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	<title>CARTA &#187; unibrennt</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Hochschulreform: Mein Traum von der deutschen Universit&#228;t</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 12:25:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marek Dutschke</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Unibrennt" hat die Bildungsmisere aufgezeigt, die schnell und entschlossen angegangen werden muss. Doch wie muss das Hochschulsystem langfristig umgebaut werden, damit man &#252;berhaupt noch von Bildung sprechen - und die Bologna-Reform doch noch gelingen kann?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1acbc226b67a4901b720ead98ff4301d" alt="" width="1" height="1" />Ich wollte diesen Beitrag schon Ende November letzten Jahres schreiben, als mich die <em>Anne Will</em>-Redaktion gefragt hat, ob ich prinzipiell bereit w&#228;re, an einer Runde zum Thema Hochschulproteste teilzunehmen. Ich war zu dem Zeitpunkt verhindert, da ich an dem Tag Vater werden sollte. Aber als ich Tage sp&#228;ter bei <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,664158,00.html"><em>Spiegel Online</em></a> las, dass Annette Schavan die Sendung verwendete, um sich selbst mit Eigenlob zu &#252;bersch&#252;tten, habe ich mich ge&#228;rgert, dass ich nicht dabei sein konnte, um ihr zu widersprechen.</p>
<p>Im Jahre Zehn nach dem Beschluss zum Bologna-Prozess steht es mit der Hochschullandschaft in Deutschland nicht zum Besten. Gerade Frau Schavan hat keinen Grund zu feiern. Nicht nur, dass ihr durch die F&#246;deralismusreform wichtige M&#246;glichkeiten zur Einflussnahme auf die Bildungspolitik der L&#228;nder genommen wurden. Sie hat es auch vers&#228;umt, eigene Akzente zur Ausgestaltung des Bologna-Prozesses und der generellen Reform der deutschen Hochschullandschaft zu setzen. <strong>Fakt ist, dass Studierenden von Rostock bis Konstanz nicht ohne Grund protestiert haben. </strong></p>
<p>Die Gr&#252;nde f&#252;r die Proteste sind vielf&#228;ltig. Studierende protestieren gegen Studiengeb&#252;hren, gegen die Abwicklung ganzer Fachbereiche, f&#252;r die Drittelparit&#228;t in den Gremien, f&#252;r eine verbesserte Lehre und nat&#252;rlich gegen die Bologna-Reform im Allgemeinen. Die Vielzahl der Protestthemen hat die nationale Bildungsdebatte extrem un&#252;bersichtlich gemacht. Die Positionen sind teilweise unklar und abstrakt, die Forderungen widerspr&#252;chlich. Zum Beispiel wird die Forderung nach Drittelparit&#228;t in Hochschulgremien von Studierendengruppe gemischt bewertet. Wenn dominante Hochschulgruppen mit unrealistischen Forderungen die Gremienarbeit blockieren, dient das nicht unbedingt der besseren Vertretung studentischer Interessen.</p>
<p>Dieses Tohuwabohu hat es Frau Schavan erm&#246;glicht, eigene Politikerfolge stolz zu verk&#252;nden, w&#228;hrend die eigentliche Bildungsmisere nicht angesprochen wurde. Die Erh&#246;hung des Baf&#246;g, ein Erstsemesterrekord und die &#8211; wohlgemerkt nur &#8211; geplante Einf&#252;hrung von Stipendien f&#252;r besonders Begabte sind lediglich Einzelschritte und &#228;ndern nichts am generellen Notstand der Bildung in Deutschland.<br />
Die dringendsten Probleme liegen jedoch nicht bei der Machtverteilung in den Hochschulgremien, der Finanzierung eines Studiums oder dem Budget der Universit&#228;ten. In drei Streitschriften zwischen Julian Nida-R&#252;melin und Sebastian Litta, die in der <em>Zeit</em> erschienen sind, wurden die grundlegenden Schwierigkeiten in der Hochschullandschaft aufgeworfen. Im Auge des Orkans war nat&#252;rlich die umstrittene Bologna-Reform. Herr Nida-R&#252;melin hat <a href="http://www.zeit.de/2009/45/Bachelor-Kritik">zu Recht darauf hingewiesen</a>, dass die Kultusministerkonferenz bei der Konzeption der Bachelor- und Masterstudieng&#228;nge Fehler gemacht hat. Herr Litta hat in der Erwiderung diesen Ansatz um eine <a href="http://www.zeit.de/2009/47/C-Erwiderung-Nida">Kritik an den Fakult&#228;tskommissionen erweitert</a>, die bei der Umsetzung der Studieng&#228;nge die konzeptionellen Fehler verschlimmert haben.</p>
<p>Tats&#228;chlich haben die Bildungsminister, Hochschulpolitiker, Unipr&#228;sidenten, Wissenschaftsratsmitglieder, Akkreditierungsagenturen, Beratungsfirmen und die Fakult&#228;ten die Bologna-Reform vermasselt. Die Bachelorstudieng&#228;nge sind mit 3 Jahren zu kurz angelegt worden. Die Studienordnungen verlangen einen zu hohen Grad an Verschulung. Die fehlende Anerkennung von im Ausland erworbenen ECTS hat Mobilit&#228;t erschwert. Letztlich sind die europ&#228;ischen Universit&#228;ten gegen&#252;ber den US-amerikanischen Universit&#228;ten durch die Bologna-Reform nicht konkurrenzf&#228;higer geworden.</p>
