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	<title>CARTA &#187; TV-Duell</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>TV-Duell-Analyse: Twitter als Werkzeug f&#252;r real-time-response-Messung?</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 15:38:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Mamitzsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>

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		<description><![CDATA["Ein neues Kommentariat?" - Christoph Bieber analysiert die Tweets &#252;ber die Fernsehdebatte zur Landtagswahl in NRW.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/04/27/ein-neues-kommentariat/"><strong>Christoph Bieber</strong></a> berichtet auf &#8220;Internet &amp; Politik&#8221; &#252;ber die Datenanalyse der Tweets zur TV-Debatte zwischen J&#252;rgen R&#252;ttgers und Hannelore Kraft, bei der Twitter eine wichtige M&#246;glichkeit der Echtzeit-Kommentierung war:</p>
<blockquote><p>&#8230; ein Studiopublikum, das f&#252;r ein etwas lebendigeres Ambiente gesorgt  h&#228;tte, war jedenfalls nicht zugelassen – spontane Kommentare blieben den  Onlinern bei Facebook und Twitter vorbehalten.</p></blockquote>
<p>Ein beobachtenswertes Projekt, das die Methoden der empirischen Wahlforschung sinnvoll f&#252;r soziale Netzwerke erweitert und v.a. mit einer noch gr&#246;&#223;eren Datenbasis &#8211; wie sie gerade in <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/04/16/uk-erste-twitteranalysen/">Gro&#223;britannien</a> mit &#252;ber 140.000 Tweets (im Vergleich zu nur 1.886 Tweets in NRW) entsteht &#8211; interessante Auswertungen liefern kann.</p>
<blockquote><p>Spannend ist hier auch die Frage nach den Effekten der  Twitter-Kommunikation politischer Akteure, denn die in  Nordrhein-Westfalen aktiven Kampagnen-Teams waren ebenfalls am Start und  haben Twitter als Werkzeug f&#252;r <em>rapid response</em>-Kommunikation  genutzt.</p>
<p>Noch steht diese Form einer internet-basierten <em>real-time-response</em>-Messung  f&#252;r TV-&#220;bertragungen ganz am Anfang. Es wird sich zeigen, ob durch Wiederholung und Verfeinerung aus dem noch  recht groben Analyseverfahren tats&#228;chlich ein wirksames Instrument zur  Untersuchung von Multimedienereignissen entwickelt werden kann.</p></blockquote>
<p>Mehr zum Thema bei <em>Carta</em>:</p>
<ul>
<li>Andreas Grie&#223;: <a rel="bookmark" href="../../26396/blogschau-zum-tv-duell-ruettgers-vs-kraft/">Blogschau zum TV-Duell R&#252;ttgers vs. Kraft</a></li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26518&amp;md5=4bd251885aea75e8ddf5f92e7395d844" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Blogschau zum TV-Duell R&#252;ttgers vs. Kraft</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 14:56:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach dem gestrigen TV-Duell zwischen J&#252;rgen R&#252;ttgers und Hannelore Kraft erkl&#228;rten sich beide Seiten zum Sieger. Aber auch die Blogosph&#228;re gibt widerspr&#252;chliche Antworten auf die Frage nach dem Gewinner und kritisiert das ganze "Duell" als ereignisarm.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2100ee5b45424125bb6358bd1e95f115" alt="" width="1" height="1" />Hauptanlaufpunkt landespolitisch interessierter Blogger war gestern sicherlich das <strong>Pottblog</strong>. Dort gab es <a href="http://www.pottblog.de/2010/04/24/live-blog-tv-duell-hannelore-kraft-spd-vs-juergen-ruettgers-cdu-zur-nrw-landtagswahl-ltw10-nrw/">ein Liveblog</a>, in dem Pottblog-Macher und SPD-Mitglied Jens Matheuszik gemeinsam mit David J. Ludwigs von der NRW-CDU als Co-Moderator das Geschehen kommentierten. Auch einige G&#228;ste mischten sich ein. Die beiden Moderatoren kommentierten nat&#252;rlich im wahrsten Sinne des Wortes „parteiisch“, die gr&#246;&#223;ere Zahl der G&#228;ste bevorzugte Hannelore Krafts Positionen. Eine wenige Minuten lang laufende Umfrage am Ende best&#228;tigte diesen Eindruck. <a href="http://www.pottblog.de/2010/04/26/tv-duell-nrw-80-fuer-hannelore-kraft-13-fuer-juergen-ruettgers/">Auf Pottblog wird das Ergebnis wie folgt kommentiert</a>:</p>
<blockquote><p>80 % der (bis zu 140 Teilnehmer am Live-Blog) glaubten, dass Hannelore Kraft das TV-Duell gewonnen hat, 13 % sprachen sich f&#252;r J&#252;rgen R&#252;ttgers aus und der Rest war unentschieden. Nat&#252;rlich v&#246;llig unrepr&#228;sentativ – aber es lesen hier nicht nur SPD-Sympathisanten mit…</p></blockquote>
<p>Zu einem komplett anderen Ergebnis kommt der unter dem Pseudonym „Thomas Brackheim“ schreibende Autor im <strong>Wir-in-NRW-Blog</strong>. Stach das Blog bisher meist durch sehr CDU-kritische Kommentierung und Berichterstattung hervor, <a href="http://www.wir-in-nrw-blog.de/2010/04/bei-rot-rot-grun-setzt-jurgen-ruttgers-seiner-herausforderin-den-finalen-treffer/">hei&#223;t es diesmal unter anderem</a>:</p>
<blockquote><p>Die Routine des Amtsinhabers, die gute Schulung vor diesem Termin, sein Reichtum an Fakten und Argumenten, bugsieren den 58-J&#228;hrigen CDU-Chef schon zur Halbzeit der Fragerunde auf die Siegerstra&#223;e.</p></blockquote>
<p>Der Autor kritisiert, dass Kraft Fehler in der SPD-Regierungszeit eingesteht und bewertet die Herausforderin als deutlich schlechter vorbereitet als den Amtsinhaber. Der gr&#246;&#223;te Kritikpunkt jedoch ist f&#252;r den Kommentator die unklare Haltung Krafts zum Umgang mit der Linken. Hier habe R&#252;ttgers Kraft so empfindlich getroffen, dass sie aufgegeben habe.</p>
<p>Um das Thema Linke geht es auch im <a href="http://think-strange.de/blog/weltsicht/2010/04/27/kritische-notizen-zum-tvduell-im-wdr-zwischen-ruttgers-und-kraft/">Kommentar</a> auf <strong>thing-strange.de</strong>. Der der Linken nahestehende Roger Zenner sieht den Fehler Krafts nicht in einer mangelnden Abgrenzung zur Linken, sondern in der „<em>klaren Absage</em>“ gegen&#252;ber der Linken. Zudem beklagt Zenner, dass R&#252;ttgers die Linke als „undemokratische Extremisten“ bezeichnet habe und stellt seinerseits die Frage, ob die etablierten Parteien angesichts mehrerer vom Verfassungsgericht zur&#252;ckgewiesener Gesetze denn „demokratisch“ genug seien, solche Vorw&#252;rfe zu erheben.</p>
<p>Welche Worte die beiden Kontrahenten verwendet haben, zeigen die <strong>Gr&#252;nen NRW</strong> <a href="http://blog.gruene-nrw.de/2010/04/27/duell-wolken/">in ihrem Blog per &#8220;Wortwolke&#8221;</a>. Zuvor haben sie bereits ein <a href="http://tvduell.gruene-nrw.de/duell">Transkript des Duells</a>, angereichert mit eigenen Statements, ver&#246;ffentlicht.</p>
<p>Der Liveblog von <strong>hingesehen.net</strong> <a href="http://www.hingesehen.net/live-blog-zum-tv-duell-zwischen-ruttgers-und-kraft/">bilanziert das TV-Duell</a> als „<em>ereignisarm</em>“. &#196;hnlich sieht es auch Stefan Laurin von den <strong>Ruhrbaronen</strong>. Mit „<em>Langweilig war es, das &#8216;Duell&#8217; zwischen J&#252;rgen R&#252;ttgers (CDU) und Hannelore Kraft (SPD) im WDR.</em>“, beginnt er seinen Kommentar „<a href="http://www.ruhrbarone.de/kraft-vs-ruttegrs-duell-der-druckeberger/">Kraft vs. R&#252;ttgers: Duell der Dr&#252;ckeberger</a>“. Darin kritisiert auch er die Unklarheit, die Kraft im Bezug auf die Linke hinterlie&#223;. In den Punkten Kohlesubventionen und Bildungspolitik sieht Laurin Vorteile beim Amtsinhaber. Insgesamt h&#228;tten aber beide in entscheidenden Fragen keine Antworten gegeben, allen voran bei der Frage „Wo wird gespart?“. Laurin beschreibt auch R&#252;ttgers Versuch, als soziales Gewissen der CDU zu erscheinen:</p>
<blockquote><p>Beide gaben den engagierten Sozialpolitiker. Kraft ist mit den Mindestl&#246;hnen eher auf der H&#246;he der Zeit – R&#252;ttgers beim Zuverdienst. Man konnte zwei sozialdemokratische Politiker verschiedener Fl&#252;gel  beobachten.</p></blockquote>
<p>Dies ist ein Punkt, den auch ich in <a href="http://griess.wordpress.com/2010/04/27/nach-den-tv-duell-ruttgers-kraft-ja-wer-hat-denn-nun-gewonnen/">meinem Kommentar</a> aufgegriffen habe. Kraft vers&#228;umt mehrere Gelegenheiten, ihren Kontrahenten zu attackieren. Denn der lieferte ihr einige Chancen dazu, etwa bei der Rente mit 67 oder der Art der Wahlkampff&#252;hrung. So endete das Duell jedoch in meinen Augen unentschieden.</p>
<p>Wenig &#252;berraschend sind sich die Kommentatoren einmal mehr nicht einig, wer ein TV-Duell gewonnen hat. Die Parteien und deren Anh&#228;nger k&#228;mpfen um die Deutungshoheit. Ein Kampf, der aktuell in den Kommentaren zu einigen der genannten Artikel munter weiter geht. Vermutlich noch bis Mittwoch, denn dann Treffen R&#252;ttgers und Kraft erneut aufeinander, diesmal im Beisein der Spitzenkandidaten von FDP, Gr&#252;nen und Linke.
