Digital Journal</a> berichtete, wie der Traffic von Twitter seit Jahren &#252;ber Fake-Accounts der US Homeland Security systematisch analysiert wird. Dieser betrug 2011 t&#228;glich 140 Millionen Tweets von etwa 60 Millionen aktiven Accounts bzw. insgesamt 24 Gigabyte (24.000.000.000 Byte) an Textinformation.  Ein solches Datenvolumen ist mit den g&#228;ngigen Methoden des Text-Minings auf Basis nat&#252;rlichsprachiger Analysealgorithmen problemlos zu bew&#228;ltigen. Bemerkenswert ist nicht die Datenmenge, sondern die Pr&#228;zision, mit der diese Maschinerie aus „computational semantics“ angeschlagen und ihren Funktionszweck erf&#252;llt hat. Da zieht wohl jeder Software Developer seinen Hut.</p>
<p>Doch es war eben nur Maschinenlogik, die bekannterma&#223;en ihre liebe Not mit den Untiefen sprachlicher Irrationalismen und Aphorismen, Zynismen und Humorismen hat, insbesondere, wenn sie auf 140 Zeichen komprimiert sind. Trotz jahrzehntelanger Forschung im Bereich Computerlinguistik und k&#252;nstliche Intelligenz bleibt eine der K&#246;nigsdisziplinen, Algorithmen zur pragmatisch validen Analyse nat&#252;rlichsprachiger Konstrukte zu programmieren, insbesondere, wenn die Ausgangtexte kurz sind.</p>
<p>Und vielleicht gerade deshalb finden sich unter anderem die Punkte „Indexing, Search and Analytics“ unter den deklarierten strategischen <a href="http://blog.twitter.com/2012/01/tweets-still-must-flow.html" target="_blank">Forschungs- &amp; Entwicklungszielen des Twitter-Konzerns</a>, dessen Kernkompetenz – so wie die der vielen anderen Social Media Anbieter – in der Bewirtschaftung der Nutzerdaten f&#252;r Werbezwecke liegt. Doch sollten sich die nationalen Sicherheitsbestimmungen versch&#228;rfen, kann ebenso strafrechtlich problematischer User-Content herausgefiltert werden. Erst k&#252;rzlich k&#252;ndigte Twitter an, k&#252;nftig gesetzeswidrige Nachrichten in „bestimmten L&#228;ndern“ zu zensieren. War damit der „Arabische Fr&#252;hling“ als demokratiepolitisches Emanzipationsph&#228;nomen der Web 2.0-Generation eine historische Eintagsfliege, weil die Kapitalinteressen schwerer wiegen als die gesellschaftliche Verantwortung von Social Media Services an der Schnittstelle von Individual- und Massenkommunikation? Kurz: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Stop_Online_Piracy_Act" target="_blank">SOPA</a>, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/HADOPI_law" target="_blank">Hadopi</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank">ACTA</a> wirken auch ohne gesetzliche Grundlage… Goodbye, Arab Spring!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Sehnsucht nach dem &#220;berwachungsstaat</strong></p>
<p>Doch zur&#252;ck zu Big Brother: Es ist kein Geheimnis, dass das Department of Defense (DoD), das Department of Homeland Security (DHS), die Defense Intelligence Agency (DIA), die US Navy und diverse Geheimdienste an Entwicklung,  Erprobung und Einsatz plattform&#252;bergreifender semantischer Analysesysteme beteiligt sind. Sie sind engagierte Investoren in diesem Nischenmarkt der US-Softwareindustrie. Die Vision: „Semantic interoperability will drive DoD [Department of Defense – Anm. d. A.] to a more efficient and effective information environment“, wie es beim j&#228;hrlichen <a href="http://www.afei.org/events/1A03/Pages/default.aspx" target="_blank">DoD SOA &amp; Semantic Technology Symposium 2011</a> hie&#223;.</p>
<p>2007 war bekannt geworden, dass die US Homeland Security mit dem Projekt ADVISE (Analysis, Dissemination, Visualization, Insight, and Semantic Enhancement) eine gro&#223; angelegte semantische Analyse- und &#220;berwachungsinfrastruktur f&#252;r Internet Traffic ausgerollt hatte, die Datensch&#252;tzer massiv kritisierten. Zu den analysierten Daten z&#228;hlten laut <a href="http://www.dhs.gov/xlibrary/assets/privacy/privacy_rpt_advise.pdf" target="_blank">US Privacy Office </a>unter anderem:</p>
<blockquote><p>„The no-fly list of people barred from domestic air travel and the list of people who require special inspections before flying. More than 3.6 million shipping records from a commercial data provider with names of cargo shippers and consignees. Terrorist Screening Center lists of people who tried to cross the U.S.-Canadian border at a port-of-entry. Classified intelligence reports about illicit traffic in weapons of mass effect. Lists of foreign exchange students, immigrants under investigation and people from special interest countries.“</p></blockquote>
<p>Laut Associated Press wurde ADVISE Ende 2007 aus Budget- und Vertr&#228;glichkeitsgr&#252;nden auf Druck des Government Accountability Office  – angeblich – eingestellt. Doch neben ADVISE wurden erhebliche Geldsummen in die Harmonisierung der beh&#246;rdlichen Informationsinfrastrukturen investiert, um Datenintegration auf bisher nicht gekanntem Niveau zu erm&#246;glichen. 2009 hie&#223; es in den Defense News der US-Army unter der &#220;berschrift „<a href="http://integrator.hanscom.af.mil/2009/June/06252009/06252009-15.htm" target="_blank">Managing the Data Tsunami</a>“:</p>
<blockquote><p>„There are a number of daunting problems to solve. One is the sheer volume of data collected, including intercepted phone calls, video feeds from UAVs, radar signatures, patrol reports, open source data from Web sites, newspapers and TV stations, satellite images and more.“</p></blockquote>
<p>So ist es nicht verwunderlich, dass sich laut Huffington Post Van Bryans Name auch auf einer „One Day Lookout“ Liste der Homeland Security befand, die automatisch f&#252;r alle Einreisenden in die USA generiert wird.  Das Beispiel Van Bryans zeigt, welche Bl&#252;ten der offensichtlich gewordene &#220;berwachungsstaat als Reaktion auf ausged&#252;nnte beh&#246;rdliche Verwaltungsstrukturen, Technikgl&#228;ubigkeit und Innovationspositivismus treibt. Eine gef&#228;hrliche Mischung, die in Zeiten zunehmender Verschmelzung von privater und &#246;ffentlicher Kommunikation offenbart, wie vulnerabel die informationelle Selbstbestimmung durch die industrielle Bedeutungsverarbeitung mit Hilfe algorithmisch gest&#252;tzter Filter- und Zensurmechanismen geworden ist. Und es ist anzunehmen, dass dies in Zeiten der globalen Datenvernetzung nicht nur ein Ph&#228;nomen der USA ist.</p>
<p>Aber es ist ja nicht so, als h&#228;tten wir es nicht schon die ganze Zeit geahnt. Ab und zu erwischt es eben eine(n). Wen kratzt das schon …</p>
<p>P.S. Wer traut sich zu twittern: „Will investigate the whole truth about Osama Bin Ladens death and dive after his body @DoD @DHS @DIA @Taliban #waronterror #al-quaeda #OBL“