<p>Dieses kollektive Versagen der deutschen Bildungsexperten ist nicht einfach zu verstehen. Einerseits wurde das deutsche Abitur &#252;berbewertet, andererseits haben die zahlreichen Kritiker den Prozess erschwert. Denn einige Professoren haben die Umstellung als eine Kapitulation gegen&#252;ber dem US-amerikanischen Hochschulsystem gesehen und waren nicht bereit, die neuen Studieng&#228;nge konstruktiv in die Praxis umzusetzen. Dar&#252;ber hinaus hat die Strategie, die alten Diplom- und Magisterstudieng&#228;nge in den neuen Studieng&#228;ngen aufgehen zu lassen, w&#228;hrend die alten Studieng&#228;nge weiterliefen, zu Chaos gef&#252;hrt. Es gab &#252;berf&#252;llte Kurse mit Bachelor-, Diplom-, Master- und Magister-Studierenden, die alle jeweils in verschiedenen Stadien ihres Studiums waren. Es kann ja nicht der Sinn der Sache sein, dass solch extrem heterogene Gruppen entstehen. Viele Professoren und Dozenten haben einfach ihre alten Kurse angeboten, ohne sie den neuen Studieng&#228;ngen anzupassen. So gesehen waren die Proteste der Studierenden durchaus gerechtfertigt, wobei manche Geb&#228;udebesetzungen &#252;bers Ziel hinausgeschossen sind.</p>
<p>Inzwischen arbeiten die Universit&#228;ten daran, manche Fehler zu berichtigen und sogar die KMK zeigt Ver&#228;nderungsbereitschaft f&#252;r die Richtlinien der Studieng&#228;nge. Doch es gibt ein noch tiefergehendes Problem, das gel&#246;st werden muss, bevor der Bologna-Reform von Erfolg gekr&#246;nt werden kann. Denn es gibt ein Zugangsproblem an den Universit&#228;ten durch den Numerus Clausus. Bei den Juristen und vor allem bei den Medizinern braucht man  mittlerweile mindestens einen 1,3er-Durchschnitt, um einen Studienplatz zu bekommen. Sogar bei den Sozialwissenschaften ist es ohne einen Einser-Durchschnitt schwer, einen Platz zu ergattern.</p>
<p>So wird die soziale Selektion immer weiter getrieben. Es ist dabei ja nicht nur problematisch, dass es durchaus Qualit&#228;tsunterschiede unter den Abituren je nach Schule oder Bundesland gibt. Es sieht im Moment fast so aus, als seien die einzigen Studienf&#228;cher, die man mit einem Zweier-Abi noch studieren kann, Judaistik, Slawistik und noch einige wenige Exotenf&#228;cher. Abiturienten mit einem m&#228;&#223;igen Durchschitt haben also kaum mehr eine Wahl. F&#252;r sie bleiben nur noch wenige F&#228;cher &#252;brig – egal ob sie an diesen F&#228;chern Interesse haben &#8211; oder der Weg nach &#214;sterreich. Dieser Exodus hat allerdings den kuriosen Nebeneffekt, dass in &#214;sterreich mittlerweile die erste richtige linke Protestkultur unter Studenten entstanden ist. &#8211; Und so zw&#228;ngen sich eine Vielzahl von wenig motivierten Studierenden in die &#252;berf&#252;llten H&#246;rs&#228;le der Exotenf&#228;cher.</p>
<p>Es kann doch nicht sein, dass der Numerus Klausus einen zwingt, etwas zu studieren was man nicht will, nur weil die Abiturnoten nicht so gut waren. Das widerspricht v&#246;llig dem Bildungsgedanken. Dar&#252;ber hinaus werden gerade Sch&#252;ler aus Migrantenfamilien benachteiligt. Den Sprung aufs Gymnasium schaffen sie in Deutschland &#228;u&#223;erst selten im Gegensatz zu anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern.</p>
<p>2008 habe ich in der <em>Zeit</em> <a href="http://www.zeit.de/2008/04/Ein_Traum_von_Universitaet">meinen Traum</a> von der deutschen Universit&#228;t ver&#246;ffentlicht. Darin habe ich dieses Zugangsproblem angesprochen und versucht, einen L&#246;sungsansatz zu skizzieren. Ein zweij&#228;hriges <em>Studium Generale</em> w&#228;re eine M&#246;glichkeit, den Studienanf&#228;ngern genug Zeit zu geben, sich f&#252;r ein geeignetes Interessengebiet zu entscheiden. Ich habe selber w&#228;hrend meines Studiums in den USA ein Studium Generale absolviert. Ich war damit in die Lage versetzt, Kurse &#252;ber Meeresbiologie, Informatik, antike G&#246;tter und russische Kultur zu belegen sowie einen Literaturkurs &#252;ber „Ghosts that haunt us“ zu belegen, in dem wir ausschlie&#223;lich Schriften von Afroamerikaner, Latinos und Indianer gelesen haben. Obwohl ich letztendlich Politikwissenschaft studiert habe, waren diese Kurse wichtige Schritte f&#252;r meine akademische Entwicklung.</p>