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<a href="http://carta.info/26396/blogschau-zum-tv-duell-ruettgers-vs-kraft/">Blogschau zum TV-Duell R&#252;ttgers vs. Kraft</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/26396/blogschau-zum-tv-duell-ruettgers-vs-kraft/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26396&amp;md5=97bfe9d62728ed71b6a98b356a93a7dc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gro&#223;britannien: TV-Debatte mit Brown, Cameron, Clegg und 76 Regeln</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 15:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die "Sp&#228;tentwickler" von der britischen Insel proben das TV-Duell. In nicht weniger als 76 Punkten sind die Regeln f&#252;r die Sendung festgehalten, nicht einmal Zuschauerreaktionen d&#252;rfen eingeblendet werden. Die Debatte kann man im ITV-Stream &#252;ber das Netz verfolgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4df38c904b00430aa3a53aa41ddd5d85" alt="" width="1" height="1" />Es klingt &#252;berraschend, aber die am Donnerstag beginnende Serie von drei TV-Debatten im diskussionsfreudigen Gro&#223;britannien ist tats&#228;chlich eine Premiere – <strong>bislang gab es keine prominenten Rededuelle zwischen den Spitzenkandidaten der Parteien</strong>. Die B&#252;rgersprechstunden mit Gordon Brown (Labour Party), David Cameron (Conservative Party) und Nick Clegg (Liberal Democrats) sind die prominenteste Neuheit im britischen <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,689099,00.html">Medienwahlkampf</a>.</p>
<p>Im Parlament geh&#246;rt der wortreiche Streit dagegen zum Standard, beg&#252;nstigt durch die aus dem brititschen Mehrheitswahlrecht folgende Dominanz der beiden gro&#223;en Parteien oder auch durch die auf Konfrontation angelegte Sitzordnung im Unterhaus. Mehrere Versuche, &#246;ffentlichkeitswirksame TV-Debatten in den Wahlkampf zu integrieren, waren zuvor gescheitert: So wollte der Labour-Politiker Harold Wilson als Herausforderer 1964 offenbar dem US-Vorbild John F. Kennedy nacheifern. Dessen Wahlerfolg &#252;ber Richard Nixon 1960 wird stets auch mit der besseren Performance in den „Great Debates“ in Verbindung gebracht. 1987 hatte sich Margaret Thatcher einer Debatte mit ihrem Herausforderer Neil Kinnock verweigert – die „Eiserne Lady“ hatte sich auf die W&#252;rde des Amtes und den Charakter der Parlamentswahlen berufen. Damit ist Gro&#223;britannien sogar im Vergleich mit Deutschland ein „Sp&#228;tentwickler“ in Sachen TV-Debatte – das Format hat l&#228;ngst seinen Siegeszug angetreten und wurde allein 2009 an vermeintlich exotischen Orten wie etwa Iran, Afghanistan oder der Mongolei umgesetzt.</p>
<p>Premierminister Brown schm&#252;ckt sich zwar mit der Tatsache, dass er als erster Bewohner von Downing Street No. 10 an einer solchen Debatte teilnimmt, doch k&#246;nnte man ihm dies auch <strong>als Schw&#228;che auslegen</strong>. Amtsinhaber stimmen meist dann den Anfragen ihrer Herausforderer zu, wenn sie sich einen Bonus f&#252;r die eigene Kampagne versprechen. Solche Offenheit kann auch zum Verh&#228;ngnis werden. Das passende Beispiel aus den USA lieferte Gerald Ford, der die bis 1976 pausierenden Pr&#228;sidentschaftsdebatten wiederbelebte. Ohne Not bot er seinem Kontrahenten Jimmy Carter eine gro&#223;e B&#252;hne, produzierte selbst einen spektakul&#228;ren Patzer („there is no Soviet domination of Eastern Europe“) – und verlor.</p>
<p>Zur eigenen Absicherung spielt Brown nun das <em>expectation game</em> – er gilt nicht als glanzvoller Rhetor, bereitet sich aber dem Vernehmen nach seit Wochen intensiv auf die Debattenserie vor. Ziel der &#220;bung ist die &#220;berraschung der Zuschauer mit einer gelungenen Performance und damit der Beweis, dass der Premierminister auch in dieser Disziplin &#252;berzeugen kann. In den USA haben zuletzt John McCain und vor allem Sarah Palin dieses Register gezogen – im Vorfeld hatten sie offensiv mit ihrer Debattierschw&#228;che kokettiert, um letztlich ganz passable Vorstellungen am Rednerpult abzuliefern.</p>
<p>David Cameron, dessen Image zuletzt im Verbund mit sinkenden Umfragewerten seiner Conservatives einige Kratzer abbekommen hatte, steht dagegen unter gro&#223;em Druck. Er muss aus der Debatte als Sieger hervor gehen, sonst verschiebt sich das <em>momentum</em> der Kampagne noch weiter in Richtung von <em>Labour</em>. Vor allem f&#252;r die weitere Kampagnenplanung ist ein sicherer, fehlerfreier Auftritt notwendig, einen Patzer oder ein allzu defensives Verhalten kann er sich nicht erlauben. Hier allerdings kommt Cameron der <em>protected mode</em> der Debatten zugute – in einer Dreier-Konstellation, die zudem durch einen Moderator und f&#252;r alle Teilnehmer gleichlautende B&#252;rgerfragen abgefedert ist, d&#252;rfte es nicht zur direkten Konfrontation mit den politischen Gegnern kommen.</p>
<p>Als gef&#252;hlter Sieger gilt im Vorfeld allerdings der Liberaldemokrat Nick Clegg, der als Vertreter der dritten Kraft im britischen Zweiparteiensystem seinen ersten Erfolg bereits in der Tasche hat. Denn anders als in Deutschland hat die Debatten-Organisation aktuelle Umfragewerte ber&#252;cksichtigt – etwa 20 % der Briten wollen f&#252;r die Liberaldemokraten stimmen, 31 % f&#252;r die noch regierende Labour-Partei und 37 % f&#252;r die Konservativen. Durch die Teilnahme an den prominenten Gespr&#228;chsrunden begegnet Clegg seinen Konkurrenten Brown und Cameron auf Augenh&#246;he – in punkto Sichtbarkeit ein gro&#223;er Gewinn f&#252;r seine Partei, die mit einer <strong>Perspektive als Koalitionspartner in einem <em>hung parliament</em></strong> lieb&#228;ugelt.</p>
<p>Nimmt man die Gestaltung der <em>Prime Minister</em> Debates etwas genauer in den Blick, dann hat es den Anschein, als wolle man sich im Vereinigten K&#246;nigreich gleich an die Spitze der weltweiten Debattenkultur setzen. Die 76 Unterpunkte der <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/election_2010/8587362.stm">&#220;bereinkunft zur Regelung des Sendeformates</a> d&#252;rften jedenfalls eine Rekordmarke sein – Debattenteilnehmer und TV-Sender haben die Produktionsbedingungen minuti&#246;s geregelt, &#252;ber die Redezeitverteilung (Nr. 46-48), die Gestaltung des B&#252;hnenbildes (Nr. 66-68) bis hin zum <strong>Verbot der Einblendung von Zuschauerreaktionen</strong> (Nr. 71). Die drei Debatten sind nach dem Muster der US-amerikanischen „Townhall-Meetings“ organisiert, das Meinungsforschungsinstitut ICM wurde f&#252;r die Auswahl der repr&#228;sentativen Zuschauer-Panels engagiert. Produziert werden die jeweils 90 Minuten langen Sendungen in unterschiedlichen Landesteilen: so &#252;bertr&#228;gt der Privatsender ITV aus dem Nordwesten, darauf folgt eine Produktion von Sky aus S&#252;dengland, f&#252;r die &#246;ffentlich-rechtliche BBC sind die Midlands vorgesehen.</p>
<p>Die Erwartung einer schlechten Wahlbeteiligung, die noch deutlich unter den 61% von 2005 liegen d&#252;rfte, hat einen wesentlichen Beitrag f&#252;r das Zustandekommen der TV-Debatten geleistet. Sowohl die veranstaltenden Fernsehsender wie auch die teilnehmenden Politiker lassen keine Gelegenheit aus, um die hohe Reichweite und den politischen Bildungscharakter dieser auf drei Folgen begrenzten Miniserie hervorzuheben. Auch in Zeiten von Politikverdrossenheit und Wahlm&#252;digkeit sind Debatten zwischen Spitzenpolitikern verl&#228;ssliche Quotenbringer – selbst wenn das deutsche Kanzlerduell 2009 einen massiven Zuschauereinbruch zu verzeichnen hatte, so war es mit gut 14 Millionen Zuschauern mit Abstand das wichtiges TV-Format im Bundestagswahlkampf. &#196;hnlich prominent d&#252;rften sich die drei <em>Prime Minister Debates</em> platzieren – allein der Premierencharakter wird dabei auch viele politikabstinente B&#252;rger vor den Fernseher locken.</p>
<p><em>Die Debatte wird ab 21.30 Uhr mitteleurop&#228;ischer Zeit (8.30pm Ortszeit) vom Sender ITV &#252;bertragen. Die Debatte kann &#252;ber einen <strong>Stream auf </strong><a href="http://www.itv.com/electiondebate/"><strong>ITV.com</strong></a> verfolgt werden.</em>
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		<title>Hoffentlich das letzte Duell dieser Art</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 15:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lutz Hachmeister</dc:creator>
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		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=15416</guid>
		<description><![CDATA[Bilanz der Kommission zum Kanzlerduell: Die TV-Disskussion zwischen Merkel und Steinmeier litt nicht nur unter "absurd profilierungsw&#252;tigen Moderatoren". Das Elend des Streitgespr&#228;chs war auch das Ergebnis einer "auf aseptische Waffengleichheit" bedachten Planung. Sie sollte daher zuk&#252;nftig bei einer unabh&#228;ngigen Instanz liegen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f47136053b384a42bbf7627485a9f9e8" alt="" width="1" height="1" />Bei den TV-Duellen der Jahre 2002 und 2005 ist von manchen professionellen Kommentatoren noch bezweifelt worden, dass sie im Wahlkampf erhebliche politische Wirkungen zeitigen. 2009, bei der erneut von vier deutschen Fernsehsendern &#252;bertragenen Debatte zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier, ist die eminente Wirkung eines solchen Fernseh-Ereignisses dagegen bereits im Vorfeld akzeptiert worden. Besonders im ansonsten diffusen Wahlkampf der SPD, die in den Umfragen weit hinter der CDU/CSU zur&#252;cklag, wurde dem TV-Duell eine herausragende Bedeutung zugemessen . Hier wirkten die f&#252;r die SPD positiven Erfahrungen des Jahres 2005 nach, als der damalige Kanzler Gerhard Schr&#246;der dieses Fernseh-Ereignis als strategisches Momentum in seinem Aufholwahlkampf nutzte.</p>