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		<title>Obama Unplugged? Ern&#252;chterung nach den Midterms</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 18:43:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die j&#252;ngsten Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten klar verloren. Dazu beigetragen hat auch das seit den Pr&#228;sidentenwahlen nur halbherzig fortgef&#252;hrte Social-Media-Engagement Barack Obamas. Was 2008 als Bewegung neuen Typs begann, vermochte seither die politischen Strukturen und Prozesse noch nicht nachhaltig beeinflussen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3bec924056d443d38a3311640562f67f" alt="" width="1" height="1" />Er schaut ein bisschen seltsam ins Leere, Barack Obama, auf einem Foto seiner <a href="http://www.barackobama.com/index.php?splash=false">Webseite</a>, das neben die Danksagung an Wahlhelfer und W&#228;hler der Wahlen des Jahres 2010 platziert wurde. Zwei Jahre fr&#252;her sah das noch ganz anders aus. Als Obama die Wahl ins Pr&#228;sidentenamt gewonnen hatte, glaubten nicht wenige, dieser Siegertyp w&#252;rde seinen Wahlspruch &#8220;Change, we can believe in&#8221; wahr machen und damit die Politik Amerikas ver&#228;ndern.</p>
<p><a href="http://www.barackobama.com/index.php?splash=false"><img class="aligncenter size-full wp-image-35635" title="obamathx" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/11/obamathx.jpg" alt="" width="600" height="211" /></a></p>
<p>Diese Hoffnungen waren nicht ganz unberechtigt, hatte er doch damals gerade einen Wahlkampf mit <a href="http://www.slideshare.net/alesko/analysis-of-barack-obama-election-campaign-by-draftfcbi">teilweise neuen Methoden</a> gef&#252;hrt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der konsequenten Mobilisierung von Anh&#228;ngern, Helfern und Geldspenden mittels Social Media. Nach der Wahl dachten dann auch viele <a href="http://www.nytimes.com/2008/11/09/technology/09iht-carr.1.17652000.html">Beobachter</a>, Obama w&#252;rde diese Infrastruktur bzw. das dicht gekn&#252;pfte Netz an Sympathisanten und Aktivisten weiter nutzen und f&#252;r k&#252;nftige politische Projekte einsetzen:</p>
<blockquote><p>&#8220;As a result, when he arrives at the White House, Obama will have not just a political base, but a database, millions of names of supporters who can be engaged almost instantly. And there&#8217;s every reason to believe that he will use the network not just to campaign, but to govern. His e-mail to supporters on Tuesday night included the line, &#8220;We have a lot of work to do to get our country back on track, and I&#8217;ll be in touch soon about what comes next.&#8221;</p></blockquote>
<p>Doch dazu kam es kaum. Obama ging zun&#228;chst v&#246;llig in den Strukturen des Washingtoner Politik-Betriebes auf und erinnerte sich erst anl&#228;sslich seiner schleppend verlaufenden Gesundheitsreform wieder der Anh&#228;nger und Fans aus dem Wahlkampf. Deren erneute Mobilisierung gelang aber nur teilweise, nicht zuletzt weil eine komplexe und langwierige Gesundheitsreform, anders als ein typischer Wahlkampf, nicht auf ein festes Datum zusteuert.</p>
<blockquote><p>&#8220;I have never used Twitter&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>F&#252;r Ern&#252;chterung sorgte schlie&#223;lich 2009 die ehrlich gemeinte <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/obama_i_have_never_used_twitter.php">Aussage</a> Obamas, er selbst w&#252;rde Twitter &#252;berhaupt nicht nutzen. Der <a href="http://twitter.com/#!/BARACKOBAMA">Twitter-Kanal</a> unter seinem Namen wurde damit als reines Marketing-Instrument enttarnt. Was f&#252;r Obama nur ein kleines Eingest&#228;ndnis war, das ihn menschlich und damit sympathisch wirken lassen sollte, ging als Schuss nach hinten los. Denn die User fanden es gar nicht lustig, dass der vermeintliche Dialog auf Twitter in Wahrheit gar keiner war.</p>
<p>Auch wenn v&#246;llig klar ist, dass der amerikanische Pr&#228;sident niemals allen seinen &#252;ber 5 Millionen Followern auf Twitter zuh&#246;ren und mit ihnen echte Dialoge f&#252;hren kann, etwas mehr Sensibilit&#228;t und Verst&#228;ndnis f&#252;r das Medium h&#228;tte er schon zeigen k&#246;nnen.</p>
<p>Dass es auch anders geht, beweist etwa der Apple-Gr&#252;nder Steve Jobs, der von Zeit zu Zeit an ihn gerichtete E-Mails pers&#246;nlich beantwortet. M&#246;gen seine Antworten auch noch so knapp und kryptisch ausfallen, f&#252;r einen Apple-Fan ist selbst ein &#8220;maybe&#8221; oder auch ein klares &#8220;no&#8221; dennoch wie ein Ritterschlag, der stolz herumerz&#228;hlt wird und nicht selten den Weg in Tech-Blogs findet.</p>
<p>In dieser Hinsicht muss Obama bis zu seiner m&#246;glichen Wiederwahl also erst wieder neu Vertrauen schaffen und seinen Fans beweisen, dass f&#252;r ihn Social Media mehr ist, als nur ein cooles Wahlkampf-Tool, das man nach Belieben aktivieren oder auch weglegen kann.</p>
<p>Was den Einsatz von Social Media w&#228;hrend der normalen Legislaturperioden betrifft, ist inzwischen deutlich geworden, dass hier die Dinge nicht so einfach liegen. Einerseits sind die Themenstellungen heutiger Politik komplex, andererseits auch die konkreten Verfahren einer Gesetzgebung. Mit einer Seite auf Facebook oder einem YouTube-Kanal ist es da nicht getan, will man die B&#252;rger mehr als nur meinungspolitisch involvieren.</p>
<p>An diesem Punkt aber hat die Obama-Administration bislang wenig Innovations-Geschick gezeigt. Zwar werden Blogs eingesetzt und die &#8220;Weekly Adress&#8221; des Pr&#228;sidenten kommt im Format moderner Webvideos daher, am Ende aber werden damit &#252;berwiegend nur lange und trockene Texte online gestellt. Versuche, Daten besser zu visualisieren oder verst&#228;ndlicher zu machen, sind kaum darunter.</p>
<p>Auch der Online-Dialog mit den B&#252;rgern hat noch nicht die richtigen Formen gefunden, weil entweder Kommentarfunktionen deaktiviert sind, oder aber echte Diskussionen in der Flut an Meldungen (wie etwa auf der <a href="http://www.facebook.com/barackobama">Facebook-Seite</a> von Obama zu beobachten) gar keine Chance haben.</p>
<blockquote><p>&#8220;&#8230;but I&#8217;m an advocate of technology and not restricting internet access.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vor Obama liegen damit noch betr&#228;chtliche Herausforderungen, will er tats&#228;chlich einen Wandel in der politischen Kultur einleiten und eine zweite Amtszeit gewinnen. Denn es kann durchaus als fraglich angesehen werden, ob sich der Online-Wahlkampf aus dem Jahr 2008 in &#228;hnlich erfolgreicher Form wird wiederholen lassen. Den Anh&#228;ngern von damals mag das Gef&#252;hl nachh&#228;ngen, weniger Mitglied einer neuartigen Bewegung gewesen zu sein, als vielmehr nur <strong>Teil einer gigantischen Marketing-Maschinerie</strong>, die zwar den Wahlkampf unterst&#252;tzt, den laufenden Politik-Betrieb aber kaum beeinflusst oder ver&#228;ndert hat.</p>
<p>Eine solche Desillusionierung k&#246;nnte den Republikanern nutzen, deren Kampagne im Jahr 2008 noch weitgehend frei blieb von gr&#246;&#223;eren Social Media-Aktivit&#228;ten. 2012 k&#246;nnen sie deshalb gefahrlos Teile der Methodik Obamas &#252;bernehmen, frei vom Anspruch der Change-Metapher und unbeschwert von nicht eingel&#246;sten Versprechungen.</p>
<p>Barack Obama sollte deshalb auf der Hut sein. Zudem w&#228;re es an der Zeit, den BlackBerry zu erneuern und dar&#252;ber den einen oder anderen Tweet pers&#246;nlich zu posten. Denn der &#8220;Change&#8221;, an den zu glauben sich lohnt, beginnt bekanntlich mit der Achtsamkeit bei scheinbaren Kleinigkeiten.