<p>Im deutschen Kontext w&#252;rde ich das Studium Generale in Trimester gliedern, damit die Studierenden in kurzer Zeit eine gro&#223;e Auswahl von F&#228;chern kennenlernen. Ein Auslandssemester, um eine weitere Sprache zu lernen, sollte w&#228;hrenddessen Pflicht sein. Das Studium Generale w&#228;re dann die Basis des gegenw&#228;rtigen Hochschulsystems. Nach den ersten zwei Jahren w&#252;rden sich die Studierenden endg&#252;ltig f&#252;r ein Fach entscheiden und dieses nach einem weiteren Jahr mit einem Bachelor zu Ende bringen. Und dann k&#228;me f&#252;r die, die es wollen &#8211; im Sinne eines traditionellen Fachstudiums &#8211; der Master, dann der Doktor. Nur wenn die Hochschullandschaft den Mut aufbringt, das Fundament des Studiums grundlegend zu ver&#228;ndern, kann die Bologna-Reform nachhaltig erfolgreich sein.</p>
<p>Ich glaube leider nicht, dass Frau Schavan in der Lage ist, solche Impulse zu setzen &#8211; ich bezweifle sogar, dass Sie die eigentliche Bildungsmisere &#252;berhaupt erkennt. Von den Kultusministern der L&#228;nder, egal welcher Parteienzugeh&#246;rigkeit, ist leider auch wenig in dieser Richtung zu erhoffen. Meiner Meinung nach werden die Weichenstellungen f&#252;r eine solche Ver&#228;nderung an den Universit&#228;ten gelegt. Dort m&#252;ssen Lehrende, Verwaltung und Studierendenvertretung zueinander finden, um gen&#252;gend Druck zu erzeugen, damit mein Traum Wirklichkeit werden kann.
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		<title>Bildungsstreik: Studenten in der Zwickm&#252;hle</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 11:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Politik hat den protestierenden Studenten erste Zugest&#228;ndnisse gemacht. Jetzt stehen sie vor der Alternative: abwarten oder weiter k&#228;mpfen? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b1e6e144294a479d8f7c36dcb3f6eb4b" alt="" width="1" height="1" />Es scheint ruhig geworden um den Bildungsstreik. Seit der Kultusministerkonferenz bringen die Medien kaum etwas zum Thema. F&#252;r das kommende Wochenende haben Studenten ein <a href="http://www.bildungsstreik.net/bildungsstreiktreffen-potsdam/">bundesweites Bildungsstreiktreffen in Potsdam</a> geplant. Hier soll &#252;ber das bisher Erreichte debattiert werden. Doch was hat man bisher erreicht?</p>
<p>Zun&#228;chst einmal versprach Bildungsministerin Schavan eine BAf&#246;G-Erh&#246;hung. Interessanter weise war das nicht einmal eine der zentralen Forderungen der Studierenden. Aber mit Geld kann man gut Leute ruhig stellen. So sahen es zumindest die meisten der Streikenden… und machten weiter.</p>
<p>Was folgte, war ein interessantes Spiel: Bund, L&#228;nder und Hochschulen spielten sich immer wieder gegenseitig den Ball zu. Der Bund m&#252;sse mehr Geld geben, die L&#228;nder seien f&#252;r Bildungspolitik zust&#228;ndig, die Hochschulen m&#252;ssten ihre Gestaltungsr&#228;ume effektiver nutzen, die L&#228;nder b&#246;ten daf&#252;r nicht gen&#252;gend Raum – usw. usf.</p>
<p>Alle schoben den schwarzen Peter zum anderen und verga&#223;en dar&#252;ber, dass nicht einer, sondern alle zusammen in der Verantwortung stehen.</p>
<p>Zudem bekam es die Protestbewegung mit „friendly fire“ in Form von unverantwortlichen Sachbesch&#228;digungen in Frankfurt zu tun. Einige Chaoten sorgten f&#252;r Negativschlagzeilen, welche nat&#252;rlich ein gefundenes Fressen f&#252;r die Kritiker darstellten.</p>
<p>Die Bildungsproteste erzwangen dennoch Reaktionen. Am 10. Dezember stellten Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz gemeinsam eine Liste mit geplanten &#196;nderungen vor. Konkret soll es weniger Pr&#252;fungen geben und eine geringere Arbeitsbelastung. Au&#223;erdem sollen Pr&#252;fungsleistungen leichter anderswo anerkannt werden; zu guter Letzt soll auch die Gestaltungsfreiheit f&#252;r einzelne Studieng&#228;nge erh&#246;ht werden. Das letztere beide Punkte gelegentlich im Widerspruch stehen, st&#246;rt eine Pressemitteilung (<a href="http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/kultusministerkonferenz-und-hochschulrektorenkonferenz-handeln-gemeinsam.html">hier</a> ganz nachzulesen) freilich nicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Nach diesen Versprechungen seitens der Politik befinden sich die Studierenden in einer Zwickm&#252;hle. Einerseits m&#252;ssen sie nun erst einmal wieder zum Regelbetrieb &#252;bergehen und warten, ob die &#196;nderungen bei ihnen ankommen. Denn nur nach einiger Zeit kann man sehen, ob es leere Versprechen sind oder nicht. Andererseits sind nicht alle Forderungen erf&#252;llt.</p>
<p>Das zwischen Bund, Hochschulen und L&#228;ndern der Ball immer wieder hin- und herging, f&#252;hrte zu einer Verdichtung der Schuldzuweisungen in Richtung des Wortes &#8220;Bologna&#8221; – woran auch die Medien Anteil hatten. Andere Anliegen gerieten aus dem &#246;ffentlichen Blickfeld, was einigen Entscheidungstr&#228;gern sicher sehr gelegen kam. Konkret w&#228;ren dies unter anderen: Einflussnahme der Wirtschaft, in einigen Teilen ein Abbau von Demokratie (in Hessen etwa durch das geplante neue Hochschulgesetz), Studiengeb&#252;hren, schlie&#223;lich: fehlende Masterstudienpl&#228;tze.</p>