<p>Das politische-publizistische Gewicht des Formats „TV-Duell“ beruht auf seiner hohen Zentralit&#228;t und Reichweite, der damit angenommenen Wirkung (analog zum Thomas-Theorem, mit dem Situationen als real definiert werden, wenn sie nur gen&#252;gend Leute als real betrachtet haben) und der sich stetig steigernden publizistischen Begleitmusik. Zum einen hat sich 2002 die Zahl der vorausschauenden und nachbetrachtenden Sendungen zum TV-Duell im Fernsehen selbst multipliziert. Zum anderen kann man es als Zeichen einer paradoxen Mediensystem-Logik werten, wenn gerade Zeitungen, die sich im Vorfeld &#252;ber das politische Pseudo-Ereignis TV-Duell erregen, vor lauter Duell-Kommentaren, Analysen und Reportagen aus Berlin-Adlershof  &#252;berquellen. 2009 war der Wahlkampf vor dem Duell, zumindest von der professionellen Publizistik, als spannungsarm und profillos erlebt worden – als eine Art simulierter Wahlkampf, in dem zwar mit dem bekannten Medienmix operiert wurde (Plakate, Prominenzkommunikation, Fernsehtalk, mehr oder weniger halbherzig mit den M&#246;glichkeiten der Netzwelt), aber besonders von den „Volksparteien“ konkrete politische Festlegungen vermieden wurden. Eine schwarz-gelbe Koalition schien wahrscheinlich, eine Fortsetzung der gro&#223;en Koalition m&#246;glich. Von einem Aufeinandertreffen zwischen Kanzlerin Merkel und ihrem loyalen Vizekanzler Steinmeier war, in einer bald &#252;berstrapazierten Metapher, eher ein „Duett als ein Duell“ erwartet worden. Der Politikberater Michael Spreng sprach von einem absehbaren „Duell der h&#228;ngenden Mundwinkel“.</p>
<p>Doch abgesehen von seinem m&#246;glichen Gehalt an Streit oder Krawall bietet ein Fernsehduell f&#252;r die vielen wankelm&#252;tigen und unentschlossenen W&#228;hler Einblicke in Images und Argumentationsweisen, Fitness und Pers&#246;nlichkeitsmuster der jeweiligen Kandidaten. In der zentralen Form des TV-Duells kumulieren Einzelbeobachtungen der Gestik, Mimik und Argumentation zu b&#252;ndigen Urteilen, die in der Folgekommunikation bis zum Wahltag noch verst&#228;rkt werden k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Das „Duell“ 2009 dokumentierte, dass es keineswegs Beitr&#228;ge zu einem Streitgespr&#228;ch sind, die dieses Format provoziert. Es werden vielmehr zumeist Texte aufgesagt. Texte, die bekannt sind, die gewisserma&#223;en erwartet werden d&#252;rfen</strong>. Ihre Zeitform ist das Futur II: „Sie werden gesagt haben.“ Bei diesem Aufeinandertreffen waren es beispielsweise Texte &#252;ber soziale Gerechtigkeit, die zwar herrscht (Merkel), aber nicht genug (Steinmeier), Managergeh&#228;lter, die unanst&#228;ndig sind (Steinmeier und Merkel), die Notwendigkeit milit&#228;rischer Pr&#228;senz in Afghanistan (Merkel und Steinmeier) oder die Gesundheitsf&#252;rsorge, die f&#252;r jeden B&#252;rger gleicherma&#223;en da sein soll (beide). <strong>Das Ergebnis war das Paradox eines Gespr&#228;chs, das gar keines ist, sondern ein fast wechselwirkungsfreier Austausch von Vorfabrikaten.</strong> Hier liegt der Einwand nahe, dass es von Politikern im Allgemeinen ja auch nicht verlangt werden kann, mutwillig &#220;berraschendes zu sagen. Im Besonderen war gerade von Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier nicht zu erwarten, dass sie Dissens mitteilen, auch wenn sie keinen haben, nur weil Kameras laufen und jemand behauptet hat, sie konkurrierten um das Kanzleramt. Der Eindruck der Verl&#228;sslichkeit, den beide machten, n&#228;hrte sich auch daraus, dass sie daf&#252;r nicht zu haben waren.</p>
<p>Es zeigte sich: Politische Diskussionen im Fernsehen haben etwas Widerspr&#252;chliches. Was gesagt wird, soll einerseits so klingen, als komme es aus der Situation, als erfolgten Antworten auf Fragen, die soeben gestellt wurden. Warum sonst auch sollte man die Politiker im Gespr&#228;ch zeigen und nicht einfach nur ihre Reden und Entschl&#252;sse abdrucken? Ginge es nicht um Interaktion unter Anwesenden, w&#252;rde es, was Kontroversen zwischen Kanzlerkandidaten angeht, auch ein &#246;ffentlicher Briefwechsel tun. Dass er es nicht tut, ist der Sinn von „Duell“: Die kommunikative Gattung, in diesem Fall der leibhaftige Auftritt, ist selbst die Botschaft.</p>
<p>Der SPD-Herausforderer wurde unmittelbar nach dem Duell von einer breiten Mehrheit der mehr oder weniger unabh&#228;ngigen Experten und Beobachter als gradueller Sieger bestimmt . Er wirkte tats&#228;chlich stilsicherer, freundlicher, besser vorbereitet und auch schlagfertiger als die Kanzlerin. Das war so nicht vorhergesehen worden. <strong>Frank-Walter Steinmeier, der in den Wochen zuvor fast als Z&#228;hlkandidat gesehen wurde, hat in dem Duell die Chance, die er nicht hat, gut genutzt. </strong>Weil f&#252;r ihn weniger auf dem Spiel stand, konnte er entspannter und lockerer auftreten und mehr Spuren von Witz hinterlassen als die Kanzlerin Steinmeier wurde nicht mehr vornehmlich als solider, h&#246;herer Verwaltungsbeamter oder Schr&#246;der-Speakalike wahrgenommen. Allerdings h&#228;tte er an diesem Abend, ohne &#252;berm&#228;&#223;ig aggressiv wirken zu m&#252;ssen, gegen eine eher missgelaunte und mitunter fahrig wirkende Kanzlerin noch erheblich st&#228;rker zulegen k&#246;nnen. W&#228;hrend Angela Merkel, wie oft in ernsten Situationen, ihre Schw&#228;chen voll ausfuhr (ein Anflug von Verbissenheit, Vagheit, wenig L&#228;cheln etc.), erwies sich Frank-Walter Steinmeier f&#252;r die Zuschauer als kleine Entdeckung: Sieh da, der man kann in gewissen Grenzen schlagfertig sein, kann mit h&#252;bschen Metaphern und Beispielen aufwarten. Von Vorteil war f&#252;r ihn nat&#252;rlich, dass man Angela Merkel, die in den Medien Dauerpr&#228;sente, in ihrer ganzen Mimik, Motorik und Rhetorik fast vollst&#228;ndig kennt (oder zu kennen meint) – w&#228;hrend Steinmeier bisher nur in der besorgten Eulenrolle des Au&#223;enministers bekannt war und nun pl&#246;tzlich sichtbar wurde, dass er (wie wohl auch Deutschland) noch mehr kann.</p>
<p><strong>Letztlich &#252;berwog bei Steinmeier doch die Absicht, das in der Gro&#223;en Koalition gemeinsam Erreichte st&#228;rker zu betonen als das grunds&#228;tzlich Trennende.</strong> „Steinmeier gewinnt 0:0“, so lautete eine signifikante Einsch&#228;tzung auf tagesschau.de. Das Gros der professionellen Kommentatoren ging also von einem Remis mit leichten Vorteilen f&#252;r Steinmeier aus, w&#228;hrend dieser gef&#252;hlte Steinmeier-Vorsprung in den folgenden Tagen durch Umfragwerte  und Folgekommunikation zu einem deutlicheren faktischen Sieg m&#252;ndete. Es zeigte sich hier, dass sich die Kommunikation der TV-Duelle in drei Schritten vollzieht: erstens im Aufbau und in der Hinf&#252;hrung von Themen und Images vor dem TV-Duell selbst (im kommunikationswissenschaftlichen Fachjargon: agenda building, erstes Framing), zweitens in der Performance und Argumentation beim Duell, drittens in der Folgekommunikation – also in der ber&#252;hmten „Deutungshoheit“ &#252;ber Ablauf, Sieger und Verlierer der Polit-Show. Dieses  Dreistufen-Prinzip haben die Politiker und ihre Berater inzwischen gelernt, so dass sich die Kommunikation der politischen Klasse im engeren Sinn im Umfeld des TV-Duells weiter professionalisiert und ritualisiert hat. Fraglich bleibt allerdings, ob das campaigning des Steinmeier-Lagers vor und nach Duell die n&#246;tige Dynamik hatte, um den Duell-Auftritt des SPD-Kandidaten zu verst&#228;rken. Verst&#228;ndlicherweise deklarierte der SPD-Vorsitzende Franz M&#252;ntefering bereits kurz nach dem Duell Steinmeier als eindeutigen Gewinner. Er legte dann immer wieder nach: „Frank Walter Steinmeiers Kanzlerformat ist am vorigen Sonntag sehr vielen Menschen klar geworden. Sie hatten prominent die M&#246;glichkeit, ihn kennen zu lernen – gerade in Abgrenzung zu Frau Merkel. Jeder Zuschauer konnte sehen: der Mann ist stark“ . Steinmeier selbst stimmte, den Genossen Trend betonend, ein: „Wir haben uns rangek&#228;mpft. Viele B&#252;rger sind noch nicht entschieden. (…) Das TV-Duell hat einen riesigen Schub bewirkt. Die aufkommende Brise ist tats&#228;chlich der R&#252;ckenwind f&#252;r die SPD“ . Zwar feierten auch CDU-Kader ihre Kandidaten, doch das wurde in der Presse von Mi&#223;t&#246;nen &#252;berlagert. In der CSU sei nach dem Duell „die Stimmung ziemlich mies“  gewesen, berichtete der Spiegel, „die Kanzlerin sei viel zu defensiv gewesen, schimpfte der bayerische Umweltminister Markus S&#246;der: ‚Dieses Duell kennt nur einen Gewinner, und der hei&#223;t Guido Westerwelle.’“  Tats&#228;chlich bleibt noch zu erforschen, ob das TV-Duell, das strukturell eher den beiden gro&#223;en Volksparteien und deren Spitzenkandidaten n&#252;tzt, in diesem besonderen Fall mittelfristig eher den Widerwillen gegen eine Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition verst&#228;rkt hat.</p>