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		<title>Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 13:48:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Carta pr&#228;sentiert drei Ausz&#252;ge aus dem Buch "politik digital. Online zum W&#228;hler" - mit so verhei&#223;ungsvollen Titeln wie "Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne" oder "Die neue politische Klasse". Den Anfang macht: "Parteien reloaded" mit einem Blick auf die au&#223;erparteilichen Unterst&#252;tzerorganisationen in den USA, die gerade vor den anstehenden Midterm-Wahlen an Bedeutung gewinnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/27b45b8faf074544b742fabf2a6f5195" alt="" width="1" height="1" />In meinem Buch &#8220;<a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html">politik digital. Online zum W&#228;hler</a>&#8221; nehme ich eine Bestandsaufnahme der Entwicklungen im politischen Teil des Internet seit der US-Pr&#228;sidentschaftswahl 2008 vor: Auf den &#8220;Obama-Effekt&#8221; folgten das deutsche Superwahljahr mit der Zensursula-Kampagne und dem Aufstieg der Piratenpartei.</p>
<p>Soziale Netzwerke und Echtzeitkommunikation geh&#246;ren seitdem zum festen Bestandteil politischer Kommunikation &#8211; doch formiert sich dadurch wirklich eine neue politische Klasse? Sicher ist, dass die Auswirkungen nicht nur online sp&#252;rbar sind: angesichts sinkender Mitgliederzahlen und einer zunehmenden Wahlm&#252;digkeit geraten zuk&#252;nftige Entwicklungspfade der Parteien ebenso in den Blick wie Fragen nach einer mediengest&#252;tzten Modernisierung des W&#228;hlens.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg"><img class="size-full wp-image-34559 alignright" title="poldi-cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a>Auf <em>Carta</em> ver&#246;ffentliche ich in den n&#228;chsten Tagen drei kurze Ausz&#252;ge daraus: im Abschnitt &#8220;<strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong>&#8221; geht es um den sich vor den Midterm-Elections gerade voll entfaltenden Kampf zwischen &#8220;Online-Linken&#8221; und &#8220;Online-Rechten&#8221;. Im Mittelpunkt stehen dabei &#8220;Organizing for America&#8221;, die aus der Obama-Kampagne entstandene demokratische Vorfeldorganisation und die &#8220;Tea Party Patriots&#8221; als deren Gegenst&#252;ck im konservativen Spektrum.</p>
<p>Der zweite Abschnitt ist der Einstieg in das Kapitel &#8220;<strong>Die neue politische Klasse</strong>&#8220;: Hier stelle ich mit Markus Beckedahl, Sascha Lobo und Constanze Kurz drei Vertreter der &#8220;digitalen Intelligenz&#8221; vor, die mittlerweile wichtige Akteure einer neuen politischen &#214;ffentlichkeit geworden sind. Dieses Trio steht dabei f&#252;r die m&#246;glichen Folgen der &#8220;Architektur der Partizipation&#8221;, die Tim O´Reilly in seinem Grundlagentext zum Web 2.0 skizziert hat.</p>
<p>Der dritte Auszug nimmt eine &#8220;historische Perspektive&#8221; ein. Die Passage &#8220;<strong>Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne</strong>&#8221; beschreibt die Entstehung des Hashtags &#8220;#zensursula&#8221; und damit den Beginn der gleichnamigen Kampagne. Profitieren konnte davon zun&#228;chst die Piratenpiratei, inzwischen ist auch deutlich geworden, dass an dieser Stelle das Politikfeld der &#8220;Netzpolitik&#8221; seine Wurzeln hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Hier nun der erste Auszug:</p>
<p><strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong></p>
<p>Dass die hierzulande in die Jahre gekommene Organisationsform vielleicht doch noch eine Zukunft hat, zeigt sich in den USA, wo Parteiorganisationen jahrhundertelang nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. In einer &#252;berraschenden Wendung scheint gerade dort die Zersplitterung politischer &#214;ffentlichkeit im Verbund mit den M&#246;glichkeiten individuali­sierbarer politischer Kommunikation und Beteiligung neue politische Vergemeinschaftungsformen hervorzubringen.</p>
<p>So ist aus den &#252;ber die Website <a href="http://my.barackobama.com">My.BarackObama.com</a> registrierten Wahlkampf-­Unterst&#252;tzern die Vereinigung »Organizing for America« (OFA) hervorgegangen: eine Art B&#252;rgerverband, der sich seitdem als eine zweite Parteibasis neben der klassischen Partei­b&#252;rokratie der Demokraten im eher linken, progressiven politischen Spektrum etabliert hat. Oberstes Ziel der OFA ist die Begleitung der pr&#228;sidentiellen Agenda, sichtbar zum Beispiel bei der Durch­setzung der Gesundheitsreform.</p>
<p>Immer wieder hatte sich Obama &#252;ber das OFA-Netzwerk an die Unterst&#252;tzer gewandt und um R&#252;ckhalt f&#252;r seine Ideen geworben. Direkt aus dem Wei&#223;en Haus h&#228;tte der Pr&#228;sident dies nicht tun d&#252;rfen – »Organizing For America« als im Wortsinn »virtuelle Partei­b&#252;rokratie« fungiert hier im Sinne einer Hilfskonstruktion, die den Zugriff auf einen E-Mail-Verteiler mit einer Gr&#246;&#223;en­ordnung im zwei­stelligen Millionenbereich m&#246;glich macht. Charles ­Homans, Autor f&#252;r das Fachjournal Washington Monthly, h&#228;lt die netzbasierte Unterst&#252;tzerstruktur f&#252;r so etwas wie die »Obama-­Partei«.</p>
<p>Falsch ist diese Einsch&#228;tzung sicher nicht. Im ganzen Land haben sich auch nach der Wahl Freiwillige gefunden, die in ihrem pers&#246;nlichen Umfeld die Werbetrommel f&#252;r den Pr&#228;sidenten und seine Politik r&#252;hren. Es wird noch immer zu Nachbarschaftsabenden geladen, an T&#252;ren geklopft und zur Kontaktaufnahme mit Kongressmitgliedern aufgerufen. »Wir haben eine leistungsf&#228;hige und nachhaltige Infrastruktur aufgebaut, in jedem Bundesstaat, sogar in jedem Wahlbezirk des Kongresses gibt es Unterst&#252;tzer«, betont Jeremy Bird, stellvertretender OFA-Direktor.</p>
<p>Die Unterorganisationen auf regionaler Ebene f&#252;hren eigene B&#252;ros, pflegen ihre Facebook-Seiten oder versenden Nachrichten via Twitter. Gerade aus europ&#228;ischer Perspektive scheint hier tats&#228;chlich so etwas wie eine Pr&#228;sidenten­partei zu entstehen, die sich der Begleitung und Durchsetzung der Politik des Wei&#223;en Hauses auf lokaler Ebene verschrieben hat.</p>