<p>Gehen die Studenten weiter auf Konfrontationskurs, laufen sie Gefahr, dass es hei&#223;t „die geben sich mit nichts zufrieden und meckern mehr als das sie studieren!“. Tun sie nichts, kann es f&#252;r einige zu sp&#228;t sein. Auf Seiten der Politik mangelt es an der Einsicht, dass viele Studierende wenig Verst&#228;ndnis daf&#252;r haben k&#246;nnen, neue Systeme zun&#228;chst auszuprobieren und dann nach und nach anzupassen. Ehe das System ohne Probleme l&#228;uft, haben sie wohlm&#246;glich ihr Studium bereits beendet, im schlimmsten Fall nur zur H&#228;lfte, weil der passende Master fehlt.</p>
<p>Aus diesen Gr&#252;nden ist die Studentenlandschaft in Deutschland derzeit gespalten. Einige wollen abwarten, andere weiter k&#228;mpfen. Hinzu kommen diejenigen, die sich von Anfang an von den Methoden des Bildungsstreiks distanzierten. F&#252;r die weitere Entwicklung wird es spannend sein, was das bundesweite Bildungsstreiktreffen in Potsdam, und mehr noch die vielerorts anstehenden Hochschulwahlen zum Semesterende, f&#252;r Ergebnisse bringen werden. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben f&#252;r das kommende Jahr derweil weitere, eigene Proteste angek&#252;ndigt. Ihre Forderung nach einer Abschaffung oder zumindest weitreichenden Reform des „Turboabiturs“ wurde n&#228;mlich ebenfalls (noch) nicht ber&#252;cksichtigt.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=20389&amp;md5=9932522aea13d741a511376e3935cd6c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hier und da: Studentenproteste im Netz</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 10:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Welche Plattformen und Praktiken bei den aktuellen Studentenprotesten wichtig sind – eine &#220;bersicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aa6eb78a3537464f8169e5e4078455d0" alt="" width="1" height="1" />&#220;ber den „digitalen Gehalt“ der aktuellen Hochschulproteste wird inzwischen vielerorts spekuliert (ich trage dazu bei, so gut ich kann). Hier nun eine <strong>kleine Liste</strong> <strong>von</strong> <strong>good practices</strong>, die zeigen, warum eine gute Protest-Pr&#228;senz im Web 2.0 tats&#228;chlich funktional sein kann. Nat&#252;rlich ist die Aufz&#228;hlung unvollst&#228;ndig, sie wird fortlaufend aktualisiert. Kommentare, Hinweise und Erg&#228;nzungen – gerne!</p>
<p><strong>1.</strong><strong> <a href="http://unibrennt.at/">unibrennt.at</a></strong></p>
<p>Die <strong>zentrale Protestplattform</strong> f&#252;r die Aktionen in &#214;sterreich b&#252;ndelt die Aktivit&#228;ten und ist eine &#252;bersichtliche Anlaufstelle. Sie funktioniert nicht nur als klassische „Homepage“, sondern bindet auch die diversen Web 2.0-Plattformen ein – auf diese Weise werden die vielen „<a href="http://futurezone.orf.at/stories/1632088/">digitalen Lagerfeuer</a>“ (die – sehr treffende – &#220;berschrift des ORF-Beitrages ist nicht von mir!) integriert.<strong></strong></p>
<p><strong>2. Google-Mashups</strong></p>
<p>Die Karte <a href="http://maps.google.at/maps/ms?ie=UTF8&amp;hl=de&amp;msa=0&amp;msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&amp;source=embed&amp;ll=49.781264,12.348633&amp;spn=11.357555,23.291016">„Unsere Unis“</a> mit den Proteststandorten von Tom Schaffer (<a href="http://twitter.com/schaffertom">@schaffertom</a>) ist zum heimlichen Protestportal geworden. Mit inzwischen mehr als einer Million Zugriffen erzielt diese <strong>weltweite Visualisierung</strong> eine extrem hohe Reichweite. Die Ortsmarken enthalten zudem Verweise auf die lokalen Streikseiten und bieten so Verzweigungsm&#246;glichkeiten in die Protesthochburgen an.<strong><br />
Update</strong>: inzwischen gibt es auch so etwas wie <strong>„Micro-Maps“</strong>, die die Besetzungen von Hochschuleinrichtungen an einzelnen Standorten anzeigen. Hier das Beispiel aus <a href="http://maps.google.de/maps/ms?hl=de&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;msa=0&amp;msid=108995755942264907340.000478c2c2f4753dd077f&amp;z=14">Gie&#223;en</a>.</p>
<p><strong>3. </strong><strong><a href="http://unibrennt.tv/">unibrennt.tv</a></strong></p>
<p>Das auf die <strong>Sammlung und Sortierung von Online-Videos</strong> spezialisierte Portal tr&#228;gt dem Bedeutungszuwachs der audiovisuellen Protestinhalte Rechnung. Die Website bezeichnet sich zwar als „globales Portal“, doch dominieren (bislang) noch die Beitr&#228;ge aus &#214;sterreich. Ein &#228;hnliches Angebot mit dem Fokus auf Deutschland (oder eine bessere, nach L&#228;ndern rubrizierbare Darstellung auf unibrennt.tv) w&#252;rde einen Beitrag dazu leisten, die Flut der lokalen Berichte zu archivieren und recherchierbar zu machen.<strong></strong></p>