<p>Die Form des TV-Duells ist von den Oppositionsparteien heftig kritisiert worden, die gr&#252;ne Spitzenpolitikerin Claudia Roth sprach in einer h&#252;bschen Metapher von einer „politischen Luftgitarren-Meisterschaft“ . FDP-Chef Westerwelle und der gr&#252;ne Spitzenkandidat J&#252;rgen Trittin forderten die Fernsehsender auf, die Veranstaltung abzusetzen. Diese Kritik wurde noch dadurch verst&#228;rkt, dass sich zun&#228;chst die Kanzlerin und dann auch Steinmeier weigerten, in einer weiteren Sendung gemeinsam mit den f&#252;hrenden Politikern der Oppositionsparteien zu diskutieren. In die Kritik stimmten dann auch Journalisten ein: die erfolgreiche „Konfrontationsvermeidungstaktik von Merkel und Steinmeier“ sei „emp&#246;rend“, und die „Hilf- und R&#252;ckgratlosigkeit der Sender nicht weniger ersch&#252;tternd“ . Insgesamt traten die Probleme eines Formats mit vier Moderatoren und zwei „Duellanten“, die vorher gemeinsam Politik gemacht hatten, deutlich zutage: Die Moderatoren versuchten, sich gegeneinander zu profilieren und einen Wettbewerb an Pseudo-Witzen und flapsigen Einw&#252;rfen zu f&#252;hren, lie&#223;en dabei aber ganze Themenfelder der aktuellen Politik fast vollst&#228;ndig oder ganz aus, etwa Technologie- und Forschungspolitik, Bildung, Klimawandel; evidente Fragen nach dem Sinn deutscher Kriegseins&#228;tze (vor allem in Afghanistan) wurden kaum gestellt. Steinmeier wurde ganz in Ruhe gelassen – schlie&#223;lich h&#228;tte er als einer der Chefstrategen in Zeiten der Schr&#246;der-Kabinette gen&#252;gend Zeit gehabt, auf eine Regulierung des transnationalen Finanzkapitalismus zu dr&#228;ngen oder f&#252;r eine andere Wirtschaftspolitik einzutreten. Die Moderatoren der Veranstaltung kamen nicht aus dem klassischen politischen Journalismus, sondern waren von den Sendern jeweils als bekannte „Fernsehgesichter“ oder aus strategischen Gr&#252;nden delegiert worden. Andererseits ist bei der au&#223;erordentlich harschen Beurteilung der journalistischen Leistungen von Maybrit Illner, Peter Kloeppel, Peter Limbourg und Frank Plasberg auch zu ber&#252;cksichtigen, dass sich darin auch medienkulturelle Differenzen  und Distinktionen zwischen Printjournalismus, TV-Talkprominenz und publizistischen Formen in neuen Medien (Blogs, Twitter ) ausdr&#252;cken. Von der FAZ wurden die Moderatoren z. B. als „streitgeil, h&#228;misch und &#252;berheblich“  abgefertigt, es sei daher, wenn &#252;berhaupt, zu einem „Duell zwischen Politikern und Journalisten“ gekommen. Der Satz des Abends geh&#246;rte Steinmeier und empfahl sich zur Wiederverwendung: „Haben Sie doch einfach Interesse an meinem Argument!“</p>
<p>Bei der Beurteilung des TV-Duells insgesamt ist auch ein Unterschied zwischen Popul&#228;rjournalismus (BILD: „Yes, we g&#228;hn“ ) und Politikverstehern in der b&#252;rgerlichen Elitepublizistik zu beobachten. So schrieb die S&#252;ddeutsche Zeitung: „Nein, es war nicht schlimm. Jedenfalls nicht so sehr schlimm. Es war nicht einmal so langweilig, wie viele bef&#252;rchtet hatten. Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier waren so, wie sie immer sind, denn vor der Kamera ver&#228;ndern sich zwar Schauspieler und Moderatoren grunds&#228;tzlich, Politiker aber selten.“  Der Tagesspiegel kam sogar zu dem Schluss: „Nach 90 Minuten ist die Bilanz klar: Von Langeweile keine Spur, es gab durchaus heitere Momente und unterschiedliche Positionen, kaum wolkige, sondern recht pr&#228;zise Antworten von Kanzlerin und Vizekanzler. Es war wieder ein Stra&#223;enfeger, der Millionen Menschen fesselte, ein Beleg daf&#252;r, dass sich die B&#252;rger sehr wohl f&#252;r Politik interessieren“ .</p>
<p>F&#252;r die Sender fiel die Duell-Bilanz dagegen gemischter aus: nur 14 statt 20 Millionen (2005) Zuschauer auf den vier gleichgeschalteten Kan&#228;len, weil die Erwartungen an Spannung und Kontroverse niedriger waren, und offen eingestandenes Unbehagen am Format. F&#252;r die kommerziellen TV-Sender war das Duell ein dreifacher Verlust: keine Werbeeinnahme in der Primetime, niedrige Einschaltquote  &#8211; und dann auch noch die Moderatorenschelte. Zudem hatten RTL und Sat.1 auch noch die (von den H&#246;rerzahlen her marginale) &#220;bertragung der Veranstaltung im H&#246;rfunk (vor allem im Deutschlandfunk) blockiert, was ihnen auch keine Sympathiepunkte einbrachte. F&#252;r die ARD, die den L&#246;wenanteil der Duell-Zuschauer auf sich verbuchen konnte, sagte Chefredakteur Thomas Baumann, er halte die „Konstellation mit zwei Duellanten und vier fragenden Journalisten nicht f&#252;r die beste“ , ihm w&#228;re ein allein von ARD und ZDF veranstaltetes Duell lieber, allerdings k&#246;nne man den Privatsendern schlecht verwehren, auch eines auszurichten. Prinzipiell wird von allen Sendern die schon 2002 (Schr&#246;der vs. Stoiber) gew&#228;hlte Form mit zwei Duellen und zwei Moderatoren bevorzugt – dagegen hatten sich vor allem Angela Merkel und ihre Berater gewandt.</p>
<p><strong>Vielleicht und hoffentlich war das das letzte Duell dieser Art</strong>. Zum einen war es absurd, dass sich vier profilierungsw&#252;tige Moderatoren &#252;ber zwei Politiker hermachten. Das war anma&#223;end und wurde der Servicerolle, die Journalisten haben sollten, &#252;berhaupt nicht gerecht. Geschw&#228;tzigkeit hat das Gespr&#228;ch untergraben. Das Zweite aber ist wichtiger: Es ist ein Elend, dass politische Streitgespr&#228;che heute derart in den H&#228;nden von Millimeterk&#252;nstlern liegen, denen es bei der Planung und der Choreografie dieser Duelle nur darum geht, auf m&#246;glichst aseptische Weise Waffengleichheit herzustellen und &#220;berraschungen so weit es irgend geht auszuschlie&#223;en. Das beginnt mit der Studioeinrichtung (so man von einer solchen sprechen kann) und endet bei der eisernen Regel, dass keiner der Duellanten eine andere Waffe als die Ideen mitbringen darf, die er im Kopf hat. Das machte aus diesem Duell ein virtuelles Duell, dessen Teilnehmer vor allem eines tun: Sie sind auf der Hut. Nur kein Fehler, nur kein Ausrutscher, nur keine misslungene Geste. Das ist der Mittelweg, der den geistigen Tod bringt. Also f&#252;r die Zukunft: Sie sollen wieder Spickzettel mitbringen d&#252;rfen, sie sollen wieder das Recht haben, sich peinliche Zitate um die Ohren zu hauen. Sie sollen wieder die M&#246;glichkeit bekommen, als wirkliche Menschen zu erscheinen. Es w&#228;re nicht einmal gef&#228;hrlich: ein guter – weil markanter und/oder zum Lachen reizender – Fehler kann mehr f&#252;r einen Politiker einnehmen als die zwei Weihnachtsansprachen, die Frau Merkel und Herr Steinmeier am Ende dieses klinisch sauberen Duells vortrugen.</p>
<p>Gemessen an der realen und zugeschriebenen Bedeutung des TV-Duells, auf das sich inzwischen ganze Wahlk&#228;mpfe zubewegen (und das als Format mittlerweile auch in den einzelnen Bundesl&#228;ndern gang und g&#228;be ist), sind die politik- und kommunikationswissenschaftlichen Forschungen zu dieser Form politischer Show eher marginal . Sie verlieren sich h&#228;ufig in sozialpsychologischen Einzelexperimenten und Umfragen, w&#228;hrend der politisch-publizistische Proze&#223; vor, w&#228;hrend und nach dem TV-Duell zumindest in Deutschland wissenschaftlich  noch kaum beobachtet worden ist. Hier bieten sich f&#252;r die n&#228;chste Bundestagswahl umfassendere und intellektuell tiefgreifendere Forschungsprojekte an.  Wenn man an der durchaus attraktiven Form des TV-Duells festhalten will, d&#252;rfte sich zudem mehr denn je empfehlen, <strong> die klandestinen Verhandlungen zwischen Sendern und Politikberatern von einer kompetenten und unabh&#228;ngigen Instanz moderieren zu lassen</strong>. Dies nimmt weder der operativen Politik noch dem Journalismus Autonomie, erh&#246;ht aber die Glaubw&#252;rdigkeit und den Spannungsgehalt des Ereignisses selbst .</p>
<p><em>Dieser Abschlussberichgt der Kommission zur Kanzlerdebatte wurde von Susan Neiman (Leiterin des Einstein-Forums), Thomas Schmid (Die Welt), J&#252;rgen Kaube (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Bernd Ulrich (DIE ZEIT) und Lutz Hachmeister (Direktor des Institut f&#252;r Medien- und Kommunikationspolitik) gemeinsam erarbeitet. Das Dokument kann <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=235">hie</a> heruntergeladen werden.</em>
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		<title>Kartellamt: Kein Kartell von ARDZDFRTLSAT1 beim TV-Duell</title>
		<link>http://carta.info/15215/kartellamt-ard-zdf-rtl-sat1-tv-duell/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 18:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>

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		<description><![CDATA[Haben die vier TV-Sender beim TV-Duell nicht ein Kartell gebildet, um Nicht-TV-Seher und andere Medien unzul&#228;ssig auszuschlie&#223;en? Das Kartellamt sagt: Kein Kartellversto&#223;. Schade eigentlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd98f65b2c71770ff06ea249d5b815" alt="" width="1" height="1" />Das Bundeskartellamt zeigt sich in Medienfragen h&#228;ufig sehr emsig. So ist das Amt etwa der Meinung, dass die Deutsche Fussballliga (DFL) mit ihrer Zentralvermarktung ein Bundesligarechte-Kartell geschaffen habe. Ein solches Kartell h&#228;lt das Amt nur dann f&#252;r vertr&#228;glich, wenn zugleich f&#252;r eine &#8220;angemessene Verbraucherbeteiligung&#8221; gesorgt ist. <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,572351,00.html">Konkret</a> forderte die Kartellbeh&#246;rde im vergangenen Jahr eine Highlight-Berichterstattung zur Bundesliga vor 20 Uhr im allgemein und kostenfrei zug&#228;nglichen Fernsehen. Andernfalls w&#252;rden die Verbraucher durch das DFL-Kartell in nicht vertretbarem Ma&#223;e benachteiligt.</p>
<p>Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier war die Situation eigentlich gar so unterschiedlich nicht. ARD, ZDF, RTL und Sat1 haben sich zusammengetan, um gemeinsam das TV-Duell der verg&#252;tungsfrei und in dieser Formation exklusiv auftretenden Spitzenkandidaten von CDU und SPD zu veranstalten. Dabei schlossen die vier Sender zugleich alle anderen Medien von der &#220;bertragung aus. So durfte etwa der Deutschlandfunk das Duell <a href="http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200908231400/4">nicht live im Radio &#252;bertagen</a>. Einen Stream des TV-Duells gab es zwar offenbar bei Phoenix. Das ZDF hingehen sah <a href="http://blog.zdf.de/tvduell/2009/09/in-eigener-sache-kein-live-str.html">sich rechtlich nicht in der Lage</a>, das Duell ins Netz zu streamen.</p>
<p>Man k&#246;nnte nun der Meinung sein, die marktbeherrschende Formation RTL, ARD, SAT1 und ZDF habe hier ein Kartell gebildet  – mit dem Ergebnis, dass Radioh&#246;rer und Internetnnutzer nicht angemessen beteiligt wurden.</p>
<p>Was sagt das Kartellamt dazu? Hier die offizielle Antwort auf eine <em>Carta</em>-Anfrage:</p>
<blockquote><p>Die zust&#228;ndige Beschlussabteilung sieht in der Sache keine Hinweise f&#252;r einen Kartellrechtsversto&#223;.<br />