<p>Dass es sich dabei um ein zeitgem&#228;&#223;es US-amerikanisches Erfolgs­modell handelt, zeigen die Erfolge der rechtskonser­vativen »Tea-Party«-Aktivisten auf der anderen Seite des ideologischen Grabens im Vorfeld der Zwischenwahlen im November 2010. Nach einem &#228;hnlichen Muster haben sich auch weit jenseits des progressiv-demokratischen Lagers lose miteinander verkoppelte Unterst&#252;tzergruppen formiert, die ebenfalls massiv auf die Mittel der Online-Kommunikation setzen.</p>
<p>Anders als bei OFA fehlen bei der »Tea Party« allerdings die Fokussierung auf einen personellen Fixpunkt und ein zentrales Register als R&#252;ckgrat der Organisation. Zwar wird mit Sarah Palin immer wieder eine republikanische Hoffnungstr&#228;gerin als m&#246;gliche Integrations­figur der Aktivisten genannt, doch ist der tats&#228;ch­liche Stellenwert der ehemaligen Gouverneurin von Alaska im konservativen Ausrichtungsprozess nach der Wahlniederlage von 2008 noch unklar.</p>
<p>Bislang funktioniert die Unterst&#252;tzung im Zeichen des Teebeutels vor allem auf lokaler und regionaler Ebene, oftmals in klarer Abgrenzung zu Themen und Personen aus dem Umfeld von Pr&#228;sident Obama. Bisher das beste Beispiel lieferte die Wahl des Republikaners Scott Brown zum Senator in Massachusetts gegen die vom Pr&#228;sidenten gest&#252;tzte Demokratin Martha Coakley im Fr&#252;hjahr 2010.</p>
<p>Die Zukunft der »Tea Party«-Bewegung ist vor allem an einen Dialog mit der republikanischen Partei gekn&#252;pft. Inhaltliche Standpunkte (Steuersenkungen, B&#252;rokratieabbau, Markt­radika­lismus) werden bislang unabh&#228;ngig von Parteiplattformen platziert, &#252;ben aber durchaus einen Einfluss auf die innerparteiliche Willensbildung und Programmentwicklung aus.</p>
<p>Noch ist aus der grunds&#228;tzlichen Ablehnung der Obama-Administration aber l&#228;ngst keine eindeutig pro-republikanische Str&#246;mung entstanden, sondern im Gegenteil haben die »Tea Party«-Anh&#228;nger in mehreren F&#228;llen das konservative Lager gespalten und so zu Vorwahl-Erfolgen demokratischer Kandidaten gef&#252;hrt. Inwiefern es zu einer Homogenisierung der inner- und au&#223;erparteilichen Str&#246;mungen im konservativen Spektrum kommt, wird erst die zweite H&#228;lfte der Amtszeit von Pr&#228;sident Obama zeigen.</p>
<p>Schon jetzt aber wird deutlich, dass sich in den USA politische Beteiligung und Organisation nicht mehr allein auf die Zeit der gro&#223;en Wahlkampagnen konzentriert, sondern dass gerade durch die produktive Nutzung digitaler, interaktiver Medienangebote eine neue, auf Dauer angelegte Beteiligungskultur m&#246;glich geworden ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>&#8220;politik digital. Online zum Wähler&#8221; erscheint am 01.10.2010 im <a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/">blumenkamp verlag</a> und kann dort f&#252;r 15 € <a href="http://www.shop-016.de/blumenkamp-p9h1s2-Christoph-Bieber-pol.html">bestellt</a> werden.</em>
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<a href="http://carta.info/34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/">Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/#comments">4 comments</a>
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		<title>Zeitungskrise: Was Europa von den USA unterscheidet</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 11:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Ruß-Mohl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitungskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Die technologischen Bedingungen, unter denen sich die amerikanische Zeitungskrise ereignet, sind f&#252;r Europa dieselben. Aber kulturelle Unterschiede k&#246;nnten f&#252;r einen anderen Verlauf des Medienwandels sorgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ab9f8295f835cd9668a1a39f826f9c" alt="" width="1" height="1" />Die Hiobsbotschaften vom Niedergang gro&#223;er US-Tageszeitungen h&#228;ufen sich. Sie werfen eine entscheidende Frage auf: Welche der amerikanischen Trends werden uns auch in Europa heimsuchen, und was wird hier absehbar anders laufen? Die technologischen Innovationen, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben, sind im Prinzip dieselben &#8211; aber es gibt eben auch kulturelle Unterschiede im Umgang mit ihnen. Vermutlich wird sich beispielsweise im deutschsprachigen Raum nicht im gleichen Ma&#223;e eine Kultur der Blogger und <em>citizen journalists </em>entwickeln wie in den USA. Otto Normalb&#252;rger ist im alten Europa einfach weniger mitteilungsbed&#252;rftig als Joe Sixpack. Es gibt bei uns auch nicht in vergleichbarer Intensit&#228;t Misstrauen, wie es in der jungen, webaffinen Generation den amerikanischen <em>mainstream media</em> entgegenschl&#228;gt.</p>
<p>Mit etwas Gl&#252;ck werden hierzulande Verlage nicht in gleichem Ausma&#223; zum Spielball von Hedge-Fonds, Private-Equity-Investoren und Spekulanten werden, wie das in Amerika der Fall war. Der Fehler, alles gratis ins Netz zu stellen, was man gedruckt noch verkaufen wollte, wurde ebenfalls nicht so fl&#228;chendeckend begangen wie in den USA. Also sollte die „Rolle r&#252;ckw&#228;rts“ zu bezahlten Onlineangeboten auch leichter vollf&#252;hrbar sein, wenn sich Journalismus weder durch Werbung, noch durch zahlende Abonnenten gedruckter Medienprodukte mehr querfinanzieren l&#228;sst.</p>
<p>Last, not least haben die Zeitungen im deutschen Sprachraum noch nicht im gleichen Ma&#223;e an Qualit&#228;t eingeb&#252;&#223;t. Der beklagenswerte Zustand in den USA ist allerdings bereits die Folge radikaler K&#252;rzungen; viele US-Zeitungsh&#228;user haben sich in atemberaubendem Tempo selbst zerst&#246;rt. Es ist kaum zehn beziehungsweise 15 Jahre her, da konnten Medienforscher an vielen Beispielen zeigen, wie innovativ amerikanische Tageszeitungen damals waren.</p>
<p>In Revolutionen, so der US-Medienexperte <a href="http://www.shirky.com/">Clay Shirky</a>, zerbreche das Alte oftmals schneller, als das Neue sichtbar werde. Der Qualit&#228;tsjournalismus wird fraglos den Niedergang der gedruckten Zeitung &#252;berleben. Vermutlich werden wir allerdings die Basislektion jedweder &#214;konomie neu lernen m&#252;ssen: „There&#8217;s no such thing as a free lunch“. Anspruchsvolle geistige Nahrung wird es auch im Internet auf die Dauer wohl nur geben, wenn wir daf&#252;r bezahlen.<em></em></p>