<p><strong>4. <a href="http://www.twitter.com/unibrennt">@unibrennt</a></strong></p>
<p>Der <strong>Twitter-Account</strong> des ersten besetzten H&#246;rsaals in Wien ragt mit seinen knapp 2.500 Followern aus der Vielzahl der kaum wahrgenommenen Streik-Twitterer heraus. Noch spannender w&#228;re ja eine koordinierte Namensgebung von Twitter-Accounts aus Hochschulstandort und H&#246;rsaal-Name gewesen (umgesetzt etwa bei @hu_audimax). Das h&#228;tte die Liste der „Dinge, die twittern“ sehr produktiv erweitert und wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit in den alten Medien gefunden als die diversen Lokal-Accounts wie <a href="http://twitter.com/marburgstreikt">@marburgstreikt</a>, <a href="http://twitter.com/giessenstreikt">@giessenstreikt</a>, <a href="http://twitter.com/StreikBielefeld">@streikbielefeld</a>…<strong></strong></p>
<p><strong>5. Twitter-Listen</strong></p>
<p>Die Vielzahl der lokalen Twitter-Accounts (vgl. Punkt 4.) macht die Verfolgung der aktuellen Ereignisse nicht unbedingt leicht – die umfangreiche Liste <a href="http://twitter.com/#/list/Twitgeridoo/das-thema-bildung-brennt">„Das Thema Bildung brennt“</a> von @twitgeridoo zeigt, wie man die vielstimmigen Berichte wieder integrieren kann. Leider hat sie erst 34 Follower.<strong></strong></p>
<p><strong>6. Hashtags</strong></p>
<p>Die Begriffe <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unsereuni">#unsereuni</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unibrennt">#unibrennt</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23bildungsstreik">#bildungsstreik</a> spielen eine gro&#223;e Rolle bei der „digitalen Wiedervereinigung“ der Protestinhalte im Netz. Von &#214;sterreich ausgehend, haben sich #unibrennt und #unsereuni nachhaltig in den deutschen Twitter-Rankings eingenistet. Der etwas harmlosere #bildungsstreik kam etwas sp&#228;ter aus Deutschland dazu. Neben der Funktion der „Erkennungsmarke“ in der Kurzmitteilungsflut k&#246;nnen gut gew&#228;hlte Hashtags aber auch zur Pointierung und Unterst&#252;tzung eines Kampagnenanliegens beitragen – das beste Beispiel in Deutschland ist sicher #zensursula, das gleicherma&#223;en als Erkennungsmerkmal und politische Aussage funktioniert. Hier haben die Proteste noch Potenzial…<strong><br />
PS</strong>: Blickt man in die USA, dann haben die dortigen Hashtags oder auch Twitter-Accounts einen „aggressiveren“ Einschlag, dort findet man neben <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23UCstrike">#UCstrike</a> (f&#252;r den Streik an der University of California in Berkeley) etwa <a href="http://twitter.com/reclaimUC">@reclaimUC</a> („UC zur&#252;ckerobern“) oder <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23occupyca">#occupyca</a> („Kalifornien besetzen“).<strong></strong></p>
<p><strong>7. Live-Blogging</strong> (Mikro oder Makro)</p>
<p>Als die Server des <a href="http://www.dailycal.org/">Daily Californian</a> am 20. November von der gro&#223;en Zahl der Zugriffe &#252;berfordert waren, berichtete die Hochschulzeitung der UC Berkeley per Twitter von der <a href="http://www.dailycal.org/article/107610/live_blog_about_60_protesters_lock_selves_in_wheel">Besetzung der Wheeler Hall</a> auf dem Campus. Diese Form der Ticker-Berichterstattung ist besonders dann hilfreich, wenn kein Livestreaming m&#246;glich ist.<strong></strong></p>
<p><strong>8. Soziale Netzwerke</strong></p>
<p>Vorbildlich gestaltet ist die &#246;sterreichische <strong>Facebook</strong>-Seite <a href="http://www.facebook.com/unsereuni">Audimax Besetzung in der Uni Wien</a>, die einerseits als direkter Protestsammelpunkt fungiert, gleichzeitig aber auch viele Vernetzungsleistungen erbringt und auf andere Online-Inhalte und -Plattformen verweist.<br />
(Frappierend ist auch der Unterschied zum Versuch, eine gleichartige Seite bei <strong>StudiVZ</strong> einzurichten – ein Blick auf die Hyperlink-Adresse zum Edelprofil <a href="http://www.studivz.net/Profile/xgQ7NhrgY8shuA2B5cm56U9b8cW7sAW_iW9m0s790ME">„Bildungsstreik – Proteste jetzt weltweit“</a> spricht B&#228;nde.)<strong></strong></p>
<p><strong>9. Wikis</strong></p>