Es liegt in der Entscheidung der Fernsehsender, ob Sendungen auch im Radio &#252;bertragen werden oder nicht. Eine Benachteiligung der Allgemeinheit ist nicht erkennbar bei der weiten Verbreitung von Fernsehger&#228;ten und der Empfangsm&#246;glichkeit der vier Sender auch im Ausland. Der Hinweis des Deutschlandradios auf sehbehinderte Menschen &#252;berzeugt nicht, da das Fernsehduell in Bild und Ton &#252;bertragen wurde.</p></blockquote>
<p>Merke: ARDZDFRTLSAT1 m&#246;gen zwar ein Kartell gebildet haben. Sie haben aber kein Kartellversto&#223; begangen, weil sie das TV-Duell recht umfassend (wenn auch monomedial) verbreitet haben. Problematisch w&#228;re die Angelegenheit aus Sicht des Kartellamts wohl nur, wenn alle vier Sender das Duell gemeinsam ins Pay-TV heben wollen w&#252;rden. Das kann als ausgeschlossen gelten.</p>
<p>F&#252;r Schritte hin zu einer Kanzlerkandidaten/innen-Debatte nach dem <a href="http://presidentialdebateblog.blogspot.com/2008/09/christoph-bieber-duels-without-guns.html">Modell der &#8220;Commission on Presidential Debates&#8221;</a>, bei dem alle die Bilder und T&#246;ne dieser demokratischen Veranstaltung verbreiten d&#252;rften,  bildet das Kartellamt folglich keine Hilfestellung. Schade.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15215&amp;md5=c6f81a0633c3c07a9931c859eff7f12d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren</title>
		<link>http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 17:40:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>

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		<description><![CDATA[Das TV-Duell hat auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne gezeigt, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig unangemessen die Politikvermittlung im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/df7a6e5bab052d589568c1a5f051dd" alt="" width="1" height="1" />Bei den Twitter-Kommentaren zum <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Das_TV-Duell_Merkel_-_Steinmeier/9602,837178/838962">TV-Duell am Sonntag</a> ging es nach meinem Eindruck vor allem um zwei Aspekte: Erstens um die beiden <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog/archive/2009/09/14/was-es-noch-uebers-tv-duell-zu-sagen-gibt.aspx">eher blassen</a>, wenig inspirierenden Kandidaten. Und zweitens um die entt&#228;uschenden Moderatoren.</p>
<p>Stellvertrend f&#252;r sehr viele Tweets sei etwa Slaens <a href="http://twitter.com/slaens/status/3960973650">zitiert</a>:</p>
<blockquote><p><span class="status-body"><span class="entry-content">Klare Verlierer &#8211; die Moderatoren <span class="tweet-url hashtag">#tvduell</span></span></span></p></blockquote>
<p>Auch Lutz Hachmeister vom Institut f&#252;r Medienpolitik forderte in einer <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcat=52">Debatte</a> im Anschluss an das TV-Duell:</p>
<blockquote><p>Wir brauchen dringend eine Debatte &#252;ber die journalistische Qualit&#228;t dieses Formats. Leider haben sich die Veranstalter dem bislang verschlossen.</p></blockquote>
<p>Die F.A.Z. brachte wenig sp&#228;ter ihre Kritik an den Moderatoren auch sehr schnell auf den Punkt &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED5C6C14C88E94014A0AC867D12DB9F1C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Spiel nicht mit den Tigerenten!</a>&#8220;, schalt sie den metapherngeladenen Krawallstil der Moderatoren. Sie seien &#8220;streitgeil, h&#228;misch und &#252;berheblich&#8221; wesen. Die Kandidaten seien auf d&#252;mmliche, aggressive und &#252;berhebliche Weise befragt worden.</p>
<p>Hans-J&#252;rgen Jakobs <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/77/487482/text/">bilanziert</a> auf Sueddeutsche.de:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wenn einer technisch k. o. ging, dann die versammelte Runde der Spitzenmoderatoren des deutschen Fernsehens.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das Medium Fernsehen habe sich selbst viel zu wichtig genommen – und dabei die Politik an den Rand gedr&#228;ngt. Michael Spreng h&#246;hnt, der Beitrag der Moderatoren habe aus <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2028">20 verschenkten Minuten</a> bestanden. J&#246;rg Lau hat ganz zurecht einen <a href="http://blog.zeit.de/joerglau/2009/09/14/tv-duell-eine-journalistische-katastrophe_3013">Wutanfall</a> bekommen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es wurde kaum in der Sache nachgefragt – Merkel nicht zu ihrem Steuerpopulismus, Steinmeier nicht zu seiner Opel-Retterei.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und doch: Man muss dazu noch mehr sagen.</p>
<div id="attachment_14858" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/duell2.jpg"><img class="size-medium wp-image-14858" style="margin: 2px;" title="duell2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/duell2-300x198.jpg" alt="duell2" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig ungemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist.</p></div>
<p>Das &#8220;Duell&#8221; war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. Es war der Bankrott eines TV-Journalismus, der sich in den letzten Jahren zum dominanten Paradigma der Bewegtbild-Politikvermittlung hochgedient hat. Auf der ganz gro&#223;en B&#252;hne war zu besichtigen, wie zuspitzungsversessen, flapsig und v&#246;llig unangemessen die Politikvermittlung mittlerweile im deutschen Fernsehen geworden ist. So kann es nicht weitergehen.</p>
<p>Ich habe versucht, mit Hilfe des <a href=" http://kanzlerduell.wahl.compuccinocloud.com/bmo.php">P</a><a href=" http://kanzlerduell.wahl.compuccinocloud.com/bmo.php">rotokolls</a> der Sendung einige der Strukturmerkmale dieses TV-Journalismus herauszuarbeiten (Erg&#228;nzungen und Hinweise gerne &#8211; <em>work in progress</em>):</p>
<p><strong>1. Inszenierung eines politischen Konflikts als metapherngeladenes Schauspiel </strong></p>
<p>(&#8220;Wenn der Mann tats&#228;chlich am Stuhl der Chefin s&#228;gt&#8221;, &#8220;Sch&#246;n, wie Sie Doppelpass spielen&#8221;, &#8220;Ist das ein Wahlkampf-Gag?&#8221;,&#8221;War die Agenda 2010 nicht ein Kindergeburtstag&#8230;?&#8221;, &#8220;&#8216;Nur &#252;ber meine Leiche&#8217; &#8211; das geht schnell bei der SPD&#8221;, &#8220;Wer ist der Tiger und wer die Ente?&#8221; &#8220;Ist die Vernunftehe am Ende?&#8221;, &#8220;Was sagen Sie zu Steinmeiers &#8216;Horror-Szenario&#8217; &#8230;?)</p>
<p>Politik wird zu einem reizintensiv bebilderten Konflikt – was einem leider v&#246;llig die Sicht f&#252;rs klare Denken nimmt. Diese mangelnde sprachliche Disziplin beim TV-Duell zeigt den ganzen Verfall eines Genres.</p>
<p><strong>2. Fr&#246;hliche Vermischung von Standpunkten, Person und Pers&#246;nlichkeit </strong></p>
<p>(&#8220;Duzen Sie sich eigentlich?&#8221;, &#8220;Erkl&#228;ren Sie uns, warum Angela Merkel nicht mehr Bundeskanzlerin sein soll&#8221;, &#8220;W&#252;rden Sie Ihr privat erspartes Geld in &#8220;New Opel&#8221; investieren?&#8221;)</p>
<p>Inhaltliches und Pers&#246;nliches werden gen&#252;&#223;lich zu einem Politics-Policy-Cocktail verr&#252;hrt, der den Zuschauern dann angeblich besonders gut schmecken soll.</p>
<p><strong>3. Flapsige Kommentierung des Diskussions-Geschehens</strong></p>
<p>(&#8220;Wenn wir Sie beide hier so sehen, dann hat man schon den Eindruck dass Sie wirken wie ein &#228;lteres Ehepaar&#8221;, &#8220;Das klingt hier jetzt mehr nach Duett und weniger nach Duell&#8221;, &#8220;Das sind doch Lippenbekenntnisse&#8230;&#8221;)</p>
<p>Mit solchen Bemerkungen machen die &#8220;Moderatoren&#8221; klar, wer hier die Deutungsmacht innehat. Sie spielen sich zu Volkstribunen auf, die Politikern das Wort erteilen.</p>
<p><strong>4. Provozieren, statt offen zu fragen</strong></p>
<p>(&#8220;Ist Angela Merkel f&#252;r Sie eine Marktradikale?&#8221;, &#8220;Ist die SPD noch eine Volkspartei?&#8221;)</p>
<p>Eine gute offene Frage k&#246;nnen deutsche TV-Talkmoderatoren offenbar nicht mehr stellen. Sie suchen die Provokation, die ihrer Selbstinszenierung dient, aber nicht der Qualit&#228;t der Antwort.</p>
<p><strong>5. Lust am plaktiven Symbolkonflikt</strong></p>
<p>(Ackermann-Essen, Ulla Schmidts Dienstwagen)</p>
<p>Statt &#252;ber grunds&#228;tzliche Fragen wird lieber &#252;ber den plakativen Fall diskutiert, den das Publikum leicht nachvollziehen kann.</p>
<p><strong>6. Radikalvereinfachung von Problemen durch Transfer ins Allagsleben</strong></p>
<p>(&#8220;Wissen Sie zu welchem Spottpreis man sich in Berlin die Haare schneiden kann?&#8221;, &#8220;Welche Note w&#252;rden Sie Deutschland geben beim Thema soziale Gerechtigkeit?&#8221;, &#8220;Warum kann der Staat jede dreckige Kneipe schlie&#223;en, aber keine Bank, die mit zweifelhaften Papieren Gesch&#228;fte macht?&#8221;)</p>
<p>Die Moderatoren greifen mit Vorliebe auf unterkomplexe Erkl&#228;rungsmodelle zur&#252;ck: Was mein Zuschauer angeblich nicht versteht, verstehe ich auch nicht.</p>
<p><strong>7. Politiker als Nichtrespekts-Personen</strong></p>
<p>(&#8220;Herr Steinmeier, kennen Sie das schlechte Wahlergebnis der SPD in der Nachkriegszeit?&#8221;, &#8220;Frau Merkel, haben Sie eine Ahnung, um wieviel Prozent die deutsche Wirtschaft in den letzten zehn Jahren gewachsen ist&#8221;)</p>
<p>Zur Volkstribunhaftigkeit (siehe 3.) geh&#246;rt es auch, Politikern nicht mehr den Status von Respektspersonen einzur&#228;umen. Hier wird nicht mehr moderiert, sondern ein populistisches Kreuzverh&#246;r zur Unterhaltung des Wahlvolks veranstaltet.</p>
<p><strong>8. Herumwitzeln </strong></p>
<p>(&#8220;Oder Sie haben beide schon zusammen ge&#252;bt, das kann nat&#252;rlich auch sein.&#8221;, &#8220;Herr Steinmeier hat gerade ein Rezept ausgestellt&#8221;, &#8220;Herr Steinmeier haben Sie eine zweite FDP im Koffer irgendwo?&#8221;)</p>