<p><em>Stephan Ru&#223;-Mohl schreibt diese Kolumne f&#252;r die &#246;sterreichischen Wochenzeitung <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.furche.at/');" href="http://www.furche.at/" target="_blank">Die Furche</a>. Sie erscheint in einer speziellen Version mit freundlicher Genehmigung des Autors auch auf Carta</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=12818&amp;md5=bed8f02ddb72be3d8fcf2795bc267582" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kalter Krieg im &#196;ther: Fox News wird Oppositionssender</title>
		<link>http://carta.info/3724/fox_news_obama_usa_cnn_medien/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Jan 2009 16:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
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		<category><![CDATA[Fox News]]></category>
		<category><![CDATA[MSNBC]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/15fd22ba64199d30468df8c2eb6d77" alt="" width="1" height="1" />Die Kreuzung der 6th Avenue und der 47th Street in New York ist <strong>der umk&#228;mpfteste Ort im US-Medienbetrieb</strong>. Dort residieren die Studios von NBC und MSNBC im m&#228;chtigen Sandsteingebirge des Rockefeller Center &#8211; und gleich gegen&#252;ber liegt in einem B&#252;roturm das Hauptquartier von Fox News. MSNBC-Nachrichtensprecher Keith Olberman kann aus seinem Fenster sogar das Office seines gro&#223;en Rivalen Bill O&#8217;Reilly sehen. Manchmal, erz&#228;hlt er, „stelle ich mir vor, dass von dort ein b&#246;sartiges Heulen zu h&#246;ren ist&#8221;. <strong>Die amerikanischen Nachrichtenmedien sind so gespalten wie der US-Senat und das ganze Land</strong>. W&#228;hrend auf MSNC Olberman und seine Kollegen Chris Matthews und Rachel Maddow kein Geheimnis aus ihren politischen Ansichten machen (Olberman lie&#223; sich einmal zu dem Satz hinrei&#223;en: „Ist der Pr&#228;sident ein pathologischer L&#252;gner, oder nur unser <strong>oberster Idiot</strong>?&#8221;), l&#228;uft auf Fox News das politische Kontrastprogramm. Bill O&#8217;Reilly, Sean Hannity und Greta van Susteren verteidigen noch die <strong>absurdeste PR-Ma&#223;nahme </strong>der Bush-Administration als politische Notwehr, und ziehen gegen Liberale, Terroristen und alles Unamerikanische zu Felde. <strong>Die anbrechende Obama-Pr&#228;sidentschaft pr&#228;sentiert MSNBC mit Weichzeichner-Optik und Geigenkl&#228;ngen („A new era of leaderhip begins&#8221;), Fox zeigt Barack Obama neben Hamas-Terroristen und explodierenden Sprengs&#228;tzen.</strong></p>
<p>Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: <strong>Aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium.</strong> Und der rebellische Anti-Bush-Sender MSNBC wechselt ins Regierungslager.</p>
<p>Die erbitterte Rivalit&#228;t von MSNBC und Fox News steht f&#252;r ein neues Zeitalter der US-Mediengeschichte. Das alte Paradigma des amerikanischen Journalismus (&#8220;Opinion is free, facts are sacred&#8221;), das 100 Jahre gegolten hatte, wird abgel&#246;st durch die Herrschaft des &#8220;Commentariat&#8221; und der &#8220;Punditocracy&#8221; &#8211; die einflussreiche Kaste der Analysten und Polit-Prediger. Mit dem Motto „<strong>Attacke statt Analyse, Konflikt statt Konsens, Rechthaberei statt Faktenhuberei </strong>sind die Sender sehr erfolgreich. CNN, MSNBC und Fox News haben einen Marktanteil von 46 Prozent im TV-Nachrichtengesch&#228;ft &#8211; und die drei gro&#223;en Sender ABC, NBC und CBS weit hinter sich gelassen. Im Wahlkampf 2008 steigerten Fox News und MSNBC ihre Einschaltquoten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 101 Prozent bzw. 158 Prozent (Nielsen Media Research).</p>
<p>Das Fernsehen galt in Amerika lange als „National Campfire&#8221;, als gemeinsame W&#228;rme- und Lichtquelle, um die herum sich die Gesamtbev&#246;lkerung versammelte, um sich Geschichten &#252;ber das Leben zu erz&#228;hlen und die weitere Vorgehensweise zu diskutieren &#8211; eine moderne Inkarnation des Lagerfeuers, um das sich die Pioniere auf ihrem Treck nach Westen dr&#228;ngten. Heute brennen im &#196;ther viele Tausend Pixel-Lagerfeuer. „<strong>Im Zeitalter von Internet und Satelliten-TV gibt es f&#252;r jede demographische und psychographische Identit&#228;t ein Angebot</strong>&#8220;, sagt Johnathan Morris, Politik-Professor an der East Carolina University, der mehrere Studien &#252;ber &#8220;Cable News&#8221; verfasst hat.  Die mediale Service-Optimierung habe jedoch gesellschaftliche Konsequenzen. „Die Menschen suchen sich zunehmend Angebote, die ihre bereits existierenden Meinungen und Ansichten &#252;ber die Welt best&#228;tigen&#8221;. Kongnitive Dissonanzen werden immer mehr gemieden. Kein Wunder also, dass eine Studie des Pew Research Centers herausfand, dass die &#8220;Zuschauerschaft der Kabelnachrichtensender hochgradig parteiisch&#8221; sei. <strong>Die Linke sammelt sich um das Lagerfeuer von MSNBC, die Rechte w&#228;rmt sich an der Glut von Fox News.</strong></p>
<p>Anchorman, nannte man die TV-Sprecher wie Walter Cronkite oder Tom Brokaw auch, vielleicht, weil sie den Menschen bei der Verortung halfen und ihnen ein wenig Halt gaben. Heute &#228;hneln die Moderatoren eher Animateuren, die die Zuschauer in Schwingung versetzen sollen. Hey! Wow! Take this! Look at that! „Beim Kabelfernsehen geht es um Abwehr von Ablehnung&#8221;, meint Phil Griffin, Nachrichtenchef von MSNBC. „95 Prozent der Leute gehen an dir vorbei und du versuchst sie dir zu greifen.&#8221; <strong>MSNBC und Fox News (und in einem geringeren Ma&#223;e auch CNN) pr&#228;sentieren das Weltgeschehen dann auch wie einen Kinofilm, als Kampf zwischen Gut und B&#246;se, Schwarz und Wei&#223;</strong>. Die politische Radikalisierung der Sender ist nur eine Folge der Programmplanung mit den Mega-Werten Action und Emotion. Niemand sollte glauben, dass wir es mit Ideologen zu tun haben. <strong>Die politische Ausrichtung ist eine rein &#246;konomische Entscheidung</strong> (und man fragt sich, ob  das eigentlich eine gute Nachricht ist). Fox News gab der konservativen Basis w&#228;hrend der Clinton-Jahre eine Heimat im TV. Und als sich viele Medien nach dem 11. September und dem Irak-Krieg zu Sprachrohren der Bush-Administration machten, und wieder eine Zielgruppe herrenlos im &#196;ther herum strich, da griff eben MSNBC zu.</p>