<p><strong></strong>Auch hier haben die &#214;sterreicher die Nase vorn, ebenfalls unter der Domain unsereuni.at finden sich auf <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page">Verweise auf lokale Wiki-Angebote der bestreikten Hochschulen</a>. Neben aktuellen Terminen, <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Category:AG">Kontaktdaten und Infos zu den AGs</a> und nat&#252;rlich <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Forderungskatalog">Forderungskatalogen</a> finden sich dort auch detaillierte <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Chroniken:_%E2%80%9CWas_bisher_geschah%E2%80%9D">Protestchroniken</a>.</p>
<p>Fortsetzung folgt.</p>
<p><em>Christoph Bieber bloggt bei <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/">Internet und Politik</a>. <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/11/23/bestpractices/">Crossposting</a> mit freundlicher Genehmigung. Ebenfalls von ihm zum Thema: <a href="http://www.freitag.de/alltag/0947-hochschulproteste-bildungsstreik-internet-twitter-google-protestlandkarte">Es ist Bewegung im Netz</a> beim Freitag.</em>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/18777/bildungsstreik-web/">Hier und da: Studentenproteste im Netz</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/18777/bildungsstreik-web/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18777&amp;md5=f911338e2823e9c5ca7efeae845ec2ec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Bildungsstreik 2009: “Finde ich richtig, streike aber nicht.”</title>
		<link>http://carta.info/18272/bildungsstreik-2009-die-letzte-chance-der-muendigen-studenten/</link>
		<comments>http://carta.info/18272/bildungsstreik-2009-die-letzte-chance-der-muendigen-studenten/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 09:22:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Bildungsproteste werden von wenigen Aktiven getragen, obwohl sie mit breiter Zustimmung rechnen k&#246;nnen – eine Folge der vergangenen Reformen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/907b4d717262400caad3381b783248cb" alt="" width="1" height="1" />Das lose Aktionsb&#252;ndnis „Bildungsstreik 2009“ versucht derzeit, wie bereits im Juni, deutschlandweit Studenten auf die Stra&#223;e zu bekommen, um gegen M&#228;ngel im Bildungssystem zu demonstrieren. „Wir machen weiter“ so das Motto. „Trotz gro&#223;er Aufmerksamkeit und kleinen Zugest&#228;ndnissen hat sich nichts ge&#228;ndert – unsere zentralen Forderungen wurden nicht erf&#252;llt“, hei&#223;t es im <a href="http://www.bildungsstreik.net/wir-machen-weiter/">aktuellen Aufruf</a>.</p>
<p>Eine richtige Feststellung. Nur kurz wurde der Studentenprotest von den Mainstream-Medien erw&#228;hnt, dann geriet er in Vergessenheit. Bundestag und einige Landtage debattierten dar&#252;ber, dann legte man das Thema zu den Akten. Opel, Schweinegrippe und vor allem die Bundestagswahl verdr&#228;ngten die Forderungen. Doch um welch Forderungen geht es eigentlich?</p>
<p>Im Kern lassen sie sich in drei Punkten zusammenfassen:</p>
<ol>
<li>Die Abschaffung von Bildungsgeb&#252;hren (Kindergarten bis Universit&#228;t)</li>
<li>Weniger Einfluss der Wirtschaft auf die Lehre</li>
<li>Selbstbestimmtes Lernen, das &#252;ber reines Auswendiglernen hinausgeht.</li>
</ol>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<div id="attachment_18379" class="wp-caption alignright" style="width: 309px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/11/Zwischenablage02.jpg"><img class="size-medium wp-image-18379 " title="Umfrageergebnisse StudiVZ: &quot;Finde ich richtig, streike aber nicht&quot;" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/11/Zwischenablage02-299x300.jpg" alt="Umfrageergebnisse StudiVZ: &quot;Finde ich richtig, streike aber nicht&quot;" width="299" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Umfrageergebnisse StudiVZ: &quot;Finde ich richtig, streike aber nicht.&quot; (Klicken f&#252;r Gro&#223;ansicht)</p></div>
<p>Einer Umfrage im StudiVZ nach (nicht repr&#228;sentativ, Stand 16.11.) unterst&#252;tzt der gr&#246;&#223;te Teil der Studierenden die Forderungen, macht jedoch selbst nicht beim Streik mit. Ein Umstand, der von politischen Kr&#228;ften sowie den Leitmedien wohl bereitwillig aufgegriffen werden wird. „Seht hier, das fordern doch nur wenige, der Rest ist einverstanden!“</p>
<p>Die Wahrheit sieht anders aus. Dass sich verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig wenig Studierende am Protest beteiligen, ist selbst eine Folge der vergangenen Reformen. Beispiel Studiengeb&#252;hren: Diejenigen, die durch Geb&#252;hren vom Studium abgehalten wurden, sind nun nat&#252;rlich keine Studenten – und somit kein Teil von Studentenprotesten. Sie sind darauf angewiesen, dass andere f&#252;r sie demonstrieren.</p>