<p>Die Witzchen der Moderatoren machen endg&#252;ltig klar, wo sie stehen und worum es geht: Es geht um Unterhaltung, es geht um die Selbstdarstellung der Moderatoren – aber es geht sicher nicht um die Kl&#228;rung komplexer politischer Fragen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Das TV-Duell war mehr als nur eine Befragung von Spitzenkandidaten. Es war die machtvolle Inszenierung eines Politikverst&#228;ndnisses, f&#252;r das die vier gro&#223;en TV-Konglomerate in diesem Land zunehmend stehen: <strong>F&#252;r das Primat der Darstellbarkeit &#252;ber das Dargestellte, das Primat der Selbstinszenierung der Moderatoren &#252;ber das Aufkl&#228;rungsinteresse.</strong> Politik ist in die Klauen des Unterhaltungskomplexes geraten: Es z&#228;hlt die kurzweilige, nicht die angemessene Vermittlung.</p>
<p>Das Kennzeichen dieses um sich greifenden Politikverst&#228;ndnisses ist ein <strong>TV-Journalismus ohne Demut</strong>. Ohne Demut davor, dass Politik in Wirklichkeit viel komplexer ist, als er es zu vermitteln vermag. Der TV-Journalismus tut so, als k&#246;nnte er alles verstehen und vermitteln – und als g&#228;be es keine Welt dar&#252;ber hinaus. Der TV-Journalismus totalisiert sich selbst. Dies ist die Atmosph&#228;re von Christiansen, Will, Illner, Plasberg und co.</p>
<p>Aus so einer derart selbstherrlichen Haltung heraus sind auch die meisten Fragen des Duells entstanden. Das TV-Duell war nicht so langweilig, obwohl, sondern weil so aggressiv und &#252;berheblich gefragt wurde. Die Volkstribunen trieben die Kandidaten vor sich her, anstatt moderierend zu fragen.</p>
<p>Diese Fehlleistung sollte Konsequenzen haben: Unsere Politik und Demokratie  ist zu wertvoll, um sie vom Kartell der Geschw&#228;tzigkeit aus ARD, ZDF, RTL und SAT1 aufreiben zu lassen. Sollte es daher in Zukunft eine Debatte (&#8220;Duell&#8221; w&#228;re als &#252;berdrehte Metapher gleich im ersten Schritt zu streichen) der Kanzlerkandidaten geben – so gibt es keine Begr&#252;ndung mehr, warum diese in den H&#228;nden dieser Institutionen liegen sollte.</p>
<p>Christoph Bieber hat mehrfach <a href="http://presidentialdebateblog.blogspot.com/2008/09/christoph-bieber-duels-without-guns.html">gefordert</a>, dass derartige Debatten auch in Deutschland nicht von den TV-Stationen, sondern von einer medien&#252;bergreifenden Kommission veranstaltet werden. Warum sollten nicht ein oder zwei anerkannte Journalisten (die nicht TV-&#8221;Moderatoren&#8221; sein m&#252;ssen) unaufgeregte und pr&#228;zise Fragen stellen, die sie sich in Ruhe vorher &#252;berlegt haben?</p>
<p><strong>Es gibt keine Begr&#252;ndung mehr, warum die Bewegtbild-Debatte der Kanzlerkandidaten den TV-Stationen <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/zwist-ueber-sendeverbot-von-tv-duell/">allein geh&#246;ren</a> sollte.</strong> Und sie haben am Sonntag sehr viele Argumente dagegen geliefert.</p>
<p><strong>Outro: </strong>Inhaltlich hat das Duell der Statur des Politikers Frank-Walter Steinmeier geholfen. Er war weniger B&#252;rokrat und mehr Politiker als viele dies vorher angenommen hatten. Er hat damit vor allem seine Stellung als Kandidat innerhalb der SPD gest&#228;rkt.
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<a href="http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/">TV-Duell: Der TV-Journalismus hat verloren</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/#comments">22 comments</a>
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		<title>Au&#223;er Atem: Das TV-Duell</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 08:56:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine verpasste Chance: Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier hastete das Moderatoren-Quartett ohne Atempause durch die Wahlkampf-Agenda. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c43afa99801e1622db11acf8518ea8" alt="" width="1" height="1" />Das <a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2982100;jsessionid=4E6BDB83E8D870971C5443C790732616">Kanzlerduell</a><a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2982100;jsessionid=4E6BDB83E8D870971C5443C790732616"> des Jahres 2009</a> war zwar erst die dritte Auflage dieses Premium-Formates im Medienwahlkampf, doch nach dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sind Fragen, wie es weitergehen soll, unausweichlich.</p>
<p>Zun&#228;chst hatte das hohe Tempo, mit dem die Moderatorenriege in die Sendung eingestiegen war, dem Fortgang der Debatte nicht gut getan. Die Hektik, mit der die Journalisten von Frage zu Frage hasteten, &#252;bertrug sich anfangs auch auf die Kanzlerin und ihren Stellvertreter. Die Bissigkeit, mit der einige Fragen vorgetragen wurden, lie&#223; Merkel wie Steinmeier auf Distanz gehen – manchmal schienen sie sich lieber direkt unterhalten zu wollen, ungest&#246;rt von Einw&#252;rfen und Unterbrechungen. Vizekanzler Steinmeier machte mit seinen Abgrenzungen und Entgegnungen die etwas bessere Figur als Kanzlerin Merkel, die sich allzuoft darin verwickelte, ihre Rederechte von den Moderatoren einzufordern. <strong>Im Gezerre um die Sprechhoheit entwickelte sich bisweilen ein Stimmengewirr wie in den schlimmsten Zeiten der Christiansen-&#196;ra.</strong></p>
<p>Auch die Wahl der Themen und deren Positionierung im Debattenverlauf waren diskussionsw&#252;rdig. Nach dem Er&#246;ffnungsgepl&#228;nkel, das die nerv&#246;s bis gereizte Stimmung setzte,  folgte ein erwartbar umfangreicher Block zur Wirtschaftskrise, deren Protagonisten (Banker, Manager) und m&#246;glichen Auswegen (Opel). Danach reihten sich Energiepolitik – reduziert auf die Frage nach einem Atomausstieg – und au&#223;enpolitische Fragen – Afghanistan – aneinander, immer wieder garniert mit „Horserace“-orientierten Zwischenspielen: mit wem ist das eine oder andere politische Ziel durchsetzbar, in welchen Konstellationen („Tigerente“) sind hierf&#252;r Mehrheiten zu erreichen?</p>
<p><strong>Zukunftsorientierte Bereiche wie Umwelt oder Bildung wurden v&#246;llig ausgespart</strong> &#8211; ein Vers&#228;umnis der journalistischen Planung, aber auch eine verpasste Chance der Kandidaten, die hier ihr Profil h&#228;tten differenzieren k&#246;nnen.</p>
<p>Das alles kann man durchaus als debattenkompatible Ans&#228;tze und Inhalte verstehen, doch das TV-Duell bezieht einen Gro&#223;teil seiner Legitimation in einer parlamentarischen Demokratie aus der „Gr&#246;&#223;e“ des Formats und der damit verbundenen au&#223;erordentlichen Reichweite. Die Atemlosigkeit des vom Moderations-Quartett ausgel&#246;sten Wettlaufs durch die Wahlkampf-Agenda und die bisweilen respektlose Zankerei um Fragen und Antworten haben dem Format in diesem Jahr noch mehr geschadet als in den Auflagen von 2002 und 2005. Im R&#252;ckblick auf den Debattenjahrgang 2009 wird hoffentlich die Frage haften bleiben, ob nicht eine massive Ver&#228;nderung der Gespr&#228;chsstruktur – Einzelmoderator statt Rudelbildung – notwendig ist, um das Format in die Zukunft zu retten.</p>
<p><strong>Ein letzter Punkt: das „Leitmedium“ Fernsehen hatte sich in Adlershof weitgehend von der restlichen Medienwelt abgekapselt</strong> – h&#228;tte man w&#228;hrend der Debatte auf die Online-Reaktionen geachtet, so w&#228;ren die Ansatzpunkte zur Kritik ganz schnell deutlich geworden. Ein erheblicher Teil der w&#228;hrend der Debatte publizierten Online-Nachrichten – in Blogs, Chats und bei Twitter – befasste sich n&#228;mlich nicht mit den Aussagen oder der Performance von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Sondern mit der kl&#228;glichen Moderationsleistung.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14783&amp;md5=157655cd21e0d344c6fc309948f93609" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Ende der TV-Duelle</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 17:18:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit dem Auseinanderbrechen der gro&#223;en Koalition in Schleswig-Holstein ist Frank-Walter Steinmeier weiter von der Kanzlerschaft entfernt denn je. Damit hat sich auch das Kanzlerduell erledigt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a5825d68c8956e9d35ab413b66e009" width="1" height="1" alt=""/>Jetzt hat also auch Frank Walter Steinmeier seine Katherina Reiche. Manuela Schwesig hei&#223;t die junge Politikerin aus dem Osten, die Steinmeiers betagter Mannschaft jugendliche Frische verleihen soll. Auch sie soll, wie Katharina Reiche 2002 bei Edmund Stoiber, das Aush&#228;ngeschild f&#252;r eine moderne Familienpolitik sein und f&#252;r mediale Aufmerksamkeit sorgen. Ob das reicht, um der eingeschlafenen Steinmeier-Kampagne neun Wochen vor der Wahl noch Schwung zu geben?</p>
<p>Zum gef&#252;hlten zehnten Mal hat Steinmeier jetzt angek&#252;ndigt, endlich den Wahlkampf zu er&#246;ffnen. Es wird auch Zeit. <strong>Die Wahllokale werden nicht extra f&#252;r Steinmeier l&#228;nger ge&#246;ffnet.</strong> Seine Ank&#252;ndigungen, endlich loszulegen, wirken inzwischen so einschl&#228;fernd wie seine bisher einzige knapp formulierte Wahlkampfbotschaft, die er gebetsm&#252;hlenhaft wiederholt:&#8221;Ich kann es und ich will es&#8221;. Er meint damit sein berufliches Karriereziel Kanzler. Von ihm ist er aber seit dem Auseinderbrechen der gro&#223;en Koalition in Schleswig-Holstein weiter entfernt denn je. Denn Ralf Stegner plant einen scharfen Konfrontationswahlkampf gegen Schwarz-Gelb. Das bleibt bundespolitisch nicht ohne Folgen.</p>
<p>Gelb war bisher die Hoffungsfarbe der Bundes-SPD. Geht diese &#8211; nie wirklich vorhandene Machtoption &#8211; endg&#252;ltig verloren, dann ist Steinmeier kein Kanzlerkandidat mehr &#8211; oder nur noch mit derselben Berechtigung wie Guido Westerwelle 2002. Steinmeier ist in Wirklichkeit nur noch der Spitzenkandidat der SPD. Und auch er kann die verbliebenen SPD-W&#228;hler nur noch mit einem scharfen Wahlkampf gegen Schwarz-Gelb an die Urne bringen.</p>