<p>Verfolgt man die Berichterstattung &#252;ber ein politisches Ereignis auf MSNBC und Fox News, entsteht vor allem in den Abendstunden der Eindruck, das TV-Ger&#228;t sei wom&#246;glich per Kabel mit zwei Paralleldimensionen verbunden. In der Primetime l&#228;uft das Commentariat zur H&#246;chstform auf. &#8220;Es gibt keine Hinweise&#8221;, sagte Sean Hannity k&#252;rzlich, &#8220;dass Obama in den Korruptionsskandal um den Gouverneur von Illinois verwickelt ist&#8221; &#8211; und zeigte dann trotzdem f&#252;nf Minuten lang Fotos, auf denen die beiden Politiker zusammen zu sehen waren. <strong>&#8220;Fair and Balanced&#8221; lautet das Motto von &#8220;Fox News&#8221; &#8211; das ist keine Selbstironie, sondern eine selbstbewusste Neu-Definition der Begriffe</strong>. Bei Fox News (und MSNBC) versteht man unter Balance nicht Ausgewogenheit oder Objektivit&#228;t, sondern eine Form des Aktivismus. &#8220;Fox News&#8221; soll laut O&#8217;Reilly und Hannity ein Gegengewicht  zum &#8220;liberalen Mainstream&#8221; bilden, und so in der Gesamtgesellschaft eine Balance herstellen.<strong> &#8220;Objektitvit&#228;t&#8221; muss man einem Sachverhalt also nicht mehr entgegen bringen, sondern auf der Makro-Ebene aktiv schaffen</strong>. &#8220;Wir leben in einen Land&#8221;, schrieb deshalb der Times-Kolumnist und Nobelpreistr&#228;ger Paul Krugman vor einiger Zeit, &#8220;<strong>in dem es so etwas wie eine nicht-politische Wahrheit nicht mehr gibt</strong> (&#8230;) Die Gl&#228;ubigen folgen den Verdrehungen und Wendungen ihrer Partei mit einer Loyalit&#228;t, die das Comintern zufrieden gestellt h&#228;tte&#8221;.</p>
<p>MSNBC und Fox News sind telemediale Zwillinge. Kulissen, Trailer und Logos sind in den Farben Rot, Blau und Wei&#223; gehalten, als h&#228;tte man f&#252;r das Production Design ein paar Hundert US-Flaggen zerrissen, und <strong>mit den patriotischen Partikeln eine H&#246;hle gebaut</strong>. Streicher, Posaunen und Orgeln begleiten die Bilder auf beiden Sendern  &#8211; ganz so, als w&#252;rde ein Filmkomponist die Breaking News live in einer Symphonie verarbeiten. Und die Typographie der Titel glitzert auf beiden Sender wie die Eisen-Letter am Jefferson Memorial in Washington D.C. („Information ist die W&#228;hrung der Demokratie&#8221;, steht da &#252;brigens an der Wand). Nach Konsum der Kabel-TV-Sender w&#252;nscht man sich, ein moralisch recht fragw&#252;rdiges Experiment durchf&#252;hren zu d&#252;rfen, um die Langzeitwirkung der Meinungssender zu untersuchen: Was w&#228;re, wenn man zwei Zwillinge nach der Geburt in zwei aneinander grenzende R&#228;ume sperren w&#252;rde. In einem der R&#228;ume w&#252;rde Fox News laufen, im anderen MSNBC, und nach 18 Jahren &#246;ffnete man die T&#252;r. Was w&#252;rde passieren? <strong>Wahrscheinlich ein &#8220;Clash of Cultures&#8221; &#8211; trotz gleicher DNA</strong>.</p>
<p>Politologen und Medienwirkungsforscher bef&#252;rchten durch die Aufteilung des &#196;thers in ideologisch klar definierte Zonen eine &#8220;Polarisierung des Diskurses&#8221;. &#8220;Wenn man immer nur in seiner Meinung best&#228;tigt wird&#8221;, meint Morris, &#8220;dann k&#246;nnte es passieren, dass sich die Stimmung aufschaukelt und die Ansichten immer extremer werden.&#8221; <strong>Die Werte-Communitys in den isolierten Medien-R&#228;umen verhalten sich wie Sportmannschaften</strong>, die sich vor dem Match in einem Kreis versammeln, die H&#228;nde aufeinander legt und gegen&#252;ber der Umwelt einen Wall aus K&#246;rpern und Vereinsfarben errichtet: &#8220;Wir sind stark!&#8221;, schreien die Spieler dann, &#8220;Wir werden gewinnen!&#8221; F&#252;r Empathie f&#252;r die Motive und Individualit&#228;t des Gegners bleibt in diesem bin&#228;ren Sieg-Niederlage-Denken kein Platz.</p>
<p>Die Propaganda der Parteisender ist f&#252;r den gesellschaftlichen Diskurs wom&#246;glich weniger gef&#228;hrlich als &#8220;die erheblichen Unterschiede in Wissen und Bewusstsein von Informationen&#8221;, welche das Pew Research Center <a href="http://people-press.org/report/467/internet-campaign-news">in einer aktuellen Studie</a> zwischen dem Publikum von Fox News und MSNBC festgestellt hat. Die Tatsache, dass die Republikaner mehr als 150 000 Dollar f&#252;r die Klamotten von Sarah Palin ausgegeben haben, war 71 Prozent der MSNBC-Zuschauer &#8220;stark bewusst&#8221;. Im Vergleich konnten sich nur 51 Prozent der Fox News-Zuschauer an den Skandal erinnern. Und dass Colin Powell, der Kriegsheld und ehemalige Au&#223;enminister von George W. Bush, vor der Wahl seine Unterst&#252;tzung f&#252;r Obama erkl&#228;rt hatte, wussten ebenfalls 70 Prozent der MSNBC-Zuschauer und nur 54 Prozent der Fox Zuschauer. Demokratie basiert unter anderem darauf, dass die B&#252;rger geteilte Informationen und Erlebnisse haben.&#8221; Indem die ideologisch aufgeladenen TV-Nachrichten ihrem Publikum jedoch einige Informationen vorenthalten, und andere Informationen betonen, k&#246;nnte es im Extremfall zu der Situation kommen, dass sich die Zuschauer von MSNBC und Fox News irgendwann nicht mehr &#252;ber ein politisches Thema verst&#228;ndigen k&#246;nnen &#8211; nicht, weil sich die beiden Mannschaften so sehr verabscheuen w&#252;rden, sondern weil sich die Spieler nicht mehr auf die Regeln des Spiels einigen k&#246;nnen, die L&#228;nge einer Halbzeit, die erlaubten Mittel, das Ziel. Der L&#228;rm erzeugt Sprachlosigkeit.</p>
<p><strong>Nachtrag</strong>: Pews beeindruckender <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">R&#252;ckblick</a> auf die Bush-Jahre in zwei Charts:</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3725" title="bild-13" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-13.png" alt="bild-13" width="603" height="452" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3726" title="bild-14" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-14.png" alt="bild-14" width="323" height="455" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">Bush and Public Opinion</a></p>
<p>Werbepause:</p>
<h2 class="widgettitle">Der digitale Pr&#228;sident</h2>
<p>Barack Obama hat die Pr&#228;sidentschaftswahl mit Hilfe des Internets gewonnen &#8211; wie wird er mit Hilfe des Internets regieren? Live-&#220;bertragung und Diskussion mit Mercedes Bunz, Bj&#246;rn B&#246;hning und Tobias Moorstedt. 20. Januar, 18 Uhr. Mehr <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/downloads/3613/obama_kabinett_lincoln/../../Carta_20Jan09_Obama.jpg');" href="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg">hier…</a></p>