<p>Ein weiteres Hindernis ist der <a href="http://griess.wordpress.com/2009/06/19/impressionen-zum-bildungssystem-bildungsstreik-reihe-teil-5-%E2%80%9Eder-wettbewerb%E2%80%9C/">Leistungsdruck</a>: Viele Pr&#252;fungen und verst&#228;rktes Aussieben f&#252;hren dazu, dass bei den Studierenden das Gef&#252;hl weit verbreitet ist, keine Zeit f&#252;r Protest zu haben. Es &#252;berwiegt die Angst, pers&#246;nliche Nachteile zu erlangen, aufgrund von Fehlzeiten oder sogar dem politischem Engagement selbst, welches zwar von vielen Dozenten unterst&#252;tzt wird, aber eben nicht von allen. So kommt es, dass viele Studenten zwar die Forderungen guthei&#223;en, sich jedoch an scharfen Protestformen nicht beteiligen, sie teilweise nicht einmal guthei&#223;en.</p>
<p>Sollen M&#228;ngel im Bildungssystem jedoch auf die politische Tagesordnung, m&#252;ssen sich viele Studenten und Unterst&#252;tzer zusammen finden. Der Zeitpunkt w&#228;re g&#252;nstig. In vielen Staaten gibt es derzeit &#228;hnliche Aktionen. In Deutschland kommt hinzu, dass der neuen Regierung viel daran liegen wird, sich in der Gesellschaft zu etablieren. Nicht zuletzt steht am 10. Dezember eine <a href="http://www.kmk.org/home.html">Kultusministerkonferenz</a> an. In diesen Zeitraum brauchen die politischen Studenten zumindest einen Teilerfolg.</p>
<p>Andernfalls werden die aktuellen Proteste, wie schon im Sommer, einfach ausgesessen. Danach wird es schwer sein, noch einmal gen&#252;gend Studenten zu mobilisieren. Die &#196;nderungen am Bildungssystem h&#228;tten dann – beabsichtigt oder nicht – neben einer schwierigen Bildungssituation noch einen anderen Effekt: Sie h&#228;tten die Studenten Deutschlands als kritisch-politische Stimme auf lange Zeit ruhig gestellt. Wenn nicht einmal f&#252;r eigene Interessen genug Leute zu mobilisieren sind, wird es erst recht keine gro&#223;en Demonstrationen von oder mit Studenten bei anderen gesellschaftlichen Themen geben.</p>
<p>Traditionell sind Studenten, gerade in Deutschland, eine Stimme, die sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzt. Dies k&#246;nnte verloren gehen: <em>Credit Points</em> statt gesellschaftlichem Diskurs. „Wenn ich gro&#223; bin, werde ich auch mal Humankapital!“, titelten einige der demonstrierenden Studenten in &#214;sterreich. Scheitern die Proteste, werden die Studenten in Deutschland daf&#252;r gar nicht mehr erst gro&#223; werden m&#252;ssen…
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18272&amp;md5=16bf0e24518d0232bdbfd48696b5ad0c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Studentenproteste in &#214;sterreich: Mit allen Registern des Netzes</title>
		<link>http://carta.info/17167/studentenproteste-in-oesterreich-mit-allen-registern-des-netzes/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 16:10:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[In &#214;sterreich protestieren die Studenten gegen schlechte Studienbedingungen – und bringen die gesamte Klaviatur des Social Web zum Einsatz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4f3b0c1c14c2496d90ed53c217a226fc" width="1" height="1" alt=""/>Diese Proteste haben eine neue Qualit&#228;t. Denn die Studenten in &#214;sterreich, die sich gegen <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,657699,00.html">schlechte Studienbedingungen</a> wenden, ziehen dabei alle Register, die ihnen das <strong>Internet als Medienkanal</strong> bietet. Einer von ihnen ist <a href="http://www.2-blog.net/">Luca Hammer</a>, der u. a. die Livestreams aus dem Audimax mitorganisiert hat. Er hat uns seine Eindr&#252;cke geschildert, die im Folgenden als Zitate in diesen Text einflie&#223;en.</p>
<div id="attachment_17191" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/unibrennt/4050932285/"><img class="size-medium wp-image-17191 " src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/unibrennt-300x199.jpg" alt="unibrennt" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Das Web nicht nur als Spielwiese: Studentenproteste in &#214;sterreich (Foto: #unibrennt, cc-by-nc)</p></div>
<p>Den Auftakt der Proteste bildeten eine Demonstration und die Besetzung des Audimax der Wiener Universit&#228;t am Donnerstag letzter Woche (22.10.09). Bereits an diesem Tag wurden Neuigkeiten &#252;ber<strong> </strong>Twitter verbreitet. Man machte sich den Umstand zunutze, dass sich Informationen per <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter#Hashtag">Hashtag</a> (<a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unibrennt">#unibrennt</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unsereuni">#unsereuni</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23audimax">#audimax</a>) schnell weiterverbreiten lassen, selbst wenn sich deren Benutzer unbekannt sind. <a href="http://twitter.com/LUCA">Luca</a> schreibt &#252;ber den Einfluss und die Einschr&#228;nkungen bei Twitter:</p>