<div id="attachment_12393" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/eay/40203597/"><img class="size-medium wp-image-12393" title="merkel-tvduell" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/07/merkel-tvduell-300x199.jpg" alt="merkel-tvduell" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Die kurze &#196;ra der TV-Duelle: Angela Merkel im Wahlkampf 2005</p></div>
<p>Damit hat sich eigentlich auch das Kanzlerduell erledigt. Das TV-Duell machte nur so lange Sinn, so lange zwei Spitzenkandidaten gegeneinander antreten, die beide die – zumindest theoretische – Chance haben, Kanzler zu werden. Aber ohne Linkspartei (die will er nicht) und ohne FDP (die kriegt er nicht) gibt es keinen Kanzler Steinmeier. <strong>Mit derselben Berechtigung kann auch Guido Westerwelle ein TV-Duell mit Angela Merkel verlangen oder die Gr&#252;nen k&#246;nnten es fordern, wenn sie denn einen Spitzenkandidaten h&#228;tten.</strong></p>
<p>Im Zeitalter schrumpfender Volksparteien und immer st&#228;rkerer “kleiner” Parteien geht die<strong> kurze &#196;ra der TV-Duelle</strong> (2002 bis 2009) ohnehin ihrem Ende engegen. 2013 wird die gute, alte Elefantenrunde wiederkommen. Die Fernsehsender sollten nicht trauern. Die Einschaltquoten 2009 beim “Duell der h&#228;ngenden Mundwinkel” werden ohnehin geringer sein als 2002 und 2005.</p>
<p><em>Michael Spreng bloggt auf <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.sprengsatz.de/');" href="http://www.sprengsatz.de/" target="_blank">Sprengsatz</a>, wo auch <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=1647">dieser Beitrag</a> erschienen ist. </em><em>Siehe zum Thema auch: <a href="http://carta.info/10685/steinmeier-muss-strategie-aendern/">Steinmeier muss Strategie &#228;ndern.</a></em>
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<a href="http://carta.info/12390/steinmeier-merkel-tv-duelle/">Das Ende der TV-Duelle</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/12390/steinmeier-merkel-tv-duelle/#comments">3 comments</a>
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		<title>Kieler Woche: Alles auf Anfang?</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 15:51:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fernsehduelle mit Vertretern einer gro&#223;en Koalition gelten als langweilig. Das vorzeitige Ende der Kieler Regierung k&#246;nnte jetzt zus&#228;tzliche W&#252;rze in die Debatte bringen - die Parteien stehen schon in den Startl&#246;chern f&#252;r einen Instant-Wahlkampf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a93e1e92306fde72caa1b132a73e57" width="1" height="1" alt=""/>Wer sagt eigentlich, dass Fernsehduelle zwischen Gro&#223;en Koalition&#228;ren langweilig sein m&#252;ssen? Seit einigen Wochen seufzen vornehmlich die gedruckten Qualit&#228;tsmedien, das f&#252;r den 13. September geplante Duell zwischen Kanzlerin und Vizekanzler sei eine Farce. Die Kooperation w&#228;hrend der abgelaufenen Legislaturperiode mache eine echte Konfrontation unm&#246;glich – eine etwas kurzsichtige Perspektive, denn nat&#252;rlich werden CDU und SPD noch die &#196;rmel hochkrempeln und markigere T&#246;ne anschlagen. Allerdings erst nach dem 30. August, wenn nach den drei Landtagswahlen in Th&#252;ringen, Sachsen und dem Saarland endg&#252;ltige Klarheit &#252;ber die Ausgangsposition f&#252;r den vierw&#246;chigen Wahlkampf-Endspurt bis zum 27. September besteht. Doch nun bringt das vorzeitige Ende der CDU/SPD-Regierung in Kiel zus&#228;tzliche W&#252;rze in das deutsche Wahl- und Debattendurcheinander.</p>
<p>Es wundert wenig, dass gerade die <strong>Zeitungen</strong> dem Duell kritisch gegen&#252;berstehen, denn Organisation, Durchf&#252;hrung und – vor allem – die Aufmerksamkeit eines gro&#223;en Publikums sind f&#252;r die veranstaltenden Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSAT.1 reserviert. Doch auch abseits des „medialen Futterneids“ spricht nicht wenig daf&#252;r, dass die Auseinandersetzung spannend werden d&#252;rfte – zumal die Duell-Freunde nun wohl auch noch eine unerwartete Zugabe aus Schleswig-Holstein erhalten d&#252;rften: am Donnerstag <a href="http://www.landtag.ltsh.de/plenumonline/juli2009/texte/00_vertrauensfrage.htm">verneinte</a> der Kieler Landtag die von Peter-Harry Carstensen gestellte Vertrauensfrage, Neuwahlen sind f&#252;r den 27. September angesetzt. Die Parteien stehen schon in den Startl&#246;chern f&#252;r einen neuerlichen Instant-Wahlkampf, und dazu geh&#246;rt h&#246;chstwahrscheinlich auch eine Fernsehdebatte der Spitzenkandidaten. Wenn es nach dem SPD-Mann Ralf Stegner ginge, k&#246;nnten es vermutlich auch mehrere sein. Noch-Ministerpr&#228;sident Carstensen d&#252;rfte eher zur&#252;ckhaltend verhandeln, obwohl er 2005 gegen die damalige Amtsinhaberin Heide Simonis <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/432/402213/text/">gar nicht mal so schlecht</a> ausgesehen hatte.</p>
<p>Aber: es ist keinesfalls sicher, dass &#252;berhaupt ein Duell stattfindet, denn die Verhandlungen zwischen den Spitzenkandidaten und dem ausrichtenden NDR folgen keinerlei Regelwerk, sondern sind auf die <strong>&#220;bereinkunft</strong> aller Beteiligten angewiesen. Und das, obwohl weltweit ein „Goldenen Zeitalter der TV-Debatten“ angebrochen ist. So sch&#228;tzt zumindest Alan Schroeder, Autor des Standardwerkes „Presidential Debates: 50 Years of High-Risk-TV“, die aktuelle Lage ein:</p>
<blockquote><p>„2009 gab es Debatten in Indonesien, der Mongolei, Honduras, Chile und sogar in Iran. Die gro&#223;e Verbreitung tr&#228;gt zu einer allm&#228;hlichen Institutionalisierung des Formates bei – das ist gut f&#252;r die Demokratie und schlecht f&#252;r Politiker, die sich der Verantwortung eines &#246;ffentlichen Gespr&#228;chs entziehen m&#246;chte.“</p></blockquote>
<p>Dass es in Deutschland sehr wohl m&#246;glich ist, sich vor einer Fernsehdebatte zu dr&#252;cken, hat noch im Januar diesen Jahres <strong>Roland Koch</strong> <a href="http://carta.info/4109/hessen-tv-duelle/">bewiesen</a>. Nach dem f&#252;r ihn nicht optimal verlaufenen <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ltw2008/index.jsp?key=standard_document_33708218&amp;type=v&amp;rubrik=32776&amp;mediakey=specials/standard/20080120_das_duell_ganz">Duell mit Andrea Ypsilanti</a> im Wahlkampf 2008, hat der hessische Ministerpr&#228;sident durch geschicktes Verhandeln eine Neuauflage mit Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel vermieden – auch weil es in Deutschland weder auf Bundes- noch auf Landesebene ein Regelwerk zur Organisation von Fernsehdebatten in Wahlk&#228;mpfen gibt.</p>
<p>Auch in Schleswig-Holstein wird das Verhalten in der Duell-Frage Hinweise auf die allgemeine Wahlkampfstrategie und –performance der Spitzenkandidaten geben – schon die Aussprache zur Vertrauensfrage im Landtag am Donnerstag hat gezeigt, dass eine Debatte zwischen Carstensen und Stegner ganz interessant und bisweilen unterhaltsam werden k&#246;nnte.</p>
<p>Und das, obwohl beide als Vertreter einer gar nicht mal so unproduktiven Gro&#223;en Koalition an den Start gehen.
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		<title>Town Hall vs. Duell? Ein Sender- und Parteienkl&#252;ngel entscheidet &#252;ber die TV-Debatten</title>
		<link>http://carta.info/9228/town-hall-vs-duell-ueber-den-elitenkluengel-der-tv-debatten/</link>
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		<pubDate>Wed, 13 May 2009 10:57:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den Fernsehdebatten fehlt die schlichtende Instanz: Ihre Ausgestaltung liegt in den H&#228;nden der marktbeherrschenden Sender-Netzwerke und gro&#223;en Parteien. Sie sind vor allem Selbstdarstellungs-Vehikel f&#252;r Spitzenkandidaten und Quotengaranten. Es fehlt ein koordinierter Trialog zwischen Politik, Medien und W&#228;hlern. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/77a14d57a0163292b28eefff69f64f" alt="" width="1" height="1" /><br />
Mit dem Zusammentreten der Bundesversammlung beginnt nun <a href="http://carta.info/8802/koehler-oder-schwan-10-gute-gruende-am-23-mai-eine-frau-zu-waehlen/">endg&#252;ltig</a> die gro&#223;e Wahlsaison des Jahres 2009 – und &#252;berraschend fr&#252;h startet das <strong>traditionelle Gez&#228;nk um Art und Ablauf des un-heimlichen H&#246;hepunktes im Fernsehwahlkampf</strong>: das TV-Duell der Spitzenkandidaten wirft seine Schatten voraus.</p>
<p>Ein erster Impuls kommt dabei aus K&#246;ln, wo bereits am Sonntag der Privatsender RTL Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Town Hall Meeting <a href="http://kress.de/cont/story.php?id=128052">empf&#228;ngt</a>. Prompt irrlichtern Politiker, Medien- und Kommunikationsexperten ob der Sinnhaftigkeit des Formats um die Wette, Guido Westerwelle darf sich in der FAZ als leidgepr&#252;fter Ausgesperrter inszenieren und von hinter den Kulissen h&#246;rt man das Z&#228;hneknirschen der Verhandlungspartner, die sich um Duell-Details balgen.</p>
<p>Beinahe all dies war vorhersehbar, denn die nur in Deutschland brachial als „Kanzlerduell“ bezeichneten Fernsehdebatten leiden seit ihrer Einf&#252;hrung 2002 an einem Geburtsfehler: es gibt keinerlei <strong>schlichtende Instanz</strong>, die den formalen Rahmen des letzten politischen Hochreichweitenformats der „alten Medien“ organisiert. Die Ausgestaltung der Debatten liegt auch bei der dritten Auflage in den H&#228;nden der Hauptbeteiligten – den <strong>marktbeherrschenden Sendern und Netzwerken ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSAT.1</strong> sowie den einstmals „gro&#223;en“ Volksparteien CDU und SPD.</p>
<p>Die Argumente f&#252;r und gegen die beim Publikum &#228;u&#223;erst popul&#228;ren Debatten liegen schon lange auf dem Tisch. Die „Duelle“ gelten in Deutschland jedoch nicht in erster Linie als notwendiges Element des Wahlkampfs mit positiven Folgen f&#252;r W&#228;hlerinformation und Wahlbeteiligung, sondern vor allem als <strong>Vehikel f&#252;r die Darstellung der Spitzenkandidaten</strong> und als <strong>Quotengarant f&#252;r die Sendeanstalten</strong>.</p>