<p><img class="alignnone" src="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg" alt="" width="538" height="253" />
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3724&amp;md5=1ab8a67898677d9d8227633cb32e477a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Einer f&#252;r alle, alle f&#252;r einen</title>
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		<comments>http://carta.info/3613/obama_kabinett_lincoln/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 16:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Paulus Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
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		<description><![CDATA[Barack Obamas partei&#252;bergreifendes Kabinett ist nicht Neues. Graben&#252;berspannende Regierungen bildeten bereits andere vor ihm. Und soviel Change versprechen seine Personalentscheidungen auch gar nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/135528a6cbc4336bf09ebd09f48169" alt="" width="1" height="1" /><strong>Barack Obamas partei&#252;bergreifendes Kabinett ist nichts Neues. Graben&#252;berspannende Regierungen bildeten bereits andere vor ihm. Und s</strong><strong>oviel Change versprechen seine Personalentscheidungen auch gar nicht</strong>.</p>
<p>Change, change, change &#8211; warb Barack Obama ohne Unterlass f&#252;r seine Pr&#228;sidentschaft. Alles sollte sich wandeln: Politikinhalte, Politikstil und nat&#252;rlich die Politiker selbst. Schon im Mai vergangenen Jahres lie&#223; Obama durchschimmern, welcher scheinbar einzigartigen Methode er sich bei seiner Kabinettsbildung bedienen werde: Der Kandidat gab bekannt das Buch „Team of Rivals&#8221; der Historikerin Doris Kearns Goodwin gelesen zu haben. Sofort entstand das Ger&#252;cht, der Demokrat werde, &#228;hnlich wie<strong> &#220;bervater Abraham Lincoln </strong>w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges, sein Kabinett nicht aus altgedienten Freunden und treuen Parteisoldaten zusammenschustern, sondern partei&#252;bergreifend auch ehemalige Rivalen und Republikaner in die Regierung einbinden.</p>
<p>Obamas Ank&#252;ndigung einer Allparteienregierung sieht nach change auf allen Ebenen aus. Mit seinem pragmatischen, unkomplizierten und vor allem neuen &#8211; oder zumindest k&#252;rzlich erst wiederentdeckten &#8211; personalpolitischen Kniff will er eine zentrale Botschaft seiner Pr&#228;sidentschaft deutlich machen: Obama steht f&#252;r das ganze US-amerikanische Volk. Er steht &#252;ber den Grabenk&#228;mpfen zwischen Demokraten und Republikanern, die das Land in den vergangenen Jahren tief gespalten hatten. <strong>Und er steht gegen die Politik seines Vorg&#228;ngers.</strong></p>
<p>Wenn Barack Obama am 20. Januar sein Amt von „W&#8221; &#252;bernimmt, wechselt mit dem ersten schwarzen Pr&#228;sidenten der Vereinigten Staaten eine neue Regierungsmannschaft ins Wei&#223;e Haus. Komplett neu? Bei weitem nicht:</p>
<p>&#8211; Robert Gates, Verteidigungsminister unter Bush jr., bleibt im Amt.</p>
<p>&#8211; James Jones, General a.D. wird Sicherheitsberater des Pr&#228;sidenten. Jones gilt als unabh&#228;ngiger, auch von Republikanern gesch&#228;tzter Berater. Au&#223;enministerin <strong>Condoleezza Rice bot ihm bereits zweimal den Posten ihres Stellvertreters an</strong> und konnte ihn schlie&#223;lich zumindest &#252;berreden, US-Sonderbeauftragter f&#252;r den Nahen Osten zu werden.</p>
<p>&#8211; Hillary Clinton, die ehemalige st&#228;rkste parteiinterne Konkurrentin Obamas, &#252;bernimmt das Au&#223;enministerium.</p>
<p><strong>Obama hat seinen „Lincoln&#8221; gelesen</strong>, vormalige Konkurrenten auf seine Sache eingeschworen und wieder einmal als Erster verstanden, wie moderne Politik funktioniert &#8211; m&#246;chte man denken: Change eben. <strong>Ganz so neu ist die Einbindung vermeintlicher Gegner jedoch nicht</strong>: Bereits seit einigen Jahren geht der Trend zur &#220;berparteilichkeit. Gordon Brown und Nicolas Sarkozy haben es vorgemacht:</p>
<p>&#8211; In einem geschickten Schachzug besetzte Super-Sarko sein „<strong>Kabinett der &#214;ffnung</strong>&#8221; mit dem Oppositionellen Bernard Kouchner,  der vorher selbst als Pr&#228;sidentschaftskandidat der Sozialisten gehandelt wurde. Sarkozys Au&#223;enminister Kouchner war bereits vier Mal Minister &#8211; bisher aber in einer linken Regierung. Ein weiteres bewusstes Zeichen der partei&#252;bergreifenden &#214;ffnung war die Ernennung des Liberalen Hervé Morin als Verteidigungsminister. Morin von der Zentrumspartei UDF stammt aus dem Lager des gescheiterten Pr&#228;sidentschaftskandidaten Francois Bayrou.</p>
<p>&#8211; Auch auf der anderen Seite des &#196;rmelkanals hatte ein Regierungschef Obamas Personalpolitik vorgegriffen: Gordon Brown, der Mitte 2007 an die Spitze der britischen Regierung ger&#252;ckt war. Brown kittete allerdings nicht wie Sarkozy Risse &#252;ber die Parteigrenzen hinweg, <strong>sondern innerhalb seines eigenen Lagers.</strong> Der Schotte berief David Miliband zum Au&#223;enminister und band damit seinen st&#228;rksten innerparteilichen Herausforderer in die Kabinettsdisziplin ein. Bisher mit Erfolg.</p>
<p><strong>Soviel Change ist also gar nicht drin, in Obamas Allparteienkabinett</strong>. Die Lincoln-Reminiszenz &#252;berdeckt, dass sich der Demokrat auf viele bereits bekannte Berater st&#252;tzt: Namen im Obama-Team wie Rahm Emanuel, Timothy F. Geithner, Peter R. Orszag und Robert E. Rubin rufen alle einen Namen in Erinnerung: Bill Clinton. <strong>Graben&#252;bergreifende Personalpolitik ist folglich nicht so neu, wie Obama uns glauben macht</strong>. Und auch das Vorbild Lincoln hatte sich die Zusammensetzung seiner Regierungsmannschaft abgeschaut, wie Jordan Mejias von der FAZ <a href="http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~ECABD97E1D4B444529D0163115F3C3F48~ATpl~Ecommon~Scontent.html">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>„Lincolns Schachzug, wie der Historiker James Oakes darlegt, war gar nicht so neu. Auch John Quincy Adams hatte bereits seinem Rivalen Henry Clay den Au&#223;enministerposten anvertraut, und seine Nachfolger Millard Fillmore, Franklin Pierce und James Buchanan folgten einem &#228;hnlichen Modell. Besonders erfolgreich waren alle diese Regierungen nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;"> asdfasdf</span></p>