<blockquote><p>&#8220;Mit der steigenden Vernetzung der Studierenden &#252;ber Twitter wurde es st&#228;rker zur Organisation genutzt. So wurde getwittert, wenn noch etwas ben&#246;tigt wurde und innerhalb von k&#252;rzester Zeit wurden diese Dinge zur Verf&#252;gung gestellt. Man muss jedoch dazu sagen, dass noch immer nur ein Teil der Studierenden Twitter nutzt, was vor allem an der Nutzung von Smartphones zusammenh&#228;ngt. Nur wenige haben einen Laptop bei der Besetzung dabei und ohne Smartphone ist Twitter daher nur begrenzt nutzbar. Es gibt jedoch einige, die ihre SMS-Flatrate nutzen, um Updates nach au&#223;en zu schicken.&#8221;</p></blockquote>
<p>Am selben Tag entstanden auch <strong>Fanpages</strong> auf <a href="http://www.facebook.com/unsereuni?ref=nf">Facebo0k</a> und <a href="http://www.studivz.net/dieunibrennt">StudiVZ</a>. Das <strong>Video-Streaming</strong> aus dem Audimax kam ab Freitag hinzu:</p>
<blockquote><p>&#8220;Als ich am Freitag selbst vor Ort war, habe ich, schon beinahe aus Gewohnheit, einige Reden &#252;ber <a href="http://qik.com/">Qik</a> gestreamt. Als ich &#252;ber Twitter bemerkte, wie gro&#223; die Nachfrage daf&#252;r war, aber die Tonqualit&#228;t nicht wirklich zufriedenstellend war, habe ich am Samstag meinen Laptop und eine Kamera mitgenommen, um <a href="http://www.ustream.tv/channel/unsereuni">einen besseren Stream</a> zu bieten. (&#8230;) Der Stream hat sich &#252;ber Twitter in kurzer Zeit stark verbreitet und so waren nach einigen Minuten mehrere hundert Zuschauer online. (&#8230;) Der bisherige Rekord wurde am Dienstag mit fast 3000 parallelen Zuschauern erreicht. In den vier Tagen hatte der Stream &#252;ber 140.000 Views und &#252;ber 2,5 Millionen gesehenen Minuten. F&#252;r mich war es wichtig, dass man nach au&#223;en tr&#228;gt was im Audimax vor sich geht. Dass es eben nicht nur Party ist, was von einigen gro&#223;en Medienstationen behauptet wurde.&#8221;</p></blockquote>
<p>F&#252;r die eher intern orientierte Kommunikation wurde eine <a href="http://wiki.unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page"><strong>Wiki</strong></a> eingerichtet, mehr f&#252;r die Au&#223;endarstellung gedacht ist die Website <a href="http://unibrennt.at/"><strong>unibrennt.at</strong></a>. Dazu wieder Luca:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der Beweggrund [f&#252;r die Website] war der gleiche, wie beim Livestream. Ich habe gesehen, dass wahnsinnig viel passiert, es aber nur schlecht nach au&#223;en kommuniziert wird. Mit der Website wurde eine Plattform geschaffen, &#252;ber die man unabh&#228;ngig von Medienunternehmen mit Interessierten in Kontakt treten kann.&#8221;</p></blockquote>
<p>Somit entstand innerhalb nur weniger Tage eine sehr <strong>professionelle Medien- und Kommunikationsstruktur</strong>, die sicherlich deutlich dazu beigetragen hat, die Proteste auch an andere &#246;sterreichische Hochschulstandorte zu tragen. Vernetzung wirkt.</p>
<p>Die Studenten bestimmen damit auch wesentlich mit, welches Bild von ihnen in der <strong>&#214;ffentlichkeit</strong> entsteht. Insbesondere mit den Livestreams l&#228;sst sich der Vorwurf entkr&#228;ften, hier werde nur Party gemacht. Zugleich m&#252;ssen die klassischen Medien zusehen, dass sie nicht zu reinen Statisten degradiert werden, weil das interessantere und authentischere Programm von den Studenten selbst gemacht wird.</p>
<p>Und schlie&#223;lich d&#252;rften viele Studenten dort erstmals praktisch erleben, wie verschiedene Tools aus dem Baukasten des Social Web eingesetzt werden k&#246;nnen und wie diese wirken. Das &#8220;<a href="http://digiom.wordpress.com/2009/10/25/vom-flashmob-zu-unibrennt-kollektive-organisation-in-realtime/">Real Time Web</a>&#8221; ist hier nicht einfach nur Spielwiese f&#252;r die Freizeit und das &#8220;Abh&#228;ngen mit Freunden&#8221;, sondern eine <strong>m&#228;chtige Waffe im Kampf </strong> um bessere Bedingungen an den Hochschulen.</p>
<p>Eines freilich kann ihnen das Internet nicht abnehmen: Ein Programm zu formulieren und mit der Politik zu verhandeln.
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<a href="http://carta.info/17167/studentenproteste-in-oesterreich-mit-allen-registern-des-netzes/">Studentenproteste in &#214;sterreich: Mit allen Registern des Netzes</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/17167/studentenproteste-in-oesterreich-mit-allen-registern-des-netzes/#comments">12 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17167&amp;md5=c22fa53ad3747ae48dfec16a6c2173df" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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