<p>Mit Blick auf die inhaltliche Ausgestaltung und den politischen Bildungswert der Veranstaltung ist der seinerzeit gestellten (und in 2005 wiederholten) Diagnose der „Kommission zu den Kanzlerdebatten“ nicht viel hinzuzuf&#252;gen – leider ist die 2002 ver&#246;ffentlichte Erkl&#228;rung des damals beim Grimme-Institut angesiedelten Gremiums nicht mehr online verf&#252;gbar. Die Analyse aus dem Jahr 2005 findet sich auf den Seiten des <a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=91">Instituts f&#252;r Medienpolitik</a>, das die Federf&#252;hrung f&#252;r die zweite Auflage der Debatten &#252;bernommen hatte.</p>
<p>Zu berichten w&#228;re allenfalls &#252;ber die <strong>zwischenzeitliche Etablierung des Debattenformates bei Landtagswahlen</strong>, mit H&#246;he- und Tiefpunkt in Hessen: die Auseinandersetzung zwischen Roland Koch und Andrea Ypsilanti 2008 markierte einen f&#252;r die Ma&#223;st&#228;be der Landespolitik erheblichen Publizit&#228;tsgewinn, kontrastiert von der Debattenblockade zugunsten einer chaotischen Allparteienrunde und kaum messbaren Einschaltquoten im Folgejahr (mehr dazu <a href="http://carta.info/4109/hessen-tv-duelle/">hier</a>).</p>
<p>Der immer wieder gerne bem&#252;hte Vergleich zu den Presidential Debates in den USA bleibt viel zu oft an der hochglanzpolierten medialen Oberfl&#228;che h&#228;ngen – zwar wird durchaus auf die Systemunterschiede zwischen pr&#228;sidialer und parlamentarischer Demokratie hingewiesen, nicht aber auf die grunds&#228;tzlichen Konstruktionsmerkmale des US-amerikanischen Debattenwesens. Durch die Einschaltung der <a href="www.debates.org">Commission on Presidential Debates</a>, einer eher kleinformatigen <strong>Nichtregierungsorganisation</strong>, entsteht n&#228;mlich eine „Triple Agenda“ (Alan Schroeder), ein <strong>koordinierter Trialog</strong> zwischen Politik und Medien unter Einbeziehung der &#214;ffentlichkeit.</p>
<p>In Deutschland existiert lediglich eine „Doppelte Agenda“, die durch die <strong>Vereinnahmung des Formates durch Politik und Medien</strong> zu charaktersieren ist: keine unabh&#228;ngige Instanz hat Einfluss auf die Rahmenbedingungen oder die inhaltliche wie formale Gestaltung. Die <strong>Rolle der W&#228;hlerschaft wird auf die eines passiven Publikums reduziert</strong>, das heimliche Schachern der Unterh&#228;ndler aus Politik und Medien weist auf einen Abschottungsreflex gegen&#252;ber der breiten &#214;ffentlichkeit hin. Transparenz sieht anders aus.</p>
<p>Und nun also ein Town Hall Meeting, das am Sonntag unter dem sperrigen Titel „2009 wir w&#228;hlen. Zuschauer fragen – Bundeskanzlerin Merkel antwortet“ ab 21.45 Uhr aus dem RTL-Hauptstadtstudio gesendet wird. Im strengen Sinne handelt es sich dabei eher um eine politische Informations- und Interview-Sendung mit Elementen, die dem US-amerikanischen Modell der Town Hall-Debatte entliehen sind. Eine erste Abweichung ist bereits die <strong>Solovorstellung von Angela Merkel</strong>, denn das amerikanische Referenzformat ist eingebettet in den Debattenzyklus der Pr&#228;sidentschaftswahl und steht gleichzeitig beiden (1992 sogar drei) Hauptbewerbern um das Wei&#223;e Haus offen.</p>
<p>RTL m&#246;chte sein „B&#252;rgertreffen“ gerne auch mit anderen Spitzenpolitikern durchf&#252;hren, mindestens wohl mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier, aber nicht unbedingt mit allen Spitzenkandidaten – so RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel k&#252;rzlich im Rahmen des <a href="www.trendforum.tv">Trendforum TV</a>. Dass auch Guido Westerwelle auf eine Einladung hofft, ist dem recht einseitigen <a href="http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~EC7D8B7C210974663AE54BE82B0036D2E~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Gespr&#228;ch in der FAZ</a> zu entnehmen.</p>
<p>Wie wird das Town Hall Meeting Marke RTL nun aussehen? Etwa einhundert „ganz normale B&#252;rger“ (RTL-Programmank&#252;ndigung) erhalten Gelegenheit, ihre Fragen an Angela Merkel zu richten. Auch die <a href="http://blog.zeit.de/wahlen-nach-zahlen/category/wahlkampf/tv-duelle">anderswo</a> etwas vorschnell vermissten „2.0-Elemente“ finden bei der Vorbereitung ihren Platz, denn m&#246;glich ist auch die <a href="http://www.rtl.de/rtlaktuell/rtl_aktuell_artikel.php?article=27905">Online-Einsendung von Frage-Videos</a>, angelehnt an die popul&#228;ren <a href="www.youtube.com/debates">CNN/YouTube-Debates</a> aus dem vergangenen US-Wahlkampf.</p>
<p>Die <strong>Auswahl und das dramaturgische Arrangement der Fragen obliegt RTL</strong>, das somit die inhaltliche Linie der Sendung bestimmt. Der Ablauf der Sendung wird durch eine Doppelmoderation strukturiert, an der Seite von Peter Kloeppel steht Spiegel-TV-Moderatorin Maria Gresz. Das Moderationsduo leitet Themenbl&#246;cke ein und steht f&#252;r Nachfragen an die Kanzlerin parat, sollte das Studiopublikum zu zaghaft agieren.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus sollen auch einzelne Fragesteller per Einspielfilm vorgestellt werden, sp&#228;testens an dieser Stelle weicht das Town Hall Meeting von der urspr&#252;nglichen Formatidee ab. Zwar werden auch bei der US-Variante die Fragesteller gecastet (in der Regel durch ein „unabh&#228;ngiges“ Meinungsforschungsinstitut, die eine an demografischen Merkmalen orientierte Auswahl unentschlossener W&#228;hler vornimmt), doch beschr&#228;nkt sich deren Rolle auf den unmittelbaren <strong>Vortrag ihrer „pers&#246;nlichen“ Frage an die Kandidaten</strong>.</p>
<p>Im Zuge der Wahlberichterstattung begleitet RTL ausgew&#228;hlte B&#252;rger durch das „Superwahljahr“ und setzt deren individuelle „Geschichte“ in einen Bezug zu den gr&#246;&#223;eren Themen des Wahlkampfs – nun auch im Town Hall Meeting. Dagegen ist zwar prinzipiell nichts einzuwenden und f&#252;r die Dramaturgie der Sendung mag es durchaus dienlich sein, nur verwischt diese Vorgehensweise vollends die Idee der mehr oder weniger offenen „B&#252;rgersprechstunde“. Auch wenn RTL selbst auf ein Live-Feedback (Call-In, Zuschauer-Chat etc.) zu verzichten scheint, bleibt abzuwarten, inwiefern das Publikum bereits von <strong>US-amerikanischen Vorbildern</strong> gelernt hat. Im vergangenen Jahr verzeichneten Live-Blogs w&#228;hrend der Debatten gro&#223;e Aufmerksamkeitserfolge, und &#252;ber Twitter meldeten sich unz&#228;hlige Instant-Kommentatoren zu Wort.</p>
<p>Ein echtes Konkurrenzformat zum etablierten „Kanzlerduell“ ist das Town Hall Meeting schon durch den <strong>„Alleingang“ von RTL</strong> nicht, eine Auswirkung auf die Gestaltung der quasi-offiziellen Formate im Herbst scheint unwahrscheinlich. Voraussichtlich im September, nach der Dreifach-Wahl in Sachsen, Th&#252;ringen und dem Saarland, d&#252;rften ein bis zwei Debatten im klassischen Press Panel-Format mit mehreren Fragestellern arrangiert werden. In den USA gilt die umst&#228;ndliche L&#246;sung l&#228;ngst als antiquiert und ist vom Modell des Single Moderator verdr&#228;ngt worden. Dem Vernehmen nach streben die vier Sender wie im Jahr 2002 ein <strong>Splitting in eine „&#246;ffentlich-rechtliche“ und eine „private“ Debatte</strong> an, damit jeder Sender zumindest die H&#228;lfte des Interview-Tischs mit einer Ankerperson besetzen kann.</p>
<p>Immerhin – die RTL-Initiative bringt Bewegung in die Diskussionen um die Rolle hervorgehobener Debattenformate im Wahlkampf und vielleicht auch in die <strong>komplexer gewordene, digital aktivierte Medienlandschaft</strong>. Angesichts der verfahrenen Situation, die von undurchsichtigen Absprachen zwischen Politik und Medien gekennzeichnet ist, darf man sich dar&#252;ber durchaus freuen. Auch wenn die tats&#228;chliche Ausf&#252;hrung wenig mit der eigentlichen Debattenform zu tun haben d&#252;rfte, k&#246;nnte das „Townhallmeeting“ (RTL-Programmank&#252;ndigung) Anregungen f&#252;r den weiteren Verlauf des Wahljahres geben.</p>
<p>F&#252;r eine unmittelbar bevorstehende Wahlentscheidung kommt der Impuls aber in jedem Fall zu sp&#228;t: im Vorfeld der <a href="http://www.bundestag.de/parlament/wahlen/146/index.html">Wahl des Bundespr&#228;sidenten</a> w&#228;ren eine oder mehrere Debatten, durchaus auch als Town Hall Meeting, eine interessante Variante gewesen. Problematisch ist hierbei zwar die Tatsache, dass mit der wahlberechtigten <a href="http://www.bundestag.de/wissen/analysen/2008/wahl_des_bundespraesidenten.pdf">Bundesversammlung</a> eigentlich nur eine sehr begrenzte „Zielgruppe“ existiert, die von den Kandidaten nur schwer adressiert werden kann. Doch im Sinne einer <strong>politischen Bildungsveranstaltung</strong> h&#228;tte eine kleine, aber feine Debattenserie sicherlich gute Dienste zur Popularisierung von Amt und Kandidatenfeld geleistet. Denn wer kennt schon den Namen des vierten Kandidaten?</p>
<p>An diesem Beispiel zeigen sich zugleich die <strong>strukturellen Probleme von TV-Debatten im parlamentarischen System</strong>: kleine Parteien, respektive deren prominentere Vertreter geraten angesichts der Fokussierung auf die so genannten „Kanzlerkandidaten“ in den Hintergrund. Die Fernsehsender mit ihrem Interesse an der gro&#223;en Quote verst&#228;rken diesen Effekt und werden zum Gefangenen ihrer eigenen Rhetorik: „Duelle ohne Kugeln“ lassen sich viel besser vermarkten als die vielschichtigeren Debattenformate und -serien, die dem un&#252;bersichtlicher gewordenen Parteiensystem der Bundesrepublik gerecht werden k&#246;nnten.</p>
<p><em>Weiterf&#252;hrende Materialien zu den Fernsehdebatten hat der Autor in seinem Weblog <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com">Internet und Politik</a> zusammengestellt.</em></p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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