<p><span style="color: #ffffff;">asdfasdf<br />
</span></p>
<p><span style="color: #ffffff;">asdfasdfsadf</span></p>
<p>Werbepause:</p>
<h2 class="widgettitle">Der digitale Pr&#228;sident</h2>
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		<title>Null-Zins, klar. Aber was ist quantitative Easing?</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 19:02:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Heidenreich</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zentralbank]]></category>
		<category><![CDATA[Zinsen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die US-Zentralbank hat sich mit der j&#252;ngsten Senkung vom Leitzins als wirtschaftlichem Steuerinstrument verabschiedet. Der Zinsschritt ist nicht die eigentlich entscheidende Massnahme. Manche Kommentare behaupten voreilig, die Vereinigten Staaten seien auf dem Weg in japanische Verh&#228;ltnisse. Wenn das nur so einfach ginge. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0b161518cb0c7f177a9c30c29f5789" width="1" height="1" alt=""/>Aber die USA sind keine Insel, der Dollar ist nicht der Yen und was die FED nun weiter unternimmt, sieht nicht nach Japan 1998 aus.</p>
<p>Von hier ab geht&#8217;s aufs Eis. Von vielen Seiten ist deutliches Gruseln vernehmen.</p>
<blockquote><p>Die Verzweiflung muss gro&#223; sein.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E6E91B6818E4D4FE28B82CBB0DCBB68A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_wirtschaft">kommentiert Holger Steltzer</a> in der FAZ.</p>
<blockquote><p>I (literally) have a very bad feeling in my stomach.  This move is a sign of utter desperation.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.nakedcapitalism.com/2008/12/trepidation-about-quantitative-easing.html">meint Yes Smith</a>.</p>
<p>Aber nicht wegen der Nullzinsen. Nein, sondern wegen dem, was damit einher geht. Ganz kurz gesagt: die FED hat sich entschlossen, auf Teufel komm raus Geld zu drucken. Bernanke macht mit allen Mitteln, darunter ein paar zuvor sehr kreativen und zuvor kaum vorstellbaren, wahr, was er in seiner ber&#252;hmten Helikopter-Rede vor Jahren angek&#252;ndigt hat.</p>
<blockquote><p>Deflaton: Making sure it does not happen here</p></blockquote>
<p>war seine <a href="http://www.federalreserve.gov/BOARDDOCS/SPEECHES/2002/20021121/default.htm">Rede am 21.11.2002</a> betitelt. Da sollten wir noch einmal reinh&#246;ren.</p>
<blockquote><p>I believe that the chance of significant deflation in the United States in the foreseeable future is extremely small &#8230;   I am confident that the FED would take whatever means necessary to prevent significant deflation in the United States &#8230; So, having said that deflation in the United States is highly unlikely, I would be imprudent to rule out the possibility altogether.</p></blockquote>
<p>Ja, was denn nun? Es gibt da zwei verschiedene Gr&#246;&#223;en, die man ganz genau unterscheiden muss. Und das versucht Bernanke. N&#228;mlich Inflation und Inflations-Erwartung. Oder Deflation und Deflations-Erwartung. Dummerweise handeln n&#228;mlich die Akteure am Markt nicht nach der tats&#228;chlichen Inflation, sondern nach Massgabe ihrer Inflations-Erwartung. Und  alles, was ein FED-Pr&#228;sident oder dazumal werdender FED-Vorsitzender von sich gibt, ruft Erwartungen hervor. Also hatte Bernanke die heikle Aufgabe, &#252;ber etwas zu sprechen, ohne es uns erwarten zu lassen. Deshalb f&#252;nfmal: Was auch immer ich hier sage, es wird nicht passieren. Oder k&#252;rzer, und etwas Odyssee-hafter: ich l&#252;ge! Ich l&#252;ge! Ich l&#252;ge! Glaubt mir nicht!</p>
<p>Nach dem kurzen Ausflug an den Anfang des 21. Jahrhunderts (2002) zur&#252;ck zum Anfang des 21. Jahrhunderts (2008). Was <a href="http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/monetary/20081216b.htm">macht die FED</a>? (ausser die Zinsen zu senken.)</p>
<blockquote><p>As previously announced, over the next few quarters the Federal Reserve will purchase large quantities of agency debt and mortgage-backed securities to provide support to the mortgage and housing markets, and it stands ready to expand its purchases of agency debt and mortgage-backed securities as conditions warrant.  The Committee is also evaluating the potential benefits of purchasing longer-term Treasury securities.</p></blockquote>
<p>Das ist quantitative Erleichterung. Und heisst so viel wie: die amerikanische Zentralbank kauft von nun an ALLES .. ja ALLES .. was irgendwie in den Strudel der Krise zu geraten droht. Nicht nur kurzlaufende Staatsanleihen, sondern auch langlaufende. Anleihen von allerlei Firmen und nicht nur verkorkste, betr&#252;gerisch versicherte, faule H&#228;userkredite. Die Bewegung in diese Richtung war schon eine ganze Weile lang im Gang, wie der sch&#246;ne  <a href="http://www.econbrowser.com/archives/2008/12/quantitative_ea.html">Chart auf Econbrowser</a> zeigt (Quelle: <a href="http://www.aleablog.com/lehman-and-federal-reserve-assets/">Aleablog</a>)</p>
<p><a href="http://www.aleablog.com/a/060.png"><img class="alignnone" src="http://www.aleablog.com/a/060.png" alt="" width="468" height="496" /></a></p>
<p>Die guten und (bis dato) sicheren Staatsanleihen wurden ab Ende 2007 gegen allerlei Unfug ausgetauscht, den die Banken nach den neuen Regeln bei der FED als Sicherheiten f&#252;r Kredit hinterlegen durften.</p>
<p>Aber wenn ich es richtig verstehe, &#252;bernimmt die FED nun im Rhamen des sogenannten Easing, der Erleichterung des Kreditmarkts, eine ganze Reihe neuer Aufgaben. Bislang wurden Zinsen au&#223;er dem Leitzins am Markt ausgehandelt. Nun kann die Zentralbank &#252;berall eingreifen, wo ihr die Lage kritisch zu werden droht. Das heisst, der Markt f&#252;r Zinsen ist in weiten Teilen aufgel&#246;st. Dort regiert jetzt der Staat. Das wirft nicht unerhebliche Fragen auf. N&#228;mlich unter anderem die, ob die USA &#252;berhaupt Japans L&#246;ungs imitieren k&#246;nnen. Oder ob das ganze nicht zielgerichtet auf eine g&#246;&#223;ere Krise der W&#228;hrungen und der Staatsschulden hinausl&#228;uft. Sicher ist, dass die amerikanische Zentralbank ab heute eine andere Institution geworden ist: eine allgemeine Kreditverwaltungs-Beh&#246;rde mit angeschlossener Deponie f&#252;r finanziellen Giftm&#252;ll.
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